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Was erwarten Kinder von ihren Eltern?
Dass immer wieder, auch unter erschwerten Bedingungen, Kinder
geboren werden und die elterliche Sorge beanspru-chen, für alle Beteiligten
Sinn macht, sei einmal voraus-gesetzt. Nach dem tieferen Sinn soll hier
gefragt werden. Der verborgene (spirituelle) Aspekt unseres Zusammenseins
mit Kindern soll dabei in den Mittelpunkt gerückt werden. Es geht
dabei um den Versuch, die Erziehungsaufgabe einmal aus einem andersartigen
Gesichtswinkel zu betrachten. Bleibt zu hoffen, dass uns daraus mehr Kräfte
zur Bewältigung des Erziehungsalltags zuwachsen. Aus einer gewissen
Distanz betrachtet, wird es vielleicht auch leichter fallen, Prioritäten
zu setzen, Ängste abzubauen und neuen Mut zu fassen.
Gar manches brauchen Kinder, damit sie gut gedeihen. Allem voran, dass
wir für sie da sind. Ganz einfach und dennoch heute beileibe nicht
selbstverständlich. Oft werden Kinder als Belastung erlebt. Was sie
uns abfordern, geht vielen Eltern zu weit. Sie fühlen sich auf dem
Weg der eigenen Selbstverwirk-lichung bedroht und nehmen sich zurück,
wenn auch bloß innerlich.
Was bedeutet das für den Lebensalltag unserer Kinder?
Wie kommen sie damit zurecht?
Fördern wir damit etwa ihre Selbstständigkeit?
Was erwarten denn überhaupt Kinder von ihren Eltern, was nicht?
Was sind ihre grundlegenden (und unverzichtbaren) Bedürfnisse und
wie kommen wir ihnen nach, ohne uns selbst zu verleugnen?
Wie schon gesagt: Immer häufiger trifft man Eltern an, die sich schwer
damit tun, ihre erzieherische Aufgabe vorbehalt-los anzunehmen. Ganz Mutter
oder Vater sein, pausenlos für die Kinder verfügbar, ist mit
der Angst verbunden, Wesent-liches von sich aufgeben zu müssen. Als
Folge davon ergeben sich Rückzugstendenzen, „Fluchtversuche",
jedenfalls eine mehr oder minder bewusste Reserve im erzieherischen Engagement.
Dieses Sichzurücknehmen wird oft auch damit begründet, dass
es uns Erwachsenen gar nicht anstünde, so einschneidend in das Leben
heranwachsender Kinder einzugreifen. In antiautoritärer
Erziehungsgesinnung, um die es inzwischen allerdings still geworden ist,
gipfelte bekanntlich eine so geartete Auffassung. Dass Eltern ihren pädagogischen
Auftrag hinterfragen - was heute grund-sätzlich durchaus erwünscht
und legitim ist -, hat wesentlich mit dem Wert zu tun, den sie dieser
Aufgabe beimessen, und mit der Vorstellung dessen, was Erziehung überhaupt
soll.
Die
„geistige Unruhe der Satten"
Saint-Exupery
Was die Zeit prägt, in die unsere Kinder hineingeboren werden, ist Verunsicherung,
mehr innerlich denn äußerlich. Waren es früher noch mehr Sorgen,
die das äußere Fortkom-men (oftmals das nackte Überleben)
betrafen, sind es heute Unsicherheiten, die ihren Ursprung in uns selbst haben.
Nachdem für viele heute die äußerliche Lebenserhaltung gesichert
erscheint, hat sich der Schauplatz existentiellen Ringens nach innen verlagert.
Wenn es uns (im materiellen Sinne) „gut geht", ja oftmals gerade
dann in verstärktem Maße, überkommt viele Menschen eine Unruhe,
die in der unerbittlichen Suche nach den eigenen inneren Werten ihren Ursprung
hat. Sie erst vermögen in unserem Leben Sinn, Halt und Ausrichtung zu
stiften.
Dankbar sollen wir dafür sein, dass wir in diesem Ringen und Suchen -
auch ohne äußere Not - nicht vorschnell erlahmen.
Nur wer sich selbst verliert, kann gestärkt bei sich selber einkehren.
Wer manches in Frage stellt, muss mit Verunsicherung rechnen. Sich
diese einzugestehen, erfordert einigen Mut.
Wir sind in diesem Zustand verletzbarer und davor schrecken viele zurück.
Manches im Leben, so etwa das Aufeinander-zugehen von zwei Menschen oder andere
nahe gehende Ereignisse (Er-reich-nisse!) sind eigentlich dazu da, uns innerlich
in Bewegung zu versetzen. Nicht selten wird daraus eine tief gehende Erschütterung.
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Kindheit in Gefahr
Die Kinder sind der
eigentliche Jungbrunnen jeder Menschen-gemeinschaft. Sie sind die immer zu
erneuernde Kraft in dieser Welt.
Nichts weniger.
Kein kostbareres Gut ist uns zeitlebens anvertraut. Aber das Bewusstsein dafür
ist vielen heute abhanden gekommen und - kein Wunder! - der Welt geht es schlecht.
Sie tritt am Ort, hat man oft den Eindruck, tut sich mit Veränderungen
jedenfalls unsäglich schwer. Wo man hinschaut: Es harzt, überfällige
Einsichten fassen nur zögerlich Fuß, die Bereitschaft, aus gemachten
Erfahrungen zu lernen, ist erschreckend klein. Am Alten wird dagegen krampfhaft
festgehalten, auch wenn es längst brüchig geworden ist.
Da sind Kinder ganz anders:
Immer aufs Neue aus, unvoreingenommen, frisch wie der neue Tag packen sie
freudig an, was ihnen das Leben entgegenträgt, ganz im Jetzt lebend und
nur auf eines aus: die Welt erfahren - um jeden Preis! - am liebsten in ihrem
ganzen Facettenreichtum. Nichts liegt dem spielenden Kind näher als die
permanente Veränderung und nichts widerstrebt ihm mehr als das Festhalten
und Bewahren. Kein Ding, dem nicht der „Glanz der Gegenwärtigkeit",
der „Geschmack pulsierenden Lebens" anhaftet, interessiert Kinder.
Das Kindsein ist heute ganz erheblich bedroht, vielleicht in einem
Maße wie nie zuvor.
Das kann einen mit wachsender Sorge erfüllen. An den Rand gedrängt,
mehr geduldet denn geliebt, fristen Kinder heute ein Leben an der Grenze,
oftmals gar im Niemandsland.
In ihrem Entfaltungsraum empfindlich beschnitten, werden sie oft in
Ghettos abgedrängt, vor der Glotze stillgestellt, mit dem Gameboy abgespeist,
auf öden Spielplätzen herumhängend „aufbewahrt",
durch Supermärkte geschleppt, die sie förmlich verschlucken, oder
in Schulen verbannt, die ihnen etwas verpassen wollen, was sie fürs Leben
mehr schwächt denn stark macht. In den Sog moderner Kommunikationstechnik
geraten, werden sie von Kopf bis Fuß mit Zivilisationsschrott überhäuft,
der sie dem Ersticken nahe bringt.
Wo bleiben ihre Lebens- und Entfaltungsräume, ausgesparte Flecken in
dieser Welt, die ihnen vorbehalten bleiben, auf dass sie dort einfach Mensch
werden dürfen - mit allem, was dazugehört?
„Schulen ans Netz!"
- wird allenthalben gefordert. An welches, ist hier nur die Frage?
Was Kinder brauchen: dass sie Gelegenheit bekommen, sich ins Lebensnetz einzubinden.
Das heißt: Was immer sie suchen, ist der hautnahe Kontakt zu uns, zur
Natur, zu Wasser, Wind und Erde.
Das allein bildet sie,
macht stark und mutvoll, um in dieser absonderlichen Welt - einer Welt voller
Irrungen und Wirrungen! - als Menschen einst zu bestehen.
Es ist an der Zeit, dass wir für die Not unserer Kinder wach werden.
Der bereits angerichtete Schaden ist nicht zu übersehen.
Das Steuer herumreißen
- zugunsten der Kinder - ist ein Gebot der Stunde.
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Daniel
Wirz
geboren 1945, war 1979 bis 1994 Klassen- und Fachlehrer an der Rudolf
Steiner Schule in Baar (Schweiz), anschliessend als deren Geschäftsführer
tätig und seit 1996, nebst geringfügiger Unterrichtstätigkeit,
ausschließlich in der Erwachsenenbildung (v.a. Eltern, Lehrerinnen,
Lehrer, Kinder-gärtnerinnen) engagiert. Vater von fünf Kindern
(vom Kleinkind- bis Erwachsenenalter). |
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Mensch werden
...
(Das Motto der Kultur
Fibel - siehe Titelbild:
Mensch werden, Mensch sein, Mensch bleiben,
das ist die Frage des 21. Jahrhunderts.
Die „Liebe zur Wahrheit“
gegen die Propaganda dieses Jahrhunderts)
„Das wichtigste
Sakrament der Zukunft wird statt-finden in der Begegnung zwischen den Menschen."
Rudolf Steiner
Schon am Vortag gehen wir dorthin. Wir säubern,
wenn nötig, den Platz und schmücken ihn. Nach einem eher kargen
Abendessen gehen wir alle früh zu Bett, denn in aller Frühe wollen
wir am Ostermorgen aufstehen. Schon am Vorabend müssen die Kleider schön
bereitgelegt werden, denn nur eine brennende Kerze spendet beim Aufstehen
kärgliches Licht. Rechtzeitig vor Tagesanbruch machen wir uns schwei-gend
auf den Weg. Noch herrscht die Nacht. Ertönt der erste Vogelruf, halten
wir inne und stimmen den Osterkanon an. Wie ein Weckruf soll er die Umgebung
durchhallen. Bei Tagesanbruch, am Ort der Feier angelangt, trinken wir, eingebettet
in ein kleines Ritual, vom Osterwasser, das zu dieser Stunde als „Wasser
des Lebens" mit ganz besonderen Kräften ausgestattet sein soll.
Ein Lied, ein Spruch mögen die Feier einrahmen. Der Osterkuss darf natürlich
auch nicht fehlen.
Dann treten wir den Heimweg an. Rasch zieht der neue
Tag heran. Jetzt darf geschwatzt werden. Und oh Wunder! Am Wegrand entdecken
die Kinder da und dort ein Ei. Zu Hause angekommen brennt auf dem festlich
gedeckten Tisch schon die Osterkerze. Ein reichliches Mahl steht bevor. Alles
ist in Fülle vor-handen und man darf davon nehmen, so viel man mag. Noch
vor dem Essen sollte aber das mitgebrachte Wasser an die Pflanzen im Haus
verteilt werden. Auch wer aus irgendwelchen Gründen den Weg zur Quelle
nicht mitgehen konnte, bekommt seinen Anteil: Kranke, Gebrechliche oder Alte.
Übersprühende Freude, neue Hoffnung und Zuversicht sollen die Stimmung
dieses Tages prägen. Aber wohl gemerkt: Ostern gilt es frühmorgens
zu feiern, an der Schwelle zwischen Tag und Nacht.
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