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Prolog
Wir Frauen haben viel erreicht. Wir leben in
einer Zeit der unbegrenzten Möglichkeiten. Was darf es bitte sein? Abteilungsleiterin,
Astronau-tin oder Bundeskanzlerin? Single, Lebensgefährtin, Ehefrau oder
»Nur-Mutter«?
Wir können einfach zugreifen, im Supermarkt der Wünsche ist alles
zu haben. Brav, angepasst, unterdrückt war gestern. Eva ließ sich
von der Schlange überreden, verbotene Früchte zu pflücken,
und seit sie ihrem Adam den Apfel reichte und beide vom Baum der Erkenntnis
aßen, haben wir Frauen die Welt erobert. Wir entscheiden selbstbe-wusst,
was wir wollen, und nehmen uns, was wir kriegen können auf dem Markt
der Möglichkeiten. Also alles in bester Ordnung!
Oder?
Es stimmt,
wir Frauen haben tat-sächlich viel erreicht. |
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Befund war eindeutig:
Mein Hormonspiegel enthielt zu wenig Östrogene, also weibliche Hormone,
dafür einen deutlichen Überschuss von Testosteron.
Dass ich gleichzeitig einige Kilo Gewicht verlor, mag an den Strapazen dieser
anstrengenden Zeit gelegen haben, doch auch der Östrogenmangel spielte
dabei eine entscheidende Rolle. Der Gewichtsverlust sorgte dafür, dass
mein Körper einige weibliche Rundungen verlor, dass ich schmaler und
knabenhafter wirkte. Ganz eindeutig war ich auf dem besten Wege, mich zu »vermännlichen«,
ausgelöst durch eine Überforderung.
Diese Beobachtung machen
immer mehr Ärzte. Die hormonellen Folgen bei der Übernahme männlicher
Aufgaben mit all ihren Konflikten sind beispielsweise Hautärzten gut
bekannt. Viele Frauen klagen neuerdings auch jenseits der Pubertät über
Akne. Der Grund für diese »Spätakne« sind meist Hormon-störungen,
die durch unbewältigten Stress ausgelöst werden. > > >
Strategien des Glücks
Die Verantwortung, die unsere Politik und auch
wir als Gesellschaft für unsere Kinder haben, ist gar nicht zu überschätzen,
doch die Gratwanderung im Bemühen, alles richtig zu machen, ist äußerst
schwierig. Die Fragen, die wir uns stellen müssen, lauten: Wie nehmen
wir die Verpflichtung für unsere Kinder in der Zukunft wahr? Was möchten
wir ihnen vermitteln? Wie viel Sicherheit und Selbstbewusstsein können
und müssen wir ihnen mit auf den Weg geben? Dürfen wir das Risiko
eingehen, sie emotional verwahrlosen zu lassen? Dürfen wir ihnen verwehren,
in der Familie Bindungsqualitäten zu erleben, die später ihre gesamten
Beziehungen prägen werden? Wollen wir distanzierte, emotional kühlere
Beziehungen oder ein herzliches, liebevolles, fürsorgliches Miteinander?
Wie soll unsere Gesellschaft aussehen? Unsere Zukunft?
Es sind Fragen, die jeden Menschen nachdenklich machen sollten.
Und ich möchte allen Müttern und Vätern ans Herz legen, genau
abzuwägen, ob es wirklich unabdingbar ist, dass beide Elternteile kurz
nach der Entbindung wieder arbeiten gehen müssen. Ist der wirtschaftliche
Druck tatsächlich so hoch? Oder ist es nicht vielmehr die öffentliche,
gesellschaftlich anerkannte Meinung, durch die wir uns leiten lassen?
Eine Mutter, die sozial gut eingebettet ist, also über ein Umfeld verfügt,
das sie in der Betreuung unterstützt, sollte sich dreimal überlegen,
ob sie ihr Kind in den ersten, prägenden Jahren nicht lieber zu Hause
großzieht oder ob sie es wirklich in eine vielleicht ungewisse Umgebung
abgibt.
Immerhin ist in Westeuropa und in den USA eine Umorientierung hin zu ursprünglichen
Modellen bereits sichtbar:
Rooming-in, Hausgeburten und Stillen nach Bedarf sind, wenn
auch langsam, wieder auf dem Vormarsch. Immer mehr Eltern versuchen, sich
von überkom-menen Erziehungsvorgaben zu lösen und ihren eigenen
Weg zu finden, jenseits von starren Theorien.
Der Hamburger Soziologe Heinz Bude, Experte auf dem Gebiet der gesellschaft-lichen
Entwicklungen in Deutschland, schrieb 2003:
»Es ist vielen klar, dass die Bundesrepublik nach dem Ende ihrer glücklichen
Zeit auf die Haltekonstruktionen des Sozialstaates nicht mehr bauen kann.
Deshalb nimmt der Bedarf an Selbstverantwortung und Eigeninitiative zu. Das
ist der Kern des Bürgers: Er ist für sich selbst verantwortlich.
Zu den alten und neuen Tugenden gehören Sitte, Höflichkeit,
Disziplin, Respekt und Familienstolz.«
Emotionen haben uns seit jeher geleitet. Sie sind gewissermaßen die
für uns hörbaren Töne, die das Orchester unserer Instinkte
erzeugt. Wenn dieses Orchester aufspielt, so läuten bei uns alle Glocken.
Das Lied, das aufgeführt wird, ist von der Natur komponiert. Und es ist
einfach. Nach Millionen Jahren der natürlichen Anpassung sind aber nur
die Noten übrig geblieben, die dem Leben und dem Überleben dienen.
Mütter und auch Väter sollten deshalb in sich hineinhorchen und
sich durch ihr inneres Gefühl leiten lassen. Es handelt sich nicht um
naive Naturromantik, um ein einfaches »Zurück zur Natur«,
wenn hier die Wichtigkeit der Nähe und Intensität zwischen Mutter,
Vater und Kind als unser natürliches Erbe hervorgehoben wird. > >
>
Als der schwedischen Kinderbuchautorin Astrid Lindgren im Oktober 1978 in
der Frankfurter Paulskirche der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen
wurde, hielt sie eine eindrucksvolle Rede, die ihr zunächst untersagt
worden war. Sie hätte auf den Preis verzichtet, wäre es beim Verbot
geblieben. Der Titel ihres Vortrags lautete:
»Niemals Gewalt!«
Und hiermit war nicht nur die körperliche, sondern vor allem die Verletzung
der Kinderseelen gemeint. > > >
Die Krise der Sexualität
- warum wir unser Menschsein verspielen
»In den fünfziger
Jahren durften wir keinen Sex, vierzig Jahre später wollen wir keinen
mehr haben«, resümiert Professor Gunter Schmidt, ehemaliger Leiter
der Abteilung für Sexualforschung der Psychiatrischen Klinik an der Universität
Hamburg, über den Lustfaktor in deutschen Betten. Internationale Untersuchungen
von Sexualforschern kommen alle zu dem gleichen Ergebnis: Viele Beziehungen
sind geprägt von sexueller Langeweile. Oder, wie es Dr. Werner Habermehl
ausdrückt: »Für die meisten Menschen ist Sex so spannend wie
Duschen.« 45% Prozent aller deutschen Männer, so das Ergebnis seiner
Levitra-Studie von 2005, haben Erektionsprobleme oder sind impotent.
Eine fast unglaubliche
Zahl. Noch höher allerdings ist die Zahl der Frauen mit sexuellen Störungen.
Eine Umfrage der Urologischen Klinik Köln, in der Frauen nach ihrer sexuellen
Aktivität, ihrer Lust auf Sex und nach sexuellen Empfindungen gefragt
wurden, kommt zu dem Schluss, dass 6o Prozent der deutschen Frauen davon betroffen
sind. Sie wollen keinen Sex oder haben keine Freude daran. In den USA sind
es 45 Prozent:
FSD (Female Sexual Dysfunction),
einst ein rein wissenschaftlichen Begriff, ist zu einem Wort des täglichen
Sprachgebrauchs geworden. > > >
Es liegt auf der Hand,
dass die umfassende Sexualisierung unserer Gesellschaft, die Überflutung
mit Pornographie, die allgegenwärtige Extremsportart Sex Erwartungen
weckt, die im Alltag nicht annähernd erfüllt werden können.
Oder an¬gesichts des Erfolgsdrucks gar nicht mehr geleistet werden wollen.
Sex als Problem, Sex als Hochleistungssport, als Reizbefriedigung
- vom Zeugen und Empfangen ist längst nicht mehr die Rede.
> > >
Auf ewig Sex
Mit
der Existenz zweier Geschlechter und dem Prinzip der Fortpflanzung wurden
Instrumente geschaffen, um das Überleben sicherzustellen. Der Sexualtrieb
sorgte für die an¬dauende Erneuerung unserer Welt, ganz gleich, welche
kulturellen Einflüsse wirksam wurden und welche geschichtlichen Entwicklungen
sich ereigneten. Doch neuerdings scheint das nicht mehr zu gelten. Es ist
schon merkwürdig, dass wir nie zuvor so offen über Sex redeten wie
in den vergangenen Jahrzehnten, während sich im selben Zeitraum ein drastischer
Geburtenrückgang in Deutschland beobachten lässt. Diese Tatsache
wirft einige Fragen auf: Sollten wir momentan tatsächlich im
Begriff sein, uns von unserem Reproduktionsprogramm zu lösen?
Warum ist ausgerechnet die »sexualisierte Gesellschaft« eine zunehmend
kinderlose Gesellschaft? Welche Randbedingungen haben sich geändert?
Wenn wir das Thema Fortpflanzung
und Sexualität im Hinblick auf die heute geltenden Geschlechterrollen
diskutieren, stoßen wir schnell an Grenzen und Tabus: Lust und Liebe,
Trieb und Sexualität - sind dies nicht unsere sehr persönlichen
Angelegenheiten? Hat nicht jeder das Recht, seine eigene Variante der Sexualität
auszuleben? Und ist es nicht sogar altmodisch, Sexualität und Fortpflanzung
im selben Atemzug zu nennen angesichts moderner Methoden zur Empfängnisverhütung?
Die Machtansprüche
des Feminismus - warum wir unsere Weiblichkeit verdrängen
Neulich
hörte ich in einem Interview einen Satz, den ich mir spontan notierte:
»Die Geschichte der Frauenbewegung kann man auch als Entwertungs-geschichte
schreiben, in der Frauen die spezifische Identität ihres Geschlechts
verloren haben«.
Kluge Worte. Denn sie bringen auf den Punkt, was schon seit langem offensichtlich
wird: dass der Feminismus das Frausein so lange diskutiert und kritisiert
hat, bis nichts mehr davon übrig blieb. Wir Frauen sind entwertet
worden und haben selber maßgeblich dazu beigetragen. |
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Wir marschieren im Stechschritt
durch einen anstrengenden Alltag voller Widersprüche. Wir sehnen uns
verzweifelt nach Geborgenheit, Heim und Familie und kämpfen täglich
unser einsames Gefecht in der männlich geprägten Arbeitswelt. Unsere
Beziehungen zerbrechen immer schneller. Wir verzichten auf Kinder, und wenn
wir doch welche haben, dann geben wir sie so schnell wie möglich in fremde
Hände.
Der Spagat zwischen Privatleben und Karriere ist ein Extremsport, der uns
aufreibt, statt uns zu beflügeln. Wir sind überfordert, ausgelaugt
und müde. Und fragen uns in stillen Momenten: Ist es das wert? Welchen
Preis zahlen wir eigentlich dafür, emanzipiert und selbstbewusst zu sein?
Sind wir überhaupt noch Frauen? Oder haben wir unsere Weiblichkeit verloren?
Wer solche Fragen
laut stellt, bricht ein Tabu. Der gilt als Verräter an der Sache
der Frau und muss mit Gegenwind rechnen in einer Gesellschaft, die nicht mehr
zu diskutieren wagt darüber, ob die Errungenschaften der Frauenbewegungen
überhaupt Errungenschaften sind. Ich weiß das aus eigener Erfahrung.
Ich selber habe einiges einstecken müssen, als ich diese Fragen aufwarf.
Manche haben versucht, mich persönlich anzu-greifen. Das war nicht immer
angenehm.
Aber die Sache ist zu wichtig, um mich einschüchtern zu lassen. Zu wichtig,
um einfach so weiterzumachen wie bisher. Denn es geht um unsere Zukunft, um
die Zukunft unserer Kinder, um den Fortbestand unserer Gesellschaft. Werden
wir aussterben, wird unser Land in wenigen hundert Jahren brachliegen?
Abwegige Fragen? Keinesfalls. Wir sind im Begriff, uns selbst abzu-schaffen.
Und deshalb werden wir darüber diskutieren und Wege suchen müssen,
die uns aus der Sackgasse heraushelfen. Und zwar so schnell wie möglich.
Die Diskussion geht jeden von uns an, denn wir alle tragen Verantwortung,
jeder an seinem Platz in der Gesellschaft.
Da sind die jungen Menschen, die gerade ihr Leben planen und ihre Wünsche
umsetzen möchten. Sie sind belastet durch Zukunftsängste, sei es
im Beruflichen wie im Privaten. Sie möchten eine Ausbildung beginnen
oder studieren, doch sie sind unsicher, ob sich das alles noch lohnt, wenn
es ohnehin zu wenige Arbeitsplätze gibt. Sie wollen Kinder, doch sie
zögern mehr und mehr angesichts der wirtschaftlich unsicheren Verhältnisse.
> > >
Und da sind schließlich
die älteren Menschen. Sie fühlen sich noch jung und müssen
doch damit leben, dass sie für zu alt befunden werden, zu alt für
den Beruf und für das gesellschaftliche Miteinander. Häufig werden
sie in Senioren- und Pflegeheime abgeschoben. Wie kann es sein, fragen sie
sich häufig, dass sich ihre Kinder und Enkelkinder nicht mehr zustän-dig
für sie fühlen, warum handeln sie anscheinend verantwortungslos,
warum lassen sie keine größere Bindung erkennen? > > >
Die Vermännlichung
der Frau
Wichtige Erkenntnisse
über die physiologischen Gründe von geschlechtsspezifischen Verhaltensunterschieden
lieferten die Hormon-forscher. Auch das Beispiel von Bruce/Brenda hatte gezeigt,
dass keine Geschlechtsänderung möglich war, dennoch vermutete man
aber einen Zusammenhang zwischen Hormonhaushalt und Verhalten.
Eine seltene Krankheit in Indien brachte die Wissenschaftler auf die Spur.
In einer Familie verwandelten sich aufgrund eines genetischen Defekts mehrere
als Mädchen geborene Kinder während der Pubertät allmählich
in Jungen. Durch die falsche Hormonsteuerung veränderten sie jedoch nicht
nur ihr äußeres Erscheinungsbild. Als ihnen plötzlich Barthaare
wuchsen, die Stimme brüchig wurde und der Busen sich zurückentwickelte,
legten sie auch ihre weiblichen Verhaltensformen ab.
Aus der Zoologie wusste man schon länger, dass durch gezielte Hormongaben
vorübergehende Verhaltensänderungen erzeugt werden können.
Bei Tierversuchen hatte man zum Beispiel herausgefunden, dass eine regelmäßige
Testosteronzufuhr bei Zebrafinkenweibchen zu einer deutlichen Umformung jener
Hirnareale führte, die für den Gesang zuständig sind. Als das
Testosteron abgesetzt wurde, bildeten sich diese Areale auf ihre Normalform
zurück. Durch die Hormongaben konnte das Weibchen also »ähnlich«
singen wie ihr männliches Pendant.
Ein Männchen aber wurde es dadurch nicht.
Spannend wird es, wenn
wir uns damit auseinandersetzen, dass Hormone auch der Grund dafür sind,
dass selbst kleinere Mädchen und Jungen auf unterschiedliche Art und
Weise aggressiv bei Stress reagieren. Testosteron, ein vorwiegend männliches
Geschlechtshormon, sorgt dafür, dass das Verhalten bei Jungen eine deutlich
provokativere Komponente erhält. Das männliche Konkurrenzverhalten
muss man deshalb auch als Ausdruck eines entsprechend geschlechtsspezifischen
Hormonspiegels begreifen.
Es ist aufschlussreich,
sich einmal anzusehen, was Testosteron alles bewirkt. Es lässt Muskeln
wachsen und macht stark, andererseits erhöht es die Konzentration von
Cholesterinlipiden im Blut, weshalb Männer eher an Herz- und Gefäßerkrankungen
leiden und auch nicht so lange leben wie Frauen.
Die weiblichen Hormone,
etwa Östrogene oder das Gelbkörperhormon, bieten Frauen dagegen
einen gewissen Schutz vor zu viel Blutfett und auch - das wird wenigstens
vermutet - vor anderen Krankheiten wie Autismus und Immunstörungen, die
bei Männern in viel größerer Häufigkeit auftreten als
bei Frauen.
Wenn Frauen heute ein anstrengendes, auf Konkurrenz beruhendes Berufsleben
bewältigen müssen, kann sich ihr Testosteronspiegel erhöhen,
weil er offenbar hilft, die anstehenden Aufgaben besser zu bewältigen.
Bekanntlich können weibliche Sportler durch Testosteron-zugaben ihre
Muskeln vergrößern und auf diese Weise ihre Leistung erhöhen.
Zu Männern mutieren
sie dadurch zwar nicht, der Preis dafür ist jedoch eine tiefere Stimme,
Ansätze von Bartwuchs und eine Zurückbildung der weiblichen Brust.
Aber auch ganz normale Frauen können an sich beobachten, > > >
Und wie eine solche Veränderung
aussieht, bekam ich aus persönlicher Erfahrung zu spüren: Als die
Ehe mit dem Vater meines Kindes zu Ende war und ich mich als allein erziehende
Mutter wieder fand, nahmen Stress, Überlebensängste und Existenzzweifel
in mir überhand. Eine verständliche Reaktion, denn plötzlich
sah ich mich in der Verantwortung für zwei Leben - meinem und dem noch
viel schützenswerteren meines Kindes. Ein Jahr nach der Trennung fielen
mir die Haare büschelweise aus, ein Umstand, der keiner Frau besonders
große Freude bereitet. Ich sah bereits meine Arbeit beim Fernsehen gefährdet
und ließ mich ärztlich untersuchen. Der |
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