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Bei
Hanni im Hof |
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verhindert
und nur das kleine, private Tor der Familie Amar blieb 24 Stunden am Tag geöffnet.
Auch das Haupttor am Ausgang des Dorfes wurde nicht bedient und nur die Patrouillie
entlang der Mauer fuhr dort mehrere Male am Tag vorbei. Die Palästinenser,
die die Mauer an dieser Stelle zu passieren pflegten, kommen nicht mehr. Ein
neuer Weg – der die Mauer, die etwa 700 Meter südlich des Hauses
der Amars zu Ende ist, umgeht – verwandelte sich zur
Hauptstrasse vom Shomron nach Rosh Haajin und Kafr Kassam in Israel.
Ergänzung vom Juli 2004: Militärische Quellen behaupten, dass in
den letzten sechs Monaten mehr als zwanzig Selbstmordattentäter entlang
dieser Strasse gefasst worden sind. Der letzte wurde in Mascha erwischt, am
14. Juli 2004 – einige Tage nachdem das Internationale Gericht in Den
Haag die Mauer verurteilt hat.
Jerusalem,
August 2004
Kann die
Mauer Sicherheit bringen?
Oder: Zurück zum Ausgangspunkt.
Ich beschloss das Buch
mit einem banalen Bild zu beenden: Ein Mann führt seinen Hund spazieren.
Es ist so sehr normal, dass es langweilig ist. Bat-Hefer, die israelische
Ortschaft wo das fotografiert wurde, ist keine Siedlung, Bat-Hefer ist ein
Vorort der nahen Stadt Netanja.
Die letzten Häuser von Bat-Hefer küssen sozusagen die Grüne
Linie, die zwischen Israel und der palästinensischen Westbank trennt.
Auf der anderen Seite befindet sich die palästinensische Stadt Tul-Karem.
In Bat-Hefer hat alles begonnen. Als die zweite palästinensische Intifada
im September 2000 begann, verwandelte sich das Leber der Bewohner in eine
Hölle, erzählt mir Hitam Hamdan, die hier schon sieben Jahre als
Haushaltshilfe arbeitet: „Jetzt ist es hier sicher, die Mauer hat die
Ruhe zurück gebracht. Vor der Mauer hat man hier täglich geschossen,
direkt in die Häuser hinein. Projektile, Projektile und nochmals Projektile,
pfiffen durch die Häuser. Ein Teil der Einwohner ist geflohen, aber alles
wurde wieder besser nachdem man die Mauer gebaut hat. Man kann hier wieder
leben, aber die Mauer hat mir auch das Leben zerstört.“
Hitam ist eine palästinensische Araberin mit israelischer Staatsbürgerschaft.
„Mein Mann“ – so erzählt sie – „ist Palästinenser,
der keine israelische Staatsbürgerschaft bekommen kann, weil er im Gefängnis
saß. Bis zum Bau der Mauer konnte er leicht die Grenze nach Israel überqueren,
aber jetzt ist es unmöglich. Er ist auf der anderen Seite. Ich habe ihn
schon seit acht Monaten nicht gesehen. Ich will nicht auf der palästinensischen
Seite leben und er kann nicht hierher kommen – ist das ein Leben?“
In Bat-Hefer wurde die
Mauer zuerst gebaut, nicht durch die israelische Regierung, sondern durch
die Bewohner selbst, die einen Weg gesucht haben sich zu schützen. Erst
zwei Jahre später hat die Regierung die Verantwortung für die Mauer
übernommen, hat sie höher gemacht und daraus ein riesen Bauprojekt
innerhalb und an der Grenze zur palästinensischen West Bank, ein Projekt
dessen Ausmaß und Ergebnisse sie auf den Seiten dieses Buches gesehen
haben.
Wenn ich entlang
der Mauer und des Zauns streife, erinnere ich mich an all die Anschläge,
die Dutzende von Menschen getötet und hunderte aus meiner Stadt Netanja
verwundet haben, an der Angst, die ich täglich spürte, als ich mich
in der Stadt befand, deren Bewohner sich gefürchtet haben in den Supermarkt
zu gehen, in ein Restaurant zu speisen oder mit dem Bus zu fahren aus Angst,
dass derjenige, der neben ihnen steht sich plötzlich in eine lebendige
Bombe verwandelt. Als einer, der diese Zeit durchlebt hat weiß ich,
dass der palästinensische Terror eine entscheidende Verantwortung für
den Bau dieser Mauer trägt, aber ich komme nicht umhin darüber nachzudenken:
Sind denn Mauern tatsächlich eine Lösung?
Ist das die einzige Wahl: Entweder es gibt keine Mauer und das Leben in Bat-Hefer
und Netanja ist unerträglich, oder es gibt eine Mauer und das Leben in
Kalkilia und Tul-Karem ist unerträglich.
Mauern und Zäune sind keine Lösung. Wenn wir nicht die relative
Ruhe und begrenzte Zeit ausnutzen, die die Mauer uns gibt, werden wir entdecken,
dass die Mauer und der Zaun der israelischen Seite nur eine Illusion von Sicherheit
gegeben haben und einen hohen Preis verlangt haben, dass nämlich der
Hass auf der palästinensischen Seite stärker und tiefer wurde.
Die einzige Lösung ist gegenseitige Achtung: Sitzen und reden bis man
zu einem Ergebnis kommt. Die gegenseitigen Rechte anerkennen und achten, zu
einer Lösung kommen mit der Gewissheit, dass keine Seite in der Lage
ist zu bekommen was sie will und auch nicht was jede Seite glaubt, dass sie
ein Recht darauf hat es zu bekommen. Beide Seiten müssen unngenehme Kompromisse
machen – das ist der unvermeidliche Preis des Friedens: Keine Seite
wird hundertprozent zufrieden sein mit dem Ergebnis.
Wenn ich die riesen Kräne sehe, wie sie die schweren Blöcke Seite
an Seite hinstellen, geben sie mir das Gefühl von etwas dauerhaftes,
was man nicht mehr ändern kann. Mit der Zeit lerne ich wie falsch dieses
Gefühl ist:
Nach der Entscheidung des Obersten Gerichts in Israel wurde der Verlauf der
Mauer nicht einmal und nicht zweimal geändert und verrückt, Abschnitte
wurden annulliert und der Zaun näherte sich in vielen Stellen der alten,
bekannten Grünen Grenze von 1948: Dieselben Kräne, die die riesen
Blöcke aufstellen können sie auch leicht wieder abheben und anderswo
hinstellen oder sie für immer verschwinden lassen – das hängt
nur von der Bereitschaft beider Seiten mit der Gewalt aufzuhören, unter
der alle leiden.
Wenn
ihr wollt bleibt es kein Märchen.* |
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Das palästinensische
Dorf Mascha, in dem der Demonstrant Gil Naamati vom israelischen Feuer verwundet
wurde, war früher ein populärer Einkaufsort für die Israelis.
Der Zaun hat alles verändert –es hat Einwohner von ihren Plantagen
getrennt und durchschnitt das Haus von Hanni Amar. Trennte ihn von seinen
Nachbarn, machte aus ihm ein befestigtes Ziel und brachte in seinen Hof linke
Demonstranten und Militärpatrouillien. An einem Freitag kam es zum gewaltsamen
Knall.
„Sie kamen und sagten zu mir – ,Du sagen den Preis’. Aber
ich verkaufe nicht, ein Zuhause verkauft man nicht“, sagt Hanni Amar,
46 Jahre alt, und schaut auf sein Haus, dass in den letzten Wochen zu einer
Festung geworden ist. Wie das ganze Dorf hat auch dieses Haus bessere Tage
gekannt. Immer Samstags wurde Mascha zur Verkörperung der Ko-Existenz
zwischen Juden und Araber: Tausende Israelis füllten die Geschäfte
und verursachten Verkehrsstaus auf ihrem Weg in das nahe gelegene Dorf Bidiya,
um alles zu kaufen was gut und billig ist – vom Porzellan-Spülbecken
bis zu Olivenöl-Flaschen, von Humus bis zu Auto-Ersatzteile. Mascha,
dass nur fünf Minuten Fahrt von Rosh-HaAjin liegt, verwandelte sich in
einen riesen großes Einkaufszentrum.
Das Haus von Hanni und Monira Amar stand an einer ausgezeichneten Stelle:
Es war das erste Haus an dem die israelischen Käufer, die auf der alten
Shomron Strasse gekommen sind, vorbeifahren mussten. Auf dem Ladentisch, welcher
auf der Strasse gestellt wurde, hatte man Obst und Gemüse vom eigenen
Anbau verkauft – Feigen, Gurken und Oliven. Unter den Kunden waren die
Bewohner der nahe gelegenen Siedlung Elkana, deren letzte Häuserzeile
den Nachbarsdorf beinahe küsst. Ein einfacher verrosteter Zaun trennte
zwischen den Grundstücken von Elkana und dem Haus der Amars und die nachbarschaftlichen
Beziehungen waren tadellos.
Im Sommer 2003 hörte man plötzlich neue Töne im Dorf –
Bulldozer und Traktoren näherten sich auf einem schmalen Pfad auf den
Hügeln von Shomron, und legten die willkürliche Linie des „Trennungs-Zauns“
fest. Die Idee war die israelischen Siedlungen mit einem Zaun zu umgehen und
sie von den nahe gelegenen palästinensischen Dörfer zu trennen.
In Mascha verläuft diese Linie direkt nahe an den Wohnhäuser der
Bevölkerung und trennt diese von ihren Olivenhaine.
Das Schicksal der Familie Amar war anders von dem der anderen Bewohner des
Dorfes. Ihr Grundstück wurde beschlagnahmt, um darauf das Hindernis der
Trennung zu bauen. Bulldozer zerstörten einen Teil des Ziegenstalls,
der im Hof stand, begradigten den Vorplatz, indem sie das Grundstück
um anderthalb Meter unter dem Niveau des Hauses niedriger machten, zerstörten
den Obststand, der drei Jahre nutzlos im Hof stand, rissen die Zypressen im
Hof aus dem Boden – alles um einen Weg, für die Patrouillienfahrten
der Armee, zu bereiten . Heute passieren die Patrouillien im Hof der Amars.
Auf der anderen Seite des Hofes, direkt gegenüber der Eingangstür
zu ihrem Haus, wurde die Mauer gebaut, die ihr Haus von allen anderen Häuser
des Dorfes trennt. Und so verwandelte sich das Haus der Familie Amar in eine
palästinensische Enklave, die der Siedlung Elkana angeschlossen ist und
von allen anderen Teilen des Dorfes Mascha durch eine Mauer getrennt ist.
Im August 2003 versuchte eine Gruppe internationaler Anarchisten zusammen
mit der israelischen Gruppe „Anarchisten gegen die Mauer“ die
Arbeiten auf dem Grundstück zu verhindern und errichteten auf dem Grundstück
ein Zelt als Zeichen des Protestes. Die Polizei verhaftete die Demonstranten
und der Bauunternehmer setzte die Arbeiten mit dem Bulldozer fort, während
nur noch die Familie Amar zugeschaut hat wie man Fundamente im Hof ihres Hauses
legt.
Im Verlauf des Sommers und des Herbstes beobachtete die Familie Tag für
Tag wie die Mauer vor ihrem Haus gebaut wird. Die meisten Arbeiter waren Palästinenser,
aus dem nahen Dorf Sanijira, die in eine peinliche Situation geraten sind
und sich deshalb immer und immer wieder entschuldigt haben, dass die Arbeit
an der Mauer die einzige Arbeit war, die sie finden konnten.
Familie Amar befürchtete, dass sie in ihr Dorf durch das Haupttor von
Mascha gehen müssten, ein Tor, dass von den Soldaten der benachbarten
Straßensperre nur drei mal täglich geöffnet wird. Um es der
Familie zu erleichtern wurde eine Lösung gefunden – ein Privattor
im Trennungszaun. Seitlich der Mauer wurde ein kleines Tor gebaut, das heute
die einzige Verbindung darstellt zwischen ihnen und den Nachbarn im Dorf auf
der anderen Seite der Mauer.
Jeden Morgen auf ihrem Weg in die Schule gehen die Kinder der Familie durch
das kleine, private Tor in der großen Trennungsmauer. Dieses Tor, das
merkwürdigerweise immer noch kein Schloss hat, befindet sich nur wenige
Meter entfernt von dem Haupttor, der den Durchgang zum Dorf Mascha regelt.
An diesem Tor pflegten jeden Morgen Dutzende von Palästinenser warten:
Einwohner von Mascha, die ihre Felder jenseits der Mauer bebauen wollen und
Palästinenser aus den nahe liegenden Dörfern, die nach Israel rein
wollen, weil sie dort Arbeit haben.
Um ein Eindringen nach Israel durch das kleine, private Tor zu verhindern,
wurde ein weiterer Zaun gebaut, der das Haus umschließt wie ein U. Dieser
Zaun verläuft vom Haupttor über die Patrouillienstraße, umschlingt
das Haus und trifft wieder die Mauer auf der anderen Seite, am äußersten
Zipfel des Grundstücks der Aar-Familie. Um aber der Armee die Patrouillien
zu ermöglichen wurden an diesem zweiten Zaun zwei eindrucksvolle Tore
mit viel Stacheldraht drum herum geöffnet. So leben heute Monira und
ihre sechs Kinder, in einem Haus, dass sich in eine Festung verwandelt hat,
umgeben von Zäunen und Stacheldraht, Tore und einer Mauer. Ihr kleines
Zuhause, in dem nichts viel ist als eine große Küche, zwei alte
Sessel und einige Matratzen, die zum Schlafen dienen, ist heute eines der
best bewachten Häuser im Nahen Osten. Anstatt dass die Mauer mögliche
Attentate in Israel verhindert, trennt sie vor allem die Familie Amar von
ihren Ländereien und den anderen Dorfbewohnern.
In den letzten zwei Wochen wurde das Haupttor aus Sicherheitsgründen
überhaupt nicht geöffnet. Der Durchgang von Palästinensern
an der Strassensperre wurde |
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