Lola Müthel |
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im
Gespräch mit Gabriella Lorenz 1989 |
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Persönlichkeiten
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Auf
die gebürtige Berlinerin passen alle Attribute der Vollblutschau-spielerin,
der großen Heroine, der klassischen Tragödin. Und sie hat nichts
dagegen. Denn Lola Müthel ist mit ihrem Beruf mindestens ebenso intensiv
verheiratet wie mit ihrem Mann und Schauspielerkollegen Hans Caninenberg,
mit dem sie seit 1966 in Gräfelfing bei München ansässig ist.
Sie war der Shooting Star der späten 30er Jahre, hat sich seitdem in
ganz Deutschland quer durch die Klassiker gespielt, ohne die Moderne auszulassen.
In München sah man sie von 1972 bis 1984 am Residenztheater (Resi), zur
Zeit ist sie freiberuflich vorwiegend in Berlin engagiert. Rothaarig, mit
mondäner Ausstrahlung und bahnbrechender Vitalität, holt sie im
Gespräch ganz en passant so viel interessantes aus ihrer Vita, daß
man mit diesem theaterhistorischen Abriß leicht ein halbes Lexikon füllen
könnte.
Weil mein Vater in Berlin so bekannt war, wollte ich eigentlich zunächst nicht zum Theater, sondern Ärztin werden. Aber dann kamen die berühmten Schlüsselerlebnisse, wo man einfach sagt: Ich muß auf die Bühne. Um mir selbst zu beweisen, daß ich kein Protektionskind bin, habe ich mich mit 16 Jahren unter falschem Namen zur Aufnahmeprüfung an der Schauspielschule angemeldet und gut bestanden. Schauspielerei ist ein seltsamer Beruf, aber ich bin restlos glücklich darin. Ich kann mir keinen schöneren vorstellen. |
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Mein damaliger Mann war Schweizer, und ich ging mit ihm nach Zürich, wo 1945 meine Tochter geboren wurde. Aber ich konnte dort nicht spielen, denn ich kam aus Nazideutschland und das Züricher Schauspielhaus war voll mit deutschen Emigranten, wunderbaren Leuten wie Therese Giehse und Leopold Lindtberg. Ich bin dann nach dem Krieg schwarz, ohne Papiere, nach Deutschland zurückgegangen und habe wieder bei Langhoff am Deutschen Theater in Berlin gespielt. Für damalige Verhältnisse war das unverzeihlich, daß ich für meinen Beruf Mann und Kind im Stich ließ! Aber es war eine tolle, intensive, unbeschreibliche Zeit nach dem Krieg, da hat man das Theater besonders geliebt. Was da für eine Aufmerksamkeit im Publikum herrschte! Ich spielte damals |
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| mit
Horst Caspar Goethes „Iphigenie", und wenn Iphigenie von ihrer Herkunft
aus dem verfluchten Tantalus Geschlecht sprach, bezog man das sofort auf das
Schicksal der Deutschen. Ich pendelte dann eine Weile zwischen Zürich und Berlin, bis ich schließlich mit meiner Tochter wieder ganz nach Deutschland zog. Ich machte einen Sprung zu Paul Hoffmann und seinem prächtigen Ensemble nach Frankfurt, dann nach anderthalb Jahren wieder nach Berlin. Dort hatte ich in Oscar Fritz Schuhs Inszenierung |
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![]() Lola Müthel mit Gustaf Gründgens in „Der Marquis von Keith" von Wedekind, Regie: Gustaf Gründgens. Deutsches Theater, Berlin, 1947 Foto: Croner |
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Ja, das war ein riesiges Glück, denn Gründgens war an der Schule gar nicht mein Lehrer. Wir Schauspielschüler durften bei den Proben im Deutschen Theater dabei sein und auch statieren. Bei den Wiederaufnahmeproben zu „Faust II" ließ mich Gründgens einmal das Gretchen doubeln, weil Käthe Gold krank war. Als er wenig später „Hans Sonnenstößers Höllenfahrt" von Paul Apel inszenieren und selbst die Hauptrolle spielen sollte, wollte er mich sprechen. Er machte es spannend, erklärte mir, daß er so kurz nach seiner Hochzeit mit Marianne Hoppe nicht mit ihr als Partnerin spielen wolle, damit es nicht nach Protektion aussähe. Und schließlich sagte er: „Ich möchte die Rolle mit dir als Partnerin machen." Bei der Premiere war er wahnsinnig aufgeregt - das war er immer. Er war ein miserabler Premierenschauspieler, genau wie ich. Er patzte und hing derartig, daß eigentlich der |
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![]() Lola Müthel mit Gustaf Gründgens nach der Probe im Deutschen Theater, Berlin, |
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Vorhang hätte fallen
müssen.Da habe ich mit meinen 17 Jahren die Premiere gerettet, weil ich
ihn durch Improvisieren wieder auf das richtige Gleis gesetzt habe. Heute
könnte ich das nicht mehr, heute bin ich selbst viel zu aufgeregt. Ich
hatte einen wunderbaren Anfang, den schönsten, den man sich denken kann.
Ich war an der Spitze des Theaters in Berlin, habe trotz meiner Jugend viele
große und schöne Rollen gespielt, hatte phantastische Kollegen,
die ganz neidlos und herzlich mit uns Jungen umgingen. Das Theater war ja
in der Nazi-Zeit eine Insel. |
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„Sechs
Personen suchen einen Autor" von Pirandello einen Riesenerfolg.
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© - Copyright Lola Müthel, große Heroine, Schauspielerin, Staatsschauspielerin, Drama, Musical Star Sämtliche Fotos, Texte, Layout und Design Kultur Fibel Verlag GmbH, Berlin und JBM-marketing, PF 140315, D-40073 Düsseldorf Anfrage Musical-Operette:
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