Titel-Navigation
Inhaltsverzeichnis
Spielpläne
Musical/Operette
Oper/Ballett
Bücher,Probelesen
Interwiews
Kunst-Galerie
Briefe
Klima
Star-Fotos

Sachbuch

campus - Verlag
155 S. HC/
€ (D) 17,90
im Buchhandel
Weitere
Buchempfehlungen


jetzt kaufen

amazon,´.de


Mein Manifest
für die Erde

Doch nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion ist die Chance vertan worden, eine friedliche Weltordnung zu schaffen, in der Menschenrechte und internationales Recht anerkannt, Ressourcen geschont und die Grundbedürfnisse aller Menschen befriedigt werden.
Die Ungleichheit in der Welt ist die Ursache für die heutigen internationalen Konflikte,
die es zu bekämpfen gilt.


Auszüge

Homo sapiens oder Robot sapiens?

Im Buch Genesis wird erzählt, wie Gott Adam und Eva in den Garten Eden setzte. Er erlaubte ihnen, die Früchte aller Bäume zu essen, nur nicht die vom Baum der Erkenntnis. Doch Adam und Eva waren ungehor-sam und aßen von der verbotenen Frucht. Daraufhin vertrieb Gott sie aus dem Paradies und ließ Adam fortan sein Brot im Schweiße seines Angesichts verdienen.

Ich habe häufig über den Sinn dieser biblischen Geschichte nachgedacht. Mir scheint, sie spiegelt in symbolischer Form den Übergang des Menschen aus einem Stadium, in dem er die Naturreichtümer wie alle anderen Wesen auf der Erde passiv zum Überleben nutzt, in ein Stadium wider, in dem er aktiv mit Hilfe von Werkzeugen die Natur bearbeitet. Aber zu jener Kraft, die das Antlitz der Erde erheblich verändert hat, also zu einer geologischen Kraft, wie Wladimir Wernadski schrieb, ist die Menschheit erst in den letzten Jahrhunderten geworden.

Heute hat die Menschheit den gesamten Planeten eingenommen. Sie hat ihn mit großen und kleinen Städten überzogen und dabei mehr Erde umgeschichtet, als es im Laufe aller früheren tektonischen Verschiebungen der Fall war; sie rodete die Wälder, änderte den Lauf der Flüsse, vernichtete viele Tier- und Pflanzenarten, züchtete neue und veränderte das Klima.

Nach Meinung Wernadskis können solch gigantische Veränderungen kein Zufall sein. Er schreibt: »Vor unseren Augen ändert sich die Biosphäre radikal. Und es kann kaum einen Zweifel darüber geben, dass die sich auf diesem Weg äußernde Umgestaltung keine zufällige Erscheinung ist, die vom Willen des Menschen abhängt, sondern ein spontaner Natur-prozess ist, dessen Wurzeln tief liegen und durch den Evolutionsprozess vorbereitet wurden, dessen Dauer man in Hunderten Millionen von Jahren zählt. Diese Umgestaltung erfolgt durch das wissenschaftliche Denken und mittels der organisierten menschlichen Arbeit.

Wenn wir uns diesem Standpunkt des großen Naturforschers anschließen, der ein Anhänger des wissenschaftlichen Determinismus war, wenn wir glauben, dass unser Handeln, das die Erde verändert, nur eine gesetzmäßige Folge des Evolutionsprozesses ist, dann hat es vielleicht keinen Zweck, Alarm über den Zustand unseres irdischen Wohnsitzes zu schlagen.

Der berühmte russische Maler und Neuerer Kasimir Malewitsch träumte am Anfang des 20. Jahrhunderts davon, sowohl die Natur als auch den Menschen umzuformen und letzten Endes den Tod zu besiegen: »Prächtig sind die bunten Vögel im jungfräulichen Wald von Ceylon, aber nicht weniger schön sind die Flugzeuge im jungfräulichen Raum der Gegenwart ... Wir müssen uns der Neuorganisation anpassen, vielleicht wird es keine Luft mehr geben, und unsere Lungen werden sich einem Automobil angleichen und Benzin atmen ... Der Mensch muss noch gründlich an seinem Organismus arbeiten, um ihm jene Vollkom-menheit zu verleihen, welche die Maschinen mit der Lokomotive erreicht haben. Denn man kann sie auseinander nehmen, all ihre Innereien herausholen, durch neue ersetzen, und die Lokomotive wird wieder lebendig.

In unseren Tagen sind diese Träume Wirklichkeit geworden. Wir haben gelernt, Organe zu verpflanzen, und sind dabei, die Technik des Klonens von Organen und sogar von Menschen zu meistern. Wir setzen dem Menschen Computerchips ein, die uns heute gestatten, seinen Gesundheitszustand zu prüfen, und die uns morgen ermöglichen werden, eine Synthese zwischen dem Gehirn des Computers und dem menschlichen Gehirn herzustellen. Viele auf künstliche Intelligenz und Robotertechnik spezialisierte amerikanische Experten sind davon überzeugt, dass Roboter ein künftiges Stadium der Evolution sein werden, dass der Robot sapiens bereits gegen Ende unseres Jahrhunderts die nächste Stufe nach dem Homo sapiens sein wird. Der Forscher Hans Moravek von der amerikanischen Universität Carnegie-Mellon beschreibt eine Zukunft, in der die menschliche Rasse von ihren eigenen künstlichen Nachfahren vom Thron gestoßen wird.

Mechanische oder bionische Roboter werden keine saubere Luft benötigen, sie werden ohne Wasser und Nahrung auskommen und lernen, ihre Energie unmittelbar von der Sonne zu beziehen. Sie werden auf die Schönheit von Sonnenuntergängen in der Steppe, auf salzige Windstöße am Meeresufer, auf Mozarts Musik und Michelangelos Malerei verzichten können. Aber unsere Zivilisation, das Erbe unserer Vorfahren und wir selbst sind unvollkommen, obwohl wir uns eigenmächtig als Krone der Schöpfung bezeichnen, und wir werden keinen Platz in dieser neuen, von unserem Standpunkt aus furchtbaren Welt finden.

Aber ist uns dieser Weg der Evolution wirklich so vorgezeichnet? Heutzutage ziehen etliche Wissenschaftler das deterministische Prinzip der Evolution und die allzu »lineare« darwinsche Theorie der Entstehung der Arten in Zweifel. Zum Beispiel glaubte der jüngst verstorbene bedeutende

amerikanische Paläontologe Stephen Jay Gould, der die Evolution des Lebens auf der Erde und die Hauptabzweigungen in der Geschichte der Entstehung der Arten einer grundlegenden Analyse unterzog, dass die Dinosaurier ihrer Umwelt vorbild-lich angepasst gewesen seien. Deshalb hätten die Säugetiere auch keine Aussicht gehabt, zur dominie--renden Rasse zu werden, wäre nicht ein Asteroid oder Komet auf die Erde gestürzt, der das Klima radikal veränderte und das Aussterben der Dinosaurier zur Folge hatte. Laut Gould ist das Entstehen des Menschen ein kaum glaublicher Zufall, ein Detail der Geschichte und keineswegs eine Manifestation allgemeiner Gesetzmäßigkeiten.

Führt unser fieberhaftes Streben im Namen des »Fortschritts« in eine historische Sackgasse?

Wenn der Mensch rein zufällig auf die Erde kam, wenn es durchaus auch möglich war, dass die Kontinente nur Pflanzen und Insekten beherbergen und Dinosaurier den Planeten beherrschen würden, dann ist unsere menschliche Zivilisation besonders kostbar und einzigartig. Bedenkt man jedoch, mit welchem Tempo sie gedankenlos ihre Umwelt zerstört und Golems und frankensteinsche Monster hervorbringt, die sich jederzeit ihrer Kontrolle entziehen können, dann stellt sich unwillkürlich die Frage: Führt - im Gegensatz zu den Theorien Wernadskis und anderer Anhänger des Determinismus - unser fieberhaftes Streben im Namen des »Fortschritts« in eine historische Sackgasse? Stehen wir nicht an der Schwelle einer neuen Vertreibung aus dem Paradies, durch die nicht mehr nur der einzelne Mensch, sondern die ganze Menschheit sterblich wird?

Es gibt keine Antwort auf diese Frage, aber letztlich hat jedes Lebewesen einen Selbsterhaltungstrieb, und wir Menschen sind keine Ausnahme. Deshalb müssen wir die Erde unversehrt lassen, müssen versuchen, mit den bösen Geistern, die wir aus der Flasche gelassen haben, fertig zu werden, und hoffen, dass sie sich uns unterwerfen werden.

All die Maßnahmen, die wir unbedingt ergreifen müssen, sind so umfangreich, und die Biosphäre ist ein so komplexes System, dass manche Wissenschaftler bereits an der Möglichkeit zweifeln, die Lebensprozesse auf der Erde zu regulieren. Der russische Biologe K. Lossew schreibt zum Beispiel: »Die Biosphäre existiert bereits seit fast vier Milliarden Jahren. Während dieser gewaltigen Zeitspanne regulierte sie mit größter Genauigkeit all ihre Systeme und schuf optimale Bedingungen für alle Lebensformen, die es in jedem Stadium der Entwicklung gab. Dies sorgte für eine dynamische Nachhaltigkeit der Umwelt und der Genome der Organismen. Dann erschien der Mensch, nutzte den fossilen Brennstoff (also jenen Energieüberschuss, den die Biosphäre früher aus der Umwelt abgezogen hatte, um ihre Nachhaltigkeit zu bewahren) und begann, mit dessen Hilfe die Biosphäre zu zerstören, ohne sich über die Folgen Gedanken zu machen. Indessen zeigen bereits die ersten Untersuchungen der Biosphäre als ganzheitliches System, dass sie unendlich komplexer ist als die Zivilisation. In ihr fließen Informationsströme, mit denen die Umwelt gesteuert wird und deren Kapazität auch die künftigen Möglichkeiten zur Bearbeitung der Informationsströme in der Zivilisation um ein Vielfaches übertrifft. Deshalb wird der Mensch die ganze Komplexität dieses Systems kaum jemals durchschauen, geschweige denn es lenken können.

Hier rühren wir an eines der größten Geheimnisse des Lebens. Vielleicht kommt die buddhistische Religionsphilosophie seinem Verständnis am nächsten, da sie den Menschen in den allgemeinen Kreislauf der Natur und des Lebendigen einbezieht und sämtliche Formen des Lebens für heilig erachtet. Aber der Respekt vor dem Leben ist nicht nur dem Buddhismus eigen. Heute braucht die vielgesichtige und doch einheitliche Menschheit eine neue Lebensphilosophie, eine neue Ethik, in der sich die allen Religionen gemeinsamen, auf dem Konsens der Völker der Welt beruhenden Grundwerte herauskristallisieren. Zur Erarbeitung dieser »globalen Ethik« rufen bereits so unterschiedliche Persönlichkeiten wie Papst Johannes-Paul II., der jordanische Prinz Hassan bin Tallal und die birmesische Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kiy auf. Ihren Stimmen möchte ich meine hinzufügen.

Es hat keinen Sinn anzunehmen, dass wir das Leben steuern könnten. Aber gestützt auf unsere Vernunft und unsere Gefühle, unser Wissen, unsere Liebe zum Leben und zu unserem Nächsten, unseren Glauben und unsere Arbeitskraft, können wir versuchen, ein Maximum dessen zu bewahren, was noch zu bewahren ist, können wir lernen, das Leben zu respektieren, es nicht zu zerstören und dadurch den Fortbestand der Menschheit zu sichern.

Wie der große amerikanische Schriftsteller William Faulkner weigere ich mich, die Möglichkeit des Endes der Menschheit zu akzeptieren - gleichgültig, welche Prüfungen ihr noch beschieden sind.

Das ist mein Kredo - das eines unverbesserlichen Optimisten. >>>>>>>>>>>>>>>

Michail Gorbatschow

geboren 1931,
war von 1985 bis 1991
Generalsekretär der KPdSU und Staatsoberhaupt der Sowjetunion.
Er leitete die radikale Wende in der Außen- und Innenpolitik seines Landes ein, die zu einem
völligen Wandel des Ostblocks führte und 1990 die
deutsche Wiedervereinigung ermöglichte.

1990 erhielt er den
Friedensnobelpreis,

1991 trat er von seinen politischen Ämtern zurück.

Seit 1992 leitet er die Aktivitäten
von »Green Cross International«.

Er gilt als d
er »Baumeister des neuen Europa« und fordert eine ökologische und sozial gerechte Zukunft in
"Mein Manifest für die Erde"
Jetzt handeln für Frieden,
globale Gerechtigkeit und eine ökologische Zukunft".

Er steht für Demokratisierung
und Abrüstung – er beendete den Kalten Krieg und die Zweiteilung der Welt. Doch nach dem Zusammenbruch
der Sowjetunion ist die Chance vertan worden, eine friedliche Weltordnung zu schaffen, in der menschenrechte und
internationales Recht anerkannt, Ressourcen geschont und die Grundbedürfnisse aller Menschen befriedigt werden.

Die Ungleichheit in der Welt ist die Ursache für die heutigen internationalen Konflikte, die es zu
bekämpfen gilt.

Seit mehr als einem Jahrzehnt
widmet Gorbatschow sein Engagement dem Schutz der Erde. 1992 gründete er die Organisation »Green Cross International«, die sich in über 30 Ländern für Frieden, Umwelt und Gerechtigkeit einsetzt. In seinem Manifest für die Erde fordert Michail Gorbatschow, Armut, ökologische Krisen und militärische Auseinandersetzungen nicht länger isoliert voneinander
zu betrachten. Der Friedensnobelpreisträger
Michail Gorbatschow
wirft der Bush-Regierung vor,
in der Irak-Frage ein
"imperiales Gebaren"
an den Tag gelegt zu haben.
Ein demokratisches System
sei mit totalitären Mitteln vorgegangen. Neben die Menschenrechts-Deklaration und die UN-Charta setzt er eine ökologisch ausgerichtete »Erd-Charta«, denn die Umweltpolitik wird in Zukunft einer der wichtigsten Aspekte der Weltpolitik sein.



Michail Gorbatschow, Mein Manifest für die Erde, Zukunft Umweltpolitik, Weltpolitik,
USA impereales Gebaren, Irak, Gerechtigkeit, Völkerrecht,
homo sapiens oder robot sapien, blinder Fortschrittglaube.

© - Copyright
:
Leseprobe und Buchumschlag, campus-Verlag, Sämtliche Fotos, Text, Layout und Desig
n
Kultur Fibel Verlag GmbH, Berlin
und
JBM-marketing, PF 140315, D-40073 Düsseldorf



Oper-Ballett:

Oper La Traviata - Oper La Boheme - Oper Entführung aus dem Serail - Oper Die Liebe zu den drei Orangen - Oper Die Zauberflöte - Madame Butterfly
Oper Cosi fan tutte - Oper Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny - Oper Die Teufel von Loudun - Oper Der Waffenschmied - Oper Simon Boccanegra
Oper Orelando paladino - Oper Carmen - Oper Armida - Oper Der Spieler, Hrpok - Oper Fidelio
Oper Agrippina - Oper Der Türke in Italien - Oper Der Goldene Hahn - Ballett Dornröschen - Ballett Schneewittchen
Ballett Tanzgeschichte - Ballett Carmen Flamenco - Ballett Der Nussknacker - Ballett Martha Graham Company

Interviews:

Interview Lola Müthel - Interview Herbert Bötticher - Interview Ruth Drexel - Interview Ute Lemper
Interview Wolfgang Spier - Interview Judy Winter - Interview Romuald Pekny - Interview Helmut Griem

 


Meist besuchte Seiten
Kultur Fibel - Oper Ballet
- Musical Operette BallettTanzgeschichte Kinderwunsch Kunstgalerie Lustige Witwe Buecher Klimawandel Feng-Shu
i Ja zum Leben, ohne Einsamkeit? Eltern-Kinder-Erziehung Tochter-Mutter Kellerloch-4 Fotokunst Türke in Italien Romy Schneider Ziele der Kultur Fibel Romuald Pekny - Babylon Koenigreich Antike Varusschlacht/Kalkriese Germanischer Freiheitskrieg-Varusschlacht Ziele der Kultur Fibel Wirtschaftskrise - Gesellschaftskrise UTE LEMPER -Kinderwunsch, Schwangerschaft - Nachruf Judith Brock-Eilenberg - Oper La Traviata Heinrich Hofmann, Gemaelde - Arma Belen, Fotokunst Musical Sweeney Todd - Foto-Kunst pornografisierte Gesellschaft Galerie Kultur Fibel, Rhytmen, Ballett of Brasil Gesellschafts UTO -Utopie Qi Gong Heinrich Hofmann,Maler La Boheme Madame Butterfly - Die Hochzeit des Figaro - Erotische Skizzen / Meisterwerke des 20. Jahrhundert - Schlaf gut - Susi - Oper Orlando - Lola Müthel - Helmut Griem - Oper Der Spieler - Oper Simon Boccanegra - Oper Die Teufel von Loudon - Operette Der Vetter aus Dingsda - Kopfkissenbuch der Liebe - Joy of Sex - Performance Omega Performance Der Schacher Oper Fidelio - Oper Der goldene Hahn - Operette Die lustige Witwe - Tango Argentino,Tanguera - Oper Die Liebe zu den drei Orangen - INFEKTION-Foto art
- burnout effekt - Joschka Fischer Wandelroeschen RAF
Kunst Galerie 1 - Griechenland Euro Krise sexueller Kindermissbrauch - Oper Idemoneo Horst Köhler_Bundespräsident_Rücktritt - Oper_Rusalka - EVITA - Kamasutra, Supersex,
- Oper Carmen -
Don Giovanni - Lulu - Dionysos - Phädra -