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“Auffahrt - Pfingsten"

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Zwischen Ein- und Ausatmen, "Zu-sich-Kommen" und
"Sich-wiederumVerlieren" pendelnd stellt sich Leben ein,
ich-bewußtes Leben.

Gesellschaftsmagazin

Eine mögliche Form könnte darin bestehen, dass wir an diesem Tag gemeinsam einen Berg (oder Aussichtspunkt) besteigen, um da oben die Samen der „Pusteblumen" (Löwenzahn) oder etwas anderes Leichtes dem Wind zu übergeben. Es soll ein Zeichen dafür sein, dass das Erdgebundene nunmehr gelöst wird und im Kosmos zu verströmen anhebt. Pfingsten - zehn Tage später - stellt alsdann eine deutliche Steigerung dessen dar, was zu Auffahrt angebrochen war: Ausweitung ins Kosmische. Pfingsten ist das Fest der Verständigung, auch unter denen - so erzählt das Evangelium, - die sich zuvor nicht verstehen konnten. Wenn am Auffahrts-tag noch mehr das Himmel und Erde vermählende Licht im Zentrum unserer Aufmerksamkeit stand, geht es jetzt um die sich ausbreitende Wärme. Ins Soziale übertragen hieße das auch, dass sich Herzenswärme unter den Menschen ausbreite und sie miteinander verbinden möge. Menschliche Nähe und Gemeinschaft, ein brüder- oder eben schwesterliches Element kennzeichnet das Pfingstfest. Einer alten Tradition gemäß finden sich in diesen Tagen auch allenthalben Menschengruppen zu gemeinsamen Anlässen zusammen. Ich denke da etwa an die Lager von Kindern und Jugendlichen.

Ein soziales Element soll also die Pfingstfeier mit Kindern prägen. Um einen großen Tisch oder ums Lagerfeuer versammelt wollen wir uns am Glück des Zusammenseins erfreuen. Auch Verstor-bene könnte man dabei in die Gemeinschaft einbeziehen, etwa indem man für diese Kerzen entzündet. Pfingsten ist ein Fest der Liebe. Erst wo wir, den Christus in uns erweckend, über uns selbst hinauswachsen, sind wir mit den anderen gleichermaßen verbunden. Eine dritte und letzte Steigerung erfährt das „Ausgießen des heiligen (oder besser: heilenden) Geistes" zu Johanni. Das jetzt entzündete Feuer sei auch ein Liebesfeuer. Mensch, Tier, Baum und Strauch, Steine und Sterne als Zeugen des alldurchdringenden Lebens werden eins. Wie Kindern dies vermitteln? Eine Nacht - und seien es nur ein paar Stunden - im Freien, um ein Feuer geschart, zu verbringen, erscheint mir als die geeignetste Form. Zwischen Wachen und Träumen pendelnd, das gestirnte Firmament über uns, die Erde, auf der wir liegen, unter uns und das lodernde Feuer in unserer Mitte, kann das Erlebnis kosmischen Aufgehobenseins wohl am besten vermitteln. Wenn wir zu Weihnachten auf das Kind im Stall hinschauten, seien wir zur Sonnwendzeit ganz dem Licht hingegeben, das Erde und Kosmos jetzt durchflutet. Ein langer Weg führt uns in den ersten sechs Monaten des Jahres dahin - und ruft uns schließlich wiederum dorthin zurück.

Auffahrt - Pfingsten - Johanni

Zwischen Ein- und Ausatmen, „Zu-sich-Kommen" und „Sich-wiederum-Verlieren" pendelnd stellt sich Leben ein, ich-bewusstes Leben. Die erste Jahreshälfte kommt, so könnte man sagen, einem fortschreitenden Ausatmen der Erde gleich, die zweite einem Einatmen. Geht es auf den Sommer zu, werden Licht und Wärme immer mächtiger und entlocken der Erde eine zunehmende Fülle aufkeimenden Lebens. Als möchte- der Himmel die Erde ein Stücklein aus sich heraus - zu sich empor - ziehen, so kann einem das Ergrünen und Erblühen pflanzlichen Lebens in dieser Zeit vorkommen.

Zu Johanni (24. Juni) wendet sich - nach einem kurzen Atemanhalten - das Blatt, hin zum „Einatmen". Auf das Blühen folgt das Reifen. Mit dem Vollwerden der Früchte wendet sich die Pflanze gleichsam nach innen. Was sich zuvor in Licht, Farbe und Duft zu verströmen anschickte, neigt sich in der sich rundenden Frucht wiederum der Erde zu. Das in der Hingabe an die kosmischen Kräfte Gewonnene verdichtet sich. In der Frucht reift später im Jahr der Samen heran, in welchem das Leben zum „Punkt" verdichtet erscheint.

So findet die Erde, wenn es herbstet oder gar Winter wird, wieder zu sich, Samenkraft in sich bergend, aus der - den Tod überwindend - einst wieder frühlingshaftes Leben ersteht.

Wenn es zu Ostern darum ging, dass Christus in einem jeden von uns zum Leben erwache, sind Auffahrt und Pfingsten Zeichen für das sich nunmehr gewaltig ausweitende Leben.

Der am Auffahrtstag - wie es das Neue Testament beschreibt - von einer Wolke aufgenommene Christus tritt über den einzelnen Menschen hinaus und verbindet sich der weltumspannenden Lebenssphäre. In den Wolken sammelt sich das der Erde entlockte Wasser. Wolken sind, auf- und niedersteigend, in ständiger Wandlung begriffene Gebilde. Zwischen Himmel und Erde gleichsam eine Brücke schlagend, sind sie beiden Sphären zugewandt.

Zur Auffahrtszeit treffen wir auf den Wiesen zumeist - in hellen Scharen - den verblühten Löwenzahn (mit den kugeligen Samenständen) und den weiß erblühten Wiesenkerbel an. Beiden haftet Wolkenartiges an. Wie mit Kindern Auffahrt feiern?

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