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Wie ich zu den
Hui Chun Gong-Übungen kam
Hui Chun Gong
Übung zur Rückkehr des Frühlings:
für strahlendes Aussehen und einen gesunden Körper.
Meine Begegnung mit Madame Chan
Hui Chun Gong* bedeutet »Übung zur Rückkehr
des Frühlings«. Mit Frühling ist hier natürlich nicht
die Jahreszeit gemeint, sondern die frühlingshafte Frische der Jugend.
Die Übungen selbst gelten als geheime Übungen, die von daoistischen
Mönchen entwickelt wurden, um das Leben und die jugendlichen Qualitäten
zu verlängern. Erst Ende der 80er Jahre ist diese Bewegungsfolge ans
Licht der (chinesischen) Öffentlichkeit getreten und wird im chinesischen
Bereich von Lehrer zu Schüler weitergegeben.
Hier möchte ich schildern, wie ich mit dieser Übung in Berührung
kam. Seit vielen Jahren halte ich mich.mehrere Wochen im Jahr in Singapur
auf, um dort vom fachlichen Austausch mit chinesischen Akupunkteuren oder
Bewegungstherapeuten zu profitieren. Neben dem Besuch von Krankenhäusern
steht für mich der allabendliche Besuch einer Tai-Chi Schule auf dem
Programm. In langen Übungsstunden verbesserte dort eine Tai-Chi-Lehrerin
geduldig meine Form und meinen Stil. Ich kannte Madame Chan nun schon einige
Jahre, und zwischen der älteren, etwas fülligen Dame und mir hatte
sich eine Art Freundschaft entwickelt.
Wie erstaunt war ich daher, als ich im Januar 1989 eine ihr zwar ähnlich
sehende, aber sehr viel jüngere und schlankere Frau an ihrer Stelle vorfand.
Ich grüßte die neue Lehrerin freundlich, schmollte jedoch innerlich,
da ich meine geliebte Madame Chan natürlich der »Neuen« vorzog.
Während einer Übungspause erkundigte ich mich bei einem anderen
Lehrer nach ihr. Unterrichtete sie etwa nicht mehr bei der Schule? »Aber
sie steht doch dort drüben bei der Gruppe, mit der Sie geübt haben!«
war die Antwort. Ich sah in die Richtung, auf die er mir zeigte und war nun
völlig konsterniert. Nicht Madame Chan stand da, sondern die »Neue«.
Und diese lächelte nun zu mir herüber. Es dauerte einige Minuten,
bis ich mich gefasst hatte und meinen Irrtum begriff.

Bilder: Auszug
aus der Übung Drachenschwimen
 
Die Dame, die dort stand, war mir wohlbekannt, es war meine alte, geliebte
Lehrerin. Ihr Äußeres hatte sich ganz unerklärlich geändert,
sie war deutlich schlanker und zeigte mehr Figur. Ihre Haut war frisch und
glatt, auch Haltung und Gang schienen merklich straffer. Während meines
Aufenthaltes in Singapur wurde mir erklärt, dass man mich 1989 einem
Test unterzogen habe. Madame Chan übermittelte mir eine ähnliche,
aber nicht so wirksame Übungsreihe, um festzustellen, wie viel ich davon
behalten konnte und ob ich auch wirklich ein Jahr lang üben würde.
Als ich den »Test« ein Jahr später bestanden hatte, durfte
ich das echte Hui Chun Gong kennenlernen, das nur von einem Meister persönlich
übermittelt wird. Die Chinesen legen großen Wert auf den Vorgang
der Übermittlung von »Herz zu Herz« und lehnen das Lernen
aus Büchern ab. Jeder Meister fügt aus seinem eigenen Erfahrungsschatz
Verbesserungen hinzu, sodass die Form lebendig bleibt und sich unaufhörlich
vervollkommnet. Diese hauchfeinen Änderungen sollten aber wirklich nur
den erfahrenen Meistern vorbehalten bleiben; sie blicken nämlich auf
eine zwanzig bis dreißig Jahre lange Praxis zurück, haben Kenntnisse
in chinesischer Medizin und wissen daher, an welchen Stellen die Essenz unverändert
bleiben muss.
Mit Hui Chun Gong hat es aber noch eine besondere Bewandtnis, wurde mir erklärt,
und diese ergibt sich aus seiner Geschichte, erzählte mir meine Lehrerin:
Nun lag es an mir, auf sie zuzugehen und sie noch einmal,
und diesmal ganz besonders herzlich, zu begrüßen. Ich gestand ihr
fassungslos, dass ich sie, obwohl ich eine Stunde in ihrer Gruppe geübt
hatte, nicht wiedererkannt hatte. Sie fasste es als Kompliment auf und amüsierte
sich über meine offenkundige Verwirrung und Verlegenheit. Dann tänzelte
sie in neuer Pracht ein paar Schritte auf und ab, anscheinend auf die unerlässliche
Frage wartend, die ich jetzt stellen musste: »Was haben Sie nur gemacht,
dass Sie so jung aussehen?« Die Lehrerin schmunzelte, klopfte mir freundschaftlich
auf die Schulter und sagte: »Hui Chun Gong.«
Ich wusste nur eines, das musste ich auch lernen und ich
bat Madame Chan, mich in Hui Chun Gong zu unterrichten. Sie verwies mich auf
die Zeit nach den regulären Übungsstunden, deren Ende ich heute
kaum erwarten konnte.
Endlich war es soweit: die anderen Schüler packten ihre Sachen und verabschiedeten
sich. Ich wartete auf meine Lehrerin, die mich zu einer der riesigen Spiegelwände
dirigierte. Sie erklärte mir, dass es sich bei dieser Übungsreihe
um sechzehn ganz einfache Bewegungen handelte, die im Stehen ausgeführt
würden.
Wichtig sei außerdem, dass jede Bewegung auf den Prinzipien
der chinesischen Bewegungstherapie beruhe. Und das sei schon alles. Sie drehte
sich dem Spiegel zu, ließ mich hinter sich stehen und begann mit der
ersten Übung. Am Ende der Unterrichtsstunde konnte ich mich nur wundern.
Die Übungen waren geradezu lächerlich einfach und es fiel mir schwer
zu glauben, dass sie eine derartige Wirkung haben sollten, wie ich sie an
Madame Chan gesehen hatte.
Ich zückte nun Bleistift und Papier, um das Gelernte
zu notieren und bat meine Lehrerin, mir noch einmal die genaue Reihenfolge
zu zeigen. Aber sie war nicht bereit auch nur eine Übung zu wiederholen.
Sie sprang sogar auf, um meine angefangenen Notizen durcheinander zu schütteln.
»Das muss reichen«, sagte sie, »jetzt üben Sie erst
einmal.«
Noch spät in der Nacht versuchte ich in meinem Hotelzimmer, die Reihenfolge
und den Ablauf der Übungen zu rekapitulieren. Schon im Bus hatte ich
mit geschlossenen Augen versucht, mir möglichst genau die Bewegungen
zu imaginieren, immer wieder fiel mir eine Variante ein. Nach einiger Zeit
des Nachdenkens hatte ich es auf elf der Übungen gebracht, derer ich
mich korrekt erinnern konnte.
Mir fiel auf, dass ich bis spät in die Nacht hinein munter und frisch
war und keinerlei Lust hatte, mich schlafen zu legen. Noch nie in all den
Jahren hatte ich mich im feuchtheißen Klima Singapurs so wohl gefühlt
und ich schrieb diesen Effekt den Hui Chun Gong-Übungen zu, die ich heute
Abend einige Stunden lang ausgeführt hatte.
Beim nächsten Treffen bat ich meine Lehrerin, mir die noch fehlenden
vier Übungen zu zeigen, an die ich mich nicht mehr erinnern konnte. Sie
winkte ab, erklärte mir statt dessen die Grundlagen der chinesischen
Bewegungstherapie. Nun, da ich offensichtlich nicht das bekam, was ich gerne
wollte, begnügte ich mich damit, die elf Bewegungen auszuführen.
Das tat ich ein ganzes Jahr lang einige Minuten täglich. Ich fühlte
mich gesund und einige lästige kleinere Gesundheitsstörungen verschwanden
in dieser Zeit.
Im Januar 1990 kam ich wiederum nach Singapur. Stolz präsentierte
ich Madame Chan die Liste der Hui Chun Gong-Übungen, die ich ein Jahr
lang geübt hatte. Ich demonstrierte auch, wie ich sie auszuführen
pflegte.
»Jetzt ist es soweit«, bat ich, »bitte zeigen Sie mir die
restlichen vier Übungen! Ich habe ein ganzes Jahr gewartet.« Sie
lächelte mich an und sagte: »Kommen Sie morgen früh um sieben
in den Park!«
Morgen früh um sieben! Welch eine grausame Zeit: In Singapur endeten
die Abende kaum vor ein Uhr nachts. Aber mein Wunsch, Hui Chun Gong vollständig
zu lernen war stärker als meine Trägheit. Bei stockdunkler Nacht
ging ich aus dem Haus, um pünktlich in den Park zu gelangen. Dort wurde
ich einem Meister vorgestellt, der die Übungen leitete. Eine Schar eifriger
Chinesen drängte mich freundlich, den besten Platz hinter dem Meister
einzunehmen.
Er begann sich langsam zu bewegen und ich fiel von einem Staunen in das andere:
Die Übungskunst das andere: die Übungen war viel einfacher als die,
die ich vor einem Jahr gelernt hatte. Sie waren geradezu lächerlich einfach
ich blickte nach hinten zu Madame Chan, die beinahe genüsslich geheimnisvoll
lächelte. Also war alles in Ordnung. Schon nach einer Viertelstunde der
Übungszeit fühlte ich in mir eine beglückende, warme Energie
aufsteigen.
Die Übungskunst des Meisters liegt in der Einfachheit.
Seit diesem Tag haben mich diese so einfachen Übungen in ihren Bann gezogen.
Sie erfüllen mich täglich mit Wohlbefinden und Stabilität und
ich freue mich, sie erstmalig im Westen bekannt machen zu dürfen.
Die Legende des Hui Chun Gong
Die
Transkription der chinesischen Schriftzeichen wird von der Singapurer Bevölkerung
etwas altmodisch
mit Hui Chon Gong wiedergegeben. Ich habe für diese Publikation die modernereUmschrift
Hui Chun Gong gewählt,
wobei beide Möglichkeiten fachlich richtig sind.
Als in China noch die Kaiser herrschten, wurden
sie vom Volke als Götter betrachtet, auch sie selbst hielten sich für
»Söhne des Himmels«. Um ihre Lebenszeit möglichst lange
auszudehnen, beauftragten sie die Pharmakologen nach Mitteln zu suchen, die
lebensverlängernd wirkten. Diese machten sich an die Arbeit und stellten
nach vielen Versuchen die sogenannte »Pille der Unsterblichkeit«
zusammen. Ein Bestandteil dieser Pille war z. B. die Ginsengwurzel, aber auch
Tierprodukte und Mineralien wurden verwendet. Aber trotz aller Kunst der Pharmakologen
endete das Leben der Kaiser nach sechzig oder siebzig Jahren.
Im großen chinesischen Reich gab es ein Kloster, in dem sich die Mönche
dem Studium des Daoismus und der Meditation widmeten. Diese Mönche wurden
alle etwa 120 Jahre alt und blieben dabei geistig und körperlich frisch.
Als der Kaiser von diesem Phänomen hörte, befahl er die Mönche
dieses Klosters zu seinem Hofe. Als sie nun vor ihm standen, fragte er sie
nach ihrem Geheimnis der Jugend. Die heiligen Männer berichteten ihm,
dass sie in den langen Stunden der Meditation Energiekanäle im Körper
erfahren hätten, durch die der menschliche Körper die Kräfte
des Himmels und der Erde aufnähme. Sie hätten einige ganz einfache
Übungen entwickelt, um den Körper mit diesen Energien aufzutanken.
Das ist das ganze Geheimnis.
Der Legende nach verpflichtete der Kaiser die Mönche dazu, ihn diese
Kunst zu lehren. Es war ihnen bei Strafe verboten, sie anderen zu übermitteln,
nur der Kaiser selbst durfte Hui Chun Gong üben, um damit die Unsterblichkeit
zu erlangen.
Verbreitet wurden die Übungen in neuerer
Zeit durch den Chinesen Bian Zhizhong, der als einer der letzten von den Mönchen
des Huashan-Klosters unterrichtet wurde. Man erzählte mir, dass er lange
mit sich gerungen habe, bevor er Hui Chun Gong der Öffentlichkeit vorstellte.
Die Klosterregeln waren hart und verboten die Verbreitung der geheimen Bewegungen;
ebenso gefährlich war es, während der Zeit der Kulturrevolution
diese verpönten Künste vor aller Augen zu üben. Bian Zhizhong
übte jahrelang hinter verschlossenen Türen, ohne dass ein Außenstehender
davon wusste. In der Zwischenzeit waren alle daoistischen Mönche der
Huashan-Tradition gestorben und er selbst war schon beinahe siebzig Jahre
alt. Sein Drang, diesen kostbaren Schatz chinesischer Tradition zu retten
und zu erhalten, führten Bian Zhizhong schließlich dazu, die Geheimhaltung
zu brechen und die Übungen zu veröffentlichen. Von ihm lernte mein
Meister diese Kunst und gibt sie heute in Singapur weiter.
Früher wollten die chinesischen Kaiser
nicht auf ihr ausschweifendes Leben verzichten und mit Hilfe von Hui Chun
Gong dessen Spuren verwischen und Unsterblichkeit erlangen. Heute stehen diese
geheimen Übungen jedem Menschen offen, der sie für Gesundheit, strahlendes
Aussehen und Jugendlichkeit nutzen möchte.
Aus diesem Grunde, so erklärte Madame
Chan, achtete man auch heute darauf, wer diese Übung erlernen dürfe.
Mir gefiel diese Legende, besonders da ich am eigenen Körper erfahren
durfte, von welch gewaltiger Wirkung die Hui Chun Gong-Übungen sind.
Die Grundlagen der Hui Chun Gong-Übungen
Hui Chun Gong ist Teil der chinesischen Atem-
und Bewegungstherapie, dem Qi Gong
Energie für den Körper durch langsame Bewegung und sanfte Konzentration:
einfach und überaus effektiv.
Die Übungen gehören zum Medizinschatz
der chinesischen Bewegungstherapie. Uns westlichen Menschen fällt es
schwer daran zu geben, dass nachhaltige Folgen für das Wohlbefinden und
die Gesundheit aufgrund solch einfacher Bewegungen entstehen können.
Für die Chinesen selbst stellt das kein Problem dar, denn ihnen ist die
jahrtausendalte Überlieferung ihrer Medizintradition bewusst. Diese Tradition
bezieht sich nicht nur auf die Bewegungstherapie, sondern umfasst ebenso Pharmakologie
und Zhen Jiu (Akupunktur und Moxibustion).
Hui Chun Gong gehört zur Atem- und Bewegungstherapie, die in China Qi
Gong genannt wird. Wörtlich übersetzt heißt das »Energie-Arbeit«.
Qi, Wort für Energie, hat in der chinesischen Medizin, Literatur und
Kunst eine ganz besondere Bedeutung. Ohne Qi gäbe es keinerlei Leben,
Qi ist die Urenergie, die vitale Energie, die den ganzen Kosmos durchpulst.
Wen Qi stockt, entstehen Krankheiten, wenn Qi erlischt, steht der Tod vor
der Tür.
Die Chinesen entdeckten, dass durch langsame Bewegungen und die innere Sammlung
auf bestimmte Körperzonen die Energie des menschlichen Körpers aufgebaut
und reguliert werden kann. Wo, wann und wem dies erstmals herausgefunden wurde,
ist uns heute unbekannt. Die ältesten schriftlichen Zeugnisse von Qi
Gong reichen viertausend Jahre zurück.
In seinem Buch »Lü Shi Chunqiu« (Frühling und Herbst)
berichtet Lü Bu Wei von einer Klimakatastrophe. Vermutlich handelte es
damals um weitreichende Überschwemmungen, die ein feuchtkaltes Klima
zur Folge hatten. Die Menschen erkrankten aufgrund dessen an - heute würde
man sagen — rheumatischen Beschwerden, d. h., Muskeln Sehnen und Knochen
wurden betroffen und schmerzten. Wörtlich heißt es: »Die
Knochen und Sehnen entspannten sich und gehorchten nicht mehr. Da erfand er
einen Tanz, um die Menschen wieder zur Bewegung anzuleiten.«
Der Erfinder dieses Tanzes, von dem wir heute annehmen, dass es sich dabei
um Qi-Gong-Übungen handelte, die in der Art eines langsamen Tanzes ausgeführt
werden, war der legendäre Herrscher Tao Tang, der dem mythischen Zeitalter
zuzurechnen ist. >>>>
Sexualität, Leben und Tod
An dieser Stelle möchte ich noch auf die bei den Chinesen beiderlei Geschlechts
so auffälligen Ängste, die alles Genitale betreffen, eingehen. Beim
Lesen medizinischer, pharmakologischer oder bewegungstherapeutischer Bücher
aus China hat man des öfteren das Gefühl, als beschäftige den
Durchschnittschinesen nichts mehr als die Erhaltung seiner Potenz. Um das
zu erreichen, greift man zu den eigentümlichsten Mitteln. Die Chinesen
sind darin nicht gerade zimperlich und versprechen sich auch von ekelhaften
Maßnahmen, wie dem Verzehren halblebender Tiere, etwas für ihre
Sexualkraft. Das Schreckgespenst junger Frauen, die Kinder bekommen, ist eine
erschlaffte Vaginalmuskulatur. Manchmal berührt es sogar peinlich, wie
ausführlich diese Störungen in der Medizinliteratur erörtert
werden. Seite um Seite beschäftigen sich auch Qi Gong-Bücher mit
diesem Thema und man fragt sich bald, ob es denn wirklich nichts Wichtigeres
gibt. Zudem werden die Fallbeispiele, die dieses Thema betreffen, in der chinesischen
Literatur so dramatisch, um nicht zu sagen tragikomisch, geschildert, dass
man manchmal nicht anders kann, als über diese Storys zu lachen.
Hinter dieser Überbewertung der Potenz,
steht die gigantische Angst sie zu verlieren. Da die Chinesen ihre Vitalenergie
in der Sexualkraft beheimatet glauben, ist die Sorge um die Potenz gleichsam
nur vorgeschoben. Das wirkt um so glaubhafter, da ja die Sexualkraft wirklich
eine gewaltige Kraft ist und sexuelle Probleme daher aufreibend sein können.
Trotzdem glaube ich aufgrund meiner Kenntnisse der chinesischen Mentalität,
dass die Chinesen noch etwas mehr fürchten als das Schwinden ihrer Sexualkraft.
Sie fürchten das Schwinden ihrer selbst, den Tod.
Im chinesischen Brauchtum und in der Literatur gibt es kein Thema, um das
sich mehr an Magie, Mystik und Ritus rankt als um das Abwenden des Todes.
Im Glauben, dass Sexualkraft und Lebenskraft eins sind, kämpfen die Chinesen
gleichsam um ihr Leben, wenn sie Maßnahmen ergreifen, um »potent«
zu werden. Natürlich sprechen sie immer nur von der Sexualfunktion, die
wieder erstarken soll, und nicht vom Tod. Denn der Tod ist zu furchtbar, als
dass er nur erwähnt werden dürfte, er ist tabu.
Im modernen Singapur gibt es die berühmte
Sago Lane, das ist eine Straße mit alten einstöckigen Häusern,
die unten einen größeren Raum haben, der von der Straße her
einsichtig ist. Balkone, Fensterläden und Brüstungen sind mit rotschwarzen
Spruchbändern beklebt. Konkave, Spiegel, Masken von abschreckenden Gottheiten
und anderes aus der Waffenkammer des chinesischen Volksbrauchtums sind an
der Außenseite dieser Häuser angebracht. In diese Häuser werden
sterbende Menschen von ihren Familienmitgliedern gebracht. Sie liegen dann
aufgebahrt in den unteren Räumen und warten auf den Tod. Die Familie
fürchtet sich davor, einen Sterbenden bei sich zu Hause zu haben, denn
das würde Unglück bringen.
Aus dieser Verleugnung heraus entstand die Transponierung der Todesangst auf
ein anderes wichtiges Thema im Menschen, nämlich die Sexualität.
So gesehen mutet es geradezu rührend an, wenn man die vielen Menschen,
die sich meist in vorgerücktem Alter befinden, in den Parks die sogenannten
inneren Stile spielen sieht, die alle dasselbe Ziel haben:
Die Steigerung der Vitalkraft.
Mittels der Steigerung ihrer Vitalkraft tricksen die Chinesen den Tod aus,
indem sie mit ihm spielen. Das erinnert wieder an den Sagenschatz aus unserem
abendländischen Bereich. Auch dort erfahren wir, dass es legitim ist,
den Tod auszutricksen und sich noch ein paar angenehme Jahre zu ergattern.
»Spielen« wir also Hui Chun Gong!
Empfehlungen bei Erkrankungen
Auf den folgenden Seiten möchte ich Ihnen eine kleine, nicht vollständige
Übersicht geben, aus der Sie entnehmen können, welche Übungen
bei bestimmten Beschwerden am geeignetsten sind. Die Aufzählung ist nicht
vollständig, weil ich nur das wiedergeben kann, was ich von meinen chinesischen
Lehrern bzw. ergänzend von Kursteilnehmern meiner Seminare erfahren habe.
Da Hui Chun Gong regulierend in alle Körpervorgänge eingreift, kann
es bei jeder Art der Erkrankung geübt werden. Ausgenommen sind die Übungen
Rückkehr des Frühlings, Vitalenergie und Der Adler schärft
seine Krallen: Diese Übungen sind nicht für Schwangere
geeignet und können zu ernsthaften Problemen führen, wenn sie dennoch
ausgeführt werden.
Akne, Hauterkrankungen: Gesichtsübungen, Vitalenergie.
Allergie: Alle Übungen, besonders aber Vitalenergie.
Arthritis, Knochenprobleme: Rückkehr des Frühlings,
Vitalenergie, Die Niere stärken. Die Übungen sind darauf aufgebaut,
das Nierensystem zu stärken. In der chinesischen Medizin sind die Nieren
für den Aufbau und Zustand der Knochen verantwortlich. Alle Knochenschmerzen
und Beschwerden des Bewegungsapparates sind daher in einer schwachen Nierenfunktion
begründet. Durch die Stärkung der Nieren verschwinden die Knochenschmerzen
und Probleme ganz von selbst.
Asthma: Schulteröffnen, Schulterkreisen, Himmelskreise
Autoimmunerkrankungen: Das gesamte Set.
Beckenbodensenkung: Rückkehr des Frühlings, Vitalenergie, Erdkrei¬sen,
Der Phönix breitet seine Flügel aus.
Blasenentzündung: Vitalenergie, Pumpen des Yin.
Blutdruck, zu hoch oder zu niedrig: Alle Übungen, da
Hui Chun Gong die Gefäße des ganzen Körpers entspannt und
die Kapillardurchblutung fördert. >>>>
Die Sexualkraft:
für die Chinesen ein Symbol für das Leben und Schutz
gegen das Schreckgespenst des Todes.
Hui Chun Gong:
das spielend leichte Geheimrezept der Chinesen
für mehr Erotik und ein langes Leben.
© - Copyright:
HUI CHun Gong,
Verjüngungsübungen der Kaiser in China, Qi Gong
Erotik Sexualkraft und ein langes Leben
Leben Sexualität, Potenz und Schutz vor dem frühzeitigen Tod.
Foto Monnica Hackl: Brigitte Würz
Leseprobe, Foto und Buchumschlag,
Südwest Verlag
Sämtliche
Fotos, wenn nicht durch Bildunterschrift gekennzeichnet,
Text, Layout und Design Kultur
Fibel Verlag GmbH, Berlin,
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