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Blitzkrieg gegen den Krebs |
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Krebs / CancerPolitische
Wissenschaft |
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Die weltführende
deutsche Forschung von 1933 - 1945
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Die
wissenschaftliche
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![]() Das Vorbild, Unser Führer Adolf Hitler Quelle: Auf der Wacht 54 (1937), S. 18 |
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War
die Moral der Nationalsozialisten doch vielschichtiger als wir glauben? |
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![]() Tabak hat seine Opfer in der Schlinge In der NS-Kampagne gegen den Tabak galten Zigaretten wie Juden als "Volksfeinde". Quelle: Reine Luft 23 (1941), S. 10 |
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![]() Ein Regen von "Tabak-Kapital" ruiniert die deutsche Gesundheit, Arbeitskraft, Volksvermögen und bevölkerungspolitische Ziele. Quelle: Reine Luft 23 (1941), S. 117 |
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Kann gute und nützliche Forschung
aus einem Terrorregime kommen? Was könnte dies über die Gesundheitspolitik
in unserer heutigen Gesellschaft verraten? Proctor hatte Dokumente entdeckt,
wonach die Nationalsozialisten die agressivste Anti-Raucher-Kampagne in
der modernen Geschichte führten. Weitere Forschungen ergaben, daß
die Regierung des Dritten Reiches eine breite Palette von Maßnahmen
zur Volksgesundheit beschloß, darunter
gegen Strahlen-
und Asbestbelastung
, Lebensmittelfarben
und Pestizide
. Diese praktischen Maßnahmen gingen Hand in Hand mit der Gesundheitspropaganda, die zum Beispiel den Körper des Führes, Adolf Hitler und dessen Lebensstil als Nichtraucher und Vegetarier zum Ideal erhob.Es gibt zahlreiche weitere Beispiele und ich möchte im Interesse der Vollständigkeit (und mit dem Risiko, zu ausführlich zu sein) noch weitere nennen. Johannes Müller leistete in den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts Pionierarbeit, als er die mikroskopische Analyse von bösartigen Geschwülsten beschritt und dabei herausfand, daß sich Tumore aus Zellen zusammensetzen; Rudolf Virchow entwickelte im Berlin der 1860er Jahre die Theorie, Krebs könne durch lokale Irrita-tionen entstehen. Auch in der Erfor-schung der "Übertragung von Karzinomen" leisteten Deutsche Pionierarbeit, und sie entwickelten schon früh die Theorie von der Latenzzeit, die von der Höhe der Dosis an schädlichen Stoffen abhängig ist. Deutsche waren zudem unter den ersten Forschern, die vermuteten, daß Hormone bei der Krebsentstehung eine zentrale Rolle spielen, und sie waren schon früh mit jener Idee vertraut, die man heute zuweilen >Xenoöstrogen-Hypothese< nennt, nämlich die Vorstellung, daß virulente petrochemische Karzinogene wie beispielsweise Methylcholanthren aufgrund ihrer strukturellen Ähnlichkeit mit körpereigenen Hormonen Krebs auslösend wirken. Und es war ein Münchner Pathologe (Max Borst), der als erster Tumore gemäß ihrer Histogenese klassifizierte - jener Methode, die heute von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) angewendet wird, um Krebsfälle einzuordnen. Die Liste läßt sich noch verlängern: Deutsche waren die ersten, die Gewebefarben als chemotherapeu-tische Wirkstoffe verwendeten (1922), und sie injizierten ihren Patienten als erste Thorium-Dioxid, um die Kontraste auf den Röntgenbildern zu verbessern (1928). Deutsche Genetiker zeigten, daß Dickdarmkrebs als dominantes Merkmal vererbt werden kann, und es war ein deutscher Zoologe, Theodor H. Boveri, der im Jahr 1902 die These vertrat, Chromosomenanomalien könnten für die Entstehung von bösartigen Tumoren verantwortlich sein. In Deutschland fanden die ersten internationalen Kongresse zur Krebsforschung statt (in Heidelberg und Frankfurt am Main, 1906), und die weltweit erste Zeitschrift, die ausschließlich der Krebsforschung gewidmet war, erschien ebenfalls in Deutschland. Bahnbrechende Arbeit wurde im Bereich der optischen Diagnostizierung von Krebs geleistet. Nicht nur die Röntgenapparaturen und das Kolposkop wurden in Deutschland entwickelt, sondern auch das rektale Endoskop - ein mit Kerzenlicht beleuch-tetes Modell, das 1807 in Frankfurt entstand. Deutsch
war eine Zeitlang die Sprache der internationalen Krebsforschung: Während der zwölf Jahre nationalsozialistischer Herrschaft entstanden mehr als tausend medizinische Doktorarbeiten zur Erforschung von Krebs, nur Blutkrankheiten erhielten noch mehr Aufmerksamkeit. (.....) Auszug Ende, Buch-Seite 29. |
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Vor allem in Deutschland möchte man sich nur ungern daran erinnern. Es
ist zwar nicht weiter erstaunlich, daß Krebs-Forscher kein besonders ausgeprägtes
Geschichtsbewußtsein haben, aber die Vergeßlichkeit wird in Deutschland
verstärkt durch einen genuinen Widerwillen gegen alles, was in den dreißiger
und vierziger Jahren geschah. Viele Deutsche weichen
der nationalsozialistischen Vergangenheit noch immer am liebsten aus. Dies
ist eine ernüchternde Tatsache, vor allem wenn man bedenkt, daß die
nationalsozialistischen Gesundheitsaktivisten wohl das entschlossenste
und erfolgreichste Krebspräventionsprogramm ihrer Zeit entwickelt haben.
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Der
Intellekt triumphiert Über Wissenschaft und Medizin zur Zeit der Nationalsozialisten ist bereits sehr vieles bekannt. So wissen wir, daß bestimmte Wissenschaftszweige zerstört wurden, während andere florierten. Besonders gefördert wurden die angewandten Naturwissenschaften, ebenso jene Wissenschaften, die mit dem nationalsozialistischen Programm der "Rassentrennung" und der Vernichtung Hand in Hand gingen. Es ist auch kein Geheimnis mehr, daß sehr viele Ärzte der NSDAP angehörten und etwa 60 Prozent aller Biologen in die Partei eintraten, ebenso rund 80 Prozent aller Professoren für Anthropologie - von denen die meisten ebenfalls Ärzte waren. Man weiß, daß das NS-Regime ein ausgeklügeltes medizinisches Überwachungssystem unterhielt - dies als Teil des Vorhabens, die deutsche Nation zu stärken; und wir wissen auch, daß die nationalsozialistische Kultur eine seltsame Mischung aus modernen und rückwärts gewandten Elementen bot eine Mischung, die Jeffrey Herf als "reaktionären Modernismus" charakterisiert hat. Bei der Beschäftigung mit unserem Thema
dürfen wir nicht vergessen, daß sich der Nationalsozialismus in jenem Land
etablierte, das auf die bedeutendste Wissenschaftskultur der Welt zurückblicken
konnte, die beinahe die Hälfte aller Nobelpreisträger und viele große Erfindungen
hervorgebracht hatte. So viele Technologien wurden im nationalsozialistischen
Deutschland entwickelt oder erreichten in dieser Zeit einen Höhepunkt: das
Fernsehen, düsengetriebene Flugzeuge, Lenkflugkörper (V1 und V2, später
Saturn >Raketenflug zum Mond<), elektronische Rechner, das Elektronenmikroskop,
die Atomspaltung, die Datenverarbeitung, die industriellen Todesfabriken und
die "Rassenforschung". Nationalsozialistische Luftfahrtingenieure entwarfen die ersten interkontinentalen Raketen - die allerdings nie gebaut wurden -, und es waren ebenfalls Deutsche, die in den vierziger Jahren den ersten Schleudersitz in einem Düsenflugzeug konstruierten. Deutsche Ingenieure bauten die ersten Autobahnen der Welt, und auf der weltweit ersten Magnetbandaufnahme hört man eine Hitlerrede. Es war der amerikanischen Armeeführung nicht entgangen, daß die deutschen Wissenschaftler während der Hitler-Ära nicht geschlafen hatten; so wurden nach dem Krieg Dutzende von führenden Wissenschaftlern damit beauftragt, Zusammenfassungen ihrer Fachbereiche zu schreiben, die ganze Buchbände füllten - eine eigentliche "Encyclopedia Naziana", in die verschiedenste wissenschaftliche Gebiete von der Biophysik bis zur Tropenmedizin Aufnahme fanden. Eigenartigerweise wurden manche Bereiche, wie zum Beispiel die Forschungen zur Gesundheit am Arbeitsplatz oder die Anti-Tabak-Forschung, dabei vernachlässigt. Aus diesem Grund kann man nicht einfach
behaupten, die Nationalsozialisten hätten den menschlichen Erfindergeist unterdrückt
oder dieser habe nur in "innovativen Nischen" überleben können, die sich dem
nationalsozialistischen Einfluß entzogen hätten. Es greift viel zu kurz, wenn
man die Geschichte der Wissenschaft im "Dritten Reich" nur unter dem Gesichtspunkt
von Unterdrückung und Überleben beschreibt. Wir müssen vielmehr herausfinden,
wie und warum die nationalsozialistische Ideologie bestimmte Wissenschaftszweige
förderte, wie die Forschung umgepolt und manipuliert wurde, und wie eng wissenschaftliche
Projekte und Strategien mit den Bewegungen der politischen Kräfte zusammenhingen.
Wenn wir feststellen, daß manche Wissenschaftszweige eine Blütezeit erlebten,
so drängt sich die Frage auf: Es ist bis heute noch wenig über die
nationalsozialistische Krebs-Forschung und Krebs-Bekämpfung
geschrieben worden, und dafür gibt
es aufschlußreiche Gründe. |
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Deutschland
war unter Adolf Hitler,
Zeichnung >siehe oben<:
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