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Jürgen W. Möllemann

Die Buchempfehlung
mit einer Leseprobe, ohne die Ansichten
vorbelasteter Kritiker, zur Meinungsbildung unserer Leser.
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C. Bertelsmann
256 S. PB./ Euro (D) 18,00
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Flugblatt, Möllemann

Das Flugblatt
Viele Medien-Berichte, aber zu viele ohne Textpassagen.
Das Flugblatt mit ungekürztem
Text
zu Ihrer eigenen Meinungsbildung.
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ganz gut aus. Wie mit den vielen Christen.
Heute ist nur noch selten die Rede davon, dass die Briten - zusammen mit den anderen Weltmächten - die geschichtliche Verantwortung für das Pulverfass Naher Osten tragen. Einer meiner arabischen Gesprächspartner sagte mir einst mit großer Traurig-keit, es müssten britische Antisemiten und Araber-verächter gewesen sein, die die Grenzen Israels gezogen hätten. Sonst wären nicht ausgerechnet viele heilige Orte des Alten Testaments in den Händen der Araber geblieben.

Ich habe das erst später in seiner vollen Bedeutung erkannt. Ich wusste von solchen Feinheiten leider noch gar nichts, zumindest damals nicht, als Israels Regierungschef Shamir mir auf meine Frage nach dem Rückzug der israelischen Armee aus den besetzten Gebieten die Gegenfrage stellte, ob ich Judäa und Samaria meinte.
Viel später erst fand ich in dem Bestseller

Und heute? Heute sind wir längst zur Tagesordnung der ganz kleinen Dinge übergegangen.

Diese Tagesordnung wünsche ich den Menschen in Israel und Palästina, denen im ganzen Nahen Osten.

Demokratie verkommt selbst in den Augen vieler prowestlicher Araber täglich mehr zum bloßen Instrument der Herrschaft des Westens über den Orient. Der Terror der arabischen Selbstmord-attentäter und der Terror der israelischen Armee fördern diese Verschiebung der Bilder und Meinungen. Opfer sollten wir nie in Zahlen gegeneinander aufrechnen. Aber man sollte doch wissen, dass auf einen getöteten Israeli sechs Tote auf Seiten der Palästinenser kommen.

Palästinenser verfügen nur über 20 Prozent der Wasservorräte. Nichtjuden haben keinen gleichen Bildungszugang. Das ist für die Palästinenser besonders schlimm, denn sie haben Bildung für alle Volksschichten geöffnet, während in Ägypten und anderen arabischen Ländern nur die Oberschicht gebildet ist. Deshalb nennt man die Palästinenser oft die Juden Arabiens, weil sie überall sehr erfolgreich führende Rollen spielen.

Im Westen wird Israel häufig mit dem Argument verteidigt, es sei die einzige Demokratie in der Region. Das ist wahr. Aber wie lange, so fragt auch die israelische Opposition seit vielen Jahren, muss Israel wie viele Gesetze außer Kraft setzen, bis es kein Rechtsstaat mehr ist? Muss Israel der Herrschaft des Rechts, die doch unauflöslich zur westlichen Demokratie gehört, nicht in ganz besonderem Maße Geltung verschaffen? Todeslisten für vermeintliche Terroristen statt Gefangennahme und Gerichtsverfahren - wie ist das damit vereinbar? Und wie steht es mit der Diskriminierung der christlichen wie islamischen Araber mit israelischem Pass?

Die Forderung, die Palästinenser müssten Demokratie bei sich selbst verwirklichen, bevor sie einen eigenen Staat haben könnten, ist ebenso unaufrichtig wie das Verlangen, Arafat solle die Terror-anschläge von Palästinensern unterbinden - wo doch seine Polizei, die er ohnehin nur in 21 Prozent der »Autonomiegebiete« einsetzen darf, von den Israelis bombardiert wird.

Wie lange es dauern kann, bis aus einer Widerstandsbewegung eine politisch konstruktive Kraft wird, konnten wir in Südafrika und in Irland beobachten - wo es auch heute noch immer wieder zu Rückschlägen kommt. Wo sind die 50-Jährigen auf beiden Seiten, die den Teufelskreis durchbrechen? Assads Sohn in Syrien und Husseins Nachfolger in Jordanien sind es nicht, oder vielleicht noch nicht. Und Ara­fat und Sharon werden wohl nie zueinander kommen können. Müssen wir also auf eine nächste Generation von Israelis und Palästinensern warten?

Aus welcher Perspektive ich den Konfliktherd im Nahen Osten auch immer betrachte, ich komme stets zu dem gleichen Ergebnis: Ein Dritter muss den gordischen Knoten durchtrennen. Bei den vielen Versuchen aller Beteiligten, ihn zu durchschlagen, ist er nur noch unauflösbarer geworden. Europa kann noch immer dieser Dritte sein. In einer Weise, die genau das verlangt, was in unserer Zeit von Show statt Politik leider Mangelware geworden ist: mit Geduld, zäher Geduld, mit der Bereitschaft zum Verhandeln und zur Fairness gegenüber beiden Seiten. Oder Asien - und das Brückenland Iran - wird dieses historische Problem mit seiner eigenen Diplomatie lösen. Unverändert mit dem Ziel zweier Staaten: Israel und Palästina. Mit dem Ziel, dass deren Bewohner in sicheren Grenzen und sicheren Umständen leben können.

Später - vielleicht sehr viel später - könnte es durch die Vertrauensbildung in einer enger Staaten: Israel und Palästina. Mit dem Ziel, dass deren Bewohner in sicheren Grenzen und werdenden Kooperation eines Tages auch zu einem einzigen, laizistischen und demokratischen Staat kommen, in dem alle in völliger Gleichberechtigung zusammenlebten. Gemeinsam könnten Israel und Palästina ein großes geistiges und wirtschaftliches Vorbild für ganz Asien und Afrika sein - und für Europa.

>> Zionismus
Auszüge

»From Beirut to Jerusalem« aus der Feder des bekannten Kolumnisten der New York Times, Thomas L. Friedmans, die einfühlsame und eindrucksvolle Begründung, warum und wie sich Israels Regierungen mit den militärischen Erfolgen ihrer hocheffizienten Armee in eine politische Sackgasse siegten: Judäa und Samaria waren nun in israeli-scher Hand. Wie sollte man vor sich selbst, seiner Religion und Geschichte - und gegenüber den eigenen politisch radikalen Kräften - begründen, warum man die heiligen Orte der Bibel wieder räumen solle?
Israels Friedensbewegung ist eine große Minderheit. Doch die Mehrheit hat sich in den letzten Jahren mehr und mehr vom Nebeneinander der Staaten Israel und Palästina ab- und dem »Staat der Juden« zugewandt. Einem Staat, in dem Nichtjuden nicht gleichberechtigt sind. Einem Staat, der im westlichen Sinne nicht mehr von der Herrschaft des Rechts und von Demokratie geprägt ist, sondern allenfalls von der demokratischen Diktatur der Mehrheit gegen Minderheiten. Einem Staat, der alle Palästinenser vom Westufer des Jordans vertreibt, um dann ein jüdischer Gottesstaat zu sein.

Aus Israel und aus seinen Nachbarländern kommen bedrückend viele Informationen, dass die Zahl derer, die an eine friedliche Lösung des Konflikts nicht mehr glauben, täglich zunimmt, ebenso wie die Zahl derjenigen, die nur »ihren« Gottesstaat wollen. Die jeweils Andersgläu-bigen sollen fort; allenfalls dürfen die bleiben, die kooperieren.

Ariel Sharon war der fähige General, der Sadats Panzer­truppen in der Wüste Sinai einkesselte und zum Aufgeben zwang. 1982, als die israe-lische Armee dem Massaker der christlichen Milizen des Elie Hobeiqa in den Palästinenserlagern von Sabra und Schatila zusah und die Flüchten-den zu ihren Mördern zurückjagte, war er Verteidigungsminister. Weil er das Massaker geduldet oder gar gewollt hatte, wurde Sharon von der öffentlichen Meinung in Israel zum Rücktritt gezwungen. Als Regierungschef tritt er heute für den Krieg gegen den Irak ein. Er setzt auf die militärische Kontrolle der USA über die Großregion und will deren Strukturen mit der Hilfe Washingtons neu ordnen und dabei zugleich die Palästinafrage im Sinne Israels lösen. Für ihn bietet der »Krieg gegen den Terror« wie der »Krieg gegen das Böse« die Chance, endlich seinen Traum von einem Israel als dem Staat der Juden in Erfüllung gehen zu sehen.

Aus rein machtpolitischer Sicht ist das eine Strategie, die auf Zeit aufgehen kann, da die arabischen Regierungen wie eh und je zu keiner Einigkeit kommen. Ob diese neue Herrschaft der Kreuzritter aber so lange währen würde wie die letzte? Oder wird der Sieg über Saddam in den Ländern der Region nicht einen Umsturz nach dem anderen nach sich ziehen und die Regierungen Amerikas und seiner kampfwilligen Verbündeten in ein Tohuwabohu von Bürger-, Stammes- und Bandenkriegen verwickeln? Und wird es gelingen, die Wähler daheim von der Notwendigkeit eines fortdauernden militärischen Engagements zu überzeugen? Oder geht es aus wie im Libanon und in Vietnam?

Eine solche Perspektive erscheint heute den meisten sicher als Utopie. Das war mit der deutschen und europäischen Wiedervereinigung nicht anders. Hatten wir nicht noch Mitte der Achtzigerjahre ein wiederver-eintes Deutschland für unmöglich gehalten?

Israel und Palästina
Moses durfte das Gelobte Land nur sehen, aber nicht betreten: als Strafe für seinen Zweifel am Herrn. Haben die Briten die Grenzen Israels absichtlich so gezogen, dass die biblischen Orte draußen blieben?

Soweit ich weiß, entstand die Idee des Zionismus in Theodor Herzls Herz und Kopf unter dem Eindruck der anti­semitischen französischen Dreyfus-Affäre, vor allem auch unter dem Eindruck der nationalen und nationalistischen Bestrebungen in den Ländern der Habsburgermonarchie - und besonders in Wien. Herzl konnte noch Mitglied der Wiener Burschenschaft Arminia sein, ebenso wie Viktor Adler, der später äußerst bedeutende Anführer der deutsch-öster-reichischen Sozialdemokratie, der Vater des »Austromarxismus«, der im Hinblick auf seine Gegner, die Christlich-Sozialen, das Wort vom »Austrofaschismus« prägte. Die Einführung des »Arierparagrafen« in die Satzungen nicht nur der »schlagenden«, sondern auch der katholischen Studentenverbindungen, also der Ausschluss von Juden, stand erst bevor.

Dass Theodor Herzl gerade im Wien der Jahrhundertwende zu dem Schluss kam, die Menschen jüdischen Glaubens oder jüdischer Herkunft müssten eine eigene Nation mit eigenem Territorium und Staat werden, ist nur allzu verständlich. Das wollten damals alle - die Ungarn und Tschechen, die Serben und Kroaten, die Slowenen, Slowaken und Slawonen und viele, viele andere.

Dass der Nationalismus viel mehr Unheil als Heil gestiftet hat, ist nicht Herzls Schuld. Dass der von ihm zur politischen Kraft erklärte Zionis-mus dereinst den Nichtjuden in Israel die gleichen Rechte verweigern würde, konnte er nicht ahnen.

Heute hört man häufig, der Begriff »Palästinenser« sei ein künstlicher, weil eine Nation dieses Namens erst in den Flüchtlings-lagern erfunden worden sei. Die Menschen, die in Palästina lebten, seien gar keiner gemeinsamen ethnischen Abstammung. Das stimmt schon deshalb, weil die Stämme damals in der Wüste umherzogen und sich in den Städten Menschen aus dem ganzen Mittelmeerraum niederließen.

Als Nation im europäischen Sinne sind die Palästinenser historisch sehr jung. Wie die Israelis. Gerade sie kamen von überall her - aus über 140 Ländern mit über 200 verschiedenen Muttersprachen. Viele wurden zu Beginn mit dem genialen Werbeslogan für die Einwan-derung gewonnen: »Ein Land ohne Volk für ein Volk ohne Land«.

Die Juden waren ohne ein eigenes Land. Nach dem millionenfachen Massenmord der Nazis werden Millionen von ihnen das schmerzhafter empfunden haben als je zuvor in ihrer Geschichte, die voller Pogrome, voller Verfolgung ist. Aber das Land war nicht ohne Volk. Ohne Nation ja, aber nicht ohne Menschen. Die waren schon da. Und die meisten von ihnen waren Moslems und Araber. Mit den wenigen jüdischen Familien, die auch schon lange da lebten und zunächst in kleinen Größen zuwanderten, kamen sie als Nachbarn in der Regel

Ende der Auszüge

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