Kultur Fibel Magazin
Er, Erika Pluhar
 


Er

Gesellschaftsmagazin
Roman
Residenz Verlag
240 S. HC/ € 17,90
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Ein Laborbefund ist der Auslöser für die Krise, in die Emil Windhacker, ein Mann in den besten Jahren, Karrierebewusst, sportlich, immer in guter Gesellschaft genießt er sein Leben in vollen Zügen, stürzt. Dieser Befund könnte seinen Tod bedeuten.
Emil steht unter Schock, versucht jedoch sein normales Leben weiterzuführen, das aus Arbeit, Sport, guter Gesellschaft, und einer Freundin besteht. Doch genau dieses Leben scheint aus den Fugen geraten zu sein und nichts funktioniert so, wie vor diesem Tag. Dann begegnet er der Schauspielerin Marie Liebner, die ihn fasziniert und es scheint kein Zufall zu sein, dass sich genau in diesem Moment ihre Wege kreuzen.
Erika Pluhar beschreibt drei Tage im Leben eines Mannes. Drei Tage, die ihn verändern. Aus der subjektiven Perspektive Emils vollzieht Pluhar eine punktgenaue Abrechnung mit der männlichen Sicht auf die großen Lebensthemen Liebe, Krankheit und Tod. Poetisch, humorvoll, erzählerisch dicht und zutiefst berührend schildert die Autorin die Geschichte einer späten Einsicht.
Erika Pluhar war seit ihrer Ausbil-dung am Max-Reinhardt-Seminar bis 1999 Schauspielerin am Burgtheater in Wien. Sie textet und interpretiert Lieder, hat Filme gedreht und Bücher veröffentlicht, darunter Marisa, Rückblenden auf eine Freundschaft (1996), Am Ende des Gartens, Erinnerung an eine Jugend (1997) und die Romane Matildas Erfindungen (1999) Verzeihen Sie, ist das hier schon die Endstation? (2001), Der Fisch lernt fliegen (2002), Die Wahl (2003) und Reich der Verluste (2005). Im Residenz Verlag erschien zuletzt Paar Weise (2007).
Auszüge
> > > Robert Hertl sah nicht mehr fröhlich aus, er blickte düster vor sich hin. Dann holte er Zigaretten aus seiner Hosentasche und zündete sich eine an. Da sie im Freien saßen, konnte er rauchen, und er tat es mit heftigen Zügen. Armer Kerl, dachte Emil, er ist ins Netz gegangen, man muß wirklich höllisch aufpassen.
»Du bist ledig, Emil?« fragte Rob.
»Ja, immer geblieben.«
»Beneidenswert. «
Emil nickte, so sehr war er in diesem Augenblick Robs Meinung, und er wußte, daß sein Nicken etwas Inbrünstiges an sich hatte. Rob schaute ihn an, lächelte schief und nickte dann ebenfalls, jedoch müde und ergeben.
»Tja«, sagte er.
»Tja«, sagte Emil.
Er hatte seinen Salat nicht aufgegessen und den Teller weit von sich geschoben. Jetzt füllte er sein Glas nochmals mit Wasser, schüttete ein wenig Weißwein dazu und trank es in einem Zug aus. Danach mußte er rülpsen, tat es möglichst diskret und lehnte sich in seinem Sessel zurück.
»Wie alt bist du?« fragte ihn Rob.
»Fünfzig vorbei.«
»Und da hat es dich noch nie erwischt?« »Natürlich hat es mich erwischt, aber geheiratet hab ich nie.«
»Und wie ist dir das gelungen?«
»Nie unvorsichtig gefickt, keine geschwängert«, jetzt war es Emil, der zu Rob hinübergrinste, »und immer rechtzeitig abgehauen.«
»Ja, ich war ein Trottel«, sagte Rob und seufzte. Der Kellner kam und servierte die Teller ab.
»Kaffee?« fragte er, und beide Männer sagten: »Ja, gern. «
»Und wie lebst du so?« erkundigte Rob sich weiter.
»Normal«, sagte Emil.
»Und was heißt das für dich — normal?«
»Nun ja, so, wie ein Mann meines Alters als Junggeselle eben lebt. Die Arbeit bei Pinker freut mich, dann gibt es den Sport, das Auto, meine Wohnung —«
»— und die Frauen!« setzte Rob fort.
»Ach was«, sagte Emil.
»Und die Sache gestern, als du flüstern mußtest und nicht ins Büro kommen konntest, was war das? Da ging es doch um eine Frau. Oder?«
Rob beugte sich vor und starrte Emil eindringlich ins Gesicht, ihm war anzumerken, daß dieses Thema ihn anregte. Wenn der Kerl wüßte, daß ich da gerade befürchten mußte, eine Frau hätte sich neben mir umgebracht, dachte Emil. Er hat sicher Porno-Bilder vor Augen, so wie er mich jetzt erwartungsvoll anglotzt.
»Dein Applanieren kann ich mir gut vorstellen«, Rob, jetzt wieder grinsend, blieb bei der Sache, »auch diese ominöse Trennung in aller Freundschaft. Ich weiß zwar nicht, seit wann man Sex so nennt, aber wenn sowas einen Tag lang dauert und einer so geschafft aussieht

wie du heute, kann ich mir äußerst lebhaft vorstellen, was da los war. Diese Fickereien zum Abschied haben es in sich!«
»Rob«, sagte Emil, »stell dir lieber nicht so viel vor. Wie ich jetzt ja weiß, haben diese Fickereien dir nicht eben Glück gebracht, laß dein ewiges Getue mit den Frauen lieber bleiben.«
»Das kann ich nicht«, gab Roh ruhig zur Antwort.
»Was kannst du nicht?«
»Das Getue mit ihnen bleiben lassen. Falls du mit Getue meinst, sie flachzulegen. Das kann ich einfach nicht bleiben lassen.«
Nach diesem Eingeständnis sah Rob ihn traurig an. Der Mann tut mir leid, dachte Emil, ein Glück, wenn man so nicht leben muß, so getrieben.
»Aber wie kann man sich nur so viele Scherereien aufhalsen und dann trotzdem nicht aufhören, Frauen ins Bett kriegen zu wollen?« sagte er.
»Was, bitte, hat man davon, wenn es einem gelingt?«
»Das fragst du?«
»Ja, das frage ich.«
Ich glaube, wir sind in eines dieser typischen Männergespräche geraten, dachte Emil, obwohl ich die ums Verrecken nicht leiden kann. Eigentlich ist mir völlig egal, was Rob davon hat, ständig mit Frauen ins Bett zu gehen, aber ich sehe ihm an, daß er gerne auspacken möchte.
»Ich fühle mich lebendig, wenn sie unter oder auf mir liegen«, sagte Rob, und ein weicher Schimmer trat in seine Augen, »ich habe diese Körper einfach gern.«
»Das ist alles?«
»Natürlich nicht. Dazu kommt schon die Lust an der Lust, und dann auch der Orgasmus. Man verliert sich so. «
»Aber die Frauen wollen sich nicht verlieren, mein Lieber, sie wollen von dir gefunden und bewahrt werden, möglichst für immer und ewig. Doch wem sage ich das.«
Rob musterte Emil.
»Ich frage mich, was du gegen Frauen hast. Bist du schwul?«
Da der Kellner an den Tisch trat und ihnen den Kaffee servierte, gab Emil vorerst keine Antwort.
»Muß man schwul sein, wenn man im Hinblick auf Frauen skeptisch ist?« fragte er dann zurück.
»Mit Skepsis kann man nicht lieben«, sagte Rob. >>>>>>>>

Ende des Auszuges

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