Sarrazin, Deutschland schafft sich ab, Buchtitel


Thilo Sarrazin - Sachbuch

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Thilo Sarrazin
Deutschland
schafft sich ab

Setzten wir den sozialen Frieden und eine stabile Gesellschaft aufs Spiel? Thilo Sarrazin beschreibt, wie Geburtenrückgang, Zuwanderung und eine wachsende Unterschicht Deutschlands Zukunft verändern und er zeigt, was man dagegen tun kann.

Thilo Sarrazin, Foto Bundesbank
Thilo Sarrazin
Foto: Bundesbank
Thilo Sarrazin beschreibt mit seiner profunden Erfahrung aus Politik und Verwaltung die Folgen, die sich für Deutschlands Zukunft aus der Kombination von Geburtenrückgang, problematischer Zuwanderung und wachsender Unterschicht ergeben. Er will sich nicht damit abfinden, dass Deutschland nicht nur älter und kleiner, sondern auch dümmer und abhängiger von staatlichen Zahlungen wird. Sarrazin sieht genau hin, seine Analyse schont niemanden. Er zeigt ganz konkret, wie wir die Grundlagen unseres Wohlstands untergraben und so den sozialen Frieden und eine stabile Gesellschaft aufs Spiel setzen. Deutschland läuft Gefahr, in einen Alptraum zu schlittern. Dass das so ist, weshalb das so ist und was man dagegen tun kann, davon handelt dieses Buch.

DEUTSCHLAND SCHAFFT SICH AB
Wie wir unser Land aufs Spiel setzen
Sarrazin

Auszüge

INHALT

Einleitung 7

1 Staat und Gesellschaft - 23
Ein historischer Abriss

2 Ein Blick in die Zukunft - 35
Realitäten und Wunschvorstellungen

3 Zeichen des Verfalls - 51
Eine Bestandsaufnahme

4 Armut und Ungleichheit - 103
Viele gute Absichten, wenig Mut zur Wahrheit

5 Arbeit und Politik - 151
Über Leistungsbereitschaft und Arbeitsanreize

6 Bildung und Gerechtigkeit - 187
Über den Unterschied von gut und gut gemeint

7 Zuwanderung und Integration - 255
Mehr erwarten, weniger bieten

8 Demografie und Bevölkerungspolitik - 331
Mehr Kinder von den Klugen, bevor es zu spät ist

9 Ein Traum und ein Albtraum - 391
Deutschland in 100 Jahren

Dank - 409

ANHANG
Anmerkungen - 411
Personenregister - 446
Sachregister 449
Tabelle Demografie, Produktivität und Altenlast - 455

Einleitung

Alle politische Kleingeisterei besteht in dem
Verschweigen und Bemänteln dessen, was ist.
FERDINAND LASSALLE

In den wirtschaftlich und gesellschaftspolitisch sehr erfolgreichen Jahrzehnten seit dem Zweiten Weltkrieg wuchs in Deutschland der Stolz auf den Fleiß und die Tüchtigkeit seiner Bürger, auf den stetig steigenden Lebensstandard und den immer weiter ausgebauten Sozialstaat. Die vier größeren Wirtschaftskrisen — 1966/67, 1974/75, 1981/82 und zuletzt 2008/09 — haben diesem Stolz und dem Vertrauen in die Solidität des eigenen Wirtschafts- und Sozialmodells wenig anhaben können. Selbst die Auswirkungen der Globalisie¬rung, die Verschiebung der Gewichte in der Welt, die Umweltbelastungen und die zu befürchtenden Folgen des Klimawandels haben den Grundoptimismus der Deutschen — auch wenn sie gerne jammern — bisher nicht nachhaltig beeinträchtigt. Dieser Grundopti¬mismus und die Jahrzehnte des fast ungetrübten Erfolgs haben aber die Sehschärfe der Deutschen getrübt für die Gefährdungen und Fäulnisprozesse im Innern der Gesellschaft.

»Deutschland schafft sich ab?« — welch eine absurde Befürchtung, mögen viele denken, wenn sie dieses solide Land mit seinen 80 Millionen Einwohnern in der Mitte Europas betrachten: die Städte, die Industrie, die Autos, Handel und Wandel, Leben und Treiben ...
Ein Land aber ist das, was es ist, durch seine Bewohner und deren lebendige geistige sowie kulturelle Traditionen. Ohne die Menschen wäre es lediglich eine geografische Bezeichnung. Die Deutschen aber schaffen sich allmählich ab. Eine Nettoreproduktionsrate von 0,7 oder weniger, wie wir sie seit 40 Jahren haben, bedeutet ja nichts anderes, als dass die Generation der Enkel jeweils halb so groß ist wie die der Großväter.
Die Geburtenzahl sank in Deutschland von über 1,3 Millionen jährlich in der ersten Hälfte der sechziger Jahre auf 65o 000 im Jahr 2009 ab. Geht das so weiter — und warum sollte sich etwas ändern an diesem Trend, der schon über vier Jahrzehnte anhält —, dann wird nach drei Generationen, also in 90 Jahren, die Zahl der Geburten in Deutschland bei rund 200 000 bis 25o 000 liegen. Höchstens die Hälfte davon werden Nachfahren der 1965 in Deutschland lebenden Bevölkerung sein.
Die Deutschen hätten sich damit quasi abgeschafft. Manche mögen dieses Schicksal als gerechte Strafe empfinden für ein Volk, in dem einst SS-Männer gezeugt wurden — nur so lässt sich die zuweilen durchscheinende klammheimliche Freude über die deutsche Bevölkerungsentwicklung erklären.

Andere trösten sich damit, dass auch ein kleines Volk leben und überleben kann, und verweisen auf Däne¬mark mit seinen rund 5 Millionen Einwohnern. Deutschland wäre dann eben künftig ein Dänemark auf etwas größerer Fläche. Ginge das nicht auch? Was wäre daran so schlimm? Es würde vielleicht gehen, wären da nicht die qualitativen demografischen Verschiebungen jenseits der schieren Nettoreproduktionsrate sowie die Armutsmigration und der Bevölkerungsdruck über die Grenzen hinweg.
Vernünftig diskutiert haben wir über die demografische Entwicklung in Deutschland in den letzten 45 Jahren nicht. Wer nicht mit im Strom der Beschwichtiger und Verharmloser schwamm, wer sich gar besorgt zeigte, der musste bald frustriert erkennen, dass er alleine stand, und nicht selten fand er sich in die völkische Ecke gestellt. Abgesehen davon befindet sich der gesellschaftliche Diskurs in Deutschland in einem merkwürdigen Widerspruch: Einerseits ist die öffentliche Diskussion geprägt von Unterhaltungslust und dem Vergnügen an Skandalisierungen, andererseits ist sie zunehmend von den Euphemismen der politischen Begrifflichkeit beherrscht:

— Über die Folgen des Geburtenrückgangs durfte man Jahrzehnte überhaupt nichts sagen, wenn man nicht unter völkischen Ideologieverdacht geraten wollte.
Das hat sich inzwischen geändert,da die Generation der Achtundsechziger Angst um ihre Rente bekommen hat. Aber jetzt ist es 40 Jahre zu spät.
Die sozialen Belastungen einer ungesteuerten Migration waren stets tabu, und schon gar nicht durfte man darüber reden, dass Menschen unterschiedlich sind — nämlich intellektuell mehr oder weniger begabt, fauler oder fleißiger, mehr oder weniger moralisch gefestigt — und dass noch so viel Bildung und Chancengleichheit daran nichts ändert.
Da dieser Gundsachverhalt geleugnet wurde, war jeder Diskussion über die zahlreichen Fehlsteuerungen des Sozialstaats der Boden entzogen. Es war tabu, darüber zu reden,
dass man zwar 90 Prozent der Schüler einer Jahrgangsstufe zur Hochschulreife führen kann, aber dennoch nicht einmal 10 Prozent von diesen den Anforderungen eines Mathematikstudiums gewachsen sind dass wir als Volk an durchschnittlicher Intelligenz verlieren, wenn die intelligenteren Frauen weniger oder gar keine Kinder zur Welt bringen, dass der Einzelne selbst für sein Verhalten verantwortlich ist und nicht die Gesellschaft.
»Wer nicht lernt, bleibt unwissend. Wer zu viel isst, wird dick.« Solche Wahrheiten auszusprechen, gilt als politisch inkorrekt, ja als lieblos und eigentlich unmoralisch — zumindest aber ist es unklug, wenn man in politische Ämter gewählt werden möchte. Die Tendenz des politisch korrekten Diskurses geht dahin, die Menschen von der Verantwortung für ihr Verhalten weitgehend zu entlasten, indem man auf die Umstände verweist, durch die sie zu Benachteiligten oder gar zu Versagern werden:
Kann ein Schüler dem Unterricht nicht folgen, so liegt das an der Bildungsferne des Elternhauses.
Leiden Kinder aus einfachen Verhältnissen auffallend häufig an Übergewicht infolge von Bewegungsmangel, so liegt das nicht an der Vernachlässigung durch die Eltern, sondern an der sozialen Notlage der Familie.
Machen die Kinder von Alleinerziehenden in pädagogischer Hinsicht Schwierigkeiten, so ist dafür die Gesellschaft verantwortlich, die den Alleinerziehenden nicht genügend Unterstützung gewährt. Dabei wäre doch zu fragen, welche gesellschaftlichen Umstände und individuellen Dispositionen dazu führen, dass es so viele Alleinerziehende gibt, und was man dagegen tun kann.

Sprechen türkische Migranten auch in der dritten Generation noch nicht richtig deutsch, so wird eine Integrationsfeindlichkeit des Umfeldes ausgemacht. Aber warum, so fragt man sich, beobachtet man diese Schwierigkeiten bei fast allen anderen Migrantengruppen nicht?
Aus der soziologisch richtigen aber banalen Erkenntnis, dass in der Gesellschaft alles mit allem zusammenhängt, hat sich eine Tendenz entwickelt, alles auf die gesellschaftlichen Verhältnisse zu schieben und so den Einzelnen moralisch und weitgehend tatsächlich von der Verantwortung für sich und sein Leben zu entlasten. Wie Mehltau hat sich politische Korrektheit über die Struktur- und Steuerungsfragen der Gesellschaft gelegt und erschwert sowohl die Analyse als auch die Therapie.
Welch einen Sturm der Empörung löste ich als Berliner Finanzsenator aus mit dem detaillierten Nachweis, dass man sich mit dem Betrag für Essen und Getränke in der staatlichen Grundsicherung sehr wohl gesund und abwechslungsreich ernähren kann. Übergewicht infolge falscher Ernährung ist dann aber nicht auf eine objektive Lebenslage zurückzuführen, für die der Einzelne nichts kann, sondern das Ergebnis individueller Verhaltensweisen, für die jeder selbst die Verantwortung trägt.

Das aber wollten weder viele Betroffene noch die politisch Korrekten hören. Dass viele der Betroffenen sich in E-Mails und Leserbriefen empört äußerten, konnte ich verstehen, weniger, dass die sogenannten Gutmenschen über mich herfielen, als ich in einem Interview beiläufig erwähnte, dass das Tragen eines Pullovers helfen könne, Energiekosten zu sparen, da man dann weniger heizen müsse.

Das Staatswesen und die Gesellschaftsordnung erreichten in der Bundesrepublik um 196o einen Legitimationsgrad und eine Akzeptanz wie niemals in den 15o Jahren zuvor und niemals danach. Die SPD hatte im Godesberger Programm 1959 die Konsequenzen daraus gezogen und Frieden mit dem zur »sozialen Marktwirtschaft« gezähmten Kapitalismus gemacht. Doch die Idylle währte nur kurz:
1966/67 weckte die erste deutsche Nachkriegsrezession Zweifel, ob Wirtschaftswachstum und Vollbeschäftigung quasi permanent zu sichern seien. Diese waren aber bald wieder zerstreut dank der gloriosen Wachstumsraten der Jahre 1968 bis 1971.
1968 begann ein Teil der Nachkriegsgeneration gegen ein Gesellschaftsmodell zu protestieren, wonach die wesentliche Legitimationsgrundlage der Gesellschaft und ihre hauptsächliche Zielsetzung in der Erhöhung der Güterproduktion zu bestehen schien.
1972 wies der erste Bericht des Club of Rome unter dem Titel »Die Grenzen des Wachstums« auf die Endlichkeit der Ressourcen dieser Erde hin. Das war der Auslöser für die Umweltbewe¬gung. Von diesem Bericht führt ein direkter Weg zur heutigen Diskussion über die Klimakatastrophe.

1973 löste die erste Ölkrise die zweite große Nachkriegsrezession in Deutschland aus. Der Vollbeschäftigungsgrad der sechziger Jahre wurde seither nicht mehr erreicht.
1979 folgte nach dem Umsturz im Iran die zweite Ölkrise, die zur dritten Nachkriegsrezession und zum Sturz der sozialliberalen Koalition unter Helmut Schmidt führte.

In den achtziger Jahren gelang die Stabilisierung der Weltwirtschaft; eine weltweit veränderte Geldpolitik brachte die Inflation nachhaltig in tolerable Bereiche. Die deutsche Wirtschaft wuchs wieder, wenn auch wesentlich langsamer als in den sechziger und siebziger Jahren. Die Arbeitslosigkeit sank, blieb aber grundsätzlich höher als zuvor.

1989 bis 1991 veränderten der Zusammenbruch des Ostblocks und die Auflösung der Sowjetunion die politische und ökonomische Weltkarte radikal. Die Übernahme der Marktwirtschaft > > >


Staat und Gesellschaft

Ein historischer Abriss

Was du ererbt von deinen Vätern hast,
Erwirb es, um es zu besitzen.
JOHANN WOLFGANG GOETHE, Faust I

Es ist ein rätselhafter Mechanismus, der Wirtschaft und Gesellschaft antreibt: Einerseits unterliegt er keinen starren Regeln, andererseits ist er von Gesetzmäßigkeiten geprägt, die zum Teil örtlich und historisch an bestimmte Gesellschaften gebunden sind, sich teilweise aber auch aus stabilen Elementen der menschlichen Grundverfasstheit ergeben.
Reden wir von der Gesellschaft oder versuchen wir gesellschaftliche Verhaltensweisen zu typisieren, so tun wir dies meist aus einem implizit gesetzten Normengefüge heraus, über dessen normativen und historisch geprägten Charakter wir uns nur selten wirklich Rechenschaft ablegen. Diese soziologischen, religiösen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stehen in ständiger Wechselwirkung mit den langfristig wirkenden Normen und Verhaltensweisen in einer Gesellschaft.

Das vielfältige Scheitern entwicklungspolitischer Ansätze hat gezeigt, dass man Gesellschaften und Volkswirtschaften nicht einfach »machen« kann. Die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung nimmt in Zentralafrika und in den islamischen Ländern des Nahen Ostens einen anderen Verlauf als in Ostasien. Der kommunistisch beherrschte Teil Europas schlug einen anderen Weg ein als die westlichen Marktwirtschaften. Auch unter diesen gab und gibt es große Unterschiede, und zwar nicht nur zwischen den Ländern, sondern auch innerhalb derselben. Norditalien funktioniert auf andere Weise als Süditalien. In Schwaben wird es immer mehr Maschinenbau >>>


Zeichen des Verfalls
Eine Bestandsaufnahme


Etwas ist faul im Staate Dänemark.
WILLIAM SHAKESPEARE, Hamlet

Die Projektionen zur Entwicklung Deutschlands stimmen nicht froh, denn sie zeigen unmissverständlich, dass der Trend zu immer mehr Wohlstand gebrochen ist und die Konflikte zunehmen werden, die aus der wachsenden Zahl der Menschen im Rentenalter einerseits und der schrumpfenden Zahl der Erwerbstätigen andererseits erwachsen. Immerhin wird noch ein Produktivitätswachstum von einem Prozent jährlich angenommen, und das bedeutet, dass das BIP pro Erwerbstätigem bis 2o5o um 58 Prozent und das BIP pro Einwohner um 36 Prozent steigen könnte. Das ist allerdings weder sicher noch selbstverständlich. Selbst wenn wir die Unwägbarkeiten des Klimawandels außer Acht lassen, wissen wir nicht, wie sich die künftigen Terms of Trade entwickeln und was Rohstoffe künftig kosten werden. Wir wissen auch nicht, wo die deutsche Industrie in 30 Jahren international stehen wird. >>>

Wir werden älter und weniger an Zahl
Deutschland hält sich sehr viel zugute auf die Qualifikation und den Fleiß seiner Arbeitskräfte, seinen Unternehmergeist, auf den technologischen Vorsprung seiner Produkte und seine Spitzenstellung in Wissenschaft und Technik. Es mag offen bleiben, inwieweit wir hier von vergangenem Ruhm zehren oder Wunschdenken erliegen. Selbst wenn wir gut sind und bleiben, wird es schwieriger, denn die anderen werden besser und vor allem zahlreicher. Diese Probleme teilen wir mit der gesamten westlichen Welt, aber ein stark schrumpfendes, alterndes und vergleichsweise kleines Land wie Deutschland trifft diese Entwicklung besonders hart.
Letztlich beruhen unsere Wettbewerbsstärken vor allem auf dem Ausbildungsgrad, den Ideen, den Fertigkeiten, dem Fleiß und der Motivation der Menschen in unserem Land. Denn wir müssen ständig neue Produkte und Dienstleistungen auf den Markt bringen, und diese müssen nicht nur unter Lohnkostenaspekten wettbewerbsfähig sein, denn die Produktion von lohnkostenintensiven Produkten haben wir schon weitgehend abgegeben.
Eine funktionierende arbeitsteilige Volkswirtschaft ist eine komplexe Maschinerie. Sie braucht ein Angebot an einfachen Dienstleis¬tungen und qualifizierter Handarbeit, ein solides Rechtssystem, eine geordnete Verwaltung und gute Lehrer genauso dringend wie Mathematiker, Ingenieure, Naturwissenschaftler und Techniker. Aber nur Letztere bilden die Gruppe, die den eigentlichen technischen Fortschritt vorantreibt, die für Richtung und Umfang technischer Innovationen bestimmend ist und die Entwicklung neuer oder besserer Produkte und Verfahren vorantreibt.

Die Zahl deutscher Hochschulabsolventen in den sogenannten MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) ist zwischen 1993 und 2007 von 69 000 auf 76 000 gestiegen. Im OECD-Vergleich absolvierten im Jahr 2006 aber 7,8 Prozent eines Altersjahrgangs ein MINT-Studium; Deutschland und die USA erreichten hier mit 5,8 Prozent und 5,5 Prozent nicht einmal den Durchschnitt, während Schweden mit 10,9, Japan mit 9,5 und Großbritannien mit 9,o Prozent deutlich darüber lagen?
Selbst wenn der prozentuale Anteil deutscher MINT-Absolventen künftig steigen sollte, muss das infolge des demografischen Schwunds bei den kommenden Jahrgängen keinen absoluten Zuwachs bedeuten. Aufgrund der starken Zunahme der MINT-Absolventen in Fernost wird der Anteil Deutscher unter den MINT-Absolventen weltweit stark fallen und damit auch der deutsche Anteil an den Innovationen.
Exzellenz im Weltmaßstab ist erst recht schwer zu erreichen. >>>

Wir werden weniger leistungsfähig
Die deutsche Volkswirtschaft und Gesellschaft machen zur Zeit nicht den Eindruck, als könnten sie vor Kraft kaum laufen. In jeder zweiten Sonntagsrede hören wir, dass nur Spitzenleistungen in Wissenschaft und Technik Deutschlands Lebensstandard sichern und die Folgen der Globalisierung und des demografischen Wandels zum Positiven wenden können. In einer aktuellen Veröffentlichung schreibt etwa das Konsortium »Bildungsindikatoren und technologische Leistungsfähigkeit«:
»In allen fortgeschrittenen Volkswirtschaften ist ein Trend zur Wissenswirtschaft zu beobachten, ein Trend, der ökonomisch ohne Alternative ist und der zunehmenden Bedarf an hoch qualifiziertem Humankapital schafft ...
Der Trend zur Wissensgesellschaft beruht auf einem doppelten Strukturwandel:
Zusätzliche Beschäftigungsmöglichkeiten entstehen fast ausschließlich im Dienstleistungssektor und nur noch in Ausnahmefällen in der Industrie. Die Qualifikationsanforderungen sind im Dienstleistungssektor typischerweise höher.

Sowohl im produzierenden Bereich als auch innerhalb des Dienstleistungssektors expandieren wissens- und forschungsintensive Wirtschaftszweige und Tätigkeitsbereiche zu Lasten derjenigen, die weniger auf den Einsatz von hoch qualifiziertem Personal angewiesen sind ...
Geringe Qualifikationen werden immer weniger nachgefragt. Deutschland hat seinen über lange Jahre gehaltenen Humankapitalvorsprung gegenüber anderen Ländern, der sich auch heute noch im vergleichsweise hohen Bildungsstand älterer Bevölkerungsgruppen niederschlägt, durch Versäumnisse in der Bildungspolitik der 198oer und 199oer Jahre sukzessive eingebüßt.«16

»Humankapital« wird in internationalen Vergleichen an den Abschlussquoten vergleichbarer Bildungsgänge gemessen. Aussagekräftig sind diese nur, wenn die Abschlüsse auch vergleichbar sind. Das Niveau des traditionellen deutschen Abiturs ist zwar in den letzten Jahrzehnten gewaltig gesunken, liegt aber dennoch wohl eher in der Nähe des amerikanischen College-Abschlusses, weshalb es wenig sinnvoll ist, deutsche Abitur- mit amerikanischen Highschool-Quoten zu vergleichen. Dennoch geben die internationalen Vergleichsdaten zu denken.

Im internationalen Vergleich hat Deutschland die mit Abstand niedrigste Quote an Hochschulabsolventen und vor allem die niedrigste Quote an MINT-Absolventen. Sicherlich stellen die Zahlen in der Tabelle 3.2 Deutschland in einem ungünstigen Licht dar, denn das deutsche Abitur hat gewöhnlich eine höhere Qualität als viele >>>

Funktionen auf verschiedenen Ebenen der Bonner Ministerialbürokratie verbracht.
Erst gegen Ende meiner Amtszeit als Finanzsenator in Berlin, nachdem ich durch finanzpolitische Erfolge ein gewisses Renommee erworben hatte, habe ich auch außerhalb des ganz engen Finanzbereichs den einen oder anderen offeneren Vorstoß gewagt, etwa zum Thema Hartz IV oder zu Energiesparmaßnahmen.
Trotz aller Erfahrung hat es mich sehr verblüfft, welche Resonanz es auslöst, wenn eine Person des öffentlichen Lebens elementare Lebenszusammenhänge knapp und klar auf den Punkt bringt. Und es hat mich erschreckt, welche Flut von hasserfüllten Mails ich empfing, sobald ich ganz konkret — gesunde Ernährung vom Hartz-IV-Einkommen, Pullover gegen hohe Energiekosten — vorführte, dass Eigenverantwortung und Selbstbestimmung möglich und vor allem notwendig sind. Aber es scheint, als würde die Gruppe derer, die sich aus der Verantwortung für sich selbst und für ihr eigenes Leben verabschieden möchte, immer größer. Diese Entwicklung ist keineswegs beschränkt auf bestimmte Einkommensgruppen oder gesellschaftliche Schichten, und sie ist keineswegs neu. In der Rückschau kann man nämlich einen Trend ausmachen, der sich seit den Fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts kontinuierlich entwickelt hat.
Die Bundesrepublik der frühen Fünfziger Jahre war ein sehr modernes Staatswesen.
Nach den zwei verlorenen Kriegen hatten sich katastrophale Folgen gezeigt: Die Institutionen waren zerstört, die Traditionen in Frage gestellt und die Bevölkerung durch Flucht und Vertreibung durcheinandergewirbelt. Doch die spezifischen deutschen Stärken — ein hoher Standard in Wissenschaft, Bildung und Ausbildung, eine leistungsfähige Wirtschaft und eine qualifizierte Bürokratie — waren durch die Katastrophe des Krieges und die Zerstörung der Infrastruktur erstaunlich wenig beeinträchtigt worden.

Die Angehörigen der Führungsschichten und der Bürokratie waren zu 90 Prozent willige Helfer der Nazidiktatur gewesen; das wirkte sich aber keineswegs auf ihre Effizienz beim Wiederaufbau aus.

Ganz und gar ungebrochen und durch die Katastrophe und die Chance zum Wiederaufbau sogar noch angestachelt waren der traditionelle deutsche Fleiß und der Hang zum Tüfteln und Verbessern.
Gerade die Flüchtlinge und Vertriebenen taten sich hier hervor. Sie waren in derselben Situation wie die Auswanderer des 19. Jahrhunderts in den Vereinigten Staaten, nämlich fremd und mittellos, und sie konnten nur mit besonderem Fleiß vorankommen. Und sie waren fleißig, so fleißig, dass sie den Alteingesessenen in der jungen Bundesrepublik bald kräftig Beine machten.
Damit das deutsche Wirtschaftswunder möglich wurde, mussten aber noch weitere Umstände hinzukommen:
der Ost-West-Gegensatz, der aus dem besiegten Land plötzlich einen begehrten Partner machte, den es zu fördern und zu stützen galt
- die stürmische Erholung der westlichen Welt nach 20 Jahren Krieg und Weltwirtschaftskrise
- die schnelle Befreiung der westdeutschen Wirtschaft von zahlreichen administrativen Fesseln in den Jahren 1948 bis 1951, Ludwig Erhards großes und bleibendes Verdienst.

Die »soziale Marktwirtschaft« war das große Versprechen, das letztlich das ganze Volk hinter dem Wiederaufbau vereinte: Alle sollten einen fairen Anteil am gemeinsam Erwirtschafteten bekommen, alle sollten vor Hunger, Kälte und drückender Armut geschützt sein, wer arbeiten wollte, sollte auch Arbeit finden. Dieses Versprechen wurde eingelöst, und wie!
Von 195o bis 196o wuchs die westdeutsche Wirtschaft mit einer Jahresrate von acht Prozent.
Die Arbeitslosigkeit sank von 11,0 Prozent im Jahre 195o auf 1,3 Prozent im Jahre 1960.
Das Realeinkommen pro Kopf der Bevölkerung stieg in zehn Jahren um fast 7o Prozent. 1955 erwirtschaftete Deutschland ein ebenso hohes Pro-Kopf-Bruttosozialprodukt wie Frankreich, bereits 1952 war das Pro-Kopf-Sozialprodukt der Siegermacht Großbritannien übertroffen worden. >>>>


7 Zuwanderung und Integration
Mehr erwarten, weniger bieten

Gottes ist der Orient!
Gottes ist der Occident!
Nord- und südliches Gelände Ruht im Frieden seiner Hände.
JOHANN WOLFGANG GOETHE,
West-östlicher Diwan

Der Mensch ist ein territorial orientiertes Wesen. Diesbezügliche Instinkte sind tief in ihm angelegt. Das beginnt bei der eigenen Wohnung, setzt sich fort am Gartenzaun und reicht bis zur Staatsgrenze. Kriegerische Ereignisse — von den Fehden um die Jagdreviere der Steinzeit über die Schlacht im Teutoburger Wald bis hin zum Zweiten Weltkrieg — waren zunächst und vor allem immer Kämpfe um Territorien. Denn daran hing die mögliche Jagdausbeute, hingen die landwirtschaftlichen Erträge oder die Möglichkeiten zur Ausbeutung von Bodenschätzen. Das Territorium war auch die Basis für das Wachsen der Bevölkerung und die Akkumulation wirtschaftlicher und politischer Macht.
Daneben ist der Mensch ein gruppenorientiertes Wesen. Die Zugehörigkeit zur einen Gruppe impliziert folgerichtig die Abgrenzung zur anderen. Wer Schalke-Fan ist, kann eben nicht gleichzeitig Bayern-Fan sein. Dabei kann sich der Mensch auf unterschiedlichen Ebenen ganz unterschiedlichen Gruppen zugehörig fühlen: Ob Fußballfan, Parteimitglied, Familienmitglied, Bewohner einer Gemeinde, Angehöriger eines Berufsstandes, Mitarbeiter eines Unternehmens, Angehöriger einer Nation, einer Volksgruppe, eines Kulturkreises oder einer Religionsgemeinschaft: Überall wirkt der Gegensatz von »Die« und »Wir« und schafft Bindung und Solidarität durch Abgrenzung, ist aber stets auch der Ausgangspunkt für Streit, Aggression und Gewalt. >>>

Das in der Gruppenzugehörigkeit liegende Bindungs- und Kooperationsverhalten ist neben der menschlichen Intelligenz die we¬sentliche Quelle seines Erfolgs als Gattung, es ist allerdings gleichzeitig die Quelle aller Kriege und eines großen Teils der Gewalt, die Menschen gegen Menschen ausüben.
Die Kulturleistung der modernen Zivilisation und Staatlichkeit besteht darin, die unaufhebbaren menschlichen Instinkte, die um Territorialprinzip und Gruppenzugehörigkeit kreisen, mit mehr oder weniger Erfolg in staatliche und überstaatliche Organisationen einzubinden. So gelang es dem Römischen Reich rund ein halbes Jahrtausend lang, den Mittelmeerraum und Westeuropa durch die »Pax Romana« zu befrieden. Auch deren Basis war allerdings die intelligente Gewalt der überlegenen Militärorganisation der Römer. Am anderen Ende der Welt vollbrachte das chinesische Großreich eine ähnliche Leistung. Neuere Großreiche sind die Vereinigten Staaten oder — als halbstaatliches Gebilde — die Europäische Union.

Die Aufhebung von Binnengrenzen in staatlichen Organisationen hatte aber immer die Abgrenzung nach außen zur Voraussetzung, und das staatliche Großgebilde war umso stabiler und überdauerte umso länger, je besser die Sicherung der Außengrenzen gelang. Diese dienten nicht nur dem Schutz vor militärischen Einfällen, sondern auch der Zuwanderungskontrolle. Ungesteuerte Zuwanderung konnte zu jeder Zeit staatliche Gebilde gefährden und die Stabilität einer Gesellschaft unterminieren. Das chinesische Kaiserreich hatte deshalb seine Chinesische Mauer, die Römer hatten ihren Limes. Beide schützten und sicherten die Reiche für Jahrhunderte. Die USA haben es leichter mit den Weltmeeren links und rechts. Sie bauen jetzt ergänzend für Milliarden Dollar ihren Grenzzaun zu Mexiko aus. Für die EU ist die Frage noch offen, wie sie die Außengrenzen des Schengen-Abkommens dauerhaft sichern will.
Zu keiner Zeit waren die Sicherung des Territoriums und die Regulierung von Zuwanderung trivial. Die um diese Fragen entstehenden Verwicklungen bedrohten Staaten und Gesellschaften häufig im Kern und prägten sie tief, und immer wieder waren sie begleitet von blutigen Orgien und Gewalt. >>>>

Stets gilt, dass jene, die arbeiten, für die bezahlen müssen, die nicht arbeiten: 2007 kamen in Deutschland auf 1oo Menschen mit einem überwiegenden Einkommen aus Erwerbstätigkeit 68,7 Men¬schen, die von Renten oder Sozialtransfers lebten. Für Menschen ohne Migrationshintergrund betrug die Relation 70,6 Prozent. Die Migranten haben also trotz ihres wesentlich günstigeren Altersaufbaus gemessen an dieser Relation demografisch kaum entlastend gewirkt?

Belastbare empirisch-statistische Analysen, ob die Gastarbeiter und deren Familien für Deutschland überhaupt einen Beitrag zum Wohlstand erbracht haben oder erbringen werden, gibt es nicht. 3 Für Italiener, Spanier und Portugiesen wird man diese Frage wohl bejahen können, weil ihr Familiennachzug geringer war und die meisten wieder in ihre Heimatländer zurückgekehrt sind. Für Türken und Marokkaner wird man sie sicher verneinen können. Zu groß ist das Missverhältnis zwischen der Zahl der ursprünglichen Gastarbeiter und dem dadurch ausgelösten Nachzug großer Familienverbände.>>>>

Migranten muslimischer Herkunft
Eine Zuwanderungs- und Integrationsproblematik, die der Rede wert ist und sich nicht mit der Zeit automatisch erledigt, gibt es heute in Deutschland ausschließlich mit Migranten aus der Türkei, Afrika, Nah- und Mittel-Ost, die zu mehr als 95 Prozent muslimischen Glaubens sind. Die Integrationspolitik ist aber gegenüber diesem Sachverhalt weitgehend blind, wie der im Auftrag der Bundesregierung erstellte Bericht »Integration in Deutschland« belegt.4
In dem umfangreichen Indikatorenwerk wird ausschließlich auf die Gesamtheit der Menschen mit Integrationshintergrund geblickt. Aussagen zu Bildung, Arbeitsmarkt, Transferabhängigkeit, Kriminalität werden nicht nach Herkunftsregionen beziehungsweise Volksgruppen differenziert. Dieser Mangel an Differenzierung war offenbar beabsichtigt, denn eine Diskussion darüber, ob kulturelle Unterschiede zwischen den Migrantengruppen Integrationswillen und Integrationsfähigkeit beeinflussen, war politisch nicht gewünscht.5

Der Integrationsbericht 2009 der Bundesregierung benennt Probleme generell nur sehr zaghaft und tendenziell verharmlosend. Besonders deutlich zeigt sich dies bei den Aussagen zur Abhängigkeit von Migration und Sozialtransfers sowie Kriminalität. Völlig konturlos werden diese Aussagen, weil sie stets auf die Migrationsbevölkerung insgesamt abheben und nicht nach Gruppen differenzieren. Es fehlen auch Aussagen zur unterschiedlichen Fruchtbarkeit der verschiedenen Migrantengruppen und den damit verbundenen demografischen Implikationen.
Laut Mikrozensus 2007 leben in Deutschland 15,4 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund.6 Davon entfallen auf Bürger der EU 3,7 Millionen, auf die Herkunftsgebiete Bosnien und Herzegowina, Türkei, Naher und Mittlerer Osten sowie Afrika 4,0 Millionen. Die Migranten aus diesen Herkunftsgebieten werden im Folgenden muslimische Migranten genannt. Sicher gibt es unter ihnen auch einige mit christlichem oder anderem religiösen Hintergrund. Aber diese fallen kaum ins Gewicht und verändern den statistischen Ausweis der Integrationsproblematik zudem durchweg in eine günstige Richtung, weil Christen und Juden aus diesen Gebieten stets ein überdurchschnittliches Integrationsverhalten zeigen.

4,6 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund können im Mikrozensus wegen inkonsistenter oder fehlender Angaben nicht einer bestimmten regionalen Herkunft zugerechnet werden.

Geht man davon aus, dass beim Mikrozensus die Quote der fehlerhaften oder fehlenden Angaben über alle Menschen mit Migrationshintergrund gleichmäßig streut, dann bedeutet dies, dass die Zahl der muslimischen Migranten tatsächlich um 43 Prozent höher ist, also bei rund 5,7 Millionen liegt. Die sehr hohe Kinderzahl in dieser Gruppe deutet aber darauf hin, dass unter den Migranten mit fehlenden oder inkonsistenten Angaben Muslime überdurchschnittlich stark vertreten werden nicht nach Herkunftsregionen beziehungsweise Volksgruppen differenziert.
Dieser Mangel an Differenzierung war offenbar beabsichtigt, denn eine Diskussion darüber, ob kulturelle Unterschiede zwischen den Migrantengruppen Integrationswillen und Integrationsfähigkeit beeinflussen, war politisch nicht gewünscht.5

Der Integrationsbericht 2009 der Bundesregierung benennt Probleme generell nur sehr zaghaft und tendenziell verharmlosend. Besonders deutlich zeigt sich dies bei den Aussagen zur Abhängigkeit von Migration und Sozialtransfers sowie Kriminalität. Völlig konturlos werden diese Aussagen, weil sie stets auf die Migrationsbevölkerung insgesamt abheben und nicht nach Gruppen differenzieren. Es fehlen auch Aussagen zur unterschiedlichen Fruchtbarkeit der verschiedenen Migrantengruppen und den damit verbundenen demografischen Implikationen. >>>>

Einflüsse auf die demografische Entwicklung
Quantität und Qualität

Abstammungsgeschichtlich hat sich der Mensch aus niederen Arten entwickelt, und seine Entwicklung wird wie die anderer Säugetiere niemals abgeschlossen sein. Menschen sind — wie andere Lebewesen auch — mit unterschiedlichen Eigenschaften ausgestattet, die im Erbgut verankert sind. Das heißt nicht, dass alle Eigenschaften erblich sind; einige — wie Haar- und Augenfarbe — sind es vollständig, andere — wie Temperament, geistige Fähigkeiten, besondere Begabungen, Erbkrankheiten — nur zum Teil, zum andern Teil sind sie umweltbedingt.
Im Jahr 2009 wurde der 200. Geburtstag von Charles Darwin gefeiert.
Die weltweite Rezeption zeigte, dass die Darwinsche Evolutionstheorie keine ernsthaften wissenschaftlichen Gegner mehr hat. Abgelehnt wird sie weiterhin von fundamentalistischen Christen in den USA und in weiten Teilen der muslimischen Welt. Muslimische Studenten in den Niederlanden lehnen die Evolutionstheorie fast ausnahmslos ab, ebenso 75 Prozent der Türken, 86 Prozent der Pakistaner und 92 Prozent der Ägypter».

Zwölf Jahre nach seinem bahnbrechenden Werk »Die Entstehung der Arten« veröffentlichte Charles Darwin 1871 »Die Abstammung des Menschen«. Er wandte in einer Fülle von Beobachtungen die Evolutionstheorie auf die Entwicklung des Menschen an. Darwin betonte die weitgehende Ähnlichkeit der menschlichen Rassen, wie sich an der Leichtigkeit ihrer Mischung zeige, und die große Verschiedenheit der Individuen innerhalb der Rassen und Stämme.I2

Er zeigte aber auch, dass unterschiedliche Lebensbedingungen durch natürliche Selektion unterschiedliche Ausprägungen hervorbringen, etwa bei der Hautfarbe, beim Körperbau, die unterschiedliche Anfälligkeit bei bestimmten klimatischen Bedingungen oder Krankheiten, aber auch unterschiedliche Entwicklungen der Sinnesorgane»
Ausführlich äußert sich Darwin zur großen Unterschiedlichkeit der Geistesgaben und zur Erblichkeit dieser Unterschiede. Auch in diesem Punkt unterscheidet sich der Mensch nicht von der höheren Tierwelt, insbesondere den Primaten: >>>>>


9 Ein Traum und ein Alptraum
Deutschland in 100 Jahren

Über allen Gipfeln
Ist Ruh
In allen Wipfeln
Spürest du
Kaum einen Hauch;
Die Vögelein schweigen im Walde. Warte nur, balde
Ruhest du auch.
JOHANN WOLFGANG GOETHE
Wanderers Nachtlied

Die vergangenen acht Kapitel enthielten viele Zahlen und Analysen, Wertungen gab es auch. An dieser Stelle mache ich zwei Setzungen:
1. Jeder Staat hat das Recht, darüber zu entscheiden, wer in das Staatsgebiet zuziehen darf und wer nicht. Die westlichen und europäischen Werte und die jeweilige kulturelle Eigenart der Völker sind es wert, bewahrt zu werden. Dänen sollen auch in 1oo Jahren als Dänen unter Dänen, Deutsche als Deutsche unter Deutschen leben können, wenn sie dies wollen.
Die in diesen beiden Setzungen zum Ausdruck kommende Werthaltung einer bürgerlichen Mitte wird in Deutschland seit Jahrzehnten bekämpft — teils offen, teils verdeckt. Wer so denkt, soll in die rechte Ecke abgedrängt werden. Eine in Deutschland verbreitete angebliche Liberalität mit häufig unbewusster Sozialisation in der Tradition der Achtundsechziger (Anm. Der Grünen) findet jede Art von Bevölkerungspolitik anrüchig und jedweden Zuzug erst einmal gut. Zuzugssteuerung oder -beschränkung hält man in diesen Kreisen eigentlich für illegitim beziehungsweise für unmoralisch, und zudem gilt es als Ausdruck dumpfer Nationalgefühle, den deutschen Charakter Deutschlands bewahren zu wollen.

Ich möchte aber, dass meine Nachfahren in 5o und auch in 1oo Jahren noch in einem Deutschland leben, in dem die Verkehrssprache Deutsch ist und die Menschen sich als Deutsche fühlen, in einem Land, das seine kulturelle und geistige Leistungsfähigkeit bewahrt und weiterentwickelt hat, in einem Land, das eingebettet ist in einem Europa der Vaterländer. Ich finde das — mit Verlaub — wichtiger als die Frage, ob der Wasserspiegel der Nordsee in den nächsten 1oo Jahren um 10 oder 20 Zentimeter steigt.
Ich bin sicher, dass auch unsere östlichen Nachbarn in Polen in 5o oder 100 Jahren noch Polen sein wollen, genau wie die Franzosen, die Dänen, die Holländer und die Tschechen Entsprechendes für ihre Völker und ihre Länder wollen.
Es geht um die richtige Erhaltung und Weiterentwicklung der Identität der Völker und Staaten. Dabei sind die Übergänge fließend: Die alemannischen Schwaben sind den Deutschschweizern in vieler Hinsicht ähnlich. Das Elsass wird niemals seine deutschen Wurzeln verleugnen, ebenso wie man in Nizza merkt, dass hier mal Italien waren: Baustile und Stadtgestalten zeigen die gemeinsamen kulturellen Wurzeln des nördlichen europäischen Tieflandes von Brügge bis Tallinn, dem alten Reval.


Die Schweiz ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie sich unterschiedliche Identitäten in unmittelbarer Nachbarschaft auch über ein Jahrtausend hin erhalten können: Im Kanton Wallis — der Osten spricht deutsch, der Westen französisch — wanderte die Sprach¬grenze in den letzten 1000 Jahren nur minimal hin und her: Saß der Bischof in Brig, dann wanderte sie nach Westen, saß er in Sion, dann wanderte sie nach Osten. Die Stadt auf halbem Wege zwischen Sion und Brig hieß mal Sierre und mal Siders.
Migration über die Grenzen hat es immer gegeben. Meine väterlichen Vorfahren wanderten über Lyon nach Genf und dann über Basel nach Deutschland, wo sie schließlich Westfalen wurden. Meine mütterlichen Vorfahren waren 1920 als pommersche Grundbesitzerfamilie im polnisch gewordenen Korridor plötzlich sogenannte Volksdeutsche. >>>>

>>> Wenn man sich die schrecklichen Irrtümer, Dummheiten und Versäumnisse der Politik in Europa während der letzten 1oo Jahre anschaut, dann kann man daraus lernen: Politik ist wesentlich, und politische Entscheidungen können die Welt zum Guten wie zum Bösen ändern. Wir haben das Schicksal und die Lebensverhältnisse unserer Kinder, Enkel und Urenkel in viel höherem Maße in der Hand, als wir das glauben. Wir können es aber auch verhunzen. Politische Katastrophen und ganz neuartige Technologien sind nicht vorhersagbar, die Folgen politischer Entscheidungen in die eine oder andere Richtung allerdings schon..
In den beiden folgenden Szenarien habe ich meiner Fantasie freien Lauf gelassen.
Sie sind zugespitzt, sie sind Satire, aber sie sind nicht irreal. Sie beschreiben zwei von den vielen denkbaren Entwicklungspfaden für Deutschland.
Alle Elemente, die in ihnen vorkommen, sind in der Gegenwart angelegt.

Ein Alptraum ... (Satire)
Im Deutschland des Jahres 2017 war die Politik eigentlich ganz zufrieden mit sich selbst. Die Folgen der Weltrezession, die 2008 mit der Lehman-Pleite begonnen hatte, waren überwunden. Das Produktionsniveau des Jahres 2008 war 2013 wieder erreicht worden, die Wirtschaft wuchs zwar nur langsam, aber sie wuchs immerhin.

Seit Herbst 2017 führte Angela Merkel eine schwarz-grüne Bundesregierung. Das Kapitel zu Migration und Integration in der Koalitionsvereinbarung war besonders lang. Es wurde bekräftigt, dass die Bundesrepublik ein Einwanderungsland sei; der wachsende Einfluss fremder Kulturen sei für das Land eine Bereicherung. Allen Migranten wurde das kommunale Wahlrecht mit der Aufenthaltsgenehmigung zugesprochen. Die Koalitionsvereinbarung kündigte eine Gesetzesinitiative an, mit der die Unterstützung von Xenophobie und Islamophobie unter Strafe gestellt werden sollte.

Jürgen Trittin hatte im Wahlkampf für Wirbel gesorgt mit seiner Aussage: »5o Prozent Araber sind mir lieber als fünf Prozent Rechtsradikale.«
Familiennachzug sollte erleichtert werden.
Gegen heftigen Widerstand der Union waren die Deutschkurse als Voraussetzung für die Einreise von Familienangehörigen abgeschafft worden. In den Koalitionsverhandlungen hatten die Grünen ein wissenschaftliches Gutachten von Professor Gideon Botsch vom Moses Mendelssohn Zentrum an der Universität Potsdam vorgelegt. Darin wurde wissenschaftlich belegt, dass es Ausdruck einer latent faschistoiden Gesinnung mit rassistischen Anklängen sei, wenn Deutsche einen Vorrang der deutschen Sprache forderten.
Migranten zum Erlernen der deutschen Sprache — über deren natürliches Wollen hinaus — zu zwingen und davon gar die Einreise oder die Aufenthaltsgenehmigung abhängig zu machen, künde von einem deutschen Überlegenheitswahn, der schon einmal die Welt fast in den Untergang getrieben habe.

Diese Vergangenheit unterscheide Deutschland eben von Frankreich und Holland, wo die sprachlichen Voraussetzungen für Migranten wesentlich verschärft worden waren.
Die neue Ministerin für Familie und Migration — eine junge Frau vom linken Flügel der nordrhein-westfälischen CDU — machte deutlich, dass Familienpolitik nicht als Bevölkerungspolitik missverstanden werden dürfe — im Gegenteil:
Unter den Aspekten der weltweiten Überbevölkerung, des Umweltschutzes wie auch der fragwürdigen deutschen Vergangenheit leiste Deutschland mit seinen niedrigen Geburtenraten eigentlich einen positiven Beitrag zur Zukunft der Menschheit. >>>>

Thilo Sarrazin
Auszüge - Ende


Anmerkung
zu

Deutschland schafft sich ab.
von Thilo Sarrazin


Politiker, unsere Top Dienstleister, haben ihre Hausaufgaben nicht gemacht
und tönen, zum großen Teil parteiübergreifend, kumpelhaft, einstimmig, mit gespielter
Entrüstung, gegen die Thesen von Thilo Sarrazin, anstatt nachzudenken.

Wenn ein Mensch, Thilo Sarrazin, mit seinen Denkanstößen den Unflat, die Versäumnisse
der Gesellschaft, der Bundesrepublik
Deutschland aufzeichnet, hätten verantwortliche Politiker
diese Grundlage zur Diskussion, zur Verbesserung der Stabilität und der Zukunftsaussichten
der Bundesrepublik Deutschland, zum Wohl seiner Bürger, nach unserer Meinung aufnehmen müssen.

Aber Sarrazin sah genau hin, seine Analyse schont niemanden,
er nahm den Maulkorb ab und wird dafür verleumdet und "bestraft".

ARD meldet am 3. September 2010, abends:
Merkel und Wulff wollen Nachbesserungen bei der Integration.
Kein Danke an Herrn Sarrazin, denn nach seinem Anstoß machen sie es jetzt kurzfristig "richtig",
nach 50 Jahren?
Wie sie sagen,
Die Gesellschaft, auch die muslimischen Gruppen können von dem politischen Erwachen nach all den
Jahren profitieren und viele muslimische junge Mitbürger erhalten eine bessere Chance, mit einer besseren Ausbildung der deutschen Sprache, müssen sie keine Schule mehr abbrechen und in Folge nicht mehr
unter der hohen Straffälligkeit leiden.

Sie werden sich gern an Herrn Sarrazin erinnern, denn Merkel und Wulff hätten ohne Herrn Sarrazin keine
neue Initiative so abrupt ergriffen und das Leiden, von eimem Teil der jungen Muslime
wäre endlos geblieben.


Eine Gesellschaft verspielt ihre Zukunft

Welch ein böses Erwachen für unsere Kinder, Jugend und junge Erwachsene
in den nächsten 20 Jahren.

Oder wer glaubt noch an eine sichere Rente,
in den nächsten 30 Jahren?
An bezahlbare Krankenkassenbeiträge,
an der Krisenbewältigung der EURO-Zone,
an den bleibenden Wert des EURO,
an die Abnahme des sexuellen Kindermissbrauchs,
an die Abnahme der AIDS-Infektionen,
an die Zunahme der Geburten, auf 2,2 Kinder - wie 1934.
an einen realen, keinen verbalen, Klimaschutz?
Etc, etc, etc.

In einem Land, das über Jahrzehnte von der sozialen Entropie
gezeichnet und in Unordnung geraten ist und nachweislich verfällt,
das Menschen, ihre Bürger, nachweislich psychisch und physisch schädigt,
in diesem Land klingen die Darstellungen der z.Zt. gewählten Politiker ,
mit ihren Aufschreien und gespielten Entsetzen, vielleicht, weil sie
aufgrund ihrer Vorstellungswelten traumatisiert sind, bedenklich.


Das Juden Gen

Mit der manipulierten Darstellungen,
werden unliebsame, aufrechte Denker
und Bankvorstände beseitigt.




Die Meinung der Kultur Fibel basiert auf ihre Liebe zur Wahrheit,
für eine humanistische, lebenswerte Welt.


© - Copyright
:
Buch:
Deutschland schafft sich ab
von Thilo Sarrazin
Deutsche Verlags Anstalt - DVA

Sämtliche Fotos, wenn nicht anders gekennzeichnet,
Text, Layout und Desig
n Kultur Fibel Verlag GmbH, Berlin,
und
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