Loki Schmidt, Mein Leben für die Schule


Loki Schmidt
Biographie
Hoffmann und Campe
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Loki Schmidt
Mein Leben für die Schule

Im Gespräch mit
Reiner Lehberger

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Schule ist für Loki Schmidt als Schülerin wie auch als Lehrerin eine gute Zeit gewesen, auch während des Dritten Reiches, im Nationalsozialismus und nach 1945, trotz den Entbehrungen.
(Anm.Redaktion: Eine solche Einstellung lässt aufhorchen, spätestens seit den deutschen PISA-Werten 2008.)



"PISA war wichtig,
aber Schule muss mehr sein als die Vermittlung abprüfbaren Wissens."

Loki Schmidt

Loki Schmidt in München, Foto Arma BelenLoki Schmidt
beim Haxnschmaus in München.
Foto: Arma Belen

Gab es Verbindungen zu den anderen Hamburger Lehrern in der KLV?
(Red.: KLV = Kinderlandverschickung für die vom demokratischen anglo/amerikanischen Bombenterror bedrohten Kinder in den Großstädten)

Einmal im Monat gab es in Kulmbach eine Konferenz aller KLV-Lehrer der Umgebung. Da musste ich hin. Ich hatte ja eine fünfzehnjährige BDM-Führerin dabei, die dann mal allein auf die Mädchen aufpasste.
Das war die Lagermannschaftsführerin, so zumindest die Bezeichnung in den Vorschriften zur KLV. In der KLV sollte es immer einen Lehrer und einen Lagermannschaftsführer aus der HJ oder dem BDM geben.
Das hat es bei mir nicht gegeben, denn organisiert war ja noch gar nichts. Ich habe ihr manchmal kleine Aufgaben erteilt, zum Beispiel bestimmte Spiele oder Turnen draußen. Das war schon eine kleine Hilfe, so dass ich mal Luft holen konnte. Aber sonst wurde sie natürlich in die Klasse einbezogen.
Bei diesen Konferenzen ist nie etwas herausgekommen, eigentlich haben wir uns nur gegenseitig unser Leid geklagt. Ich traf meine beiden Schulkollegen, was uns sehr freute, aber für Gespräche reichte es meist nicht. Interessant waren diese Treffen vor allem, weil wir pro Nase 65,5 Gramm Bohnenkaffee in einer Spitztüte ausgehändigt bekamen.

Für den privaten Verbrauch?

Ja, und das war eine Kostbarkeit.

Wer leitete die Konferenz, war das ein örtlicher Parteioffizieller oder ein Schulrat?

Das weiß ich nicht mehr. Hin und wieder war es aber Jürgen Früchtenicht, der aus Hamburg anreiste. Der war in Hamburg für die KLV zuständig und bei dieser herausgehobenen Stellung mit Sicherheit Parteimitglied.
Ich habe mich damals gefreut, wenn er kam, denn er war ja auch Schulleiter in der Burgstraße gewesen. Seine Tochter war eine ehemalige Klassenkameradin meines Bruders. Die beiden haben heute noch Verbindung. Jürgen Früchtenicht kam immer in Uni-form. Ob er sie als Tarnung nutzte, kann ich nicht beurteilen. Ich weiß nicht, wie ernst ihm die Parteizugehörigkeit war. Bei uns stellte sich jedenfalls ein vertrautes Gefühl ein, und deshalb habe ich mich gefreut, wenn er da war. Das war aber eher selten.

Anglo-amerikanischer Bombenterror verwüstete Wohngebiete, ein etwas intakte Schule in Hamburg blieb stehen
Auszüge
Loki Schmidt
* 3. März 1919 in Hamburg - † 21. Oktober 2010
in Hamburg-Langenhorn


KAPITEL 3
»Schule ist einfach fabelhaft«

oder Lernen fürs Leben.
Die Lichtwark-Schulzeit

Zu Ostern 1929 sind Sie in die Lichtwark-Schule in Hamburg Winterhude eingeschult worden. Unter den höheren Schulen der Hansestadt war die Lichtwarkschule die Einzige, die sich der Schulreform verschrieben hatte. Wie kam es zu der Entscheidung für diese Schule, die vom Schulweg her für Sie doch sehr weit entfernt war?

Wie ich erzählt habe, waren meine Eltern mit Kurt Adams, dem Leiter der Hamburger Volkshochschule, befreundet, und seine Tochter war mit mir in einer Klasse in der Burgstraße. Kurt Adams kannte sich in der Hamburger Schullandschaft bestens aus, und deswegen ist es, glaube ich, selbstverständlich gewesen, dass ich in der Lichtwarkschule angemeldet wurde, genauso wie seine Tochter.

Die Lichtwarkschule war ja auch im Verbund der Hamburger Reformschulen vertreten, so dass viele Schülerinnen und Schüler aus den Reformschulen, wenn sie zur höheren Schule wechselten, die Lichtwarkschule wählten, Kinder von Lehrern aus diesen Schulen eingeschlossen.

Da haben Sie vollkommen Recht. Ich habe seit der Ausstellung über die Lichtwarkschule Mitte der neunziger Jahre gelegentlichen Briefwechsel mit ehemaligen Lichtwark-Schülern, meistens jünger als ich. Und aus welchen Grundschulen kamen die Breitenfelder Straße, Telemannstraße, Tieloh, Burgstraße - alles Versuchs- und Reformschulen.

Die Lichtwarkschule war aus einer Realschule hervorgegangen, nach 1918/19 aber mit einem ganz eigenen Profil quasi neu gegründet worden. Das Kollegium unter dem ersten Schulleiter Peter Petersen, später Pädagogik-Professor in Jena, hatte die Schule sehr bewusst nach dem ersten Direktor der Hamburger Kunsthalle, Alfred Lichtwark, benannt, denn der galt als ein scharfer Kritiker der »alten«, stofforientierten Schule der Kaiserzeit. Sein berühmtes pädagogisches Motto lautete: »Die Schule geht vom Stoff aus und bleibt am Stoff kleben. Sie sollte von der Kraft ausgehen und Kraft entwickeln. (. ..) Mit ihrer ausschließlichen Sorge um den Lehrstoff hat die Schule satt gemacht. Sie sollte hungrig machen. « Wodurch hat die Lichtwarkschule diese Ziele erreicht?

Ich glaube, vor allem durch selbständiges Arbeiten, besonders ausgeprägt bei den so genannten Jahresarbeiten; ferner durch die Betonung von Musik, Malen, Werken, aber eben nicht nur als Kunstbetrachtung, sondern, wie Alfred Lichtwark es wollte, besonders auch durch das Selbermachen; dann durch die tägliche Turnstunde, die sicher im Schulwesen einzigartig war, allerdings nach jungen und Mädchen getrennt; und vor allen Dingen durch den fächerübergreifenden Unterricht, das heißt, es wurde mehr an einzelnen Themen als an Fächern gearbeitet.

In gewisser Weise war dies also eine Fortführung der Pädagogik Ihrer Grundschulzeit an der Burgstraße.

Vor allem auch das Verhältnis Lehrer - Schüler, das vertrauensvolle Verhältnis, das ist eben iin beiden Schulen dagewesen, und das halte ich in der Pädagogik für besonders wichtig.

Kommen wir zu Ihrer Einschulung. Ich nehme an, die Lehrer der Lichtwarkschule hatten sich darauf besonders vorbereitet.

Die Einschulung ist gewiss etwas ganz Besonderes gewesen. Wir waren alle in der Aula zusammengekommen, zum Teil mit einem Elternteil, manchmal kamen auch Vater und Mutter oder Großmutter mit. Vorher hatte ich mir das Gebäude schon von außen angesehen, denn durch meinen Vater war ich angeregt, mich um Architektur zu kümmern. Mir fiel sofort auf, dass große Ähnlichkeiten mit dem Gebäude der Burgstraßen-Schule

Kommen wir zu Ihrer Einschulung. Ich nehme an, die Lehrer der Lichtwarkschule hatten sich darauf besonders vorbereitet.

Die Einschulung ist gewiss etwas ganz Besonderes gewesen. Wir waren alle in der Aula zusammengekommen, zum Teil mit einem Elternteil, manchmal kamen auch Vater und Mutter oder Großmutter mit. Vorher hatte ich mir das Gebäude schon von außen angesehen, denn durch meinen Vater war ich angeregt, mich um Architektur zu kümmern. Mir fiel sofort auf, dass große Ähnlichkeiten mit dem Gebäude der Burgstraßen-Schule bestanden. Später habe ich dann herausbekommen, dass beide von Fritz Schumacher gebaut worden waren. Dieser äußere Anblick war schon wichtig für mich. Und dann in der großen Aula ein Orgelprospekt. So etwas hatte und habe ich bis heute nicht mehr in irgendeiner Schule gesehen.

Die vor einigen Jahren restaurierte und inzwischen berühmte Orgel stammt ja von Hans Henny Jahnn.

Ja, der auch den Prospekt entworfen hat. Auf der Bühne vor der Orgel, also ein bisschen erhöht, saßen nun die Lehrer Ida Eberhardt und Hans Liebeschütz, die beiden neuen Klassen-lehrer. Begrüßt wurden wir durch den Schulleiter Heinrich Landahl. Der erklärte uns, wir würden nach und nach aufge-rufen und hätten jetzt Zeit, uns die beiden neuen Klassen-lehrer anzuschauen, und dann könnten wir selbst wählen.
Dann ging das los im Alphabet mit Hilde Adams und so weiter. Hannelore Glaser kam ja auch verhältnismäßig bald, und Helmut Schmidt, mein Mann, der kam ziemlich zum Schluss. Landahl hatte auch noch gesagt, wenn es ungefähr gleichmäßig verteilt sei, dann könne das so bleiben. Ansonsten müssten einige möglicherweise in die Parallel-klasse wechseln. Es ergab sich aber, dass wir uns ziemlich gleichmäßig verteilten. Dann gingen die beiden Klassenlehrer, also in meinem Fall Ida Eberhardt, die ich mir ausgesucht hatte, mit uns in ihre Klassen im ersten Stock.

Warum haben Sie sich für Ida Eberhardt entschieden?

Natürlich aus äußeren Gründen. Sie sah freundlich aus, hatte rote Bäckchen, und vor allen Dingen hatte sie ein so genanntes Reformkleid an - das waren alles Dinge, die ich mochte. Wir haben uns alle mehr oder minder nach Äußerlichkeiten entschieden. Später haben mein Mann und ich uns einmal über die Einschulung unterhalten und festgestellt, dass eine ganze Reihe von jüdischen Schülern Herrn Liebeschütz gewählt hatte. Der Name deutete ja auf sein Judentum hin, und die Eltern haben das sicher auch beeinflusst. Gleich am ersten Tag wurde uns noch gesagt: Vorn der kleine Hof, das heißt, der etwas gärtnerisch gestaltete Eingangsbereich, ist nur für die Oberstufe. Unser Schulhof war hinter dem Gebäude. Da der Hinterhof beim Übergang zur Nazizeit eine gewisse Rolle gespielt hat, möchte ich das hier schon mal betonen.

Loki Schmidt, wie erlebten Sie in den ersten Wochen den Wechsel von der Grundschule zur Lichtwarkschule? Gab es gravierende Unterschiede?

Ich glaube, die größte Schwierigkeit machte das Zusammen-wachsen der Klassengemeinschaft aus. Der Unterschied der Pädagogik in den verschiedenen Grundschulen war auch bald spürbar. Da gab es Kinder aus sehr autoritär geführten Klassen und am anderen Ende Kinder aus Reformschulen. Einige hatten bisher nur Unterricht »in Klassenfront« erlebt.

Heute würden wir Frontalunterricht sagen.

Richtig. Mein Mann zum Beispiel war in der alten Seminar-schule in der Wallstraße gewesen. Da wurden die angehen-den Volksschullehrer ausgebildet, das heißt, sie hospitierten dort und machten ihre ersten Unterrichtserfahrungen. Da ging es ganz streng zu, beinahe noch Arbeitsweisen wie in der Kaiserzeit. Die Schüler mussten zum Beispiel die Hände auf den Tisch legen und kriegten was mit dem Stock auf die Hände, wenn sie nicht spurten. Und dies alles musste in der Lichtwarkschule nun zu einer Klasse geformt werden.
Warum meine Schwiegereltern für ihre Kinder die Lichtwark-schule ausgewählt hatten, hat sich uns erst später erschlos-sen. Die Schmidts waren mit dem Maler Hugo Schmidt und dessen Frau Emma befreundet, die Lehrerin an einer Reform-volksschule war. Durch sie ist wohl die Anregung gekom-men.

Sie waren von Beginn an mit Ihrem späteren Mann in einer Klasse?

Ja. Für mich ist es, nachträglich betrachtet, ein großes Kunststück gewesen, wie Ida Eberhardt aus diesem wilden Haufen eine Klasse gemacht hat. Allerdings haben einige Schüler möglicherweise dabei geholfen. Ich bilde mir ein, dass auch ich da mitgeholfen habe. Wenn die Jungens zu frech wurden, habe ich sie verprügelt. Nach der Sexta stand dann auch in meinem Zeugnis: »Sie ist ihren schwächeren Kameradinnen ein stets bereiter, tatkräftiger Schutz.« So haben wir uns natürlich auch »zusammengerauft«.


.... als Kursthema in diesem Entnazifizierungsprogramm. Das Programm kenne ich aus den Akten. Es bestand aus verschiedenen geschichtlichen Themenangeboten, alle gedacht als Einführung in die Entwicklung des
Demokratiegedankens.

Ja, so ungefähr. Vorgeschichte in Norddeutschland haupt-sächlich. Das war etwas, was mir seit langer Zeit vertraut war. Ich weiß übrigens nicht mehr, wie viele Lehrer er da zu entnazifizieren hatte.

Können Sie sich an das Klima erinnern? Fanden die Kollegen, die da zwangsversammelt waren, das alle überflüssig, gab es irgendwie Feindseligkeit, oder hat man gedacht, das nimmt man jetzt so hin?

Ich glaube, wir haben das so hingenommen. Jedenfalls bei dieser Gruppe, bei Herrn Sonntag war das so. Das lag aber vielleicht auch an ihm, wie er das Ganze aufgezogen hatte.

In diesen - manche Zeitzeugen sprechen von »Entbräunungskursen« - waren ja nur die zusammengezogen, die

... im Fragebogen alles brav angegeben hatten

deren Belastung aber nicht so hoch war, dass man sie entlassen wollte. Die schwerer Belasteten wurden suspendiert oder gleich entlassen. Das traf in Hamburg zunächst etwa fünfzehn bis zwanzig Prozent der Lehrerschaft, von denen aber bereits 1947/48 nach Berufungsverfahren fast alle wieder eingestellt waren.
(Anm.Redaktion: Eine Grundlage für das deutsche Wiederaufbau-Wunder).

Einige haben ja auch ihre Mitgliedschaft gar nicht angegeben. Ich habe Lehrer getroffen, die gleich wieder im Schuldienst waren und dort auch blieben.

Und deren man nicht habhaft wurde.

Was heißt »nicht habhaft«? Ich glaube, Menschen anzuschwärzen, das liegt den meisten nicht. Ich habe einige gekannt, von denen ich genau wusste, dass sie verhältnismäßig hohe BDM-Führerinnen gewesen waren. Wie es mit Parteimitgliedern war, weiß ich nicht, mit der Partei hatte ich nie irgendeine Verbindung.

KAPITEL 9

Die »späten Bonbons« des Lehrers und Schule heute

Die Schuldiskussion in Deutschland wird seit dem Jahr 2000 durch die internationale PISA-Studie bestimmt. Die deutschen Schulen liegen mit ihren Leistungen insgesamt unter dem Durchschnitt der untersuchten dreiunddreißig OECD-Länder, fast ein Viertel der Schülerinnen und Schüler hat eminente Schwierigkeiten beim sinnentnehmenden Lesen, und in keinem Land ist die Koppelung von sozialer Herkunft und Schulerfolg so ausgeprägt wie bei uns. Das hat die zweite, Ende 2004 veröffentlichte PISA-Untersuchung noch einmal bestätigt.

Natürlich haben mich diese Ergebnisse auch sehr geärgert, denn wir beide sind uns einig, dass eine Grundsubstanz von Lernleistung in der Schule erreicht werden muss. Aber ich bin auch skeptisch gegenüber Tests wie PISA, denn das Abfragen von Wissensleistungen, das kann es ja nun auch nicht sein. Es kommt eben auch darauf an, was Schüler im Unterricht darüber hinaus erreichen.

Was meinen Sie konkret?

Ein Abprüfen und Bewerten von reinem Fachwissen empfinde ich als ein Vergehen an den Kindern und Jugendlichen. Die Zeiten des reinen Fächerwissens sollten wir hinter uns gelassen haben. Wissenserwerb muss immer eingebunden sein, denn Wissen ist kein Selbstzweck, sondern dient dazu, dass die Schüler mehr von ihrer Umwelt erfahren. Und dazu gehören dann auch Bereiche wie Sport, die ganze musisch-ästhetische Erziehung und das soziale Lernen.

Wenn Sie fürchten, dass durch Tests wie PISA diese Aufgaben von Schule ins Hintertreffen geraten könnten, dann kann ich dies sehr gut nachvollziehen. Als Konsequenz aus den PISA-Ergebnissen dürfen wir uns sicher nicht allein auf abprüfbares Wissen in Schule und Unterricht konzentrieren. Der Auftrag von Schule ist und bleibt umfassender. Aber fairerweise muss man auch sagen, dass in den PISA -Tests keineswegs isolierte Wissensbestände abgefragt werden. Die meisten Aufgaben sind anwendungsbezogen, kompetenzorientiert und durchaus auch lebensnah.

Richtig, das Lesen und den Sinn von Texten zu erfassen, das ist kein reines Wissen, deshalb hat mich PISA auch stutzig gemacht. Darum denke ich auch, es ist vielleicht doch ganz hilfreich, dass solche Tests durchgeführt werden. Aber beim Vergleich der Ergebnisse dürfen wir nicht vergessen, dass die Voraussetzungen der Schulen in den verschiedenen Ländern sehr unterschiedlich sind. Und das gilt ja auch innerhalb Deutschlands. In Großstädten, wie bei uns in Hamburg zum Beispiel, ist der Anteil ausländischer Schüler sehr hoch.

Der liegt bei etwa zwanzig Prozent. Rechnet man aber alle Kinder mit Migrationshintergrund ein, dann sprechen in Städten wie Bremen und Hamburg vierzig Prozent der Schülerinnen und Schüler Deutsch nicht als Muttersprache. In einigen Hauptschulen Hamburgs und Berlins beträgt der Anteil von Schülerinnen und Schülern, deren Erstsprache nicht Deutsch ist, bis zu achtzig/neunzig Prozent.

So, und das erschwert natürlich den Unterricht und drückt die Prüfungsergebnisse nach unten.

Dennoch, diese Ergebnisse sind für das deutsche Schulwesen insgesamt Besorgnis erregend. Wir müssen uns fragen, wie wir Schule und Unterricht qualitativ verändern können. Ich sehe zum Beispiel einen Schlüssel in stärkerer Individualisierung, das heißt Förderung des Einzelnen, und einer Rückkehr zu intensiveren Übungsphasen.

Dazu kann ich aus meinen ganz eigenen kleinen Erfahrungen etwas beitragen: Mir war in meinem Unterricht immer klar, dass am Ende der vierten Klasse eine Prüfung für die höhere Schule anstand. Dafür wurde dann besonders gelernt, man kann auch sagen, ich habe meine Schüler dafür gedrillt. Ich habe ihnen das natürlich vorher gesagt: »Was jetzt kommt, ist für die Prüfung, aber wenn ihr euch anstrengt, dann machen wir danach auch wieder interessantere Dinge.« Solche Lernphasen müssen sein, nur die Kinder müssen auch wissen, wann und warum auch mal gedrillt werden muss.

Wir würden heute sagen: Guter Unterricht braucht auch intensive Übungsphasen, und der eine Schüler braucht dafür mehr und der andere weniger Zeit.

Man kann das freundlicher ausdrücken, aber der Sinn ist der gleiche. Im Unterricht braucht man die Verbindung von interessanten Lernstoffen mit Denkanstößen und reine Übungszeiten. Diese dienen dann einem bestimmten Zweck, und die Kinder wissen genau: Das ist nur ein kleiner Teil von Schule, und danach gibt es auch wieder Neues, anderes. Vor allem muss das Verhältnis von Lehrer und Schülern so gut sein, dass man darüber auch ganz offen reden kann.

Anm. Redaktion: PISA today:

Heute unterrichten in Deutschland nur noch wenige Pädagogen/ Innen die stolz darauf sind, Deutsche zu sein. Nach dem Verlust ihrer Linken Krücke Hoffnung, das Ende der Trierer Eschatologie, versuchen traumatisierte Lehrkräfte aus der deutschen 68er Chaos-Welle, ihre Fantasien weiterzugeben. Beispiel: Eine der größten Schulen in NRW sollte nach überwiegender Lehrer-Meinung (86%) auf den Namen „Nelsen Mandela“ umbenannt werden.
Das Schulamt Düsseldorf lehnte den Namens-Vorschlag u. a. (ohne auf die Korruptionsaffären der Familie Mandela einzugehen) mit dem Hinweis, Herr Mandela kommt aus einem anderen Kulturkreis, ab.
Diese Nachricht kommentierte ein Lehrer der Schule, „... ich bekam einen Dicken Hals, als ich diesen Text las." Diese Kräfte unterrichten heute noch an Deutschen Schulen mit den bekannten PISA Resultaten.
Eine Türkin, die Mutter eines Schülers, verstand die Deutschen nicht und sagte in der Schulkonferenz; „...sie haben so viele Wissenschaftler, Denker und Dichter, viele vor 1945 und wenige nach 1945, die weltweit geehrt werden und es sollte 2005 ausgerechnet ein Südafrikaner sein?"
Die Schule bekam den Namen eines Düsseldorfer Schriftstellers "Dieter Forte".
Gratulation an die Schulleitung.

Eine Schülerin schenkt Loki Schmidt, zum 85. Geburtstag ein Schulheft
"Die späten Bonbons des Lehrerberufs sind, dass sich die ehemaligen Schüler immer noch melden" - Dieses Schulheft eines ehemaligen Schülers erhielt
Loki Schmidt zum 85. Geburtstag.

Ich habe von ihm unterzeichnete Schriftstücke gesehen, in denen er auf eine wirkungsvolle politische Erziehung in der KLV gedrängt hat.

Das musste er vielleicht, aber davon haben wir alle in diesem frühen KLV-Stadium überhaupt nichts gemerkt. Im Spätsommer 1941 habe ich, weil ich ein paarmal umgekippt war, zwei Wochen Urlaub bekommen. Da bin ich zuerst zu meinen Eltern nach Hamburg gefahren und dann eine Woche nach Berlin, um meinen Klassenkameraden Helmut Schmidt zu treffen. Wir haben damals beschlossen, dass wir, wenn es irgendwie klappt, im nächsten Jahr heiraten wollten. Als ich aus dem Urlaub zurückkam, hörte ich von Kollegen, dass die KLV für uns bald zu Ende ginge. Es war in Hamburg ruhig geworden, und einige Eltern hatten sich beschwert. Sie wollten ihre Kinder wieder bei sich haben. Ja, das war also die Kinderlandverschickung. Wir sind dann im November 1941 nach Hamburg zurückgekommen.

Oft liest man in Erinnerungen, die KLV-Zeit war eine schöne Zeit; ich bin aber sicher, das gilt nicht für alle.

Sehr viel später habe ich erst erfahren, was in manchen KLV-Lagern alles passiert ist. Dass in der Lagerleitung zum Beispiel eine strenge Hierarchie herrschte: Lehrer mussten zwar Unter-richt geben, das Lagerleben wurde aber von HJ-Führern mit Flaggenappell und politischer Schulung geprägt. So etwas habe ich erst in späteren Berichten (?) gelesen.


Sind Sie von Neugraben in der ersten Zeit überhaupt in die Stadt gekommen, um dieses Elend der Zerbombung zu sehen?

Nein, man durfte gar nicht. Die Elbbrücken waren ja gesperrt. Ich bin vermutlich das erste Mal zu meiner so genannten Entnazifizierung wieder in der Stadt gewesen. Aber das Elend der Zerbombung hatte ich ja vorher gesehen.

Wann?

Ich bin im Februar 1945, als die Russen sich näherten, aus Bernau geflüchtet. Mein Mann war ja schon längst wieder an der Westfront. Man hörte nachts die russischen Panzer - und was sollte ich da, weit weg von meiner Familie? Ich bin also Richtung Hamburg geflüchtet. Das hat drei Tage gedauert, bis ich mit einem Flüchtlingszug im Morgengrauen ankam. Gleich hinter Bergedorf ging es mit den Zerstörungen los. Ich habe am Fenster des Zuges gestanden und weiß nur noch, dass meine Knie gezittert und gezittert haben bei diesem Anblick. Dieses Ausmaß der Zerstörung, das kann man sich, selbst wenn man heute Fotos sieht, nicht wirklich vorstellen.

Die Zerstörung hatte ja auch die Schulen der Stadt getroffen. Sechzig Prozent der Schulen waren total zerstört oder schwer beschädigt, viele waren leicht beschädigt oder inzwischen als Lager zweckentfremdet.

Meine erste Schule als Lehrerin, "Bauerberg 44", diese alte, ungefähr 1880 gebaute Schule, war völlig zerstört, während gleich daneben die Schule "Beim Pachthof" stehen geblieben war. Das war ein jüngeres, von Fritz Schumacher solide gebautes Schulhaus.

Dennoch wurde in den ersten Schulen bereits am 6. August 1945 der Unterricht wieder aufgenommen.

Da habe ich schon im »Landhaus Freude« gearbeitet. Irgend-wann hatte ich aus der Behörde eine Nachricht bekommen, ich solle mich dort melden. Das »Landhaus Freude« liegt in den Harburger Bergen, gehört also seit 1937 zu Hamburg. Ursprünglich war es ein Heim für schwer erziehbare Kinder gewesen. Einige dieser Kinder waren auch noch dort. Aber seit den letzten Kriegstagen war es ein Sammelort für alle möglichen Kinder, Waisenkinder oder Halbwaisen.

Durch die Bombenangriffe waren ja auch viele Frauen und Mütter in Hamburg umgekommen, und die Männer waren noch nicht wieder zurück oder gefallen. Auch einige, ich will sie mal »verlorene« Kinder nennen, Flüchtlingskinder, waren dort gelandet. Altersmäßig waren das Kinder von drei bis etwa vierzehn Jahren. An Unterricht war da natürlich nur sehr schwer zu denken.

Waren da noch andere Lehrerinnen?

Ich war die Einzige. Und mehr als ein bisschen Singen, Erzählen, Gedichte vortragen war kaum möglich. Es gab auch kein Schulmaterial, weder Stifte, Hefte noch Bücher. Man musste also weitgehend mündlich arbeiten. Und es waren immer noch einige sehr, sehr schwierige Kinder da. Ich bin zum Beispiel einmal von einem Jungen mit einem Kartoffelschälmesser angegriffen worden und konnte ihm gerade noch die Hand festhalten.

Wann genau haben Sie dort gearbeitet?

Ich nehme an, dass ich im Juni oder im Juli 1945 die Aufforderung bekam, dort zu arbeiten. Ich war nämlich schon im »Landhaus Freude« tätig, als mein Mann im August 1945 aus der Gefangenschaft kam.

Bevor die Lehrerschaft endgültig wieder eingestellt wurde, mussten alle für die von den Briten angeordnete »Entnazifizierung« einen Fragebogen ausfüllen. Danach wurde dann entschieden, ob der Entsprechende politisch belastet, Mitläufer oder unbelastet war. Auch Sie haben diesen Fragebogen der Militärregierung zugesandt bekommen.

Und den habe ich auch sorgfältig ausgefüllt.

Die Kernfrage war: NSDAP-Mitglied, ja oder nein.
(Anm.Redaktion: NSDAP = Nationalsozialistische Deutsche Arbeiter Partei)

NSDAP-Mitglied: nein, Nationalsozialistischer Studentenbund: nein. Im BDM-Orchester hatten wir aber zur Uniform eine grüne Kordel getragen, und damit war ich Scharführerin gewesen. Alle im Orchester waren also Scharführerinnen gewesen. Das habe ich natürlich auch brav angegeben. Einige Tage darauf wurde ich irgendwo nach Harburg beordert, ein paar andere auch, und der Fragebogen wurde mit mir durchgesprochen.

Waren das deutsche Beamte, oder waren es Briten?

Nein, deutsche. Einer fragte noch mal nach: »Schmidt, geborene Glaser, sind Sie die Tochter von Hermann Glaser? Ihr Vater ist doch früher mal Kommunist gewesen« oder etwas in diese Richtung. Es hat mir aber nichts geholfen. Es hieß schließlich: Scharführerin, da müssen Sie entnazifiziert werden. Ich bekam auch einen Termin, an dem ich mich in der Universität einfinden sollte.

Haben Sie in der Zwischenzeit gar nicht arbeiten dürfen, oder sind Sie weiter ins »Landhaus Freude« gegangen?

Ich habe weiter im »Landhaus Freude« gearbeitet. Es waren ja auch nur ein paar Tage zwischen dieser Fragebogenbespre-chung und dem Termin in der Universität. Dort traf ich als erstes Kurt Sonntag, den ich aus der Lichtwarkschule kannte. Ich bin mir aber nicht klar, ob er damals Referendar war oder schon junger Lehrer. Jedenfalls ist er später der Klassenlehrer meiner Tochter gewesen. Wir begrüßten uns, und er fragte freundlich: »Was sollen Sie denn hier unterrichten?« Ich sagte: »Herr Sonntag, ich soll gar nicht unterrichten, ich soll entnazifiziert werden.« Darauf hat er einen Lachanfall bekommen und gesagt: »Dann kommen Sie mal zu mir.« Er machte Vorgeschichte ...

Kants Welt oben

Loki Schmidt, ein Leben für die Schule, Schule ist fabelhaft, auch waehrend des
britisch - amerikanischen Bombenterrors gegen Frauen und Kinder und Großeltern.
Loki Schmidt fabelhaft mit Kindern umzugehen, auch waehrend der KLV,
der Kinder Landverschickung.

Disziplin macht Menschen - Jugend Erziehung
Schule Bildung durch Erziehung
Schule Unterricht und Erziehung.
Loki Schmidt, Mensch werden,
durch
Erziehung und Bildung

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