Kultur Fibel Magazin
ich will nicht mehr schweigen, Neudeck, krieg Israel Palästine


Verbrechen gegen
die Menschlichkeit
der Israelis


Ich will nicht mehr schweigen

Recht und Gerechtigkeit in Palästina

Abraham Melzer Verlag
304 S. Gebunden

im Buchhandel

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Frieden jetzt! - PEACE NOW, lieber Daniel Barenboim.
Autor und Verleger widmen das Buch dem Musiker, Dirigenten und Meisterpianisten Daniel Barenboim, der Mut hatte gegen alle Hoffnungslosigkeit, und der am 21. August 2005 mit seinem gemischt arabisch-israelischen Orchester in Ramallah der Welt ein Zeichen gab. Mögen es ganz viele annehmen und daraus eine ganz neue Friedensbewegung machen.

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Rupert Neudeck

„Wir (Israel) haben keine Gaskammern und Krematorien, aber es gibt nicht nur
eine bestimmte Methode für den Genozid“.

Schulamit Aloni
(ehemalige israelische Erziehungsministerin, am 6. März 2003 in der Ha'aretz)

geboren 1939, studierte Philosophie, Germanistik, Soziologie, Theologie und promovierte über die politische Ethik bei Satre und Camus. Danach arbeitete er mehrere Jahre als Journalist. Der gläubige Katholik und dreifacher Vater ist auch als Publizist tätig.
Für humanitäre Engagement erhielt er mehrere Auszeichnungen.

AUSZÜGE

Vorwort
Norbert Blüm

Mutprobe Neudeck
Mut mussten wir beweisen, wenn wir die Pfadfinderprüfung bestehen wollten. Also besiegten wir unsere Ängste und marschierten nachts allein durch finstere Wälder, durch-schwammen reißende Flüsse und kletterten auf schwinde-lerregend hohe Bäume. Das Selbstbewußtsein wuchs mit jeder Mutprobe, bei welcher der innere Schweinehund niedergekämpft werden musste und wir Sachen machten, die wir uns selbst nicht zugetraut hatten.
In den Initiationsriten primitiver Stämme ist eine oft nicht vermutete Klugheit eingebaut. Anerkennung ist kein Geschenk, sondern der Preis einer Anstrengung, die im Extrem bis zur Todesvergessenheit führt.
So viele und so starke Mutproben werden in demokratischen Gesellschaften gar nicht mehr verlangt. Niemand setzt sein Leben aufs Spiel, wenn er anderer Meinung ist. Es fließt kein Blut, es wird niemand erschlagen. Die öffentliche Meinung bedient sich feinsinniger Techniken, um jemanden mundtot zu machen. Es lässt sich niemand mehr den Mund verbieten. Man überhört ihn. Niemand bekommt das Maul gestopft. Man überfällt ihn mit einem hysterischen Wortschwall.
Israels Politik zu kritisieren fällt entweder durch den Rost der öffentlichen Meinung oder wird auf diesem Rost gegrillt. Eine Kritik an israelischer Politik löst reflexartige Reaktionen aus. Als erstes schreit Herr Spiegel vom Zentralrat der Juden „Antisemitismus". Im Chor des Entsetzens taucht dann auch das Wort „Rassismus" auf. Alles andere sind nur noch Variationen.


Nach Auschwitz sind solche Ein- und Vorwürfe nichts anderes als Denk- und Diskussionsverbote. „Auschwitz" ist geschehen. Es bleibt das größte denkbare Verbrechen. Wir können die Vergangenheit nicht annullieren. Die einzige Form einer produktiven Vergangenheitsbewältigung ist eine Zukunfsbewältigung, in der die Würde des
Menschen zu einem Tabu wird, das von jedermann geachtet und von niemandem in Frage gestellt wird. Die Würde des Menschen ist kein Mittel zum Zweck, sondern Selbstzweck der Humanität. Die Würde des Menschen verträgt keine Selektion zwischen Völkern. Das alles sind Lehren aus Auschwitz.
Es gibt keine Gründe, Menschen zu quälen. Selbst die Untaten ruchloser palästinensischer Selbstmordattentäter rechtfertigen nicht ein blindwütiges Zurückschlagen.

Neudeck kritisiert die Politik Israels.
Mit pubertären Mutbeweisen, die der Selbsterprobung gelten oder in Bewunderung aufgehen, hat das nichts zu tun. Für kindliche Selbsterprobung ist er zu alt, und Bewunderung ist weniger zu erwarten als das Ritual der Entrüstung. Neudecks Buch ist eher eine Form der Tapferkeit, die nach Aristoteles zwischen Feigheit und Tollkühnheit steht und die von Klugheit, Besonnenheit und Gerechtigkeit, den geschwisterlichen Kardinaltugenden, begleitet wird. Neudecks Buch ist ein kluger, besonnener und gerechter Zwischenruf gegen Hass und Terror.
Die Gewalt beider Seiten dient nicht der Abschreckung, sondern der Eskalation von Rache, bei der zu guter Letzt niemand mehr weiß, wer das Rad der Gewalt in Bewegung gesetzt hat.


Neudeck will nicht mehr feige sein.
Das ist die Antwort auf die Feigheit vieler Väter, die sich einst duckten, die Augen schlossen und sich davonmachten, als Juden in Deutschland deportiert und massakriert wurden. Der Kampf für Menschenrechte ist eine Art von Wiedergutmachung für die Verachtung der Menschenrechte, der sich Vorfahren von uns schuldig gemacht haben.
Ob von Beifall oder Pfiffen begleitet: Rupert Neudeck erhebt seine Stimme für die Schwachen, die selbst nicht gehört werden. Egal wo, ob für vietnamesische Bootsflüchtlinge auf dem chinesischen Meer oder für die Bombardierten in den Nuba-Bergen des Sudan, so auch für das gequälte Volk der Palästinenser in Nablus, Dschenin, Hebron oder Bethlehem.


Ein Antisemit kann er gar nicht sein, weil der, an den er glaubt, selbst ein Semit war, und dieser Jesus ist nicht nur für die Juden gestorben, sondern für alle Menschen.
Von Erwachsenen werden keine pfadfinderischen Mutproben mehr erwartet. Man muss sich nicht mit Gummibändern an den Füßen in Tiefen stürzen. Man soll nicht auf S-Bahnen surfen. Dieser Mut ist nur mutwillig. Tapferkeit dagegen ist eine sittliche Tugend, die nicht nur bei Soldaten zuhause ist, sondern eine Courage, auf die alle zivilen Gesellschaften angewiesen sind. Neudecks Buch ist ein Buch gegen bürgerliche Feigheit und für bürgerliche Zivilcourage.


Prolog Deutsche Befindlichkeiten


Dieses Buch hätte eigentlich nie erscheinen sollen. Der letzte Verleger, der mir das deutlich gemacht hat, ist J. Er hat einen ganz hervorragenden Ruf in der Fachwelt der deutschen Verlage. Am 10. März 2004 schrieb er mir die vorerst letzte Absage:
„So spannend ich die Idee finde, in einer Art Auseinander-setzung mit Martin Buber (jüdischer Religionsphilosoph (1878-1965) die Israel/Palästina-Problematik zu thematisieren und einer Lösung etwas näher zu bringen, so unmöglich erscheint mir dieser Ansatz in der Umsetzung. Je länger ich mich mit Ihrem Text befasst habe, desto mehr meine ich, dass es ganz generell nicht funktionieren kann, wenn man Buber mit ausgewählten Zitaten als Zeugen für die Bestätigung einer Entwicklung nimmt, die niemand gutheißen kann, der einigermaßen bei politischem Verstand ist und Humanität und Menschenrecht nicht völlig abgeschrieben hat.


Ihre Argumentation ist aus sich heraus überzeugend, sie wird meiner Meinung nach nicht überzeugender durch Bubers weitsichtige Einschätzung der Lage.
Sie treten ja nicht in einen Dialog mit ihm - wie könnte das auch gehen? -, sondern Sie zitieren ihn sozusagen als historischen Zeugen.
Dann aber müsste man, meine ich, systematischer vorgehen und schauen: Wie hat sich die Situation, auf die sich Buber bezieht, verändert? Wo genau könnte denn etwas, was er damals schon gesehen hat, auf die heutigen Zustände passen? Treffen seine philosophischen Überlegungen die heutige israelisch-palästinensische Befindlichkeit oder überstrapaziert man ihn da?
Eine andere Schwierigkeit sehe ich in der doch sehr assoziativen Vorgehensweise. Ich habe nichts an Ihrer Haltung auszusetzen, die teile ich; aber ich glaube kaum, dass man mit einem Text, der das Unrecht an den Palästi-nensern beschreibt, und zum Teil die Genese der neuen Intifada, aber ohne (für mich jedenfalls) erkennbares System Ereignisse seit 1945 zitiert oder weglässt, Leute überzeugen kann, die eine andere Meinung haben als wir.
Seit den Selbstmordattentaten ist das Verständnis für die Palästinenser auch nicht gewachsen. Und darum vor allem ginge es ja.

Das sollte jedenfalls der Sinn des Buches sein, Verständnis für die Problematik der jeweils anderen Seite zu schaffen. Das ist gerade in Deutschland so beladen, dass es mir geradezu als eine rettende Idee erschien, das in ein Gespräch mit Martin Buber zu verpacken. Aber ich glaube, so geht es leider doch nicht. Für einen reinen Appell an die Mensch-lichkeit, Gerechtigkeit, politisch richtiges Handeln, dafür ist das Buch nicht das richtige Medium.
Wenn der Appell mit einer Analyse verbunden wäre, die vielleicht einen neuen Weg politischen Handelns aufzeigen würde, dann sähe das allerdings anders aus."
Wahrscheinlich sollte ein solches Buch in Deutschland nicht erscheinen. Ist es zu früh? Ja, es ist in bestimmter Weise zu früh. Ich habe das auch akzeptiert. Ich lese gerade die Aus-einandersetzung des Historikers Hannes Heer mit seinem Gönner und Ziehvater Jan Philipp Reemtsma über die Wehr-machtsausstellung. Und ich kann nur dem Autor Hannes Heer zustimmen: Wir Deutschen haben die ganzen 60er und 70er Jahre die entscheidende Auseinandersetzung nicht geführt - diese Wehrmacht hat die Tragödie der deutschen Geschichte bewirkt. Die Tatsache, dass die Generäle alle feige und opportunistisch mit dem Gefreiten des Ersten Weltkrieges zusammenarbeiteten. Feigheit ist das Gesetz der Welt. Feigheit ist das Gesetz der Deutschen. Feigheit ist das Gesetz der Europäer, mit Ausnahme der Polen. Vor denen verneige ich mich in Ehrfurcht und Dankbarkeit, denn sie haben als einzige in Europa den Mut hochgehalten.

Auch der Verlag K, lehnte das Buch ab. Nachdem ich es S. geschickt hatte, war er der Meinung, es sei noch ein Stein-bruch. Doch als wir am Abend zusammensitzen, wird uns klar: Das Buch könne nur einen Aufschrei bewirken. Ich würde ja verurteilen. Ich würde ja die deutsche öffentliche Meinung gewinnen wollen. Und genau das wäre etwas, was nicht geht. Als wir ein andermal nachmittags in unserem Reihenhäuschen in der kleinen Gemeinde Troisdorf-Spich zusammensitzen, Ralph Giordano ist auch dabei, sprechen wir über das Zentrum gegen Vertreibungen (kurz: ZgV). Die Initiatorin Erika Steinbach sagte mir, sie wolle die Arbeit des ZgV unbedingt auf die europäischen Vertreibungen beschränken. Denn die Vertreibung der Palästinenser solle da um Gottes willen nicht mit hineinkommen. Das finde ich nach der Wehrmachtsausstellung dann doch ziemlich skandalös. Wir sollen eines der größten Vertreibungsge-schehen freiwillig außen vor lassen, weil wir schuldig sind und daher kein Recht hätten, das Geschehen als Unrecht wahrzunehmen und zu kritisieren?

Die Mauer - östlich von Jerusalem

Israel eine Bedrohung für den Weltfrieden?
Der ehemalige deutsche Außenminister Joschka Fischer, hat mit „Die Rückeroberung der Geschichte"(Köln: Kiepenheuer und Witsch, 2005.) vor der Bundestagswahl noch einmal ein Buch geschrieben, in dem er die Vorstellung von der einzigen Demokratie im Nahen Osten bedient. Er kann es ja auch nicht anders wissen, denn er wurde nie in Israel geheimdienstlich und hochnotpeinlich beim Verlassen des Landes befragt. Eine merkwürdige Demokratie ist das ...
In der Ausdrucksweise bleibt Fischer feige: Er übernimmt die völlig unangemessene offizielle israelische Vokabel vom „Sicher-heitszaun", den Israel um einige Palästinensergebiete gezogen habe. Das wäre so, wie wenn jemand sagen würde, er fährt mit dem Fahrrad irgendwohin, in Wirklichkeit aber setzt er sich in einen Mercedes Marke „Silberpfeil".
Die Wahrheit kommt nur in seltenen, unbeobachteten Momenten an den Tag. Über 60 Prozent der Deutschen sind der Meinung, Israel sei die größte Bedrohung für den Weltfrieden, über 50 Prozent sind überzeugt, Israel behandele die Palästinenser so wie die Nazis die Juden behandelt hätten. Der seiner Herkunft nach deutsche, heute holländische Jude Hajo Meyer, dem ich mehr Urteil zutraue als Henryk M. Broder, hat es genau beschrieben:
„Wenn man wirklich etwas genauer hinschaut", sagte Hajo Meyer, „dann kann man sehen, was den Palästinensern unter der Besat-zung tagtäglich widerfährt, und das seit 38 Jahren: - Würdeverlust und Demütigung, was besonders schlimm ist, wenn Kinder mitbekommen, wie dies ihren Eltern und Großeltern widerfährt;
- Sicherheitsverlust und Existenzangst;
- Verlust der Heimat infolge von Diebstahl oder durch Exil;
- innerhalb der Staatsgrenzen Israels: ein Leben als halber
Bürger, als halber Paria;
- in Palästina: vollständige Paria-Existenz; - Kollektivstrafen;
- Hunger und Armut."

Und dem fügt Hajo Meyer natürlich hinzu:
„Aber nein, keine Gaskammern!"
Man kann einer Frage nicht ausweichen, vor der alle jüdischen Gemeinden in Deutschland, ob reformiert, konservativ oder ortho-dox, bisher ausweichen: „Wie kann eine Kultur, die solch hohe Werte umfasste wie die jüdische, zu einem Volk, dem israelischen, entarten - einschließlich aller Juden in der Welt, die sich wie die meisten deutschen Juden völlig kritiklos hinter Israel stellen - das schamlos eine derart unmenschliche Behandlung eines anderen Volkes zulässt."
Die Antwort, die Hajo Meyer auf diese sich und anderen gestellte Frage gibt, ist für mich nicht überzeugend. Aber sie ist anders als bei Broder nicht nur eine Provokation. Er meint, dass der millionen-fache Mord, den die Juden durch den Holocaust erlebt haben, so groß und tiefsitzend sei, dass das jüdische Volk - soweit es über-haupt eines gebe - letztlich daran zugrunde gehen werde. Hajo Meyer paraphrasiert einen Aphorismus von La Rochefoucault: „Wenn das jüdische Volk jetzt am, durch den Holocaust erlit-tenen Schaden zugrunde gehen wird, heißt das keineswegs, dass das jüdische Volk schwach wäre, sondern dass der Holocaust zu stark war."
Aber - der gute Freund Halo Meyer sagt es natürlich so wie Martin Buber es sagen würde, der kein Talent zur Provokation hatte - es ist eine Äußerung zwischen dem Mir und dem Dir, zwischen dem Ich und dem Du.
Der Holocaust wird von Rechtsextremen in Israel dazu miss-braucht, unmenschliches Verhalten von Seiten jüdischer Siedler und israelischer Soldaten, das natürlich nicht zwangsläufig zum Tode führt, zu entschuldigen. Der entscheidende Schlüsselsatz heiße dann immer:
„Aber Gaskammern - die gibt es bei uns nicht."
(„Ende des Judentums“ erschienen im Melzer Verlag)
Das stimmt natürlich. Was jedoch vergessen wird, so hält Hajo Meyer es seinen Gevattern vor, ist die Tatsache, dass man keine Gaskammern nötig hat, um zu töten und das Leben von Menschen auf vielfältige Art unerträglich zu machen. Auch die ehemalige israelische Erziehungsministerin Schulamit Aloni schrieb am 6. März 2003 in der Ha'aretz: „Wir haben keine Gaskammern und Krematorien, aber es gibt nicht nur eine bestimmte Methode für den Genozid“.


Nachwort
Abraham Melzer

Als ich das Manuskript von Rupert Neudeck las, wusste ich sofort, dass ich es verlegen werde. Endlich meldete sich jemand, zumal ein prominenter und durch die Medien bekannter Autor, der den Mut hat, gegen die „political correctness" in unserem Land seine Stimme zu erheben: „Ich will nie mehr feige sein", schreibt er und eigentlich schreit es aus ihm heraus.
Was mich in Deutschland erschreckt und zornig macht, ist ein Ungeist, der nicht nur salonfähig geworden ist, sondern den öffentlichen Diskurs dominiert. Wenn ein ehemaliger Bundes-präsident Johannes Rau 2004 anlässlich der Berliner KSZE-Konferenz gegen Antisemitismus sagt, dass man Israel zwar wegen seiner Politik kritisieren dürfe, aber, fragt er rhetorisch, naiv, unschuldig: „Muss es denn öffentlich sein?"
Jawohl, Herr Rau, es muss unbedingt öffentlich sein und ich will jeden unterstützen, der sich der fanatischen, blinden und unbe-greiflich einseitigen Parteinahme für Israel entzieht. Für mich ist jeder „schuldig", der die Rechte und Würde der Palästinenser ignoriert und das mit den „besonderen Beziehungen" zu Israel rechtfertigt. Gegenüber diesen falschen Freunden möchte ich mein Israel verteidigen.
Mein Israel hat es verdient, sachlich und ehrlich kritisiert zu werden, und wer Israels Freund ist, aber auch Freund der Palästinenser, sollte es tun, so wie Rupert Neudeck es in diesem Buch tut. Man spürt zwar auf jeder Seite seine Verzweiflung und seinen Zorn, aber auch seine Liebe zu den Menschen in Israel und Palästina und seine trotz aller Trauer noch vorhandene Hoffnung.
Es ist in diesem Land inzwischen unerträglich und eigentlich skandalös, dass man von diesen selbsternannten Protectores Judaicae in plumper, diffamierender und oft schon fast existenz-bedrohender Art und Weise angepöbelt wird bei dem Versuch mundtot gemacht zu werden, nur weil man eine andere Meinung zum Geschehen im Nahen Osten hat.
Der wirkliche Skandal ist jedoch das Verhalten der politischen Kaste und der Medien, die das Thema Israel und Nahost-Konflikt mit sträflicher Leichtfertigkeit behandeln und zulassen, dass es immer wieder mit Antizionismus und Antisemitismus in Verbindung gebracht wird. Skandalös ist die Tatsache, dass fanatische Israel-freunde jeder relevanten und sachlichen Diskussion aus dem Weg gehen und Israelkritik und Antisemitismus dummdreist gleich-setzen, ohne sich die Mühe zu machen auf sachliche Argumente einzugehen.
Bei einer Debatte über Antisemitismus in Berlin brachten es diese Freunde fertig, den bekannten jüdischen Publizisten Alfred Grosser des Antisemitismus zu bezichtigen, weil er es gewagt hatte zu behaupten: „Es gehe nicht nur um die Politik Israels, es gehe auch um Verbrechen." Eigentlich sprach er damit aus, was auch viele Israelis, selbst führende Vertreter des Establishments, inzwischen offen aussprechen und diskutieren (siehe dazu im Anhang die Beiträge von Avraham Burg und Jossi Sand).
In Berlin, im Beisein vieler Bundestagsabgeordneter, hochrangiger Beamter aus dem Innen- und Außen-Ministerium sowie namhafter Wissenschaftler, wurde Befremden geäußert, dass Grossers Position „ernsthaft und relevant in diesem Hause diskutiert" würde. So kann nur sprechen, wer Angst vor der Wahrheit hat. Israel kann sich seine Freunde nicht aussuchen. Wir können uns das Recht der freien Rede auch nicht von solchen Claqueuren Israels nehmen lassen. Grossers Argumentation, die man humanistisch und demokratisch nennen könnte, war für die deutschen Parlamentarier und Experten in Sachen „Antisemitismus" unerträglich, peinlich und sogar unanständig, obwohl Grosser sein Recht auf Kritik ausdrücklich mit seiner jüdischen Identität begründete. Da ist dann schnell - auch das ist ein Mangel an Argumentation in der Sache - von „jüdischem Selbsthass" die Rede. Kritiker werden flächendeckend mit dem Antisemitismusvorwurf zum Schweigen gebracht. Der eigentliche Skandal aber sind nicht diese Claqueure und falschen Freunde Israels, sondern die deutschen Medien, die diesen Stimmen ein Forum bieten und durch ihre Einseitigkeit auf ein Stück Freiheit der Meinungsäußerung verzichten, das gerade für die Freiheit der Presse unabdingbar ist. Feigheit allerorten.
Wie verunsichert das israelische Establishment ist, haben wir gesehen und gehört, als anlässlich einer Feier im israelischen Parlament - der Knesset - zu Ehren von Daniel Barenboim, die israelische Erziehungs- und Kulturministerin nach der Rede Barenboims geradezu explodierte; der aber hatte nichts anderes gemacht, als aus der israelischen „Magna Charta", der von den Gründungsvätern Israels unterschriebenen Unabhängigkeitser-klärung, Passagen vorzulesen, in denen „allen seinen Bürgern ohne Ansehen der Unterschiede ihres Glaubens, ihrer Rasse oder ihres Geschlechts die gleichen sozialen und politischen Rechte" versprochen wurden. Barenboim hatte es nur gewagt, an dieses Versprechen zu erinnern, was aber offensichtlich schon zu viel war. Neudeck schreibt darüber ausführlich in seinem Buch.
Ich bin froh, dass Rupert Neudeck keine Angst hat, in diesem Buch Ross und Reiter zu nennen und den Skandal immer wieder auf den Punkt zu bringen. Wie kommt es, dass es in der politischen Kultur der Bundesrepublik eine geradezu totalitär verfestigte Ideologie zum Thema Israel und Antisemitismus gibt? Ist das die „besondere Verantwortung gegenüber Israel und den Juden", von der Joschka Fischer immer wieder spricht und die ihm am Ende auch einen Dr. h.c. eingebracht hat?

Die Juden als Opfer der Deutschen. Wo bleibt dann die besondere Verantwortung gegenüber den Palästinensern? Den Palästinensern als Opfer der Opfer und insofern auch Opfer der Deutschen.
Dieses Buch soll über das Problem der Kritik ein wenig aufklären und allen Menschen Mut machen, sich sachlich, ehrlich und mutig in die Debatte einzumischen. Israel geht uns alle an, denn im Nahost-Konflikt ist auch die Sicherheit Europas, also unser aller Sicherheit, bedroht. Es muss endlich in Deutschland möglich sein, die israelische Politik zu kritisieren, ohne Antisemit zu sein - oder muss man den wirklich unbedingt ein Antisemit sein, wenn man Israel kritisieren will?

Alles sträubt sich in mir angesichts dieser rassistischen Verallgemeinerung, als seien nicht nur „die Israelis", sondern auch gleich „alle Juden" unmittelbar mit dem israelischen Staat und dessen Politik zu identifizieren. Warum will man mit aller Gewalt diejenigen Juden ignorieren, die laut rufen: „Not in my name!"?

Und last not least: Es soll keiner später sagen, er habe nicht gewusst, was in Israel geschieht. Wer es wissen will, hat genügend Möglichkeiten sich zu informieren, wer es nicht tut, will es nicht wissen.

Deshalb sind auch einige prominente deutsche Juden im wissenschaftlichen Beirat und im Unterstützerkreis des ZgV. Ralph Giordano ist das auch bewusst, er wird von der Leiterin des ZgV sehr hofiert. Die Vertreibung der Palästinenser muss natürlich bei der Auseinandersetzung um ein solches Zentrum thematisiert werden, genauso wie die Vertreibung der Armenier aus der Ost-Türkei.
S. meint, dass wir jetzt mit Reden und Warnen anfangen müssten. Die israelische Politik - nicht die Israelis, aber die Politik von Ariel Scharon - setze ganz offenbar alles daran, die Lebensbedingungen auf der Westbank so unerträglich zu machen, dass die Palästinenser aus diesen Gebieten allmählich verschwinden. In der Stadt Kalkilia sei das schon fast gelungen.
Am folgenden Tag ruft er mich noch einmal an: „Das ist eine Tragödie!" Genau dieser Begriff entspricht auch meinen Gedanken. Und ich weiß, das ist auch der Begriff, der verhindert, dass ein Text wie dieser, den ich mit viel Herzblut geschrieben habe, erscheinen kann. Eine Tragödie eignet sich für ein Theaterstück, eine dramatische Oper oder auch ein in Versen gemeißeltes Epos. Nicht für eine Streitschrift wie der folgende Text.

Ich will nicht mehr feige sein
Ich kann die Menschen nicht vergessen, die ich in der Altstadt von Hebron an uns habe vorüberhuschen sehen. Diesen Palästinensern geschieht in ihrer Stadt schlicht gesagt ein furchtbares Unrecht. Ich habe ihnen angesehen, was sie von mir erwarten: dass ich nicht nur ein blinder Tourist oder ein sensationslüsterner Reporter bin; dass ich ihre gerechte Sache vor das Forum der deutschen Öffentlichkeit bringe; dass ich berichte, was ich mit eigenen Augen gesehen habe: Hier werden Menschen in ihrer eigenen Stadt rassistisch behandelt und durch die zu Stein und Stacheldraht gewordene Architektur einer Siedlung mitten in der Stadt gedemütigt und entrechtet. Und sie erwarten, dass ich um des Rechts und der Gerechtigkeit willen das nicht mit Schweigen übergehe!

Darf man Israel kritisieren?

Ich lese Sie, Martin Buber, mit hoffentlich derselben aufmerksamen Haltung, die mich auf den Bildern, die wir von Ihnen als Leser haben, so beeindruckt. Ich lese, wie Sie Ihre Landsleute vor einer falschen Einschätzung der britischen Politik gewarnt haben. Die Zionisten sollten sich nicht blind machen für die - wie Sie es damals sagten - „Grundtatsache, dass die britische imperialistische Politik letzten Endes doch nur den britischen Interessen dient." ( Ein Land und zwei Völker ) Wäre es ganz unhistorisch und unerlaubt zu meinen, lieber Martin Buber, Sie würden Ihre Landsleute in Israel heute auch vor einer zu engen Zusammenarbeit von Regierung und Volk Israels mit der imperialen US-amerikanischen Politik warnen? Und wäre es ebenso unerlaubt zu sagen, dass Sie es nicht ertragen könnten zu erleben, wie ein für die Menschheit nicht ganz unwichtiges Gebiet von Betonmauern, Gräben, Stacheldraht und Wachttür¬men gleich einem Gefängnis abgeriegelt wird? Wir vermissen Ihre starke, unaggressive Stimme in der Kakophonie von Rechtfertigungen und Aktionen, die von den darauf folgenden Reaktionen der jeweils anderen Seite nicht zu unterscheiden sind.
Die Mauern um Zion sind auch so schon hoch genug. Die Freimütigkeit bei der so wichtigen Debatte um Israel und Palästina ist auf ein Minimum dessen reduziert, was für unser Land, Europa und die Welt auf Dauer verträglich sein kann. Immer wieder geht es nicht nur in Deutschland um die „illegitime" Frage: Darf man Israel kritisieren? Darf man - erste Variante - Israels Regierungspolitik kritisieren? Darf man - zweite Variante - die ungerechtfertigte und völkerrechtswidrige fortdauernde Landnahme und deren permanente Ausweitung kritisieren?

In den USA hat die Äußerung des Harvard-Präsidenten Lawrence Summers die Gemüter nicht nur in der akade-mischen Welt erhitzt. Er hatte gesagt: „Zutiefst antiisrae-lische Ansichten finden zunehmend Unterstützung in progressiven intellektuellen Kreisen. Ernsthafte und nachdenkliche Leute befürworten und begehen Hand-lungen, die in ihrer Wirkung - wenn nicht sogar ihrer Absicht nach - antisemitisch sind."
Die an der Universität Berkeley lehrende jüdische Philosophin Judith Butler - auf Deutsch erschien ihr Buch „Kritik der ethischen Gewalt" (2003 bei Suhrkamp) - hat in einem Aufsatz für die London Review of Books diese Anschauung heftig kritisiert. Sie wehrt sich darin gegen die Gleichsetzung von Kritik an der Politik Israels mit Antisemitismus. Die Rede von Lawrence Summers unter-scheide zwischen Wirkung und Absicht einer Kritik an der Politik Israels, aber bestimme die Absicht aus der Wir-kung, „so dass der Beifall von Antisemiten über die Absicht entscheidet." Diese Gleichsetzung von Wirkung und Absicht sei das Ende jeder Kritik an Politik. Der Beifall von der falschen Seite werde ständig zum Maßstab für die Absichten des Kritikers genommen. Wörtlich meinte die Professorin: „Es scheint so, als hätten wir, historisch gesehen, nun eine Position erreicht, wo Juden legitimer-weise nicht immer und ausschließlich als mutmaßliche Opfer angesehen wer¬den können. Keine politische Ethik kann von der Annahme ausgehen, dass Juden ein Mono-pol auf die Position des Opfers haben."

Wer das zionistische Selbstverständnis Israels in Frage stelle, gerate nach dem Schema der Gleichsetzung von Wirkung und Absicht leicht in den Verdacht, einen jüdischen Selbsthass zu fördern. Wenn das, was den politischen Interessen Israels widerstreite, mit Antisemi-tismus in Zusammenhang gebracht werden könne, sei der Spielraum für Kritik in der Tat auf Belangloses reduziert. Es sei schon, so betonte Judith Butler in ihrem Aufsatz, soweit gekommen, dass Juden wie sie, die eine starke emotionale Beziehung zu Israel hätten, der gegenwärtigen Form des Staates sehr kritisch gegenüberständen und „einen radikalen Umbau seiner ökonomischen und recht-lichen Grundlagen" anstrebten; dennoch hätten diese Juden keine Möglichkeit mehr, ihre Vorstellungen über den Staat Israel öffentlich zu diskutieren, da jede Kritik an Israel als Gefährdung des Überlebens der Juden angese-hen und damit abgetan werde. Sie fragt sich und fragt uns: Wie könne es angehen, dass eine Kritik an Israel „im Namen des eigenen Judentums, im Namen der Gerech-tigkeit" als gegen das Judentum gerichtet erscheinen könne?

„Sie wird sich an uns furchtbar rächen!"
Arnold Zweig

Noch einmal sind wir bei dem von Ihnen, Martin Buber, immer wieder hochgehaltenen Leitstern der „Gerechtig-keit", ein Aspekt, auf den auch der Schriftsteller Arnold Zweig, der in den dreißiger Jahren in Palästina war, hingewiesen hat. Er schrieb über seine Erlebnisse und Reiseerfahrungen an Sigmund Freud. „Vater Freud" nannte er ihn in einem Brief vom 16. Juli 1938, verfasst auf dem Berg Carmel. In Jerusalem sei eine Bombe von Juden geworfen worden, schrieb er und fügte hinzu: „Sie wird sich an uns furchtbar rächen!" Gegen den Willen der arabischen Majorität ins Land gekommen, seien „diese Juden seit 1919 unfähig gewesen, den guten Willen der Araber zu gewinnen." Ihre „Aggression als Einwanderer und die Aggression der arabischen Terroristen" hätten sich gegenseitig aufgehoben, während mit der Bombe von jüdischer Seite nun dieses Gleichgewicht gestört worden sei. „Werfen sie jetzt Bomben, so sehe ich ganz schwarz."'
Der Journalist Henning Ritter beschreibt das Problem folgendermaßen: „Einwanderung als Aggression - mit dieser Sicht stand Arnold Zweig damals in Palästina sicherlich nicht allein. Aber sie ermöglichte ihm eine andere Abwägung von Aktion und Reaktion als die, die sich seit damals in einer beispiellosen Überbietung von Aggressionen durchgesetzt hat. Gerechtigkeit wäre kein so unangreifbares Ziel politischen Handelns, wenn sie nicht zugleich die Wahrnehmung von Situationen verändern würde." (Zitiert aus dem Artikel von Henning Ritter: „Freundfeinde - Kritik der zionistischen Vernunft. Israel und der Antisemitismus. In: FAZ, 29. August 2003, S. 33.) Sein entscheidender Gedanke lautet, dass „Nicht Vergeltung gerechter sein kann als Vergeltung ...> > > > >


Obama, Antisemit, jew hater, Plakat der Besatzer in Palästina2009 Plakat der israelischen Besatzer (Siedler)
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Israel - - Palästina
DIE MAUER

Die
Kriegsverbrechen Israel gegen
Palästina
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Ende des Auszüge


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Ich will nicht mehr schweigen - Recht und Gerechtigkeit für ein unterdrücktes Land, für Palaestina
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