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Klett-Cotta
320 Seiten / Euro (D) 30,--
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Arnold Retzer
Arnold Retzer
Dr. med., Dipl.-Psychologe, systemischer
Therapeut und Organisationsberater, Facharzt
für Psychotherapeutische Medizin und
Privatdozent für Psychotherapie
an der Universität Heidelberg.

Geboren 1952,
Studium der Medizin, Psychologie und Soziologie. Mehrjährige klinische Tätigkeit in der ambulanten Psychotherapie, Pädiatrie und Anstaltspsychiatrie. 1987 bis 1991 wissenschaftlicher Angestellter und leitender Oberarzt in der Abteilung für psychoanalytische Grundlagenforschung und Familientherapie der Universität Heidelberg. 1988 Promotion, 1994 Habilitation. 1989 bis 1994 Leitender Oberarzt und ärztlicher Direktor der Abteilung für psychoanalytische Grundlagenforschung und Familientherapie der Universität Heidelberg. 1990 Mitbegründer des Heidelberger Instituts für systemische Forschung und Therapie. Seit 1989 internationale Lehr- und Seminartätigkeit zur systemischen Therapie und Beratung. 1991-1994 Leitung der universitären Forschungsschwerpunkte "Kommunikation in Familien mit einem psychotischen Familienmitglied" und "Evaluation systemischer Familientherapien bei Psychosen". Seit 1995 therapeutische, lehrende und forschende Tätigkeit am Heidelberger Institut für systemische Forschung und Therapie.
Mitbegründer und Vorstand des Heidelberger Instituts für Systemische Forschung und Therapie. Seit 1996 Herausgeber der Zeitschrift Familiendynamik, Interdisziplinäre Zeitschrift für systemorientierte Praxis und Forschung. Gastprofessuren und -dozenturen in Argentinien, Griechenland, Polen, Schweiz, Österreich und der VR China.

Auszug
Einladung

stehen damit auch dem Leser als Stationen seiner Passagen zur Verfügung?

Die Moderne erzeugt ein neues Raumerlebnis: den unendlichen und offenen Raum. Galilei ist einer der prominenten Reiseführer der Moderne, der seine Touristen vor diesen Raum führt.

Gleichzeitig entwickeln sich - wie in einer Art architektonischem Naturgesetz - entgegengesetzte, voneinander abgrenzbare Räume: der private und der öffentliche Raum, der kulturelle und der wirtschaftliche Raum, der Raum der Arbeit und der Raum der Freizeit, der Raum des Paares, der Raum der Familie und wieder der öffentliche Raum. Es entstehen die Unterschiede zwischen dem Innen - und dem Außenraum, und auch hier wieder die Unterscheidung von Diesseits und Jenseits. Es wird unterschieden zwischen profanen, heiligen und verbotenen Räumen.

Zugänge zu Räumen werden geregelt. Zu heiligen oder heilbringenden Räumen können Menschen in Krisen zugelassen werden. Daneben gibt es Devianzräume, in die Menschen, die normabweichendes Verhalten zeigen, meist unfreiwillig gelangen: Gefängnisse, psychiatrische Kliniken, (Um)Erziehungsheime, Altenheime ...

Manche dieser Räume finden sich auch in diesem Buch wieder und stehen dann für Passagen (für Übergänge) zur Verfügung. Für Übergänge von systemtherapeutischen Grundlagen zu klinischen Anwendungen, von klinischen Fragen zu politischen Fragen, von pragmatischen Fragen zu metaphysischen Fragen, von Rationalität zu Irrationalität, von Gesundheit zu Krankheit, von Leben zu Tod, von Gewißheit zu Ungewißheit.

Nicht zuletzt findet sich aber an vielen dieser unterschiedlichen Orte immer wieder ein besonderer Übergang, die soziale Praxis des Übergangs zur Erzeugung von Veränderung im Übergangsritual (rites de passage). Dies führt wieder zum Anfang. Die kommunikativen Passagen zwischen dem Diesseits des Lesers und dem Jenseits des Autors lassen sich in jedem der verschiedenen Kapitel dieses Buches durchschreiten. Passagen können aber auch beim Durchwandern von Kapitelstation zu Kapitelstation entstehen. Voraussetzung ist lediglich, daß jedes Kapitel für sich stehen kann und der wandernde Leser sich von Kapitel zu Kapitel bewegt und damit eine Passage des Ganzen zu Wege bringt.

Dafür bürgt die Entstehung der einzelnen Kapitel. Sie sind zu unterschiedlichen Zeiten, in unterschiedlichen Kontexten und zu unterschiedlichen Anlässen entstanden. Etwa die Hälfte aus Anlaß der Entstehung dieses Buches. Dadurch sind Überschneidungen und Wiederholungen kaum vermeidbar. Nicht alle wurden beseitigt. Dies geschah nicht mit dem Ziel der Leserbelästigung, sondern mit der Absicht, dadurch Zusammenhänge und Verweise zwischen den einzelnen Themen und Kapiteln zu erhalten und die Passage zu erleichtern.

Das Buch selbst war Anlaß für ein erneutes Beobachten von bereits Verfasstem und Erfahrenem. Gleichzeitig macht es deutlich, wie die Herstellung, die Darstellung und die Beobachtung von Beobachtungen auseinanderfallen. Zunächst ist da der Autor als Beobachter, der - so glaubt er zumindest - unmittelbar sieht, was sich ihm irgendwo zeigt: in Psychotherapien, im Alltag, kurz: in seiner Welt. Als Autor eines Buches muß er nun auf eine Weise etwas zeigen, das es dem Leser als Beobachter ermöglicht zu beobachten, wie und was der Autor beobachtet hat. Ob dies hier gelungen ist, kann ich weder beobachten noch beurteilen.

Der Autor gleicht aber nicht nur einem Beobachter, der sich beim Beobachten beobachten läßt, sondern auch einem Spaziergänger, dem sich ein anderer Spaziergänger (Leser) vorübergehend anschließt. Gleichwohl geht der Leser, wohin
er will. Jeder hat die Freiheit zu verstehen, wie er muß, und kein Autor hat einem Leser vorzuschreiben, wie er zu verstehen hat. Dennoch oder gerade deswegen diese Einladung an den Leser zu einem gemeinsamen Spaziergang.

Das Lesen jedes Buches kann zum Übergangsritual werden, wovon und wohin auch immer. Voraussetzung ist lediglich, dorthin zu gehen, wo man noch nicht ist. Aber etwas anderes kann man ohnehin nicht: Man kann eben nur hingehen, wo man noch nicht ist.

Deshalb nochmals meine Einladung dazu, und vielleicht können wir ein kleines Stück gemeinsam gehen.

Bekanntlich war ja früher alles besser: das Wetter, die Luft, das Wasser, die Nahrungsmittel, die Menschen und ihre Beziehungen untereinander, ja sogar die Zukunft. Vor allem aber gab es früher noch den allsehenden externen Beobachter, der vom Jenseits das Diesseits beobachtete. Sie ahnen schon, wen ich da im Auge habe. Ja, genau, die Rede ist von Gott oder etwas genauer: von Gott und der Welt, d. h. von Gott und seiner Beziehung zur Welt, also auch zu uns, zu Ihnen, dem Leser, und zu mir, dem Autor. Früher hätten wir noch gewußt, was wir an uns und an ihm haben: Wir hätten uns beobachtet gewußt und daraus geschlossen, daß wir existieren, und obendrein hätten wir noch gewußt oder zumindest geglaubt, daß er es gut meint mit der Welt und mit uns, mit Ihnen und mit mir.

Was bleibt uns heute, uns, den mehr oder weniger Gottlosen? Wir müssen selbst beobachten und unsere Beobachtungen wiederum beobachten lassen und — wenn wir wollen — darüber miteinander kommunizieren. Damit ist die Grenze zwischen Diesseits und Jenseits zwischen uns gerückt.

Aber wir haben die Möglichkeit der kommunikativen Grenzüberschreitung, der Übergänge, der Passagen zwischen Diesseits und Jenseits. Die Einladung zum Spaziergang, zum Übergang oder Durchgang, zur Passage, wie der Titel des Buches zusammenfaßt, verweist sowohl auf die Form als auch auf den Inhalt der Passage.

Der Inhalt der Passage sind die Orte, die Räume, von denen man ausgeht und zu denen man hingeht und das, was sie voneinander unterscheidet, so daß man sich zwischen ihnen bewegen kann und sie dadurch miteinander verbindet. Die Form der Passage dagegen ist die Art und Weise der Bewegung. Wie wird der Weg genommen und wie versteht sich der dabei Bewegende, der Passagier? Als was tritt er auf? In welcher Rolle ist er unterwegs? Hier sind verschiedene Rollen möglich und stehen in unserer Kultur zum Gebrauch zur Verfügung.
So ist etwa dem Pilger die Wahrheit anderswo als dort, wo er lebt. Der Ort der Heilung und das Ziel seiner Pilgerreise ist nicht der Ort seines Alltags und seiner Kränkungen. Die Zeitlichkeit der Pilgerreise erhebt die Zukunft über die und auf Kosten der Gegenwart.

Das Ziel der Pilgerreise liegt immer vor dem Pilger. Der Pilger ist unterwegs zum Noch — Nicht. Er spart (manchmal sogar das Leben und nicht nur ein Leben lang) für die Zukunft, in der dann das eingelöst wird, was versprochen ist: Zinsen, Prämien, Heil, Dividende, die klassenlose Gesellschaft, der Kursanstieg, das ewige Leben.

Der Pilger ist festgelegt, und er legt sich fest. Sogar die Reiseroute, der Pilgerweg, steht fest. Er macht sich und seine Welt vorhersagbar. Die Stabilität der Welt und der Zeit ist Voraussetzung jeder Pilgerreise. Santiago de Compostela muß sich auch in Zukunft dort finden lassen, wo es schon immer zu finden war, nämlich am Ende des Jakobsweges.

Im Gegensatz zum Pilger vermeidet der Flaneur genau das, was den Pilger zum Pilger macht: die Gebundenheit und Festlegung einer Stabilität der Welt. Er ist Fremder unter Fremden und will auch gar nichts anderes sein. Er erfaßt seine Umgebung an der Oberfläche und begnügt sich mit dem, was er sieht, und dem, was er sehen läßt. Von dem, was er ist und die anderen sind, wovon der Pilger viel zu erzählen hätte, will er nichts wissen — falls man darüber überhaupt etwas wissen kann. Er vermeidet und verspricht sich damit die Freiheit, sowohl die Kosten als auch die Folgen von Gebundenheit und Festlegung loszuwerden.

Eine Steigerungsform des Flaneurs, gleichzeitig ein frühmoderner Wanderer, ist schließlich der Vagabund.

Ein Ärgernis vor allem für die frühe Moderne. Er ist herrenlos, unkontrolliert, außerhalb des Rahmens und unvorhersehbar. Er bezieht sich nicht einmal negativ auf die anderen, er entzieht sich sogar der integrierenden Macht des Engagements. Er hat seine Wurzeln noch vor der Seßhaftigkeit der akkerbautreibenden Bauern. Er ist der vaterlandslose Geselle, der Asoziale, fahrendes Volk, der marginale Mensch, der Nomade, der noch das Erschreckende des Jenseits an sich erkennen läßt, gegen das die modernen Räume der niedergelassenen seßhaften Einheimischen errichtet worden sind.

Auch danach lassen sich Kulturen und Gesellschaften unterscheiden, wie sie sich selbst durch die Zeit und den Raum beschreiben. Welche Räume und welche Raumvorstellungen gehören zum Selbstbeschreibungsrepertoire einer Kultur und


Psychologie, Passagen, Raum des Paares, Raum der Liebe, Raum der Freizeit, Raum der Partnerschaft, Raum der Ehe
Systemische Erkundungen,

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Leseprobe mit Foto und Buchumschlag, Klett-Cotta Verlag.
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Musical Ludwig II - Musical Robin Hood - Musical Sweeney Tood - Musical Swan Lake - Musical African footprint
Musical Tarzan - Musical In nomine patris - Musical West Side Story - Musical Dirty Dancing - Musical Kiss me Kate
Musical Tanguera, Tango-Argentino - Musical My Fair Lady - Musical Balé de Rua - Musiktheater Friedrichstadtpalatz Berlin

Theater
Sextett - Spanische Fliege - Glücliche Zeiten - Jude von Malta

 

Oper-Ballett:

Oper La Traviata - Oper La Boheme - Oper Entführung aus dem Serail - Oper Die Liebe zu den drei Orangen - Oper Die Zauberflöte
Oper Cosi fan tutte - Oper Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny - Oper Die Teufel von Loudun - Oper Der Waffenschmied Oper Madame Butterfly
Oper Simon Boccanegra - Oper Orelando paladino - Oper Carmen - Oper Armida - Oper Der Spieler, Hrpok - Oper Fidelio
Oper Agrippina - Oper Der Türke in Italien - Oper Der Goldene Hahn - Ballett Dornröschen - Ballett Schneewittchen
Ballett Tanzgeschichte - Ballett Carmen Flamenco - Ballett Der Nussknacker - Ballett Martha Graham Company

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Interview Lola Müthel - Interview Herbert Bötticher - Interview Ruth Drexel - Interview Ute Lemper
Interview Wolfgang Spier - Interview Judy Winter - Interview Romuald Pekny - Interview Helmut Griem


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