Luxuria im Alten
Rom
|
||||||||||||||||||||||||
|
Titel
- Navigation |
||||||||||||||||||||||||
Luxus
-
Altes Rom - Sex,
Sexstellung, Liebesspiel, Erotik,
Pallus,
Fruchtbarkeit, Lucullus,
|
||||||||||||||||||||||||
|
||||||||||||||||||||||||
![]() Luxus - Altes Rom Auch bei Prozessionen bestand "Toga-Pflicht": togati auf einem Relief der Ara Pacis Augustae; Rom, spätes 1. Jh. n.Chr. |
||||||||||||||||||||||||
![]() Luxus -Altes Rom, Der Fruchtbarkeitsgott Priapus wiegt seinen Riesen-Pallus. Fresko aus dem Haus der Vittier; Pompeji, 1. Jh. |
||||||||||||||||||||||||
Auszüge
- Vorwort |
||||||||||||||||||||||||
„Luxus"
ist ein lateinisches
Wort. Ganz in den Bereich negativer Wertung geriet, wer sich so mit Luxus umgab, dass daraus ein Lebensstil oder gar eine Mentalität wurde: luxuria bedeutet „Schwelgerei", "Genusssucht", „Vergnügungssucht", „Prunkliebe". In der erbitterten ideologischen Auseinandersetzung um den römischen „Sittenverfall" nach der Eroberung der Weltherrschaft im 2. Jahrhundert v. Chr. wurde luxuria zum Kampfbegriff. Moralisten aller Couleur beklagten, das sittliche Fundament des alten Rom sei unterminiert, weil ein Großteil der Oberschicht eben dieser luxuria fröne. Die meisten von ihnen frönten freilich munter mit. Immerhin räumt selbst ein scharfer Luxus Kritiker wie Valerius Maximus ein, die luxuria sei „ein süßes Gift (blandum malum), das man viel leichter anklagen als vermeiden kann ... |
||||||||||||||||||||||||
![]() Altes Rom, Rekonstruktion der Villa dei Papiri; Pompeji |
||||||||||||||||||||||||
![]() Luxus - Altes Rom, Portraitmumie einer jungen Frau. Sie trägt Ohrringe, einen Haarkranz aus Blattgold und eine doppelt gereihte Perlenkette; Bonn, Anfang 3. Jh. |
||||||||||||||||||||||||
![]() Luxus - Altes Rom, Porticus-Villa mit Park. Fresko aus der Casa de Menandro; Pompeji, 1. Jh. |
||||||||||||||||||||||||
|
LUCULLUS UND DIE FOLGEN Bekannt aber ist er als Prototyp des Feinschmeckers, des Genussmenschen, des Lebemannes. Lucullus - das ist der römische Gourmet par excellence, gerade eben einer, der nicht das „übliche" Römertum zu repräsentieren scheint. Eben kein „Kommisskopp", kein nörgliger „Typ" |
||||||||||||||||||||||||
| Wir
wollen den ideologischen Kriegsschauplatz aber vorerst verlassen. Aus der historischen
Distanz ist festzustellen, dass die römische Oberschicht spätestens
seit dem 1. Jahrhundert v. Chr. den Verlockungen der luxuria
erlegen war und eine innige Beziehung zu ihr unterhielt. An der entscheidenden
Voraussetzung dafür mangelte es ja nicht. Die Weltherrschaft hatte genügend Geld in ihre Kassen gespült. Ein erheblicher Teil dieses Reichtums wurde nun in demonstrativen Konsum investiert. Man war reich, und man zeigte es - in Gestalt prachtvoller Landsitze und ausgedehnter, mit griechischen Statuen geschmückter Parks, aufwendiger Gastmähler von wahrhaft lukullischem Raffinement und millionenschweren Schmucks, einer vielköpfigen Sklavenschar und prachtvoller Kleidung. Ohne sich dessen so recht bewusst zu sein, geriet die vornehme Gesellschaft in einen Wettbewerb ostentativer Prachtentfaltung, der zusehends an Eigendynamik gewann und immer höhere Einsätze forderte. Selbst eingefleischte Luxuskritiker konnten sich diesem Prozess nicht wirklich entziehen. Wer nicht mithalten wollte oder konnte, büßte an Sozialprestige ein. Es hat in der Weltgeschichte kaum eine Gesellschaft gegeben, die so stark durch Statussymbole geprägt war wie die römische - Statussymbole allerdings wie Rangabzeichen an der Kleidung, die zunächst ganz offiziell, vom Staat gewissermaßen vorgeschrieben, den Rang des Einzelnen in der Gesellschaft dokumentierten. Konkurrierend und ergänzend dazu entwickelte sich immer stärker ein „Markt" für inoffizielle Statussymbole, bei denen der Geldbesitz bzw. der Geldeinsatz über die gesellschaftliche Stellung entschied. Die Konkurrenz um diese Statussymbole war die Domäne der luxuria: Welche Dame konnte mit dem teuersten Perlenschmuck aufwarten, welcher Herr mit der wertvollsten Sammlung griechischer Kunst? Die einen ließen sich in der Öffentlichkeit von einem Heer von Klienten begleiten, um den Passanten und sich selbst die eigene Bedeutung zu demonstrieren, andere hielten mit prachtvollen Leichenzügen für verstorbene Angehörige und eindrucksvollen Grabbauten dagegen. Prunk
und Protz liegen stets nahe beieinander. Nicht jedem war es vergönnt,
unter dem Druck, Luxus-Flagge zeigen zu müssen, innerhalb
der Grenzen des guten Geschmacks zu bleiben. Auswüchse und Ausschweifungen
konnten nicht ausbleiben - ob gewollt oder unbeabsichtigt, spielte, wenn es
sich herumsprach, keine Rolle mehr. Der Hauptstadt-Klatsch stand in voller
Blüte, und nicht wenige fütterten ihn mit Informationen und Indiskretionen,
um sich selbst mit neu errungenen Statussymbolen ins Gespräch zu bringen.
„TAUSEND
VARIATIONEN DER LIEBE ...„ Es ist gar nicht zu bestreiten
- warum auch? Was die Präsenz erotischer Gegenstände im Alltag angeht, so gab es keine Klassenunterschiede. Wohl aber, was die Qualität betrifft. Da ermöglichte Reichtum einen höheren künstlerischen Standard. Inhaltlich unterschieden sich die Geschmäcker kaum, in der Ausführung bestach einschlägige „Oberschicht-Kunst" durch edle Materialien, gründlichere Ausführung und repräsentativeres Design. Erotica
gehörten zur Standardausstattung von Villen, und zwar nicht nur auf das
Schlafzimmer begrenzt, wenngleich das ein Schwerpunkt erotischer Kunst-Ausstellung
war. Wandmalereien mit sexuellen Darstellungen haben sich
in der eleganten Villa Farnesina gefunden, die man 1878/9 bei der Tiberregulierung
in Rom entdeckte. Die Fresken stammen aus der Zeit um 20 v. Chr. Nur ein Teil
von ihnen ist erotischer Natur. Sie zeigen sechs Liebespaare,
die sich, zum Teil in Anwesenheit von Dienstpersonal auf Klinen gelagert,
in unterschiedlichen Stadien des Liebes-Sex-Spiels vergnügen. |
||||||||||||||||||||||||
wie der Alte oder auch der Jüngere Cato, sondern inmitten all der Sittenstrenge, des (scheinbaren) Übergewichts des Militärischen und Politischen geradezu eine Lichtgestalt der Lebensfreude, des Hedonismus, der Liebe zum Schönen, Leckeren, Raffinierten und Teuren. Drei von 43 Kapiteln der Lucullus-Biographie des Plutarch haben als Basis und Weichenstellung für diese Wirkungsgeschichte des Lucullus ausgereicht.
Wer
zum „Speisen wie bei Lucullus" einlädt, wer
gar „lukullische Genüsse" in Aussicht stellt,
kann einer positiven Resonanz gewiss sein. Und so ist es kein Wunder, wenn
sich „Lucullus" in ganz Europa als werbewirksamer
Begriff für Schlemmen im positiven Sinn durchgesetzt hat. „Lucullus"
firmiert als Markenname für Gewürze ebenso wie als Bezeichnung für
Catering Services in Deutschland wie im skandinavischen Raum. Die Zahl der
Restaurants, Cafes, Bistros und Hotels mit dem Namen „Lucullus"
ist schier unübersehbar. Und auf Speisekarten finden sich besondere Leckerbissen
des Hauses gern als Spezialitäten á la Lucullus.
Man stößt auf ein beefsteak Lucullus, ein pate
de canard Lucullus, kalvsflees Lucullus
oder eine insalata Lucullus. „Lucullus"
nennt sich die Zeitschrift eines Metzgerverbandes. Und ein griechisches Restaurant
in München reklamiert den Römer Lucullus qua Namensgebung
als einen der „ihren" - was historisch noch einigermaßen
angeht, weil der Feldherr tatsächlich griechische Gesittung mit nach
Rom gebracht hat. Etwas gewagter erscheint dagegen die Menü-Creation
„Lucullus" eines im schweizerischen Mahren ansässigen
Party-Service, der auf ostasiatische Geschmacksrichtung setzt - so weit ist
das Heer des Lucullus selbst bei wohlwollendster Auslegung
nicht gekommen. Sei's drum: Auch „Lumpia, Riesencrevetten, Lachsforellen,
Pouletbrust, gedämpfter Reis, Reisnudeln und exotisches Fruchtsorbet"
munden der Kundschaft sicher noch besser, wenn sie mit dem Namen des berühmten
römischen Feinschmeckers geadelt sind. In Italien schließlich gilt
es als hohes Lob festzustellen, dass ein Essen „des Lucullus
würdig sei". Lässt sich, zumal angesichts der unbestrittenen
Qualität der italienischen Küche, ein höheres Lob in Sachen
Esskultur denken?
Der moralische
Abstieg ihres Kriegshelden mündete in der Rezeption unversehens in den
steilen Aufstieg zum Genussheros. Allzu verführerisch,
allzu legendär im wahrsten Sinne des Wortes waren die phantasievollen
Diner-Inszenierungen eines Mannes, der sich der Gaumen- und allgemeinen Sinnenfreude,
der Ästhetik des Luxus mit schon wieder bewundernswerter
Radikalität verschrieben hatte -„satter", dankbarer Stoff
für die kulturgeschichtliche yellow press aller Niveaus. > Ende der Auszüge |
||||||||||||||||||||||||
Weitere Bücher
Antike Luxus
- Altes Rom, Sex, Sexstellung, Liebesspiel, Erotik, Fruchtbarkeit,
Pallus, luxuria, Prunksucht, Genusssucht, Schwelgerei, Lucullus
Musical-Operette: Theater Oper-Ballett: Interviews: Interview
Lola Müthel
-
Interview Herbert Bötticher -
Interview Ruth Drexel - Interview
Ute Lemper Meist
besuchte Seiten |
||||||||||||||||||||||||