Kultur Fibel Magazin
  Helmut Kohl


Helmut Kohl
Erinnerungen
Band I, 1930 -1982


Erinnerungen

Droemer
- Verlag

600 S. Leinen
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Helmuth Kohl, amazon,´.de

»Es sind so viele politische Klischees über meinen Werdegang und meine Regierungszeit in die Welt gesetzt worden, dass die Legenden über die historischen Zusammenhänge bereits zu verdrängen drohen,
wie es wirklich war. Deshalb habe ich nun selbst zur Feder gegriffen.« Helmut Kohl

Helmut Kohl ruft ein halbes Jahrhundert
Zeitgeschichte wach, die Geschichte Deutschlands seit dem Krieg, wie er sie erlebt hat.

Hannelore und Helmut Kohl

offiziell ins Leben riefen, taten sie es im engen Kontakt zu den Gründerkreisen der CDU in Berlin, im Rheinland und anderen Orten sowie der CSU in Bayern, nicht zuletzt zum Regierungspräsidenten von Unterfranken Adam Stegerwald in Würzburg. Stegerwald, der erste Vorsitzende des 1919 aus der christlichen Gewerkschaftsbewegung hervorgegangenen Deutschen Gewerkschaftsbunds und Reichsarbeitsminister von 1930 bis 1932, hatte sich bereits 1920 für die Gründung einer überkonfessionellen, christlich und sozial orientierten Partei ausgesprochen.

Helmut Kohl
Helmut Kohl


Die vielen, zunächst unkoordinierten Parteigründungen lassen erkennen, wie stark der Gedanke an eine gesellschaftliche und politische Erneuerung auf christlicher Grundlage die Menschen 1945 bewegte. Protestanten und Katholiken hatten eingesehen, dass konfessionelle Gegensätze sie im Kampf mit den Feinden der Freiheit in der Weimarer Republik nur geschwächt hatten. Daneben stand das Bemühen, allen Schichten unseres Volkes eine politische Heimat zu geben, sowie der feste Wille zur föderalen Einheit Deutschlands.
»Die Idee der Union lag in der Luft«, hat Jakob Kaiser, der Berliner CDU-Vorsitzende, 1947 rückblickend gesagt. Ihre Gründung bedeutete in vielfacher Hinsicht ein Zeichen der Hoffnung in schwerer Zeit, ein Symbol für den deutschen Neuanfang nach dem 8. Mai 1945. Unsere Partei verdankt ihren Ursprung, so sagte es einmal Robert Tillmanns, der spätere Vorsitzende des Evangelischen Arbeitskreises der CDU/CSU, »echter politischer Neubesinnung, geboren im Schmelztiegel der Katastrophe von 1945. Das unterscheidet sie wesentlich von allen anderen politischen Parteien.« Die Union hatte ihre Wurzeln ganz wesentlich im Widerstand gegen die Nazibarbarei. Der spätere Bundestagspräsident Eugen Gerstenmaier sprach davon, dass ihre Gründung eigentlich »in den Gefängnissen von Tegel« stattgefunden habe.
Von alldem erfuhr ich in der politischen Sonntagsschule bei Dekan Finck in Limburgerhof. Er verkörperte ein Stück Kontinuität zwischen der ersten deutschen Demokratie vor 1933 und dem Neuanfang nach 1945, der zur Gründung der Bundesrepublik führte. Der Vordenker und erste Vorsitzende der pfälzischen CDU vermittelte in seiner Gesprächsrunde der nächsten Generation das christlichsoziale Gedankengut und verschaffte mir darüber hinaus erste Einblicke in die spannende parteipolitische Praxis. Wir diskutierten über die Grundlagen der Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung für den künftigen demokratischen Staat. Insbesondere machte Finck uns vertraut mit der katholischen Soziallehre und dem Leitgedanken der Subsidiarität, also der Hilfe zur Selbsthilfe und Selbstverantwortung. In der Nachkriegsgesellschaft gab es darüber heftige Debatten. Sozialisten und Kommunisten, die zentralistisch und dirigistisch dachten, lehnten jede Form von Subsidiarität ab.
Ich bekam in der Obhut von Finck aber auch die politischen Kämpfe gegen einen neuen Separatismus links des Rheins unmittelbar mit. Durch das Potsdamer Abkommen war das Deutsche Reich nach dem Willen der Siegermächte in vier Besatzungszonen und das gemeinsam besetzte Berlin aufgeteilt.
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Konrad Adenauer, Helmut Kohl
Konrad Adenauer an seinem 91. Geburtstag

In den letzten beiden Jahren vor seinem Tod bewegten sich unsere Gespräche immer um die Zukunft der deutschen Innen- und Außenpolitik und auch um die Zukunft der CDU. Es gab wohl nur wenige, die so unter der wechselvollen politischen Entwicklung in Europa litten wie Konrad Adenauer. Für ihn war Europa das Ziel seines politischen Lebens. Nur hier sah er eine Chance für ein wiedervereinigtes Deutschland. Welch eine politische Weitsicht!
Auch sein entschiedenes Bemühen um die deutsch-französische Freundschaft war eingebettet in die größere europäische Vision. Nicht zuletzt aus diesem Grund pflegte er zum Land Rheinland Pfalz eine herzliche Freundschaft. Der deutsche Südwesten und die Menschen in dieser Region lagen ihm. Gerade das Grenzlandschicksal der Pfalz rührte ihn stark an. Als ich ihm unser Wahlkampfmotto für die Landtagswahl am 23. April 1967 »Rheinland-Pfalz - junges Land mit Zukunft« erläuterte, war er hellauf begeistert.
Ich kenne keinen handelnden Politiker dieser Generation, der die europäische Idee und den Gedanken der gemeinsamen deutsch-französischen Zukunft mit einer vergleichbaren Leidenschaft verfocht. Ich habe in meinem Leben überhaupt nur wenige Politiker getroffen, die mit einer solchen Intensität des Geistes, aber auch des Herzens, eine politische Idee verfolgten. Noch in seinem einundneunzigsten Lebensjahr war Konrad Adenauer jugendlicher, elastischer und stürmischer als viele jüngere Zeitgenossen.
Seine Vorstellungen von der Christlich-Demokratischen Union und ihren Entwicklungschancen, die er in unseren Gesprächen über die Zukunft der CDU entwarf, waren stark von dem Gedanken bestimmt, dass diese CDU sich von dem Gesetz ihres Anfangs nicht entfernen durfte. Konrad Adenauer war bekennender katholischer Christ. Er war alles andere als ein Frömmler. Durch alles Auf und Ab seines langen Lebens war er seinem Glauben treu geblieben. In seinem Schlafzimmer gab es einen Betschemel, aber auch ohne solche äußeren Zeichen konnte man etwas ahnen von seiner Frömmigkeit. Adenauer ging in seinem politischen Denken ganz wesentlich vom christlichen Menschenbild aus. Das war für ihn die Grundlage seiner Politik schlechthin.
Seine Hoffnung galt vor allem der jungen Generation, von der er erwartete, dass sie unvoreingenommen und unbelastet von der Geschichte des Dritten Reichs an die poli-tischen Fragen unserer Tage herangehen würde. <<<

Klug, kämpferisch und mit manch überraschender Wendung schildert Helmut Kohl in den Erinnerungen 1930 – 1982 seinen Weg zur Kanzlerschaft – von den Anfängen seines politischen Engagements als Sechzehnjähriger bis zu jenen dramatischen Tagen im Herbst 1982, als die Regierung Schmidt in einem konstruktiven Misstrauensvotum abgelöst und Helmut Kohl zum neuen Bundeskanzler gewählt wird.
Vor allem zwei Einflüsse waren maßgeblich für Helmut Kohls weiteren Lebensweg: das Elternhaus mit seiner christlich-liberalen und patriotischen Grundeinstellung und die Erfahrung des Krieges, in dem er seinen Bruder Walter verlor. Helmut Kohl spannt den Bogen dieses ersten Teils seiner Erinnerungen von den Kriegsjahren in Ludwigshafen bis zu den siebziger und achtziger Jahren, die in einem heute kaum mehr vorstellbaren Ausmaß polarisiert waren. Es waren die Jahre der Studentenunruhen, des Terrorismus und des erbitterten Streits um die Nato-Nachrüstung, und es war die Zeit der ersten Ölkrise, als die wirtschaftliche und soziale Sicherheit der jungen Bundesrepublik zum ersten Mal erschüttert wurde. So sind diese Memoiren weit mehr als die Bilanz seines persönlichen Lebens: Helmut Kohl ruft ein halbes Jahrhundert Zeitgeschichte wach, die Geschichte Deutschlands seit dem Krieg, wie er sie erlebt hat.
Und Helmut Kohl erzählt von den Menschen, die diese Zeit prägten. Konrad Adenauer, Theodor Heuss, Kurt Schumacher oder Ludwig Erhard, die »großen alten Männer« der Nachkriegszeit, werden in seinen Schilderungen ebenso wieder lebendig wie Kurt Georg Kiesinger, Herbert Wehner, Willy Brandt und Franz Josef Strauß.
Zentrales Thema seiner Memoiren ist auch seine Partei, deren Vorsitzender Helmut Kohl fünfundzwanzig Jahre lang war. Mit viel Energie hat er die programmatische Erneuerung der Christlich Demokratischen Union und ihre Entwicklung zur Volkspartei mitgestaltet. In der CDU und mit der CDU hat er Themen gesetzt, die für die Zukunft des Landes von entscheidender Bedeutung waren.

Helmut Kohl, Hochzeit mit Hannelore am 27. Juni 1960 (o.)
Ein Wochenende mit der ganzen Familie, Hannelore Kohl,
den Söhnen Peter und Walter (u.)
Hannelore, Helmut Kohl und Söhne
Helmut kohl, 1. Schuljahr
Georg Kiesinger, Helmut Kohö
Helmut Kohl, 1. Schuljahr

Ich weiß noch, dass ich ein Büchlein des 1933 untergegan-genen Volksvereins für das katholische Deutschland mitbekam, eine Abhandlung des Theologen und Moralphilosophen Victor Cathrein zum Verhältnis von Sozialismus und Christentum. Darüber referierte ich dann mehr oder weniger kenntnisreich. Zugegeben: Das Pfarrhaus besaß nicht allein eine geistige und geistliche Anziehungskraft, sondern lockte uns während dieser Hungerjahre auch deshalb an, weil die Haushälterin, eine Cousine Fincks, uns immer ein Stück Kuchen oder ein Stück Brot mit Wurst auftischte.
Der Dekan strahlte eine natürliche Autorität aus. Er mochte mich, und ich kam nun häufig nach Limburgerhof. Johannes Finck erwies sich nicht nur als ein bedeutender Theologe und Seelsorger, er war auch ein erfahrener und weitblickender Politiker. Aus seinen Erzählungen erfuhr ich vieles über die Weimarer Republik. Damals hatte er gemeinsam mit seinem Bruder Dr. Albert Finck, den ich im Pfarrhaus von Limburgerhof bald ebenfalls kennen lernte, schon eine beachtliche Rolle gespielt. Beide waren gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts in Herxheim, einem katholischen Dorf in der Südpfalz, geboren. Sie entstammten einer kinderreichen Familie aus einfachen Verhältnissen. Das religiöse Elternhaus bestimmte sie zum Priestertum. Beide durften in München studieren. Albert, der Jüngere, brach die Ausbildung zum Priester ab. Er wurde nicht Theologe wie sein älterer Bruder, sondern ging in den Journalismus, nachdem er als Reserveleutnant aus dem Ersten Weltkrieg zurückgekehrt und in Philosophie promoviert worden war.
Auch Johannes Finck hatte eine starke publizistische Ader. Der Geistliche gründete 1921 mit Gleichgesinnten aus der Zentrumspartei die Neue Pfälzische Landeszeitung. Gemeinsam übernahmen die beiden Fincks die Redaktion in Ludwigshafen. Die junge Zeitung geriet bald mitten hinein in die internationalen Auseinandersetzungen um das besetzte linke Rheinufer, mitten hinein in den Ruhrkampf 1923. Die Fincks stellten sich entschieden gegen den Separatismus und machten sich um den Verbleib ihrer Heimat, der Pfalz, im Deutschen Reich verdient. Gleichzeitig warben sie aber schon früh für eine deutsch-französische Verständigung. Ganz gegen den revanchistischen Zeitgeist lehnten sie es ab, die sogenannte Erbfeindschaft mit dem Nachbarn am Rhein zu predigen.
Von Johannes und Albert Finck hörte ich zudem von der erbitterten Gegnerschaft, die innerhalb des »schwarzen« Lagers während der Weimarer Republik aufgebrochen war. Auf der einen Seite stand das Zentrum, die alte Partei der Katholiken aus dem Kaiserreich, auf der anderen Seite die Bayerische Volkspartei (BVP). Beide Richtungen trafen gerade in der Pfalz, dem linksrheinischen Teil Bayerns, massiv aufeinander - mit der kuriosen Folge, dass in vielen Kirchengemeinden der alte Pfarrer zu der eher konservativ-monarchistischen BVP neigte, der junge Kaplan aber zur Zentrumspartei. So rief dann der Kaplan in der Frühmesse die Leute auf, Zentrum zu wählen, dagegen empfahl der Pfarrer kurz darauf im Hochamt in demselben Gotteshaus, für die Bayerische Volkspartei zu votieren.
Der Konflikt ging bis ins private Umfeld hinein, wie ich aus der eigenen Familienüberlieferung weiß. So stimmte meine Mutter 1925 bei der Reichspräsidentenwahl für Wilhelm Marx vom Zentrum, den gemeinsamen Kandidaten der Weimarer Demokraten. Mein Vater hingegen gab seine Stimme im zweiten Durchgang dem Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg, wie es die Bayerische Volkspartei empfahl.
Der damalige Bischof von Speyer, Ludwig Sebastian, hing am Haus Wittelsbach und am bayerischen König, der ihn 1917 noch ins Amt berufen hatte. Der Bischof und weite Teile des Klerus machten keinen Hehl aus ihrer Sympathie für die Bayerische Volkspartei. Dagegen vertraten die Fincks in der Pfalz die sozialeren und nationaleren Positionen der Zentrumspartei. Johannes Finck, der führende Kopf des pfälzischen Zentrums, zog 1928 als Abgeordneter in den Münchner Landtag ein. Er verkörperte den klassischen politischen Typus des »Zentrumsprälaten«.
Beide Fincks waren mutige Gegner der Nationalsozialisten und namentlich des mächtigen Gauleiters der Pfalz, Josef Bürckel. Die neuen Herren nach 1933 verboten den Finck-Brüdern die politische Arbeit.

Albert und Johannes Finck
Albert (li.) und Johannes Finck vor dem Berliner Reichstag
während der Zeit der Weimarer Republik

Während sich Johannes Finck als Seelsorger in seine Pfarrei Limburgerhof zurückzog, wurde der Ludwigshafener
Chefredakteur Albert Finck für mehrere Wochen ins Gefängnis geworfen. Er musste dann als Versicherungs-vertreter und Aushilfslehrer seine Familie mehr schlecht als recht ernähren.


1945 machten Johannes und Albert Finck sich zusammen mit vielen anderen Persönlichkeiten in Deutschland unverdrossen an den demokratischen Wiederaufbau. Noch vor Kriegsende und erst recht in der Zeit danach trafen sich im Pfarrhaus von Limburgerhof Vertreter aus allen politischen Lagern, um die Zukunft zu besprechen. Zu den willkommenen Gästen und Gesprächspartnern
von Johannes Finck hatte während des Dritten Reichs auch ein Mann wie Pater Alfred Delp gehört, bekannt als Mitglied der Widerstandsbewegung des 20. Juli 1944. Nach dem Krieg bildete das Pfarrhaus von Limburgerhof eine Geburtsstätte der christdemokratischen Partei. Hierher kam auch Gustav Heinemann aus Essen, damals einer der führenden Protestanten innerhalb der CDU.


Pfarrer Finck pflegte auch gute persönliche Kontakte zu den beiden späteren evangelischen Kirchenpräsidenten der Pfalz, Hans Stempel und Theo Schaller.
Johannes und Albert Finck haben mit großer Entschiedenheit die Idee bekämpft, die katholische Zentrumspartei wieder zu begründen. Eine zwingende Konsequenz aus dem Scheitern der Weimarer Republik und der NS-Zeit lautete, das Wagnis einer neuen Partei zu versuchen, in der evangelische und katholische Christen gemeinsam am moralischen, politischen und wirtschaftlichen Neubeginn Deutschlands arbeiten. So wurde namentlich Johannes Finck zum Hauptgründer der Christlich-Demokratischen Union in der Pfalz. Als er und seine Mitstreiter nach heftigen Auseinandersetzungen mit den Zentrumsanhängern schließlich die CDU in der Pfalz

Zwei CDU-Parteivorsitzende: Georg Kiesinger (1967-1971) und
Helmut Kohl (1973-1998) >o.<
1. Oktober 1982; Vereidigung zum Bundeskanzler >u.<
Helmut Kohl

>>>Überall für die Kunst zu werben und eine gute Atmosphäre für sie zu schaffen - im Landtag, im Kabinett, in den Ministerien, in der Staatskanzlei und draußen im Land - verstand ich als meine Pflicht als Ministerpräsident. Im Jahr 1972 gelang es mit Hilfe von Landesmitteln, eine der umfangreichsten und schönsten Slevogt-Grafiksammlungen, die Sammlung Grünberg, anzukaufen. 1974 erfolgte der Erwerb einer prächtigen Jugendstilsammlung und der Ankauf der monumentalen Arp-Plastik »Schüssel des Stundenschlägers« als Geschenk der Landesregierung an die Stadt Mainz anlässlich der Einweihung des neuen Rathauses.
Ich erinnere mich noch gut an eine blitzschnelle Entscheidung, die ich mein Lebtag nicht bereuen werde. Der Mainzer Pfarrer Klaus Mayers hatte den hochbetagten Maler und Graphiker Marc Chagall für die künstlerische Gestaltung eines Glasfensters in der Kirche Sankt Stephan gewonnen. Der Entwurf lag bereits vor, jetzt ging es um die Finanzierung.
Ohne Rücksprache mit den Ministerkollegen aus den Finanz- und Kultusressorts sagte ich spontan Gelder der Landesregierung zu, so dass dem Künstler der Auftrag erteilt werden konnte. Als das Kirchenfenster mit dem Motiv »Abraham bittet Gott um Gnade für die Städte Sodom und Gomorrha« 1983 vollendet war, gehörte ich zu den vielen glücklichen Menschen im Lande, die sich darüber freuten.
Mein Berater in Kunstfragen war viele Jahre Berthold Roland, den ich als Kunstrat der Stadt Ludwigshafen kennen gelernt hatte. 1970 holte ich ihn als Kunstreferent für den Bereich Museen, Bildende Kunst und Literatur ins Kultusministerium. Roland war es auch, der durch die Vermittlung des Bildhauers Günther Oellers den Aktionskünstler Joseph Beuys und den Schriftsteller Heinrich Böll zu Gesprächen in die Mainzer Staatskanzlei holte.
Ich war von meiner Umgebung gewarnt worden, die da meinte, Joseph Beuys sei ein höchst schwieriger Zeitgenosse. Ständig lasse sich der kreative Plastiker und Zeichner über verrückte Dinge aus. Doch ich setzte mich über solche Hinweise gerne hinweg und erlebte einen Künstler in bester Erzähllaune. Selten hatte ich mit einem Intellektuellen einen so intensiven Gedankenaustausch. Der Mann, der mit Hilfe des nordrhein-westfälischen Kultusministers aus dem Amt des Leiters der Düsseldorfer Kunstakademie hinausgeworfen worden war, diskutierte mit mir über den Sinn von Kunstakademien, ihre gesellschaftliche Wirksamkeit in der Vergangenheit und Gegenwart. Seine Gedankenwelt war mir keineswegs fremd und hat mich sehr beeindruckt. Einige Jahre lang, bis zu seinem frühen Tod 1986, ließ er mich immer wieder herzlich grüßen.
Ganz anders meine Begegnung mit Heinrich Böll. Der geniale politische Nörgler und Schriftsteller hatte keine Ahnung von parteipolitischer Kärrnerarbeit. Politisch lebte dieser Mann in einem Wolkenkuckucksheim, in dem er auch bleiben wollte. Unsere Begegnung in der Mainzer Staatskanzlei blieb unergiebig. Der Kölner Katholik war voller Vorurteile und hatte wenig Sinn für Kommunal-, Landes- oder Bundespolitik. Seine ideologischen Scheuklappen waren so ausgeprägt, dass wir aneinander gerieten. Während ich ihm empfahl, sich doch aus der Politik herauszuhalten und sich ,ganz der Schriftstellerei, den Romanen und Gedichten, zu widmen, deklarierte er, dass ein Literat immer auch politisch Position beziehen müsse und somit dem Politiker sehr wohl etwas zu sagen habe.
Böll wirkte angespannt bis gequält, einfach unglücklich. Wir gingen auseinander mit dem Versprechen, uns wieder einmal zu treffen, um den schwierigen Dialog fortzusetzen, doch es ist nie dazu gekommen. Bölls Kampf gegen den Doppelbeschluss der Nato in den achtziger Jahren war (Helmut Schmidt) aggressiv und unverantwortlich. Darüber hätte ich mich gerne noch mit ihm gestritten.

Beim Thema Kunst sollte die Neuregelung der Verordnung »Kunst am Bau« aus den Jahren 1972/73 nicht vergessen werden.
Dabei handelt es sich um eine prozentual festgelegte Summe, die bei der Finanzierung öffentlicher Bauten für Kunst bereitgestellt werden muss und in enger Abstimmung zwischen dem Berufsverband für bildende Künstler und den zuständigen Referaten im Kultus- und Finanzministerium vergeben wird. Diese Regelung, an der ich kräftig beteiligt war, wurde damals bundesweit als vorbildlich anerkannt. 1975 konnte ich erstmals den Staatspreis für Kunst am Bau (bildende Kunst und Architektur) verleihen.
Mein wichtigster Einsatz im Bereich von Kunst und Kultur als Mainzer Ministerpräsident war aber sicherlich der Kauf der »Villa Ludwigshöhe« 1974. Das alte Wittelsbacher Schloss im Süden unseres Landes sollte uns als repräsentative Landeseinrichtung dienen. Wir waren zwar ein junges und nicht besonders reiches Land, doch für die Kunst musste mehr als bisher geschehen. Zusammen mit Finanzminister Johann Wilhelm Gaddum führte ich die Verkaufsverhandlungen mit dem Wittelsbacher Ausgleichfonds in München, die nach langwierigen Gesprächen erfolgreich zu Ende gingen. Dabei lernte ich Herzog Max von Bayern kennen, den Chef des Hauses Wittelsbach, der sich bei der Abfassung des notariellen Vertrags als ein ungewöhnlich aufgeschlossener und hilfsbereiter Mann erwies. Zuvor hatte ich mich gemeinsam mit Bernhard Vogel um den Erwerb des Gemäldenachlasses von Max Slevogt bemüht. Hunderteinundzwanzig Bilder des Malers schmücken seither die Max-Slevogt-Galerie in der Villa Ludwigshöhe.
Die erste Ausstellung im Bundeskanzleramt 1984 wurde übrigens mit Slevogt-Werken aus den Beständen der Ludwigshöhe gestaltet. Auf meinen ausdrücklichen Wunsch wurde Slevogts großformatiger »Sommermorgen« an der Außenwand meines Büros aufgehängt, so dass ich täglich an dem wunderbaren Bild vorbeikam. Zu sehen ist darauf Slevogts Frau Nini mit Sonnenschirm in einer pfälzischen Weinlandschaft. Bei einem seiner Besuche in Bonn blieb einmal der französische Staatspräsident Francois Mitterrand vor dem Bild stehen und meinte: »Dieser Maler wusste das Glück festzuhalten.« Manchem meiner Staatsgäste habe ich die komplette Slevogt-Ausstellung in der Villa Ludwigshöhe gezeigt.

Ludwig Erhard und Helmut Kohl
Helmut Kohl nach der Wahl zum neuen Parteivorsitzenden: Glückwünsche von Ludwig Erhard (1973) >o.<
Helmut Kohl, FranzJosef Strauß war immer
für eine Überraschung gut >u.<
Helmut Kohl und Franz Josef Strauß

Anm. Kultur Fibel Redaktion:

Im März 1999, zur Eröffnung einer Vernissage der Galerie Kultur Fibel in der Schweiz, wurde eine Grußbotschaft vom Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl aus dem Jahr 1989, an die Teilnehmer der Europäischen Künstlergruppe, die auch zu dieser Vernissage viele Werke ausstellten, verlesen:

" Wir sehen in Europa, gemessen an der historischen Entwicklung in der wir leben, den einzig sinnvollen Weg in eine gesicherte Zukunft. Wir wollen als Bürger Europas, unabhängig von politischen Strömungen über unserere gemeinsame künstlichere und kulturelle Arbeit den Kontakt zueinander und dem Publikum vertiefen und so dazu beitragen Europa zu verwirklichen! Wie jede Kunstform, lebt auch die bildende Kunst auf dem fruchtbaren Spannungsverhältnis zwischen künstlerischer Individualität, nationaler Kulturtradition und grenzüberschreitender Begegnungen.

Ich freue mich deshalb, daß sich die Europäische Künstlergruppe Frequenzen für den kulturellen Austausch in Europa engagiert. Sie unterstreicht damit die große Bedeutung, die der kulturellen Dimension im europäischen Einigungsprozeß zukommt. Das gegenseitige Kennenlernen regionaler und nationaler Traditionen fördert das Verständnis für den jeweils anderen und stärkt das Bewußtsein für alle."
Helmut Kohl (Auszüge)


Der Tag des Wahlerfolges 1998, der "Einfachen",
marxistisch/kommunistisch agierenden Personen, die sogenannten Sozialisten, die den sozialen Abbau in nie bekannter Größe betreiben, wie der Straßenkämpfer gegen Polizei, Recht und Ordnung in den 60er Jahren, Joschka Fischer, seine Berufsausbildung ist uns unbekannt, z.Zt. Außenminister und der ehemals arbeitslose Fliesenleger in NRW, der Genosse Walter Riester, wurde Arbeitsminister und bastelte die "Riester-Rente", und der Eisenwarenhandelslehrling Gerhard Schröder, mit späteren Abendkursen, z.Zt. Bundeskanzler, usw.

Dieser Tag war ein trauriger Tag für den bedeutenden Staatsmann, den abgewählten deutschen Bundeskanzler, Helmut Kohl, Motor der Aufbau-Leistungen, der nationalen und europäischen Vereinigung.
Er muß einen tiefen Schmerz empfunden haben, nicht nur, weil er verleumdet und öffentlich erniedrigt wurde, sondern weil er das Chaos kommen sah, die zunehmende soziale Unsicherheit und Ungerechtigkeit für breite Bevölkerungsgruppen, ohne helfend eingreifen zu können.

Die "Einfachen" repräsentieren nun in dem von Helmut Kohl gestalteten Bundeskanzleramt und Regierungsviertel. (März 2004)

Helmut Kohl 1982 - 1990 / Band II

Helmut Kohl, deutsche Zeitgeschichte von 1930 bis 1982, Hannelore Kohl, Hochzeit Hannelore und Helmut Kohl,
Konrad Adenauer, Ludwig Erhard, Georg Kiesinger, Franz Josef Strauß

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Leseprobe, Fotos und Buchumschlag, Droemer-Verlag,
Sämtliche Fotos, Text, Layout und Design Kultur Fibel Verlag GmbH, Berlin
und JBM-marketing, PF 140315, D-40073 Düsseldorf


Musical-Operette:

Operette Vetter aus Dingsda - Operette Die Lustige Witwe - Operette Die Fledermaus - Musical Rocky Horror Show
Musical Ludwig II - Musical Robin Hood - Musical Sweeney Tood - Musical Swan Lake - Musical African footprint
Musical Tarzan - Musical In nomine patris - Musical West Side Story - Musical Dirty Dancing - Musical Kiss me Kate
Musical Tanguera, Tango-Argentino - Musical My Fair Lady - Musical Balé de Rua - Musiktheater Friedrichstadtpalatz Berlin

Theater
Sextett - Spanische Fliege - Glücliche Zeiten - Jude von Malta

 

Oper-Ballett:

Oper La Traviata - Oper La Boheme - Oper Entführung aus dem Serail - Oper Die Liebe zu den drei Orangen - Oper Die Zauberflöte
Oper Cosi fan tutte - Oper Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny - Oper Die Teufel von Loudun - Oper Der Waffenschmied - Madame Butterfly
Oper Simon Boccanegra - Oper Orelando paladino - Oper Carmen - Oper Armida - Oper Der Spieler, Hrpok - Oper Fidelio
Oper Agrippina - Oper Der Türke in Italien - Oper Der Goldene Hahn - Ballett Dornröschen - Ballett Schneewittchen
Ballett Tanzgeschichte - Ballett Carmen Flamenco - Ballett Der Nussknacker - Ballett Martha Graham Company

Interviews:

Interview Lola Müthel - Interview Herbert Bötticher - Interview Ruth Drexel - Interview Ute Lemper
Interview Wolfgang Spier - Interview Judy Winter - Interview Romuald Pekny - Interview Helmut Griem

 


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