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Seneca, Philosoph, DichterPhilosophie emu
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De brevetate vitae
Die Kürze des Lebens Seneca |
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Mit vergeblichem Kummer, törichten Freuden und gierigen Leidenschaften verschwenden wir den kostbaren Rohstoff Zeit, als ob er uns unermesslich zur Verfügung stünde: Ihr lebt, als würdet ihr immer leben, niemals kommt euch in den Sinn, wie karg ihr bedacht seid. Man kann die meisten sagen hören: "Vom fünfzigsten Jahre an will ich mich in den Ruhestand zurückziehen. Oder: Das sechzigste Jahr soll mich von allen Geschäften losmachen. Diese
Rechnung ist lebensgefährlich. Denn: Das
Hinausschieben ist der größte Verlust fürs Leben; es verzettelt immer den
nächsten Tag, es entreißt die Gegenwart, indem es auf die Zukunft verweist.
Das größte Hindernis des Lebens ist die Erwartung, die vom Morgen abhängt. Daher
muss man mit der Eile der Zeit durch Schnelligkeit der Benutzung wetteifern
und, wie aus einem reißenden Waldbache, der nicht immer strömen wird, rasch
schöpfen . .. Die Sache eines sorglosen
und ruhigen Gemütes ist es, alle Teile seines Lebens zu durchlaufen; die Seelen
der Vielgeschäftigen können sich, als ob sie unter dem Joche wären, nicht
wenden und zurückschauen. Ihr Leben ist also in die Tiefe entschwunden, und
so wie es nichts hilft, wenn du auch noch so viel hineingießest, wenn nicht
unten etwas ist, was es aufnehme und halte: So kommt auch nichts darauf an,
wie viel Zeit gegeben wird, wenn nichts da ist, wo sie haften bleibt; durch
schadhafte und durchlöcherte Seelen rinnt sie hindurch ....Dem Vielgeschäftigen
gehört also bloß die Gegenwart, die so kurz ist, dass man sie nicht erfassen
kann, und gerade sie entzieht sich den nach so vielen Seiten hin Zerstreuten. Den Tag verlieren sie in Erwartung der Nacht, die Nacht in Furcht vor dem Tage. Ihre Vergnügungen selbst sind angstvoll und durch mancherlei Schrecken beunruhigt, und in ihrer ausgelassensten Freude beschleicht sie der Gedanke: Wie lange wird sie dauern? Seneca spricht mit seinen Überlegungen über
die Kürze des Lebens ein Problem an, das sich in der Neuzeit eminent verschärft
hat. Denn der Zeitverschwendung unserer Ignoranz dem Wesentlichen des Lebens
gegenüber, steht das Phänomen der rasanten mechanischen Beschleunigung und
Verknappung einer inhaltsarmen Zeit entgegen. Marianne Gronemeyer hat diesen
umwälzenden Geschichtsprozess in ihrem Buch Mit dem Projekt Moderne der neuzeitlichen Naturwissenschaft und Philosophie wurde die Herrschaft über die Natur statt die Partnerschaft mit ihr anvisiert. Damit geriet der Mensch philosophisch aus der Haltung der Geduld. |
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Wege
zur inneren Freiheit
Mathias Jung Auszüge |
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Sein neues Buch "Seneca" konfrontiert den Leser mit dem unverändert, radikal authentischen Denker Seneca. Seine provozierende Frage nach dem Wesen des Menschseins stellt Mathias Jung mit viel Feingefühl und Humor in seinem Buch "Seneca Wege zur inneren Freiheit" zur Diskussion. Der
mittelalterliche Mensch akzeptierte den
Tod als von Gott verhängten Abschluss des Lebens, hinter dem Himmel oder
Hölle sich verbarg. Dem Menschen des Mittelalters war hiermit, wenn man
so will, eine unendliche Zeitstrecke gegeben, eine kleine hier auf Erden,
eine unendliche im Jenseits. Marianne Gronemeyer sagt dazu: Die Beschleunigung der Fortbewegung war ohne Raubbau an fossilen Brennstoffen, ohne Ausplünderung anderer Rohstofflager, ohne Hinterlassung dicker Luft, die man fast nur noch in Scheiben atmen kann, ohne Durchsäuerung des Bodens, die immer mehr Bäume zum Aufgeben zwingt, ohne Schädigung von Tausenden von Tier- und Pflanzenarten, ohne flächendeckenden Lärm rund um die Uhr nicht zu haben. .... (... Ende vom Auszug) |
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Kürze
des Lebens Marc
Aurel (121 - 180 n. Ch.) |
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älter der Mensch wird, desto mehr trifft ihn in der Regel der Schock über die
Kürze des Lebens. Wer kennt den Stoßseufzer nicht, mit dem wir zum fünfzigsten
oder sechzigsten Geburtstag sagen: Jetzt möchte ich mit all meinem gegenwärtigen
Wissen und meiner Lebenserfahrung das Leben noch einmal neu beginnen! Es gehört
zu den Paradoxien des bewussten Lebens, daß es, kaum ist es, wie ein guter
Wein, zur herbstlichen Fülle gelangt, schon wieder dem Ende entgegensteuert.
Kosmisch gesehen, ist das winzige Leben eines menschlichen, tierischen oder
pflanzlichen Geschöpfes ohnehin nur eine Anekdote, ein Wimpernschlag im Kontinuum
der Unendlichkeit. Vielen Menschen ist es nicht vergönnt, wie - dem biblischen
Mythos nach - der steinalte Moses, die Welt restlos erfüllt und lebenssatt zu
verlassen.--
Seneca hat zu diesem Thema eine seiner schönsten Schriften unter dem Titel De brevetate vitae, Über die Kürze des Lebens geschrieben. Ich liebe diese Betrachtung am meisten von allen Werken Senecas. Das hat damit zu tun, dass ich in den Herbst meines Lebens eingetreten bin und, wenn ich still werde, die Sanduhr der Endlichkeit leise rieseln höre und nach dem Sinn des Ganzen frage. Seneca wendet sich in dieser Schrift an seinen Freund Paulinus und registriert zu Beginn das Skandalon, das Ärgernis des Menschen: Die Mehrzahl der Sterblichen klagt über die Ungunst der Natur, weil wir nur für eine kurze Lebensdauer geboren würden, weil die Frist der uns verliehenen Zeit so schnell, so reißend verlaufe, dass, sehr wenige ausgenommen, die meisten das Leben mitten unter den Zubereitungen für das Leben verlassen. Es ist eine der großen Leistungen der stoischen Philosophie, die Menschen immer wieder auf die Kürze des Lebens und die Substanzlosigkeit der Polypragmasie, der hektischen Vielgeschäftigkeit, hingewiesen zu haben. Noch Marc Aurel, der 180 nach Christus in einem Feldlager bei Wien gestorbene wehrhafte Kaiser und bedeutende Denker, der die Stoa abschließt, machte die Philosophie zur ständigen Begleiterin. Sie half ihm, die Last der Regierungsgeschäfte zu tragen und mitten in der Rastlosigkeit seines Schicksals die Heiterkeit und den Frieden eines innerlich freien Menschen zu bewahren. Seine Selbstbetrachtung, das Reiterstandbild auf dem Capitol in Rom und die Markussäule auf der Piazza Colona erinnern bis heute an sein Wirken. In den Selbstbetrachtungen resümiert Marc Aurel, nicht anders als Seneca, den kurzen Bühnenauftritt der menschlichen Existenz und das theaterhaft Illusionäre unserer Wichtigtuerei: Winzig ist also die Zeit, die jeder lebt,
winzig das Fleckchen Erde, worauf er lebt; winzig auch der weitreichendste
Nachruhm, dieser beruht auf der Überlieferung durch Menschen, die sehr bald
sterben werden und nicht einmal sich selber kennen, geschweige denn den vor
Zeiten Gestorbenen. Gestern ein bisschen Schleim, morgen Mumie oder Asche. Wenige Denker haben so eindringlich das Hamsterrad unserer oft so sinnentleerten Geschäftigkeit beschrieben wie Seneca: Den einen aber hält unersättliche Habsucht gefangen, einen anderen geschäftige Emsigkeit in überflüssiger Arbeit; der eine ersäuft im Weine, ... den anderen treibt in Hoffnung auf Gewinn fortreißende Handelsbegierde in allen Ländern, auf allen Meeren umher . Die meisten jagt, kein sicheres Ziel verfolgend, unstetig, unbeständig, sich selbst missfallende Unbeständigkeit von einem Plan zum anderen . . . . Wir leben nur des Lebens kleinsten Teil; denn freilich, unsere ganze übrige Dauer ist nicht Leben, sondern Zeit. Wen
gibt es, so Seneca, der sein Geld an Hinz und Kunz verteilen möchte? Aber
genau das machen wir mit unserer Zeit. |
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Seneca Philosoph, Stoiker - Mark Aurel - Kürze des Lebens - Lebenshast - Habsucht - Profitgier antike Philosophie - Dichter - Schriftsteller © - Copyright: Leseprobe mit Foto und Buchumschlag, emu Verlag Sämtliche Fotos, wenn nicht anders benannt, Texte, Layout und Design Kultur Fibel Verlag GmbH, Berlin und JBM-marketing, PF 140315, D-40073 Düsseldorf Anfrage Musical-Operette:
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