Kultur Fibel Magazin
Die Geschichte des Körpers im Mittelalter,  das Bad, das Bordell, die Ehe

 

Sachbuch
Mittelalter
der Körper


Die Geschichte des Körpers
im Mittelalter


Klett-Cotta Verlag
im Buchhandel
Gesellschaftsmagazin


Jetzt kaufen
amazon,´.de

 
Start- Seite
Navigation

Diese Buch-Neuerscheinung 2007 ist, wie so viele,
in der gewachsenen deutschen Sprache gefasst, nicht
in der
deutschen Sprach-Verordnung der Kultusminister.

Pieter Brueghel d. Ä
Jacques Le Goff Pieter Brueghel d. Ä

Der Lebensweg

>>>> Auch die Zahl 7 war griechisches Erbe. Isidor von Sevilla griff sie auf; er unterschied die Jahresspannen vom ersten bis zum siebten Jahr (infantia), bis 14 Jahre (pueritia), von da bis 28 Jahre (adolescentia), danach bis 5o Jahre Ouventus), dann bis 7o Jahre (gravitas), über 70 Jahre (senectus) und darüber hinaus senium, was soviel wie Senilität bedeutet.
Die fünf oder sechs Lebensalter waren eine Erbschaft der Kirchenväter. Im Spätmittelalter wurden dann nur noch die 12 Lebensalter erfunden, wie das anonyme Gedicht aus dem 14. Jahrhundert Les Douze Mois figurez belegt, das auch die physiologische Entwicklung des Menschen im Jahresablauf berechnet. Auf diese Weise blieb also im Mittelalter die biologistische Betrachtungsweise der Antike erhalten, aber man ging darüber hinaus oder lockerte sie durch eine symbolische
Neuinterpretation auf. Die Christen sprachen nicht mehr von »Nieder-gang«, sondern von einer ständigen Wanderung auf das

Jacques Le Goff
bedeutende Vertreter der nouvelle histoire, Haupterbe und Fortsetzer der Annales-Schule, ein intern. Fachmann für das andere Mittelalter.
oben -Pieter Brueghel d. Ä. "Der Kampf zwischen Karneval und Fasten, (1559)
unten -Ausschnitt
Auszüge

Reich Gottes zu. Nach Augustinus wurde der Greis als neuer Mensch betrachtet, der sich auf das ewige Leben vorbereitete.

Minne oder Affäre

Der Historiker Irenee Marrou überlegte: »Haben die Liebenden, die von den Troubadouren besungen wurden, miteinander geschlafen?« Auch Georges Duby stellte sich diese Frage. Sie muß offenbleiben, denn die Beziehungen zwischen Körper und Liebe waren im Mittelalter keine Selbstverständlichkeit. Auf der einen Seite priesen die höfischen Romane die Liebe, auf der anderen wurde sie von der Kirche aufgeteilt und war strikt auf die Ehe beschränkt, die seit dem 11. Jahrhundert mit einer Zeremonie geschlossen wurde und reglementiert war.

Aber die Literatur schmückte zweifellos die Realität aus. Die ritterliche oder »höfische« Liebe war sogar vielleicht eine Art, das völlige Fehlen von Sexualität und Leidenschaftlichkeit zu bemänteln. Es war eine Epoche, die dem freien Ausleben des Körpers und den Regungen des Herzens nicht so günstig war, wie es die Romane und die Lieder ausmalten. Kriege und Kreuzzüge ließen dem Liebesabenteuer nur wenig Raum, auch wenn sogar viele Kreuzfahrer nach Jerusalem aufbrachen, um eine Frau zu nehmen, wie es der Chronist Fulcher von Chartres bezeugt, angesichts der Ehelosigkeit, die durch das Bevölkerungs-wachstum ausgelöst worden war.
In den Erzählungen wurden zunächst Blicke gewechselt - was wieder einmal zeigt, daß der Augensinn im Mittelalter der wichtigste war -, und wenn der Funke übergesprungen war, gab der Verliebte immer häufiger Seufzer von sich, bat flehentlich, und schließlich wurde der Geliebte mit einem Kuß geadelt, am Ende war er dann der Liebhaber.
Der Roman de la rose erteilt sogar subtile, unvergleichliche Lektionen der sexuellen Freuden: »Und wenn sie sich dann ans Werk machen, soll jeder von beiden so sorgfältig und genau darauf achten, daß die Lust unfehlbar im selben Moment bei beiden eintritt ... Es darf nicht sein, daß einer den anderen hinter sich läßt; sie dürfen nicht aufhören zu segeln, bis sie gemeinsam den Hafen erreichen; so werden beide die vollkommene Sinnenlust kennenlernen.« />>>>>>

Vorwort
Die Abenteuer des menschlichen Körpers

Eine Geschichtsschreibung, die diesen Namen eher verdient als die zaghaften Versuche, auf die uns heute unsere Mittel beschränken, hätte ihren Platz bei den Abenteuern des menschlichen Körpers.
Marc Bloch, Die Feudalgesellschaft (1939)

Warum müssen wir uns mit dem Körper des Menschen im Mittelalter beschäftigen? Weil er zu den größten Forschungslücken in der Geschichts-schreibung gehört; die Historiker haben ihn einfach vergessen. Die traditi-onelle Geschichtsschreibung war tatsächlich körperlos; sie befaßte sich mit Männern, gelegentlich auch mit Frauen, aber fast immer wurde der Körper übersehen, als ob sein Leben jenseits von Zeit und Raum angesiedelt sei, eingefroren in der unterstellten typischen Starre. Meist ging es darum, die Mächtigen zu beschreiben: Könige und Heilige, Krieger und Grundherren, auch andere bedeutende Gestalten aus untergegangenen Welten; sie mußte man wieder auffinden, rühmen, auch zu Mythos erheben, je nach Anlaß und den Erfordernissen des Augenblicks. Wenn man diese Wesen wieder in ihre heraus¬ragende Rolle zurückbefördert hatte, dann waren sie gänzlich ohne Fleisch und Blut; ihre Körper waren nur Symbole, Darstellungen und Figuren, ihre Taten nur Thronfolge, Messen lesen, Schlachten, Abenteuer. Aufgezählt, beschriftet und hingestellt wie Steinsäulen, sollten sie den Takt der Weltgeschichte angeben. Aber für den gewaltigen Gezeitenstrom der einfachen Menschen, die ihren Ruhm, auch ihren Sturz begleitend mitverfolgten, genügte die einfache Benennung als Volk, um ihre Geschichte, ihre Wut, ihren Alltag, ihre Irrtümer und Sorgen zu beschreiben.

Michelet war die Ausnahme; er löste Entrüstung aus, als er der Fistel Ludwigs XIV eine wichtige historische Rolle zuschrieb. Auguste Brachet, Mediziner, Positivist und Schüler Littres, legte eine bemerkenswerte Studie auf der Grundlage der Vererbungslehre vor: Pathologie mentale des rois de France (1903); sie hatte keinerlei Einfluß auf die Historiographie. Nur der Marxismus am äußeren Rand der Geschichtsschreibung und eher als Ideologie und Philosophie geltend, hatte sich vorgenommen, insbesondere mit dem Begriff Klassenkampf die traditionelle Konzeption der Historiographie umzustürzen.
Die neuere historische Schule, nach ihrer Zeitschrift Annales benannt, wollte eine Geschichte der Menschen, eine umfassende, globale Geschichtsschreibung ins Leben rufen; sie widmete sich der »longue duree« (den langsamen Rhythmen der einfachen Leute und der Natur), den Gefühlen, dem Alltag und dem Spirituellen. Auch wenn Geschichte häufig aus der Sicht der Sieger geschrieben wurde, wie Walter Ben¬jamin meinte, so war sie doch, wie Marc Bloch anmahnt, für lange Zeit ihres Körpers beraubt, ohne Fleisch und Blut, ohne Eingeweide, ohne Freuden und Trübsal. Man mußte der Historie den Körper zurückgeben - und dem Körper seine Geschichte.

Denn der Körper hat tatsächlich eine Geschichte. Die Vorstellungen vom Körper, sein Rang in der Gesellschaft, seine Gegenwart in der Phantasie und in der Realität, im Alltag und in Ausnahmesituationen haben sich in allen historischen Gesellschaften immer wieder neu gestaltet. Besonders augenfällig war der Wandel von der griechisch-römischen Antike mit ihrer Gymnastik und ihren sportlichen Wettkämpfen hin zur mönchischen Askese und zum ritterlichen Geist im christlichen Mittelalter. Überall wo ein Wandel in der Zeit vor sich geht, da ist Geschichte. Die Geschichte des Körpers im Mittelalter ist ein entscheidender Teil der Gesamtgeschichte des Mittelalters.
Die Dynamik der mittelalterlichen Gesellschaft und ihrer Kultur speist sich aus Spannung, Gegensatz und Widerstreit: zwischen Gott und dem Menschen, zwischen Mann und Frau, zwischen Stadt und Land, Hoch und Niedrig, Reichtum und Armut, zwischen Verstand und Glaube, zwischen Gewalt und Frieden.
Die schmerzhaftesten Spannungen aber herrschten zwischen Körper und Seele, ja noch mehr im Innern des Körpers selbst.
Auf der einen Seite wurde der Körper verachtet, verurteilt und erniedrigt. Das Seelenheil erlangte der Mensch durch körperliche Züchtigung. An der Schwelle zum Mittelalter bezeichnete Papst Gregor der Große den Körper als »abscheuliches Gewand der Seele«. Das Idealbild des Menschen in der Gesellschaft des Mittelalters, der Mönch, tötete seinen Körper ab. Ein rauhes Büßerhemd auf der nackten Haut galt als Zeichen tiefster Frömmigkeit. Enthaltsamkeit und Nüchternheit gehörten zu den stärksten Tugenden, Völlerei und Unzucht zu den schlimmsten Todsünden. Die Erbsünde, Quelle des menschlichen Elends, wird in der Schöpfungs¬geschichte als eine Sünde des Hochmuts und Ungehorsams gegenüber Gott beschrieben; im Mittelalter verwandelte sie sich in eine geschlechtliche Sünde.
Der Körper war der große Verderber und Verlierer in dieser abgeänderten Version des Sündenfalls von Adam und Eva. Der erste Mann und die erste Frau wurden verurteilt zu Arbeit und Schmerzen: harte körperliche Arbeit und Gebären der Kinder unter körperlichen Schmerzen; außerdem mußten sie die Nacktheit ihres Körpers verhüllen. Aus diesen körperlichen Strafen für die Ursünde hat man im Mittelalter extreme Schlüsse gezogen.
Im 13. Jahrhundert allerdings betonten die meisten Theologen, daß der Körper im irdischen Leben sehr wertvoll sei. Der heilige Bonaventura unterstrich, wie vortrefflich die aufrechte Haltung des Menschen sei; da die Bewegung von unten nach oben den Vorrang habe, entspreche sie genau der Hinwendung der Seele zu Gott. Gleichzeitig beharrte er darauf, wie wichtig die Geschlechtlichkeit sei, weil sie zur Vollkommenheit der menschlichen Natur beitrage, die auch nach der Auferstehung im Paradies erhalten bleibe, dies nicht wegen der Fortpflanzung, die ja dann keinen Sinn mehr habe, sondern um der Vollkommenheit und Schönheit der Auserwählten willen. Darüber hinaus meinte Thomas von Aquin sogar, das körperliche Vergnügen sei ein unentbehrliches Gut des Menschen, das aber vom Verstand gelenkt werden müsse zugunsten der höheren Freuden des Geistes; die sinnlichen Leidenschaften trügen dazu bei, die spirituelle Kraft zu beflügeln.
So wurde andererseits der Körper im mittelalterlichen Christentum auch glorifiziert. > > > >

Das Christentum:
Ursache des allgemeinen Rückschritts

Es bedurfte einer bedeutenden Glaubensmacht wie auch der ökonomischen, sozialen und geistigen Struk-turen, damit diese Kehrtwende gelingen konnte. Der Betreiber dieser Wende, dieser geistigen Verengung war das Christentum. So führte die institutionalisierte christliche Religion im Abendland eine entscheidende Neuerung ein: die Umdeutung der Erbsünde in eine sexuelle Verfehlung.
Das war auch neu innerhalb des Christentums selbst; in seinen Anfängen findet sich keine Spur einer solchen Gleichsetzung. Auch in der Schöpfungsgeschichte des Alten Testaments steht kein Wort, das darauf schließen ließe. Die Ursünde, die Adam und Eva aus dem Paradies vertrieb, war eine Sünde der Neugier und des Hochmuts. Es war »der Wille zu wissen«, der die beiden ersten Menschen verleitete, als sie vom Teufel in Versuchung geführt wurden, die Frucht vom Baum der Erkenntnis zu essen. In gewissem Sinn wollten sie Gott eines seiner wichtigsten Attribute rauben. Der Körper nahm an dieser Verfehlung überhaupt nicht teil. »Und das Wort ward Fleisch«, heißt es im Johannesevangelium (I,14). Das »Fleisch« war mithin ganz unverdächtig, weil es von Jesus Christus ebenfalls erlöst wurde, als er beim letzten Abendmahl denen, die sein Fleisch aßen und sein Blut tranken (Brot und Wein), das ewige Leben versprach.
Allerdings gibt es einige frühe Ankündigungen für eine Verteufelung der Sexualität und der Frau bei Paulus, zweifellos aufgrund persönlicher Schwierigkeiten in seinem Leben. »Denn wenn ihr nach dem Fleisch lebt, so werdet ihr sterben müssen; wenn ihr aber durch den Geist die Taten des Fleisches tötet, so werdet ihr leben«, heißt es im Römerbrief 8,13. Das Fleisch »dient zu nichts«, weil Gott zur Prüfung der Sünde seinen eigenen Sohn eingesetzt hat, indem er ihm einen menschlichen Körper gab, einen »allzumenschlichen«, wie Nietzsche es nannte. Die Verdammung der »fleischlichen Sünde« wurde demnach durch eine geschickte ideologische Wendung herbeigeführt.

Jean Le Viste, Herrn von Arcy (Ende 15. Jh.)
Bilderteppich "Der Geruchssin" aus der Teppichserie "Die Dame mit dem Einhorn" gefertigt für
Jean Le Viste, Herrn von Arcy (Ende 15. Jh.)

>>>>>> Aber die Menschen sahen auch die Bilder von Maria, der Mutter Gottes und Erlöserin, mit ihrer sakralen Schönheit, die zur profanen weiblichen Schönheit in starkem Kontrast stand. Der Körper Marias wurde zwar weniger bewundert, aber ihr schönes Gesicht prägte sich ein. Diese beiden Frauengesichter mit je eigenen Schönheit wurden vor allem seit dem 13. Jahrhundert in der gotischen Kunst Leitbilder eines schönen Frauengesichts 7

Dieses Motiv von der Doppelnatur der Frau taucht auch im Gleichnis von den klugen und den törichten Jungfrauen auf (Mt 25,1-13): »Zehn Jungfrauen erwarten die Ankunft des Bräutigams. Als er schließlich eintrifft, haben fünf von ihnen ihre Lampe mit Öl gut versehen und angezündet; das sind die klugen. Fünf sind eingeschlafen und haben die Lampe verlöschen lassen. Das sind die törichten. Der Evangelist schließt mit den Worten: >So wachet nun, denn ihr wißt weder den Tag noch die Stunde» Dieses Motiv haben gotische Bildhauer verwendet, um das doppelte Gesicht der Frau zu schaffen und die Aufmerksamkeit auf ihre körperliche Anwesenheit und ihr Verhalten zu lenken.

Das Bad

Genauso wie die Stadien im Mittelalter und damit jede sportliche Betätigung verschwanden, wurden die antiken Thermen nicht mehr genutzt, und es gab keine öffentlichen Bäder mehr. In seinem Buch Die Hexe bemerkt Michelet dazu: »1000 Jahre lang kein Bad!« Diese Behauptung trifft so nicht zu; die Menschen des Mittelalters haben gebadet, aber wir wissen recht wenig über die privaten und häuslichen Badegewohnheiten in dieser Epoche.

Andererseits beobachten wir, wie sich besonders in Italien ein regelrechter Kurbäderrummel an den Thermalquellen entwickelte, und das offenbar nicht unter dem Einfluß der aufkommenden öffentlichen Bäder in Byzanz oder im islamischen Orient während des 7. Jahrhunderts unter den Omajjaden. Auch die Abbasiden verbreiteten die öffentlichen Bäder im Maghreb und im vorderen Orient und führten sie schließlich auf der Iberischen Halbinsel ein, so daß man von einem »Bei¬spiel für den muslimischen Universalismus« sprechen konnte.
Allerdings fand diese Art von öffentlichen Bädern, das Hammam, im christlichen Abendland des Mittelalters keinerlei Nachahmer. In Italien dagegen, vor allem in der Toskana, aber auch im christlichen Teil Iberiens, in England und in deutschen Regionen entstanden Badeorte bei den Thermalquellen.

Das prominenteste Beispiel ist Pozzuoli nördlich von Neapel. Der Ruhm dieses Badeortes wurde im 13. Jahrhundert durch das allbekannte Gedicht De balneis Puteolaneis von Pietro d'Eboli noch erhöht; einige Handschriften des Gedichts sind reich illustriert. Der Körper im Bad konnte sehr beziehungsreich in einem Kontext vorgeführt werden, der an die Taufe denken ließ.

Öffentliche Badeanstalten kamen aber auch in den meisten Städten der Christenheit, sogar in kleinen Orten auf: die Dampfbäder. Allerdings waren sie jetzt nicht mehr gesellschaftlicher Mittelpunkt und Treffpunkt wie die antiken Thermen, auch von Anfang an kein Ort für Verabre-dungen, Gespräche, gemeinsame Trinkgelage und Feste.

Eine wohlbekannte unerfreuliche Nebenerscheinung der Dampfbäder war allerdings die Prostitution, die von der Kirche unerbittlich verfolgt wurde. Man hat gelegentlich versucht, den Unterschied zwischen dem Hammam der Muslime und den Dampfbädern der Christen mit einem unterschiedlichen Schamgefühl zu erklären, aber das hat nichts damit zu tun. Erst in der Renaissance verurteilten die Europäer den nackten Körper und zeigten ihn immer seltener in der Öffentlichkeit.

Im Mittelalter dagegen schreckten die Menschen in den Bädern und im Bett nicht vor der Nacktheit zurück.

 

Eine Kultur der Gesten

Vor dem 13- Jahrhundert, also bevor der städtische Handel und die Verwaltung sich überall ausbreiteten und die Entwicklung der Schriftdokumentation förderten, verließ sich die mittelalterliche Gesellschaft überwiegend auf mündliche Abmachungen und Verträge. Deshalb spielten die Körpergesten damals eine ganz besondere Rolle. Auch das Schreiben, eine Fertigkeit, die fast ausschließlich den Geistlichen vorbehalten blieb, war im Grunde eine mit der Hand ausgeführte, wichtige und angesehene Geste. Verträge und Eide waren von bestimmten Gesten bekleidet. Beim Ritual der Vasallenhuldigung legte der Vasall seine beiden Hände zwischen die Hände seines Lehnsherrn, und dieser umschloß sie mit seinen beiden Händen (immixtio manuum). Der anschließende Vasallenkuß (osculum) zeigte und symbolisierte, daß der Lehnsherr ihn in seine familia aufgenommen hatte. »Durch Mund und Hand« war er zum Vasallen geworden - auch das Gebet, der Segen, das Schwingen des Weihrauchfasses, das Sündenbekenntnis und zahlreiche andere Teile der Liturgie und allgemein der Religionsausübung wurden mit festgelegter Gestik ausgeführt.


Die französischen Heldengedichte (Chansons de geste) gehörten zum beliebtesten literarischen Genre im Mittelalter. >>>>>>

Buchmalerei "Die Legende von den drei Lebenden und den drei Toten" (14,Jh.)
Buchmalerei "Die Legende von den drei Lebenden und den drei Toten" (14,Jh.)
Paulus war von dem Glauben an das nahe Weltende getragen und steuerte einen weiteren Stein zum antisexuellen Lehrgebäude bei: »Das sage ich aber, liebe Brüder: Die Zeit ist kurz. Fortan sollen auch die, die Frauen haben, sein, als hätten sie keine«, verkündet er im 1. Korintherbrief (7,29).
Der Begriff Unzucht taucht schon im Neuen Testament auf; von der Lüsternheit sprechen die Kirchenväter, und die Wollust schließlich faßt alle Sünden wider Gott im Kanon der »Todsünden« zusammen; er wurde zwischen dem 5. und dem 12. Jahrhundert etabliert und entwickelte sich allmählich zur Triade der heftigen Abneigung der Geistlichen gegen die Sexualität.
Paulus hat wohl diesen umfassenden Rückschritt nicht konzipiert, aber Augustinus (354-430), Zeuge und Vermittler der neuen Sexualethik des Christentums am Ausgang der Spätantike, verlieh ihr die existentielle und geistige Legitimität. Der Verfasser der Bekenntnisse und des Gottesstaates war Konvertit; seine Lebensgeschichte ist sehr gut bekannt. Als Sohn der frommen Christin Monika und des Patricius ging der junge Aufsteiger als Präfekt nach Nordafrika, im 4. Jahrhundert n. Chr. römische Kolonie, und war in Thagaste und Karthago, der Stadt der Göttin Venus, als Rhetoriklehrer tätig. Nach Jahren der Ausschweifungen und unstetigem Leben hatte er ein mystisches Erlebnis, als er in Mailand >>>>>
 
Ende der Auszüge

 

© - Copyright:
Klett-Cotta Verlag
Sämtliche Fotos, Text, Layout und Desig
n Kultur Fibel Verlag GmbH, Berlin - Anfrage -
und
JBM-marketing, PF 140315, D-40073 Düsseldorf

Oper-Ballett:
Oper La Traviata - Oper La Boheme - Oper Entführung aus dem Serail - Oper Die Liebe zu den drei Orangen - Oper Die Zauberflöte Oper Cosi fan tutte - Oper Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny - Oper Die Teufel von Loudun - Oper Der Waffenschmied Oper Simon Boccanegra - Oper Orelando paladino - Oper Carmen - Oper Armida - Oper Der Spieler, Hrpok - Oper Fidelio Oper Agrippina - Oper Der Türke in Italien - Oper Der Goldene Hahn - Ballett Dornröschen - Ballett Schneewittchen Ballett Tanzgeschichte - Ballett Carmen Flamenco - Ballett Der Nussknacker
Ballett Martha Graham Company

Interviews:
Interview Lola Müthel - Interview Herbert Bötticher - Interview Ruth Drexel - Interview Ute Lemper -
Interview Wolfgang Spier
- Interview Judy Winter - Interview Romuald Pekny - Interview Helmut Griem