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Essays, Philosophie,
Literatur Aufgezeichnet vor 2000, 200, 20 oder 10 Jahren. 1992 |
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Die
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Das Ende der Trierer
Eschatologie oder:
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Gesellschaftsmagazin |
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Freunde, die
ich ernst nehme, sorgen sich: »Fängst du nun an, deine linke Position
aufzugeben?« Ich aber weiß nicht (mehr), was das ist ‑ eine »linke
Position«. Und niemand von denen, die sie für sich in Anspruch nehmen,
erklärt sie mir; erklärt sie sich. Helmut Kohl einen Tolpatsch zu finden
- ist das schon »links«?
Und Castro, der Homosexuellenlager einrichtete und oppositionellen Schriftstellern
die Knochen brach, einen Diktator - ist das »rechts«? Wo würde einrangiert
in diesem »Journal des Luxus und der Moden« der nichtsozialistische, antikommunistische
Südafrikaner Breyten Reytenbach, gleichwohl weltberühmt als Bekämpfer
(und Opfer) des rassistischen Apartheid-Systems? Eine Anthologie ließe
sich zusammenstellen aus Äußerungen prominenter
Intellektueller, Schriftsteller, Professoren beider Deutschlands, die
etwas für sich reklamieren, das sie benennen - aber nie definieren. Das
Ding hört auf unterschiedliche Namen humaner Sozialismus, wahrer Sozialismus,
der dritte Weg. Kürzlich sagte ein Essayist: »Ich bin und bleibe Marxist.«
Allein: Was ist das? Mir scheint, die linke Intelligenz hat sich seit Jahrzehnten - in der Bundes-republik seit den fünfziger Jahren - aus der Negation heraus definiert. »Links« ist ja kein Begriff in sich selber; man kann nur links von etwas sein. Sowenig wie »Loch« etwas per se ist; es kann nur ein Loch in etwas sein. Es ist die Umgebung, die den Begriff liefert; damit legitimiert. So war ein großer Teil der westdeutschen Nachkriegsintelligenz, glück-licherweise, gegen Restauration, (Neo-)Faschismus und verlogene Ver-gesslichkeit - die sehr bald schon machtgeschützte Innerlichkeit wurde. Äußerlichkeit ohnehin. Man lehnte sich auf gegen die Globkes und Oberländers, gegen die Sieburgs und Jüngers, gegen den tradierten Antikommunismus oder die »Aktion saubere Leinwand«. Das Land wurde zwar aufgebaut, aber in den Köpfen nicht neu möbliert -eine nur gelegentlich greifbare, nur bei |
seltenen Gelegenheiten wie des Außenministers von Brentanos Unver-schämtheit, Brecht mit Horst Wessel gleichzusetzen, dingfest zu machende Chloroformwolke erstickte Ansätze zu Anstand, Trauer, moralischer Neubesinnung. Ein jüngerer Historiker summiert heute diese Zeit: »Die Stelle des Blutfeindes Jude nimmt nun der Weltwirt-schaftsfeind Kommunist ein. Das Bürgertum hatte auch in Weimar den Feind der Republik stets links gesehen. Und Hitler hatte ja im Osten für den Bestand des Abendlandes gekämpft. Bald machte der Satz vom falschen Schwein, das geschlachtet worden sei, die Runde.« Von Lächerlichkeiten
wie dem Verbot des »Sünderin« Films (weil Hildegard Knef sekundenlang
nackt zu sehen war) über Entgleisungen wie den Vergleich der Gruppe
47 mit der Reichsschrifttumskammer zum schmählichen Versagen, dass nicht
ein Bundespräsident, nicht ein Bundeskanzler auch nur einen Emigranten
zurückbat - nicht Thomas Mann noch Walter Mehring noch Leo Löwenthal,
das Alphabet der Verjagten und Verfolgten hindurch: die junge Bundesrepublik,
im Kaufrausch, war eine einzige Gewissenswaschanlage. Man ließ einen
enttäuschten Alfred Döblin wieder außer Landes gehen, einen depri-mierten
Fritz von Unruh sich zum zweiten Mal verabschieden, verhöhnte (den im
Gegensatz zu Freislers Witwe mittellosen) Hans Henny Jahn und jagte
den katholischen Schriftsteller Reinhold Schneider, dessen »Fall« an
Martin Niemöllers Satz erinnert: »Ich denke an die Jahre 1949 bis 1954
als an die dunkelste Zeit meines Lebens ... dunkler selbst als die acht
Jahre im Gefängnis und KZ zurück.« Peter Hamm sprach von einem Verleumdungsfeldzug
gegen Reinhold Schneider, »bei dem man nicht einmal davor zurückschreckte,
Schneider die Annahme eines hochdotierten Postens in der Sowjetunion
zu unterstellen.« |
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Linke Kruecke Hoffnung, das Ende der Trierer Eschatologie, die Angst der Interlektuellen vor dem Utopie Verlust, Links, Karl Marx, Utupia © - Copyright Sämtliche Fotos, Texte, Layout und Design Kultur Fibel Verlag GmbH, Berlin und JBM-marketing, PF 140315, D-40073 Düsseldorf Musical-Operette:
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