M.Wöhlcke, Buch, Das Ende der Zivilisation
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Sachbuch
Soziologie
Verfall

dtv -Verlag
304 S. tb/ im Buchhandel


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Das Ende
der Zivilisation

»Die Zukunft wird in der Gegenwart
vorbereitet und beginnt jetzt.
Sie zeigt einen stabilen Trend
in die falsche Richtung.
Höchste Zeit zum Nach- und Umdenken.

>Toleranz, sie wird von fortschrittlichen Zeitgenossen
mit Gleichgültigkeit verwechselt<. . . .


Ausgangspunkt ist die Erkenntnis, daß in sozialen Systemen bestimmte Kräfte wirksam sind: einerseits die Tendenz zur Syntropie, zum Aufbau und zur Aufrechterhaltung von
Ordnung, andererseits die Tendenz zur Entropie,
zur Unordnung, zum Verfall.

Malerei und Plastik

Auch die bildende Kunst, soweit sie uns über den Kunstmarkt begegnet, befindet sich in einem Zustand hochgradiger Entropie.
Die betreffenden Produkte, die als Kunst bezeichnet werden, sind ein geheimnisvolles Nichts und haben erstens keinerlei Merkmale, die zu einer derartigen Bezeichnung berech-tigen, und zweitens unterscheiden sie sich häufig nicht einmal geringfügig von Alltags-gegenständen. Es genügt in diesem Fall, daß ein selbsternannter Künstler solche Gegen-stände als Kunst bezeichnet und sie mit
diesem Anspruch ausstellt. Ein moderner Künstler braucht eigentlich nur noch ein einziges Segment der Kunst zu beherrschen, nämlich die Kunst der Vermarktung.

Dies gilt für die Malerei ebenso wie für die Bildhauerei. Hierzu gehört dreierlei:
(1)    der Künstler muß möglichst exzentrisch auftreten, weil das Kunstpublikum der Mei-nung ist, ungewöhnlich sei identisch mit genial,
(2)    er muß eine möglichst wirre Kunstphi-losophie anbieten, und
(3)    er muß den Applaus jener sogenannten Öffentlichkeit bekommen, die sich durch den Kontakt mit Kunst zwar aufwerten will, von ihr aber nichts versteht.
Das schöne Märchen von >Des Kaisers neuen Kleidern< stellt die Situation des modernen Kunstmarkts treffend dar.

Von Siegfried Kracauer stammt der schöne Satz:
»An das Nichtmalenkönnen werden -
seit es eine eigene Kunstform geworden ist - immer höhere Anforderungen gestellt.«

Joseph Beuys, der als einer der bedeutend-sten Künstler unserer Zeit gehandelt wird, war ein Vertreter jener hochentropischen Philosophie, nach der jeder Mensch ein Künstler sei. Diesbezüglich sei einschränkend erwähnt, daß nur wenige dieser mittlerweile sechs Milliarden entscheidende Fertigkeit im Bereich der modernen Kunst beherrschen, nämlich die bereits erwähnte den Künstler Kunst der Vermarktung. Jeder Mensch ist ein Künstler, alles ist Kunst, alles ist erlaubt. Während die Malerei noch einige Beschrän-kungen bezüglich von Formaten und Farben setzt, ist die Freiheit im Bereich der sogenannten Objekte, Installationen und Happenings nahezu grenzenlos. Werfen wir einen kurzen Blick auf eines der wichtigsten modernen Kunstwerke:

»Auf den ersten Blick kann hier der Besucher den Umfang des Werkes erfassen. Mächtige plastische Gebilde und filigrane Stücke, frei im Raum oder, wie die vier langen hohen Filzwin-kel mit dem Eurasienstab, hochaufgerichtet gegen die Wand gelehnt. Szenenbeherrschend in diesem Panorama sind die vier blockhaften Teile von >Grond< (1980/81) und jene hundert Schultafeln, die Beuys auf einem niedrigen Podest aus rohen Holzplanken als >Richtkräfte< (1974) arrangiert hat. . . . .

. . . Lassen wir diese Erkenntnisse einen Moment auf uns einwirken und runden wir das Thema mit zwei Nachrichten ab, die ich ebenfalls der Tagespresse entnahm:
»Eine spanische Musikerin, die 1992 bei einem Konzert in einer Kölner Kirche einen toten Hirsch auf dem Altar aufgebahrt hatte, ist am Montag vom Vorwurf der Anstiftung zur Tier-quälerei freigesprochen worden. Ein Schöffen-gericht beim Kölner Amtsgericht vertrat die Ansicht, die Präsentation des toten Hirsches falle unter die im Grundgesetz garantierte Freiheit der Kunst. . . .

»Das dänische Kunstmuseum in Esbjerg, das in seinen Vitrinen den Künstler Christian Lammerz verwesende Schweine ausstellen ließ, will die sieben Kadaver für umgerechnet jeweils 18 000 Mark verkaufen. Schließlich handele es sich bei den toten Schweinen um Kunst, sagte Museumsdirektor Peter Meyer. . .

DROGEN

Eine weitere, besonders wirksame Variante der Erhöhung von sozialer Entropie besteht in der Verbreitung des Drogenkonsums. . . .

. . . Jährlich sterben ca. 200 000 US-Bürger an den Folgen des Alkoholmißbrauchs und ca. 320 000 an den Folgen des Rauchens. . . .

Auszug-Ende
Prof. Dr. Manfred Wöhlcke

behandelt als Waren und wird der steigende Lebensstandard von einer Zunahme neurotischer Störungen begleitet, kurzum:

Dort leben kranke Menschen in einer gesunden Wirtschaft.

. . Später wurde die Arbeitsteilung durch Taylor und Gilbreth unter dem Eindruck der Fließband-produktion in den Ford-Werken und in den Schlachthäusern von Chicago im Detail analysiert.

Die negativen Konsequenzen dieser Entwicklung haben Jean Charles Sismondi, Auguste Comte,
John Stuart Mill und vor allem Karl Marx (»Entfrem-dung«) schon früh beschrieben.

. . . daß der größte Teil der arbeitenden Bevölkerung in der modernen Gesellschaft aus Fachidioten unterschiedlichen Niveaus besteht, für deren berufliche Qualifikation ständig längere Ausbildungszeiten erforderlich werden. Daß dies zu psychischen Verkrüppelungen und einer entsprechenden Neurotisierung der gesamten Gesellschaft führt, liegt auf der Hand.

... Menschen fasziniert, der macht den großen Reibach, während die Anbieter von sinnvollen Produkten und Dienstleistungen in Konkurs gehen können. Diejenigen, die ihr Geld mit mühsamer täglicher Arbeit verdienen, sind sozusagen die Deppen der Marktwirtschaft.

Die sogenannte Oberschicht, die heutzutage nur noch finanziell definiert wird und ihre historische Funktion als kulturelle bzw. ästhetische Elite längst verloren hat, rekrutiert sich also größtenteils aus Personen, die beträchtliche Erbschaften gemacht oder große Spekulationsgewinne erzielt haben. . . .

Ebensowenig wie der Unternehmer frei ist, ist der Kunde König. In Wahrheit ist der Kunde ein geschundener Knecht, der sein in der Regel schmales Einkommen - von den Ladenschlußzeiten gehetzt - für teuer zu deckende Grundbedürfnisse ausgeben muß und den etwaigen Rest mittels einer raffinierten Werbung für zumeist unsinnige Produkte aus der Tasche gezogen bekommt.
Dies nennt man Konsum

.. . . Die Menschen werden allerdings in einem viel stärkeren Maße neurotisiert, was letztlich auf ihrer Unfähigkeit beruht, das Leben in der modernen Gesellschaft mit Sinn zu erfüllen. Diese innere Leere führt zu hektischen Ersatzhandlungen, die als Streß erlebt werden.. . .

Beleuchten wir abschließend einige Aspekte der modernen Gesellschaft, die seitens der Soziologie nicht angemessen im Blick sind.

Beginnen wir mit der Toleranz.

>Sie wird von fortschrittlichen Zeitgenossen mit Gleichgültigkeit verwechselt<. . . .

Das ist nicht nur das Ergebnis schwindender kollektiver Werte und Normen, sondern das Werk von Lobbies, welche die öffentliche Meinung beherrschen.

. . . Diese Zeitgenossen sind eng verwandt mit den Bedenkenträgern und Gutmenschen. . . .

. . . Noch ärgerlicher ist aber ihre ideologische Einäugigkeit. Auf dem linken Auge sind sie nämlich so gut wie blind, und man vermißt ihre aufgesetzte Empörung nicht nur dort, wo linke Kräfte destruktiv sind, sondern auch dort, wo die ausufernde Liberalität der modernen Gesellschaft sozialpatholo-gische Phänomene hervorbringt. Welcher unserer prominenten Bedenkenträger bzw. Gutmenschen hat sich zum Beispiel schon einmal kritisch zur Gewalt der »68er« geäußert? . . . .Oder zur Vertreibung aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten? Oder zu den Verbrechen der Roten Armee? Oder zum Drogenkonsum? Oder zur Jugend- und Ausländer-kriminalität? Oder zu den katastrophalen Zuständen an den deutschen Schulen? Es gibt noch hunderte Themen, die man hier aufzählen könnte. . . .

Es ist kennzeichnend für die moderne, komplexe Gesellschaft, daß »law and Order« zu einem regelrechten Unwort geworden ist. Es wurde dazu von einer öffentlichkeitswirksamen Minderheit gemacht, die offenbar nichts von Gesetz und Ordnung hält. Logischerweise muß man daraus folgern, daß sie sich im Grunde für Anarchie und Chaos einsetzt. . . .

. . . Vor dem Hintergrund der Musikgeschichte kann man wohl ohne größere Skrupel von einer dynamischen Zunahme der Entropie sprechen. . . .

geboren 1941, Soziologe. Er promovierte
1969 mit einer religionssoziologischen Dissertation. Seine Habilitationsschrift behandelte soziale Aspekte der abhängigen Industrialisie-rung. Im Laufe seiner beruflichen Spezialisierung hat er sich auf folgende Themen konzentriert: internationale Entwicklungs- und Umweltproble-matik; Politik und Gesellschaft Lateinamerikas; globale Gefährdungen;
politische Konsequenzen des demographischen Wandels. Veröffentlichungen u. a.:
>Ein dritter Weg für die dritte Welt?< (1985);
>Brasilien - Anatomie eines Riesen< (1985; 3. Aufl. 1991);
>Umweltzerstörung in der Dritten Welt< (1987);
>Der Fall Lateinamerika - Die Kosten des Fortschritts< (1989);
>Umweltflüchtlinge< (1992);
>Der ökologische Nord-Süd-Konflikt< (1993);
>Ökologische Sicherheit: Neue Agenda für die Umweltpolitik?< (1997).

AUSZÜGE

. . . (auch im Rahmen der Theorie der Autopoiesis) sind die meisten sozialen Systeme und Teilsysteme mehr oder weniger »offen«, und zwar um so »offener«, je komplexer und interdependenter sie sind. Ein isolierter Indianerstamm im Amazonasgebiet ist also weitgehend »geschlossen«, eine moderne Industriegesellschaft ist dagegen weitgehend »offen«.

Dennoch ist der physikalische Entropiebegriff auch und gerade für das Verständnis »offener« sozialer Systeme hilfreich. Dies genau ist das Thema der vorliegenden Studie.

Ich habe ein tiefes Verständnis für zivilisatorische Dekadenz und glaube, daß Pessimisten letztlich mehr Realitätssinn haben als Optimisten. Die ständigen Neuerungen machen mich tendenziell nervös. Vor Jahren habe ich mir eine Formulierung notiert, die mir gut gefallen hat:
»die zerstörerische Kraft der Zeit«.

Leider habe ich mir nicht gemerkt, von wem dieses Zitat stammt, aber ich glaube, es stammt von Hegel. Auch der Kontext ist mir nicht mehr in Erinnerung, aber falls das Zitat tatsächlich von Hegel ist, käme es mir sehr gelegen, da ich annehme, daß er es ordent-lich dialektisch verpackt hätte und damit meinem Thema der ambivalenten Balance zwischen Entropie und Syntropie ziemlich nahe gekommen wäre.

Ich gehe davon aus, daß in allen Gesellschaften und ihren Teilsystemen ein Prozeß der sozialen Entropie wirksam ist, welcher der sozialen Syntropie, also jener Energie, die den Aufbau sozialer Ordnung und Differenzierung fördert, entgegenwirkt. Es bedarf immer eines angemessenen Aufwands an »sozialer Energie« (= spezialisierter Fertigkeiten und Arbeit), um die Struktur und Funktion sozialer Systeme und Teilsysteme aufzubauen, zu optimieren, zu erhalten und in einem sich verändernden Umfeld anzupassen. In einfachen gesellschaftlichen Systemen genügt dafür die Energie der Selbstorganisation - eben die Autopoiesis. . . .

Ich mache also nicht etwas Unbekanntes bekannt, sondern ich mache etwas Bekanntes bewußt.

Beginnen wir mit Griechenland.

Von der hellenischen Hochkultur sind nur noch einige Statuen und Ruinen übriggeblieben. Diese Wiege der europäischen Kultur ist der Entropie völlig zum Opfer gefallen, und was an ihrer Stelle aufgebaut wurde und wird, zerfällt rascher, als es aufwächst. Schon während der Implementierungs-phase einer Neuerung wirkt die Entropie annähernd gleich stark wie die Kräfte des Aufbaus, . . . .

Italien hat mich immer fasziniert. Sein Charme beruht für mich auf einer schönen Landschaft und den syntropischen Resten der Vergangenheit, namentlich der Antike, der Renaissance und des 18. sowie des 19. Jahrhunderts. Diese syntropischen Reste sind nicht nur in Bauwerken erhalten, sondern haben auch die traditionsreiche italienische Kultur geprägt.

. . . In diese hat sich inzwischen aber auch eine moderne Unkultur eingewebt. Wir kennen sie aus der Zeitung, aber auch von eigenen Reiseerlebnissen.

. . . Zentren Italiens - insbesondere die historischen Städte einschließlich der wunderbaren Kirchen - zu Rummelplätzen des internationalen Tourismus entwickelt haben. . . .

. . . in jenen wenigen Gesellschaften, in denen die Marktwirtschaft zufriedenstellend funktioniert, machen die Maschinen die Menschen zu Maschinen, werden die Menschen schlechter


Soziologie
Ende der Zivilisation, sinnentleerte Moderne,
Freiheit, Kunst, Drogen,
Kranke Menschen in einer gesunden Wirtschaft,
Lobbies kontrollieren die öffentliche Meinung
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