Die Varusschlacht, der Germanische Freiheits-Krieg - Titelseite
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Kultur Fibel Magazin

 

Journalistische
Erzählung



VARUS SCHLACHT
Der Germanische Freiheits-Krieg
9 n. Chr.
Propyläen Verlag
320 Seiten
16 Seiten Farbabbildungen
im Buchhandel

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Zum Jahrestag 2009:
Viele, viele Bücher und Berichte, ein Medien-Fest
Die Antike lebt auf - Vor 2000 Jahren, die Schlacht im Teutoburger- Wald / Kalkriese,. die dramaturgisch erzähle Geschichte eines Journalisten über die Varusschlacht,
der Germanische Freiheitskrieg
.

Das Sachbuch
Die Varusschlacht Museum / Park Kalkriese.
210 Farb- und 38 Schwarzweißabbildungen


Die Falle - Arminius der Cheruskerfürst mit seinen Mannen, wartete auf die bereits geschwächten roemischen Legionen am Hügel KalkrieseDie Falle - Arminius der Cheruskerfürst mit seinen Mannen, wartete auf die bereits geschwächten roemischen Legionen am Hügel Kalkriese.
Arminius der germanische Cheruskerfürst vernichtete 3 römische Legionen am Berg Kalkriese, nahe dem Teuteburger Wald.
Mit diesem Sieg befreite Arminius (Hermann) das heutige Deutschland von der romanischen Sprache,
- bis 1945, danach verunstalteten wir täglich unsere Sprache durch Rechtsschreib-Diktate, Fäkalienausdrücke und Anglizismen.

Die Legionen des Varus zogen wahrscheinlich am Rand des Wiehengebirges, noerdlich des heutigen Teutoburger Waldes in den Untergang
Die Legionen des Varus zogen wahrscheinlich am Rand des Wiehengebirges,
noerdlich des heutigen Teutoburger Waldes in den Untergang

Das Hermannsdenkmal, für Arminius, ragt mit ueber 53 m in den Himmel, bei Detmold im Teuteburger Wald.
Das Hermannsdenkmal, für Arminius, ragt mit ueber 53 m in den Himmel,
bei Detmold im Teuteburger Wald.

Kriegsgraeuel: Eine Germanin umklammert iohr Kind, waehrend roemische Saldaten ihr Dorf zerstörten (Relief auf der Marcussaeule in Rom, um 180 n. Chr.)
Kriegsgraeuel: Eine Germanin umklammert iohr Kind,
waehrend roemische Saldaten ihr Dorf zerstörten
(Relief auf der Marcussaeule in Rom, um 180 n. Chr.)

Roemische Reiter ueberwachen die Hinrichtung gefangener Germanen (Relief auf der Marcussaeule in Rom, um 180 n. Chr.)
Roemische Reiter ueberwachen die Hinrichtung gefangener Germanen
(Relief auf der Marcussaeule in Rom, um 180 n. Chr.)


unterdrücken. In der Folge drangen die rechtsrheinischen Sugambrer und ihre Verbündeten — vermutlich die Usipeter und Tenkterer — in die römische Provinz ein. Ob die Germanen das vorübergehende Chaos dort für Raubzüge ausnutzen wollten oder ob sie den aufständischen Galliern zu Hilfe eilten, haben uns die Chronisten nicht überliefert. Eines aber war aus Sicht der Römer klar: Die Sugambrer und ihre Bundesgenossen wagten erneut eine Attacke auf das Reichsgebiet, nachdem sie erst vier Jahre zuvor die Legion des Lollius besiegt hatten. Das konnte sich die Supermacht nicht gefallen lassen.

Drusus fing die Eindringlinge ab, schlug sie zurück und gab dann im August oder September 12 v. Chr. selbst den Angriffsbefehl. Mit einer Armee von unbekannter Stärke überquerte er im heutigen Ruhrgebiet den Rhein und zog gen Osten. Der Stiefsohn des Augustus startete damit den großen Krieg im heutigen Deutschland, der erst 27 Jahre später beendet sein sollte und dessen Ausgang die Entwicklung Europas bis in die Neuzeit entscheidend beeinflusste.


Welches Ziel Rom mit der Invasion Germaniens verfolgte, ist bis heute höchst umstritten. Wollte das Imperium zunächst nur die Rheingrenze sichern, in der es die nahe gelegenen Stämme unter Kontrolle brachte? Oder plante es von Anfang an, große Teile Germaniens dem Reich einzuverleiben? Für beide Positionen gibt es kluge Argumente, die letztlich aber nur verschleiern, dass wir die Absichten der Staatsspitze schlicht nicht kennen. Seit der Machtübernahme durch Augustus mangelt es an politischen Informationen, wie schon Cassius Dio beklagt, der unsere mit Abstand wichtigste Schriftquelle für den Germanienkrieg bis zur Varusschlacht ist. »Früher [in der Republik] wurden sämtliche Angelegenheiten dem Senat und dem Volk vorgetragen, selbst wenn sie sich entfernt ereigneten. Dadurch erfuhren alle die Nachrichten, und viele schrieben sie nieder«, bemerkt der antike Historiker. »Dann aber [unter Augustus] begann man, das meiste geheim zu halten und zu verbergen.« Rom war nun eine verbrämte Diktatur auf dem Weg zur Monarchie, und Augustus und sein Beraterstab regierten in konspirativen Zirkeln. Die ausgiebigen, oft kontroversen Senatsdebatten vor Kriegserklärungen und anderen wichtigen Entscheidungen fielen weg. Die Staatsspitze musste ihre Politik nicht mehr vor der Öffentlichkeit rechtfertigen, und sie behielt ihr Herrschaftswissen und ihre Pläne für sich. Aus dem Starttermin des ersten Feldzugs kann man zumindest schließen, dass Rom für dieses Jahr noch keine weiträumigen Eroberungen beabsichtigte. Andernfalls hätte Drusus viel eher als im Spätsommer losschlagen müssen. Jetzt blieb ihm nicht mehr viel Zeit, da die Armee im Winter üblicherweise eine Kriegspause einlegte. Wegen der widrigen Bedingungen war die kalte Jahreszeit damals in der Tat die friedliche Zeit.

Das Invasionsheer zog vom großen Stützpunkt Vetera beim heutigen Xanten los. Es folgte stromaufwärts der Lippe, bewegte sich also von der Rheinmündung des Flusses aus in östlicher > > >

5. DIE VARUSSCHLACHT:
IN DER FALLE

So begann der dritte Tag des Marsches von der Weser weg. »Am anderen Morgen zogen die Römer in etwas besserer Ordnung weiter und erlitten zwar erneut blutige Verluste, erreichten aber sogar offenes Gelände«, berichtet Dio. Die Legionen waren nun in der Lage, Kampfformation einzunehmen und den Angreifern eine offene Feldschlacht zu liefern — also das, was sie beherrschten wie niemand sonst. Aber was taten die Krieger des Arminius? Nichts! Entgegen allen Klischees verzichteten die Germanen darauf, heldenhaft-selbstmörderisch zu attackieren, sondern entschieden sich für die intelligentere Lösung: einfach abzuwarten. Die Zeit spielte für die Aufständischen, denn auf kurz oder lang würde den Legionen der Proviant ausgehen. Und wo sollten sie dann hin? Einen Ausweg gab es für sie nicht: Die Truppen des Varus hatten zwar ein freies Feld erreicht, aber keinen Seitenausgang gefunden. Immer noch waren sie zwischen Bergwald und Sümpfen eingesperrt, und ihnen blieb nur die Möglichkeit, weiter voranzumarschieren oder zur Weser zurückzulaufen — die Strecke entlang, an der sie gerade so viele Kameraden verloren hatten.

Varus entschied sich dafür, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen — und tat damit erneut genau das, was die Verschwörer sich von ihm wünschten: sich auf den Engpass von Kalkriese zuzubewegen. Die Legionäre mussten auf dem nassglitschigen Weg wieder eine kilometerlange Kolonne formen und boten damit erneut eine hervorragende Zielscheibe für Guerillaattacken in die Flanke. Zwar versuchten die Soldaten nun, sich effektiver gegen die immer wieder aus dem Unterholz hervorbrechenden Germanen zu wehren, aber das Resultat schildert Dio so: »Die Römer erlitten gerade hier schwere Verluste; denn wenn sie auf engem Raum dicht zusammenrückten, um in geschlossener Formation zugleich mit der Reiterei und schwerbewaffneten Legionssoldaten die Feinde anzugreifen, brachten sie sich in dem Gedränge vielfach gegenseitig zu Fall oder glitten auf den Baumwurzeln aus.« Der antike Historiker hat hier wohl keineswegs übertrieben: Wer einmal versucht hat, mit Ledersandalen, wie sie die Römer trugen, auf rutschigem Untergrund schnelle Schrittbewegungen zu machen, der weiß, wie leicht man dabei den Halt verliert. Die Legionäre mussten zudem nicht nur sich selbst balancieren, während sie mit ihren Gegnern fochten, sondern auch noch 30 Kilogramm an Waffen und Rüstung — und das inmitten eines Pulks von Kameraden, die nervös drängelten, stießen, ihrerseits ausglitten und in ihre Nachbarn hineinrutschten. Bisweilen dürfte es zu regelrechten Dominoeffekten gekommen sein, wenn Fallende panisch versuchten, sich am Nebenmann festzuhalten, diesen aber nur mit sich zu Boden rissen. Und wer mit seiner schweren Ausrüstung in den schlammigen Grund stürzte, der wurde ein leichtes Opfer für die feindlichen Speere.

Trotz aller Verluste kam die Heereskolonne im Lauf des Tages weiter voran auf ihrem Marsch nach Westen. Gegen Abend gelang es den Überlebenden erneut, ein Lager zu errichten. Doch dieses war deutlich kleiner als das vorangegangene, und die Soldaten befestigten es nur noch hastig, ohne die sonst übliche Sorgfalt. Das geht aus einem Bericht des Tacitus hervor, der davon handelt, was sechs Jahre später der römische Feldherr Germanicus am ehemaligen Kampfgelände vorfand. Das Varuslager der Vornacht war danach noch regulär angelegt und erwies sich »durch seinen weiten Umfang und das Ausmaß des Hauptquartiers als das Werk von drei Legionen«. Am neuen Übernachtungsort bot sich dagegen ein anderes Bild: »Ein halb eingestürzter Wall und ein flacher Graben kennzeichneten die Stelle, an der sich die zusammengeschmolzenen Reste niedergelassen hatten.«

Die römischen Soldaten haben in dieser Nacht vom dritten auf den vierten Marschtag wohl nur wenig geschlafen, trotz aller Strapazen. Ausgelaugt, durchnässt und von den Schrecken der beiden vorangegangenen Tage gezeichnet, kauerten die Männer hinter ihren notdürftigen Verschanzungen. Viele Verwundete stöhnten, konnten nur provisorisch behandelt werden, und ringsum lauerten die Feinde. Was würde passieren, wenn die Germanen im Schutz der Dunkelheit einen Großangriff starteten?

Der aber blieb aus. Arminius sah offenbar keinen Anlass, das Leben seiner Leute in unübersichtlichen Nachtgefechten an den zwar kümmerlichen, aber doch vorhandenen römischen Bollwerken zu riskieren. Seine Taktik der beständigen Nadelstiche war bislang erfolgreich, der römische Heereswurm immer mehr ausgeblutet. Warum sollte er diese Vorgehensweise ändern? Der Cherusker hielt nun alle Trümpfe in der Hand, und schon bald würde er sie ausspielen — wenn Varus mit seiner Armee weiter voranmarschierte.

Genau dies tat der römische Statthalter. Welche Alternative hatte er schon? Für eine Umkehr war es zu spät, also suchte Varus das Heil in der Flucht nach vorn. Nur noch ein Tagesmarsch war zu überstehen, dann war die Armee zwischen dem Wiehengebirge und dem Großen Moor hindurch und in offenem Gelände, in dem man endlich den Barbaren effektiv entgegen­treten konnte. In der Frühe des vierten Tages packten die Soldaten also wieder ihre Sachen und zogen in langer Kolonne aus dem Lager heraus. Getrieben von Hoffnung oder Verzweiflung, folgten sie ihren Vorderleuten und stapften weiter nach Westen, hin zu einer besseren Umgebung, zu den eigenen Stützpunkten und zu dem Ufer des noch fernen Rheins.

Dann verfinsterte sich die Welt. Über den Köpfen der Männer schoben sich schwarze Wolken vor die Sonne, angetrieben von einem heftigen Wind, beladen mit nasser Fracht, die nun zur Erde zurückstrebte. Der Himmel öffnete gleichsam seine Schleusen, und als ob auch er sich gegen die Varuslegionen verschworen hätte, übergoss er die Marschierenden. »Ein strömender Regen und ein furchtbarer Sturm fielen über die Römer her, so dass diese weder vorwärtskamen noch einen festen Stand fanden«, schildert Cassius Dio. »Ja, sie konnten nicht einmal ihre Waffen richtig einsetzen: Die Bogen [der Hilfstruppen], Wurfspeere und selbst die Schilde waren derart durchnässt, dass sie kaum mehr zu ge brauchen waren. Für die Feinde hingegen war die Nässe kaum ein Hindernis, da sie ja größtenteils leichtbewaffnet waren.«

Auch diese Erklärung Dios trifft nach heutigem Kenntnisstand zu. So war ein römischer Schild üblicherweise vorne mit Leder überzogen, das bei Nässe sehr schwer wurde. Das ohnehin beträchtliche Schildgewicht von rund zehn Kilogramm steigerte sich dadurch deutlich, was den Einsatz im Wortsinn enorm erschwerte. Um genau dies zu vermeiden, packten die Legionäre ihre Schilde normalerweise unterwegs in Lederschutzhüllen ein — aber daran war natürlich nicht zu denken, wenn jeden Moment ein feindlicher Überfall drohte. Den Soldaten vor Kalkriese blieb also nichts anderes übrig, als ihren wichtigsten Schutz sich mit Regenwasser vollsaugen zu lassen. Die Germanen hingegen hatten hier kein Problem: Ihre Schilde waren deutlich kleiner und leichter gebaut sowie üblicherweise nicht mit Leder verstärkt. Da bedeutete in der klassischen Feldschlacht einen klaren Nachteil, brachte aber optimale Beweglichkeit im Guerillakampf, insbesondere bei den widrigen Witterungen, die in unseren Breitengraden allzu häufig sind.

Ganz unproblematisch war das Wetter aber auch für die Aufständischen nicht. Sie hatten ebenfalls mit den Regengüssen zu kämpfen, allerdings an einem Ort, an dem die Römer dies noch nicht bemerken konnten: dem Kalkrieser Berg. Dort flossen solche Wassermengen herab, dass sie den 400 Meter langen Wall am Hangfuß gefährdeten. Die Germanen hatten ihr Bollwerk ja nur hastig aus Sand und Grasstücken errichtet, und nun erwies es sich als nicht wasserbeständig: Es drohte schlicht zu zerlaufen. Den dahinter lauernden Männern war wohl sofort klar, welch katastrophale Folgen dies für sie haben würde, wenn die Legionen den Berg erreichten.

Die Aufständischen begannen daher, Drainagegräben anzulegen, die zum Teil mehr als einen halben Meter tief waren und am Hangfuß parallel zum Wall verliefen. Damit schufen die Rebellen zugleich ein veritables Hindernis — allerdings auf ihrer Seite des Walls statt auf der des Feindes.

Die Kanäle waren damit ein echtes Manko, und die Stammeskrieger schaufelten sie nur in höchster Not, um Schlimmeres zu verhindern. Das ist heute daran zu erkennen, dass die Gräben > > >

INHALT

Vorwort 7

EINFÜHRUNG
Die Falle 9
Zeugen der Vergangenheit 11

I. VORSPIEL
1. Erster Zusammenprall 15
2. Die Entdeckung einer Kultur 27
3. Caesar erobert Gallien 43
4. Die Republik stirbt 58
5. Der eiserne Vorhang 67

EXKURS: WESTLICHE KRIEGSKULTUR
GEGEN GERMANISCHE GUERILLA

73

II. INVASION
1. Das Tor zum Osten 84
2. Die Neue Welt 96
3. Kolonisation 105
4. Blitzkrieg 112
5. Königreich der Germanen 121

III. ARMINIUS VS. VARUS
1. Der Herr von Jerusalem (Varus, Teil I) 130
2. Ein Jurist unter Barbaren (Varus, Teil II) 141
3. Abkehr von Rom (Arminius) 147
4. Die Varusschlacht: Der Angriff 167
5. Die Varusschlacht: In der Falle 185
6. Apokalypse 199
7. Rückkehr ins Reich 212

EXKURS: KRIEGER OHNE PARADIES 220

IV. VERNICHTUNGSKRIEG
1. Schockwellen im Zentrum 223
2. Das Imperium schlägt zurück 233
3. Eine Liebe im Krieg 245
4. Tausend Schiffe gegen Germanien 260

V. NACHSPIEL
1. Zwist und Tod 276
2. Weichenstellungen 287
3. Wechselhafter Ruhm 299
Zeittafel 306
Literatur 310
Danksagung/ Bildnachweis 316
Register 317


»Die menschliche Natur ist allgemein
von Freiheitsdrang erfüllt
und hasst die Knechtschaft.«

Gaius Iulius Caesar

VORWORT

Vor zweitausend Jahren kannte das Römische Reich keinen ernsthaften Konkurrenten mehr. Seine Legionen hatten den gesamten Mittelmeerraum und den Großteil Westeuropas erobert. Nun machte sich die Armee daran, auch das Gebiet des heutigen Deutschland zwischen Rhein und Elbe dem Imperium einzuverleiben. Doch die hochgerüstete Supermacht scheiterte ausgerechnet an diesem Flecken Land, der fast ausschließlich von Kleinbauern bewohnt war, die auch für damalige Verhältnisse in ärmlichen und unterentwickelten Dörfern lebten.Der erfolgreiche Widerstandskampf der Germanen gegen einen technisch und wirtschaftlich weit überlegenen Besatzer zählt zu den Sonderfällen der Geschichte. Wie der Vietnamkrieg im 20. Jahrhundert bescherte er der führenden Zivilisation seiner Zeit ein bleibendes Trauma. Die Expansion des »Roman way of life« kam am Rhein zum Stillstand.
Die Folgen sind heute noch spürbar: Deutschland gehört anders als Italien, Frankreich und Spanien nicht zum romanischen Kulturkreis.

Antike Historiker berichten ausführlich über diesen historischen Wendepunkt und auch über den Mann, der den Freiheitskampf organisierte: den germanischen Fürstensohn Arminius, dessen Name im 16. Jahrhundert zu Hermann eingedeutscht wurde. Der Adlige vom Stamm der Cherusker diente in der römischen Armee und zeichnete sich dort so aus, dass er von Rom eingebürgert und in den Ritterstand erhoben wurde — eine steile Karriere. Arminius galt damit wohl als Musterbeispiel gelungener Integration eines Barbaren in das Weltreich. Doch unbemerkt wandelte er sich zum Staatsfeind Nummer eins und vollbrachte das unwahrscheinliche Kunststück, die zerstrittenen Germanenstämme gegen Rom zu einen.
Mit der Varusschlacht, auch Schlacht im Teutoburger Wald genannt, erreichte er einen triumphalen Sieg — aber nicht das Ende des Kriegs. Das gedemütigte Imperium hielt an seinen Eroberungsplänen fest und schlug mit voller Wucht zurück. Es folgten weit größere Schlachten, bei denen Arminius seine große Liebe verlor, Verrat durch Verwandte erfuhr und gegen den eigenen Bruder kämpfte. Sein bewegtes Leben ist aufs Engste verwoben mit der Geschichte des fast dreißigjährigen germanischen Freiheitskriegs und wird Sie durch dieses Buch begleiten.

Das Wissen um die damaligen Ereignisse beruht nicht nur auf literarischen Quellen. Hinzu kommen spektakuläre Funde, die den Archäologen besonders
in jüngster Zeit gelangen. Sie verraten nicht nur entscheidende Details der Varusschlacht, sondern gewähren auch Einblicke in die Lebensumstände einer Welt, die uns gleichzeitig nah und fern ist. Unsere germanischen Vorfahren lebten am selben Ort wie wir, im nahezu gleichen Klima — und sie waren uns wohl auch ähnlicher als lange gedacht.

Mit dem Klischeebild vom kampfeswütigen, zotteligen und muskelbepackten Barbaren jedenfalls hatten sie nicht mehr gemein als der moderne Zivilisationsmensch mit der Filmfigur Rambo. Trotzdem war ihre Gesellschaft so radikal verschieden von der heutigen, dass sie uns bisweilen so fremd erscheint, als sei sie von einem anderen Planeten. Und so ist die Geschichte von den Germanen um Arminius auch ein Lehrstück, wie sehr die Kultur eine menschliche Gemeinschaft prägen kann.

Einführung

Die Falle

Das Varusschlacht-Museum in Kalkriese bei Osnabrück besitzt einen Aussichtsturm, der vierzig Meter in die Höhe führt. Von dort lässt sich der angrenzende Museumspark überblicken: eine ausgedehnte Wiese, die sich über einen halben Kilometer erstreckt und von Wald umgeben ist. Rechts von ihr zieht sich flaches Gelände bis zum Horizont hin.
Links steigt sanft ein Hügel an, der den klingenden Namen »Kalkrieser Berg« trägt, obwohl er sich nur 110 Meter über der Ebene erhebt. Die Landschaft wirkt beschaulich und unspektakulär — und es erschließt sich auf den ersten Blick nicht, weshalb gerade sie der geeignete Ort war für den großen Angriff der Germanen auf die römische Besatzungsarmee.

Heute fehlt ein entscheidendes Element: das Wasser, das die Region zu einem schwer passierbaren Feuchtgebiet machte. Zahlreiche kleine Bäche schlängelten sich damals den Kalkrieser Berg herab. Sie querten auf dem Gebiet des jetzigen Museumsparks einen hundert Meter breiten Sandweg und verliefen sich knapp einen Kilometer weiter in der Ebene, die ein riesiges Sumpf- und Moorgebiet war.

Auf dem Sandweg wälzte sich im September des Jahres 9 n. Chr. eine für damalige Verhältnisse gewaltige Armee entlang: Drei Legionen plus Hilfstruppen, etwa 15 000 bis 20 000 Mann, marschierten auf dem Trampelpfad, um einen weit entfernten Aufstand niederzuschlagen. Mehrere Kilometer war der Heereswurm lang, der unter Führung des Feldherrn Varus dem Kalkrieser Berg entgegen kroch.

Für die Soldaten muss es mühsam gewesen sein voranzukommen: Beladen mit etwa dreißig Kilogramm Waffen und Rüstungen und zusätzlich dem persönlichen Gepäck stapften sie über den morastigen Grund. Die von Maultieren gezogenen Karren des Gepäcktrosses behinderten den Vormarsch zusätzlich.
Diese Beschwernisse wären für die abgehärteten Legionäre wohl kein Problem gewesen, hätte es nicht unerwartete Attacken gegeben.
Die Gegend war besiedelt und galt als befriedet, doch immer wieder stürmten feindliche Kriegerhaufen aus den umliegenden Wäldern hervor. Die Angreifer überfielen guerillaartig einzelne Truppenteile und zogen sich wieder zurück. So war die römische Armee bereits dezimiert, als sie den Kalkrieser Berg erreichte. Dort erwartete die Soldaten die schlimmste Überraschung.

Die ermüdeten Männer erblickten nicht nur einzelne Germanenhorden, sondern eine komplette Befestigungsanlage. Zur linken Hand am Fuß des Hügels, parallel zum Sandweg, stand ein 400 Meter langer Wall. Dieser war an die zwei Meter hoch, aus Rasenstücken gefertigt und stellenweise von einem Palisadenzaun gekrönt. Solch ein Bauwerk konnte unmöglich über Nacht errichtet worden sein. Die kampferfahrenen Legionäre müssen sofort erkannt haben, was das bedeutete: Der wahre Aufstand war nicht entfernt. Ihre Feinde hatten von langer Hand einen Hinterhalt geplant, und hier war der Ort, wo die Falle zuschnappen sollte.

Die Römer suchten ihr Heil in der Attacke: Ein Teil griff direkt den Wall an, doch die Germanen leisteten starken Widerstand. Vor dem Bollwerk häuften sich die Toten und Verletzten. Derweil versuchten die übrigen Legionäre, durch den Engpass zwischen der Befestigungsanlage zur Linken und dem Moor zur Rechten hindurch in freies Gelände zu gelangen. Dort könnten sie sich zur bewährten Schlachtordnung formieren, in der die römischen Soldaten schon so oft gegen die Barbaren gesiegt hatten. Aber mehr und mehr Germanen stürmten hinter dem ausgedehnten Wall hervor und griffen den Heereszug an der Breitseite an.

Chaos und Panik breiteten sich unter den Römern aus, und sie erfassten auch den Wagentross. Eines der Maultiere riss sich im Getümmel los. Es rannte über den Kampfplatz, stürmte den Wall hinauf und brach sich das Genick. Später stürzte dort ein Abschnitt des Bollwerks ein und begrub das Tier unter sich.

2. DIE ENTDECKUNG EINER KULTUR

58 v. Chr.
Beginn des Gallischen Kriegs

Caesar beschreibt als Erster die Germanen als eigenes Volk Sieg Caesars über den Germanenführer Ariovis.

58 v. Chr. benötigte Caesar einen großen Krieg. Seine politische Existenz hing davon ab. Der Spross einer alten Adelsfamilie hatte sich in Rom mächtige Feinde geschaffen, und nun war dem begnadeten Populisten klar: Nur ein erfolgreicher Feldzug konnte ihm genug Prestige bringen, um immun gegen die Attacken seiner Widersacher zu sein. Gegen welches Volk er in den Kampf zog, war von untergeordneter Bedeutung. Die Gallier hatten schlicht Pech, als der skrupellose Politiker ihr Gebiet angriff.

Die Invasion setzte eine blutige Ereigniskette in Gang, die den späteren römisch-germanischen Krieg erst ermöglichte und auch bedeutsam beeinflusste. Caesar führte die Grenze des Reichs unmittelbar an Germanien heran, startete die erste römische Attacke auf die Gebiete östlich des Rheins und prägte entscheidend das Bild, das sich der mediterrane Staat und die Stammesvölker dort voneinander machten.

Geboren wurde der Mann, der erstmals die Germanen als eigenes Volk beschrieb, im Jahr 100 v. Chr. Er entstammte altem römischem Adel, aber um ganz nach oben zu gelangen, musste Caesar wie jeder ambitionierte Römer die politische Ochsentour durchlaufen. Diese führte über fest vorgegebene Stationen, Magistrate genannt: von der Quästur über das Volkstribunat oder das Ädilat zur Prätur und schließlich zum Konsulat, dem höchsten Karriereziel. Ein Kandidat durfte jedes Amt nur einmal bekleiden, für die Dauer von je einem Jahr. Er musste von Stufe zu Stufe Wartefristen einhalten und beständig für sich trommeln, sonst war die Karriere frühzeitig beendet. Das Volk bestimmte durch Wahlen, wer die Posten erhielt, und ein Bewerber musste sich in Kampfabstimmungen gegen seine Konkurrenten durchsetzen.
Der Wahlkampf kostete viel Geld, nicht zuletzt weil die Wählerbestechung zwar offiziell verboten war, aber so üblich wie im heutigen Profisport das Doping. Und zu verdienen gab es zunächst einmal nichts: Die Amtsinhaber erhielten kein Gehalt, erst nach der Prätur eröffneten sich lukrative Einnahmequellen. Wer bis dahin bei den Abstimmungen auf der Strecke blieb, sah nicht selten dem finanziellen Ruin entgegen. Viele aufstrebende Politiker hatten sich hoffnungslos überschuldet. Dies galt insbesondere für Caesar, der es mit 30 Jahren zum Quästor brachte und mit 34 zum Ädil.

Der blasse, hochgewachsene Patrizier gehörte zu einer Generation, die nach heutigen Begriffen betont cool und chic auftrat. Die modebewussten Männer entwickelten spezielle Gesten, etwa sich mit einem einzelnen Finger zu kratzen. Sie stylten sich aufwendig die Haare und trugen zur Empörung der konservativen Kreise ihre Gewänder »locker gegürtet«. Caesar zählte selbstredend zu den extravagantesten Mitgliedern der Society. Der schlanke Charmeur kleidete sich nicht nur besonders leger und auffällig, sondern gab trotz seiner Schulden hemmungslos Geld aus. So ließ er sich auf dem Land eine Villa bauen, und als sie fertig war, wieder abreißen — weil sie seinem Geschmack doch nicht entspreche. Ausschweifend war auch das Liebesleben des bisexuellen Playboys, der sich angeblich nicht nur das Gesicht gründlich rasierte, sondern auch den Körper — »was ihm manche Leute zum Vorwurf machten«, wie der antike Biograph Sueton anmerkt. Bei seinen zahlreichen Affären soll Caesar nicht wählerisch gewesen sein. Böse Stimmen behaupteten, er sei »ein Mann für jede Frau, und eine Frau für jeden Mann«. Doch einige Zeitgenossen bemerkten auch, dass der Lebemann kaum Alkohol trank, also selbst bei ausschweifenden Feiern einen kühlen Kopf behielt.

Der charismatische Politiker suchte offenbar bei jeder Gelegenheit seinen Vorteil. Wenn er besonders freigebig erschien, war es für ihn eine Investition in die Zukunft. Den Einsatz trieb Caesar auf eine vorläufige Spitze, als er 65 v. Chr. das Amt des Ädils bekleidete. Zu seinen Aufgaben zählte es, für das Volk > > >

II. INVASION

I. DAS TOR ZUM OSTEN

13/12 v.Chr. 12 v.Chr.
Bau eines Kanals vom Rhein zur Nordsee / Erste Feldzüge des Drusus in Germanien; friedliche Unterwerfung der Friesen

11 v.Chr.Große römische Offensive:
Drusus erreicht die Weser, legt den Militärkomplex Oberaden an der Lippe an.


Es muss ein peinliches Desaster gewesen sein und für Außenstehende ein komischer Anblick, als die Flotte der Römer buchstäblich auf dem Trockenen saß. Die Armada war an der Nord­seeküste entlang in die Gegend des heutigen Bremen gefahren, versetzte dort die Germanen in Schrecken — doch dann unterschätzten die Navigatoren dilettantisch die Gezeiten. Die einsetzende Ebbe zog der Invasionsflotte das Wasser unter den Kielen weg, und die stolzen Kriegsschiffe lagen wie gestrandete Wale auf Grund. Als die Einheimischen dies bemerkten, rüsteten sie sich, die Eindringlinge zu vernichten.

Die Havarie am Ende des ersten Kriegsjahres in Germanien sollte nicht die letzte heikle Situation bleiben, in die der junge Feldherr Drusus seine Armee führte. Der Mittzwanziger war nach dem erfolgreichen Alpenfeldzug nach Gallien gegangen und übernahm dort 13 v. Chr. die Statthalterschaft, stellvertretend für seinen Stiefvater Augustus. Damit hatte er auch das Kommando über die fünf bis sechs Legionen inne, die am Rhein stationiert waren.
Im Jahr darauf musste Drusus schwere Unruhen in Gallien


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