Kultur Fibel Magazin
Kinderbuch, Das Geheimnis der weissen Katze
 

 

Das Geheimnis der weißen Katze

Katzem Geschichten
Gesellschaftsmagazin
12 zauberhafte Katzen Geschichten aus aller Welt
Residenz Verlag
112 S. HC / € 16,90
im Buchhandel
oder Kultur Fibel Verlag
RG. + Porto EUR 3,50
Weitere Buchempfehlungen
Buchempfehlungen
Inhaltsverzeichnis
Textauszüge

Russland

DER ALTE KATER UND DIE WILDKATZE

Es war einmal ein Mann, der wohnte in einem Haus am Rand eines gro¬ßen Waldes. Dieser Mann hatte einen Kater, der ein guter Mäusefänger war. Wenn der Kater von der Mäusejagd kam, fand er seine Milchschüssel gefüllt, und von den Mahlzeiten seines Herrn fielen Leckerbissen für ihn ab. Nachts musste der Kater im Bett seines Gebieters schlafen und ihm die Füße wärmen. Der Mann und sein Kater waren miteinander zufrieden, und so ging das viele Jahre.
Der Kater wurde älter und älter und war endlich ein alter Kater, der sich beim Mäusefangen manchmal schon recht schwer tat. Immer öfter legte er sich an den warmen Ofen, anstatt im Bett die kalten Füße seines Herrn zu wärmen. Und dann kam ein Tag, an dem der alt gewordene Kater keine einzige Maus fing.

Am nächsten Morgen, als er friedlich schnurrend am Ofen lag, kam sein Herr und sagte zu ihm: „Du Nichtsnutz, dich kann ich nicht mehr brauchen. Du bist mir keinen Schluck Milch mehr wert." Er packte den alten Kater, trug ihn in den Wald und setzte ihn dort nieder. „Du musst dir dein Essen jetzt selber fangen", sagte er. „Und komm nicht mehr nach Hause! Ich habe schon einen jungen, kräftigen Kater bestellt, der wird ab heute deine Arbeit tun. Wag ja nicht zurückzukommen, sonst fällt er über dich her!"

Da saß der alte Kater nun im Wald. Es roch nach Moos und Fichtenzapfen und Heidelbeeren, und er war hungrig und allein und wusste nicht, was er tun sollte. „Wie soll denn ein alter Kater, der nicht mehr recht laufen kann, sein Essen selber fangen?", dachte er und fing vor Verzweiflung laut zu miauen an.
Im Wald wohnte eine Wildkatze, die hörte das traurige Gemaunze und kam gelaufen. Als sie den alten Kater erblickte, fragte sie: „Warum miaust du so jammervoll?"
"Ach", maunzte der alte Kater, „mein Herr hat mich gepackt und in den Wald getragen, weil ich kein guter Mäusefänger mehr bin. Er hat schon einen neuen, jungen Kater bestellt, der wird über mich herfallen, wenn ich es wage zurückzukommen. Und jetzt sitze ich ganz allein im Wald und soll mir mein Essen selber fangen. Aber das kann ich doch nicht mehr!"
„Kränk dich nicht", sagte die Wildkatze. „Sei froh, dass du diesen undankbaren Herrn los bist. Schnurr dir deinen Kummer weg, dann wird es dir gleich besser gehen."
„Schnurren kann ich vielleicht noch ein bisschen", sagte der alte Kater traurig, „aber verhungern werde ich trotzdem."
„Mein lieber Kater", antwortete die Wildkatze, „ich bin jung und stark, ich kann für uns beide auf die Jagd gehen. Wollen wir zusammenbleiben? Ich bin auch allein. Wir beide miteinander, das wird ein schönes Leben sein."
"Ach", sagte der alte Kater. „Du willst wirklich für mich sorgen? Aber ich kann dir doch dafür nichts geben!"

„Du kannst mir manchmal etwas vorschnurren”, sagte die Wildkatze. „Bleib jetzt hier sitzen, ich hole uns was zu essen." Und schon war sie fortelaufen.
Sie kam bald zurück, und dann aßen sie miteinander. Zum Dank schnurrte der Kater, und beide waren glücklich. So ging das einige Tage.
Eines Morgens traf die Wildkatze, als sie durch den Wald streifte, um das Frühstück zu holen, den Wolf und den Bären und den Fuchs und das Wildschwein, die auf einer Lichtung saßen und miteinander tuschelten. Unweit von ihnen sah sie hinter einem Busch einen Hasen sitzen, der seine langen Ohren spitzte, denn er wollte wissen, was der Fuchs und der Wolf und der Bär und das Wildschwein zu besprechen hatten. Die Wildkatze lief auf die Lichtung und fragte:
„Was ist los? Was habt ihr zu tuscheln?"
„Nun ja", sagte der Fuchs, „da wohnt seit ein paar Tagen ein fremder Kater in unserem Wald."
Und der Bär brummte: „Wir sind in Sorge, dass er uns von hier vertreiben will."
„Ja", grunzte das Wildschwein.
„Und", fiel der Wolf ein, „wir haben auch beobachtet, dass du diesem fremden Kater zu essen bringst. Du, eine freie Wildkatze, schön und stark, machst dich zu seiner Dienerin! Ist dieses Katzenvieh vielleicht mächtiger, als es aussieht?"
Die Wildkatze dachte kurz nach und antwortete dann: „Ihr habt es erraten. Dieser Kater ist ein mächtiges, wildes Tier, das keinen verschont, der ihm nicht dienen will!"
„Ich habe mir so was gedacht", meinte der Wolf.
>>>>>>
Ende der Textauszüge

© - Copyright:
Residenz Verlag
Sämtliche Fotos, Text, Layout und Desig
n Kultur Fibel Verlag GmbH, Berlin, und JBM-marketing, PF 140315, D-40073 Düsseldorf

Oper-Ballett:
Oper La Traviata - Oper La Boheme - Oper Entführung aus dem Serail - Oper Die Liebe zu den drei Orangen - Oper Die Zauberflöte Oper Cosi fan tutte - Oper Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny - Oper Die Teufel von Loudun - Oper Der Waffenschmied Oper Simon Boccanegra - Oper Orelando paladino - Oper Carmen - Oper Armida - Oper Der Spieler, Hrpok - Oper Fidelio Oper Agrippina - Oper Der Türke in Italien - Oper Der Goldene Hahn - Ballett Dornröschen - Ballett Schneewittchen Ballett Tanzgeschichte - Ballett Carmen Flamenco - Ballett Der Nussknacker
Ballett Martha Graham Company

Interviews:
Interview Lola Müthel - Interview Herbert Bötticher - Interview Ruth Drexel - Interview Ute Lemper -
Interview Wolfgang Spier
- Interview Judy Winter - Interview Romuald Pekny - Interview Helmut Griem