Lola Müthel

Lola Müthel, Carl Raddatz in Besuch der alten Dame, Friedrich Dürrenmatt
Lola Müthel mit Carl Raddatz in "Der Besuch der Alten Dame" von Friedrich Dürrenmatt. Renaissance Theater, Berlin
(Nov. 88 - Jan. 89) Foto: Buhs
Persönlichkeiten
der Theatergeschichte
Lola Müthel, Mann ist Mann, von Bertolt Brecht
Lola Müthel in "Mann ist Mann" von Bertolt Brecht, Regie: A. Fricsay.
Bayer. Staatsschauspiel 1977 Foto: Rabanus

Natürlich, ich bin ein Blutsmensch. Ich habe es genossen, meine Rollen aus dem Vollen zu spielen, und die Zuschauer haben mir meine Vitalität auch abgenommen. Und es ist schön zu wissen, daß man immer noch die Kraft dazu hat. Neuenfels hat mich als Klytämnestra 1986 in Berlin in die größten Exzesse gejagt, da habe ich wahnsinnig viel Kräfte losgelassen. Aber die stillen Momente waren eigentlich die schönsten.

Hängt das mit dem Älterwerden zusammen ?

Je älter ich werde, desto mehr reizen mich die zarten Zwischentöne, die ruhigen Sachen. Ich möchte mich in meinen Mitteln reduzieren, nach innen gehen. Nicht aus Kraftmangel, im Gegenteil. Ich möchte mich nicht wiederholen, möchte neue Wege suchen. Ich empfinde es sogar als Handicap, die Mittel zu reich zu haben. Bei mir muß man immer etwas wegnehmen. Das habe ich auch bei Ingmar Bergman in Strindbergs „Traumspiel" erfahren, wo ich die ganz kleine, stille Rolle der Mutter spielte. Von dieser Rolle sagte mein Mann: „Da warst Du so wesentlich wie noch nie." Ich meine, noch etwas geben zu können, was Menschen nicht nur unterhält, sondern schön und liebenswert ist und starke Gefühle rüberbringt, ohne sie zu verzerren.

Worin sehen Sie die Aufgabe des Theaters?

Über manchen Theatereingängen steht das Motto „ Dem Schönen, Wahren, Guten“. Dem Wahren geht man ja heutzutage sehr nach, aber wo bleibt das Schöne und Gute? Hat denn das Theater nicht noch eine andere Aufgabe als nur wie das Fernsehen unseren Alltag vorzuführen? Die Leute, die ins Theater gehen, warten doch auf die Phantasie. Die darf nicht aussterben. Für mich hat das Theater keine Daseinsberechtigung mehr, wenn es nur das Häßliche abklatscht.

Warum muß bei uns alles so nackt und grau und eindeutig, so mager und blutlos sein? Warum haben wir so wenig Mut zur Anmut? Grundgens konnte das: Poesie auf die Bühne zaubern. Das Sinnliche ist doch der Motor, und das vermisse ich heute. Das Theater muß über die Grenzen des Normalen hinausgehen - das will ich sehen.

Ist dieser Mangel an Mut und Sinnlichkeit für Sie ein Zeitproblem ?

Ich glaube, das hat mit der deutschen Vergangenheit zu tun. Unter Hitler wurde der Idealismus ja derart betrogen, daß man vielleicht keinen Mut mehr dazu hat. Als ich jung war, gab es Schauspielerinnen wie die Körner, die Dorsch, die Gold - vor denen lagen wir auf den Knien. Heute hauen einem viele der Jungen gleich auf die Schulter und duzen einen. Finde ich zwar prima, aber es fehlt ihnen halt die Fähigkeit, etwas bewundern zu können. Aber vielleicht sehnen sie sich ja danach und haben bloß Angst vor Idealen?

Was für Rollen möchten Sie heute gerne spielen ?

Ich würde gerne moderne Stücke spielen und am liebsten eine Frau, so wie ich hier bin, mit Brille und meinen eigenen Konflikten.

hingewiesen und mir gesagt: „Du darfst Dich nicht zu sehr in die Worte verlieben." Er lehrte mich, den Ausdruck auch aus der Körperhaltung zu ziehen. Er war ja ein sehr expressiver, vorzeigender Regisseur, der im Ausdruck bis zum Äußersten ging, vor allem körperlich. Und trotzdem war er ein Regisseur der Werktreue, der nur dem Autor dienen wollte. Gerade schwache Stücke hat er dadurch oft genial aufgewertet.
Gründgens hingegen war als Nachvollzieher des Autors ein unendlich phantasievoller Sinnesmensch, von der Sprache und vom Optischen her. Er war als Regisseur eine faszinierende Persönlichkeit mit Eleganz, Charme, Witz und Ironie; er inszenierte musikalisch, rhythmisch, spielerisch und brillant. Aber er besaß dabei eine preußische Disziplin, die er auch von uns verlangte. Unser Alltag mußte zu Hause bleiben, wenn wir die Bühne betraten. Und er war ein unerbittlicher Kritiker.

 

Man hat ihn oft zum Intellektuellen gestempelt, das war er gar nicht. Er war ein Nasenmensch, ein Instinktmensch mit einer riesigen Intelligenz, er war ein Genie der Improvisation. Er hat junge Regisseure gefördert wie Stroux und Liebeneiner, und wenn er dann zu den letzten Proben kam und nicht zufrieden war, konnte er mit ein paar genialen Bemerkungen die ganze Inszenierung auf den Kopf stellen. Und das sogar, ohne das Stück vorher gelesen zu haben. Bei einer solchen Probe, wo wieder einmal alles umgeschmissen wurde, habe ich mich gegen eine seiner Anweisungen gewehrt und trotzig gesagt: „Aber ich empfinde das nicht so." Er - Pause - ganz kalt: „Empfinden kannst Du im Bett, aber nicht auf der Bühne." Das war seine Ratio, seine Disziplin. Ich habe mich vor Wut heulend in die Garderobe eingeschlossen. Aber dann habe ich kapiert, daß er mir einen tollen technischen Trick verraten hatte. Man muß bei der Erarbeitung einer Rolle erst das geforderte Gefühl empfinden, es vergessen und es wieder empfinden, bis man es herstellen kann, ohne sich in der Identifikation damit völlig zu verausgaben.

Aber dennoch sind Sie eine Schauspielerin der ganz großen Gefühle, der großen Tragödie?

Ja, meine Lieblingsrollen sind auch so extreme wie Kleists „Penthesilea" und Euripides „Medea". Diese Frauen sind ja fast schon unnormal, sie erleben Grenzsituationen, die sich einem auch als Schauspielerin einprägen. Identifizieren kann man sich leichter bei modernen Rollen.

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Lola Müthel , Schauspielerin
Staatsschauspielerin
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