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Ozean
Sachbuch

mareverlag
518 S. geb /
€ (D) 29,90
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Buch-Empfehlungen

Der lebendige
Ozean

«Dieses Buch wird Ihr Bild vom Meer für immer verändern.»
National Geographic Society

«Es hat sich inzwischen wohl herumgesprochen, dass es eine Kollektivschuld
nicht gibt und auch keine Kollektivunschuld und dass, wenn es dergleichen gäbe, niemand je schuldig oder unschuldig sein könnte.»

Hannah Arendt

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts.
Der Mensch ist krank, er ist wahnsinnig, verfällt seelisch, er weiß, dass er
krank ist, aber er lebt lärmend, skrupellos in seiner Werbe- und PR-Welt
weiter, bis er, durch das Klima, in den kommenden 100 Jahren,
in die Steinzeit zurück geworfen wird.
Erst dann, kann die Natur gesunden.

A. H. Eilenberg 2006
Richard Ellis
Richard Ellis
ist wissenschaftlicher Mitarbeiter
im American Museum
of Natural History
.

Das Ökosystem Ozean galt lange Zeit als immun gegen die Aus-beutung durch den Menschen, schon allein wegen seiner schieren Weite und Tiefe.

Es schien einfach zu viel davon zu geben, als dass unsere mickrigen Anstrengungen einen mess-baren Effekt haben könnten. Anzahl und Vielfalt der Lebewesen im Meer schienen unerschöpflich. John Seabrook fasste diese Einstellung 1994 in einem Artikel für Harper's Magazine zusammen:

Die Seefischereiwirtschaft ist stets von der Annahme ausgegangen, die Zahl der Fische sei unendlich. Andere natürliche Ressourcen - Holz, Bison, Land, Wildpferde - sind genau so

(Abfall)-Berge von Fisch

Anzeichen dafür, dass die Biosphäre die Grenzen ihrer Belastbarkeit erreicht hat, gibt es in Hülle und Fülle. Die Erträge aus dem Meerfischfang belaufen sich derzeit auf 82 Milliarden Dollar weltweit. Diese Erträge können nicht mehr gesteigert werden, da die Ozeane begrenzt sind und die Menge an Organismen, die sie hervorbringen können, feststeht. In den neunziger Jahren pendelte sich die weltweite Fangmenge auf ungefähr 90 Millionen Tonnen jährlich ein. Unter dem Druck der wachsenden globalen Nachfrage ist aber zu erwarten, dass diese Menge schließlich sinken wird. Schon jetzt sind die Fischgründe des westlichen Nordatlantiks, des Schwarzen Meeres und in Teilen der Karibik erschöpft. Die Massenzüchtung von Fischen, Krusten- und Weichtieren in Aquakulturen, die auch als «Blaue Revolution» bezeichnet wird, fängt zwar den dadurch verursachten Engpass partiell auf, doch zu einem hohen ökologischen Preis. Sie erfordert nämlich die Umwandlung wertvoller Feucht-gebiete, die für die Entwicklung vieler Meereslebewesen unentbehrlich sind. Außerdem müssen zur Ernährung der Zuchtpopulationen Futtermittel aus der Nahrungsmittelerzeugung abgezweigt werden. Die Aquakultur konkurriert also mit anderen menschlichen Aktivitäten um landwirtschaftliche Nutzflächen, während sie gleichzeitig natürliche Lebensräume zerstört.
Was früher im Überfluss vorhanden war, muss heute erzeugt werden.

Edward O. Wilson, "Die Zukunft des Lebens"

bewirtschaftet worden, und erst als die Ressource nahezu erschöpft war, haben wir unsere Einstellung geändert. Noch hat sich bei der Nutzung der Meere nichts verändert, aber immerhin haben die ersten Anpassungsprozesse begonnen. Die See ist immer noch so frei, wie sie es immer war.

Wer ein Fischfabrikschiff kauft und eine Crew von hundert Mann anheuert, um rauszufahren und jeden Tag Zehntausende Tonnen Fisch zu fangen, der muss für die Nutzung der Ressource keiner Regierung etwas zahlen - keine Pacht, keine besonderen Steuern. Im Gegenteil, die Regierungen fördern das Unternehmen sogar noch mit Steuervergünstigungen und Niedrigzinskrediten.

Im Juni 1883 hielt Thomas Huxley die Eröffnungsrede zur Internationalen Fische-reiausstellung in London. Nicht ein einziger lachsführender Fluss könne jemals vollständig erschöpft werden, betonte er, weil die Männer, die dort fischten, jederzeit «vom Arm des Gesetzes erreicht werden». Sollte die Fischpopulation bedroht sein, würden sie vom Gesetzgeber in ihre Schranken verwiesen. Dann ging er zur Lage der Küsten- und Hochseefischerei über:

Von den Fanggründen vor den Lofoten wird berichtet, dass die Ankunft des Kabeljaus im Januar und Februar zu den wunderbarsten Schauspielen der Welt zählt. Der Kabeljau bilde eine Formation, «Kabeljauberg» genannt, die sich unter Wasser in der Vertikalen über 2o bis 3o Faden erstreckt. Diese enormen Schwärme kämen über einen Zeitraum von zwei Monaten in großer Zahl aus westlichen und südlichen Richtungen?

Aus den verschiedenen Berichten schloss Huxley, dass «diese Klasse der Fischerei - Kabeljau, Hering, Sardine, Makrele und andere - als unerschöpflich angesehen werden dürfte».

1961 veröffentlichten Hawthorne Daniel und Francis Minot ihr Buch The Inexhaustible Sea, im Klappentext angekündigt als die «spannende Geschichte der Ozeane und ihrer unendlichen Ressourcen». Offensichtlich hatten Daniel und Minot nicht aufmerksam Zeitung gelesen; denn während sie noch an ihrem Buch arbeiteten, berichteten Journalisten, dass die Anchovispopulationen vor der Küste Perus eingebrochen seien. Anchovis und Sardinen zählen zu den wich-tigsten Arten des kommerziellen Fischfangs. Die kalifornische Sardinenindustrie, der John Steinbeck 1945 mit seinem Roman Die Straße der Ölsardinen ein Denkmal gesetzt hat, erreichte 1936 mit einer Produktion von 1,5 Milliarden Pfund ihre Rekordmarke, doch schon 1962 war sie von der Bildfläche verschwunden. Weiter südlich kamen mit dem Perustrom die Anchovetas (kleine Anchovis der Gattung Cetengraulis) in solchen ungeheuren Mengen, dass sie einst die Rangliste der größten Fänge anführten: 1967 gingen mehr als 12,1 Millionen Tonnen in die Netze. Doch schon 1973 bricht auch dieses Fanggebiet völlig zusammen (wenn auch nicht als Folge von Überfischung, sondern aufgrund des El Nino in diesem Jahr); heute zählt die Anchoveta, die lange Zeit als der am häufigsten vorkom-mende Fisch der Welt galt, zur Kategorie der bedrohten Arten. Und der Kabeljau, dem Neuengland seine Entdeckung und den frühen wirtschaftlichen Erfolg verdankt, ist im Wesentlichen verschwunden, sein «unerschöpflicher» Fang ist auf unbestimmte Zeit eingestellt.

Punkt vier Uhr in der Frühe öffnet der Tsukiji-Fischmarkt von Tokio, und zwar an jedem Tag des Jahres. Er ist auf einer Fläche von zwei Hektar voll gepackt mit Meerestieren aller Art: mit Fischen und Haien, Kraken und Tintenfischen, Seeigeln, Garnelen, Hummern, Seegurken, Seetang und allerhand schwer definierbaren Meeresfrüchten. Vier Stunden später ist alles verschwunden, der Markt schließt die Tore, und Arbeiter wischen die hölzernen Böden der Verkaufsräume. Es ist, als ob die Fischer jeden Tag mit einem gigantischen Staubsauger einen neuen Abschnitt des Ozeans leeren, um die Auslagen dieses Markts in einen Schaukasten der Meeresfauna und -flora zu verwandeln.

Ein Artikel des National Geographic mit der vielsagenden Überschrift «Diminishing Returns» - Fallende Profitrate - spricht eine ganz andere Sprache. Er beginnt mit den Worten: «Das Undenkbare ist geschehen. Der Reichtum der Ozeane, lange für unerschöpflich gehalten, hat sich als endlich erwiesen, und Fisch, einst verspottet als <Protein der armen Leute>, ist zu einer von den Nationen heiß begehrten - und umkämpften Ressource geworden.»... Und selbst das ist noch eine Untertreibung. Die Fischerei vor den Küsten Japans, die Dezimierung der kalifornischen Sardinenfischerei und der Zusammenbruch der peruanischen Anchovispopulation sind nur Momentaufnahmen aus einem Prozess, der seit Jahrzehnten unaufhaltsam voranschreitet - mit zunehmender Geschwindigkeit. Die Zahl der Nutzfische, die immer als unendlich galt, ist in allen Meeren stark zurückgegangen. In einigen Fällen stehen Ar­ten kurz vor dem Aussterben. Aber die Fischer fischen, als gäbe es kein Morgen. Eine Million Schiffe laufen heute zum Fischfang auf den Ozea­nen aus; das sind mehr als doppelt so viele wie noch vor 25 Jahren. Hat sich die Zahl der Fische in dieser Zeit verdoppelt? Ganz und gar nicht.

Kurz vor der Ausrottung steht die Weiße Abalone (Haliotis sorenseni) der mexikanischen und kalifornischen Gewässer. Vor weniger als einem halben Jahrhundert soll diese Schneckenart noch in einer Dichte von 10.000 Tieren pro Hektar vorgekommen sein. Aber in den frühen siebziger Jahren wurden sie von «Ab-Tauchern» in beträchtlichen Mengen geerntet, ihr zartes Fleisch macht sie noch begehrter als die größeren und festeren Arten: die Rosafarbene, Rote und Grüne Abalone.

1972 brachten die Taucher 72 Tonnen Weißer Abalone an Land, danach nahmen die Erträge stetig ab; in den frühen neunziger Jahren ist die Spezies fast völlig verschwunden. Zwei Jahre lang haben die Biologen Gary Davis, Peter Haaker und Daniel Richards Gebiete abgesucht, die als «geeignetes Habitat» für diese Art bekannt sind, und in dieser Zeit finden sie nur drei lebende Individuen, umge-rechnet ein Exemplar auf 4000 Quadratmeter. «Die Aussichten, dass sich die Bestände der Weißen Abalone erholen werden», folgert Davis, «sind schlecht, selbst bei sofortiger aktiver Intervention. Umgehend müssen wilde Abalone-Brutbestände lokalisiert und unter Schutz gestellt werden, außerdem ist zusätz-licher Brutbestand erforderlich, bevor ein ernsthafter Versuch der Wiederher-stellung unternommen werden kann. Eine Erholung der Bestände ohne Intervention des Menschen ist höchst unwahrscheinlich, das Aussterben der Weißen Abalone scheint unmittelbar bevorzustehen.»"' Die Lage hat sich bis 1999 nicht verbessert. Callum Roberts und Julie Hawkins listen in ihrer Arbeit über bedrohte Meeresflora und -fauna die Haliotis sorenseni unter die Arten, die bald fehlen werden. Im Jahr darauf nimmt die US-Fischereibehörde NMFS (National Marine Fisheries Service) Abalone als schützenswerte Art gemäß dem Artenschutzabkommen von 1973 auf. So wird im Mai 2001 der Abalone die zweifelhafte Ehre zuteil, als erstes wirbelloses Meerestier staatlichen Schutz zu genießen.

In der Vergangenheit wurden Fischbestände auf ebenso einfache wie tödliche Weise erschöpft: Man fing zu viele Fische einer Art und reduzierte so die Anzahl derer, die sich fortpflanzen und künftig in die Netze gehen konnten. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts brachte die Einführung neuer Fangmethoden dann auch Arten in Bedrängnis, auf die man es gar nicht abgesehen hatte: Die Fischer legten jetzt Langleinen aus, die Hunderte von Meilen lang und mit Tausenden Ködern und Haken gespickt waren. Eigentlich sollten nur Marlin und Schwert-fisch nach den Ködern schnappen, aber die Fischer zogen beträchtliche Men­gen anderer Tiere aus dem Wasser: Meeresschildkröten, Delphine, Seevögel. Treibnetze, eine weitere technische Neuerung, drifteten jahrelang unbeachtet durch die Ozeane und entfernten massenweise Fische und andere Meerestiere aus diesem Lebensraum, an deren Fang niemand Interesse hatte. Grundschlepp-netze schließlich kratzten noch die letzten Spuren von Leben vom Meeresboden - von den Grundfischen bis zu den Korallen.

Keine andere Industrie verkörpert den unheilvollen "Fortschritt" der Fischindus-trie jedoch drastischer als der Thunfischfang. Traditionell wurde Thunfisch von Hand mit Angelleine und Haken gefangen; die Fischer standen aufgereiht an der Reling ihrer Kutter und warfen ihre Angeln ohne Köder einfach in das gierige Durcheinander fressender Thunfische, die nach allem schnappten, was sich bewegte. Einmal am Haken, wurden die Thunfische aus dem Wasser gerissen und im hohen Bogen über die Köpfe der Männer an Bord geworfen. «Wegen des ungeheuren Gewichts und der Kraft der Fische», schrieb Robert Morgan 1955, «war es für einen Mann allein oft unmöglich, seinen Fang einzuholen, und deshalb arbeiteten an jeder Leine meist zwei oder sogar drei Leute.»... In manchen Regionen kommt eine ähnliche Technik noch heute zum Einsatz, nur dass Haken, Leinen und Kunstköder jetzt von einer Mechanik bedient werden: eine Batterie von Angelruten, die automatisch auf­und abfedern und den Thunfisch aus dem Wasser an Deck zerren.

Die größte Veränderung im Thunfischfang brachte die Einführung der Ringwa-dennetze. Dabei kreist das Beiboot eines Fischkutters einen Schwarm mit dem Netz langsam ein, und wenn die Tiere komplett umzingelt sind, wird das Netz unten zusammengeschnürt. Alles innerhalb der Maschen ist gefangen, die Fischer holen das Netz ein. Die Ring- oder Schnürwade revolutionierte den Thunfischfang, vor allem im östlichen, tropischen Pazifik, wo die Fänge seitdem alle früheren Erträge weit übertreffen. Doch der effiziente, schnelle Fang von

Albacore- und Gelbflossenthunfisch zeigte unerwünschte Nebenwirkungen: Aus Gründen, die noch nicht abschließend erforscht sind, folgen ganze Herden von Spinner- und Fleckendelphinen den Thunfischen, und wenn sich die Netze zusammenziehen, sitzen auch die Delphine in der Falle. Als Begriff für diese unerwünschte Beute, auf die man es gar nicht abgesehen hatte, hat ein zynischer Euphemismus Beifang, Eingang in das Wörterbuch der modernen Fischerei gefunden.

Beifang bezeichnet Fisch, der unbeabsichtigt mit den Netzen eingeholt wird, Fischarten oder -größen, die sich nicht vermarkten lassen, beispielsweise Jungfisch, der noch nicht die Geschlechtsreife erreicht hat - und sich nun nicht mehr weiterentwickeln oder vermehren kann. Der Begriff umfasst außerdem alle anderen Tiere, die versehentlich in die Netze geraten: Seevögel, Delphine, Wale, Meeresschildkröten. Beobachter der US-amerikanischen Umweltbehörde NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration) fuhren von Juni bis Dezember 1990 auf japanischen Kuttern im Nordpazifik mit und untersuchten Stichproben, die vier Prozent des Fangs entsprachen. Außer 7,9 Millionen Tintenfischen (der Zielart) zogen die 74 japanischen Schiffe an Beifang aus dem Wasser: 82.000 Blauhaie,
253.000 Thunfische, 10.000 Fische aus der Familie der Lachse, 30.000 Vögel, 52 Pelzrobben, 22 Meeresschildkröten, 141 Tümmler und 914 Delphine. Einige dieser Tiere sind Lungenatmer; wenn sie sich in den Netzen verheddern und nicht mehr zum Luftholen an die Oberfläche kommen, ertrinken sie. Im gleichen Jahr, 1990, kippten Fischer im Beringmeer 16 Millionen Kamtschatkakrabben über Bord, weil sie zu klein waren für den Verkauf. Das war das Fünffache dessen, was sie in dieser Saison auf den Markt brachten.

Wenn Beifang jemals die Öffentlichkeit geschockt hat, dann waren es die Hunderttausende Delphine, die während der sechziger und siebziger Jahre im östlichen, tropischen Pazifik in die Thunfischnetze gerieten und dort qualvoll verendeten. Dabei war das noch nicht einmal das schlimmste und verschwenderischste Beispiel. «Um zehn Pfund Garnelen vom Meeresgrund des Golfs von Mexiko zu kratzen», klagte Sylvia Earl 1995, «werden an die 8o bis 9o Pfund <wertloser> Fisch - etwa Aal, Flunder, Butterfisch, Rotbarsch, Fledermausfisch und viele andere, darunter auch die Jungtiere vieler Arten - durch die Mangel gedreht und über Bord gekippt. Ganz zu schweigen von den Tonnen an Pflanzen und Tieren, die man nicht einmal als Beifang erwähnt - Seestern, Sanddollar, Seeigel, Krebs, Schildkrötengras, Seetang, Schwamm, Koralle, Seehase, Manteltiere, Borstenwürmer, Schnecken und was sonst noch zur Lebensgemeinschaft am Meeresboden gehört und den Schleppnetzen im Weg ist.»

Ganz ähnlich klingen die Berichte von Steve Branstetter, einem Experten der US-Fischereibehörde, anlässlich einer Diskussion im Jahr 1996 über die Garnelenfischerei im Golf von Mexiko: «Garnelen machten vom Gewicht her 16 Prozent des Fangs aus, andere Wirbellose ebenfalls 16 Prozent und Fische 68 Prozent.» Die am stärksten vertretenen Arten im Beifang waren Meerbrasse, Braune Garnele, Adlerfisch, Eidechsenfisch und Butterfisch. Der Anteil junger Roter Schnapper an der Gesamtmenge betrug zwar nur 0,4 bis 0,5 Prozent, aber dieser Prozentsatz entsprach einer Zahl zwischen 10 und 35 Millionen Exemplaren im Jahr, was das unglaubliche Ausmaß der Beifangproblematik in dieser Region zeigt.

Mit einer registrierten Fangmenge von 154.083 Tonnen 1999 zählen die Garnelen zu den wichtigsten und wertvollsten Nutzfischen, die in den USA angelandet werden. Nach der Statistik der Welternährungsbehörde FAO (Food and Agricultural Organization) sind 1999 weltweit 4423.673 Tonnen Garnelen und Krevetten in die Netze gegangen. Wenn die Garnelenfischer weltweit genauso effizient arbeiten wie ihre amerikanischen Kollegen im Golf von Mexiko, dann summiert sich der globale Beifang nur dieses Fischereizweigs auf 30 Millionen Tonnen -30 Milliarden Kilogramm - an sinnlos getöteten Fischen, Haien, Rochen, Schildkröten, Seesternen, Seeanemonen und Kopffüßern (Tintenfischen und Kraken).

Langleinen erstrecken sich über viele Meilen, und sie sind mit Tausenden Ködern und Haken versehen, an die Thunfisch, Schwertfisch und andere Fächerfische beißen sollen. Nur töten die Langleinen auch junge Thunfische, Schwertfische und Marline, die eigentlich noch wachsen und sich vermehren sollen, einmal ganz abgesehen von den großen Mengen an Haien, anderen Meerestieren und Vögeln. Schwertfisch kann auch mit Harpunen gejagt werden und Thunfisch mit Angelleine und Haken, aber diese altmodischen Techniken sind arbeitsintensiver und deshalb weniger rentabel.

Verheißung im Süden

Obschon die Seekälber nicht unbekannt sind, so wird sich eine Beschreibung von ihnen an dieser Stelle nicht übel schicken. Sie sind so groß wie unsere gewöhnlichen Kälber, haben einen Kopf wie ein Hund, weswegen die Holländer sie auch Seehunde nennen. ... Ihr Haar ist von vielerlei Farben, schwarz, braun, gesprenkelt, und sieht überall glatt und schön aus, wenn es aus dem Wasser kommt; insbesondere haben die Tiere auf John Fernando ein so feines, dickes und kurzhaari-ges Fell, wie ich sonst nirgend­wo dergleichen gesehen. Um diese Insel sind sie stets zu Tausenden - ich möchte wohl sagen: zu Millionen -, die entweder in den Buchten liegen oder in der See hin und her schwimmen. Ein oder zwei Meilen vom Lande sieht man diese Insel von diesen Tieren ganz bedeckt, die entweder oben auf dem Wasser spie­len oder auf der Erde in der Sonne liegen.
... Ein einziger Schlag auf die Nase tötet sie sofort. Mit ihren Häuten und ihrem Fett, wovon sie ungemein viel haben, kann man ganze Schiffe beladen.

William Dampier, Freibeuter 1683-1691.
Tagebuch eines Weltumseglers und Piraten

William Dampiers Erwähnung von John Fernando bezieht sich auf die Juan-Fernändez-Inseln, die etwa 400 Seemeilen westlich des chileni-schen Valparaiso liegen und nach dem Spanier benannt wurden, der sie 1563 entdeckte. Dampier kam 1684 auf seiner Weltumsegelung an den Inseln vorbei, und die Tiere, die so «glatt und schön» wirken, waren subantarktische Pelzrobbe Arctocephalus tropicalis.

Arctocephalus philippii, die heute als Juan-Fernändez-Robben bezeich-net werden. Sie wurden im 18. und 19. Jahrhundert so stark bejagt, dass sie bis vor kurzem noch als ausgestorben galten.

Sieben Meilen lang und vier Meilen breit war die Juan-Fernändez-Insel mit Namen Mäs Afuera (was so viel wie «weiter draußen» bedeutet) - ein Flecken Land, wie er für Seeleute nicht ungemütlicher sein konnte. Donnernde Brandungswellen machten es nahezu unmöglich, sicher zu landen. Doch die Felsen und Strände der Insel waren von vielen Millionen Robben bevölkert, und wenn die Robbenjäger aus einem gekenterten Boot an Land waten mussten - nun, es war eben ein hartes Geschäft. (Die Insel wurde später übrigens in Isla Alejandro Selkirk umbenannt, nach dem Segler, der dort 1704 strandete und zum Vorbild für Daniel Defoes Robinson Crusoe wurde.)

1792 schlug die Crew der Eliza 38 000 Robben auf Mäs Afuera, und in den darauf folgenden sechs Jahren wurden phänomenale drei Millionen Pelze erbeutet und nach China verfrachtet. 1798 brachte Edmund Fanning, Kapitän des Robbenfängers Betsey aus Stonington, Connecticut, weitere 100 000 Pelze ein, und seiner Schätzung nach lebten noch weitere 500 000 bis 700 000 Tiere auf der Insel. 1801 lieferte ein einziges Schiff eine halbe Million Robbenhäute in London an.

Auszüge Ende


Ein weiteres Buch über die
Ausbeutung der Meere:
See in NOT


Der lebendige Ozean, life Ocean,
Der Mensch und die rücksichtslose Ausbeutung der Natur
.

Tonnen getöteter Meeres-Lebewesen, der Beifang, der als Abfall in das geplünderte Meer, dem Ozean
geworfen wird, interessiert,
der durch Werbung, Medien und Spiele, einfachen "ich lebe jetzt Gesellschaft" kaum,
wenn sie nur ihren billig Fisch reichlich bekommen.


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Leseprobe, Buchumschlag und Foto Mare Verlag
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