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USA
Schwarzbuch
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Teil
1 / - Die Jugendsünden, 1776
bis 1945
Teil 2 / - Die
Sünden des Kalten Kriegs,
1945 bis 1991
Teil 3 / - Sünden
gegen die eigenen Bürger,
die USA heute
Teil 4 / - Die Sünden gegen den Rest der Welt |
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Die
Bananen Lobby - Die Israel-Lobby - Die Öl-Lobby
etc.
17 000 professionelle Lobbyisten in
Washington beeinflussen
und verzerren Entscheidungen
der "Supermacht", zum Nachteil der Menschheit
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Auszüge |
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verzichten. Amerika handelt
sich damit in der arabischen und muslimischen Welt den Ruf ein, im Nahost-Konflikt
kein unabhängiger Vermittler, sondern Partei zu sein.
Dieser Eindruck hat sich unter der Bush-Regierung weiter verstärkt, obwohl
jüdische Wähler traditionell vor allem die Demokraten unterstützen
und auch 2000 mit großer Mehrheit für Al Gore stimmten. »Scheiß
auf die Juden, sie wählen uns ohnehin nicht!«, fluchte deshalb
James Baker, Außenminister von Bush sr. Gegen den Rat vieler Nahost-Experten
unterstützte die jetzige Bush-Regierung den israelischen Premier Ariel
Sharon bei der Wiederbesetzung der autonomen Palästinensergebiete, der
Zerschlagung der palästinensischen Infrastruktur und dem Versuch, den
demokratisch gewählten Palästinenserpräsidenten Yassir Arafat
als politische Führungsfigur kaltzustellen. So legten die USA etwa im
September 2003 gegen eine moderate UN-Resolution, die Israel aufforderte,
Arafat nicht mehr mit Deportation zu drohen, ihr Veto ein. Äußerst
fragwürdig ist auch die Haltung der USA, Israels Nuklearwaffenprogramm
zu ignorieren, während sie gleichzeitig mit allen Mitteln andere Staaten
in der Region davon abzuhalten versucht, in den Besitz von Atomwaffen zu gelangen.
Groß ist die private finanzielle und personelle Unterstützung amerikanischer
Juden für Israel: Zahlreiche Schulen, Krankenhäuser und andere soziale
und karitative Einrichtungen könnten ohne Hilfe aus den USA nicht überleben.
Viele der radikalsten jüdischen Siedler, die sich zum Beispiel in Hebron
oder anderswo inmitten palästinensischer Wohngebiete niedergelassen haben
und so entscheidend zur Eskalation des Konflikts beitragen, sind direkt aus
den USA in die besetzten Gebiete gezogen.
Was die Israel-Lobby so stark macht, ist weniger ihr Geld oder ihre Organisation
als die breite Unterstützung, die ihre Anliegen bei amerikanischen Nichtjuden
und vor allem bei Entscheidungsträgern in Washington genießen.
In der moralistischen Weltsicht vieler Amerikaner vertritt Israel westliche
Werte, Israels Feinde stehen für Barbarei. In den vergangenen Jahren
fand die Israel-Lobby ihre besten Verbündeten weniger im jüdischen
New York als im so genannten Bibelgürtel von Mississippi und Alabama
bei den bis zu 70 Millionen christlichen Fundamentalisten, die auch Bush ins
Weiße Haus verholfen hatten. Rechtsextreme religiöse Führer
wie Pat Robertson und Jerry Falwell, voller Ehrfurcht vor dem Alten Testament,
sehen Israel als den von Gott gewollten Staat, der die Welt dem Tag des Jüngsten
Gerichts näher bringt. Sie unterstützen dabei den Anspruch der israelischen
Rechten auf das gesamte Westjordanland und auf Jerusalem als ungeteilte Hauptstadt.
Dass diese Leute sonst oft antisemitische und rassistische Tendenzen zeigen,
tut vielen liberalen amerikanischen Juden weh, wird aber von den Führern
der Israel-Lobby als notwendiges Übel hingenommen.
Die Israel-Lobby hat das Glück, dass Kritik an ihrer Macht häufig
aus wenig respektierten Zirkeln kommt, beispielsweise von Linksintellektuellen
wie Noam Chomsky, die praktisch die gesamte amerikanische Außenpolitik
ablehnen, oder von Rechten wie Pat Buchanan, die als offen antisemitisch gelten.
Im amerikanischen Mainstream gilt es als ungehörig, über die Macht
der Israel-Lobby zu schimpfen.
Entgegen manchen Spekulationen haben die Terroranschläge vom 11. September
2001 keinen Keil zwischen Amerikas Juden und Christen geschlagen. Im Gegenteil:
Viele konservative Christen setzen Sharons Kampf gegen die Palästinenser
mit Bushs »Krieg gegen den Terror« gleich und wehren sich gegen
jede Einschränkung der israelischen Handlungsfreiheit. Unter ihrem Druck
- und nicht etwa wegen des jüdischen Einflusses in seiner Regierung -
schreckte Bush stets davor zurück, die Regierung Sharon allzu laut zu
kritisieren. Noch nie besaß Israel so viele Fürsprecher in Washington
wie unter der Bush-Regierung.
Aber selbst viele Israelis beobachten diesen Einfluss mit gemischten Gefühlen.
Sie würden sich wünschen, dass die USA ihren Druck auf Israel erhöhten
und nicht den nationalistischen Fraktionen nachgäben, deren Politik nicht
nur für die Palästinenser eine Katastrophe ist, sondern durch eine
Radikalisierung auf beiden Seiten langfristig die Existenz des Staats Israel
gefährdet. Solange die Israel-Lobby die Unterstützung der USA für
den jüdischen Staat sichert, hat sie ihren legitimen Platz in der amerikanischen
Politik, doch wenn sie verhindert, dass die USA zugunsten einer Friedenslösung
im Nahost-Konflikt eingreifen, schadet sie am meisten jenen Menschen, denen
sie eigentlich helfen sollte.
Visionen
der Weltherrschaft:
Bushs Präventivkriegsdoktrin
Ein Jahr nach dem 11.
September 2001 präsentierte die Bush-Regierung eine neue Nationale Sicherheitsstrategie,
die es den USA ermöglichte, jede angebliche Bedrohung der eigenen Sicherheit
durch präventive Angriffe auszuschalten. Die Doktrin ignoriert das Völkerrecht
und gefährdet den Weltfrieden. Im Irak-Krieg zeigte sich dann, wie leicht
Bedrohungen fingiert werden können.
Es war eines der faszinierendsten,
provokantesten und erschreckendsten Dokumente der vergangenen Jahrzehnte,
das am 20. September 2002 in Washington veröffentlicht wurde: Die neue
»National Security Strategy« bot nicht nur eine Rechtfertigung
für einen Angriff auf den Irak, sie markierte auch eine Zäsur in
der amerikanischen Außenpolitik. Die USA verabschiedeten sich darin
von der Strategie der Abschreckung und der Eindämmung durch multilaterale
Allianzen und kollektive Sicherheit, die sie seit 1945 verfolgt hatten. Stattdessen
entwickelte die Bush-Regierung eine Doktrin des Präventivkriegs, laut
der Amerika jeden potenziellen Gegner militärisch angreifen kann, bevor
er eine Gefahr für die USA wird. »Die USA können sich nicht
mehr wie in der Vergangenheit ausschließlich auf eine reaktive Haltung
verlassen«, hieß es in dem Strategiepapier. »Die Unfähigkeit
potenzielle Angreifer abzuschrecken, die Aktualität der heutigen Bedrohungen
und das Ausmaß des potenziellen Schadens, der durch die Wahl der Waffen
unserer Feinde verursacht werden kann, verbieten diese Option. Wir dürfen
es nicht zulassen, dass unsere Feinde zuerst zuschlagen.«
Zu diesem Zeitpunkt hatten die Vordenker der Bush-Regierung den Kampf gegen
Al-Kaida längst hinter sich gelassen. Osama bin Laden war immer noch
flüchtig, und die Zahl von islamistischen Terroranschlägen hatte
trotz oder gerade wegen des Kriegs gegen Terror zugenommen: Bombenanschläge
in Saudi-Arabien, Tunesien, Marokko und Bali forderten Hunderte von Toten.
Doch Präsident George W. Bush, Vizepräsident Dick Cheney, Verteidigungsminister
Donald Rumsfeld und dessen Stellvertreter Paul Wolfowitz hatten keine Geduld
für die mühsame Polizeiarbeit, die die effiziente Bekämpfung
und die Prävention von Terrorismus erforderten. Sie wollten die gewaltige
militärische Übermacht für ihre Zwecke einsetzen und daher
echte Kriege gegen echte Staaten führen. Sie dachten bereits an eine
Umgestaltung der Welt nach amerikanischen Vorstellungen - vor allem im Nahen
Osten, wo die jüngsten Bedrohungen der USA ihren Ursprung hatten. Dass
diese Pläne dem Terrorismus Vorschub leisten und wichtige Ressourcen
von der Jagd auf Al-Kaida abziehen würden, spielte dabei keine Rolle.
Das argumentative Bindeglied zwischen den Ereignissen vom 11. September 2001
und der neuen Militärstrategie war die Angst vor einer weltweiten Verbreitung
von Massenvernichtungswaffen. Seit dem Kollaps der Sowjetunion fürchteten
die USA, dass ehemalige sowjetische Atomwaffen in die Hände von verantwortungslosen
Regimen oder radikalen Terrorgruppen fallen könnten. Die Clinton-Regierung
gab Milliarden für die Sicherung des sowjetischen Atomarsenals aus und
unterstützte internationale Maßnahmen gegen die Verbreitung von
Atomwaffen. Das Wettrüsten von Indien und Pakistan in den späten
Neunzigerjahren und die offensichtlichen nuklearen Ambitionen von Nordkorea
und dem Iran bereiteten den USA ebenso wie den Europäern große
Sorge. Dazu kam die Gefahr durch biologische Waffen sowie durch chemische
Kampfstoffe, wie sie der irakische Diktator Saddam Hussein in den Achtzigerjahren
im Krieg gegen den Iran und die eigene kurdische Bevölkerung eingesetzt
hatte.
Die Gefahr einer Ausbreitung von Atomwaffen erhöht sich dadurch, dass
keine der bestehenden Atommächte zur vollständigen Abrüstung
bereit ist. Zudem stellt im Nahen Osten Israels kaum zu verhehlendes
Atomarsenal eine Provokation anderer Staaten dar. Die Clinton-Regierung
hatte die Lösung vor allem in multilateralen Abkommen wie dem Atomsperrvertrag
oder dem Atomteststoppvertrag sowie in der Ausweitung von Rüstungskontrollen
gesehen. In Lateinamerika, wo Brasilien und Argentinien auf Atomwaffen verzichteten,
und in Südafrika erwies sich diese Politik als erfolgreich. Gegenüber
Nordkorea, dem gefährlichsten der neuen Atomstaaten, setzten die USA
auf wirtschaftliche Anreize: Die Lieferung von Heizöl und der Bau eines
neuen Atomkraftwerks sollten das stalinistische Regime in Pjöngjang dazu
bewegen, auf die Entwicklung von Atomwaffen zu verzichten.
Für die Republikaner im Kongress war dieser vorsichtige multilaterale
Zugang der Clinton-Regierung ein Gräuel. Sie lehnten alle Verträge
ab, die den militärischen Spielraum amerikanischer Streitkräfte
einschränkten, und sabotierten so etwa die Ratifizierung des Atomteststoppvertrags
(-* Kapitel 36). Ihr Plan war, potenzielle Atommächte mit militärischen
Drohungen von ihren Plänen abzubringen oder sie gar anzugreifen, bevor
deren Atomwaffen einsatzfähig werden. Sie befanden sich im Einklang mit
den Veteranen der ersten Bush-Regierung wie Cheney und Wolfowitz, die bereits
1992 vorgeschlagen hatten, die militärische Vorherr-schaft der USA durch
ein massives Aufrüstungspro-gramm abzusichern. Doch George Bush sr. war
dieses Thema damals viel zu heikel.
Strategie gegen
»Schurkenstaaten«
Während der Clinton-Jahre
formierten sich die so genannten Neokonservativen zu einer einflussreichen
Bewegung. Viele von ihnen waren Schüler des konservativen deutsch-amerikanischen
Philosophen Leo Strauss, der an der University of Chicago gelehrt hatte. Strauss
misstraute der Fähigkeit des Volks, selbstständig die richtigen
Entscheidungen zu treffen, und strebte daher in der Tradition Platons eine
Herrschaft der Eliten an. Denker und Publizisten wie Alan Bloom, Irving und
Bill Kristol, William Buckley sowie Norman Podhoretz hatten jahrzehntelang
neokonservative Gedanken in Büchern, Zeitschriften wie Commentary, National
Review und Weekly Standard sowie der Kommentarseite des Wall Street Journal
verbreitet und damit immer mehr an Einfluss gewonnen. In der Innenpolitik
forderten sie eine Eindämmung staatlichen Einflusses, in der Außenpolitik
die Durchsetzung amerikanischer Werte und freier Marktwirtschaft - notfalls
mit militärischen Mitteln. Ganz in der von Richard Hofstadter beschriebenen
Tradition wollten die Neokonservativen nicht daran glauben, dass mit Diplomatie
und internationaler Kooperation die Probleme der Welt zu lösen wären.
Sie sahen sich von Feinden umzingelt und suchten den Kampf.
1997 schlossen sich führende Neokonservative im Project for the New American
Century (PNAC) und in anderen Initiativen zusammen, die ein massives Aufrüstungsprogramm,
den Aufbau eines Raketenabwehrsystems und unilaterale Militärschläge
gegen alle Staaten forderten, die den USA gefährlich werden könnten
- in erster Linie war damit der Irak gemeint. Im September 2000 gab PNAC die
Studie »Rebuilding America's Defenses« heraus - ein Gegenprogramm
zur angeblich nachgiebigen Politik der ClintonRegierung. Kurz darauf saßen
die führenden Neokonservativen - Paul Wolfowitz, Richard Perle, Douglas
Feith und John Bolton - an den Schalthebeln der Macht.
Sie ergänzten sich gut mit den »nachdrücklichen Nationalisten«
wie Cheney und Rumsfeld, die weniger an der Ausbreitung der Demokratie als
an der unbeschränkten Ausübung amerikanischer Macht interessiert
waren. Beide Strömungen fanden in ihrer Verachtung internationaler Organisationen
wie den Vereinten Nationen zueinander; beide einte auch der dringende Wunsch,
Saddam Hussein zu stürzen - zur Vernichtung seines militärischen
Potenzials, zur Demonstration amerikanischer Stärke und als Startschuss
zur Umgestaltung des Nahen und Mittleren Ostens in eine amerikafreundliche
Region, in der auch Israel ohne größere Zugeständnisse an
die Palästinenser in Frieden leben würde. Die Warnung vor angeblichen
Massenvernichtungswaffen war vor allem ein Mittel, um für ihre Ideen
breite Unterstützung zu gewinnen.
Der 11. September 2001 schien die Weltsicht der Neokonservativen zu bestätigen,
hätte sie aber eigentlich von ihrer Besessenheit hinsichtlich angeblicher
Massenvernichtungswaffen abbringen sollen. Die Al-Kaida-Terroristen verfügten
weder über Atombomben noch über biologische Kampfstoffe - die Anschläge
mit Milzbranderregern während der folgenden Wochen wurden zwar nie aufgeklärt,
gingen aber wahrscheinlich auf das Konto radikaler amerikanischer Staatsbürger
-, sondern bloß über Teppichmesser, die man für 1 Dollar pro
Stück kaufen konnte. Stattdessen entwickelten sie ein Szenario, nach
dem »Schurkenstaaten« Atomwaffen entwickeln und diese an Terroristen
weitergeben würden. Daraus leiteten sie die Notwendigkeit ab, gegen jene
Staaten vorzugehen, die an Atomwaffen Interesse zeigten und den USA feindlich
gesinnt waren. Iran, Irak und Nordkorea wurden so in Bushs Rede zur Lage der
Nation im Januar 2002 zur »Achse des Bösen« vereint, gegen
die man entschlossen vorgehen müsse.
Einen Präventivschlag gegen Nordkorea zog die Bush-Regierung allerdings
nie ernsthaft in Erwägung, obwohl es als einziges dieser drei Länder
tatsächlich über Atomwaffen verfügt. Zwar reagierten die USA
mit dem Stopp von Heizöllieferungen, als sich herausstellte, dass Diktator
Kim Jong II. sich nicht an seine Abmachungen hielt. >>>>>>>>
Ende der Auszüge |
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ongress zu einigen Erfolgen.
1979 gründete der charismatische Geschäftsmann Jorge Mas Canosa
die Cuban American National Foundation (CANF), die sich als eine der erfolgreichsten
Lobbys überhaupt erwies. Finanzielle Unterstützung fand sie bei
einigen reichen kubanischen Industriellenfamilien, zum Beispiel den Eigentümern
von Bacardi Martini oder den Zuckerbaronen Alfonso und Jose Fanjul, die darauf
hoffen, nach einem Sturz Castros ihre enteigneten Güter zurückzubekommen.
Reagan verfolgte in Mittelamerika genau jene radikale antikommunistische Politik,
die sich die CANF wünschte - mit Interventionen in Nicaragua, Grenada
und anderen Ländern, wo kubanischer Einfluss vorhanden war oder vermutet
wurde, sowie mit der Gründung und Finanzierung von Radio Marti und TV
Marti, die bis heute Anti-Castro-Propaganda nach Kuba ausstrahlen. Mas Canosa
war ein gern gesehener Gast im Weißen Haus und im Kongress, auch weil
er ihm freundlich gesinnte Abgeordnete und Senatoren mit Wahlkampfspenden
belohnte.
Mit dem Ende des Kalten Kriegs wurde die Arbeit der CANF schwieriger. 1991
stoppte die Sowjetunion ihre Hilfe für Kuba - das Ende des CastroRegimes
schien nur noch eine Frage der Zeit. Mit dem Verschwinden der geopolitischen
Bedrohung plädierten viele außenpolitische Experten für eine
Entspannung mit Kuba, denn dreißig Jahre Sanktionen hatten Castro nicht
geschwächt. Doch die CANF forderte stattdessen eine Verschärfung
des Wirtschaftsembargos, um so Castro ähnlich wie die osteuropäischen
kommunistischen Staatsführer zu Fall zu bringen.
Mas Canosa fand 1992 einen wichtigen Verbündeten in Robert Torricelli,
einem demokratischen Abgeordneten aus New Jersey, in dessen Wahlkreis viele
kubanische Immigranten lebten. Das nach ihm genannte Gesetzt sah Strafen für
amerikanische Konzerne vor, deren ausländische Töchter Geschäfte
mit Kuba machten, was einer extraterritorialen Anwendung amerikanischer Gesetze
gleichkam, und verbot Schiffen, die kubanische Häfen angelaufen hatten,
das Be- und Entladen in amerikanischen Häfen für sechs Monate.Das
neue Gesetz betraf zwar amerikanische Konzerne, nicht aber ihre Konkurrenten
in Europa, Kanada und Mexiko. Castro begann 1993 mit einer Liberalisierung
der kubanischen Wirtschaft, indem er beispielsweise die Verwendung des Dollar
legalisierte, und bemühte sich zunehmend um Auslandsinvestitionen und
Touristen aus dem Westen. In Europa und Kanada konnte man mit der amerikanischen
Politik gegenüber Kuba wenig anfangen und befürwortete stattdessen
einen »Wandel durch Annäherung«. Doch das war nicht im Sinne
der kubanischen Lobby in Florida. Sie befürchtete, dass ausländisches
Kapital - zum Teil auch Investitionen in Firmen, die früher amerikanischen
Investoren gehört hatten - den Kommunisten das Überleben sichern
würde, und verlangte deshalb Maßnahmen gegen alle Verbündeten,
die die erhoffte Isolation Kubas unterliefen.
Nach den Kongresswahlen 1994 fand die kubanische Lobby Gehör bei der
neuen republikanischen Mehrheit im Kongress, vor allem beim konservativen
Vorsitzenden des außenpolitischen Senatsausschusses Jesse Helms. Helms
hatte für Europäer und Kanadier nur Verachtung übrig, und der
von ihm vorgelegte Entwurf für den Libertad Act (oder Helms-Burton Act)
richtete sich dezidiert gegen sie. Das Gesetz sah die Möglichkeit vor,
gegen ausländische Konzerne, die in Kuba mit enteignetem US-Eigentum
Geschäfte machten, vor amerikanischen Gerichten Klage einzureichen, und
untersagte den Managern dieser Konzerne die Einreise in die USA.
Angesichts der scharfen internationalen Kritik am Helms-Burton Act drohte
Clinton mit einem Veto. Als jedoch Kuba im Februar 1996 zwei von Exilkubanern
gesteuerte Flugzeuge, die Anti-Castro-Flugblätter über der Insel
abwarfen, abschoss und dabei vier Menschen tötete, wurde der Druck der
kubanischen Lobby und ihrer republikanischen Verbündeten zu stark: Clinton
unterschrieb das Gesetz, machte aber gleichzeitig von der Möglichkeit
Gebrauch, die umstrittensten Maßnahmen für sechs Monate auszusetzen.
Helms-Burton wurde zwei Jahre lang zu einem der heftigsten Streitpunkte zwischen
den USA und der EU, der die beiden Partner an den Rand eines Handelskriegs
brachte. Die politischen Kosten dieser Auseinandersetzung waren enorm.
Die meisten kubanischen Dissidenten lehnen das US-Embargo als kontraproduktiv
ab, weil es dem kubanischen Volk wirtschaftlich schade und dem Regime politisch
nütze. Das Embargo befriedigt allerdings die Führer der Exilkubaner,
denen das Schicksal ihrer Landsleute weniger wichtig ist als ihr persönlicher
Hass auf Castro. Selbst in der kubanischen Gemeinde wächst inzwischen
die Skepsis gegenüber der Embargopolitik - sowohl unter späteren
Einwanderern als auch unter der Jugend. Gemäßigte Gruppen wie Cambio
Cubano und das Cuban Committee for Democracy setzen sich dafür ein, durch
Wirtschaftskontakte und Tourismus die demokratischen Kräfte auf Kuba
zu stärken. US-Kubaner schicken jedes Jahr Millionen von Dollar zu ihren
Verwandten auf der Insel; diese privaten Gelder bringen Kuba mehr Devisen
als der gesamte Tourismus. Die US-Bauernlobby und große Konzerne fordern
immer stärker eine Aufweichung der Sanktionen, weil sie das wachsende
Geschäft mit Kuba nicht allein Drittländern überlassen wollen.
Die Mehrheit der Amerikaner hegt zwar keinerlei Sympathie für Castro,
sieht aber die Sinnlosigkeit der Embargopolitik ein.
Dabei zeigt sich ein Grundsatz amerikanischer Innenpolitik besonders deutlich:
Eine kleine Gruppe hat weit mehr Einfluss auf politische Entscheidungen als
die große Mehrheit, solange sie ihren Standpunkt mit Entschlossenheit
verfolgt. Kuba besitzt für die meisten Amerikaner nur geringe Bedeutung;
allein die kubanische Lobby versteht es aber, Kuba immer wieder zum beherrschenden
Thema zu machen. David Rieff, der Autor von Going to Miami, mag von den dortigen
Kubanern zwar als »Bananenrepublik, die außer Kontrolle geraten
ist« sprechen, aber ihre Macht blieb lange Zeit beeindruckend.
Erst Ende der Neunzigerjahre wurde die Lobby mehrmals auf die Probe gestellt;
1997 starb Mas Canosa, sein Sohn und Nachfolger war politisch weniger begabt.
Als schwerer Rückschlag erwies sich die Affäre um den fünfjährigen
Eliän Gonzalez, der im November 1999 vor Kuba aufgegriffen wurde. Er
war gemeinsam mit seiner Mutter und elf weiteren Menschen aus Kuba geflüchtet
und hatte als Einziger die Überfahrt überlebt. In den folgenden
Monaten versuchten Eliäns Verwandte in Florida, seine Rückkehr nach
Kuba zu seinem Vater mit allen Mitteln zu verhindern. Sie wurden dabei von
der Kuba-Lobby massiv unterstützt. Weil Eliäns Verwandte alle Gerichtsentscheidungen
ignorierten, drangen bewaffnete Bundesbeamte am 22. April 2000 in das schlichte
Einfamilienhaus in Miami ein und holten den jungen mit Gewalt heraus, um ihn
zu seinem Vater zu bringen.
Obwohl Vizepräsident Al Gore aus wahltaktischem Opportunismus die Partei
der Verwandten ergriff, konnte George W. Bush bei den Präsidentenwahlen
im November 2000 auf die Wählerstimmen der Kubaner zählen. Hatte
Clinton 1996 noch 40 Prozent der kubanischen Stimmen erhalten, gingen diesmal
nur 20 Prozent an Gore. Der umstrittene Sieg in Florida machte Bush zum Präsidenten;
die kubanische Lobby hatte erneut ihre Macht bewiesen.
Unter George W. Bush haben die Kubaner traditionelle Lobby-Arbeit kaum noch
notwendig. Mit dem Exilkubaner Otto Reich, als Assistant Secretary of State
for Western Hemisphere Affairs für die Lateinamerika-Politik der Regierung
verantwortlich, sitzt ein wichtiger Lobbyist im Zentrum der Entscheidungsprozesse.
Die CANF garantiert einen homogenen Wählerblock, der sogar Präsidentschaftswahlen
entscheiden kann. Besser kann eine Lobby gar nicht positioniert sein.
Die
israelische Lobby
Die Lobby für den Staat Israel hat eine ganz andere Ausgangslage.
Rund sechs Millionen Amerikaner - oder 2,3 Prozent der Gesamtbevölkerung
- sind jüdischer Abstammung, aber als ethnische Gruppe sind sie geografisch
und politisch weniger homogen als die Kubaner. Der Großteil der Juden
lebt in und rund um New York, in Kalifornien und Florida, aber nirgendwo sind
sie für den Ausgang von Wahlen entscheidend. Amerikas Juden gehören
im Durchschnitt zu den am besten ausgebildeten, politisch interessiertesten
und wohlhabendsten Amerikanern. Sie sind für politische Kandidaten weniger
als Wähler denn als Spender und Meinungsmacher interessant.
Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs besaßen Juden kaum politischen Einfluss;
sie konnten nicht einmal erreichen, dass die amerikanische Regierung Europas
Juden rechtzeitig vor der nationalsozialistischen Verfolgung rettete (-* Kapitel
7). Das Grauen des Holocausts änderte die antisemitische Einstellung
vieler nichtjüdischer Amerikaner und machte die Entschlossenheit, die
Juden nie wieder im Stich zu lassen, zu einem moralischen Grundprinzip amerikanischer
Außenpolitik. Es motivierte Präsident Harry S. Truman, gegen den
Rat seines Außenministers George Marshall Israel nach der Gründung
im Mai 1948 sofort anzuerkennen. Aber schon acht Jahre später erlitten
die Fürsprecher Israels eine schwere Niederlage, als die Regierung von
Präsident Dwight D. Eisenhower Israel, Großbritannien und Frankreich
im Oktober 1956 zum Rückzug vom Suezkanal und von der Sinai-Halbinsel
zwang. Erst der israelische Sieg im Sechs-Tage-Krieg von 1967 und die amerikanische
Militärhilfe während des Jom-Kippur-Kriegs von 1973, in dem Ägypten
und Syrien anfangs militärisch überlegen waren, zementierte die
Allianz zwischen den USA und Israel. Das wachsende Engagement der Sowjetunion
in der arabischen Welt machte den Nahen Osten zum Schauplatz einer gefährlichen
Konfrontation der Supermächte (-* Kapitel 11). Es war mehr die Angst
vor einem sowjetischen Propagandasieg und weniger die Sympathie für den
jüdischen Staat, die den Antisemiten Richard Nixon im Jom-Kippur-Krieg
veranlasste, Israel durch Waffenlieferungen vor der Niederlage zu bewahren.
Die militärischen Erfolge Israels stärkten das Selbstbewusstsein
von Amerikas Juden. 1974 griffen jüdische Organisationen direkt in die
Außenpolitik ein, als sie für das Jackson-Vanik Amendment zum neuen
Handelsgesetz eintraten, das die Einräumung der Meistbegünstigungsklausel
und die Gewährung von amerikanischen Krediten für die Sowjetunion
von deren Bereitschaft abhängig machte, russische Juden nach Israel auswandern
zu lassen. Jackson-Vanik war ein typisches Beispiel für eine Politik,
deren moralische Selbstgerechtigkeit der eigenen Sache schadete. Die sowjetische
Regierung hatte Anfang der Siebzigerjahre Hunderttausende Juden diskret auswandern
lassen, doch als diese Frage in Washington zum Politikum wurde, machte Moskau
die Tore dicht und verstärkte die Verfolgung auswanderungswilliger Dissidenten.
Die Sowjetunion wollte nicht den Eindruck erwecken, amerikanischem Druck nachzugeben.
Jackson-Vanik trug zum Niedergang der Entspannungspolitik bei und blieb jahrzehntelang
ein Stolperstein für die amerikanisch-russischen Beziehungen. Militärische
Falken hatten die humanitären Anliegen jüdischer Organisationen
hier für ihre eigenen Zwecke missbraucht.
Seit Mitte der Siebzigerjahre spricht man in Europa und noch mehr in der arabischen
Welt von einer mächtigen jüdischen Lobby in Washington. Diese Bezeichnung
ist in vieler Hinsicht irreführend: Es gibt weder eine geschlossene Front
jüdischer Organisationen noch eine einheitliche jüdische Meinung.
Zahlreiche amerikanische Juden sind entsetzt über die heutige Politik
Israels, und jüdische Studenten stehen oft in vorderster Front, wenn
an Universitäten gegen Israel protestiert wird. Aber es gibt eine organisierte
Lobby für die Anliegen des Staats Israel, die von dem 1954 gegründeten
American Israel Public Affairs Committee (AIPAC) angeführt wird. Es gilt
als eine der am besten organisierten, finanzierten und einflussreichsten Interessenvertretungen
im Kongress. Das AIPAC verteilt zwar selbst keine Gelder an Politiker, seine
Unterstützung kann Politikern aber den Zugang zu jüdischen Spendern
erleichtern. AIPAC verfolgt dabei drei zentrale Ziele: eine fortwährende
amerikanische Garantie für die Existenz des jüdischen Staats, die
Beibehaltung der hohen finanziellen Hilfen für Israel - seit Ende der
Siebzigerjahre 3 Milliarden Dollar jährlich, zwei Drittel davon als Militärhilfe
- und Unterstützung für die Politik der jeweiligen israelischen
Regierung, selbst wenn diese nicht den Vorstellungen der USA entspricht.
Über das erste Ziel, die Existenz Israels, besteht in
der amerikanischen Öffentlichkeit kein Dissens; auch das zweite Ziel,
die Finanzhilfe, wird trotz der hohen Kosten von einer breiten Mehrheit mitgetragen.
Es ist das dritte Ziel, nämlich die unbedingte Parteinahme für Israel
im Konflikt mit den Palästinensern und seinen arabischen Nachbarn, mit
der die Israel-Lobby immer wieder auf Widerstand stößt und bei
der sie auch gelegentlich Niederlagen erlitten hat.
So zog die Reagan-Regierung 1981 den von ihr heftig bekämpften Verkauf
von Awacs-Aufklärungsflugzeugen an Saudi-Arabien gegen den Widerstand
der Israel-Lobby durch. 1991 hielt die Regierung von George Bush sr. 10 Milliarden
Dollar an Krediten für Israel zur Integration sowjetischer Einwanderer
zurück, um so ihr Missfallen über die israelische Siedlungspolitik
zum Ausdruck zu bringen.
Präsident Clinton engagierte sich ab 1993 sehr für
den Oslo-Friedensprozess, der von wichtigen Vertretern der amerikanischen
Israel-Lobby als Ausverkauf an die Palästinenser abgelehnt wurde, und
übte später starken Druck auf Premier Benjamin Netanjahu aus, die
Verhandlungen fortzuführen. Bis heute lehnt jede US-Regierung die Siedlungspolitik
im Westjordanland als illegal und gefährlich ab und setzte durch, dass
Israel seit 1993 keine neuen Siedlungen auf palästinensischem Gebiet
errichtet hat.
Allerdings haben die USA das rasche Wachstum
bestehender Siedlungen hingenommen und Israel nie dazu gedrängt,
auch nur eine Siedlung im Interesse des Friedens abzubauen.
Die Macht der Israel-Lobby trägt entscheidend dazu bei, dass die USA
niemals ihre Milliardenhilfe für Israel zur Disposition gestellt haben
und somit auf ihre stärkste Waffe zur Beeinflussung der israelischen
Politik
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Foto:
Simonis |
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Eric
Frey
geb. 1963 in Wien
Promoviert
in Politikwissenschaft.
Master in Internationalen Beziehungen,
Princeton University.
2001/2 Gastprofessor an der
University of New Orleans.
Langjährige USA-Aufenthalte.
Mitglied der Chefredaktion der Wiener Tageszeitung "Der Standard".
Österreich-Korrespondent der
Financial Times. |
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Auszüge |
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Die
Macht der Lobbys:
Sonderinteressen in
der amerikanischen Außenpolitik
Viele Bereiche der amerikanischen Außenpolitik werden nicht von nationalen
Interessen, sondern von einflussreichen wirtschaftlichen und ethnischen Lobbys
bestimmt: der Ölindustrie, dem Bananenkonzern Chiquita, der Kubaner in
Florida oder der mächtigen Israel-Lobby.
Rund 17000 professionelle Lobbyisten sind Tag für Tag
in Washington damit beschäftigt, die Gesetzgebung im Kongress und die
Politik der Regierung im Sinne ihrer Auftraggeber zu beeinflussen. Nur wenige
von ihnen beschäftigen sich mit außenpolitischen Fragen. Ihr Einfluss
genügt aber, um die Politik der Supermacht in wichtigen Fragen zu verzerren.
In keinem anderen Land der Welt ist Außenpolitik so sehr Spielball einzelner
Interessengruppen.
Die 01-Lobby
Wirtschaftliche Lobbys schalten sich nur in Ausnahmefällen
in die Außenpolitik ein. Selbst die Ölindustrie, die viele Amerika-Kritiker
für die Anstifterin des Irak-Kriegs halten, ist mehr an einer industriefreundlichen
Energiepolitik oder an der Absenkung von Umweltstandards interessiert als
an militärischen Abenteuern im Nahen Osten. Ihre Vertreter wissen zwar
die riesigen irakischen Ölreserven zu schätzen, sehen aber auch
den miserablen Zustand der irakischen Ölindustrie: 40 Milliarden Dollar
werden nach Schätzungen benötigt, um die Fördermengen von 2,8
Millionen Fass Öl am Tag, die der Irak vor dem Krieg produzierte, zu
verdoppeln. Die Entscheidung der Bush-Regierung, französische, deutsche
und russische Firmen von Wiederaufbau-Aufträgen im Irak auszuschließen,
war das Werk der Falken im Pentagon und nicht der Lobbyisten der großen
US-Konzerne. Selbst die Begeisterung von Vizepräsident Dick Cheney für
den Irak-Krieg lässt sich weniger auf seine engen Beziehungen zum Ölausrüstungskonzern
Halliburton, den er von 1995 bis 2000 als Vorstandschef führte, als auf
sein politisches Weltbild zurückführen. Für die Milliardenaufträge,
die Halliburton und seine Tochter Brown & Root im Nachkriegsirak ohne
Ausschreibung erhielten, war Cheney allerdings sicherlich kein Hindernis.
Der begrenzte außenpolitische Einfluss der Ölindustrie zeigt sich
beispielsweise an der konsequent pro-israelischen Politik der Regierung, welche
die Geschäftsinteressen amerikanischer Konzerne in arabischen Ländern
behindert: So benachteiligen die amerikanischen Sanktionen gegen Ölinvestitionen
im Iran und in Libyen die heimischen Energiemultis gegenüber der europäischen
Konkurrenz. Das ändert aber nichts daran, dass die langfristige Absicherung
der Erdölversorgung ihrer Wirtschaft ein zentrales Anliegen der amerikanischen
Außenpolitik ist und die Politik im Nahen und Mittleren Osten entscheidend
beeinflusst - vom Bündnis mit der repressiven saudischen Theokratie bis
hin zum zweimaligen Krieg gegen den Irak. »Öl spielte in den IrakPlänen
Washingtons mehr als strategischer und weniger als ökonomischer Faktor
eine Rolle«, schreibt die libanesische Politologin Yahya Sadowski in
Le Monde Diplomatique: »Beim Krieg gegen Saddam geht es um die Garantie
der amerikanischen Hegemonie und nicht um einen Gewinnanstieg bei Exxon.«
Politische und unternehmerische Interessen kommen in einer anderen Region
zusammen: am Kaspischen Meer. Mehrere amerikanische Ölmultis unter der
Führung der Unocal Corporation investierten in den Neunzigerjahren in
den Ölfeldern Aserbaidschans und überzeugten die Clinton-Regierung
vom Bau einer Pipeline, um das kaspische Erdöl an einen Meereshafen zu
transportieren. Der kürzeste Weg führte über den Iran, aber
das kam für Washington nicht infrage. Deshalb wird für rund 3 Milliarden
Dollar eine 1700 Kilometer lange Route über Georgien in den türkischen
Hafen Ceyhan gebaut, die durch einige der unsichersten Gebiete der Welt verläuft
und ökonomisch unsinnig ist. Denn die Ölreserven in der Kaspischen
Region dürften nach heutigem Wissensstand mit 15 bis 30 Milliarden Fass
eher den Vorkommen in der Nordsee als denen am Persischen Golf entsprechen
und würden daher nur einige Jahre zur Energieversorgung Nordamerikas
beitragen. Der große geostrategische Wurf, den manche Publizisten hinter
der amerikanischen Politik in Zentralasien vermuten, lässt sich hier
genauso wenig erkennen wie in Afghanistan, wo in den Neunzigerjahren ebenfalls
Pipeline-Projekte im Gespräch waren.
Die amerikanischen Ölmultis kämpfen an vorderster Front, wenn es
um die Sabotage des ungeliebten Kioto-Protokolls zum Schutz des Weltklimas
durch die Bush-Regierung geht. In einem vertraulichen Brief schlug etwa Exxon-Mobil
Anfang 2002 dem Weißen Haus vor, die Ablösung des unbequemen Chefs
des Intergovernmental Panel an Climate Change (IPCC) Robert Watson zu betreiben.
Tatsächlich wurde der gebürtige Brite im April 2002 mit 76 zu 49
Stimmen abgewählt, nachdem die Bush-Regierung massiven Druck auf andere
Staaten ausgeübt hatte. Sein Nachfolger, der indische Bahningenieur Rajendra
K. Pachauri, galt zwar auch als überzeugter Umweltschützer, aber
als umgänglicher als der Klimaforscher Watson.
Die Bananen-Lobby
Ein faszinierendes Beispiel für den direkten Einfluss
von Unternehmerlobbys auf die amerikanische Außenpolitik bot in den
Neunzigerjahren der Bananenproduzent Chiquita. Die ehemalige United Fruit
Company, die 1954 die Eisenhower-Regierung zur Intervention in Guatemala gedrängt
hatte, brachte die USA und die EU an den Rand eines sinnlosen Handelskriegs.
Auslöser war die Entscheidung der EU, die Privilegien der Briten, Franzosen
und Spanier für Bananeneinfuhren aus ihren ehemaligen Kolonien bei der
Schaffung des Binnenmarkts auf die gesamte Union auszudehnen und damit die
Einfuhr von Bananen aus Mittelamerika einzuschränken. Dagegen protestierten
die amerikanischen Bananenkonzerne, welche die Produktion und den Vertrieb
der Bananen aus Guatemala, Costa Rica und Honduras kontrollierten und damit
vor allem den deutschen Bananenmarkt beherrschten.
Das neue Bananen-Einfuhrsystem der EU mag teuer und diskriminierend gewesen
sein, war für die USA aber nur ein nebensächliches Problem. Carl
Lindner, der einflussreiche Mehrheitseigentümer von Chiquita, der trotz
seiner konservativen Ansichten Demokraten genauso mit Wahlkampfspenden verwöhnte
wie Republikaner, sah das anders: 1993 und 1994 gab der Chiquita-Konzern 950.000
Dollar als »soft money« an beide Parteien und erkaufte sich damit
die Sympathien von Robert Dole, dem republikanischen Mehrheitsführer
im Senat und späteren Präsidentschaftskandidaten, von dem demokratischen
Senator John Glenn und dem Chef der Demokraten im Abgeordnetenhaus Richard
Gephardt. Mit diesen Freunden fand Lindner Zugang ins Weiße Haus, wo
Clintons Handelsbeauftragte Mickey Kantor sich seiner Sache annahm. Sobald
die Welthandelsorganisation WTO mit ihren neuen Tribunalen funktionsbereit
war, starteten die USA zum Erstaunen der Europäer den Angriff auf ihre
Bananenpolitik. Sechs Jahre lang tobte der Handelskrieg: 1999 war der Höhepunkt
erreicht, als die WTO erstmals die Verhängung von Strafzöllen autorisierte
und die USA daraufhin Einfuhren aus der EU mit 190 Millionen Dollar im Jahr
belasteten.
Der Handelsstreit vergiftete das transatlantische Verhältnis. Reginald
Dale, Kolumnist der International Herald Tribune, verglich im März 1999
den Bananenkonflikt mit der »unerbittlichen, engstirnigen Logik der
europäischen Großmächte, die ihre Truppen für den Ersten
Weltkrieg mobilisierten«. Erst 2001 fand der neue Handelsbeauftragte
von George W. Bush, Robert Zoellick, mit EU-Handelskommissar Pascal Lamy eine
für beide Seiten befriedigende Lösung. Doch Chiquita war inzwischen
in den Konkurs geschlittert und musste um gerichtlichen Gläubigerschutz
ansuchen. Lindner hatte durch seinen Starrsinn sein eigenes Unternehmen zerstört.
Ethnische Lobbys
Weitaus bedeutender als
die Industrielobbys sind für die Außenpolitik die Lobbys anderer
Staaten und ethnischer Volksgruppen. Trotz des starken Assimilationsdrucks
bleiben viele Immigranten und deren Nachkommen ihrer früheren Heimat
verbunden. Und da es in den USA Einwanderer aus praktisch allen Ländern
der Erde gibt, findet man in Washington fast ebenso viele ethnische Lobby-Büros
wie diplomatische Botschaften.
Zu den traditionell tonangebenden Lobbys zählen etwa die Polen, die in
den Vierzigerjahren den Weg in den Kalten Krieg mitbetrieben und in den Neunzigerjahren
dazu beitrugen, dass die USA den Beitritt Polens und anderer mitteleuropäischer
Staaten in die Nato forcierten. Amerikas Schwarze haben in den Achtzigerjahren
dabei nachgeholfen, dass sich die USA endlich vom jahrelang unterstützten
Apartheid-Regime in Südafrika distanzierten. Die irische Lobby sorgte
dafür, dass viele US-Regierungen trotz des Bündnisses mit Großbritannien
Sympathien für die nordirischen Katholiken an den Tag legten. Aber auch
die Armenier, eine weitaus kleinere ethnische Gruppe, besitzen in Washington
viele Freunde und konnten seit der Unabhängigkeit Armeniens 1991 durchsetzen,
dass sich die USA im Konflikt mit Aserbaidschan jahrelang auf ihre Seite stellten,
obwohl sie selbst großes Interesse an den aserbaidschanischen Ölvorkommen
hatten.
Immer wieder beklagen
Experten und Politiker die Rolle solcher Lobbys, die ihre eigenen Interessen
vor das allgemeine nationale Wohl stellen und durch gezielte Wählermobilisierung,
Wahlkampfspenden und Informationsarbeit die Außenpolitik beeinflussen.
Die zwei ethnischen Gruppen, denen am meisten Einfluss in Washington zugesprochen
wird, sind die Kubaner und die Juden. Deren Lobbys gelten als besonders umstritten,
weil sie die USA in zwei zentralen außenpolitischen Themen auf einen
Kurs drängen, dem kaum ein anderes Land der Welt folgt.
Die kubanische
Lobby
Die kubanischen Amerikaner
nehmen eine Sonderstellung ein, weil hier eine ethnische Gruppe in einem wahlpolitisch
wichtigen Landesteil, Florida, konzentriert ist und nur ein einziges Ziel
verfolgt: den Sturz Fidel Castros. Trotzdem sind sie ein gutes Beispiel für
eine ethnische Lobby, die sich in außenpolitische Fragen einmischt.
Seit fast fünf Jahrzehnten verfolgen die USA gegenüber Kuba eine
widersinnige Politik. Das Wirtschaftsembargo hat - neben der katastrophalen
Planwirtschaft des Castro-Regimes - zur Verelendung von Millionen Kubanern
beigetragen, ohne dass damit Castros Herrschaft erschüttert wurde. Im
Gegenteil: Dank der amerikanischen Sanktionen kann Castro alle Schuld für
seine hausgemachten Probleme auf die USA abwälzen, sich als Verteidiger
des Vaterlands präsentieren und seine eigene Unterdrückungspolitik
rechtfertigen. Es scheint, als hätten es die USA darauf abgesehen, Castro
an der Macht zu halten. Schuld daran ist nicht nur der antikommunistische
Reflex in Washington, sondern auch die Macht der kubanischen Lobby.
Mehr als eine Million Kubaner sind seit Castros Machtergreifung 1959 in die
USA geflüchtet und haben sich vor allem im südlichen Florida und
in Teilen New Jerseys niedergelassen. Anfangs betrachteten sie die USA nicht
als neue Heimat, sondern als Exil. Sie träumten vom Sturz Castros und
von der Rückkehr nach Kuba, versuchten aber nicht, sich in die Politik
einzumischen. Bis Mitte der Siebzigerjahre gab es dafür auch keinen Grund:
Alle Präsidenten hielten eisern am Wirtschaftsembargo gegen Kuba und
an der Isolierung seines kommunistischen Regimes fest. Erst Jimmy Carter begann
1977 mit einer vorsichtigen Annäherung, was sich etwa in der Eröffnung
von gegenseitigen Interessensbüros in Havanna und Kuba niederschlug.
Zu Carters Leidwesen verstärkte Castro aber damals seine Interventionspolitik
in Afrika und entsandte nach einem Eingriff in den angolanischen Bürgerkrieg
auch Truppen nach Äthiopien.
Carters Öffnungspolitik erboste und mobilisierte die Kubaner in Florida,
die inzwischen ein Drittel der Bevölkerung im Großraum Miami ausmachten
und dort Politik und Wirtschaft beherrschten. Viele von ihnen waren in den
vergangenen Jahren zu Geld gekommen und wollten dieses nun nutzen, um eine
Annäherung zwischen Washington und Castros Kuba zu blockieren. Kubanische
Stimmen trugen zum Wahlsieg Ronald Reagans in Florida 1980 und 1984 bei und
verhalfen den Republikanern auch im |
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USA
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