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Phasen (Symptome)
des Ausbrennens / burnout
Da das Burnout-Syndrom
bislang nicht nach einer der internationalen Diagnose-Klassifizierungen
standardisiert ist, gibt es in der Literatur eine Fülle an Phaseneinteilungen.
Aus meiner Erfahrung mit Patienten, die ich darin anleiten will, ein drohendes
Ausbrennen so früh wie möglich zu erkennen, denke ich, dass
eine Einteilung in drei Phasen am sinnvollsten ist.
In Phase
I (Emotionale Erschöpfung) fühlen sich die Betroffenen im Job
frustriert und ausgelaugt. Sie verlieren die Fähigkeit, in ihrer
Freizeit zu regenerieren. Positive Energie und Schwung für einen
neuen Arbeitstag nehmen immer mehr ab. Diese Symptome der emotionalen
Erschöpfung sind besonders bei Frauen stark ausgeprägt. »Schon
wenn ich nur an die Arbeit dachte, war ich völlig verzweifelt! Ich
konnte mich kaum mehr erholen, dauernd schwirrten To-do-Listen in meinem
Kopf herum, auch wenn ich mich nur für eine Viertelstunde aufs Sofa
legte. Mein Freund litt mit mir unter meinen regelmäßigen >Sonntagabends-Depressionen«,
so eine Verwaltungsbeamtin. >>>>>>
Regenerieren:
Energiequellen (wieder) entdecken
Ora et labora »Bete
und arbeite« - ist der Leitspruch der Benedik-tiner, des ältesten
katholischen Mönchsordens im Abendland. Diese Tradition des Benediktinerordens
stand anfangs im Kontrast zu den Orden, die einzig die reine Kontemplation
als Weg zu Gott ansahen. Die Arbeit bietet den nötigen Ausgleich und
sichert gleichzeitig den Lebensunterhalt der Gemeinschaft.
Heutzutage ist für viele nichtreligiöse Menschen das Arbeiten häufig
an die erste Stelle gerückt. Doch es heißt nicht »labora
et ora«, sondern umgekehrt: bete und arbeite. Das Besinnen, Beten oder
wie immer es der moderne Mensch für sich übersetzt, kommt vor dem
Arbeiten, ja, ohne Besinnung ist das Arbeiten womöglich gar nicht möglich?
Zumindest ist arbeiten auf Dauer nicht ohne zugehörige Ruhepausen denkbar.
Gute Trainer planen nicht nur minutiös die Trainings- und Wettkampfphasen,
sondern auch die Ruhephasen ihrer Sportler. Ruhepausen und individuelle Ruhe-Rhythmen
für die modernen Menschen genauso wichtig wie für unsere Vorfahren.
Nicht umsonst gibt es in den meisten Kulturen seit Jahrtausenden einen Sieben-Tage-Rhythmus
mit sechs Tagen und einem Tag Ruhe.
Finden Sie zu mehr Gelassenheit, indem Sie Ihr Leben durch die Abwechslung
von Ruhe und Arbeit ins Gleichgewicht bringen. Lernen Sie wieder, sich zu
regenerieren: durch persönliche Kontakte, Hobbys und Leidenschaften und
Entspannungstechniken, die es Ihnen auch während eines aufreibenden Arbeitstages
ermöglichen, kurz zur Ruhe zu kommen. Finden Sie, wie ein guter Sportler,
Rhythmen für Ihre persönlichen Trainings-, Wettkampf- und Ruhezeiten.
Und lernen Sie, sich über Ihre kleinen und großen Erfolge so zu
freuen und zu belohnen, dass Sie wieder beschwingt und ohne Druck an neue
Herausforderungen herantreten können.
Beispiele für kleine
oder große Belohnungen können sein:
— eine kurze Pause machen (s. a. Übung »Kurzpausen«
auf Seite 67)
— eine Kerze anzünden
— ein Parfüm, einen Duft zu benutzen, der für solche besonderen
Momente reserviert ist
— einen Freund/eine Freundin anrufen und ihr/ihm von Ihrem Erfolg berichten
— ein spontanes Fest feiern
— sich einen besonderen Abend gönnen: im Restaurant, mit Freunden,
im Theater oder Kino etc.
— einen Urlaub buchen
Wichtig ist dabei in
der Regel nicht die »Größe« der Belohnung, sondern
dass Sie sich die Belohnung ganz bewusst und verlässlich nehmen oder
besser geben. So trainieren Sie es selbst, immer wieder stolz auf sich und
zufrieden mit sich zu sein. Ein Gefühl, das viele Ausgebrannte »verlernt«
haben.
Kontakte zu Freunden,
Familie
Eine funktionierende,
intensive Partnerschaft gehört, darin sind sich die Experten der Glücksforschung
einig, zu den Faktoren, die das Lebensglück am meisten fördern.
Auch gute, verlässliche Freund-schaften tragen viel zur Lebenszufriedenheit
bei.
In meinen Burnout-Präventions-Seminaren rate ich immer, intensive Kontakte
zu Freunden und Familie zu halten. Was damit gemeint ist, illustriert ein
Beispiel aus meiner Praxis.
(Business-) Frauen
und Haushalt
Die Süddeutsche
Zeitung titelte im Februar 2006 »Deutsche sollen sich an Chinesen messen«:
»Die Deutschen verplempern zu viel Zeit fürs Private«, sagt
Haifeng Ling, Deutschland-Chef der Mobilfunk-geräteflrma ZTE. Die Deutschen
seien ein »sehr fleißiges Volk«. Doch »andere verwenden
mehr Zeit darauf, gute Produkte zu machen«. Heftige Kritik äußerte
der Manager an der oft umständ-lichen Organisation des Alltags. Viel
Zeit würde für Dinge vertrödelt, »die andere besser erledigen
könnten«: »Die Deutschen jäten Unkraut oder kochen für
die Familie, obwohl es Spezialisten dafür gibt, die das besser und schneller
können.
«Öffentliche
Diskussionen zum Thema Frau, Beruf und Familie behandeln immer und fast ausschließlich
das Thema Kinderbe-treuung. Aber viele Mütter (und zunehmend auch Väter)
bringt das in Bedrängnis: Wozu habe ich Kinder, wenn ich sie nur einmal
am Tag für eine Stunde »quality time« sehe, sie den Rest
der Woche »abgebe« und unsere gemeinsame Zeit mit Aufräumen,
Putzen, Kochen, Waschen, Bügeln etc. verbringe?
Warum wird in Deutschland
nicht einmal das Thema »Gut ausgebildete Frauen arbeiten
als Haushaltshilfen: Millionen vergeudeter (Bildungs-) Investitionen«
angeprangert? Warum fehlt diese Schlagzeile in den Blättern?
Warum soll eine Krankenschwester,
Rechtsanwältin, Lehrerin, Ärztin, Musikerin ihren Haushalt (und
in der Regel den der ganzen Familie!) allein bewerkstelligen? Der volkswirtschaftliche
Schaden scheint mir dabei enorm, ganz abgesehen vom Frust einer jungen Mutter,
die jahrelang erfolgreich berufstätig war und nun lebt wie ein Haus-
und Kindermädchen.
Meine Großmutter,
Jahrgang 1891 und Lehrerin, hielt es für selbstverständlich,
dass jede Frau, die einen Beruf ausübt, ein Hausmädchen braucht
und hat. Bis vor wenigen Jahrzehnten war in der bäuerlichen
und bürgerlichen Gesellschaft Arbeitsteilung schon aus wirtschaftlichen
Gründen ein Muss: Eine Landwirtschaft, ein Handwerksbetrieb und auch
Bürger konnten es sich nicht leisten, Frauen zwischen 20 und 40 Jahren
allein zur Kinderbetreuung »abzustellen«. Sie mussten mit aufs
Feld, im Betrieb helfen oder hatten gesellschaftliche Aufgaben zu erfüllen.
Was bringt heutzutage viele berufstätige Frauen dazu, den Haushalt als
ihre alleinige Angelegenheit zu begreifen, sobald sie Kinder haben? Die meisten
Männer kämen überhaupt nicht auf den Gedanken! Sie fühlen
sich durch die Geburt des Nachwuchses kaum beeinträchtigt: Rund 80 %
der Väter geben immer noch an, sich durch ihre Kinder nicht stärker
belastet zu fühlen.
Meine Putzfrau fragte
mich, als ich mit meiner ersten Tochter schwanger war, ob sie denn nach der
Geburt des Kindes noch kommen solle. Viele ihrer Kundinnen würden danach
auf eine Hilfe verzichten. Dabei ist es danach so notwendig wie nie zuvor,
Hilfen anzunehmen! Zumal, wenn man beruflich irgendwie am Ball bleiben und
nicht nach ein paar Jahren Kinderpause als Aushilfskraft in einem Blumenladen
anfangen will.
Ein internationaler Vergleich
sollte nachdenklich machen: Noch 1970 war dies- und jenseits des Atlantiks
die Berufstätigkeit von Frauen gleich niedrig. Heute aber liegt nicht
nur der Anteil der berufstätigen Amerikanerinnen weit über dem deutscher
Frauen. Auch die Aufteilung der Beschäftigung (Büro/Haus) weist
erhebliche Unterschiede auf: Hier wie dort arbeiten sie, statistisch gesehen,
gleich lang. Die Amerikanerin jedoch verbringt die Hälfte ihrer Arbeitszeit
im Büro, die Deutsche nur 30 %. In den restlichen 70 % ihrer Arbeitszeit
putzt, kocht und wäscht sie - und versorgt die Kinder.
Und das gilt für alle Hierarchiestufen. Michaela Bürger, Vice President
Executive Development beim Siemens-Konzern und in der Hierarchie nur zwei
Ebenen vom Vorstand entfernt, meint: »Das Delegieren ist mir am schwersten
gefallen. Hilfe im Haushalt anzunehmen, das hat mich wirklich Überwindung
gekostet. « Bei den meisten ihrer männlichen Kollegen auf gleicher
Stufe stellt sich die Frage immer noch anders herum: Mache ich überhaupt
etwas im Haushalt, ist da eher die Frage. Für nicht wenige Männer
ist es noch völlig selbstverständlich, dass der Haushalt ja erledigt
wird. Oft empfinden sie es schon als sehr hilfsbereit, wenn sie, vielleicht
anders als noch ihr Vater, den Abendbrottisch mit abzuräumen helfen.
Praktische Hilfe können berufstätige Mütter und Akademikerinnen
über eine Stiftung der Nobelpreisträgerin und Direktorin am Max-Planck-Institut
für Entwicklungsbiologie Professorin Christiane Nüsslein-Vollhard
erhalten. Die Organisation unterstützt Doktorandinnen durch Zuschüsse
für Kinderbetreuung und Haushaltshilfe, damit sie Zeit und Flexibilität
für ihre wissenschaftliche Arbeit gewinnen.
Das gilt natürlich nicht nur für Mütter! Viele meiner Patientinnen,
deren (männliche) Berufskollegen selbstverständlich eine Putzfrau
und Haushälterin und ggf. noch eine Kinderfrau haben (mit der sie meist
verheiratet sind), können selbst auf keinerlei Hilfe zurück-greifen.
Zum Teil unterstützen oder pflegen sie noch dazu ihre Eltern oder Schwiegereltern.
Dabei ist eine Haushälterin doch um einiges günstiger als ein Ehegatte
... Zumal, wenn sich die vorsintflutliche und nur in wenigen Ländern
wie Deutschland in dieser Form existierende Steuerregelung des Ehegattensplitting,
die das »Ein-Verdiener-Hausfrauen-Modell« begünstigt, in
naher Zukunft verändert haben wird. Länder wie Deutschland, Österreich
oder die Schweiz können es sich auf Dauer nicht leisten. >>>>
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Einleitung:
Warum ein Burnout-Buch für Frauen?
München, im Februar.
In meine psychotherapeutische Praxis kommt eine völlig
verzweifelte Juristin, Ende dreißig. Sie ist in höchstem Maße
überarbeitet, seit Jahren hat sie keine Hobbys mehr ausgeübt, konnte
in den letzten Monaten noch nicht einmal mehr mit Genuss einen Kaffee mit
Freunden trinken: »Ich habe das völlig verlernt! Wenn ich da stehe,
weiß ich schon nicht mehr, was ich denken und sagen soll. Meine Gedanken
sind immer bei der nächsten Akte, beim aktuellen Fall, bei der Vorbereitung
auf die nächste Prüfung, meinem nächsten Karriereschritt. Nur
wenn ich arbeite, bin ich einigermaßen ruhig, abends ist meine einzige
Freizeitbeschäftigung, eine halbe Stunde durch das Fernsehprogramm zu
zappen, dann schlafe ich todmüde ein. Seit Monaten habe ich kein Wochenende
mehr frei gehabt - ich wüsste auch gar nicht mehr, was ich damit anfangen
sollte. Von meinem Freund habe ich mich getrennt. Nein, wir haben uns nicht
gestritten, wir hatten nur keine Zeit mehr, uns zu sehen.« Kein Einzelfall,
was diese Patientin schildert. Viele berufstätige Frauen erleiden ein
solches Burnout-Syndrom - Schätzungen gehen von etwa 20-25% aller Berufstätigen
aus, je nach Job können es auch deutlich mehr sein. Nichts Ungewöhnliches
also. Patientinnen, die ihr Leben so schildern, überarbeitet, gereizt
und erschöpft sind, kaum mehr zur Ruhe kommen, über Schlaf- und
Konzentrationsstörungen sowie körperliche Beschwerden wie Rückenschmerzen,
Magen-Darm-Störungen oder Herzbeschwerden klagen und sich nach und nach
aus ihrem Privatleben »verabschieden«, behandele ich schon viele
Jahre in meiner Praxis. Das Neue war, und das hatte ich bislang ausschließlich
bei männlichen Patienten erlebt: Die Dame fühlte sich nicht krank!
Sie wollte nur einen Rat, wie sie diese »anstrengende Zeit gut überbrücken«
könne. Sie wollte auch keine Therapie machen, ein Phänomen, das
ich sonst nur von männlichen Führungskräften kannte, die mal
zu einem Termin »vorbeikamen«, weil ihre Frau, ihr Hausarzt oder
Physiotherapeut sie geschickt hatte.
Patientinnen oder Frauen allgemein, so hatte ich es auch
bei Vorträgen und Seminaren zum Thema Burnout stets erlebt, waren
bislang immer sensibler im Hinblick auf ihre Gesundheit und ihr seelisches
Wohlbefinden gewesen. In Vorträgen vor (fast) reinen Männergruppen
(wie z. B. einige Jahre zuvor bei der Vertriebsversammlung einer mittelständischen
Brauerei) hob niemand die Hand, nicht einmal bei der sehr indirekten Frage,
ob »man schon mal von jemand gehört habe, der einmal ausgebrannt
war«. Bei Veranstaltungen mit überwiegend weiblichen Teilnehmern,
wie bei Vorträgen in Frauen-Business-Clubs, wurde viel berichtet,
gefragt, sich mit dem Thema auseinandergesetzt: Die beste Voraussetzung,
um nicht auszubrennen! Und ein einleuchtender Grund, warum es bislang
fast keine Bücher über Burnout bei Frauen gab, denn, so schien
es, Frauen geben wohl mehr auf sich Acht, nehmen Hilfe schneller und rechtzeitiger
in Anspruch.
Diese Patientin war anders und beunruhigend. Und kaum
hatte ich mich von dem Schreck und der eigenen Hilflosigkeit erholt, ihr
nicht helfen zu können und zu dürfen, hatte ich mehrere Patientinnen
mit fast der gleichen Symptomatik, die sich ebenfalls nicht krank fühlten.
Ein neues Phänomen?
Das Ganze ließ mir keine Ruhe. Als Ärztin und
Mutter hatte ich mich schon immer für die Chancengleichheit von berufstätigen
Frauen interessiert und selber schon eine Reihe von Situationen erlebt,
die unter dem Blickwinkel der Chancengleichheit empörend waren. Zum
Beispiel empfahl mir ein Chefarzt in den 1980er Jahren bei einem Job in
der Krankenpflege - ohne mich zu kennen und völlig ungefragt, bei
einer Fahrstuhlfahrt! -, mir doch »besser einen Mann zu suchen,
als zu studieren oder gar meinen Beruf auszuüben«. Berufstätigkeit
von Frauen war in meiner familiären Tradition beinahe eine Selbstver-ständlichkeit:
Frauen in meiner Familie hatten immer gearbeitet, z. T. aus Not, nachdem
die Männer gestorben oder im Krieg geblieben waren, meist aber aus
Begeisterung für ihren Beruf und Freude über die neuen Möglichkeiten,
die sich Frauen seit Beginn des 20. Jahr-hunderts boten, und die es erlaubten,
sich aus der Rolle der Vollzeithausfrau und Mutter zu lösen und sich
andere Möglichkeiten und Chancen im wahrsten Sinne des Wortes zu
»erarbeiten«.
In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist es,
im Vergleich zu den USA oder anderen europäischen Ländern, besonders
schwer. Hierzulande gibt es besonders wenige weibliche Führungskräfte.
Und nicht nur das Wort »Rabenmutter« ist eine deutsche Kreation,
nicht nur die deutschen Kinderbetreuungsmöglichkeiten, zumindest
im Westen, sind ja bekanntlich sehr dürftig. In Deutschland gibt
es auch so viele Parallelwelten, in denen Frauen leben, sodass man, wenn
man zehn zufällig ausgewählte Frauen um die vierzig befragen
würde, wohl kaum zwei hätte, deren Lebensumstände gleich
sind - ganz anders als vor 50 Jahren, wo es noch ein viel klareres (aber
auch starreres) Rollenverständnis gab. Die neuen Rollenbilder sind
so verschieden, dass Frauen auch durch die Vielzahl der an sie herangetragenen
Rollenerwartungen vermehrt ausbrennen.
Die geschilderte Patientin ist vielleicht ein neuer, noch
wenig bekannter Typ berufstätige Frau, der die Lebens- und Arbeitswelt
der - bislang - männlich dominierten Berufswelt stark adaptiert hat.
So stark, dass traditionelle, weiblich-protektive Verhaltensweisen (wie
z. B. öfter und schneller Hilfe, auch ärztliche Hilfe, in Anspruch
zu nehmen - mit ein Grund, weshalb Frauen bei privaten Krankenversicherungen
einen höheren Beitragssatz zahlen) nicht mehr praktiziert werden
bzw. nicht mehr funktionieren. Immer häufiger warten Business-Frauen
zu lange, wie es bisher vor allem bei männlichen Patienten bekannt
war, bis der Hörsturz, der Bandscheibenvorfall oder eine nicht enden
wollende Magen-Darm-Erkrankung sie zur Ruhe zwingt.
Ein Buch über Burnout bei Frauen schien mir überfällig.
Gefährdete Frauen müssen schon früher von diesem Thema
erreicht werden, noch bevor schädliche (zum
Teil »männliche«) Lebens- und Arbeitsweisen unbedacht
übernommen werden und überhandnehmen. Die Schwelle, Hilfe in
Anspruch zu nehmen, kann, so weiß man, vor allem durch mehr Information
gesenkt werden.
Typisch weibliche Probleme beim Burnout sollen geschildert
und die besonderen Lebens- und Arbeitsumstände von Frauen im deutschsprachigen
Raum mit einbezogen werden, die sich gerade wieder im Wandel befinden.
Die erste deutsche Kanzlerin ist dabei nur das augenfälligste Signal.
In diesen turbulenten Zeiten brauchen Frauen, vielleicht
mehr denn je, Unterstützung, um nicht auszubrennen. Sie brauchen
Vorbilder, weibliche Vorbilder, die berufstätig sind und vielleicht
auch Mütter sind, die ein aktives, erfülltes Leben ohne Burnout
führen. Diese Vorbilder möchte ich vorstellen und anhand meiner
Erfahrung in Praxis-, Seminar- und Vortragstätigkeit viele erfolgreiche
Wege aufzeigen, die Frauen aus dem Burnout geführt haben oder verhinderten,
dass sie in ein solches hineinrutschten.
Dabei wende ich mich auch an meine männlichen Leser.
Denn in den kommenden Jahren wird ein Trend zunehmen: Nicht mehr nur Frauen
orientieren sich an männlichen Gesundheits- und Karriere-Vorbildern.
Zunehmend schauen sich Männer, deren Lebens- und Arbeitssituation
sich meines Erachtens in den letzten Jahren noch einschneidender geändert
hat als die der Frauen, auch weibliche Verhaltensweisen ab.
Weil
sich die Lebensumstände von Männern und Frauen immer ähnlicher
werden.
Weil Männer wissen wollen, warum Frauen im Durchschnitt
eine um sieben Jahre höhere Lebenserwartung haben. Oder weil sie
wissen wollen, warum Frauen, wie der STERN im Juni 2006 titelte, die »besseren
Chefs« sind.
1. Wie Sie
das Buch benutzen können
Dieses Buch ist kein Ersatz für eine ärztliche
Diagnostik oder Behandlung. Sollten Sie sich selber nicht mehr zu helfen
wissen, so zögern Sie nicht, die Unterstützung von professionellen
Helfern in Anspruch zu nehmen.
Sie müssen das vorliegende Lese- und Arbeitsbuch
nicht wie einen Roman von vorne bis hinten durchlesen. Wenn Sie
schnelle Hilfe wünschen für ein Problem, dann können Sie
auch zielstrebig das entsprechende Kapitel ansteuern, sich die Lösungsvorschläge
vornehmen und davon versuchen umzusetzen, was Sie für brauchbar halten.
Allerdings bin ich auch immer bemüht zu begründen, warum ich
zu dieser oder jener Einschätzung gelangt bin. Die Vorschläge
mögen für Sie überzeugender und leichter umzusetzen sein,
wenn Sie sich - sei es vor oder nach Sichtung der Übungen - auch
die Begründungen ansehen und etwas mehr über neue Daten und
Fakten zum Thema Burnout lesen.
— Wenn Sie vor
allem wissen wollen, wie man Burnout frühzeitig erkennt, finden Sie in
diesem Buch, vor allem in Kapitel II »Burnout, was ist das?« und
Kapitel IV »Bin ich ausgebrannt?« Hinweise zur Früherkennung.
Prävention und Früherkennung bilden die Basis einer jeden Auseinandersetzung
mit dem Thema Burnout.
— Wenn Sie vor
allem aktuelle Fakten zum Thema suchen, finden Sie in Kapitel II »Burnout,
was ist das?« Zahlen und Wissenswertes zum Thema und warum die Häufigkeit
des Ausbrennens ansteigt. Sie erfahren, warum Frauen anders erkranken als
Männer und warum sich das Tabu um Burnout in den letzten Jahren gelockert
hat.
— Wenn Sie wissen
möchten, welches die wichtigsten Themen in der Behandlung (und auch
Prävention) des Burnout sind, so lesen Sie in Kapitel III
»Die
drei großen Frauen-Themen«, eine Einführung in die Hauptthemen,
die ich bei allen meinen Patientinnen vorfinde. >>>>>
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