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Deutschland

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Schiller,Friedrich

Friedrich Schiller


Ausstellungen 2005 / 2006
Gesellschaftsmagazin
Friedrich Schiller
Fortsetzung von Seite 2

Dass der Auftrag zur Obduktion vom abwesenden Herzog erteilt wird, ist kaum anzunehmen, da dieser überhaupt erst durch einen Brief Huschkes vom 1o. Mai von Schillers Tod erfährt. Eher als an Charlotte von Schiller, die sich in ihrer Trauer zurückzieht, darf man wohl an ihre Schwester Caroline von Wolzogen als Auftraggeberin denken. Vielleicht erinnert sie sich eines prominenten Vorbilds für den Vorgang: 1781 war Lessings Leichnam geöffnet und der Sektionsbericht publiziert worden. Im Fall Schillers wird allerdings, wohl auch auf Drängen der Witwe, von einer Veröffentlichung des Befundes abgesehen, auf die mündliche Weitergabe wird aber möglicherweise spekuliert.

Bereits am 11. Mai schreibt Goethes rechte Hand, Friedrich Wilhelm Riemer, an den Jenaer Verleger Frommann: »Die Sektion hat freilich ausgewiesen, daß er nicht länger leben können und daß es ein Wunder ist, wie er so lange sich hingehalten hat, wenn es nicht seine Geisteskraft war, die der Natur geboten.«

[Max Hecker, Schillers Tod und Bestattung, Leipzig 1935, S. 57.] Kurz darauf informiert Henriette von Knebel ihren Bruder: »Es ist merkwürdig, daß Schiller allein in seinem schön organisierten Kopf gelebt hat. Die Ärzte stimmen darin überein, daß sie nie einen so ganz verdorbenen und aufgelösten Körper ange-troffen hätten, alles verknorpelt, nur den kleinsten Rest von Lunge und - stelle Dir vor! - gar kein Herz mehr, nichts als ein Stückchen Haut.« [Ebd., S. 64f.] Bald ist die Rede davon, dass Schillers Leben sich schon seit geraumer Zeit nur durch die Kraft seines Geistes habe erhalten können.

Als die Kenntnis von der Sektion schließlich in die Presse gelangt, ist Schiller bereits zu einem Geist-wesen, einem körperlosen Genie stilisiert worden.

.Schiller wird in der Nacht vom 11. auf den 12. Mai 1805 im so genannten Landschaftskas-sengewölbe auf dem Weimarer Jakobskirchhof beigesetzt.
»Und sie haben einen guten Mann begraben, und uns war er mehr« - diese Worte nach einem Gedicht von Matthias Claudius werden bei der Totenfeier gelesen. Für die Verfasser der in rascher Folge publizierten Nachrufe, Nekrologe und Totenklagen ist Schiller in der Tat vieles: »der berühmte Dichter«, ein »geläuterter und liebenswürdiger Mann«, der »Schwan der Ilme«, der »unsterbliche Dichter«, »der Mann der Nation«, ein »Sänger unsterblicher Lieder«. Die Zeitungen bringen nüchternere Meldungen. Die in Berlin erscheinende Vossische Zeitung informiert ihre Leser am 16. Mai 1805:
»Aus Weimar ist die für die deutsche Literatur höchst traurige Nachricht eingegangen, dass daselbst der berühmte Dichter, Herr v. Schiller, in seinem 46. Jahre, plötzlich gestorben ist. Schiller war bekanntlich ein geborener Württemberger, seiner ersten Bestimmung nach Arzt, den aber sein überwiegendes Talent bald zur Poesie als Hauptgegenstand seiner Beschäf-tigung führte. Im Jahre 18o2 ward er vom Kaiser in den Adelstand erhoben; er starb als Sachsen-Weimar'scher Hofrath und Professor ordinarius in Jena.« [Zit. nach: Norbert Oellers, Schiller. Geschichte seiner Wirkung bis zu Goethes Tod, Bonn 1967, S. 24.]

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