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Die Buchempfehlung mit einer Leseprobe, ohne die Ansichten vorbelasteter Kritiker, zur Meinungsbildung unserer Leser. |
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Gesellschaftdmagazin |
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Politische Wissenschaft |
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Mensch werden, |
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A. H.
.Eilenbergl
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Wie
aus dem Holocaust Kapital geschlagen wird |
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<Auszug> Für die organisierten Juden Amerikas diente diese gespielte Hysterie eines neuen Antisemitismus mehreren Zwecken. Sie wertete Israels Bestehen als letzte Zuflucht auf, falls Amerikas Juden eine benötigten. Überdies trafen die Appelle der angeblich den Antisemitismus bekämpfenden jüdischen Organisationen um Spenden auf offenere Ohren. »So ist der Antisemit dazu verurteilt«, merkte Sartre einst an, »ohne den Feind, den er vernichten will, nicht leben zu können.« Für jene jüdischen Organisationen ist die Umkehrung dieses Satzes ebenso wahr. Nachdem der Antisemitismus zur Mangelware geworden ist, ist in den letzten Jahren eine scharfe Rivalität zwischen wichtigen jüdischen »Verteidigungs«-Organisationen - insbesondere der ADL und dem Simon-Wiesenthal-Zentrum - ausgebrochen." Hinsichtlich der Spendenbeschaffung dienen die behaupteten Gefahren für Israel übrigens dem gleichen Zweck. Bei seiner Rückkehr von einer Reise in die Vereinigten Staaten berichtete der angesehene israelische Journalist Danny Rubinstein: »Nach Ansicht der meisten Leute im jüdischen Establishment ist es sehr wichtig, immer wieder die äußeren Gefahren zu betonen, denen Israel sich gegenübersieht ... Das jüdische Establishment in Amerika braucht Israel lediglich als Opfer des grausamen arabischen Angriffs. Für ein solches Israel kann man Unterstützung, Spender, Geld gewinnen ... Jeder kennt die offiziellen Zahlen der Beiträge, die vom United Jewish Appeal in Amerika gesammelt werden, wo man den Namen Israels verwendet und wo etwa die Hälfte der Summe nicht an Israel geht, sondern an die jüdischen Organisationen in Amerika. »Kann es einen größeren Zynismus geben?« . . . . |
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Doch es gibt einen
wichtigeren Punkt: Abgesehen von dieser Präsenz von Phantomen kann
ich mich nicht erinnern, daß die Massenvernichtung der Juden durch
die Nazis je in meine Kindheit eindrang. Das lag hauptsächlich daran,
daß außerhalb meiner Familie sich niemand dafür zu interessieren
schien, was geschehen war. Der Freundeskreis meiner Kindheit las umfassend
über die Tagesereignisse und diskutierte leidenschaftlich darüber.
Doch ich kann mich ehrlich gesagt an keinen einzigen Freund (oder an Eltern
eines Freundes) erinnern, der auch nur einmal gefragt hätte, was
meine Mutter und mein Vater durchgemacht hatten.
Das war kein respektvolles Schweigen. Es war nichts weiter als Gleichgültigkeit.
In diesem Licht kann man die Ergüsse des Grauens in späteren
Jahrzehnten, als die Holocaust Industrie fest etabliert
war, nur mit Skepsis betrachten. |
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Dieses Buch ist eine Anatomie der Holocaust-Industrie und zugleich eine Anklage gegen sie. Auf den folgenden Seiten werde ich darlegen, daß der HOLOCAUST-- (zur Schreibweise s. Anm. 1 / In diesem Text steht der Begriff Massenvernichtung der Juden durch die Nazis für den eigentlichen historischen Vorgang, DER HOLOCAUST >The Holocaust< dagegen für dessen von Ideologie geprägte Darstellung).-- eine von der Ideologie geprägte Darstellung der Massenvernichtung der Juden durch die Nazis ist. Wie alle Ideologien ist sie, wenn auch schwach, mit der Wirklichkeit verbunden.der HOLOCAUST ist kein willkürlich zusammengestelltes, sondern vielmehr ein in sich stimmiges Konstrukt. Seine zentralen Dogmen stützen wichtige politische und Klasseninteressen. Tatsächlich hat DER HOLOCAUST sich als unentbehrliche ideologische Waffe erwiesen. Durch deren Einsatz hat eine der stärksten Militärmächte der Welt mit einer erschrekkenden Menschenrechtsbilanz sich in die Rolle eines »Opfer-Staates« versetzt, und ebenso hat die erfolgreichste ethnische Gruppe der Vereinigten Staaten sich einen »Opferstatus« zugelegt. Aus dieser scheinbar
bestechenden Opferrolle erwachsen beträchtliche Dividenden -
insbesondere die Immunität gegenüber Kritik, wie berechtigt
sie auch sei. Ich könnte hinzufügen, daß jene, die sich
dieser Immunität erfreuen, der damit üblicherweise verbundenen
moralischen Korrumpierung nicht entkommen sind. Aus dieser Sicht ist Elie
Wiesels Auftreten als offizieller Interpret DES HOLOCAUST
kein Zufall. Zu dieser Stellung hat ihm nicht sein humani-täres
Engagement oder seine literarisches Talent verholfen. Wiesel spielt seine
Hauptrolle vielmehr deshalb, weil er unbeirrbar die Dogmen DES HOLOCAUST
artikuliert und so die Interessen stützt, die hinter diesem stehen. Die Belege legen den umgekehrten Schluß nahe. Mein ursprüngliches Interesse an dem Thema der Vernichtung der Juden durch die Nazis war persönlich motiviert. Mein Vater wie meine Mutter waren Überlebende des Warschauer Ghettos und der Konzentrationslager der Nazis. Abgesehen von ihnen selbst sind alle Familienmitglieder meiner beiden Eltern von den Nazis ausgelöscht worden. Meine erste Erinnerung an die Massenvernichtung der Juden durch die Nazis ist, wenn ich so sagen darf, der Anblick meiner Mutter, die den Eichmann-Prozeß (1961) wie gebannt im Fernsehen verfolgte, als ich von der Schule nach Hause kam. Obwohl sie erst sechzehn Jahre vor dem Prozeß aus dem Konzentrationslager befreit worden waren, waren die Eltern, die ich kannte, in meinen Augen immer durch einen unüberbrückbaren Abgrund davon getrennt. An der Wand des Wohnzimmers hingen Fotografien der Familie meiner Mutter. (Photos der Familie meines Vaters gingen im Krieg verloren.) Was mich mit meinen Verwandten verband, konnte ich nie ganz begreifen, noch viel weniger konnte ich mir vorstellen, was mit ihnen geschehen war. Es waren die Schwestern, der Bruder und die Eltern meiner Mutter, nicht meine Tanten, mein Onkel oder meine Großeltern. Ich erinnere mich, als Kind John Herseys The Wall und Leon Uris Mila 18 gelesen zu haben, beides waren romanhafte Schilderungen des Warschauer Ghettos. (Ich weiß noch, wie meine Mutter eines Tages klagte, daß sie, versunken in die Lektüre von The Wall, auf dem Weg zur Arbeit nicht an ihrer U-Bahnstation ausgestiegen war.) So sehr ich es versuchte, es gelang mir auch nicht für einen Augenblick, in meiner Vorstellung den Sprung zu vollziehen, der meine Eltern in ihrer ganzen Alltäglichkeit mit dieser Vergangenheit in Verbindung gebracht hätte. Ehrlich gesagt, ich kann das noch immer nicht. |
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Norman
G. Finkelstein |
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geboren
1953, promovierte an der Princeton
University über die Theorie des Zionismus. Er lehrte Politwissenschaft an der City University in New York und unterrichtet heute an der DePaul University in Chicago. |
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Gemeinsam mit Ruth Bettina
Birn veröffentlichte er |
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Aber war das nicht besser als die derzeitige dreiste Ausbeutung jüdischen Märtyrertums? Ehe aus der Massenvernichtung der Juden DER HOLOCAUST wurde, waren zu dem Thema nur ein paar wissenschaftliche Untersuchungen - zum Beispiel Raul Hilbergs Die Vernichtung der europäischen Juden - und Memoiren wie Viktor Frankls ... trotzdem Ja zum Leben sagen und Ella Lingens-Reiners Prisoners of Fear veröffentlicht worden. Doch diese kleine Sammlung von Edelsteinen ist besser als die Regale über Regale mit trivialer Literatur, die nun Bibliotheken und Buchläden füllen. Obwohl meine Eltern bis zu ihrem Todestag die Vergangenheit jeden Tag aufs neue erlebten, verloren sie gegen Ende ihres Lebens das Interesse an DEM HOLOCAUST als öffentlichem Schauspiel. Einer der lebenslangen Freunde meines Vaters war mit ihm gemeinsam Lagerinsasse in Auschwitz gewesen, ein scheinbar nicht korrumpierbarer Idealist vom linken Flügel, der die deutsche Entschädigungszahlung nach dem Krieg aus Prinzip ablehnte. Am Ende wurde er einer der Leiter der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem. Zögernd und mit aufrichtiger Enttäuschung räumte mein Vater schließlich ein, daß selbst dieser Mann von der Holocaust-Industrie korrumpiert worden war und seine Überzeugungen angepaßt hatte an das, was Macht und Gewinn versprach. Als die Darstellung DES HOLOCAUST immer absurdere Formen annahm, zitierte meine Mutter gern (und ironisch) Henry Ford: »Geschichte ist Quatsch. « Die Geschichten der »Überlebenden des Holocaust« - alle waren KZ-Insassen, alle Helden des Widerstands gewesen - bildeten zu Hause eine ganz besondere Quelle der Erheiterung. Vor langer Zeit hat John Stuart Mill erkannt, daß Wahrheiten, die nicht ständig hinterfragt werden, schließlich »nicht länger als Wahrheit wirken, weil sie durch Übertreibung zur Unwahrheit werden«. Meine Eltern fragten sich oft, weshalb mich Verfälschung und Ausbeutung des Völkermords der Nazis so empörten. Der Hauptgrund ist der: Man hat ihn dazu benutzt, die verwerfliche Politik des israelischen Staates und die amerikanische Unterstützung für diese Politik zu rechtfertigen. Doch es gibt auch ein persönliches Motiv. Ich sorge mich um das Andenken an die Verfolgung meiner Familie. Die laufende Kampagne der Holocaust-Industrie, mit der im Namen »bedürftiger Opfer des Holocaust« Geld von Europa erpreßt werden soll, hat das moralische Format ihres Martyriums reduziert auf einen Einsatz im Casino von Monte Carlo. Doch auch abgesehen von dieser Besorgnis: Wir sollten die
Integrität der historischen Überlieferung bewahren, ja, für
sie kämpfen. Wie ich auf den letzten Seiten dieses Buches vorschlage,
können wir durch das Studium der Massenvernichtung der Juden durch
die Nazis nicht nur etwas über »die Deutschen« oder »die
Nichtjuden« erfahren, sondern über uns alle. Wenn wir jedoch
wirklich etwas aus der Massenvernichtung der Juden lernen wollen, so muß,
wie ich glaube, deren physische Dimension verkleinert und die moralische
Dimension vergrößert werden. Zu viele öffentliche und
private Mittel sind für das Gedenken an den Völkermord der Nazis
eingesetzt worden. Was dabei herauskommt, ist zumeist wertlos; es ist
nicht dem Leiden der Juden gewidmet, sondern dient ihrer Erhöhung.
Wir sind alle Holocaust-Opfer. New York, April 2000 Norman G. Finkelstein |
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Buchempfehlung:
Zionismus - Land für das eigene Volk Prof. Norman G. Finkelstein |
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Auszug-Ende |
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