Kultur Fibel Magazin
HOMEHOME
Ludwig II. - Sehnsucht nach dem Paradies > Seite 1
Seite 1
Ludwig II.
Sehnsucht nach dem Paradies
Musical
von
Stephan Barbarino,
Franz Hummel und Heinz Hauser
Gesellschaftsmagazin
Volkstanz im Schloss, Foto Deutsches Theater, München
Fortsetzung von Seite 1

Elementen: Die natürlichen Hecken und Büsche ließ er teilweise durch gemalte Prospekte ergän-zen. Dieses Spiel hat auch die Inszenierung der „Münchner Fassung“ im Bühnenbild aufgenom-men. 1871 ließ Ludwig II. den Wintergarten in der Residenz, den sein Großvater Ludwig I. angelegt hatte, großzügig erweitern. Unter einem freitra-genden Tonnendach aus Eisen und Glas blühte eine exotische Landschaft mit Kokos- und Dattelpalmen; sogar einen künstlichen See hatte sich Ludwig II. darin anlegen lassen. Dieser Wintergarten wurde zu Ludwigs Lieblingsaufent-halt in der Residenz. Er wurde nach seinem Tod zurückgebaut.
(Foto rechts >)

Kurzbiographie Ludwig II.


1845
25. August: Ludwig wird als ältester Sohn von Kronprinz Maximilian II. Joseph von Bayern und seiner Gemahlin Marie, Tochter des Prinzen Friedrich Wilhelm Karl von Preußen, in Schloss Nymphenburg geboren.


1848
Abdankung König Ludwigs I. wegen der Lola Montez Affäre und Regierungsantritt König Maximilians II. Geburt des Bruders Otto. Mit ihm und seinen Cousinen Elisabeth (genannt Sissi) und Sophie verbringt er die Sommer in Schloss Hohenschwangau. Dort entdeckt er die Welt der romantischen Rittersagen.


1861
Ludwig erlebt im Hof- und Nationaltheater erstmals eine Wagneroper, den Lohengrin.


1864
10. März: Ludwig wird nach dem frühen Tod seines Vaters zum König von Bayern gekrönt. Als eine seiner ersten Handlungen lässt Ludwig II. nach dem von ihm bewunderten Komponisten Richard Wagner suchen.
4. Mai:
Erste Begegnung in der Münchner Residenz, Beginn einer lebenslangen Freundschaft.


1865
10. Dezember: Der von Ludwig finanziell stark protegierte Richard Wagner muss München auf Druck des Kabinetts verlassen, weil er sich durch seine Affäre mit Cosima, *1837, ?? 1930, Tochter von Franz v. Liszt, der Ehefrau des Hofkapellmei-sters von Bülow, (Richard Wagners spätere Ehefrau) unbeliebt gemacht hat.


1866
Im preußisch-österreichischen Krieg erleidet die bayerische Armee eine Niederlage. Bayern tritt Grenzgebiete ab und zahlt Kriegsentschädi-gungen.

1867
22. Januar: Verlobung Ludwigs mit seiner Großcousine Sophie, der jüngeren Schwester von Kaiserin Sissi. Im gleichen Herbst wird die Verlobung wieder gelöst.

1868
Uraufführung von Wagners "Meistersinger von Nürnberg" in München.

1869
Grundsteinlegung zu Neuschwanstein.

1870/71
19. Juli: Frankreich erklärt Preußen den Krieg; Bayern ist aus Bündnispflichten auf der Seite Preußens beteiligt.
1. September: Die Niederlage der Franzosen in der Schlacht bei Sedan wird zur Voraussetzung für die Krönung des preußischen Königs zum deutschen Kaiser.

30. September: Erste Pläne für Schloss Linderhof.

1872
Grundsteinlegung zum Bayreuther Festspielhaus.

1873
Ludwig erwirbt die Herreninsel im Chiemsee.

1874
Grundsteinlegung zum Schloss Linderhof.

1878
Grundsteinlegung zum Schloss Herrenchiemsee, geplant als übersteigerte Nachschöpfung der Residenz des Sonnenkönigs Ludwig XIV. in Versailles bei Paris

1880
22. August: Letzte Proklamation des Königs an das bayerische Volk

1883
Wagner stirbt in Venedig

1886
8./9. Juni: Ludwig wird nach einem Gutachten des Nervenarztes Dr. Gudden für unheilbar geistes-krank und regierungsunfähig erklärt. Weil sein Bruder Otto geistig umnachtet ist, übernimmt sein Onkel Prinz Luitpold die Regierungsgeschäfte.
12. Juni: Ludwig wird von einer “Fangkommis-sion“ von Neuschwanstein nach Schloss Berg am Starnberger See gebracht und dort "sicher-heitsverwahrt".
13. Juni: Von einem Abendspaziergang am Starnberger See kehren Ludwig und Dr. Gudden nicht zurück. Um 23.30 Uhr werden ihre Leichen aus dem Starnberger See geborgen.

Der Leichnam Ludwigs wird in der Gruft der Michaelskirche beigesetzt, sein Herz in einer Urne in der Altöttinger Gnadenkapelle verwahrt. Der Tod des Königs, der die Natur, das Schauspiel und den Frieden über alles liebte blieb bis heute ein Rätsel.

Minister machtlos ist. Auch sein kleiner Bruder Otto hat sich mittlerweile von der Kriegshetze der Minister anstecken lassen, die den sensiblen Jungen in einen Wahnsinnsanfall treibt.

Ludwig versucht, in der Musik Trost zu finden: Gemeinsam mit Sissi singt er ein Lied von der unmöglichen Liebe. Sie sind sich nah - und bleiben sich doch fern. Gleichzeitig betreibt Sophie die Lösung der Verlobung mit Ludwig, bis sie schließlich ihren Hoffotografen bekommt.

Ludwig II. zieht sich mit seinem einzigen Freund Wagner in seinen exotischen Wintergarten zurück und spinnt Träume von einem „Operntheater mit der Musik der Zukunft“. Doch kurz darauf muss Ludwig den Komponisten in flagranti beim Ehe-bruch mit Cosima von Bülow erwischen. Ent-täuscht zieht sich der König zurück.

PAUSE

IV. Akt

Auf Schloss Neuschwanstein kritisieren die Minister die Bauwut des Königs. Der preußische Kanzler Bismarck tritt auf den Plan. Er verspricht Ludwig Geld für seine Schlösser und kauft ihm als Gegenleistung aber die Souveränität Bayerns ab. Ludwig versinkt in eine Traumwelt. Der Baumei-ster entreißt ihn daraus, indem ihm die Hiobsbot-schaft des Baustopp für alle seine Schlösser mel-det. Erneut entgleitet Ludwig in ein Fantasiereich, wo Kaiserin Sissi vergeblich versucht, ihm noch einmal ihre Liebe zu erklären. Wieder erwacht, sucht Ludwig die Einsamkeit der Berge, während sich seine Minister in einem Wirtshaus gegen ihn verschwören.

V. Akt

Der König lädt sich Gäste in sein Atelier, um ihnen seine Visionen von einer Kunstwelt zu zeigen. Er feiert ein wildes Fest, doch sie verlachen ihn. Die Minister drohen ihm mit der Absetzung und lassen ihn für verrückt erklären. Er übergibt ihnen die Insignien seiner irdischen Macht, Krone, Zepter und Mantel und geht in den Starnberger See.

Die Faszination Ludwig II.

Ludwig II. ist zu einem regelrechten Mythos geworden. Heimatverbundene sehen in ihm noch immer den Kini, der mehr als Ikone denn durch sein historisches Wirken ein Stück bayerischer Identität verkörpert. Viele Bayern sind in Ludwigvereinen organisiert, so mancher weißblaue Haushalt hat noch heute einen Ludwig-Altar.

Doch auch außerhalb Bayerns ist die Magie Ludwigs II. ungebrochen: Seine Schlösser, allen voran Neuschwanstein, ziehen noch heute Millionen Touristen aus aller Welt an; damit gehören sie zu den wichtigsten Reisedesti-nationen in Deutschland. Die märchenhaften Welten, die Ludwig II. mit unglaublichem finanziellen und technischen Aufwand hat Wirklichkeit werden lassen, erregen heute noch Staunen.

Nicht minder rätselhaft-romantisch war das Leben des Königs. Seine Beziehungen zur österreichischen Kaiserin Sissi, seiner Cousine, und zu dem Opernkomponisten Richard Wagner sind Legende; der angebliche Wahnsinn des Königs und die erzwungene Abdankung tragen ebenfalls ihren Teil zur Faszination Ludwig II. bei. Auch sein rätselhafter Tod im Starnberger See reizt bis heute zu Spekulationen.

Sein Leben und sein Tod sind von so vielen Märchen und Mythen umrankt, die die beste Grundlage für ein Musical bieten. Die Autoren haben mit „Ludwig II. - Sehnsucht nach dem Paradies“ ein Stück bayerischer Kulturgeschichte zu einem spannenden, einfühlsamen und unterhaltenden Theaterabend werden lassen. Dabei wird die Figur des Königs ernst genommen, auch wenn im derben bayerischen Lokalkolorit seiner Gegenspieler, den Ministern, dem Stück eine gute Portion Humor beigegeben ist.

Der uralte Konflikt zwischen Kreativität und Engstirnigkeit, zwischen dem vom Wahnsinn gefährdeten Genie und borniertem Spießertum ist der Kern von „Ludwig II. - Sehnsucht nach dem Paradies“. Damit behandelt das Musical ein überzeitliches Thema, das zu allen Zeiten aktuell war und bis zum heutigen Tag ist.

Die Gartenliebe Ludwigs II.

Für seine Schlösser Linderhof und Herrenchiem-see ließ Ludwig II. von Carl von Effner beein-druckende Gartenanlagen entwerfen und umsetzen. In der Münchner Residenz gestaltete er einen prächtigen Wintergarten. Projekte, die Ludwigs gestalterische Liebe zur Natur verdeutlichen.

Die Gärten Ludwigs II.

Der Schlosspark in Linderhof entstand in den Jahren 1870 bis 1880. Er besteht aus barocken Gartenräumen und italienisierenden Terrassen-anlagen und schließt an den Hochgebirgswald des Ammergebirges an. Staffagebauten wie der „Maurische Kiosk“ oder das „Marokkanische Haus“ versetzen den Parkbesucher in orientali-sche Märchenwelten; andere Orte sind Zitate von Schauplätzen aus der Musiktheaterwelt Richard Wagners (die „Venusgrotte“, die „Hundinghütte“ oder die „Einsiedelei des Gurnemanz“).

Der Schlossgarten Herrenchiemsee ist, wie das Schloss selbst, eine Variation des Versailler Schlossparks, wenn auch keine detailgetreue Kopie. Der symmetrische Ordnungsgeist eines französischen Barockgartens mit seinem Pro-gramm der durch Kultur überformten Natur herrscht auch hier vor. Ludwig II. spielte dement-sprechend mit natürlichen und künstlichen

Ludwig und Sissi

Ludwig und Sissi waren über den Stammbaum der Wittelsbacher relativ eng verwandt. Beide waren Nachfahren von Maximilian Joseph, dem ersten König von Bayern:

Maximilian Joseph,
1. König von Bayern

Ludovica °° Maximilian in Bayern

Ludwig I.

Sissi °° Kaiser Franz Joseph

Maximilian II.

Ludwig II.

Die historische Beziehung von Ludwig II. zur österreichischen Kaiserin Sissi läßt sich als Seelenverwandtschaft beschreiben: Beide fühlten sich eingesperrt in höfische Zwänge, beide liebten das Reich der Poesie mehr als Repräsentationspflichten. Ab 1864 trafen sie sich regelmäßig in Possenhofen und auf der Roseninsel im Starnberger See. Sissi nannte ihn „meinen Adler“, Ludwig nannte die österreichische Kaiserin seine „Möwe“. Nach Ludwigs Tod verfiel Sissi in tiefe Depressionen.

Das Musical verfährt spielerisch frei mit der Beziehung zwischen König und Kaiserin. Sissi singt im IV. Akt ein glühendes Liebeslied, das in der Schwebe lässt, wie platonisch ihre Beziehung war: „Nur der Mond hat uns gesehen/Als ich heimlich bei Dir war“ – was er gesehen hat, bleibt das unausgesprochene Geheimnis von der österreichischen Kaiserin „Sissi“..

Ludwig II. und München .

Die Beziehung Ludwigs II. zu seiner Residenzstadt ist eine komplizierte; es ist die Geschichte einer Hassliebe, in der sich vor allem Ludwigs schwieriges Verhältnis zu seinem Regierungsamt ausdrückt.

In der frühen Kindheit war Ludwig zunächst beeindruckt von der Stadt. Sein Großvater Ludwig I. hatte München ein neues, klassizistisches Gesicht verliehen, so dass die Stadt modern und glanzvoll als „neues Athen“ strahlte, wie Heine in seiner Reise von München nach Genua feixt. Der junge Kronprinz baute die Hauptsehenswürdigkeiten aus Holzbausteinen nach und liebte den Spaziergang über die neu entstehende Maximilianstraße; gleichwohl war die Frauenkirche, Symbol des alten Münchens, sein Lieblingsgebäude in der Stadt. Ludwig II. soll, in der Nachfolge seines Großvaters, früh Pläne für Umgestaltungen der Stadt entwickelt haben, für die Zeit der eigenen Regierungstätigkeit. Ludwig der junge Visionär.

Doch die Faszination für die Residenzstadt wandelte sich mit seiner frühen Inthronisierung. Durch die Erziehung fernab des Regierungsalltags schlecht auf sein Amt vorbereitet, stürzt Ludwig in das sprichwörtliche kalte Wasser des Politikbetriebs. Die Bürden des Königsamtes verbindet er nun mit München, Sitz seiner Regierung, während das Allgäu immer mehr zum politikfreien Rückzugsort wird. Auch stellt sich schnell heraus, dass sich die Münchner seinem Gestaltungswillen für die Stadt verweigern. Als Ludwig für Richard Wagner ein Opernhaus durch Semper erbauen lassen will, sind die Proteststürme gegen das teure Vorhaben derart gewaltig, dass Ludwig von dem Plan abrücken muss. Sein Verhältnis zu München erleidet spätestens durch diese Episode großen Schaden.

Ludwig II. beginnt, sich auch in seiner Residenzstadt private Rückzugsorte und Märchenwelten aufzubauen. Der Wintergarten in der Residenz wird zu einem phantastischen Elysium, das ihn für Stunden die Regierungswirklichkeit vergessen lässt. Für einsame Opernabende lässt er das Cuvilliés-Theater sperren und sich dort Privatvorstellungen geben: „Ich kann keine Illusion im Theater haben“, erklärt er, „solange die Leute mich unausgesetzt anstarren und mit ihren Operngläsern jede meiner Mienen verfolgen. Ich will selbst schauen, aber kein Schauobjekt für die Menge sein.“

Nach seinem Tod am 13. Juni 1886 wurde Ludwig II. in München in die Fürstengruft der Michaelskirche zu Grabe getragen; sein Herz aber wurde, fast symbolhaft für das zerrissene Verhältnis Ludwigs zu München, am 16. August in einer Urne gesondert beigesetzt - außerhalb der Stadt, in der Altöttinger Gnadenkapelle, wo auch die Herzen der anderen Wittelsbacher Könige aufbewahrt werden.

 



Ludwig und die Technik 2005


Der technikbegeisterter Monarch Ludwig II. installierte u. a. in Neuschwan-stein eine der ersten Telefonanlagen Bayerns, sein „Nymphenschlitten“ war wohl das erste elektrisch beleuchtete Fahrzeug der Verkehrsgeschi-chte‘, für den Beleuchtungszauber der Märchengrotte im Garten von Schloss Linderhof wurde aufwendig eine neuartige Dynamoanlage konstruiert – Ludwigs Märchenwelt war hochtechnisiert.

So liegt es nahe, auch für die Umsetzung von Ludwigs geistige Welten auf der Theaterbühne neueste Hochtechnologie einzusetzen. Mit dem Einsatz von Hochleistungsrechnern und Lasertechnik, die auch in der Weltraum-technologie verwendet werden, entstehen Animationen, die den Zuschauer in Ludwigs poetisches Fantasiereich versetzen. Verschiedene Ludwig-Orte werden als dreidimensionale Räume erlebbar. Ähnlich wie bei den bekannten IMAX-Filmen taucht der Theatergast tief in das Geschehen ein und die Bühne erweitert sich virtuell in den Zuschauersaal hinein.



Die animierten Szenen der Inszenierung


Der Zuschauer fliegt über die herrliche bayerische Alpenlandschaft, Schmetterlinge flattern im Theatersaal, verlorene oder nie gebaute Schlossräume entstehen in verblüffender Realität auf der Bühne: In mehreren Szenen werden die Zuschauer durch die Computeranimationen in Ludwigs poetisches Fantasiereich versetzt.


- - Die Besucher wandeln durch den berühmten Wintergarten auf dem Dach der Münchner Residenz: Unter einer kühnen architektonischen Konstruktion aus Glas und Stahl hatte der Märchenkönig einen spektakulären Garten mit Kokos- und Dattelpalmen anlegen lassen, in dessen Mitte ein künstlicher See lag, auf dem sich der König mit seinen Gästen umherrudern ließ. Bereits 1897 wurde der Wintergarten abgerissen, so dass er nur noch als baulicher Mythos bekannt ist. In der Inszenierung haben die Besucher die einmalige Gelegenheit, diesen ‚verschollenen‘ Ort besuchen zu können, der schon zu Lebzeiten Ludwigs nur ausgewählten Gästen offen stand.

- - Eine Flugszene führt die Zuschauer über den ‚Königswinkel‘. Schloss Neuschwanstein und Hohenschwangau kommen ins Bild, schließlich ‚landet‘ man bei Schloss Falkenstein – das nie gebaut wurde. In einer detailgetreuen Rekonstruktion wird dieses beeindruckende Schloss räumlich erlebbar.

- - Auch der Schluss des Musicals wird mit dem Einsatz von 3-D-Technik realisiert – Ludwigs Ende im Starnberger See. Die Zuschauer dürfen auf die poetische Umsetzung gespannt sein.


Das Team der Hightech-Märchenwelt – von metamatix.
Die Animationswelt wurde von den IT-Spezialisten von metamatix entwickelt. Die Landschaftszenen innerhalb der Animatiomswelt wurden von den Partnerfirmen RSS GmbH und KUKA GmbH erstellt.

Seit mehr als 5 Jahren arbeitet dieses Team mit viel Engagement an der Abbildung aller Kulturstätten Bayerns in einer virtuell erlebbaren Welt. Mit Hilfe modernster Technologien soll das Kulturerbe Oberbayerns gesichert werden, indem man z. B. durch virtuelle Welten unabhängig von Abnutzung und Zerstörung der realen Kulturstätten wird. Das Projekt ist inhaltlich an das Leben und die Visionen Ludwig II. als weltweit berühmtes Aushängeschild des oberbayerischen Kulturraums geknüpft.

Die Technologien von metamatix eröffnen neue Dimensionen. Es werden Orte erlebbar gemacht, die...

- - es gab, aber nicht mehr gibt (z. B. Wintergarten von König Ludwig)
- - es geben sollte, aber nie gab (z. B. Schloss Falkenstein)
- - es gibt, aber nicht für jedermann begehbar sind (z. B. Königswohnung in Schloss Neuschwanstein)
- - es gibt und auch besichtigt werden können (z. B. Thronsaal von Neuschwanstein)

Der Bauherr, Visionär und gleichzeitig der Motor für das Projekt ist Gerd Hirzinger. Der Professor für Robotik und Mechatronik am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Oberpfaffenhofen arbeitet seit Jahren aus persönlicher Passion an den Einsatzmöglichkeiten der Welt- und Raumfahrtforschung und Robotik für die Kulturwissenschaft. Mit modernsten Methoden der Robotik und Weltraumforschung treibt er das Projekt voran. In Zusammenarbeit mit metamatix sind Techniken entstanden, die es erlauben, aus oft nur rudimentär vorhandenen historischen Informationen virtuelle 3D-Welten zu konstruieren.

Im Laufe jahrelanger Entwicklung ist sehr viel Material entstanden. Es ist eine glückliche Fügung, dass für das Deutsche Theater, München Szenen zugeschnitten werden können, die auf diesem Material basieren. Im Deutschen Theater, München wird ein Teil der Animationen erstmals einer größeren Öffentlichkeit vorgestellt.

In diesem einzigartigen Projekt fließen Know-How und Technologien aus jahrelanger Entwicklung und aus völlig unterschiedlichen Fachbereichen zusammen: Kulturwissenschaft, Weltraumtechnik, Robotik und Mechatronik, Optik bzw. Fototechnik und Informationstechnologie arbeiten hier in einem nie da gewesenen Umfang Hand in Hand. Die kombinierten Hochtechnologien stellen sich dabei in den Dienst eines historischen, kulturellen und vor allem höchst emotionalen Themas: Der Dokumentation der Traumwelten von König Ludwig II.

Eine besondere Herausforderung des Projekts besteht in der Abstimmung des realen Bühnengeschehens mit dem animierten Film. Die Bühnenhandlung wird mit den Computeranimationen präzise synchronisiert: So wird es möglich, dass König Ludwig wieder durch seinen Wintergarten geht oder die Räume von Schloss Falkenstein (das nie existierte) beschritten werden. Die Verschmelzung zwischen Bühnen-Wirklichkeit und virtueller Realität ist perfekt.

Die Technik dahinter
I) Produktion

Am Anfang jeder virtuellen Raumentstehung steht die Datengewinnung.

- - Bei der Rekonstruktion von Orten, die nicht oder nicht mehr existieren, ist kulturwissenschaftliche Quellenarbeit gefragt: Aus Plänen, Beschreibungen und historischen Abbildungen werden die Grundmaße gewonnen, die es erlauben, ein Gerüst zu errechnen, über das später der Raum gebaut wird. Dies geschieht mit Hilfe eines 3D-Konstruktions-programms. Hierbei werden mit Hilfe von sogenannten Drahtgittermodellen die Räume (z. B. Saal) und Objekte (z. B. Säulen) berechnet. Anschließend werden sie mit den Oberflächen, den sogenannten „Texturen“, überspannt.

- - Existiert der Raum noch, der virtuell nachgebildet werden soll, ist der Prozess ein anderer: Partnerfirmen vermessen diesen Raum mit Hilfe dem aus der Robotertechnik stammenden 360-Grad-Laserscanner. Der Laserscanner, kombiniert mit einer Panoramakamera, liefert Messdaten über den Raum und die Oberflächentexturen gleichzeitig. Das Kamerasystem dazu wurde am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrttechnik entwickelt. Ergebnis ist eine „Punktwolke“, die von metamatix in das 3D-Konstruktionsprogramm importiert wird. Dann erfolgt wieder der Feinschliff‘ (Beleuchtung, Atmosphäre, Detailausarbeitung filigraner Objekte usw.)

- - Die Erstellung von Landschaftsdaten wird wieder von anderen Partnerfirmen geleistet. Diese verwenden hierzu u.a. die HRSC-Kamera, eine im Deutschen Institut für Luft –und Raumfahrttechnik entwickelte Stereo-Kamera für Befliegungen, d.h. für die Geländemodellierung aus der Luft. Das Kameramodell wurde bei der europäischen Mars-Mission MARSEXPRESS im Jahre 2003 / 2004 sehr erfolgreich eingesetzt. Die Kamera ist vor allem für Szenen aus der Entfernung gut geeignet (z. B. Landschaftsaufnahmen und Topographiescans).

II) Projektion (Abspielen)

Wie in einem 3D-Kino wird dem Betrachter ein dreidimensionaler Eindruck vermittelt. Dazu ahmt die Technik den Vorgang räumlichen Sehens beim Menschen nach. Durch den Abstand zwischen den Augen ergeben sich unterschiedliche Sichtwinkel; aus diesen zwei Bildern errechnet unser Gehirn dann ein drittes räumliches.
Bei der Herstellung eines 3D Filmes benutzt man eine Kamera mit zwei Linsen, die im Augenabstand voneinander entfernt sind. Es werden also zwei Filme mit entsprechender Sichtwinkeldifferenz aufgenommen.


Bei der Projektion im Theater stellt sich das Problem, wie man den zum jeweiligen Auge zugehörigen Film diesem allein präsentieren kann. Hierzu gibt es mehrere Verfahren. Wir verwenden das sogenannte Polarisationsverfahren, wie es in vielen IMAX-Kinos üblich ist.

Man polarisiert im Filmprojektor "rechte" und "linke" Filmbilder senkrecht zueinander, z.B. durch Polarisationsfolien. Diese werden nun gleichzeitig auf die Leinwand projiziert. Der Zuschauer braucht jetzt nur noch eine so genannte "Polarisationsbrille" zu tragen.


Zahlen, Daten, Fakten:


- - Entwicklungszeit der IT-Technik von mehr 5 Jahren durch Metamatix
- - Zur Projektion werden zwei hochauflösende Stereoprojektoren mit je 16.000 Ansilumen Leuchtkraft benötigt (ein handelsüblicher Beamer bringt zwischen 1.000 und 2.000 Ansilumen).
- - Die Auflösung der animierten Filme beträgt 1400 x 1050 Pixel
- - 126m² Leinwand (14 m x 9 m)
- - Zur Errechnung der Filme benötigte eine „Renderfarm“ (ein Verbund von ca. 16 Computern) 2 Wochen
- - Ein einzelner Rechner hätte ca. 60 Tage allein für die Wintergartenszene benötigt.
- - Für die Erstellung der Animationen wurde ein Kamerasystem aus der Marsforschung eingesetzt.
Seite 1 Lidwig II
Ludwi II. Seite 2oben

© - Copyright:
Sämtliche Fotos, Text, Layout und Desig
n Kultur Fibel Verlag GmbH, Berlin und JBM-marketing, PF 140315, D-40073 Düsseldorf

Musical-Operette:

Operette Vetter aus Dingsda - Operette Die Lustige Witwe - Operette Die Fledermaus - Musical Rocky Horror Show
Musical Ludwig II - Musical Robin Hood - Musical Sweeney Tood - Musical Swan Lake - Musical African footprint
Musical Tarzan - Musical In nomine patris - Musical West Side Story - Musical Dirty Dancing - Musical Kiss me Kate
Musical Tanguera, Tango-Argentino - Musical My Fair Lady - Musical Balé de Rua - Musiktheater Friedrichstadtpalatz Berlin

Theater
Sextett - Spanische Fliege - Glücliche Zeiten - Jude von Malta

 

Oper-Ballett:

Oper La Traviata - Oper La Boheme - Oper Entführung aus dem Serail - Oper Die Liebe zu den drei Orangen - Oper Die Zauberflöte
Oper Cosi fan tutte - Oper Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny - Oper Die Teufel von Loudun - Oper Der Waffenschmied
Oper Simon Boccanegra - Oper Orelando paladino - Oper Carmen - Oper Armida - Oper Der Spieler, Hrpok - Oper Fidelio
Oper Agrippina - Oper Der Türke in Italien - Oper Der Goldene Hahn - Ballett Dornröschen - Ballett Schneewittchen
Ballett Tanzgeschichte - Ballett Carmen Flamenco - Ballett Der Nussknacker - Ballett Martha Graham Company

Interviews:

Interview Lola Müthel - Interview Herbert Bötticher - Interview Ruth Drexel - Interview Ute Lemper
Interview Wolfgang Spier - Interview Judy Winter - Interview Romuald Pekny - Interview Helmut Griem