Varusschlacht, Arminius der Cherusker Fuerst, genennt Hermann
Kultur Fibel Magazin
 



VARUS SCHLACHT
Museum und Park Kalkriese

Sachbuch
Philipp von Zabern Verlag
256 Seiten
248 Abbildungen
Hardcover
€ 24,90 € [D]
44,00 SFR [CH]
im Buchhandel
oder Kultur Fibel Verlag
RG. + Porto EUR 1,50

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Buch 21,5 x 28,5 cm, 256 Seiten
mit 210 Farb- und
38 Schwarzweißabbildungen
Detailaufnahme des Giebels an der Nordfassade der 1842 fertig gestellten Walhalla bei Regensburg, Bayern, Deutschland
Detailaufnahme des Giebels an der Nordfassade der 1842 fertig gestellten Walhalla bei Regensburg, Bayern, Deutschland
Rainer Wiegels

ARMINIUS

[Un-]Vergessener »Befreier Germaniens«

Das Nachdenken über eine möglicherweise geschichtswirkende oder auch - im Guten wie im Schlechten - exemplarische Bedeutung einer Persönlichkeit und ihrer Taten beginnt vielfach schon zu ihren Lebzeiten, nicht selten befördert durch Selbstinszenierung und Propaganda.
Mitunter setzt aber auch das Interesse erst wesentlich später ein, nachdem Person und Tat weitgehend oder sogar gänzlich in Vergessenheit geraten waren. Ob und wie stark die Erinnerung als lebendige Tradition dauerhaft fortbesteht oder - wenn der Traditionsfaden zerrissen ist - neu belebt und damit wieder, vielleicht auch erstmalig bedeutungsvoll wird, hängt nicht zuletzt vom Zeitgeist und dem von diesem beeinflussten Umgang mit der Geschichte ab
.

Bronzescheide des "Schwert des Tiberius" Btitish Museum LondonBronzescheide des "Schwert des Tiberius" Btitish Museum London
Germanicus überreicht dem römischen Kaiser Tiberius eine Statue der Victoria,
als Symbol für seine jüngst errungenen Siege

Arminius und die »Schlacht im Teutoburger Wald« gehören zu den Personen und Ereignissen der Antike, deren Wirkung bis heute anscheinend nachhaltiger gewesen ist als das Handeln und die singuläre Tat selber. Aber auch diese Nachwirkung war keineswegs konstant, sondern unterlag seit der Antike Fieberkurven des Erinnerns, was Intensität und spezifisches Interesse betrifft. Das Standhalten gegen Rom und das persönliche Schicksal der Germanen, waren offenbar geeignet, unterschiedliche Identifikationsbedürfnisse nachfolgender Generationen zu befriedigen.
Über Jahrhunderte hinweg haben Arminius und die Varusschlacht zu kollektiver Sinnstiftung beigetragen, die allerdings nicht immer und nicht ausschließlich in nationalem und erst recht nicht nationalistischem Fühlen und Denken wurzelte.

Gesichtsmaske eines roemischen Reiterhelms, gefunden 1990 in KalkrieseGesichtsmaske eines römischen Reiterhelms, gefunden 1990 in Kalkriese

So konnte Arminius als ruhmreicher und zugleich tragischer Held, als charakterlich vollkommene Persönlichkeit, aber eben auch als Patriot vereinnahmt und gefeiert werden. Dieses ging nicht selten einher mit der Mystifizierung von Person und historischer Tat, die gerade in ihrer Simplifizierung und Typisierung jenseits der geschichtlichen Realität dafür geeignet war, sich tief in das Gedächtnis der Zeitgenossen einzugraben.
(Auszug Ende)

Schlachtsarkophage von Portonaccio, (links), Kopf des rechten Germanenfürsten mit "nodus"-Frisur, (rechts) Barbarenpaar,
Schlachtsarkophage von Portonaccio,
(links), Kopf des rechten Germanenfürsten mit "nodus"-Frisur, (rechts) Barbarenpaar
,
Rom, Museo Nazionale Romano


Karl H. L. Welker

19. Jahrhundert
Als Ausdruck der Enttäuschung über den Untergang des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation und vor allem über die Niederlage von Jena und Auerstedt schrieb Heinrich von Kleist nach 1806 »Die Herrmannsschlacht« [posthum 1821 erschienen]. Das Drama beschäftigte sich nicht allein mit der politischen Zerrissenheit Deutschlands, sondern polarisiert stark zwischen einer fremden Besatzungsmacht und dem ohnmächtigen Volk. Kleist verlässt hier die historische Quellenlage, nimmt Anachronismen bewusst in Kauf, um sich ganz der Gegenwart

Hermannsdenkmal, feierliche Eröffnung am 16. August 1875,
Hermannsdenkmal, feierliche Eröffnung am 16. August 1875,
Illustrierte Zeitung vom 11. September 1875 - Nr. 1680

zuzuwenden. Dadurch schuf er nicht bloß eine leicht zu entschlüsselnde Allegorese, sondern aggressive politische Agitation, um das deutsche Volk zur Insurrektion aufzurufen. Für Kleist standen die Römer für die Franzosen, die Cherusker für die Preußen und die Sueben für die Österreicher. In den unentschlossenen Germanenfürsten erblickte er die politisch unzuverlässigen Rheinbundstaaten. Kleist wollte die Vereinigung von Preußen und Österreich, um gemeinsam gegen Napoleon zu kämpfen und dabei auch gleich noch Paris zu erobern. Hermann ist bei ihm kein selbstloser Idealist, wie noch bei Kopstock, sondern ein machiavellistisch geschulter Taktiker, keine Lichtgestalt, sondern gewitzt und verschlagen. Er kennt das politische Geschäft, das Handwerk der Verstellung.

Kleists Drama war das erfolgreichste aller Arminius-Stücke. Indem es die eigentliche Varusschlacht in die Zukunft verlegte, wollte es eine nationale Aufbruchsstimmung erzeugen. Es wurde seit 1839 immer wieder aufgeführt und gehörte während der Zeit des Nationalsozialismus zur Schullektüre.


Die Zeit nach 1815 brachte eine gewisse Ernüchterung in die Behandlung des Arminiusstoffes. Die Suche und der Ruf nach einem neuen Hermann verstummte nach dem Wiener Kongress. Ernst Moritz Arndt stellte fest: »Die Leipziger Schlacht ist unsere Hermannsschlacht« und forderte die Errichtung eines Denkmals für den Cheruskerfürsten.

Gaius Julius Caesar 100 - 44 v.Chr.Gaius Julius Caesar 100 - 44 v.Chr.
Museo Pio Clementino, Vatikan, Rom

Friedrich de la Motte Fouque überging in „Hermann, ein Heldenspiel in vier Abentheuern“ 1818 . . . (Auszug Ende)

Kaiser Augustus als Feldherr, Statue, gefunden in der Villa der Kaiserin Livia, seine GattinKaiser Augustus als Feldherr, Statue
gefunden in der Villa der Kaiserin Livia,
bei Primaporta, Vatikanische Museen, Rom

A. H. Ellental
21. Jahrhundert
„Vom Zeitgeist und dem von diesem beeinflussten Umgang mit der Geschichte . . „ schreibt Rainer Wiegels und Martin Walser in „Meßmers Reisen“ schreibt: „Wie mit dieser überall gegenwärtigen deutschen Minderwertigkeit leben?“
Ergo im Zeitgeist.
Beeinflusst diese zeitgeistige deutsche Minderwertigkeit unsere derzeitigen allgemeinen Geschichtsdarstellungen, teils mit wissenschaftlicher Prägung? Es gibt viele Gründe darüber nachzudenken, in einer Zeit der Korruptionen, der Verrohung der Subjekte und der von diesen

Gemma Agustea, allegorische Darstellung der Weltherrschaft des Augustus (Mitte) daneben Roma, Schutzherrin der Stadt Germanicus und Tiberius der vom Streitwagen, gelenkt von Victoria, herabsteigtGemma Agustea, allegorische Darstellung der Weltherrschaft des Augustus (Mitte) daneben Roma, Schutzherrin der Stadt Germanicus und Tiberius der vom Streitwagen, gelenkt von Victoria, herabsteigt. Kunsthistorisches Museum Wien

Nero Claudius Drusus 38 - 9 v. Chr. Stiefsohn des Augustus,
Bronze, Nationalmuseum Neapel

Individuen geschaffenen Krisen die unsere Welt erschüttern.
Über die kräftige, germanische Rasse, und über ihrer Körpergröße, die den Römern überlegen war, die sie mit ihrer Nodus-Frisur erhöhten, fehlen Fotos (Museen) und Berichte.

Germanische Siedlung um Christi Geburt.Germanische Siedlung um Christi Geburt.
Das Freizeimuseum Lejre FosØgscenter in Dänemark vermittelt
einen guten Eindruck von einer Siedlung.

Ein Nachdenken über die Germanen, die genügsam, sittlich und friedlich auf ihren Gehöften lebten, über ihre Kultur, Fürsten, Werkzeuge, Schmuck, Gräber könnte nicht schaden. Waren es ihre starken menschlichen Grundlagen auf denen Deutschland aufbaute und führend in der Kunst und Wissenschaft wurde und viele Nationen befruchteten konnte?
Denken wir nur an die hohe Anzahl der deutscher Nobelpreisträger vor 1939.

Hermann und Thusnelda, 1822, mit Germanen und Kind im Hintergrund
Hermann und Thusnelda, 1822
Wilhelm Tischbein d. Ä. 1751 - 1829
Landesmuseum für Kunst, Oldenburg

Die Evolution sagt uns:
Wer sich ändert, bleibt!


Mit unserer Lebenausrichtung für mehr Umsatz, mehr Absatz, mehr Plunder, mehr Gewinn, sind wir nicht für das Leben, das Sein ausgerichtet, sondern für das Bruttosozialprodukt. Ein Stillstand (soziale Entropie >Verfall<) über 40 Jahre.


Anselm Kiefer stellte zum Thema "Varusschlacht" vier Werke 1980 im deutschen Pavillon der Biennale in Venedig aus, viele Zeitgeister, Kritiker werteten die Werke als Ausdruck rechtskonservativer Gesinnung ab.

Das Buch
„Die Varusschlacht“ vom Philipp von Zabern Verlag, ist mit seinen 256 Seiten, 210 Farb- und 38 schwarz/weiß Abbildungen eine gute gegliederte Zusammenfassung der Varusschlacht.

 


Weitere Seiten zur Antike:
Der Germanische Freiheits-Krieg - die Varusschlacht
Emperium> Babylon
Hetären Griechenland und Rom
Rom, Panis Militaris
Luxus im Alten Rom
Livia, römische Kaiserin, Gattin von Kaiser Augustus


Oper-Ballett:

Oper La Traviata - Oper La Boheme - Oper Entführung aus dem Serail - Oper Die Liebe zu den drei Orangen - Oper Die Zauberflöte - Madame Butterfly
Oper Cosi fan tutte - Oper Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny - Oper Die Teufel von Loudun - Oper Der Waffenschmied - Oper Simon Boccanegra
Oper Orelando paladino - Oper Carmen - Oper Armida - Oper Der Spieler, Hrpok - Oper Fidelio
Oper Agrippina - Oper Der Türke in Italien - Oper Der Goldene Hahn - Ballett Dornröschen - Ballett Schneewittchen
Ballett Tanzgeschichte - Ballett Carmen Flamenco - Ballett Der Nussknacker - Ballett Martha Graham Company

Interviews:

Interview Lola Müthel - Interview Herbert Bötticher - Interview Ruth Drexel - Interview Ute Lemper
Interview Wolfgang Spier - Interview Judy Winter - Interview Romuald Pekny - Interview Helmut Griem

 

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