Man muss schon sehr naiv
und vollkommen unwissend sein, um die primitive Propaganda von Ralph Giordano
zu schlucken. Schon 1991 schrieb Uri Avnery in einer Kritik zu Giordanos
Buch "Israel, um Himmel´s willen, Israel":
Es wäre vielleicht besser für Giordano, sich an Dinge zu halten,
von denen er etwas versteht. Wir, die Israelis, haben solche
Fälschungen nicht nötig.
Giordano hat sich leider Avnerys gut gemeinten Rat nicht beherzigt. Menschen
wie Giordano helfen uns Juden und Israelis nicht aus der
abgrundtiefen Misere in der Israel steckt herauszukommen,
so wenig wie seinerzeit die westlichen Kommunisten, mit ihren rosaroten
Brillen dem russischen Volk dabei geholfen haben, auf dem Weg der Perestroika
zu gelangen.
Giordano bringt immer
noch und immer wieder alle üblichen bis zum Erbrechen vorgekauten Argumente
der
israelischen Propaganda, wobei er seine Verachtung der Araber
und ihrer Kultur nicht unterdrückt.
Einspruch!
Ich erhebe Einspruch gegen den widerwärtigen und heuchlerischen Beitrag
des notorischen Hetzer und selbstgerechten Moralprediger Ralph Giordano,
der nicht müde wird sein Gift in Ihrer Zeitung zu verspritzen, Hass
zu predigen, Lügen zu verbreiten und so zu tun, als ob die deutschen
Medien Israel "scharf kritisieren." Das Gegenteil
ist der Fall. Ich wünschte, die deutschen Medien würden
Israel tatsächlich scharf kritisieren und nicht mit Glacehandschuhen
anfassen und in dicken Lettern auf der Titelseite schreiben: WIR WEINEN
MIT ISRAEL.
Wer weint mit den Opfern der Israelis? Giordano sicherlich
nicht.
"Es ist eben widerwärtig
zu sehen, wie empfindungslos sich Kreise der deutschen Öffentlichkeit,
Medien und Politik über israelische Opfer hinwegsetzen", hieß
es in dem Text von Giordano. Umgekehrt wird aber ein Schuh daraus. Widerwärtig,
teilnahmslos und uninteressiert wird sich hier über palästinensische
Opfer hinweggesetzt, die zahlenmäßig das Vielfache der israelischen
Opfer ausmachen.
Diese ewige und immer wieder wiederholten Beschuldigung von "grenzenlos
einseitigen Schuldzuweisungen" sind auch dann nicht wahr und richtig,
wenn Giordano sie zum hundertsten Mal wiederholt. Wenn bei der deutschen
Presse Einseitigkeit festzustellen ist, dann eher umgekehrt, dass
man sich für die Sache der Palästinenser zu wenig einsetzt. Über
israelische Opfer setzt sich jedenfalls keine deutsche Zeitung hinweg, es
sei denn die Soldatenzeitung. Deshalb ist das Geschrei des selbsternannten
Predigers Giordano hier fehl am Platz, heuchlerisch, verlogen und widerwärtig.
Giordano fragt
"warum die gezielte Tötung zweier Männer, die unzählige
gezielte Morde angeordnet haben, schlimmer sein soll, als diese Morde"?
Wenn Giordano und die Redaktion der
Jüdischen Allgemeinen das nicht wissen, dann möchte ich es
ihnen in aller Klarheit und Deutlichkeit sagen: Nein, Herr Giordano, die
gezielte Ermordung (nicht Tötung) zweier palästinensischer Politiker
ist in der Tat nicht schlimmer, als die gezielte Ermordung unschuldiger
Männer und Frauen, Kinder und Greise in irgendeinem x-beliebigen Bus
in Israel - sie ist genau so schlimm. Und wer die Ermordung politischer
Führer für richtig, gerecht und moralisch vertretbar hält,
hat das Recht verwirkt andere gezielte Ermordungen zu verurteilen.
Mord
ist Mord.
Es gibt keinen moralisch vertretbaren Mord, und wenn es einen solchen gäbe,
dann würden die Morde der Palästinenser, die um ihre Freiheit,
Menschenwürde und Unabhängigkeit "morden" eher darunter
fallen, als die Morde der Israelis, die nur die Unterdrückung
eines anderen Volkes, Landraub und Vertreibungen damit zementieren
wollen.
.
In einer richtigen Demokratie würde man auf Mutmaßungen nicht
morden. Nein, Herr Giordano, die Tötungen der Israelis
sind nicht "schlimmer", als die Tötungen der Palästinenser
- sie sind aber ungerechter, unmoralischer und widerwärtiger. Sie vergessen
auch zu erwähnen, dass diese Morde immerhin von einer "Demokratie"
in Auftrag gegeben werden. Haben Sie sich je gefragt was das für eine
Demokratie sei, die mit Mord Politik macht und dutzende Male billigend in
Kauf genommen hat, dass unschuldige Männer und Frauen, Kinder und Greise
getötet werden, nur weil man einen "mutmaßlichen Terroristen"
in einem Häuserblock vermutet. In einer wahren Demokratie würden
sie nicht einmal einen Haftbefehl bekommen, geschweige denn die Erlaubnis
zu morden.
Sie sind so stolz auf die "Demokratie Israel"
und ich frage mich schon lange wieso und weshalb. Israel
ist nur dann eine stabile Demokratie, wenn Sie es mit Syrien, Jordanien,
Ägypten und Lybien vergleichen. Einen Vergleich mit europäischen
Demokratien würde Israel niemals standhalten. Israel,
ein Land in dem die militärische Führung seit
Jahrzehnten nahtlos nach Beendigung des Jobs bei der Armee in die politische
und wirtschaftliche Führung des Landes hinüberwechselt. Die letzten
4 Ministerpräsidenten (Rabin, Netanjahu, Barak und Sharon) waren hohe
Militärs und sogar Generalstabschefs. Die israelischen Wirtschaftsbosse
sind zum allergrößten Teil ehemalige Generäle. Das einzige,
was Israel von einer Militärjunta unterscheidet sind
die Wahlen, die aber in Israel auch alles andere als demokratisch und korrekt
sind.
Wir Juden haben
keinen Grund auf die israelische Demokratie stolz zu sein und die
Ereignisse der letzten Monate, Wochen und Tage haben es ganz deutlich gezeigt.
Ein Ministerpräsident Sharon, der in mehreren Korruptionsaffären
verwickelt ist, in denen auch seine Familie und einige seiner Freunde stecken.
In jedem anderen echt demokratischen Staat wäre das schon längst
ein Grund abzudanken, nicht so in Israel.
Wenn aus der linken oder rechten Ecke Israel
mit Nazideutschland verglichen wird, dann schreien Sie zum Himmel und
denunzieren die Übeltäter sofort als verkappte Antisemiten. Sie
aber nehmen für sich das Recht in Anspruch falsche und irreführende
Vergleiche zu machen, ohne dabei auch nur den leisesten Zweifel zu haben.
Wären "zwischen Flensburg und München" Terrorakte zu
beklagen.? Ja Gott sei Dank sind keine zu beklagen, weil Deutschland eben
nicht in einer ähnlichen Situation wie Israel ist.
Deutschland hält keine millionenfache Bevölkerung in einem tödlichen
Würgegriff. Deutschland hält kein anderes Land besetzt und als
es das vor 60 Jahren gemacht hat, da gab es auch Widerstand, den die Nazis
"Terror" nannten, den aber Giordano und seinesgleichen nicht müde
sind zu verherrlichen und zu loben - und zurecht.
Sie
würden mit Sicherheit die Reaktion auf die Tötung von Heydrich,
die Liquidierung von Lidice, als Völkermord, Verbrechen gegen die Menschheit
etc. bezeichnen. Die Liquidierung von Jenin, oder nur der Altstadt
von Jenin, finden Sie richtig und moralisch vertretbar, weil sich ja dort
einige mutmaßliche Terroristen versteckt hielten.
Und können Sie mir erklären warum Arik Sharon an dessen Händen
viel Blut getöteter arabischer Zivilisten klebt, worauf er auch noch
stolz ist, ein besserer Mensch sein soll, als Arafat, der auch nur um die
Freiheit seines Volkes kämpft, der aber persönlich noch keinen
einzigen Juden getötet hat?
"Wollen ungefährdete Deutsche tatsächlich und allen Ernstes
die Israelis besserwisserisch belehren", fragt dieser
Giordano mit einer gespielten Empörung. Gespielt deshalb, weil es ja
nicht wahr ist, weil wir in Deutschland immer noch weit davon entfernt sind
"die Israelis zu belehren" und gegen
israelische Verbrechen die Stimme zu erheben, denn wenn es einer
tun wird, werden sofort die üblichen Moralprediger wie Giordano, Broder
und Friedman wie von der Tarantel gestochen aufspringen und laut "Antisemitismus"
schreien. Und davor hat man hierzulande Angst wie der Teufel vor dem Weihwasser.
Andererseits, warum nicht? Warum beklagt Giordano heute, dass nicht genug
Bürger Zivilcourage gezeigt haben und zu Unrecht, Unrecht sagten und
zu Verbrechen, Verbrechen. Dürfen denn Deutsche Israels
Politik deshalb nicht kritisieren, weil sie Deutsche sind und die Israelis
Juden? Oder weil sie "ungefährdet" sind oder weil man Israels
Politik einfach nicht kritisieren darf?
Thomas Mann hat die Politik der Nazis auch aus einer "ungefährdeten"
Position im Exil kritisiert. Ist seine Kritik deshalb weniger richtig und
wertvoll? Und Giordano selber, sitzt er nicht auch ungefährdet in diesem
Land und verspritzt ungefährdet seinen Gift in allen Richtungen. Nicht
vergessen ist seine Schlagzeile: Ein Gespenst geht um in Europa - das Gespenst
des Antisemitismus. Er hat diese Zeile bei einem anderen Juden entliehen
und wieder wirkungsvoll eingesetzt, nur leider falsch. Wenn aber Giordano
so sehr unter diesem Gespenst leidet, dann soll er doch in das Land der
Juden gehen und vielleicht entdeckt er dort ein anderes Gespenst, das umgeht.
Es ist auch für Giordano leicht und ungefährdet in Köln zu
sitzen und von Sachen zu schreiben, von denen er keine Ahnung hat, die er
nicht versteht und die ihn nicht angehen.
Giordano sieht nur positives in Israel und Israels
Politik und ärgert sich über Kritik an dieser Politik so sehr,
dass er den Kritikern niedere und finstere Motive unterstellt. Seine verabscheuungswürdigen
Unterstellungen gehen so weit, dass er sogar seine Verachtung vor Israelis
und solchen Juden nicht unterdrücken kann, die zurecht und aus patriotischen
Motiven eine andere Meinung haben. Und schließlich seine rassistischen
Ausfälle gegen Araber und die arabische Welt.
Giordano schreibt: "Nicht
von Israel aus würden große Schatten über das 21. Jahrhundert
fallen, sondern von Seiten der 22 arabischen Staaten." Haben
denn die Araber sechzig Prozent des israelischen Staatsgebietes völkerrechtswidrig
annektiert? Greifen die Palästinenser Israel mit Panzer und
Kampfhubschrauber an? Sprengen die Palästinenser in Israel
Häuser, roden Olivenhaine und machen Israel systematisch
unbewohnbar? Hier werden doch die Tatsachen geradezu auf den Kopf gestellt.
Als Begründung für seine falsche und widerwärtige Behauptung
führt er nicht die oben erwähnten Untaten an, sondern die lächerliche,
primitive und banale Feststellung, dass "in der arabischen Gesellschaft
die Frauen und damit die Hälfte der Bevölkerung so gut wie rechtlos
sind." Wieso und weshalb die uralte Tatsache die Welt bedroht verrät
er uns allerdings nicht. Von der weitaus gefährlicheren Bedrohung,
die ihren Schatten auf das 21. Jahrhundert wirft, der israelischen Atombombe,
sagt er kein Wort.
Und woher
nimmt sich dieser selbsternannte Moralist das Recht die arabische Welt in
ihrer Wertstellung, Gesellschaftsordnung und Moralität so zu verurteilen,
voller Hass, Verachtung und Häme. Es waren schließlich die Europäer,
die die arabische Welt jahrhundertelang unterdrückt, ausgebeutet und
ausgeplündert haben. Es waren die Europäer, die die arabische
Welt in der selben Unordnung zurückgelassen haben, wie sie es in Asien
und Afrika gemacht haben.
Viele Konflikte in diesen
Teilen der Welt sind auf den europäischen Kolonialismus zurückzuführen
und da könnten diese 22 arabischen Staaten, die von den Europäern
nicht immer nur Demokratie, Humanität und Gerechtigkeit gelernt hatten,
auf solche dumme, hasserfüllte, arrogante und überhebliche Vorurteile
und Ratschläge gut verzichten, zumal die Schatten von denen Giordano
spricht, eben erst auf die gesamte westliche Welt gefallen sind durch die
Menschenrechtverletzungen und Verbrechen der US-Soldaten, die im Irak verübt
worden sind. All das unter dem Vorwand dem Irak Zivilisation, Demokratie,
Recht und Freiheit näher zu bringen. Dabei
war der Irak schon eine hoch zivilisierte Region, als es die USA noch gar
nicht gegeben hat, und die europäisch-abendländische Zivilisation
übrigens auch nicht. Und was die Anpassung an die Moderne
betrifft, so ist mir Tradition lieber als diese verlogene Selbstgerechtigkeit,
die man leider auch bei den Israelis vorfindet. Auch in
israelischen Gefängnissen wird gefoltert, gedemütigt und schließlich
ermordet. Wenn Herr Giordano sich darüber informieren will muss er
nichteinmal nach Israel fliegen. Er kann sich die in deutsch
vorliegenden Bücher von Felicia Langer vornehmen, sie lesen vielleicht
öffnet es ihm auch das eine oder andere Auge.
Giordano beklagt dass die Frauen in der arabischen Welt so gut wie rechtlos
sind. Dazu nur folgendes:
Erstens, er kennt die arabische Welt nicht und weiß nicht was er da
sagt; zweitens, als ob die Frauen in der westlichen Welt schon überall
die Gleichberechtigung haben. Und drittens, als ob nicht auch große
Teile der israelischen Gesellschaft rechtlos seien, Menschenrechte
dort unbekannt sind und für dieses Übel auch noch die Opfer verantwortlich
gemacht würden
Alles in allem: Herr Giordano
sollte öfters mal in den Spiegel schauen und feststellen ob sein Menschenantlitz
noch vorhanden ist. In seinem Buch "Menschen
von Sodom" schreibt der israelische Autor Ehud
Ben-Ezer:
Es ist besser sein Menschenantlitz im Tode zu bewahren als es im Leben zu
verlieren. An diesen Worten dürfen sich heute viele Israelis erinnern,
wenn sie z.B. an einer Straßensperre mit ansehen müssen, wie
israelische Soldaten arabische Zivilisten behandeln. Die
Soldaten wollen den Palästinensern die Menschenwürde nehmen in
dem sie sie mit Füßen treten oder, wie eben auch geschehen, von
oben herab bepinkeln. Leider merken sie nicht, dass sie dabei nur ihre eigene
Würde verlieren und dazu noch die Würde der ganzen israelischen
Nation. Das Problem, vor dem heute die Amerikaner stehen, ist schon seit
vielen Jahren auch das Problem vor dem Israel steht. Es
hat den Palästinensern nicht nur Land geraubt sondern versucht permanent
seit mehr als fünf Jahrzehnten auch die palästinensische Identität
zu zerstören und zu vernichten in der Hoffnung, die Palästinenser
würden bald aufstehen und ihre Heimat verlassen.
Giordano und in der letzten Ausgabe der Jüdischen
Allgemeinen sogar auch Helmut Karasek stellen die Welt
auf den Kopf, wenn sie in Arik Sharon einen umsichtigen und weitsichtigen
Politiker sehen, der nun bereit war den Gazastreifen einseitig
zu räumen und es der arabischen Autonomie zu überlassen.
Sharon
wird gelobt dafür, dass er für eine "strikte Teilung"
ist, die in der Tat zur Zeit die einzige realistische Aussicht ist. Nur,
Sharon will bei dieser Gelegenheit weitere große Teile der Westbank
annektieren und damit wieder jede Menge
Land
rauben, am liebsten mit Zustimmung der amerikanischen Regierung, die
ihm aber jetzt, in letzter Minute, doch verweigert wurde.
Da schreibt Karasek
von der "Machtverschlagenheit" von Arafat und dabei ist Sharon
der alte, verschlagene Fuchs, der konsequent seinen Weg geht mit dem Ziel
eines Großisrael,
vom Mittelmeer bis zum Jordan, koste es was es wolle. Das Ziel einer
ethnischen Säuberung, die in Israel immer
noch "Transfer" genannt wird, ist immer noch auf Sharons Agenda
und das wird hier in Europa von vielen übersehen.
Sharon
ist nicht bereit Opfer zu bringen.
Die Räumung des Gazastreifen ist für Sharon kein
"Opfer", zumal man sich fragen muss, und vielleicht auch Herrn
Karasek, wieso die Rückgabe von geraubten, eroberten
Land, das einem weder in der nahen noch in der früheren Vergangenheit
je gehört hat, ein "Opfer" bedeutet?
Und als ob das nicht genug sei, meint Karasek, dass erst
jetzt, nachdem die Partei ihrem Führer Sharon die Gefolgschaft verweigert
hat, klar wird, wie viel Sharon und mit ihm George
W. Bush auch den Israelis zumutet.
Keiner, weder Karasek
noch Giordano noch Herr Joscka
Fischer und wie sie alle heißen, fragt sich, wie viel Sharon und
George
W. Bush den Palästinensern zumutet, um deren Land und Leben es
schließlich geht.
"Grenzenlos einseitig" sind demnach Giordano, Karasek
und andere gute Menschen, die es gut mit uns Juden meinen und uns
am liebsten in Watte einpacken würden und einer Schublade verschließen
auf nimmer wieder sehen.
Ja, Giordano liebt Israel.
Ich liebe es auch. Während ich aber Israel so sehe
wie es wirklich ist, ist Giordano blind in seiner Liebe oder sieht das Land,
die Menschen und die Politik durch eine rosarote Brille, die alles verdeckt,
was ihm unangenehm ist und was er nicht sehen will. Und den Rest bedeckt
er mit dickflüssigen Honig, damit es uns süß und schmackhaft
erscheint.
Man darf
eben nicht zuckerkrank sein, wenn man seine Propaganda liest.