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Auszüge |
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DIE KALTE SCHÖNHEIT
UND DIE SCHWIERIGKEIT EINER BIOGRAPHIE |
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Im Oktober 39 v.Chr. fand in
Rom eine Hochzeit statt, deren Umstände mehr als bemerkenswert waren.
Der festliche Zug, in dem die Braut bei Ein |
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Christiane
Kunst |
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lehrt
seit 1995 Alte Geschichte an der Unuversität Potsdam. Sie hat zahlreiche Veröffentlichungen zur Kulturgeschichte der Antike vorgelegt. |
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| Seine
Feinde sprechen abschätzig von Octavianus. Sie erinnern damit bewußt
an die vergleichsweise bescheidene Herkunft des 24jährigen Ehrgeizlings. Zusammen mit Marcus Antonius und Marcus Aemilius Lepidus bildet Octavian seit vier Jahren das sogenannte zweite Triumvirat, das die Geschicke der römischen Welt beherrscht. Im November 43 v. Chr. hatten diese drei Männer ein Zweckbündnis zunächst auf fünf Jahre geschlossen. Sie wollten das politische Erbe Caesars gegen die alte Aristokratie sichern. Denn der römische Adel drohte wieder zu erstarken. Das Triumvirat war in Rom unter der Bezeichnung »Dreimännerherrschaft zur Ordnung des Staates«, formal anerkannt, garantierte den Dreien unumschränkte Befehlsgewalt und beruhte fast ausschließlich auf ihrer militärischen Macht. Diese Konstellation resultierte aus Machtkämpfen in und um Rom, die Jahrzehnte gedauert hatten. Der Aufstieg zur Großmacht hatte in Rom eine politische Dauerkrise ausgelöst: Das alte oligarchische System der Republik war unaufhaltsam aus den Fugen geraten. Einer der Konflikte bestand darin, daß einzelne Aristokraten für ihre Erfolge als Heerführer im Zuge der Expansion politische Vorrangstellungen forderten. In immer erbitterteren Bürgerkriegen richtete die Republik sich allmählich zugrunde. Caesar hatte schließlich eine nahezu unangefochtene Macht errungen, nachdem er Gnaeus Pompeius besiegt hatte. Im Februar 44 ließ er sich zum Dictator auf Lebenszeit ernennen und war damit Alleinherrscher — in der römischen Republik ein unvorstellbarer Skandal, an dem sich zeigte, das die alte Republik untergegangen war. > > > |
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Livia
als Göttin Ceres mit Ährenbündel und Füllhorn. Die Nodusfrisur deutet auf eine Datierung vor dem Tod des Augustus © Louvre, Paris |
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Liviaportrait
nach dem Tod des Gatten mit neuer Frisur » Ceres Typ mit vittae« 14 n. Ch. - 42 n. Chr. Römisch-Germanisches Museum, Köln |
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Liviaportrait
» Fayum Typ « 4 n. Chr. - 14 n. Chr. © Carlsberg Glyptothek Kopenhagen |
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Portrait
der vergöttlichten Livia » Diva Augusta Typ « ab 42 n. Chr. © Ruhruniversität Bochum |
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Liviaportrait
» Allbani BonnTyp « aus schwarzem Basalt, 27nv. Chr. - 14 n. Chr. © Louvre, Paris |
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| Die
Ideale Ehefrau - Noch eine Rolle für Livia > > > Als letztes geht der Witwer auf die äußere Erscheinung seiner Ehefrau ein und lobt sie dafür, daß ihr Äußeres nicht so auffällig war, daß man hinschauen mußte (ornatus non conspiciendi). Alle hier ausführlich ausgebreiteten Stereotypen weiblicher Lebensführung kommen in zahlreichen Grabinschriften für römische Ehefrauen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten vor. Sie alle sprechen kaum von tatsächlichen Lebensgewohnheiten der Frauen, sondern über das allgemeine Frauenideal. Diese Ideale unterlagen allerdings kaum einem Wandel in den ersten zwei Jahrhunderten des Principats. Paternus schreibt über Urbana, die süßeste, keuscheste und einzigartigste Ehefrau, sie habe sich einen Grabstein verdient, weil sie ihr ganzes Leben mit mir verbrachte in höchstem Frohsinn und Einfachheit, in ehelicher Zuneigung und dem ihr eigenen Fleiß. Und knapp zusammengefaßt heißt es von Marcus Frau Amymone: Hier liegt Marcus (Frau) Amymone, die beste und schönste, eifrig mit ihrer Wolle, fromm, sittsam, sparsam, keusch, zufrieden im Hause zu bleiben. |
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also
aufgrund persönlicher Beziehungen. Dreh- und Angelpunkt ist die Vorstellung
vom Gabentausch — do ut des (ich gebe, damit du gibst). Alle mächtigen
und einflußreichen Männer fungierten als Patrone einer Anhängerschaft,
deren Größe wiederum den Einfluß der Patrone selbst dokumentierte.
Voraussetzungen für Patronage war die Vermittlung sowie der Austausch
von Diensten und Gütern. Ein reziprokes aber asymmetrisches Verhältnis
gliederte entsprechend die Gesellschaft zu einem Geflecht derartiger Patronagebeziehungen.
Davon waren Frauen nie ganz ausgeschlossen gewesen. Caecilia Metella, eine
Tochter des Balearicus und Patronin des von Cicero verteidigten Sextus Roscius,
bot ihrem Klienten Zuflucht und Hilfe;. Servilia, die durch ihren Einfluß
einen Senatsbeschluß abzuändern vermochte (vgl.
S. 6i f.), oder Cornelia, die ihren Sohn Caius Gracchus zur Neuformulierung
eines Gesetzesvorschlags bewegte und damit den Volkstribun Octavius rettete,
sind Immer wieder fällt im Zusammenhang mit Livia der Begriff potentia, Macht. Velleius verweist auf den wohlüberlegten und immer positiven Einsatz von Livias potentia: zur Errettung einer Person aus Gefahr oder zur Rangerhöhung (vgl. S. 157). Tacitus kritisiert ihre »Umgänglichkeit«, Kameradschaft (comitas) und Unkompliziertheit (facilitas), also jene Indikatoren für die ihm suspekte Patronage einer Frau, obgleich dies auch für Frauen eingeführte und positiv belegte Begriffe sind (vgl. S.111). Aber auch Tacitus spricht von der potentia der Augusta, und Sueton betont, daß Tiberius (Anm.: Tiberius, Claudius, Nero, römischer Kaiser 14 n.Chr. - 37. n.Chr., * 16.11.42 v.Chr., † 16.3.37 n. Chr.) es nicht ertragen konnte, daß seine Mutter (Livia) einen gleich großen Anteil an der potentia beanspruchte. Materielle Voraussetzungen besaß Livia in großer Fülle. Ideelle waren in erster Linie ihr Zugang zum Princeps und ihre persönliche Bekanntschaft mit den Klientelfürsten, aus der sich Freundschaften entwickelten. Privatpersonen wie Gemeinden gehörten somit zum Kreis der von ihr Protegierten. Beide Gruppen wurden 29 n.Chr. in ihrem Testament bedacht. Es ist interessant zu beobachten, wie Livias Patronage geradezu »Matronage« zu nennen ist, nicht nur weil sie als Frau — als Matrona — handelte, sondern auch, weil sie Frauen und Frauenbelange förderte. Schon Aristoteles (1315a,2.5) hatte in seiner Politeia über den Erhalt der Tyrannenherrschaften gesagt, der Tyrann dürfe nicht übermütig gegen seine Untertanen handeln: In gleicher Weise müssen sich auch die eigenen Frauen gegenüber den anderen Frauen verhalten, weil durch den Übermut der Frauen viele Tyrannenherrschaften zugrunde gegangen sind. Livia war äußerst gebildet; überzeugte sie ihren Mann, daß man auch die Ehefrauen bedeutender Männer hofieren und ehren mußte, um durch sie Loyalität zu sichern? Livias Handlungsfeld betraf die bedeutenden Frauen Roms (vgl. S. 232.). Vielleicht war es nur ein Nebeneffekt, aber es gelang ihr, ein Frauennetzwerk aufzubauen, indem sie Frauen Gunstbeweise zukommen ließ, die darin bestanden, daß sie deren Ehemänner oder Kinder förderte. Dadurch wurden diese Frauen selbst quasi zu Vermittlerinnen der beneficia (Wohltaten) und stabilisierten somit wiederum Livias Einfluß. Tiberius nennt dies abfällig Weiberfreundschaften. Die Tatsache, daß Agrippa Postumus nicht aus dem Exil geholt wurde, verdankte Livia der Information einer Frau. Fabius Maximus, den der greise Augustus in seinen Plan eingeweiht hatte, erzählte seiner Frau Marcia davon, die es umgehend Livia mitteilte. Marcia war die Cousine des Augustus; man hätte wohl erwarten können, daß sie ihm mehr Loyalität entgegenbrachte. Livias Matronage umfaßte Aufgaben,
wie sie eine mater familias im Rahmen der domus ihres Mannes zukamen. Dazu
gehörte die Auszahlung einer Mitgift oder die Erziehung von jungen Männern
in ihrem Haus, die nicht der Familie angehörten (vgl.
S. 15 8). Aber sie scheint auch schon zu Lebzeiten des Augustus ihre
angestammte Familie gefördert zu haben, etwa ihren Adoptivbruder und
dessen Sohn sowie die mit diesen verwandten Sentii. Dazu kam ein Engagement
für Frauen im allgemeinen, Stiftungen und Restaurierungen von Tempeln
für Kulte, die mit Frauenbelangen verbundenen waren; ihr baupolitisches
Programm unter den Stichworten »Erholung« (porticus Liviae) und
»Einkauf« (macellum Liviae). Bereits die öffentlichen Stiftungen
kann man daher als Vorwegnahme einer Rolle als mater patriae sehen. Livias langer Weg zur Staatsgottheit - S 271 - > > > > |
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Auch der Schlachter Lucius Aurelius Hermia vom Viminalhügel in Rom setzte seiner Frau und ehemaligen Sklavin einen Grabstein mit den Worten: Sie, die mir im Tod vorangegangen ist mit keuschem Körper, war meine eine und einzige Frau, mit einem liebenden Sinn lebte sie treu ihrem treuen Mann; immer fröhlich, selbst in bitteren Zeiten, vernachlässigte sie nie ihre Pflichten. Auf der Rückseite des Steins spricht Aurelia Philematium selbst und beschreibt sich als: eine Frau keusch und bescheiden, ohne Kenntnis des gewöhnlichen Volkes, treu dem Mann. Stolz vermerkt sie: durch meine beständige Sorge ging es meinem Mann in allem gut. Auch über Allia, ebenfalls eine Freigelassene, heißt es:
Livia duldete angeblich nicht nur die sexuellen Eskapaden des Augustus, sondern — will man Sueton Glauben schenken — förderte diese auch noch. Sueton (Aug. 71,1) präzisiert: Man überliefert, Vorliebe des Augustus sei die Deflorierung von jungen Mädchen gewesen; seine Frau habe ihm diese Mädchen von überallher zugehalten. Die Promiskuität des Augustus ist wenig strittig und es ist durchaus denkbar, daß er, der zeitlebens so viel Geschmack an jungem Fleisch fand, mit Livia nach Eintritt der Menopause überhaupt nicht mehr verkehrte. So wird bereits im Jahr 9 v. Chr. ihr Hausstand als abgetrennt n dem des Herrschers wahrgenommen. Plinius d. Ä. spricht von einer körperlichen Abstoßung (dissociatio corporum) des Paares, die zur Unfruchtbarkeit geführt habe. MACHT
ODER EINFLUSS. |
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Ende der
Auszüge |
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