Konrad Lorenz, Buch, Eigentlich wollte ich Wildgans werden


Ethologie
Verhaltensforschung

PIPER Verlag
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Eigentlich wollte ich
Wildgans werden

1974 schreibt Konrad Lorenz
in seiner Nobelpreis-Autobiographie
(Fremd-Übersetzung):

"Ich befürchtete damals - ebenso wie noch heute - daß unsere zivilisierte Menschheit von analogen Prozessen des genetischen Verfalles betroffen sein könnte".

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Auszüge
Eigentlich wollte ich Wildgans werden

Konrad Lorenz, Portrait
Konrad Lorenz
* 7. November 1903 in Wien
† 27. Februar 1989 in Wien
VITA

 

1974 schreibt Konrad Lorenz
in seiner Nobelpreis-Autobiographie
(Fremd-Übersetzung):

»Ich befürchtete damals - ebenso wie noch heute - daß unsere zivilisierte Menschheit von analogen Prozessen des genetischen Verfalles betroffen sein könnte.

Kurz nach dem Einmarsch der Deutschen in Österreich folgte ich einem unbesonnenen Impuls. Ich schrieb über die Gefahren der Domestikation und, um sicher zu sein, verstanden zu werden, verfaßte ich meine Schrift in der nationalsozialistischen Terminologie. Ich möchte meine Handlung nicht beschönigen, aber ich glaubte damals, daß die neuen Herrscher eine Wende zum Besseren bewirken würden. Denn ihre Vorgän-ger, ein engstirniges, katholisches Regime, hatten zur Folge, daß Leute, die um vieles besser und intelligenter waren als ich, diese naive Hoffnung hegten. Fast alle meiner Freunde und Lehrer waren dieser Meinung, einschließlich meines eigenen Vaters, der sicher ein freundlicher und menschlicher Mann war. Keiner von uns nahm damals an, daß >Ausmerzung<, wie es von diesen Machthabern bezeichnet wurde, Mord bedeuten könnte. Ich bedaure das damals Geschriebene weniger wegen der unbezweifelbaren Unglaubwürdigkeit in bezug auf meine eigene Person, als wegen des Einflusses, den sie auf die zukünftige Einschätzung der Gefahren der Selbstdomestikation des Menschen nach sich zieht.«
(Nach Lorenz 1974a, S. 108)

AUSZÜGE

Im Krieg konnte er sich in die durch das Schicksal gegebenen Umstände als verantwortungsbewußter Kamerad einfügen und war stolz darauf, als Lagerarzt in Rußland, durchaus im Sinne des Hippokratischen Eides, seinen Kameraden geholfen zu haben.

Die Anschuldigungen nach 1945
Zurück zu den eingangs erwähnten Anschuldigungen gegen Konrad Lorenz, er hätte sich während des Dritten Reiches persönliche Vorteile erdient, oder er hätte sich sogar etwas zuschulden kommen lassen. Hat er Taten verheimlicht, für die er sich hätte entschuldigen müssen, bevor er (nach 1945) öffentliche Ehrungen annahm, zum Beispiel die Ernennung zum Träger des Pour le Merite, den Nobelpreis oder spätes-tens im Rahmen seiner ersten Autobiographie (Lorenz 1974 a)? Zumindest in der hier vorliegenden Autobiographie von 1985 geht er auf das Thema des Nationalsozialismus in Österreich oder Deutschland überhaupt nicht ein.
Dazu vorweg das Folgende: In der ersten Fassung seiner Autobiographie, welche anläßlich der Verleihung des Nobelpreises gefordert und auch veröffentlicht wurde (Lorenz 1974a) und die nun auch über das Internet allgemein zugänglich ist, bekannte sich Konrad Lorenz unumwunden zu dem einzigen »Fehler«, den er während des Dritten Reiches begangen und zu bereuen hatte. Er bezieht sich auf seine Arbeit über »Durch Domestikation verursachte Störungen arteigenen Verhaltens« (Lorenz 1940), in der er im Zusammenhang mit der Einschätzung der Gefahr der Selbstdomestikation des Menschen und deren Kontrolle durch Maßnahmen der Eugenik geschrieben hatte:

»Die wirksamste rassenpflegerische Maßnahme ist daher wenigstens vorläufig sicher die möglichste Unterstützung der natürlichen Abwehrkräfte, wir müssen - und dürfen - uns hier auf die gesunden Gefühle unserer Besten verlassen und ihnen die Gedeihen oder Verderben unseres Volkes bestimmende Auslese anvertrauen.
Versagt diese Auslese, misslingt die Ausmerzung der mit Ausfällen behafteten Elemente, so durchdringen diese den Volkskörper in biologisch ganz analoger Weise und aus ebenso analogen Ursachen wie die Zellen einer bösartigen Geschwulst den gesunden Körper durchdringen und mit ihm schließlich auch sich selbst zugrunderichten.«

Schon drei Jahre später, in den »Angeborenen Formen möglicher Erfahrung«,
relativierte Lorenz jedoch seine Beurteilung der Domestikation und betont nun auch die positiven Effekte der »Selbstdomestikation des Menschen«, nämlich die Abnahme der Bedeutung instinktiven Verhaltens zugunsten der individuellen Erfahrung und kollektiver Kultur. Und er sagt unmißverständlich:

»Immerhin aber verbietet uns diese Erkenntnis, in der Domestikation ausschließlich ein Übel zu sehen, das durch rassenhygienische Maßnahmen in Bausch und Bogen bekämpft werden darf.«

(Lorenz 1943, S. 370)

Ende der Auszüge

Ich erinnere mich noch genau, wie sehr ich mich über meinen Vater ärgerte, weil er etwas so Wichtiges wußte und es nicht für notwendig erachtet hatte, mir davon zu erzählen.
Nun erinnere ich mich zwar, wo dieses Gespräch stattgefunden hat, aber nicht, wann. Es muß jedoch ziemlich früh gewesen sein, denn ich weiß noch, wie ich mich damals am kindlichen Rollenspiel begeistert habe. In meiner Begeisterung für Paläontologie und für das Bölsche-Buch spielten meine Frau und ich »Iguano-don«: Wir banden uns Stücke von einem alten Gartenschlauch auf den Rücken, streckten unsere Arme nach vorne mit den Daumen nach oben, wie dies auf der Abbildung von Iguanodon bernissartensis zu sehen war, und schritten bedächtig umher. Nun hat sich zwar kindliches Spiel in meinem Leben sehr lange gehalten, aber ich glaube, als dies geschah, kann ich nicht viel älter als sechs gewesen sein, denn ich erinnere mich daran, daß Resi mir damals aus Bölsches Buch noch vorgelesen hat.

Mein Wunsch, Paläontologe zu werden, wurde durch das Medizinstudium abgelenkt. Eine der ersten Vorlesungen war die des Anatomen Professor Ferdinand Hochstetter. Er war nicht nur ein brillanter Anatom und ausgezeichneter Kenner der Wirbeltiere. Noch wichtiger war für mich, daß sein Hauptinteresse der vergleichen-den Embryologie galt. Er war ein hervorragender Lehrer der vergleichenden Methode und stets bemüht, die Studenten von deren Wert zu überzeugen.
Damals habe ich nämlich nicht nur Enten aufgezogen, sondern auch verschiedene Arten von Vögeln, Fischen und Amphibien und war daher mit der ontogenetischen Entwicklung ihrer Verhaltensweisen vertraut. Ich kannte ebenso die Verhaltensmuster der Balz, welche bei Molchen, Fischen und Vögeln auffallend ähnlich, in konvergenter Evolution, entstanden sind. Ich hätte um vieles dümmer sein müssen, als ich damals war, um nicht sofort zu verstehen, daß die Methode der vergleichen-den Morphologie in gleicher Weise auf Verhalten angewendet werden konnte und mußte. Schließlich hatten ja Bernhard und ich das schon getan, als wir die Antennenbewegungen der Salzkrebs-Larven mit jenen der Wasserflöhe verglichen. Offensichtlich mußte das, was wir über das Verhalten von Wasservögeln wußten, in gleicher Weise beurteilt werden.

Dies ist nämlich die Entdeckung der Grundlage aller Ethologie. Damals hatte ich die Wichtigkeit dieser Einsicht sicher noch nicht verstanden und auch einige Jahre später nicht, als ich den Mann traf, der diese Entdeckung schon vor Jahren gemacht hatte: Oskar Heinroth. Der hatte nämlich nicht nur entdeckt, daß Verhaltensweisen ebenso verläßliche Merkmale von Arten, Gattungen und höheren taxonomischen Einheiten sind wie Körpermerkmale, sondern er hatte dies auch bei der gleichen Tiergruppe wie ich entdeckt, bei den Enten-vögeln! Erst viel später, nachdem Heinroth und ich gute Freunde geworden waren, stießen wir auf den tatsächli-chen Pionier der »vergleichenden Verhaltensfors-chung«, Charles Otis Whitman, der schon zehn Jahre früher als Heinroth die gleiche Tatsache verstanden hatte: als Folge seiner Beobachtungen an Tauben.
Aber weder Heinroth noch Whitman waren sich der enormen wissenschaftlichen Bedeutung ihrer Entdek-kung bewußt. Die Tatsache, daß angeborene Verhaltens-weisen bei verschiedenen Tierarten ebenso homolog sind wie anatomische Merkmale, war ein vernichtender Schlag gegen gewisse Lehrmeinungen, die auch heute noch von einigen Psychologen vertreten werden. Karl Bühler, bei dem ich in Wien Psychologie studierte, hatte damals häufig amerikanische Kollegen zu Gast. Ich fragte jeden einzelnen, ob er (oder sie) von Charles Otis Whitman gehört hätte. »Nein, noch nie! «

Es ist noch gar nicht lange her, da traf ich zufällig Whitmans Sohn, einen erfolgreichen Geschäftsmann, und auch er hatte keine Ahnung von der wissenschaftlichen Bedeutung seines Vaters. Das einzige, was er von ihm wußte, war, daß er »verrückt nach Tauben war« und viele Käfige mit diesen Vögeln hatte.

Gestatten Sie mir, an dieser Stelle etwas über »Amateure« oder »Dilettanten« zu schreiben. Das Wort Amateur leitet sich vom lateinischen amare, »lieben«, ab, Dilettant vom italienischen dilettarsi, »sich an etwas ergötzen«. In der Wissenschaft ist es heute Mode geworden, zu experimentieren, statt zu beobachten, zu quantifizieren, statt zu beschreiben.
Die beschreibende Wissenschaft, die auf einfachen, unvoreingenommenen Beobachtungen beruht, ist jedoch die Grundlage allen menschlichen Wissens.
Ich behaupte nun, daß selbst eine Person mit der über-menschlichen Geduld eines Yogi nicht lange genug beobachten könnte, um die Gesetze zu entdecken, die den Verhaltensweisen der Tiere zugrunde liegen. Nur ein Mensch, der mit dem unerklärlichen Genuß eines Amateurs und der Verliebtheit eines Dilettanten auf das Objekt seiner Leidenschaft zu starren vermag, ist fähig zu entdecken, daß zum Beispiel der »Grunzpfiff« bei vielen Arten der Gattung Anas sehr ähnlich abläuft, aber in der Knäckenten-Löffelenten-Gruppe» etwas anders, oder daß das Paarungsvorspiel von Schwänen und Gänsen sehr ähnlich ist.

Die Homologie von Verhaltensmustern kann wirklich nur von einem Dilettanten entdeckt werden. Dies gilt aber auch für viele andere wichtige Erkenntnisse der Verhal-tensforschung. Karl von Frisch, einer der hervorragend-sten Biologen seiner Zeit, machte die aufregendsten Entdeckungen bei Bienen nicht in seinem Institut in München, sondern zu Hause im alten Gehöft in Brunn-winkel am Wolfgangsee, das seit Generationen im Besitz der Familie war. Ich behaupte, daß dieser großartige Experimentator die Bienensprache niemals entdeckt hätte, wäre er nicht ein Bienenliebhaber gewesen.

Wir alle, Amateure und Dilettanten, können eine ganze Reihe großer Wissenschaftler zu unseren Mitgliedern zählen, und das gilt besonders für die Liebhaber von Wassergeflügel.

Nicht daß ein Liebhaber deswegen gleich ein Wissenschaftler sein müsste! Wenn aber jemand ein echter Amateur, ein echter Liebhaber irgendeiner Art von Fischen, Vögeln oder Säugetieren ist, dann kann er nicht umhin, ein Experte zu werden. Und nochmals: Der Experte braucht kein Wissenschaftler zu sein, aber der Wissenschaftler ist ohne Zweifel dazu verpflichtet, ein Experte zu werden. Wenn ein Experte zum Wissenschaft-ler wird, dann spielt sich das oft ungefähr so ab: Der Experte, der noch gar nicht auf die Idee käme, sich für einen Wissenschaftler zu halten, liest und hört, was berühmte Wissenschaftler geschrieben und gesagt haben über das, worin er, der Experte, sich sehr gut auskennt. Dann merkt er zu seiner großen Überraschung, daß die berühmten Männer keine Vorstellung von dem haben, wovon sie reden, und daher völlig unsinnige Meinungen vertreten.

Mir kam diese Erkenntnis, als ich auf Verlangen meines Lehrers Karl Bühler die Werke der berühmten Vitalisten und Zweckpsychologen* wie auch die der ebenso berühmten Behavioristen studierte. Kein einziger von ihnen kannte die Erscheinungen, die ich zu verstehen versuchte. Das besonders Ermutigende für den Experten der Verhaltensforschung ist, daß die gleiche Erfahrung zu einem hohen Grad der Übereinstimmung in grundsätz-lichen Dingen führt. Ob ich nun mit einem Nestor unserer Wissenschaft wie Jean Delacour rede oder mit einem der jüngsten Nachwuchsforscher (von denen es glücklicherweise einige gibt), kaum jemals bedarf es einer Diskussion jener grundlegenden Probleme, die in der Psychologie und selbst in der Ethologie so kontrovers sind. Alle wissen einfach, was eine angeborene Verhaltensweise ist, auch wenn es ihnen niemals erklärt wurde.

Bernhard Hellmann hatte mir 1922 zum Geburtstag »Die Vögel Mitteleuropas« von Oskar Heinroth geschenkt, ein Werk, das nichts weniger ist als eine »Vergleichende Entwicklungsgeschichte des Verhaltens der Vögel«. Mir wurde klar, daß der Vergleich der Ähnlichkeiten und Unähnlichkeiten lebender Tiere viel bessere Einsichten in die Stammesgeschichte und den Verlauf der Evolution vermittelte als die Untersuchung von Fossilien, die so selten und lückenhaft sind. Plötzlich verstand ich, daß die reine Beobachtung dessen, was ein Vogel tut, daß meine Beschäftigung, die ich bisher nur für das Steckenpferd eines Amateurs gehalten hatte, tatsächlich ernsthafte Wissenschaft war. Das Ziel meines Lebens als Wissenschaftler hatte feste Formen angenommen. Wir beide, Bernhard Hellmann und ich, haben uns während der letzten Jahre im Gymnasium (1920 bis 1922) besonders mit einer eigenartigen Gruppe von Kleinkreb-sen beschäftigt: den Blattfußkrebsen. Unser Interesse entwickelte sich aus der Routine, Lebendfutter für unsere Aquarienfische zu fangen. Ein älterer Freund, dem ich zu ewigem Dank verpflichtet bin, hatte mir ein kleines Mikroskop geschenkt, und aus reiner Neugier sah ich mir nun das Ergebnis meiner Beutezüge in den Donautümpeln an, bevor ich die Tierchen an meine Fische verfütterte. Als ich die Vielfalt von Formen sah, erfaßte mich die Sammlerleidenschaft. . . .

. . .Objektivität kann nicht durch das Ausklam-mern subjektiver Erfahrungen erreicht werden, wie die Behavioristen glauben, sondern durch die sorgfältige Erforschung von dem, was Bridgeman »the
Instrument of knowledge« genannt hat, was bei Karl Popper »the perceiving apparatus« heißt und was ich die Weltbildapparatur* genannt habe.

Popper schreibt in seiner »Logik der Forschung« mit bemerkenswerter Selbstverständlichkeit: »Das Ding an sich ist unerkennbar: wir können nur seine Erscheinun-gen erkennen, die (wie Kant zeigte) als Resultanten aus dem Ding an sich und unserem Perzeptionsapparat zu verstehen sind. Die Erscheinun-gen sind das Ergebnis einer Art von Wechselwirkung zwischen den Dingen an sich und uns.«**

Popper scheint nicht gemerkt zu haben, daß Kant - und auch einige Neo-Kantianer - diese Schlußfolgerung wütend zurückweisen würden. Denn gemäß Kants transzendentalem Idealismus gibt es keine Korrespon-denz zwischen dem Ding an sich und der Art, in der es unserer a priorischen Vorstellung erscheint.
Für Kant ist nämlich das, was wir erfahren, niemals ein Abbild der Wirklichkeit, nicht einmal ein grob verein-fachtes oder verzerrtes. Er erkannte, daß unsere Anschauungsformen durch die vorhandenen Strukturen in uns selbst bedingt sind und nicht durch jene des erfaßten Gegenstands. Er sah jedoch offensichtlich nicht, daß die Strukturen unseres Wahrnehmungs-apparats etwas mit der Realität zu tun haben. Kant sagt in § 11 der »Prolegomena« . . .

»Wollte man im mindesten daran zweifeln, daß beide gar keine den Dingen an sich selbst, sondern nur bloße ihrem Verhältnisse zur Sinnlichkeit anhängende Bestim-mungen sind, so möchte ich gern wissen, wie man es möglich finden kann, a priori und also vor aller Bekannt-schaft mit den Dingen, ehe sie nämlich uns gegeben sind, zu wissen, wie ihre Anschauung beschaffen sein müsse, welches doch hier der Fall mit Raum und Zeit ist.« (Kant 1920/1940, S. 36)

(* »Weltbildapparat« schon in Lorenz 1943. ** Popper 1973, 5.408. Dieses Zitat stammt nicht aus dem Original von 1934, sondern aus dem »Neuen Anhang«, der anscheinend erst für die zweite deutsche Auflage, 1963, formuliert worden ist. *** »Prolegomena zu einer jeden künftigen Metaphysik, die als Wissenschaft wird auftreten können« (von 1783)).

Kant war offensichtlich davon überzeugt, daß eine Antwort auf diese Frage in den Begriffen der Naturwiss-enschaft prinzipiell unmöglich sei. Zu Recht brachte er vor, daß unsere Formen der Ideenbildung und unsere Denkkategorien nicht das Ergebnis individueller Erfahrung seien, wie das Hume und andere Empiristen glaubten. Er fand eindeutige Beweise dafür, daß sie nicht individuell durch Lernen erworben werden.

Besonders wichtig ist die Frage, was Kant über das a priori gedacht hätte, wenn er mit den Tatsachen der Evolution vertraut gewesen wäre. Ich behaupte, er hätte ohne jeden Vorbehalt die Sichtweise übernommen, die von der sogenannten evolutionären Erkenntnistheorie vertreten wird. Karl Poppers oben angeführte Aussagen stellen unsere Ansichten in knapper Form dar, und Donald T. Campbell hat in seinem Aufsatz »Evolutionary Epistemology«* überzeugend dargelegt, warum und wie es für ein Verständnis unseres kognitiven Apparates erforderlich ist, daß wir seine phylogenetische Ent-wicklung kennen. Dieser Ansatz hat auch die Billigung keines Geringeren als Max Planck erfahren, der mir schrieb, es hätte ihm »tiefe Befriedigung verschafft, daß ich angesichts der so unterschiedlichen Prämissen, von denen ich ausging, zur selben Ansicht über die Bezieh-ung zwischen der phänomenalen und der realen Welt gelangt war, wie er das getan hat«.
(* Campbell 1974.)

Nach meiner Ansicht ist die evolutionäre Erkenntnis-theorie von höchster Bedeutung für unsere Sicht des Menschen und seine Beziehung zur übrigen Schöpfung. Ich möchte mich jedoch nicht rühmen, dazu sehr viel beigetragen zu haben. Die Zeit für die Anerkennung dieser erkenntnistheoretischen Entdeckungen war in jenen Tagen einfach reif, und ich habe einen Zweifel, daß neben Max Planck, Karl Popper, Donald Campbell, Rupert Riedl und mir viele andere Denker unabhängig voneinander zu denselben Ergebnissen gekommen sind. Daß ich sie als erster in Worte gefaßt habe, lag an meinem kontroversen Standpunkt innerhalb der Lehre Kants. Ich war (auf seinem Lehrstuhl) einer Kritik ausgesetzt, die mich einfach zum Gegenangriff zwang.

Da ich zu jener Zeit erst sehr wenig über Kants Werk wußte, war dieser Gegenangriff eine ungewisse Angelegenheit. Was Kants Lehre anging, stützte ich mich vor allem auf die Äußerungen und insbesondere auf die Briefe meiner Widersacher. Großen Dank schulde ich dem Physiologen H. H. Weber und Annemarie Koehler, der ersten Frau meines Lehrers und Freundes Otto Koehler. Häufig verwendete ich die Formel hic dicat quispiam (ein Kantianer würde hier sagen), worauf ich wörtlich anführte, was ursprünglich Weber oder Frau Koehler gesagt hatten. So kam mein Aufsatz »Kants Lehre vom Apriorischen im Lichte der gegenwärtigen Biologie« zustande.* Diese wagemutige, ja tollkühne Attacke auf den transzendentalen Idealismus erschien erst, nachdem ich meine Verpflichtung gegenüber meinem Lehrer Heinroth eingelöst und eine ausführliche Arbeit mit dem Titel »Vergleichende Bewegungsstudien an Anatiden« fertiggestellt hatte.** Beide Aufsätze wurden erst veröffentlicht, nachdem ich bereits zur Wehrmacht einberufen worden war.

* Lorenz 1941a.
** Lorenz 1941b.


Konrad Lorenz
Die 8 Todsünden
der zivilisierten Menschheit

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