Nach dem Terror


Nach dem Terror

Kultur Fibel Magazin
Bücher,Probelesen

Philosophie
Abraham Melzer Verlag
298 S. TB /
€ (D) 14,95
im Buchhandel
oder Kultur Fibel Verlag
RG. + Porto EUR 3,50

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AUSVERKAUFT
Der Verleger Abraham Melzer:
"Er steht weit über denen, die uns anklagen und denen,
die von uns ablenken wollen.
Ein ehrenwerter Deutscher, ein ehrenwerter Jude
und ein ehrenwerter Israeli".
Ted Hondrich.

Jüdische Interessengruppen schürten in Deutschland den Suhrkamp-Brumlik-Skandal (Herbst 2003). - "Philosophischer Judenhass" oder "Der paranoide Jude" oder eine infame Beleidigung und "antisemitisch"? Ein Wort, vor denen sich Deutsche aufgrund
ihrer heutigen Minderwertigkeit ducken.
Mit seiner Entscheidungmacht, das Buch nicht mehr aufzulegen,
hatte der Suhrkamp-Verlag keine Sternstunde.
Nachdruck erschienen im jüdischen Abraham Melzer Verlag

Ted Honderich

Länger zu leben ist auch kein kleines oder kleineres intrinsisches Gut, wie etwa die warme Sonne auf den Schultern zu spüren oder ein anregendes Gespräch oder, dass uns eine Last, die uns Jahre bedrückt hat, von der Seele genommen wird. Es ist ein sehr großes Gut, so groß, dass man sagen könnte, dieses elementare Führen des Lebens kann, auch in Abwesenheit aller anderen Dinge, den Geist erfüllen, ein Leben ausfüllen. Wir wollen es sehr. Wir kämpfen darum, meist stillschweigend. Es ist also nicht nur ein intrinsisches, sondern ein großes Gut.

Sind wir, wenigstens in diesem Punkt, dabei rational, so wollen wir noch etwas anderes genauso sehr: Die Mittel zu diesem Zweck, die Mittel zum längeren Leben. Es geht um Obdach, ausreichend Essen und Trinken, Gesundheit, Sicherheit und ähnliches, nicht zu viele Mühen und Qualen. Ein wichtiger Teil dieser Dinge, wenn nicht ihr hauptsächlicher Zweck, ist, dass sie notwendig sind, um die Alternative zum Leben, das heißt das Nicht-Weiterleben, zu vermeiden. Mein eigenes Länger-Leben ist ein großes intrinsisches Gut und eine Befriedigung für mich, und ich messe darum den Mitteln zu diesem Zweck einen hohen Wert bei. Jedoch nicht nur dies.

Ein weiterer Punkt kommt hinzu: Ob jemand anderer länger lebt, kann mir genauso wichtig sein. Es kann mir sogar noch mehr am Herzen liegen. Es liegt in unserer Natur, zu wollen, dass unsere Kinder länger leben, und selbstverständlich auch, dass sie die nötigen Mittel zu diesem Zweck haben. Kennen wir nicht viele Menschen, die Vieles in ihrem Leben für ihre Kinder aufgeben, vielleicht auch für ihre Lebenspartner? Um bei derselben Frage zu bleiben, kennen wir nicht viele, die die längere Lebensdauer ihrer Kinder um den Preis einer eigenen verkürzten Lebensdauer sichern würden? Sie wollen die län-gere Existenz ihrer Kinder lieber, als selbst länger zu existieren. Man könnte meinen, das könnte uns mit Stolz auf die Menschheit erfüllen.

Gibt es Gegenbeispiele zu diesen Aussagen über das große Gut des Länger-Lebens? Die Killer, die die Flugzeuge in die Zwillingstürme des World Trade Centers flogen, fallen einem da ein. Sie wählten nicht nur, das Leben vieler anderer zu zerstören, sondern auch ihr eigenes Leben zu verkürzen. Sie verübten ihre mittelalterlich schrek-kliche Tat, so sagt man uns, im religiösen Ver-trauen auf ein zukünftiges Leben, im Vertrauen auf die Unsterblichkeit. Wenn das wirklich wahr ist, wählten sie gerade nicht, ungeachtet dessen, was man sonst über sie sagen mag, die Verkürzung ihrer eigenen Existenz, sondern gerade deren unendliche Verlängerung. Ihre schrecklichen Taten, was auch immer man sonst über sie sagen mag, zählen nicht als Einwand gegen die These, dass länger zu leben ein großes Gut ist, zu dem wir die Mittel wollen.

Könnten wir stattdessen denken, und dazu neige ich selbst, dass die Killer des Elften September wahrscheinlich nicht im gewöhnlichen Sinn sicher waren, ein Leben nach dem Tod zu erlangen? Dass es unwahrscheinlich ist, dass sie im wörtlichen Sinn an ein Weiterleben nach dem Tod glaubten? Ein solcher buchstäblicher Glaube ist nicht sehr verbreitet, auch nicht unter religiösen Menschen. Von sich zu behaupten, man glaube buchstäblich daran, ist vielleicht mit gleicher Wahrscheinlichkeit Ausdruck einer Hoffnung, oder ein Bekräftigen der eigenen Entschlossenheit, oder eine moralische und politische Selbstdarstellung. Aber lassen wir den Elften September für eine Weile beiseite.

Es ist sicher eine Tatsache, dass einige Männer und Frauen im Laufe der Geschichte ihr Leben für eine große oder eben notwendige Sache hingegeben haben, etwa für die Sache ihres Volkes, für eine Sache, von der wir annehmen dürfen, dass sie wichtig oder notwendig war. Viele Hungerstreikende haben ihren Streik bis zu ihrem Ende fortgesetzt, unter ihnen wenigstens einige auch ohne den Glauben an die Unsterblichkeit. Diese Tatsache passt zu den alltäglicheren aber ebenfalls einschlägigen Fakten einer hohen Risikobereitschaft, zum Beispiel im Krieg oder um andere zu schützen, bei Unfällen oder bei Rettungsversuchen. Einige von uns opfern wirklich ihre Leben. Captain Oates ging in die Antarktis hinaus mit der Bemerkung, er werde jetzt für einige Zeit fort bleiben.

Unter diesem Gesichtspunkt wage ich zu behaupten, dass viele US-Bürger, und nicht nur Verwandte der Opfer, ihre eigenen Leben gegeben hätten, Selbstmord verübt hätten, um das zu verhindern, was mit den Zwillingstürmen geschah. Darüber besteht kaum ein Zweifel. Gewöhnliche Selbstmörder gibt es auch, und nicht wenige.

Alle diese Fakten müssen wir zugeben; sie vertragen sich jedoch mit der Wahrheit, dass länger zu leben, fortzufahren zu existieren, einen großenWert beinhaltet, der von fast allen um seiner selbst willen gewollt wird, und zu dem wir ebenfalls die Mittel wollen. . .

Postskriptum ohne Reue

Das Buch, das du in Händen hältst, hat schon eine Geschichte hinter sich, zu der du zu Recht vielleicht ein paar Worte erwartest.
Diese Geschichte bezieht sich nicht auf das Hauptthema des Buches, sondern auf etwas anderes, insbesondere den Absatz auf S. 231 f., in dem zum ersten Mal in dem Buch das moralische Recht der Palästinenser auf ihren Widerstand gegen den israelischen Staat erklärt wird.

Als dieses Buch im September 2002 zum ersten Mal veröffentlicht wurde, erregten dieser und der auf ihn folgende Absatz die Aufmerksamkeit von Neo-Zionisten in Kanada und den USA. Ich meine natürlich nicht einfach Zionisten, also Menschen, die die Gründung des Staates Israel unterstützt haben und unterstützen – ich bin einer von ihnen. Ich meine vielmehr jene, darunter nicht nur Juden, die offen oder eher noch verdeckt Israels Land-nahme auf palästinensischem Gebiet außerhalb der Grenzen Israels vor 1967 unterstützen.

Eine Zeitung in Toronto, The Globe and Mail, hat einen Neo-Zionistischen Herausgeber und erfuhr, dass 5.000,- £ aus den Tantiemen für das Buch an Oxfam gespendet werden sollten – genauer, an Oxfam GB, den britischen Zweig der internatio-nalen Wohltätigkeitsorganisation. The Globe and Mail setzte die Organisation unter Druck. Im Fall, dass Oxfam das Geld nicht ablehne, würde man eine Story bringen, dass Oxfam Geld von einem Terroristen-Sympathisanten annähme.

Der stellvertretende Direktor von Oxfam GB gab der Drohung nach und lehnte die Spende ab, womit er Ehre und Ansehen seiner Organisation beschädigte. Sein Verhalten erntete implizit oder explizit Kritik in The Guardian, The Independent und anderen britischen Zeitungen. Keine Zeitung unterstützte oder entschuldigte sein Handeln.

Schwächt die Oxfam-Episode mein Vertrauen in das, was du gelesen hast? Nicht um eine Silbe, darauf kannst du Gift nehmen.

Im August 2003 schrieb Micha Brumlik, Direktor eines Zentrums für Holocaust-Studien in Deutschland und Professor der Erziehungs-wissenschaften, in der Frankfurter Rundschau einen offenen Brief an den Suhrkamp-Verlag, der die erste deutsche Übersetzung meines Buches herausgebracht hatte. Der Brief verurteilte das Buch als antisemitisch. Er rief den Verlag dazu auf, das Buch vom Markt zu nehmen.

Am folgenden Tag veröffentlichte der bedeutende deutsche Philosoph Prof. Dr. Jürgen Habermas einen Artikel in derselben Zeitung. Wie jeder Deutsche war er bestürzt darüber, den Vorwurf des in seiner Umgebung zu hören. Aber er schrieb, er habe das Buch dem Verlag persönlich zur Veröffentlichung empfohlen, habe es in der Nacht zuvor noch einmal gelesen und finde keinen Antisemitismus darin.

Am nächsten Tag kündigte der Verlag trotz dieser Beurteilung an, dass er in gewisser Weise Brumliks Forderung nachgeben und das Buch vom Markt nehmen werde. Es stellte sich heraus, dass damit die schmerzlose Entscheidung gemeint war, die deutsche Übersetzung des Buches nicht weiter zu drucken, vielleicht war sie ausverkauft.

Schwächt dieser Vorwurf des Antisemitismus mein Vertrauen in das, was du gelesen hast? Nicht um eine Silbe, darauf kannst du Gift nehmen.
Die englischen Ausgaben und die erste deutsche Übersetzung enthielten eine irrige Darstellung darüber, wo russische Immigranten nach Israel und Palästina sich schließlich angesiedelt haben. Die deutsche Übersetzung, die du jetzt liest, kann immer noch in einem anderen beiläufigen Faktum oder
einer Meinung einen Irrtum enthalten. Aber nichts in dem Buch wird durch eine bestimmte Sache in Zweifel gezogen.

Mit dieser Sache meine ich eine schmutzige Ethik zur Unterstützung einer schmutzigen Politik, der Politik des Neo-Zionismus. Bei der Verurteilung dieses Buches ging es nicht eigentlich um das Töten Unschuldiger oder eine ähnliche moralische Frage. Es ging darum, einem anderen Volk mehr von seiner Heimat und seiner Existenzgrundlage wegzunehmen.

Dieses Buch verdankst du in seiner neuen Übersetzung dem Melzer Verlag; es ist das Ergebnis von Herrn Abraham Melzers Prinzipientreue und Entschlossenheit. Er steht weit über denen, die uns anklagen und denen, die von uns ablenken wollen. Ein ehrenwerter Deutscher, ein ehrenwerter Jude und ein ehrenwerter Israeli.

Ted Honderich
Auszug
Gute Leben – schlechte Leben

Länger leben
Was macht ein gutes Leben aus? Zuerst einmal ist ein gutes Leben eines, das lang genug andauert. Ein kurzes Leben mag gut sein, solange es dauert, es mag anderen in süßer Erinnerung bleiben. Aber wenn es nur halb so lange dauert, wie es hätte dauern sollen, wenn es so verkürzt ist, ist es kein gutes Leben. Ein gutes Leben mag so lang sein wie eines, an das man sich erinnert, vielleicht wie das Leben meines Vaters, der während seiner Mittagsruhe entschlief. Es mag fünfundsiebzig Jahre dauern.

Aber eine Dauer von fünfundsiebzig Jahren allein macht natürlich ein Leben noch nicht zu einem guten Leben. Wenn es voller Enttäuschungen war, gar belastet von Sorgen und Rückschlägen, wäre es kein gutes Leben gewesen. Man kann sich fragen, ob manche Leben besser gewesen wären, hätten sie kürzer gedauert, wären sie nicht verlängert worden, und noch mehr. Manche Leben werden von denen, die sie führen, zu recht verkürzt. Jeder von uns sollte am Ende das moralische und juristische Recht haben, seine Existenz zu beenden.

Also macht die Dauer des Lebens an sich nicht das gute Leben aus. Aber ist es darum falsch, zu sagen, dass lange genug zu leben auch Teil eines guten Lebens ist? Nein, länger zu leben hält fast jeder für gut. Dies wird durch die Tatsache illustriert, dass selbst ein Leben, das in keiner Weise gut scheint, für den Menschen, der es führt, besser ist als keines. Eine betagte Tante mag vielleicht äußern, dass sie ein volles Leben gelebt und eine schöne Zeit verbracht habe, und dass es ihr nichts ausmache zu sterben; dennoch wollen wir fast alle mit dem Leben fortfahren. Ist dies nicht unser erster, unser ständiger und schließlich unser letzter Wunsch? Manche nennen dies den Selbsterhaltungstrieb. Nur wenige unter uns sind so unglücklich, dass sie es wirklich vorziehen, nicht am Leben zu sein. Fast alle von uns wollen weiterleben, sogar wenn die Dinge schlecht stehen, sogar wenn sie schrecklich sind. Fast niemand wählt für sich das Aufhören der eigenen Existenz. Können wir also sagen, dass länger zu leben ein intrinsisches Gut für fast jeden ist – das heißt, ein Gut an sich und nicht nur ein gutes Mittel zu einem anderen Zweck? Es scheint so, vor allem wenn wir »leben« in diesem alltäglichen Sinn verstehen. Es bedeutet nicht nur zu leben, wie eine Pflanze vegetiert. Auch nicht bloß die Idee, dass wir selbstbewusst sind, dass es eine persönliche Welt gibt, obwohl dies grundlegend und wichtig ist. Vielmehr beinhaltet die Vorstellung, die wir vom Leben haben, eine elementare Befriedigung, die mit dem Dasein zu tun hat statt mit dem Bewusstsein, vielleicht die Befriedigung, die Dinge wahrzunehmen und ihre Veränderung zu beobachten, kleine Alltagsdinge zu verrichten und zu hoffen, dass dies eine Weile so weitergehen wird.

Es ist also nicht die davon verschiedene und ehrgeizigere Vorstellung, die wir ausdrücken, wenn wir davon sprechen, dass die Qualität unseres Lebens hoch sein soll, dass wir eine bessere Lebensqualität wollen. Dabei geht es uns vielleicht darum, ein Ferienhäuschen besitzen zu wollen, oder eines, das an einem schöneren See liegt als das alte. Aber bloß weiterleben wollen, länger leben wollen, das ist sicherlich nicht bloß wünschenswert. Es braucht nicht weiter groß von anderem, das wir außerdem wollen, unterschieden werden, es ist tatsächlich für fast alle ein intrinsisches Gut. Wir wollen es um seiner selbst willen, ob es nun ein Mittel zu einem anderen Zweck ist oder nicht. Der antike griechische Philosoph Epikur rät uns, uns nicht um den Tod zu sorgen, weil dieser selbst nicht erlebt wird – wo man selbst ist, da ist der eigene Tod nicht und wo der Tod ist, da ist man selbst nicht mehr. Das tröstet nur leicht zu beeindruckende Logiker.

26. November 2003
Ende der Auszüge


Gute Leben - schlechte Leben, Neo-Zionismus, Antisemitismus, Völkermord, Landbesetzung in Palästina, Mordaufträge vom Staat
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Abraham Melzer Verlag / Buchumschlag und Foto: Kerstin Meincke
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