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Kultur Fibel Magazin
Israel - - Palästina
DIE MAUER

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Dokumentation
Abraham Melzer Verlag
120 S. PBCK /
€ (D) 9,95
ca 110 S. Farb-Bilder
im Buchhandel
oder Kultur Fibel Verlag
RG. + Porto EUR 3,50
AUSVERKAUFT
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Theodor Herzl: "Der Judenstaat" eine schmale Broschüre 1895 in Wien, mit den uns Deutschen bekannten propagandistischen Wortgeflechten,
dient als Grundlage für die zionistische Bewegung, Land für die Juden, für Israel, darin lesen wir:

>In Palästina werden wir ein Teil der europäischen Mauer gegen Asien sein.
Wir werden als Vorkämpfer der Zivilisation gegen die Barberei dienen.<

Europa >die Zivilisation? - Asiaten, Araber, Moslems >die Barbaren?

Fortsetzung: Die Mauer, Seite 3
Die Mauer / Israel-Palästina
Bei Hanni im Hof
verhindert und nur das kleine, private Tor der Familie Amar blieb 24 Stunden am Tag geöffnet. Auch das Haupttor am Ausgang des Dorfes wurde nicht bedient und nur die Patrouillie entlang der Mauer fuhr dort mehrere Male am Tag vorbei. Die Palästinenser, die die Mauer an dieser Stelle zu passieren pflegten, kommen nicht mehr. Ein neuer Weg – der die Mauer, die etwa 700 Meter südlich des Hauses der Amars zu Ende ist, umgeht – verwandelte sich zur
Hauptstrasse vom Shomron nach Rosh Haajin und Kafr Kassam in Israel.
Ergänzung vom Juli 2004: Militärische Quellen behaupten, dass in den letzten sechs Monaten mehr als zwanzig Selbstmordattentäter entlang dieser Strasse gefasst worden sind. Der letzte wurde in Mascha erwischt, am 14. Juli 2004 – einige Tage nachdem das Internationale Gericht in Den Haag die Mauer verurteilt hat.

Jerusalem, August 2004


Kann die Mauer Sicherheit bringen?
Oder: Zurück zum Ausgangspunkt.

Ich beschloss das Buch mit einem banalen Bild zu beenden: Ein Mann führt seinen Hund spazieren. Es ist so sehr normal, dass es langweilig ist. Bat-Hefer, die israelische Ortschaft wo das fotografiert wurde, ist keine Siedlung, Bat-Hefer ist ein Vorort der nahen Stadt Netanja.
Die letzten Häuser von Bat-Hefer küssen sozusagen die Grüne Linie, die zwischen Israel und der palästinensischen Westbank trennt. Auf der anderen Seite befindet sich die palästinensische Stadt Tul-Karem.
In Bat-Hefer hat alles begonnen. Als die zweite palästinensische Intifada im September 2000 begann, verwandelte sich das Leber der Bewohner in eine Hölle, erzählt mir Hitam Hamdan, die hier schon sieben Jahre als Haushaltshilfe arbeitet: „Jetzt ist es hier sicher, die Mauer hat die Ruhe zurück gebracht. Vor der Mauer hat man hier täglich geschossen, direkt in die Häuser hinein. Projektile, Projektile und nochmals Projektile, pfiffen durch die Häuser. Ein Teil der Einwohner ist geflohen, aber alles wurde wieder besser nachdem man die Mauer gebaut hat. Man kann hier wieder leben, aber die Mauer hat mir auch das Leben zerstört.“

Hitam ist eine palästinensische Araberin mit israelischer Staatsbürgerschaft. „Mein Mann“ – so erzählt sie – „ist Palästinenser, der keine israelische Staatsbürgerschaft bekommen kann, weil er im Gefängnis saß. Bis zum Bau der Mauer konnte er leicht die Grenze nach Israel überqueren, aber jetzt ist es unmöglich. Er ist auf der anderen Seite. Ich habe ihn schon seit acht Monaten nicht gesehen. Ich will nicht auf der palästinensischen Seite leben und er kann nicht hierher kommen – ist das ein Leben?“

In Bat-Hefer wurde die Mauer zuerst gebaut, nicht durch die israelische Regierung, sondern durch die Bewohner selbst, die einen Weg gesucht haben sich zu schützen. Erst zwei Jahre später hat die Regierung die Verantwortung für die Mauer übernommen, hat sie höher gemacht und daraus ein riesen Bauprojekt innerhalb und an der Grenze zur palästinensischen West Bank, ein Projekt dessen Ausmaß und Ergebnisse sie auf den Seiten dieses Buches gesehen haben.

Wenn ich entlang der Mauer und des Zauns streife, erinnere ich mich an all die Anschläge, die Dutzende von Menschen getötet und hunderte aus meiner Stadt Netanja verwundet haben, an der Angst, die ich täglich spürte, als ich mich in der Stadt befand, deren Bewohner sich gefürchtet haben in den Supermarkt zu gehen, in ein Restaurant zu speisen oder mit dem Bus zu fahren aus Angst, dass derjenige, der neben ihnen steht sich plötzlich in eine lebendige Bombe verwandelt. Als einer, der diese Zeit durchlebt hat weiß ich, dass der palästinensische Terror eine entscheidende Verantwortung für den Bau dieser Mauer trägt, aber ich komme nicht umhin darüber nachzudenken: Sind denn Mauern tatsächlich eine Lösung?
Ist das die einzige Wahl: Entweder es gibt keine Mauer und das Leben in Bat-Hefer und Netanja ist unerträglich, oder es gibt eine Mauer und das Leben in Kalkilia und Tul-Karem ist unerträglich.
Mauern und Zäune sind keine Lösung. Wenn wir nicht die relative Ruhe und begrenzte Zeit ausnutzen, die die Mauer uns gibt, werden wir entdecken, dass die Mauer und der Zaun der israelischen Seite nur eine Illusion von Sicherheit gegeben haben und einen hohen Preis verlangt haben, dass nämlich der Hass auf der palästinensischen Seite stärker und tiefer wurde.
Die einzige Lösung ist gegenseitige Achtung: Sitzen und reden bis man zu einem Ergebnis kommt. Die gegenseitigen Rechte anerkennen und achten, zu einer Lösung kommen mit der Gewissheit, dass keine Seite in der Lage ist zu bekommen was sie will und auch nicht was jede Seite glaubt, dass sie ein Recht darauf hat es zu bekommen. Beide Seiten müssen unngenehme Kompromisse machen – das ist der unvermeidliche Preis des Friedens: Keine Seite wird hundertprozent zufrieden sein mit dem Ergebnis.
Wenn ich die riesen Kräne sehe, wie sie die schweren Blöcke Seite an Seite hinstellen, geben sie mir das Gefühl von etwas dauerhaftes, was man nicht mehr ändern kann. Mit der Zeit lerne ich wie falsch dieses Gefühl ist:
Nach der Entscheidung des Obersten Gerichts in Israel wurde der Verlauf der Mauer nicht einmal und nicht zweimal geändert und verrückt, Abschnitte wurden annulliert und der Zaun näherte sich in vielen Stellen der alten, bekannten Grünen Grenze von 1948: Dieselben Kräne, die die riesen Blöcke aufstellen können sie auch leicht wieder abheben und anderswo hinstellen oder sie für immer verschwinden lassen – das hängt nur von der Bereitschaft beider Seiten mit der Gewalt aufzuhören, unter der alle leiden.

Wenn ihr wollt bleibt es kein Märchen.*

Eyal Ofer

Das palästinensische Dorf Mascha, in dem der Demonstrant Gil Naamati vom israelischen Feuer verwundet wurde, war früher ein populärer Einkaufsort für die Israelis. Der Zaun hat alles verändert –es hat Einwohner von ihren Plantagen getrennt und durchschnitt das Haus von Hanni Amar. Trennte ihn von seinen Nachbarn, machte aus ihm ein befestigtes Ziel und brachte in seinen Hof linke Demonstranten und Militärpatrouillien. An einem Freitag kam es zum gewaltsamen Knall.
„Sie kamen und sagten zu mir – ,Du sagen den Preis’. Aber ich verkaufe nicht, ein Zuhause verkauft man nicht“, sagt Hanni Amar, 46 Jahre alt, und schaut auf sein Haus, dass in den letzten Wochen zu einer Festung geworden ist. Wie das ganze Dorf hat auch dieses Haus bessere Tage gekannt. Immer Samstags wurde Mascha zur Verkörperung der Ko-Existenz zwischen Juden und Araber: Tausende Israelis füllten die Geschäfte und verursachten Verkehrsstaus auf ihrem Weg in das nahe gelegene Dorf Bidiya, um alles zu kaufen was gut und billig ist – vom Porzellan-Spülbecken bis zu Olivenöl-Flaschen, von Humus bis zu Auto-Ersatzteile. Mascha, dass nur fünf Minuten Fahrt von Rosh-HaAjin liegt, verwandelte sich in einen riesen großes Einkaufszentrum.
Das Haus von Hanni und Monira Amar stand an einer ausgezeichneten Stelle: Es war das erste Haus an dem die israelischen Käufer, die auf der alten Shomron Strasse gekommen sind, vorbeifahren mussten. Auf dem Ladentisch, welcher auf der Strasse gestellt wurde, hatte man Obst und Gemüse vom eigenen Anbau verkauft – Feigen, Gurken und Oliven. Unter den Kunden waren die Bewohner der nahe gelegenen Siedlung Elkana, deren letzte Häuserzeile den Nachbarsdorf beinahe küsst. Ein einfacher verrosteter Zaun trennte zwischen den Grundstücken von Elkana und dem Haus der Amars und die nachbarschaftlichen Beziehungen waren tadellos.

Im Sommer 2003 hörte man plötzlich neue Töne im Dorf – Bulldozer und Traktoren näherten sich auf einem schmalen Pfad auf den Hügeln von Shomron, und legten die willkürliche Linie des „Trennungs-Zauns“ fest. Die Idee war die israelischen Siedlungen mit einem Zaun zu umgehen und sie von den nahe gelegenen palästinensischen Dörfer zu trennen. In Mascha verläuft diese Linie direkt nahe an den Wohnhäuser der Bevölkerung und trennt diese von ihren Olivenhaine.

Das Schicksal der Familie Amar war anders von dem der anderen Bewohner des Dorfes. Ihr Grundstück wurde beschlagnahmt, um darauf das Hindernis der Trennung zu bauen. Bulldozer zerstörten einen Teil des Ziegenstalls, der im Hof stand, begradigten den Vorplatz, indem sie das Grundstück um anderthalb Meter unter dem Niveau des Hauses niedriger machten, zerstörten den Obststand, der drei Jahre nutzlos im Hof stand, rissen die Zypressen im Hof aus dem Boden – alles um einen Weg, für die Patrouillienfahrten der Armee, zu bereiten . Heute passieren die Patrouillien im Hof der Amars. Auf der anderen Seite des Hofes, direkt gegenüber der Eingangstür zu ihrem Haus, wurde die Mauer gebaut, die ihr Haus von allen anderen Häuser des Dorfes trennt. Und so verwandelte sich das Haus der Familie Amar in eine palästinensische Enklave, die der Siedlung Elkana angeschlossen ist und von allen anderen Teilen des Dorfes Mascha durch eine Mauer getrennt ist.


Im August 2003 versuchte eine Gruppe internationaler Anarchisten zusammen mit der israelischen Gruppe „Anarchisten gegen die Mauer“ die Arbeiten auf dem Grundstück zu verhindern und errichteten auf dem Grundstück ein Zelt als Zeichen des Protestes. Die Polizei verhaftete die Demonstranten und der Bauunternehmer setzte die Arbeiten mit dem Bulldozer fort, während nur noch die Familie Amar zugeschaut hat wie man Fundamente im Hof ihres Hauses legt.

Im Verlauf des Sommers und des Herbstes beobachtete die Familie Tag für Tag wie die Mauer vor ihrem Haus gebaut wird. Die meisten Arbeiter waren Palästinenser, aus dem nahen Dorf Sanijira, die in eine peinliche Situation geraten sind und sich deshalb immer und immer wieder entschuldigt haben, dass die Arbeit an der Mauer die einzige Arbeit war, die sie finden konnten.

Familie Amar befürchtete, dass sie in ihr Dorf durch das Haupttor von Mascha gehen müssten, ein Tor, dass von den Soldaten der benachbarten Straßensperre nur drei mal täglich geöffnet wird. Um es der Familie zu erleichtern wurde eine Lösung gefunden – ein Privattor im Trennungszaun. Seitlich der Mauer wurde ein kleines Tor gebaut, das heute die einzige Verbindung darstellt zwischen ihnen und den Nachbarn im Dorf auf der anderen Seite der Mauer.
Jeden Morgen auf ihrem Weg in die Schule gehen die Kinder der Familie durch das kleine, private Tor in der großen Trennungsmauer. Dieses Tor, das merkwürdigerweise immer noch kein Schloss hat, befindet sich nur wenige Meter entfernt von dem Haupttor, der den Durchgang zum Dorf Mascha regelt. An diesem Tor pflegten jeden Morgen Dutzende von Palästinenser warten: Einwohner von Mascha, die ihre Felder jenseits der Mauer bebauen wollen und Palästinenser aus den nahe liegenden Dörfern, die nach Israel rein wollen, weil sie dort Arbeit haben.
Um ein Eindringen nach Israel durch das kleine, private Tor zu verhindern, wurde ein weiterer Zaun gebaut, der das Haus umschließt wie ein U. Dieser Zaun verläuft vom Haupttor über die Patrouillienstraße, umschlingt das Haus und trifft wieder die Mauer auf der anderen Seite, am äußersten Zipfel des Grundstücks der Aar-Familie. Um aber der Armee die Patrouillien zu ermöglichen wurden an diesem zweiten Zaun zwei eindrucksvolle Tore mit viel Stacheldraht drum herum geöffnet. So leben heute Monira und ihre sechs Kinder, in einem Haus, dass sich in eine Festung verwandelt hat, umgeben von Zäunen und Stacheldraht, Tore und einer Mauer. Ihr kleines Zuhause, in dem nichts viel ist als eine große Küche, zwei alte Sessel und einige Matratzen, die zum Schlafen dienen, ist heute eines der best bewachten Häuser im Nahen Osten. Anstatt dass die Mauer mögliche Attentate in Israel verhindert, trennt sie vor allem die Familie Amar von ihren Ländereien und den anderen Dorfbewohnern.
In den letzten zwei Wochen wurde das Haupttor aus Sicherheitsgründen überhaupt nicht geöffnet. Der Durchgang von Palästinensern an der Strassensperre wurde

*Der Satz von Theodor Herzl, (1860 - 1904) Journalist und Ideologe des Zionismus
"Land für die Juden"
, wird hier als Mahnung für den Frieden gebraucht.
Die Mauer / Israel-Palästina

oben Seite 3
Ende der Auszüge / Die Mauer

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