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Das Ende des Judentums
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Das Ende
des Judentums

Der Verfall der
israelischen Gesellschaft

Hajo G. Meyer

Die Buchempfehlung mit einer Leseprobe, ohne die Ansichten vorbelasteter Kritiker, zur eigenen Meinungsbildung unserer Leser.
Empfehlenswert für die,
traumatisierten Deutschen
durch die
Holocaust-Ideologie
Früher war ein Antisemit jemand,
der etwas gegen Juden hatte;
heute ist es jemand,
gegen den Juden etwas haben.
Auszug

Mein eigener Filter
Meine Erfahrungen in Deutschland zwischen 1933 und in den Niederlanden zwischen 1933 und 1942 haben mich besonders empfindlich gemacht für die diskriminierende und erniedrigende Behandlung von Menschen, die als Bürger zweiter Klasse in einer im Grunde feindlichen Umgebung leben müssen. Ich musste mich demütigenden Verhören unterziehen, kollektive Strafen verbüßen; ich hatte jahrelang kaum oder gar keinen Zugang zur Schulbildung; ich musste mit ansehen, wie mein stolzer Vater erniedrigt wurde; ich erlebte, wie die jüdische Gemeinschaft immer mehr verarmte; kurz, das Leben als Paria der Gesellschaft hat mich für derartige Phänomene sensibilisiert.
Verstärkt wird diese Empfindlichkeit dadurch, dass meine ,eigenen Leute' heute ihrerseits Angehörigen eines Volkes mit Schikanen und Demütigungen begegnen - den Palästinensern. Wenn ich dergleichen lese oder davon höre oder im Fernsehen sehe, dann drängen sich mir die Erlebnisse meiner Jugend auf. Dies ist der Grund, warum ich diese neun Jahre meiner Jugend unter den Nazis mit dem vergleiche, was Palästinenser zurzeit erdulden müssen. Ich bin mir allerdings heute darüber im klaren, dass ein solcher Vergleich Reaktionen hervorruft, mit denen ich nicht gerechnet hatte.


Die Filter des Lesers
Durch die erwähnte Diskussion mit Anet Bleich ist mir auch dies bewusster geworden. Sie schrieb damals:
vergleiche [das heutigen Israel] mit Auschwitz, den Nürnberger Rassengesetzen oder der Kristallnacht können uns gestohlen bleiben. Aber ich habe diese Vergleiche, besonders mit Auschwitz, nie gezogen. Hätte Anet Bleich „mit dem Beginn der Nazi-Zeit in Deutschland und in den besetzten Niederlanden" geschrieben, dann hätte sie Recht gehabt. Die Gleichsetzung der Nazi-Zeit mit Auschwitz geht allein auf ihr Konto. Dass fast jeder , wie sie es immer wieder macht, erhöht noch nicht ihren Wahrheitsgehalt. Auf den Missbrauch, der mit ihr getrieben wird, und auf das Unrecht, das dadurch vielen Menschen angetan wird, gehe ich im vierten Kapitel ausführlicher ein. Aber wie kommt es nur immer wieder zu dieser Gleichsetzung?
Es ist in der Tat so, dass ich die Traumatisierung der meisten jüdischen Leser - in der ersten, zweiten oder dritten Generation - meines damaligen Artikels unterschätzt habe. Neben dem bereits angeführten Beispiel von Anet Bleich ging dies auch aus den Diskussionen hervor, die ich mit anderen führte. Damals schrieb ich:
Um in den frühen dreißiger Jahren die antijüdischen Maßnahmen in Deutschland für die Bevölkerung akzeptabel zu machen, sodass ohne merkbare Unruhe das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben der Juden immer stärker eingeschränkt werden konnte, musste eine Doktrin in Umlauf gebracht werden, die deutlich machte, dass Juden anders sind. Mit anderen Worten, Juden mussten dämonisiert werden.
Zum damaligen Zeitpunkt war von Plänen zur Vernichtung der Juden noch keine Rede. Man wollte ihr Leben in Deutschland so sehr erschweren, dass sie emigrierten. Die Doktrin, die man verkündete, lautete, dass sie nicht in die deutsche (lies: germanische) Kultur passten. Damals ging es mir, wie auch heute noch, darum, dass momentan leider eine ähnliche Dämonisierung - sie passen nicht in unsere Kultur - betrieben wird - von prominenten israelischen Politikern gegenüber den Palästinensern.
Dies belegen etwa Äußerungen von Ehud Barak, der nach seinem Rücktritt als Ministerpräsident als so genannter „gemäßigter" Kandidat gegen Scharon bei den Wahlen von 2001 antrat. In der israelischen Tageszeitung Ha'aretz vom 2. Februar 2001 sagte er:
Aufgrund der arabischen Denkweise kennt ihre Kultur den Kompromiss nicht. Der Kompromiss ist offensichtlich ein westliches Konzept, Streitigkeiten beizulegen.

Und etwas später im selben Interview:
Die Linken sind sich nicht einig. [ ..] Sie sehen, dass ihre Nachbarn [die Palästinenser] nicht gutartig sind. Sie sind kein Teil der westlichen Kultur.

Nun, ich habe damals nichts anderes getan, und ich tue dies heute noch, als zwei diskriminierende Vorurteile nebeneinander zu stellen, die über die Juden, wie sie den Deutschen vorgehalten wurde, und die über die Palästinenser, wie sie bestimmte prominente Israelis vertreten. Beiden Darstellungen ist gemeinsam, dass sie suggerieren, der Feind` verstehe nichts von der Kultur der dominanten Gruppe. Dieser Vergleich wurde von einem Leser meines Artikels so ausgelegt, dass ich von Barak geäußerte Ansichten auf die gleiche Stufe stelle wie die Degradierung eines Volkes, das wie Vieh zur Schlachtbank getrieben wurde. Dies ist ein typisches Beispiel für den geistigen Kurzschluss, auf Grund dessen man, wenn von „Deutschen in der Hitler-Zeit" die Rede ist, automatisch an Gaskammern denkt.

Der Kurzschluss näher untersucht

Um den Lesern dieses Buches begreiflich zu machen, wie unlogisch, aber auch wie verständlich, psychologisch gesehen, eine solche Reaktion ist, gebe ich hier nochmals einen Überblick über diese komplexe Materie. Was die historischen Fakten betrifft, so lassen auch die jüngsten Untersuchungen keinen anderen Schluss zu, als dass Hitler noch im Januar 1939 nichts anderes wollte als die Deportation der Juden.
Dies belegt neben vielen anderen Indizien (siehe auch das dritte Kapitel) Hitlers Äußerung gegenüber dem polnischen Außenminister Jozef Beck, er würde es vorziehen, die Juden in einem fernen Land anzusiedeln, und er fügte hinzu, wenn die Westmächte es ihm gestattet hätten, hätte er ihnen eine afrikanische Kolonie zur Verfügung gestellt. Nach den neuesten Erkenntnissen kam der Beschluss zur Vernichtung der Juden auf äußerst diffuse Weise zustande." Keine der diesbezüglichen Äußerungen und Zeugnisse sind vor der zweiten Hälfte des Jahres 1941 zu datieren.*
Die Dämonisierung der Juden ist - wie die jeder Bevölkerungsgruppe - an sich von Übel. Nachdem die Kirche sich dessen jahrhundertlang schuldig gemacht hatte, wurde dies von den Nazis ab 1923 begeistert aufgegriffen - also schon bevor Hitler an die Macht kam. Ich erwähne dies nur, um darauf hin zu weisen, wie unangenehm es für einen Jungen ist, in einer Gesellschaft zu leben . . .

In Jan Kershaws Buch wird ein Gespräch mit dem kroatischen Verteidigungsminister Sladko Kvaternik wiedergegeben, das am 22. Juli 1941 stattfand. Hitler sagte, es spiele keine Rolle, ob die Juden nach Sibirien oder nach Madagaskar geschickt würden. Obwohl Kershaw anmerkt, daß die Deportation nach Sibirien schließlich auch zum Völkermord geführt hätte, lautet sein Fazit, daß der Beschluss zur End-lösung, das heißt zur physischen Vernichtung aller europäischen Juden, noch nicht gefaßt worden war. . .

. . . kann sich als religiöser Fundamentalismus äußern oder auch als aggressiver Nationalismus, etwa wenn jüdische Kolonisten den Todestag eines Mannes feiern - und dazu auch die Erlaubnis erhalten -, der kaltblütig neunund-zwanzig betende Palästinenser ermordet hat. Gerechtfertigt werden solche Auswüchse oft mit dem stillschweigenden Argument: Bis wir Juden so viele und so furchtbare Verbrechen begangen haben wie die nichtjüdischen Völker an uns - die Deutschen aktiv, die anderen, indem sie wegschauten - können wir uns noch sehr lange sehr viel erlauben. . . .

Lehren aus Auschwitz
Nach meiner Überzeugung sollte die wichtigste Lehre aus Auschwitz, sowohl für den Einzelnen wie für das gesamte jüdische Volk, folgende sein: Wir Juden dürfen nie so werden wie sie, unsere Unterdrücker! Dies bedeutet nicht nur, dass wir keine Konzentrationslager mit oder ohne Gaskammern bauen dürfen. Das wäre ja, wie oben dargelegt, nur die äußerste, extreme Phase eines Prozesses, der mit Xenophobie und Diskriminierung beginnt. Nein, ich bin der Meinung, dass wir als jüdisches Volk, mit unserer Geschichte und unserer an wertvoller Ethik so reichen Überlieferung - einer Ethik, die ihren Niederschlag in den sozialen Gesetzen der gesamten westlichen Welt gefunden hat - nicht einmal in die Nähe des Verhaltens kommen dürfen, das unsere Feinde an den Tag gelegt haben. Wenn wir diese Lehre aus Auschwitz nicht sehr bald beherzigen, laufen wir Gefahr, uns selbst zu verraten und damit unsere Existenz aufs Spiel zu setzen. Der Sinn von zwei Jahrtausenden Verfolgung in der Diaspora, die schließlich im Holocaust gipfelte, kann und darf nicht darin bestehen, dass wir als Volk zu dem Zeitpunkt, da wir wieder einen eigenen Staat haben, uns gegenüber der Minderheit in diesem Land, den Palästinensern, auf eine Weise verhalten, die jener ähnelt, die die christlichen Nationen uns gegenüber gezeigt haben.
Es gibt eine Reihe von Gründen, warum ich diese Ansicht zu vertreten wage. Erstens ist die jüdische Ethik, wie sie in der Thora festgelegt ist, hinsichtlich des Verhaltens gegenüber Fremden völlig eindeutig. An zwei Stellen, bei Levitikus 19, 34 und bei Deuternonomium 10, 19, heißt es prägnant, ein Fremdling dürfe nie diskriminiert werden. Aber fast noch wichtiger ist die Begründung. Beide Male heißt es: Denn ihr seid auch Fremdlinge gewesen in Ägyptenland. Mit anderen Worten: Die ethisch-positive Sinngebung des sinnlosen Leidens ist eine urjüdische Interpretation der Geschichte. Es heißt ausdrücklich nicht: So wie man dich in Ägyptenland behandelt hat, so sollst du auch den Fremdling in deinem eigenen Land behandeln. Deshalb muss auch die Ansicht „Warum reden Leute heute vom Bösen? Verglichen mit Auschwitz leben wir in einer fast idealen Welt!", die als völlig falsch und unjüdisch charakterisiert wird. Wie urjüdisch die ethisch-positive Sinngebung des Leidens ist, illustriert auch der bereits zitierte Ausspruch eines der größten Rabbiner der jüdischen Geschichte, Rabbi Hillel, der im ersten vorchristlichen Jahrhundert lebte:

Was dir nicht lieb ist, das tue auch deinem Nächsten nicht - dieses ist die ganze Thora.

Ethische Sinngebung
Es gibt noch ein anderes wichtiges Argument dafür, dass nur eine positiv-ethische Sinngebung des Holocaust der Weg ist, den jeder einzelne Jude und das jüdische Volk insgesamt beschreiten sollten. Es hängt mit der Frage zusammen, ob der Tod all der Millionen umsonst gewesen ist oder ob auch ihrem Leiden und ihrem Tod nachträglich noch ein Sinn zuerkannt werden kann. Um diese Frage zu beantworten, müssen wir uns klarmachen, dass die Nazi-Verbrecher, die das System Auschwitz errichteten und instand hielten, außer der Massenvernichtung noch ein anderes Ziel vor Augen hatten. Sie erschwerten denjenigen, die nicht sofort vergast wurden, das Leben auf so grausame Weise, dass sie durch Aushungerung zu Schemen reduziert wurden, Schemen, die miteinander um eine Decke oder ein Stück Brot kämpften. Hiermit wollten sie beweisen, was für Untermenschen die Juden waren. Die Ironie ist natürlich, dass die gesamte zivilisierte Welt heute davon überzeugt ist, dass, wenn man denn überhaupt von einer minderwertigen Menschenspezies sprechen kann, es auf diejenigen zutrifft, die sich dieses System ausgedacht hatten.
Sollten wir Juden uns für die negative Sinngebung entscheiden, für die Einstellung „jetzt sind wir an der Reihe, Vergeltung zu üben für alles, was man uns angetan hat, jetzt haben wir zur Abwechslung einmal das Sagen und dürfen diejenigen diskriminieren, die uns nicht freundlich gesinnt sind", dann begeben wir uns auf das Niveau unserer ehemaligen Unterdrücker. Damit würden wir ihnen im Nachhinein Recht geben. Weitreichende Diskriminierung, kollektive Strafen, die Behandlung der nichtjüdischen Bevölkerung in Israel als minderwertige Menschen, dies alles reicht bereits aus, uns selbst als Juden, die stolz auf ihre Tradition sind, in ethischer Hinsicht zu disqualifizieren. Die Pogrome, die im Frühjahr 2001 gegen die Palästinenser in Hebron stattfanden - ein Terminus, der von dem damaligen Korrespondenten des NRC Handelsblad in Israel, Salomon Bouman, stammt - sind bereits einige Schritte zu viel auf einem Weg, der schon viel zu lange eingeschlagen wurde. Dies ist die letzte Gelegenheit zur Rückkehr, zur Teschuwa - ebenfalls ein schöner uralter jüdischer Begriff. Eine Rückkehr zu einem Judentum, das ausführlicher im 6. Kapitel beschrieben wird und das von Leo Baeck, dem letzten großen Reformrabbiner Deutschlands, wie folgt charakterisiert wird":
Die Achtung, die wir dem Nebenmenschen schulden, ist so nicht ein einzelnes Gebot, nicht ein Gebot unter Geboten. Die Anerkennung des Nächsten stellt vielmehr den ganzen Inhalt der Sittlichkeit dar, den ganzen Reichtum dessen, was Gott von uns, um unserer von Gott gege-benen Menschenwürde willen, verlangt. Sie bezeichnet den Inbegriff der Pflicht. (... J Diese ihre Bedeutung hat schon Hillel, und nach ihm Akiba, klar hervorgehoben, sie haben in ihr die Summe der Thora gefunden, den, Grundsatz, in dem alles enthalten ist.


3. Jüdischer Selbsthass
Einleitung

In den Niederlanden leben schätzungsweise vierzigtausend Menschen, die sich aufgrund ihrer Herkunft jüdisch nennen. Ein alter jüdischer Witz lautet, dass, wo zwei Juden sich treffen, es mindestens drei Meinungen gibt - diese Meinungsvielfalt gehört zu den wichtigsten kulturellen Vermächtnissen des Judentums. Dementsprechend müsste es unter den niederländischen Juden etwa sechzigtausend verschiedene Standpunkte geben. Trotzdem lassen sich einige Hauptströmungen nachweisen, zu denen zwei deutlich unterscheidbare gehören, auf die ich mich im folgenden beschränken möchte. Selbstverständlich bin ich mir darüber im klaren, dass mancher sich irgendwo dazwischen zu Hause fühlt. Gemeint ist die Zweiteilung, die durch das Hervortreten der Gruppe Een Ander Joods Geluid' (eine andere jüdische Stimme) entstanden ist. Zur Gegenpartei, die hierdurch ebenfalls klare Konturen gewonnen hat, gehören all diejenigen, die sich nach außen hin fast kritiklos hinter die Politik der heutigen israelischen Regierung stellen und jede öffentliche Kritik aus den eigenen Reihen als Verrat betrachten.
Der Vorwurf, den diese Gruppierung den Anhängern von ,Een Ander Joods Geluid' oft macht, lautet: „Ihr leidet an jüdischem Selbsthass." Um die wahre Bedeutung dieser Beschuldigung und ihre Absurdität ermessen zu können, müssen wir einen sehr summarischen Überblick über die jüdische Geschichte der letzten hundertfünfzig Jahre geben.

Antisemitismus
Bis zur zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts lebten fast alle Juden in Mittel- und Westeuropa wie Parias und je nach Land oft in abgeschlossenen Vierteln, den Ghettos. Volle Bürgerrechte wurden ihnen in den meisten Staaten erst im letzten Drittel jenes Jahrhunderts zuerkannt. Aber trotz der gesetzlichen Gleichstellung konnten sie noch keineswegs jeden Beruf ausüben. Der Antisemitismus war noch allgegenwärtig. Er hatte seine Wurzeln im Christentum, das in den Juden in erster Linie die Mörder Jesu sah, die es nicht verdienten, als gleichberechtigte Menschen behandelt zu werden. Die Französische Revolution, deren Ideen Napoleon über Europa verbreitete, gab den ersten Anstoß zu Veränderungen.
Der Übergang von der vorindustriellen, zu einem wichtigen Teil von der Kirche beherrschten Gesellschaft, zur modernen Welt, war ein komplexer historischer Prozess. Im ersten Abschnitt des dritten Kapitels habe ich darüber einiges näher ausgeführt. Um das Phänomen des jüdischen Selbsthasses zu verstehen, muss man sich daran erinnern, dass die Komplexität dieses Übergangs auf zwei Grundtatsachen beruhte: dem erstarkenden Nationalismus einerseits, der eine jüdische Nation innerhalb des eigenen Nationalstaates nicht duldete, und den in Mode kommenden pseudowissenschaftlichen Rassentheorien andererseits. Diese begründeten den Hass nicht mehr religiös, sondern sie dichteten den Juden bestimmte rassenspezifische Eigenschaften an.

Jüdischer Selbsthass als Folge des Ghettos und der Emanzipation
Bei manchen emanzipierten Juden der ersten und zweiten Generation, die noch mit einem Bein im Ghetto standen, aber begierig waren, die neue, für sie scheinbar offene Gesellschaft zu betreten, manifestierte sich nach einiger Zeit das Phänomen des Selbsthasses. Betroffen waren nicht selten gerade die relativ Erfolgreichen unter ihnen, die jedoch schon sehr bald auf die Ablehnung und den Neid vieler ihrer weniger erfolgreichen Kollegen und Konkurrenten stießen. Der rasche gesellschaftliche Aufstieg der Neuankömmlinge war auch Wasser auf die Mühle der wissenschaft-lichen` Antisemiten, die in der zusätzlichen Anstrengung der sich emanzipierenden Juden einen Beweis ihrer Strebernatur sahen, ein weiteres negatives Rassenmerkmal neben all den anderen. Ja, ihnen erschienen die Erfolge der Juden als ein Beweis dafür, dass diese die Weltherrschaft anstrebten.
Der Selbsthass derjenigen Juden, die wirklich am ihm litten, war Ausdruck einer inneren Zerrissenheit. Einerseits lockte die neue Welt mit all ihren Möglichkeiten zum Ausbruch aus der alten, andererseits begegnete sie ihnen mit Feindseligkeit, der eine Mischung aus uralten Vorurteilen, Angst und Neid und nicht zuletzt der Botschaft der neuen Antisemiten zugrunde lag, die Juden seien von Natur aus minderwertige Geschöpfe. Wie ich im sechsten Kapitel näher ausführe, wurde damals auch der jüdische Gottesdienst mit seinen für Christen fremden Gebräuchen als orientalisch und primitiv empfunden. Das Ghetto, in dem vielfach Armut herrschte und in dem die Väter und Großväter der gerade erst emanzipierten Juden geistig noch verwurzelt waren, rief bei vielen von ihnen Scham oder sogar Ekel hervor.
Das Leben außerhalb des Ghettos brachte die Juden in engen Kontakt mit der westlichen nichtjüdischen Kultur und somit auch zwangsläufig mit den neuen Rassentheorien, die zwischen höheren und niedrigeren Menschenrassen unterschieden und daraus eine Minderwertigkeit der Juden ableiteten. Manche Juden internalisierten nun diese Diffamierungen. Da nach diesen verworrenen Anschauungen jede Handlung eines zu einer minderwertigen Rasse gehörenden Menschen minderwertig war, fanden die Antisemiten, aber auch ihre jüdischen Adepten, die Selbsthasser, nichts dabei, Juden völlig gegensätzliche Eigenschaften zuzuschreiben. Und alles Minderwertige konnte den Juden angelastet werden. So warf man ihnen einmal Strebertum vor und ein andermal das Gegenteil, Unterwürfigkeit; ungepflegtes Äußeres und sein Gegenteil, Stutzerhaftigkeit; Feigheit oder Aggressivität; Ungebundenheit oder übertriebene Vaterlandsliebe. All diese Vorurteile wurden von den Selbsthassern übernommen. Sie begannen selbst an ihre Schlechtigkeit zu glauben. Nicht ihr Verhalten taugte nicht, sondern ihr Wesen an sich. Gegen einen solchen Selbstzweifel ist kein Kraut gewachsen, es müsste denn schon ein sehr radikales Heilmittel sein.


Ein radikales Heilmittel der Revisionismus
Der Revisionismus war eine von Jabotinsky gegründete faschistische Variante des Zionismus, die in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg sehr en vogue war. Avi Shlaim schreibt darüber (vgl. Anm. 49): Er hat die Prinzipien formuliert, die den Kern der revisionistischen zionistischen Ideologie und ihres Programms bildeten. Zum einen die territoriale Integrität Israels zu beiden Seiten des Jordan innerhalb der ursprünglichen Grenzen des palästinensischen Mandatgebiets. Zum anderen die sofortige Proklamation des jüdischen Anspruchs auf die Souveränität über dieses ganze Gebiet.

Haben die Juden ein Monopol auf Leiden?
Zwei Jahrtausende Verfolgung, die in den Holocaust mündeten, ließen bei vielen Juden das Gefühl aufkommen, kein Volk leide so wie das ihre. Wie ich im 6. Kapitel ausführe, spielt hierbei die jüdische Tradition des Gedenkens eine wichtige Rolle. Die ständige, berechtigte Angst vor palästinensischen Selbstmordattentaten verstärkt dieses Gefühl und fügt der Leidensgeschichte der Juden ein neues Kapitel hinzu. Der Monopolanspruch auf das Leiden impliziert automatisch die Bagatellisierung des Leidens anderer, in concreto das der Palästinenser, deren Los dadurch noch drückender wird. Denn Anerkennung des Unrechts, das man erfährt, mildert das Leid; Leugnung oder Verharmlosung verstärkt es.
Der Monopolanspruch auf das Leiden hat auch eine demoralisierende Wirkung auf die israelischen Soldaten, die dadurch noch mehr verrohen, als dies durch den permanenten Kriegszustand ohnehin schon der Fall ist. Das durch diese Kombination von Affekten verursachte oft harte, inhumane Auftreten der israelischen Streitkräfte hat ihrem Ansehen außerhalb Israels geschadet. Das gilt auch für die jüdischen Bürger, wo auch immer auf der Welt, die sich jeglicher Kritik enthalten und dadurch den Eindruck erwecken, alles gutzuheißen.

Latenter und virulenter Antisemitismus
Der in der christlichen Welt immer latente Antisemitismus, der sich in den letzten fünf Jahrzehnten kaum manifestiert hat, findet heute aufs Neue Anknüpfungspunkte. Um es noch einmal zu wiederholen: Der virulente, aggressive Antisemitismus benötigt einen Anlass, sich zu äußern. Der latente, endemische Antisemitismus, der auch bei kultivierten Menschen zu finden ist, war durch den Holocaust lange Zeit tabu, bricht sich nun aber desto leichter Bahn, je offenkundiger etwa das Vorgehen der israelischen Armee dazu Anlass gibt. Wir stoßen hier auf ein komplexes Phänomen.
Das eingefleischte Antisemiten alles verurteilen, was Juden tun und was mit dem Judentum zu tun hat, bedeutet nicht, dass jeder, der sich kritisch zu jüdischen Angelegenheiten äußert, deswegen ein Antisemit ist. Er kann schließlich Recht haben. Warum sollte er dann schweigen müssen?

Es kann doch nicht so sein, dass der Holocaust alle, die ihn überlebt haben
und alle ihre Nachkommen bis in alle Ewigkeit gegen jede Kritik feit!

Ja, die Unterdrückung berechtigter Kritik kann sogar eher auf unterschwelligen Antisemitismus hinweisen als ihr Aussprechen. Ein einigermaßen intelligenter Mensch, der sich bewusst macht, nicht frei von antisemitischen Affekten zu sein, wird durch die Erinnerung an den Holocaust daran gehindert, offen seine Meinung zu äußern. Da er nicht ausschließen kann, dass bei seinem Urteil Ressentiments mitspielen, derer er sich schämen müsste, geht er einer Konfrontation lieber aus dem Weg. Einerseits hat diese Einstellung manche Juden recht verwöhnt, andererseits reagieren sie hierdurch übersensibel auf jedes Anzeichen tatsächlichen oder vermeintlichen Antisemitismus.
Der Haltung beider Parteien liegt Unsicherheit zugrunde, die bei Juden einem Gefühl der Bedrohung entspringt, das ihr Urteil trübt und übersteigerte Reaktionen auslöst. Nichtjuden, die sich zu einer Kritik aufraffen, fühlen sich dagegen zu Unrecht des Antisemitismus bezichtigt. Unberechtigte Vorwürfe schüren eher die Kritikbereitschaft, als dass sie diese dämpfen, wodurch ein Teufelskreis entsteht, und der Antisemitismus sich von einer Randerscheinung zu einer wirklichen Bedrohung entwickelt.


Ist der Antisemitismus manchen Juden (unbewusst) willkommen?

Die Art, wie manche Juden meinen, Nichtjuden Antisemitismus vorwerfen zu müssen, stimmt nachdenklich. Ein Vorfall in den Niederlanden im August 2003 illustriert dieses Phänomen recht anschaulich. Gretta Duisenberg, die Ehefrau des ehemaligen Präsidenten der Europäischen Zentralbank Wim Duisenberg, hatte aus Protest gegen das Vorgehen Israels in den besetzten Gebieten eine palästinensische Flagge an ihrem Haus angebracht. Ihre jüdischen Nachbarn bauschten diese Aktion dermaßen auf, dass sie die Spalten des Nieuw Israelitisch Weekblau erreichte. Nicht genug damit, dass ein jüdischer Anwalt einer völlig unbekannten Föderation Jüdische Niederlande Anzeige gegen Gretta Duisenberg erstattete, er wandte sich auch an den Jüdischen Weltkongress in New York mit dem Antrag, Wim Duisenberg in den Vereinigten Staaten zur Persona non grata zu erklären. Auf diese ganze Affäre trifft folgender Ausspruch zu, den ich einmal irgendwo gelesen habe:

Früher war ein Antisemit jemand, der etwas gegen Juden hatte;
heute ist es jemand, gegen den Juden etwas haben.

Reue, etwas, was im Judentum von wesentlicher Bedeutung ist und Teschuwa genannt wird, das heißt: Reue und Umkehr.
Dies steht im Kontrast zur Reaktion der jüdischen Bevölkerung in ihrer Totalität auf das außergewöhnlich große Problem, mit dem sie sich nach dem Zweiten Weltkrieg konfrontiert sah. Einerseits mussten sie soviel erduldetes Leid verarbeiten, andererseits fügten sie einem anderen Volk, das - von einigen Ausnahmen abgesehen - ganz und gar unbeteiligt war an der jüdischen Tragödie, unsägliches Leid zu. Dies war und ist ein großes Dilemma. Nun haben die Palästinenser natürlich das ihrige dazu beigetragen, indem sie auf die jahrelange harte und demütigende Besatzung mit roher Gewalt reagierten, gegen die, wenn sie die Form von Selbstmordanschlägen annimmt, kaum etwas auszurichten ist. Aber dass die meisten Juden in Israel und der Diaspora wieder zurückgreifen auf die nationalistische, rachsüchtige Seite des Judentums, ist eine große Enttäuschung."' Sie wird von all denjenigen geteilt - es ist leider eine Minderheit -, die die soziale Ethik, gleichfalls ein wesentliches Merkmal des Judentums, ernst nehmen.
Zu ihnen gehören die Friedensaktivisten innerhalb und außerhalb von Israel und die mutigen Israelis, die den Militärdienst in den besetzten Gebieten verweigern.
Ich weiß nicht, wie all diese Menschen die gegenwärtige Situation des Judentums im Einzelnen beurteilen, aber ich, aufgewachsen mit den moralischen Prinzipien, die für die Reformer in den achtzig Jahren vor Hitler so wichtig waren, bin davon überzeugt,
dass das Judentum Verrat an sich selbst geübt hat.

Zionismus
Die Lage, in der sich Israel befindet, ist rein pragmatisch betrachtet in nahezu jeder Hinsicht problematisch. Der Staat ist kein sicherer Zufluchtsort mehr, sodass eines der Hauptziele des Zionismus in Frage gestellt wird. Der Grund dieses Scheiterns besteht darin, wie ich im weiteren näher ausführen werde, dass der Zionismus an seinen anachronistischen Ausgangspunkten festgehalten hat. Hätten die führenden Köpfe aller politischen Parteien in Israel ihn weniger dogmatisch aufgefasst, dann hätte sich vielleicht die Erkenntnis durchsetzen können, dass in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts weder der Kolonialismus noch das Nationalstaatsprinzip lebensfähig waren. Dann hätte die Geschichte in eine andere Bahn gelenkt werden können. Die letzte Chance hierzu bot sich nach dem Krieg vom Juni 1967. Aber die Einstellung, die den Israelis zufolge so typisch für die Palästinenser ist, kennzeichnet sie selbst gleichermaßen, ja, noch mehr, weil sie als die stärkere Partei mehr Spielraum für Friedensinitiativen haben. Die Palästinenser verpassen niemals eine Gelegenheit, eine Gelegenheit zu verpassen, lautet ein Ausspruch, der Abba Eban zugeschrieben wird. Also verpassten die Israelis die letzte Gelegenheit.
Den Weg, den sie nach dem Sechstagekrieg einschlugen, beschrieb der ehemalige israelische Generalstaatsanwalt Michael Ben-Yair mit folgenden eindringlichen Worten:
Der israelische Staat wurde geboren, weil die zionistische Bewegung erkannt hatte, dass sie eine Lösung für die Verfolgung der Juden finden musste und weil die aufgeklärte Welt die Notwendigkeit dieser Lösung anerkannt hatte. Dass die aufgeklärte Welt die moralische Berechtigung dieser Lösung anerkannte, war ein wichtiger prinzipieller Faktor bei der Gründung von Israel. Mit anderen Worten, Israel wurde auf einer klaren moralischen Grundlage erstellt. Ohne eine solche moralische Grundlage wäre es zweifelhaft, ob die zionistische Idee Realität hätte werden können. [ ..] Der Sechstagekrieg wurde uns aufgezwungen; aber der siebte Tag des Krieges, der am 12. Juni 1967 begonnen hatte und bis heute dauert, ist das Produkt unserer eigenen Wahl. Wir entschieden uns enthusiastisch dafür, eine kolonialistische Gesellschaft zu werden, die internationale Verträge ignoriert, Land enteignet und israelische Kolonisten in die besetzten Gebiete schickt. Wir engagieren uns bei Raubzügen und fühlen uns auch noch zu all diesen Handlungen berechtigt. Leidenschaftlich wünschen wir, die besetzten Gebiete zu behalten. Zu diesem Zweck haben wir zwei Rechtssysteme entwickelt: eines - progressiv und liberal - in Israel; und das andere - grausam und ungerecht - in den besetzten Gebieten. Tatsächlich errichteten wir in ihnen, sobald wir sie eingenommen hatten, ein Apartheid-Regime. Dieses repressive Regime existiert bis heute.
Es versteht sich von selbst, dass ich dem Urteil dieses Rechtsexperten weitgehend zustimme. Aber aus den vorigen Kapiteln dieses Buches lässt sich auch schließen, dass ich nicht mit dem Passus einverstanden bin, Israel habe sich am siebten Tag des Sechstagekrieges dafür entschieden, eine kolonialistische Gesellschaft zu werden. Nein, ich fürchte, Ben-Yair hätte eigentlich schreiben müssen: Am siebten Tag entschieden wir uns dafür, den kolonialistischen Charakter unseres Staates nicht länger zu verschleiern, sondern ungeniert der Weltöffentlichkeit zu zeigen. Der siebte Tag hätte auch genutzt werden können, um ein für allemal mit der kolonialen Tradition gegenüber den Palästinensern zu brechen und sie fortan als gleichwertige Partner zu behandeln.
Darin hat meines Erachtens der Zionismus als Ideologie entscheidend versagt. Dies ist umso tragischer, als die verantwortlichen Politiker hätten wissen können, wie gefährlich die Ignorierung der palästinensischen Rechte war. . .

......Palästinenser auf eine harte Probe gestellt wird, versteht sich. Bush hatte zu diesem Thema nur das Folgende zu sagen:
Ich glaube, dass die Mauer ein Problem ist und habe dies auch mit Ministerpräsident Scharon besprochen. Es ist sehr schwierig, Vertrauen zwischen Palästinensern und Israelis aufzubauen, wenn sich eine Mauer wie eine Schlange durch das Westjordanland windet.

Es ist ganz in Scharons Sinn, wenn die Palästinenser schließlich tatsächlich die Geduld verlieren. Je schlimmer die Anschläge palästinensischer Extremisten, desto härter werden die Vergeltungsschläge der israelischen Armee sein und desto mehr Palästinenser werden fliehen. Das ist es, was man in Israel euphemistisch „freiwilligen Transfer“ nennt.

Das Ende des Judentums in der Diaspora
Nun, da ich beinahe das Ende dieses Kapitels erreicht habe, komme ich noch einmal kurz auf Bernard Wassersteins Buch Vanishing Diaspora zurück. Durch seinen demographischen Ansatz unterschätzt er meiner Ansicht nach die Bedeutung eines Faktors, der die völlige Assimilierung der Juden in Europa beschleunigen wird. Jedenfalls bewertet er seine Folgen gänzlich anders als ich."
Die multiethnische Gesellschaft hat die Nachfolge des Nationalstaats alter Prägung angetreten. Die Bevölkerung in einem großen Teil Europas war vor dem Zweiten Weltkrieg - und auch noch einige Jahre danach - viel homogener als heute. Juden fielen also viel mehr auf, nicht nur durch ihre „krummen Nasen, schwarzen oder roten Bärte", sondern auch durch ihre Namen, die viel schwerer zu ändern waren als heute. Und schließlich spielte der damals so rabiate Antisemitismus eine wichtige Rolle. Die Antisemiten machten sich geradezu einen Sport daraus, Juden zu erkennen. Diese konnten dadurch nur ausnahmsweise in der Masse untertauchen. Damals war man ein Jude, ob man es wollte oder nicht, weil die - antisemitische - Umgebung einen so sah. Die Freiheit, seine jüdische Identität aufzugeben, war Juden nicht oder nur selten gegeben.
Heute ist dies viel einfacher. Juden können in hohem Maße selbst bestimmen, ob sie sich als Jude betrachten wollen oder nicht. Interessanterweise kommt Wasserstein zu einem ganz anderen Schluss. Im multikulturellen, pluralistischen Europa braucht ein Jude seinejüdische Identität nicht länger zu verbergen, schreibt er. Aus meiner Sicht jedoch werden sich die multikulturelle Gesellschaft und das Fehlen eines virulenten Antisemitismus anders auswirken. Juden, die sich in der heutigen säkularisierten Welt weder zum Glauben ihrer Väter bekennen, noch der Holocaust-Religion etwas abgewinnen können und obendrein Israels Haltung gegenüber den Palästinensern verabscheuen, können dem Judentum viel leichter den Rücken zukehren als vor dem Krieg. Sie haben keine von außen auferlegte Verpflichtung gegenüber ihrer jüdischen Abstammung mehr. Sie haben die Freiheit der Wahl.
Es versteht sich, dass ich die Zukunft des Judentums viel pessimistischer einschätze als Wasserstein. Sein Buch erschien 1996, als der Nahost-Friedensprozess noch reale Aussicht auf Erfolg hatte. Es ist verständlich, dass er die Existenz Israels als eines jüdischen Staats nicht gefährdet sah. Seine Voraussage, das europäische Judentum werde nicht überleben, lässt sich auch auf die Vereinigten Staaten ausweiten, wie Sergio DellaPergolo von der Hebräischen Universität in Jerusalem dargelegt hat. Nach DellaPergolas Berechnungen gehen dem jüdischen Volk durch Mischehen (Anm.Red. ?) mehr Kinder verloren als hinzukommen, weil sich nur ein Bruchteil von ihnen später mit dem Judentum identifizieren werde. Und dieser demographische Negativtrend könnte sich durch einen groß angelegten Transfer der Palästinenser noch dramatisch verstärken, und zwar weil die Assoziation unseres Volkes mit schweren Verbrechen, die nicht wie früher erdichtet, sondern Realität sind, die Entscheidung für eine jüdische Identität gewiss noch weniger attraktiv erscheinen ließe.
Wie im Vorwort angesprochen, ist einer der Ausgangspunkte meiner Analyse, dass sich die Säkularisierung fortsetzen wird, die die westliche Welt seit der Aufklärung kennzeichnet. Es gibt aber auch Entwicklungen, die gegen diese Hypothese sprechen. So schreibt Samuel Huntington:
Sowohl das Interesse für , wie die Bedeutung von Religionen wie Christentum, Islam, Judentum, Hinduismus, Buddhismus und der russisch-orthodoxen Kirche nehmen wieder zu. (...J Die fundamentalistischen Bewegungen haben sich dramatisch entwickelt und können immer mehr an politischem Einfuß gewinnen. Aber hinter all dem ist eine noch breitere und elementarere religiöse Entwicklung feststellbar, die dem Leben am Ende des 20. Jahrhunderts eine andere Wendung gibt. [.. ..J Um mit George Weigel zu sprechen: Die Entsäkularisierung der Weltgehört zu den prägendsten sozialen Einschnitten des späten 20. Jahrhunderts.

Ich gehe davon aus, dass die Juden Teil der westlichen Welt und ihrer Kultur sind und erwarte nicht, dass sich das Wiederaufleben der jüdischen Orthodoxie nennenswert fortsetzen wird, aber vielleicht ist hier der Wunsch der Vater des Gedankens. Sollte ich mich irren, würde aber auch dies das Ende des Judentums bedeuten. Nicht, weil es auf dem weiten Feld der Orthodoxie nicht auch Strömungen gibt, die sich ganz dem ethischen Aspekt des Judentums verpflichtet fühlen und damit dem Blut-und-Boden-Nationalismus der Extremisten eine völlige Absage erteilen. Nein, sondern weil meiner Ansicht nach die Juden ein modernes Volk sind, das sich einen ehrenvollen Platz in der heutigen aufgeklärten westlichen Staatengemeinschaft gesichert hat. Sollte es tatsächlich aus demographischen Gründen und durch die fortschreitende Assimilierung zum Ende des Judentums kommen, dann hoffe ich, dass dieses Kulturvolk in der Endphase nicht zu einer voraufklärerischen fundamentalistischen Sekte entartet.


Mehr Macht - eine gefährliche Entwicklung

Zum Schluss möchte ich noch eine weitere bittere Bemerkung machen. Der bereits erwähnte Philosoph und Historiker Emil Fackenheim sprach die Befürchtung aus, die Juden könnten durch die Opfer von Auschwitz auf die Dauer als Volk verschwinden. Er wies zurecht darauf hin, dass dies den posthumen Sieg Hitlers bedeuten würde.` Deshalb müsse den 613 jüdischen Geboten noch eines hinzugefügt werden, dass nämlich ein Jude die jüdische Gemeinschaft nicht verlassen dürfe. Aber ein solches Gebot, meine ich, würde nichts bewirken, weil jeder, der aus welchen Gründen auch immer das Band mit dem Judentum durchschneiden will, sich um keines der 613 oder 614 Gebote kümmern wird. Ein Soldat putzt nicht länger die Knöpfe seiner Uniform blank, nachdem er desertiert ist.
Besonders im vergangenen Jahr scheint sich eine andere Vorhersage der Antisemiten in gefährlichem Ausmaß zu bewahrheiten. Ich meine den Mythos - und bis vor kurzem war es ein solcher -, die Juden hätten es auf die Weltherrschaft abgesehen. Dadurch dass Israel zu einer der stärksten Militärmächte aufgestiegen ist, befinden sich die Juden heute in einer völlig anderen Position als in den zwei Jahrtausenden zuvor. . . .

Auszüge Ende


Judentum, Israel, israelische Besatzung, erzeugt Antisemitismus, darunter leiden die Juden,
die jüdischen Nachkommen - unter der Besetzung von Palästina. Israel unterdrückt Palästina,
es entstehen Vergleiche mit dem Nationalsozialismus. Zu Beginn der NS-Zeit hatte Hitler den Holocaust
nicht geplant, die Endlösung wurde viel später beschlossen, aber die Unterdrückung, vergleiche den
Siedlungsbau von jüdische Siedler, auch in Ost-Jerusalem, die Vertreibung der Palästinenser mit
den ersten Jahren des Nationalsozialismus.
Das Buch gibt uns Auskunft.
Deutsche und ihre gewählten Repräsentanten, finanzieren
und helfen dem Unrecht, den israelischen Kriegsverbrechen.


CHRISTEN
Markus Rode, der Leiter des überkonfessionellen Hilfswerks "Open Doors",
das Kontakt zu christlichen Gruppen in aller Welt unterhält, sprach in der
"Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" von "der größten Christenverfolgung aller Zeiten".
Etwa 100 Millionen Christen würden wegen ihres Glaubens verfolgt.

 

"Bedrohteste Glaubensgruppe der Welt"
Der Unions-Fraktionsvorsitzende Volker Kauder erwartet von der Bundesregierung, "dass sie die Botschafter der Länder, in denen eine besonders intensive Christenverfolgung zu verzeichnen ist, zu einem Gespräch einlädt". Die Verfolgung müsse zu einem Thema der europäischen Außenpolitik werden. Bereits am Mittwoch hatte Kauder im Bundestag Christen als "die bedrohteste Glaubensgruppe in der Welt" bezeichnet.
24. Januar 2010 FAZ/Sonntagszeitung

Größte Christenverfolgung in 2009 / 2010, seit den historischen Aufzeichnungen.
Betroffen sind 100 Millionen Christen weltweit -
Der Auslöser?
Weil die führenden christlichen Staaten, USA, Deutschland, Italien etc.
die israelischen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die Landnahme,
bewiesen im Goldstone Report, angenommen von der UN-Vollversammlung, dem UN-Bericht gegenstimmten
und die Taten Israels über Jahrzehnte direkt und indirekt unterstützen?


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