Klima
Klimawandel
Sachbuch

Wir Wettermacher,Tim_Flannery
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Wetter - Macher

Klimaveränderung - Lebensveränderung

 

 

ES IST HÖCHSTE ZEIT
Der Gedanke an unsere wunderbare Atmosphäre mit ihren vielfältigen Bezügen zum menschlichen Leben, wie zu allem Leben, hat mich zu diesem Aufschrei für die Kinder und für die empörte Menschheit genötigt ... Stellen Sie alles dem hintan ... Geben Sie Ihre Stimme keinem, der sagt: »Das kann nicht getan werden.« Wählen Sie diejenigen, die erklären: »Es wird getan werden.«

Alfred Russel Wallace, 2004
Flannery,Tim
Tim Flannery
geboren 1956 in Melbourne, lebt als Wissenschaftler, Forscher und Umweltschützer in Australien. Als Zoologe hat er mehr als dreißig neue Arten von Säugetieren entdeckt. Tim Flannery ist Autor zahlreicher Bücher (zuletzt auf deutsch: "Ewige Pioniere". Eine Naturgeschichte Nordamerikas und seiner Bewohner in fünf Akten) und hat viele Dokumentarfilme gedreht. Er ist Professor für Zoologie und Direktor des South Australia Museum in Adelaide.

AUSZÜGE

DAS LANGSAME ERWACHEN

Im Jahr 1981, als ich Mitte zwanzig war, bestieg ich den Mount Albert Edward, einen der höchsten Gipfel auf der saftig grünen Insel Neuguinea. Obwohl nur 120 Kilometer von Port Moresby, der Hauptstadt Papua-Neuguineas, entfernt, ist die Gegend um den Mount Albert Edward so unwegsam, dass hier seit einer Expedition des amerikanischen Museum of Natural History Anfang der dreißiger Jahre keine biologischen Forschungen von Belang mehr durchgeführt wurden.
Die bronzefarbenen Wiesen bildeten einen kräftigen Kontrast zum grünen Urwald weiter unten, und zwischen den Gras-büscheln wuchsen Grüppchen von Baumfarnen, deren filigrane Wedel sich über meinem Kopf wiegten. Fährten von Wallabys schlängelten sich vom Waldrand zu den Kräutern, die in feuchten Senken gediehen, und überall waren die Gänge und Bauten meterlanger Ratten und die Spuren von Langschnabeligeln zu sehen, die nach Würmern gesucht hatten. Viele dieser Tiere, entdeckte ich später, leben einzig und allein in diesen alpinen Regionen.
Ein Stück bergab endeten die büscheligen Wiesen abrupt an einem zwergwüchsigen, von Moos durchsetzten Wald. Mit einem einzigen Schritt war man aus dem Sonnenschein in das feuchte Dunkel getreten. Die bleistiftdünnen jungen Bäumchen am Rand waren so von Moosen, Flechten und hauchdünnen Farnen überwuchert, dass sie zu Ballons von der Größe meines Taillenumfangs aufgebläht waren. Im verrottenden Laub auf dem Waldboden fand ich zu meiner Überraschung die Stämme abgestorbener Baumfarne. Baumfarne wachsen nur auf Wiesen, also war dies ein eindeutiger Beweis, dass sich der Wald von unten her den Berghang eroberte. Aus der Verteilung der Baumfarnstämme war zu schließen, dass der Wald mindestens 30 Meter Bergwiese in kürzerer Zeit verschlungen hatte, als ein Baumfarn auf dem feuchten Waldboden zum Verrotten braucht - ein oder höchstens zwei Jahrzehnte.

Warum dehnte sich der Wald aus? Als ich über den vermodernden Stämmen grübelte, fiel mir wieder ein, dass ich gelesen hatte, die Gletscher Neuguineas würden schmelzen. Waren die Temperaturen am Mount Albert Edward so stark gestiegen, dass Bäume auch da wachsen konnten, wo zuvor nur Gras Wurzeln geschlagen hatte? Und wenn ja, war dies ein Anzeichen für den Klimawandel? Ich hatte in Paläontologie promoviert, also wusste ich, wie wichtig Klimaveränderungen für das Schicksal der Arten gewesen sind. Jetzt aber sah ich den ersten Beweis, dass Klimaveränderungen die Erde noch während meiner Lebensspanne treffen könnten. Das Erlebnis irritierte mich; ich wusste, dass etwas falsch war, aber nicht genau, was.
Obwohl ich gute Voraussetzungen mitbrachte, die Bedeutung dieser Beobachtungen zu begreifen, vergaß ich sie bald. Zum Teil lag das daran, dass mich im Rahmen meiner Forschungen über die verschiedenen alten Ökosysteme, die unsere Generation geerbt hat, scheinbar größere und dringendere Probleme beschäftigten. Und einige dieser Krisen schienen wirklich akut: Die Regenwälder, die ich untersuchte, wurden gerodet, um Bauholz und Ackerland zu bekommen, und die größeren Tierarten, die dort lebten, wurden bis zum Aussterben gejagt. In meiner Heimat Australien drohten die fruchtbarsten Böden zu versalzen, und zugleich gefährdeten Überweidung, die Degeneration der Wasserläufe und das Abholzen der Wälder kostbare Ökosysteme und die Biodiversität. Für mich waren das wahrhaftig drängende Probleme.
Ob wir eine Straße überqueren oder Rechnungen begleichen, die großen, schnellen Sachen sind es, die unsere Aufmerksamkeit erheischen. Aber scheinbar riesige Dinge erweisen sich manchmal als nebensächlich. Das »Jahr-2000-Problem« war ein Beispiel dafür. Überall auf der Welt gaben Regierungen und Firmen Milliarden aus, um sich gegen die »Gefahr« zu wappnen, während andere nichts taten; und dann machte das Jahr 1999 dem Jahr 2000 Platz, ohne dass es auch nur einen Schluckauf gab, geschweige denn eine Apokalypse. Ein skeptischer Blick ist unser bestes Rüstzeug, wenn wir an diese Art von »Problem« herangehen. Und tief verwurzelter Skepsis kommt eine besonders wichtige Rolle in der Wissenschaft zu, denn eine Theorie ist nur so lange gültig, wie sie nicht widerlegt worden ist. De facto sind Wissenschaftler gelernte Skeptiker, und dieses ständige Hinterfragen der eigenen Arbeit und der anderer könnte leicht den Eindruck erwecken, dass man immer einen Experten finden kann, der jede auch nur denkbare Ansicht vertritt. Diese Skepsis ist zwar der Lebensnerv der Wissenschaft, kann aber auch von Nachteil sein, wenn eine Gesellschaft aufgerufen ist, reale Gefahren zu bekämpfen. Jahrzehntelang fanden sowohl die Tabak, als auch die Asbestindustrie Wissenschaftler, die bereit waren, öffentlich Zweifel an Erkenntnissen zu äußern, die ihre Produkte mit Krebs in Zusammenhang brachten. Ein Laie kann nicht wissen, ob die ihm präsentierte Sicht der Dinge eine Minderheitenmeinung oder die Überzeugung der Mehrheit ist, und so können wir den Eindruck bekommen, dass die Wissenschaft in solchen Fragen wirklich gespalten ist. Im Fall von Asbest und Tabak wurde die Situation noch verschlimmert, weil sich Krebs erst Jahre nach dem Kontakt mit karzinogenen Produkten zeigt und niemand mit Gewissheit sagen kann, wen von den vielen, die damit in Berührung kamen, es treffen wird. Indem sie Zweifel am Zusammenhang zwischen ihren Produkten

des Käno- oder Neozoikums in lokale Einheiten untergliedert, die man »nordamerikanische Landsäuger-Zeiten« nennt. Das sind zwar die feinsten Unterteilungen der Zeitskala, aber viele dauerten mehrere Millionen Jahre.
Hätte sich das Leben in gleichmäßigem Tempo entwickelt und keine Rückschläge oder Phasen außergewöhnlicher Chancenvielfalt erlebt, wäre es nicht so einfach, die geologischen Schichten zu unterscheiden. Doch diese Abschnitte der geologischen Zeitskala lassen sich auseinander halten, weil es zu dem kam, was Geologen »faunale Umschichtung« nennen - kurzen Phasen, in denen Spezies plötzlich neu auftauchen oder plötzlich verschwanden. > > >

ZIVILISATION:
MIT EINEM WIMMERN VORBEI?

Wenn wir nicht sofort aufhören, werden wir das Leben unserer Nachkommen wirklich ruinieren. Selbst wenn wir bloß noch weitere 40 oder 50 Jahre herum-pfuschen, werden sie absolut keine Chance mehr haben und in die Steinzeit zurückgeworfen. Menschen wird es noch geben. Aber die Zivilisation wird verschwunden sein.
James Lovelock, Independent, 24. Mai 2004

Unsere Zivilisation baut auf zwei Grundlagen auf: unserer Fähigkeit, genügend Nahrungsmittel zu produzieren, um eine große Anzahl Menschen zu ernähren, die sich anderen Aufgaben widmen, und unserer Fähigkeit, in Gruppen zu leben, die für große Institutionen tragfähig genug sind. Wir sind in Städten organisiert, und vom lateinischen civis, »Mitbürger«, leitet sich der Begriff der Zivilisation ab.

Heute bilden sehr große Städte den Kern unserer globalen Gesellschaft, und in ihnen finden sich unsere wertvollsten Institutionen. Solange sie nicht von außen versorgt werden, sind Bevölkerungszentren mit weniger als 10 000 Einwohnern wahrscheinlich nicht in der Lage, das gesamte Spektrum der Gesundheitsdienste bereit zu stellen, und jene mit nur 100000 verfügen im Allgemeinen nicht über akademische Bildungseinrichtungen und ein Orchester. Selbst Städten mit rund einer Million Menschen fehlt möglicherweise noch eine Oper, ein Museum von Weltrang oder eine bestimmte Spezialklinik. Und der Arbeitsmarkt - besonders für hoch spezialisierte Berufe - unterscheidet sich in Städten mit fünf Millionen Einwohnern drastisch von denen mit einer Million.

Städte sind für die Zivilisation von entscheidender Bedeutung, und doch sind es fragile Einrichtungen, die durch den Stress des Klimawandels leicht verwundbar sind. Daher ist es wichtig, Städte im Hinblick auf ihre Grundversorgung - Essen, Wasser und Energie - zu betrachten.
Die einzigen anderen Wesen, die so etwas wie eine Stadt hervorgebracht haben, sind in sozialen Verbänden lebende Insekten, aber sie sind so klein und ihr Ressourcenbedarf ist so gering, dass ein paar Hektar Habitat alles ist, was sie zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse brauchen. Im Gegensatz dazu halten wir ganze Kontinente besetzt, und unsere Städte gleichen in ihrer Komplexität einem Regenwald. In Städten ist so gut wie jeder Beruf spezialisiert: Bloß »Sekretärin« zu sein reicht nicht mehr - man muss schon Notariatssekretärin oder Chefarztsekretärin oder etwas in der Art sein. Und ein Medi-ziner bringt es weiter, wenn er kein einfacher praktischer Arzt ist, sondern Sportorthopäde, Proktologe oder Spezialist für Geriatrie. Das ist das menschliche Äquivalent zu einem Leben als matanim-Kuskus oder Goldkröte - und in der Natur sieht man solche Arten nur in Regenwäldern, weil nur da der Nachschub an Energie und Feuchtigkeit groß und regelmäßig genug ist, um solche komplexen und großen Ansammlungen von Lebensformen gedeihen zu lassen.

Wenn wir einem Regenwald auch nur für kurze Zeit das Wasser oder das Sonnenlicht wegnehmen, wird er, wie wir gesehen haben, aller Wahrscheinlichkeit nach kollabieren, und seine hoch spezialisierten Bewohner werden aussterben. In Teilen Costa Ricas und Papua-Neuguineas hat der Klimawandel das bereits zuwege gebracht, und für Regionen wie beispielsweise das Amazonasbecken wird es voraus gesagt.
Jetzt lassen Sie uns ein Gedankenexperiment machen. Denken Sie an eine Großstadt, mit der sie vertraut sind, und stellen Sie sich vor, wie es wäre, wenn ihre Bewohner eines Morgens aufwachten und feststellten, dass kein Wasser mehr aus den Hähnen kommt. Keine Kleidung könnte gewaschen werden, keine Toilettenspülung würde funktio-nieren, Dreck würde sich ansammeln, und die Menschen würden sehr schnell unter Durst leiden. Und stellen Sie sich die Folgen vor, wenn der Benzin- und Dieselnach-schub ausbliebe: Lebensmittel könnten nicht mehr geliefert, Müll nicht entsorgt werden und die Menschen könnten nicht an ihre Arbeitsplätze kommen.

und Krebs schürten, (Anm. Red. „Blitzkrieg gegen den Krebs“, im Nationalsozialismus war Asbest als krebserregend erkannt und u. a. in Bauten verboten.) erfreuten sich die Tabak- und Asbestfirmen jahrzehntelang fetter Profite, während Millionen Menschen einem schrecklichen Tod entgegengingen. > > >

Beim Klimawandel ist das anders. Er ist das Resultat von Luftverschmutzung, und die Größe unserer Atmosphäre und das Volumen der Schadstoffe, die wir hineinblasen, lassen sich mit großer Präzision angeben. Die gegenwärtige Debatte - und die Geschichte, die ich hier wiedergeben will - dreht sich um die Auswirkungen einiger dieser Schadstoffe (der so genannten Treibhausgase) auf das gesamte Leben auf der Erde.
Ist der Klimawandel eine schreckliche Bedrohung oder Schaumschlägerei? Ein Riesending oder eine Macke? Vielleicht irgendetwas dazwischen - ein Problem, dem sich die Menschheit irgendwann stellen muss, aber noch nicht sofort? In Hülle und Fülle präsentieren die Medien der Welt Beweise, die jede dieser Ansichten stützen. Nimmt man diese Medien genau unter die Lupe, wird eines klar: Es fällt den Menschen schwer, den Klimawandel leidenschaftslos einzuschätzen, weil er so weit reichende politische und wirtschaftliche Bedeutung hat und weil er auf genau die Prozesse zurückzuführen ist, die den Erfolg unserer Zivilisation ausmachen. Das heißt, wenn wir uns dieses Problems annehmen, wird es Gewinner und Verlierer geben. Die Einsätze sind hoch, und das hat dazu geführt, dass irreführende Geschichten immer weiter Verbreitung finden, weil Interessengruppen ihre Standpunkte verteidigen.
Zudem ist die Geschichte des Klimawandels verworren. Noch vor gut 30 Jahren waren sich die Experten völlig uneins, ob die Erde sich nun erwärme oder abkühle - sie konnten sich nicht entscheiden, ob die Zukunft im Kühl- oder im Treibhaus stattfinden würde. 1975 ließen dann die ersten ausgeklügelten Computermodelle darauf schließen, dass eine Verdopplung des Kohlendioxids (CO2) in der Atmosphäre zu einem globalen Temperaturanstieg von rund 3 °C führen würde. Dennoch machten sich Wissenschaft wie Gesellschaft keine sonderlichen Sorgen. Es gab sogar vorübergehend Optimismus, als einige Forscher glaubten, dass zusätzliches CO2 in der Atmosphäre zu höheren Ernteerträgen führen und zu einer Goldgrube für die Bauern werden würde.
Doch bis 1988 waren Klimaforscher dann wegen des CO2 hinreichend beunruhigt, dass sie ein mit weltweit führenden Experten besetztes Gremium ins Leben riefen, das zweimal pro Jahrzehnt einen Bericht darüber vorlegen sollte. Der 2001 herausgegebene dritte Report klang ernstlich besorgt - und doch zeigten viele Regierungen und Industriebosse nur zögerlich Interesse. Weil die Sorge um das Klima etwas so Neues ist und so viele verschiedene Disziplinen herangezogen werden müssen, gibt es auf diesem Gebiet nur wenig wirkliche Experten, und noch viel weniger können in Worte fassen, was das Problem für die breite Öffentlichkeit bedeutet, und was wir deswegen unternehmen können.

Jahrelang habe ich dem Impuls widerstanden, meine Zeit der Erforschung des Klimawandels zu widmen. Ich war mit anderen Dingen beschäftigt, und ich wollte abwarten, denn ich hoffte, ein so großes Thema würde sich von selbst klären. Vielleicht hätte es noch Jahrhunderte Zeit, bis wir gründlich darüber nachdenken müssten. Doch 2001 wiesen Artikel in wissenschaftlichen Zeitschriften darauf hin, dass die alpinen Regionen der Welt ernsthaft bedroht sind. Als ich sie las, erinnerte ich mich wieder an die verrottenden Baumfarnstämme im Wald am Mount Albert Edward, und mir war klar, dass ich mehr wissen musste. Das hieß, ich musste herausfinden, was es mit den Treibhausgasen auf sich hat, wie unsere Atmosphäre strukturiert ist und wie die industrialisierte Welt ihren Wachstumsmotor antreibt.


Die letzten 10 000 Jahre lang war der Thermostat der Erde auf eine durchschnittliche Oberflächentemperatur von rund 14 °C eingestellt
. Im Großen und Ganzen bekam das unserer Spezies blendend, und wir konnten uns auf höchst beeindruckende Weise organisieren - Getreide anpflanzen, Tiere zähmen und Städte bauen. Im Verlauf des letzten Jahrhunderts haben wir schließlich eine wahrhaft globale Zivilisation erschaffen. Angesichts des Umstandes, dass es in der gesamten Erdgeschichte einzig und allein Ameisen, Bienen und Termiten - die im Vergleich zu uns winzig sind und dementsprechend wenige Ressourcen brauchen - geschafft haben, sich in vergleichbarer Größenordnung zu organisieren, ist das eine ziemliche Leistung.
Der Thermostat der Erde ist ein komplexer und empfindlicher Mechanismus; seinen Kern bildet das Kohlendioxid, ein farb- und geruchloses Gas. Es spielt eine entscheidende Rolle dabei, die Balance aufrechtzuerhalten, die für alles Leben notwendig ist. Zugleich ist CO2 ein Abfallprodukt der fossilen Brennstoffe, die so gut wie alle Menschen auf unserem Planeten zum Heizen, zum Transport und zum Decken anderer Energiebedürfnisse verwenden. > > >

Könnte der Klimawandel die Ressourcen bedrohen, die Städte zum Überleben brauchen? Der Physiker Stephen Hawking hat gesagt, dass ein tausendjähriger C02-Anstieg die Oberfläche unseres Planeten zum Kochen bringen würde und die Menschen dann woanders Zuflucht suchen müssten. Das ist ein extremer Standpunkt. Eher im Mittelfeld liegen die Ansichten von Jared Diamond, der den Zusammenbruch untergegangener Zivilisationen untersucht hat. Er stellte fest, dass die Erschöpfung der Ressourcen ein Hauptgrund war, warum große, komplexe, sogar des Schreibens kundige Gesellschaften wie die der Maya scheiterten. Faktisch könnte ein rapider Klimaumschwung unsere globale Gesellschaft einem vergleichbaren Stress aussetzen, denn dabei würden die Nachschubquellen für Wasser und Lebensmittel verlagert und auch deren Menge verändert. > > >

Die Bedrohung durch zunehmende Klimaschwankungen ist sehr real. Ein gutes Beispiel für den Zusammenhang von Klimaschwankungen und menschlicher Bevölkerung bietet Australien. > > >

Bis jetzt hat der Klimawandel nur relativ geringe Auswirkungen gezeigt. In den letzten acht Jahren haben Trockenheit und ungewöhnlich heiße Som-mer die weltweiten Getreideerträge sinken oder stagnieren lassen, und in derselben Zeit hat sich die Zahl der Münder, die die Menschheit füttern muss, um 600 Millionen erhöht. Der Spitzenwert an Getreidereserven - nämlich für rund 100 Tage – wurde 1986 erreicht; er fiel bis 1995 auf sehr niedrige 55 Tage. Zwar wurden in den Jahren 1999 und 2004 substanzielle Weizenüberschüsse verzeichnet, insgesamt aber weist der Trend bei den Nahrungsreserven der Welt nach unten.
Im Fall des Klimawandels gleichen Städte eher Pflanzen als Tieren, denn sie sind ortsfest und brauchen ein komplexes Netzwerk, das die Versorgung mit den notwendigen Mengen Wasser, Lebensmittel und Energie sichert. Wir sollten wirklich besorgt sein, dass bereits ganze Wälder infolge des Klima-wandels sterben, denn die Städte werden gleichermaßen zu sterben begin-nen, wenn dieses Phänomen die Kapazität ihrer Grundversorgungsnetze übersteigt. Dazu kann es durch wiederholte Wetterextreme kommen, durch den steigenden Meeresspiegel und schwere Stürme, extreme Kälte oder Hitze, Trockenheit oder Überschwemmungen und sogar Seuchen.

Es lohnt sich, an dieser Stelle die Diskussion zur Situation der Städte im Allgemeinen zu unterbrechen und die von der amerikanischen Kohleindustrie aufgebrachte Idee zu prüfen, dass steigende C02-Pegel die Nutzpflanzen der Welt »düngen« werden und somit eine Lösung für den weltweiten Hunger darstellen. Zahlreiche Experimente, bei denen Pflanzen künstlich hohen C02-Niveaus ausgesetzt wurden, sind mittlerweile zum Abschluss gebracht, und die Botaniker Elizabeth Tansley und Stephen Long haben die Ergebnisse analysiert.

Wie sich gezeigt hat, profitieren Bäume viel mehr als Sträucher oder Gräser von einer CO2-Zunahme, und die Arten, die am wenigsten Nutzen daraus ziehen, sind die Gräser, zu denen auch unsere wichtigsten Getreidearten zählen. Reis beispielsweise wies bei einer Verdopplung des CO2 eine Ertragssteigerung von bloß sechs Prozent auf, bei Weizen waren es lediglich acht Prozent. In Zukunft werden die Getreidearten aber von höheren Temperaturen, mehr Ozon nahe der Erdoberfläche und Verände-rungen der Bodenfeuchtigkeit gestresst, und das alles wird den Ertrag mindern. Statt eines landwirtschaftlichen Paradieses verspricht die mit CO2 angereicherte Welt eine zu werden, in der weniger Getreide produziert wird als heute.
Die Vergegenwärtigung, auf wie wenigen Getreidearten unsere Ernährung basiert, brachte den Philosophen Ronald Wright zu der Bemerkung: »Wir haben uns im Lauf der Zeit so sehr spezialisiert, dass wir so verwundbar wie Säbelzahntiger geworden sind«.

ES IST HÖCHSTE ZEIT
Der Gedanke an unsere wunderbare Atmosphäre mit ihren vielfältigen Bezügen zum menschlichen Leben, wie zu allem Leben, hat mich zu diesem Aufschrei für die Kinder und für die empörte Menschheit genötigt ... Stellen Sie alles dem hintan ... Geben Sie Ihre Stimme keinem, der sagt: »Das kann nicht getan werden.« Wählen Sie diejenigen, die erklären: »Es wird getan werden.«
Alfred Russel Wallace,

Wenn alle, die die Möglichkeit dazu haben, mit konzertierten Aktionen atmosphärische Kohlenstoff-Emissionen aus ihrem Leben verbannen, können wir meiner Überzeugung nach die Kryosphäre stabilisieren und anschließend retten. Wir könnten 90 Prozent der gegenwärtig bedrohten Spezies vor dem Aussterben bewahren, das Ausmaß extremer Witterungs-verläufe eindämmen und damit die Verluste sowohl an Menschenleben als auch an materiellen Werten auf einen Bruchteil der Prognosen reduzieren sowie die Wahrscheinlichkeit, dass es noch in diesem Jahrhundert zu einer der drei großen Katastrophenszenarios kommt, fast auf null zurückfahren.

Damit das passiert, müssen Individuen, Industrie und Regierungen jetzt etwas gegen den Klimawandel tun: Auch nur noch ein Jahrzehnt zu zögern, wäre viel zu viel. Glaubwürdige Daten besagen, dass der Welt irgendwann zwischen heute und 2010 das billige Öl ausgehen wird. Die wenigen Jahre bis zum Beginn der Ölverknappung sind die entscheidenden, wenn der Übergang zu einer kohlenstofffreien Wirtschaftsweise gelingen soll, denn dies ist der Zeitpunkt, zu dem wir am einfachsten und mit den geringsten Kosten neue Infrastrukturen und Technologien aufbauen können.

ZEITPASSAGEN
Die paläoklimatischen Daten schreien uns entgegen, dass sich das Klimasystem der Erde alles andere als von selbst stabilisiert, sondern ein streitlustiges Biest ist, das schon bei kleinen Schubsern überreagiert.
Wallace Broecker, Cooling the Tropics, 1995

Geologiestudenten quält man damit, dass sie die geologischen Formationen - oder »Systeme« - der Erdgeschichte auswendig lernen müssen; dafür haben sie sich seit langem Eselsbrücken gebaut. So wie etwa: »Kann Otto still drei Kästen Pils trinken? Ja, kein Trinker quasselt.« Dabei steht das K von »Kann« für Kambrium, das O von »Otto« für Ordovizium, das S von »still« für Silur und so weiter bis hinauf in unsere Zeit, ins Quartär. Haben sie sich die umfangreiche Liste eingetrichtert, verfügen sie aber bloß über die Grundlagen, denn jedes System untergliedert sich wieder in Abteilungen oder Epochen und Stufen und Substufen. Darüber hinaus werden je nach örtlichen Besonderheiten so genannte lokale Einheiten differenziert, die nur in bestimmten Gebieten zu unterscheiden sind. In Nordamerika beispielsweise werden die Systeme

Ende des Auszüge

Klima, Klimawandel, CO2, Wir Wettermacher, Prof. Tim Flannery,
Hitze Perioden, Mensch, Leben, bei 50 ° in 8 Jahren, Temperaturerhöhung, Meeresspiegel Erhöhung

© - Copyright
:
Leseprobe, Buchumschlag und Foto
S. Fischer Verlag
Fotos: Goldkröte - Michael und Patricia Fogden / Ausgeblichene Korallen - RayBerkelmann, CRC. Reef / Die Welt bei Nacht und Eiskappe des Nordpols - NASA
Temperatur, Zeichnung von Tony Fankhausere nach Informationen des IPCC.
Sämtliche Fotos, Text, Layout und Desig
n Kultur Fibel Verlag GmbH, Berlin und JBM-marketing, PF 140315, D-40073 Düsseldorf



Oper-Ballett:
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