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Kultur Fibel Magazin
Bronzene Statuette in Beterhaltung 18.–17. Jh. v. Chr.

Babylon
Wahrheit und Mythos

Gesellschaftsmagazin

Arbeit
Effektive Anbaumethoden, eine ausgefeilte Buchhaltung und Planung, straffe Personalverwaltung und juristisch verlässliche Grundlagen, staatlicher und privater Handel, industriell anmutende Fertigungsmethoden, Experimentierfreude - dies waren die bestimmenden Merkmale des wirtschaftlichen Lebens in Babylon. Auf dieser Basis vollzog sich jenes „Wunder", von denen uns die Legenden berichten.
Reichhaltige und vor allem höchst unterschiedliche Zeugnisse materieller Kultur vermitteln in diesem Abschnitt der Ausstellung ein lebendiges Bild über die babylonische Wirtschaft, den Ackerbau (der Samen wurde durch einen Samenpflug, mit hoher Effiziens, einzeln, hintereinander in die Furchen gesät, erst im 19. Jahrh. n. Chr. stellten die Europäer die Handwurf Aussaat ein) und die Viehhaltung, die unterschiedlichsten Handwerksformen, den Fernhandel und die Wirtschaftsverwaltung.

Nachleben
Babylon wurde nie vergessen - auch wenn sich das Bild in unseren Köpfen wandelte. Neben dem „Nachleben" der „babylonischen Realität" in der europäisch geprägten christlich alttestamentarischen Vorstellung gab es auch ein Nachleben Babylons in anderen Kulturkreisen.
Die klassische Antike bewahrte vor allem die technologischen Errungenschaften wie die Glasproduktion und die Metallverarbeitung. Die arabisch-islamische Tradition drückt sich vor allem in der Tradierung wissenschaftlicher Erkenntnisse aus, aber auch in der Liebe zu den Gärten. In der jüdischen Tradition ist Babylon nicht negativ besetzt. Der babylonische Talmud ist nur eines der Zeugnisse dafür. Gedanken und Assoziationen waren wohl die Baustoffe für den Mythos Babel.

Babylon: Mythos
(Ausstellungkapitel im Nordflügel des Peragmonmuseums)
Babylon dient seit Jahrtausenden als Metapher für die dunklen Seiten der Zivilisation. Unfreiheit und Unterdrückung, Terror und Gewalt, Hybris und Wahn - in der europäischen Kunst und Kultur ist der Mythos Babylon verknüpft mit den Urängsten der Menschheit. In diesem Teil der Ausstellung erleben die Besucher die mythische Geschichte vom Aufstieg und Fall Babylons als Stadt der Sünde und der Tyrannei, als Schauplatz der Sprachverwirrung und als Metropole der ewigen Apokalypse. Sie werden auf eine Expedition geschickt zu den geheimnisvollen Quellen dieses Bildes, seiner Entstehung und Tradierung über die Jahrhunderte bis heute. Hier wird nicht die historische Wahrheit über Babylon erzählt, sondern die Wahrheit über eine Zivilisation, die den Mythos Babylon braucht, um sich selbst zu verstehen.

Künstlerische Interpretation der Hängenden Gärten der Semiramis
Künstlerische Interpretation der Hängenden Gärten der Semiramis
(Stich des niederländischen Künstlers Maarten van Heemskerck,
16. Jhd.)
Landschenkungsurkunde aus Stein, über und über verziert mit göttlichen Symbolen
Bronzene Statuette in Beterhaltung 18.–17. Jh. v. Chr.;
5,5 x 23,5 cm, © Vorderasiatisches Museum,
Staatliche Museen zu Berlin, Foto: Olaf M. Teßmer
Keine Hure! Babylon war nicht Babel 2008.
Landschenkungsurkunde aus Stein, über und über verziert mit göttlichen Symbolen
14.-13. Jh. v. Chr.; 35,5 x 50 cm, © Vorderasiatisches Museum,
Staatliche Museen zu Berlin, Foto: Olaf M. Teßmer
Babylon-System
Das „Babylon System" führt in die Zeit der Jüdischen Gefangenschaft und damit zum Ursprung aller Babylon-Mythen.
Keineswegs erlitten die Juden im Babylonischen Exil unter Nebukadnezar II. (605-652 v. Chr.) ein leidvolles Martyrium unter barbarischer Fremdherrschaft. Vielmehr erfuhren sie eine wohlwollende Behandlung, die ihnen die Fortführung der jüdischen Traditionen und die Entfaltung ihrer religiösen Identität erlaubte. Dennoch wurde die Gefangennahme der Israeliten in der christlichen Überlieferung zu einer Leitmetapher für Verfolgung, Knechtschaft und Unterdrückung. Die junge Judäerin Judith beispielsweise, die den babylonischen Heerführer Holofernes bei der Belagerung ihrer Heimatstadt Bethulia enthauptete — eine apokryphe Geschichte (Judith 10-13), die in der Bibel ohne historische Basis in die Zeit Nebukadnezars verlegt wurde —, wurde zu einer Identifikationsfigur der Verfolgung und des Widerstands.
In gleicher Weise mythifiziert wurden der nach Babylon verschleppte und von Nebukadnezar in die Löwengrube geworfene Prophet Daniel (Daniel 6, 1-27) sowie Jeremias, der Künder, der die Zerstörung Jerusalems weissagte und trauernd auf den Trümmern seiner Stadt zurückblieb (Jeremia 21,3-14). Diese Schreckensszenarien werden ergänzt durch die zahlreichen Illustrationen und Vertonungen des Psalms 137 über die Trauer der ihrer Freiheit beraubten Juden „an den Wassern zu Babel", fern ihrer Heimat. Dieser Mythos übertrug sich in der Vorstellungswelt der jamaikanischen Rastafari — ausgehend von der kolonialen Versklavung und Verschleppung ihrer afrikanischen Vorfahren in die Karibik — auf die gesamte westliche Zivilisation und prägte den Begriff des „Babylon-Systems".
Keine Hure! Babylon war nicht Babel 2008.
Plakat zur Ausstellung „Babylon. Mythos und Wahrheit“
© SMB, Generaldirektion, Gestaltung: MetaDesign AG
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