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Korallen Riff, Pazifik, Ozean, Tauchen, Taucher,

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Riff



Reisebericht

Mareverlag
334 S. geb.
€ (D) 22,00
im Buchhandel

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Begegnungen mit verborgenen Welten
zwischen Land und Meer


Julia Whitty, geboren 1957, Autorin und Dokumentatfilmerin, hat über
50 Filme zu meeresbiologischen Themen produziert. "Riff" wurde mit vielen Preisen ausgezeichnet und führt uns in die schöne Welt der Korallenatolle. Die widernatürliche "Fun-, Werbe- und PR-Gesellschaft der Moderne" die Zerstörende, gerät zwangsläufig ins Rampen-Licht. A. H. Eilenberg
Auszüge

Eine Reise in die Welt der Korallen-Atolle im Südpazifik, in eine Welt von außergewöhnlicher Schönheit und Sinnlichkeit.

Schwimmen in der Nabelwelt

In den meisten Tauchgängen in der Tiputa-Passage bewegen wir uns am Boden, der von einem Strauchwerk dichter, niedriger Korallenformationen bedeckt ist, der einzigen Art, die den extremen Strömungen hier standhalten kann. Infolge des mascaret überlagern sich verschiedene Lebensräume in der Passage, sodass sich die Geschöpfe der Tiefsee mit dem Leben im Flachwasser vermischen. Das erschwert die Entscheidung, worauf man sich konzentrieren soll — auf die Tiefen draußen, wo die großen Tiere hausen, oder auf das Riff im Innern, wo sich eine Fülle von kleinen Lebewesen mühsam durch die Korallen hangelt.

Heimliches Lauschen

Fische verfügen noch über eine dritte Methode des Hörens, für die es bei den Landlebewesen kein Äquivalent gibt. Es handelt sich dabei um die Seiten- oder Laterallinie, ein System von Kanälen und Furchen, die mit Nervenzellen besetzt sind. Eine Art dieser Zellen ist ähnlich fein gebaut wie Haare und dient zum Aufspüren von Bewegungen im Wasser. Dieses Hörsystem kann andere Reize entschlüsseln, als Labyrinth und Schwimmblase es vermögen.
Die Seitenlinie nämlich ermöglicht es den Fischen, die Geräusche niederer Frequenzen zu lokalisieren, die von bewegten Objekten in unmittelbarer Nähe ausgehen. Das Nervenkostüm ortet die Quelle von Tönen des sehr niedrigen Bereichs zwischen zehn und zweihundert Hertz, was ideal ist, um schwimmende Beute — Zooplankton oder große Fische — wahrzunehmen. Noch bemerkenswerter ist, dass die Fische mittels des Seitenlinienorgans die Kielspur von bereits vorbeigeschwommenen Fischen oder Hummern hören können. Auf diese Weise wirkt die Seitenlinie wie eine kurzfristig agierende Zeitmaschine, mit der die Fische erkennen können, wo etwas einen Moment zuvor gewesen und in welche Richtung es zu dieser Zeit geschwommen ist. An Land wäre das so, als ob jedes sich bewegende Objekt einen Kondensstreifen hinter sich herzöge.

Von all den unergründlichen Unterschieden zwischen der Unterwassersphäre und meiner Welt scheint keiner tiefgründiger zu sein als dieser. Stellen wir uns vor, wir wüssten, wo sich etwas ereignet hat, nicht weil wir es in Echtzeit gehört und uns dann umgedreht hätten, um es zu sehen, sondern weil wir es noch sehen können, nachdem es sich bereits ereignet hat. Vielleicht deshalb werden die sensorischen Fähigkeiten der Seitenlinie auch manchmal als Berührung auf Distanz bezeichnet.

Wir treiben über die Korallenköpfe, die den Sandboden wie Punkte bedecken. Jeder von ihnen hat seine Bewohner: hier ein Paar von Falterfischen, dort ein Kugelfisch oder ein Schwarm von Riffbarschen, die nach ihrem Algengarten sehen.

Doch wie auch immer ich mich ihnen nähere, wissen die Hornhechte genau, wo ich bin, und selbst wenn ich mich aus einem für sie nicht einsehbaren Winkel hervorwage, reagieren sie auf meine Anwesenheit und halten einen für sie annehmbaren Abstand von etwa zwei Metern. Während sie vorwärtsgleiten, eingelassen in ein symmetrisches Flussfeld, dessen Proportionen sich verzerren, wenn es näher kommt, erhalten die Hornhechte Informationen über jedes unbewegte Objekt in ihrer unmittelbaren Nähe. Diese fledermausartige Begabung erlaubt es ihnen, in der unübersichtlich gefältelten Topografie des Riffs zu navigieren, als Schwarm zusammenzubleiben und sich in der Nacht zu orientieren. Für blinde Fische, die in Höhlen oder großen Tiefen leben, ist dieses hydrodynamisch erzeugte Vorstellungsbild das hauptsächliche Sinneswerkzeug.

Die Unterschiede zwischen mir und diesen Fischen könnten kaum größer sein. Während ich um die kleinsten Informationsbrocken kämpfe, stellen die Hornhechte mühelos vielfache und vielschichtige Eindrücke von mir her und sammeln nicht nur mit ihren Augen, sondern auch mit ihren Labyrinthen, ihren Schwimmblasen und ihren Seitenlinienorganen Informationen. Dergestalt mit Daten gefüttert, können sie sehen, wohin ich will und wo ich war. Ich dagegen versuche, die Puzzlestücke eines durch die Oberflächenbrechung des Lichts verzerrten, unscharfen Schnappschusses zusammenzufügen.

Die Menschen leben im und durch das Licht, das sich in der Luft mit ebenso fantastischer Leichtigkeit ausbreitet wie in den Billiarden Kilometern der dunkelsten Zonen des Universums. Doch im Wasser kommt es kaum bis zu einer Tiefe von einhundert Metern. So wissen wir mehr über die Oberfläche des Mondes als über die Tiefe der Ozeane; und eben weil die Meere großenteils dunkel sind, halten wir sie fälschlicherweise für unergründlich, während sie in Wirklichkeit so viel Wasser wie Informationen enthalten, von denen wir viele nur nicht wahrnehmen, geschweige denn verstehen können. Unser Gehör ist nicht gut dafür ausgerüstet, aber die Unterwasserwelt ist ein idealer Schallträger, wobei die Ozeane in Schichten untergliedert sind, die die Ausbreitung von Geräuschen je nach Temperatur, Salzgehalt, chemischer Zusammenset­zung und Druck behindern oder fördern.

In der obersten, von der Sonne erwärmten Schicht, die in eine Tiefe von fünf bis zehn Metern reicht, kann sich der Schall schneller ausbreiten als in der kühleren Schicht darunter, während die Pufferzone zwischen diesen Schichten als akustische Schattenzone fungiert, wo die Schallwellen gebrochen werden, so wie die Lichtwellen an der Oberfläche. Dabei werden sie vom wärmeren hin zum kälteren Bereich gebeugt. Die kurz vor dem Zweiten Weltkrieg entdeckte Schattenzone wurde zu einem wichtigen Bestandteil der maritimen Kriegsführung, denn dort konnten sich die U-Boote vor den Sonargeräten des Feindes verstecken.

Die Hochzeit

Niemand isst, bevor nicht Braut und Bräutigam von ihrem eigenen Essen gekostet haben, genauer: bevor sie nicht eine beträchtliche Menge ihres Essens gekostet haben. Kurz darauf folgen die Ehrengäste an ihren Tischen diesem Beispiel, während die Allgemeinheit auf dem Boden in vollkommener Yoga-Positur verharrt und alles erwartungsvoll beobachtet. Nur die alten Männer, die an den Säulen des falekaupule lehnen, zeigen eine gewisse Nonchalance.

Nach fünfzehn Minuten, auf ein Signal hin, das ich nicht wahrgenommen habe, geht das Fest dann richtig los, und die Tische längs der Wand sind plötzlich von Dutzenden hungriger Gäste verdeckt, die nur mit den Händen schneiden, reißen, schlitzen, sägen, zupfen und drehen, um sich ihren Teil von den ganzen Schweinen, den ganzen Fischen, den ganzen Tintenfischen und allem anderen, was See und Sand bieten, zu sichern. Die Zurückhaltung und die Essbestecke vom ersten Empfang sind hier einer freudigen, chaotischen Begeisterung gewichen, und es beginnt das, was Rolf befürchtet hat.

Und im Fürstentum Monaco

Die Reichen vor aller Welt zu Spenden für das Ozeanografische Institut von Monaco bewegen, um die Erforschung und Bewahrung der Korallenriffe voranzutreiben. Fürst Rainier hatte sein Erscheinen zugesagt, und der Bal de la Mer war für den 4. Juli, der an einem Wochenende lag, angesetzt. Diesen Feiertag begehen die Monegassen zu Ehren ihrer großen Amerikanerin, der verstorbenen Fürstin Gracia Patricia.

So liefen denn die Superjachten, eine nach der anderen, in den kleinen Hafen von Monaco ein, der im Schutz einer hohen Mauer liegt und von jeder Straße des winzigen Bergfürstentums aus ins Auge fällt. Boote aus Holz, aus Fiberglas, aus Stahl, einige fast hundert Jahre alt, andere gerade aus dem Trockendock gekommen, und alle im Bereich der Klasse zwischen fünfzig und achtzig Meter, vertrieben eine Flotte von Luxusjachten (die allerdings nicht luxuriös genug waren) von den Liegeplätzen. Wenn man auf den Hafen hinabblickte, sah es so aus, als würde eine Herde meeresbewohnender Mastodone dort kampieren.

Zu den Ereignissen rund um den Ball gehörten zahlreiche Wettbewerbe. Die berühmten Küchenchefs der Jachten traten mit ihren Kochkünsten gegeneinander an, es gab Preise für die beste Innenausstattung und für viele andere Dinge, an denen sich der Wettbewerbseifer der Reichen und ihrer makellos uniformierten Mannschaften entzünden konnte. Das alles entfaltete sich in einem höchst opulenten Rahmen und war sorgfältig gemäß einer egalite arrangiert, die dafür sorgte, dass keine Jacht ohne Auszeichnung blieb.

Bis eine Jacht von derartiger Größe eintraf, dass der Hafen von Monaco für sie zu klein war. Die Lady Moura kam im Dunkel der Nacht und ging am Wellenbrecher vor Anker, von wo aus das ganze Fürstentum sie am nächsten Morgen wie eine Vision begrüßte: einhundertfünfzehn Meter Stahl, so schlank und dynamisch geformt wie einer von Poseidons Hengsten. Als wären die anderen Jachten durch einen Mausklick aus dem Bild entfernt worden, wurden die Blicke aller magisch von diesem fünf Stockwerke hohen Kreuzfahrtschiff angezogen, dessen glänzend weißer Rumpf sich geheimnisvoll öffnete und auf hydraulischen Plattformen erstaunliche Dinge zutage förderte: einen roten Ferrari, ein fünfzehn Meter langes »Cigarette«-Rennboot, Speiseterrassen, Sonnendecks. Mehrmals am Tag wurde Monaco von dem ohrenbetäubenden Lärm erschüttert, den der achtsitzige Helikopter der Lady Moura von sich gab, wenn er die Besitzerin zu irgendeiner Vergnügung brachte, wie etwa zum Mittagessen nach Portofino.

Dieses außergewöhnliche Gefährt gehörte dem Finanzminister von Saudi-Arabien, wurde jedoch vor allem von seiner libanesischen Ehefrau genutzt, von der es hieß, dass sie die in Saudi-Arabien herrschende Scharia mit ihren Einschränkungen verabscheue und dort nicht leben wolle. Ihre Heimat war die Lady Moura, ein schwimmender Palast im Wert von einhundert Millionen Dollar mit eigenem Strandbad samt echtem Sandstrand, einem olympiatauglichen Swimmingpool mit ausfahrbarem Dach, einem Esstisch, der mit seinen fünfundzwanzig Metern länger war als die meisten Luxusjachten im Hafen (und den Viscount Linley, die Nummer acht in der Reihe der englischen Thronfolger, entworfen hatte), sowie einem Salzwasseraquarium, das unter anderem ein Korallenriff beherbergte — damals das größte der Welt, das erfolgreich unter künstlichen Bedingungen erhalten wurde.

Die saudi-arabische Prinzessin gehörte gewissermaßen zum Inventar von Monaco und Monte Carlo, und ihre Ankunft lud



Riff, Korallen, Korallenriff, Atolle, Meer, Delfine
Ozean, Korallenriffe, geschändete Natur

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die Atmosphäre mit großen Erwartungen auf: Sie war reicher als reich, und alle bemühten sich, ihre Aufmerksamkeit zu erregen. Alle Jachtmannschaften bügelten noch die letzte Falte aus ihren marinenblauen Shorts und weißen Polohemden, und die monegassischen Ladenbesitzer heuerten Fensterputzer an, um ihre Waren hinter funkelndem Glas präsentieren zu können. Da man stets jedes Stäubchen vor ihren Füßen fortkehrte, war der Blick der Prinzessin auf die Welt etwas anders beschaffen als der gewöhnlicher Leute. Ihr Beitrag zur Wohltätigkeitsveranstaltung wurde mit Neugier erwartet.

Am letzten Festabend fand der eigentliche Ball statt. All die reichen Jachtbesitzer und all die reichen Nutznießer der Steuergesetze von Monaco waren in eleganter Abendkleidung erschienen, inklusive federleichten Schuhwerks und Brillanten in der Größe von Meteoriten. Die Prinzessin selbst trug einen riesigen Smaragdanhänger, der auf den ersten Blick wie eine zahme Fledermaus wirkte, die sich auf ihrem Busen niedergelassen hatte. Weiter bekleidet war sie mit einem eleganten, bodenlangen Gewand und einer Motorradjacke, bestickt mit einer amerikanischen Flagge, die sie im funkelnden Fenster einer der besten Boutiquen Monacos gesehen hatte. Die Gäste tranken Champagner und Cocktails auf der Terrasse, von der aus sie einen guten Blick auf den Hafen und ihre staunenswerten, im Vergleich zur Lady Moura jedoch unsichtbaren Boote hatten.

Trotz allen Glanzes wirkten die meisten der angehenden Wohltäter gelangweilt. Sie trugen ihre besten Sachen, aber was tut man sonst noch, außer sie zu tragen? Sie nippten an Drinks und rauchten teure Zigarren und seufzten über die vertraute Langeweile. Nur die sehr junge englische Frau eines wohlhabenden Monegassen schien ein wenig animiert zu sein. »Meinen Sie nicht auch, dass ich eine Wohltätigkeitsparty geben sollte?«, fragte sie. »Was wäre wohl besser: etwas für Kinder oder etwas für Tiere zu tun?« Ihre wohltätigen Absichten waren so beliebig wie die Kleider, die sie in Vorbereitung auf den Abend anprobiert und wieder verworfen hatte.

Zur allgemeinen Enttäuschung nahm Fürst Rainier nicht am Ball teil, hatte aber seinen Sohn und Thronerben, Prinz Albert, geschickt. Wie so viele Stotterer, denen es schwerfällt, in der Öffentlichkeit einen Satz zu Ende zu bringen, war Prinz Albert von diesem Fluch befreit, wenn er sang. Statt also die übliche königlich-nichtssagende Rede ins Mikrofon zu sprechen, sprang er zur Band auf die Bühne und schmetterte eine annehmbare Version von James Browns »I feel good«. Die Gäste entspannten sich und genossen die Darbietung, und für einen Augenblick wich die lähmende Langeweile. Das wäre genau der richtige Zeitpunkt gewesen, sie auf den Zweck der Veranstaltung anzusprechen. Aber offenbar ist dergleichen bei den Superreichen nicht üblich. Stattdessen gab es eine Tombola, die der von Prinz Albert vielleicht geweckten Gutwilligkeit den Garaus machte.

Es gab drei Preise, deren Gewinner angeblich durch Zufall aus Zahlen auf den Namenskärtchen an den Esstischen ermittelt werden sollten. Der dritte, am wenigsten imponierende Preis ging an den Eigner der drittgrößten, der zweite Preis an den Besitzer der zweitgrößten Jacht. Der erste Preis, zwei Tickets für einen Flug um die Welt in der Ersten Klasse von Delta Airlines, ging an die saudi-arabische Prinzessin. Die Gäste brummten enttäuscht und zogen sich wieder in ihre Langeweile zurück. Nur die Gewinner waren, überraschenderweise, wirklich und ungekünstelt glücklich. Ich erkannte, dass selbst diejenigen, die alles haben, sich mit kindhafter Begeisterung über ein solches Losglück, sei es auch manipuliert, freuen können. »Tolle Sache!«, schwärmte die Prinzessin ins Mikrofon. »Ich bin noch nie mit einem Linienflug geflogen. Ich kann's gar nicht abwarten.«

Nachdem das Feuerwerk über dem Hafen abgefackelt worden war, die Boote ihre Liegeplätze verlassen hatten, um dem nächsten Ruf zu folgen, und die Rechnungen für das Fest fällig wurden, kam heraus, dass der Bal de la Mer weniger Spendengeld erbracht als die Lederjacke der Prinzessin gekostet hatte. Die Taschen der Reichen waren zugeknöpft geblieben, und von unserer Filmcrew war niemand überrascht, als sich ein Jahr später die Nachricht verbreitete, dass das Ozeanografische Institut die großzügigen Spenden immer noch nicht ausgegeben hatte.
Unter uns waren wir darin übereingekommen, das Ereignis als Bal de la Merde zu bezeichnen.

Tu's doch einfach.

Zurück zur Hochzeit.
Sie wirkte schläfrig, fast komatös, erwacht jetzt aber zum Leben und fegt auf den Tanzboden, wo sie sich zwar nicht direkt als Dynamo erweist, aber ihrem Nike-T-Shirt alle Ehre macht, denn der Aufdruck lautet: Tu's doch einfach.

Bei all dem Spaß, dem Essen, der Musik wissen die Gäste, dass die Neuverheirateten in zwei Tagen nach Fidschi zurückkehren werden, wo sie an der Universität studieren. Als der Vater der Braut eine Rede hält, hat er Tränen in den Augen. Sie ist, erzählt mir Emily, neben den fünf Söhnen seine einzige Tochter. Der Vater hält eine lange Rede und zeigt dabei ganz offen seine Gefühle. Auch wenn ich kein Tuvaluanisch ver­stehe, begreife ich doch, was er sagt: Seine Tochter verlässt den elterli­chen Haushalt. Sie tut, was alle Tuvaluaner in Gedanken erwägen, ob sie es gegenüber den paalagi-Gästen zugeben oder nicht. Sie geht in eine Zukunft, die sie sehr wahrscheinlich in eine neue Heimat bringt. Das ist den Tuvaluanern während der letzten zwei Jahrhunderte erspart geblieben.

Unterdessen reißen Braut und Bräutigam mit bloßen Händen das Schweinefleisch vom Gerippe. Sie gehören zu der wachsenden Zahl von Tuvaluanern, die nicht in Tuvalu leben, und verkörpern damit den winzigen Bruchteil einer Wirklichkeit, die in der letzten Volkszählung zutage trat: Die Bevölkerung ist seit ihrem zahlenmäßigen Höchststand von über zwölftausend um fast fünfundzwanzig Prozent zurückgegangen. Die vielen Tausend, die jetzt fehlen, sind bereits vor den steigenden Wassern oder den begrenzten Möglichkeiten geflohen und über den Südpazifik verstreut. Viele leben in Auckland, der größten polynesischen Stadt der Welt, einem Ort, der zumindest für Flüchtlinge weder Schweine noch Land bereithält.

Während die Sonne der Nacht entgegensinkt, paddele ich an ein fast leeres Ufer zurück. Statt der planschenden Kinder sind jetzt ein paar Erwachsene im Wasser, um ihr Tagesendgeschäft zu verrichten. Sie sind weit weg und mit Dingen beschäftigt, über die nicht zu schreiben Rolf mich eindringlich bat. Dennoch spüre ich das Verlangen, hinüberzuschwimmen und ihnen die guten Nachrichten von Funafutis äußerer Lagune mitzuteilen.

Eintauchen in die Apokalypse

Selbst wenn aus irgendeinem wundersamen, regenbogengefärbten Grund der Meeresspiegel sich in den nächsten Jahren nicht anheben sollte, sind die Inseln von Tuvalu dennoch bedroht, und zwar durch die steigenden Wassertemperaturen, die von den als El Nino / La Nina bekannten Strömungen im Südpazifik hervorgerufen werden. Bis vor Kurzem war Tuvalu eins der Entstehungsgebiete für Wirbelstürme im Pazifik, wo sich Zellen niedrigen Luftdrucks bildeten, die dann als ausgereifte Zyklone weit entfernte Küstenregionen verwüsteten. Doch wurde in dem Maße, in dem die von El Nino verursachten Geschehnisse sich häuften, Tuvalu selbst zum Opfer voll entwickelter Wirbelstürme. Aber auch ohne sie tötet die von El Nino bewirkte Erwärmung Riff bildende Korallen ab, denn diese reagieren auf Temperaturschwankungen äußerst empfindlich und können nur in einem winzigen Bereich um 3o °C überleben. Steigt die Temperatur über diese Grenzmarke, stoßen die Korallenpolypen ihre Partner, die Zooxanthellen — die Quelle ihrer leuchtenden Farben —, aus, und das Riff wird geisterhaft weiß.

Gebleichte Korallen leiden schon bald an Mangelerscheinungen: Ihnen fehlen Proteine, Lipide und Kohlenwasserstoffe, wodurch der Skelettaufbau der Polypen und der Reproduktionszyklus beeinträchtigt werden. Der animalische Teil der Korallen kann noch ein paar Tage überleben, aber die Trennung vom pflanzlichen Partner führt schließlich zum Absterben des Gewebes und zum Tod. Das tote Riff wird bald von Algen besiedelt und danach von all jenen Lebewesen, die im Skelett Schutz suchen oder die Pflanzen abgrasen, also von jener die Biosphäre vernichtenden Armee, der die Kohlenstoffproduktion nicht gewachsen ist, sodass sich das Riff sehr schnell in Sediment verwandelt.

Die toten Geweihkorallenwälder der inneren Lagune von Funafuti sind wahrscheinlich den jüngsten Wärmewellen von El Nino zum Opfer gefallen. Den bewunderungswürdigen Korallen der äußeren Lagune blieb dieses Schicksal weitgehend erspart, weil sie kühlere Gewässer bewohnen. Vielleicht haben sie sich nach einer Bleiche wieder erholt. Neuere Forschungen zeigen, dass die langfristigen Auswirkungen der Korallenbleiche minimiert werden können, wenn die Spitzentemperaturen nur einige Stunden oder Tage andauern. Sobald sich danach das Wasser wieder abkühlt, holen die Korallen die frei schwebenden Zooxanthellen zurück an Bord.

Die periodische Trennung von Polypen und Zooxanthellen bietet auch Entwicklungsmöglichkeiten. Andrew Baker und sein Team von der New Yorker Wildlife Conservation Society fanden heraus, dass einige Polypen sich nach der Trennung Zooxanthellenarten als Partner wählen, die besser an höhere Temperaturen angepasst sind, wodurch die Symbiose längerfristig auch veränderte Bedingungen überstehen kann. Es besteht also Hoffnung für die Korallenriffe, wobei jedoch nicht übersehen werden darf, dass in den vergangenen zwei Jahrzehnten weltweite Vorfälle von Korallenbleiche durch El-Nino-Ereignisse Riffe in ganzen Ozeanbecken zerstört haben.

2004 veröffentlichte das Netzwerk zur weltweiten Überwachung von Korallenriffen (Global Coral Reef Monitoring Network) einen Bericht, der darauf hinwies, dass die globale Erwärmung die größte Gefahr für die Korallen darstellt. Weltweit sind zwanzig Prozent der Riffe so schwer beschädigt, dass eine Erholung unwahrscheinlich ist, und weitere fünfzig Prozent sind stark gefährdet. Der Bericht prognostiziert, dass innerhalb der nächsten fünfzig Jahre die Korallenbleiche massiv zunehmen wird. Ereignisse wie das von 1998, als durch El Nino sechzehn Prozent der Riffe weltweit beschädigt oder zerstört wurden, könnten dann — vielleicht gar jährlich — zur Regel werden.

Überdies gibt eine Computersimulation, die vom National Center for Atmospheric Research in Boulder (Colorado) durchgeführt wurde, Anlass zu der Hypothese, dass kein Meteoreinschlag, sondern globale Erwärmung zur bislang größten Auslöschung von Leben auf der Erde geführt hat. Diese Katastrophe, die sich zwischen Perm und Trias ereignete, zerstörte fast alle Lebensformen. Neue Daten lassen darauf schließen, dass es vor zweihundertundfünfzig Millionen Jahren zu einer gewaltigen Zunahme von Kohlendioxid in der Atmosphäre kam, die möglicherweise durch ungeheure Vulkanausbrüche in Sibirien verursacht wurde. Das führte zu einer globalen Erwärmung um etwa 3o° C, wodurch neunzig Prozent aller meerbewohnenden Arten und siebzig Prozent aller an Land lebenden Wirbeltiere ausgerottet wurden. Lange Zeit beherrschten dann Pilze die Welt.

Auf der Meeresseite des Funafuti-Atolls gibt es keinen Sandstrand, sondern nur ein aus Trümmern geborstener Korallen — Hirsch- und Elchgeweihkorallen, Hirn-, Fächer-, Salat- und Tischkorallen — gebildetes Ufer. Die meisten Trümmerstücke sind so groß wie Golf- oder Tennisbälle, einige so groß wie Basketbälle, und einige wenige haben den Umfang von Autoreifen. Diese Felsen sind so trocken, weiß und porös, dass sie das Atoll wie einen Knochenhaufen erscheinen lassen.

 


Theater
Sextett - Spanische Fliege - Glücliche Zeiten - Jude von Malta

Oper-Ballett:
Oper La Traviata - Oper La Boheme - Oper Entführung aus dem Serail - Oper Die Liebe zu den drei Orangen - Oper Die Zauberflöte Oper Madame Butterfly - Oper Cosi fan tutte - Oper Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny - Oper Die Teufel von Loudun - Oper Der Waffenschmied
Oper Simon Boccanegra - Oper Orelando paladino - Oper Carmen - Oper Armida - Oper Der Spieler, Hrpok - Oper Fidelio Oper Agrippina - Oper Der Türke in Italien - Oper Der Goldene Hahn - Ballett Dornröschen - Ballett Schneewittchen Ballett Tanzgeschichte - Ballett Carmen Flamenco - Ballett Der Nussknacker - Ballett Martha Graham Company

Interviews:
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