Lob der Disziplin
Kultur Fibel Magazin

 

 

Sachbuch


Lob der
Disziplin

Die Disziplin ist die zentrale
Rolle bei der Erziehung

Gesellschaftsmagazin
List Verlag
176 S.gb.
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Ein Beitrag, jungen Menschen zu helfen ihren Lebensweg durch Erziehung mit Disziplin zu finden. In unser sozial entropischen (Verfall und Unordnung) Gesellschaft wird Disziplin als Provokation empfunden.
Aber die gleiche "tadellose" Gesellschaft führt ihre Nachkommen in das Klimadesaster
und in ca. achtzig Jahren zürück in die Steinzeit.
Alfons H. Ellental
Bernhard Bueb

anmutiger, stiller Autorität, aber keinem geringeren pädagogischen Eros als der Argentinier und mit derselben Gefolgschaft der Schüler.
Führen oder wachsen lassen - so charakterisieren wir traditionell die gegensätzlichen Pole der Erziehung. Sie lassen sich im Bild des Töpfers oder des Gärtners anschaulich darstellen.
Der Erzieher, der das Bild des Töpfers zu seiner Leitidee erkoren hat, will den jungen Menschen formen, er greift ein, steuert, fordert heraus, diszipliniert, schafft Freiräume, um ihn auf die Selbstständigkeit vorzubereiten, ja er wird ihn in die Selbstständigkeit und Freiheit zwingen. Wer sich am Bild des Gärtners orientiert, wird eher darauf achten, dass der junge Mensch gute Bedingungen des Aufwachsens vorfindet, er wird ihn mehr fördern als fordern, weniger eingreifen, aber darauf vertrauen, dass er sich selbst diszipliniert, also wenig Zwang und Autorität braucht.
Der Töpfer und der Gärtner repräsentieren zwei legitime Stile der Erziehung, die in Reinform selten vorkommen, meistens treffen wir eine Mischung mit einer Neigung zum einen oder anderen Pol an. Beide Stile bergen Gefahren in sich, der Stil des Töpfers kann in autoritäre Erziehung ausarten und der Stil des Gärtners in Nicht-Erziehung.
Wir wollten nach den Erfahrungen einer autoritären Erziehungstradition, die in einer Diktatur endete, eine Nation von Gärtnern werden, sind aber zu einer Nation von Nicht-Erziehern geworden, denn es herrscht das Missverständnis, dass der Gärtner auf Führung verzichten dürfe. Aber auch er greift ein, beschneidet die Pflanzen, bindet sie an Stangen und bewahrt sie vor Befall und Fehlentwicklung, wenn er ein guter Gärtner sein will.
Erziehung bedeutet immer Führung, diese Wahrheit wird durch den Begriff »Pädagoge« bestätigt. Er stammt aus dem Griechischen und heißt Knabenführer. Wer führt, erwartet Gefolgschaft. Da Kinder nicht gehorsam geboren werden, ignorieren sie Anweisungen, rebellieren gegen Erziehungsmaßnahmen, missachten Gebote und wenden alle Mittel an, um ihren eigenen Willen durchzusetzen. Wutanfälle eines dreijährigen Kindes auszuhalten, dessen Äußerungen ohne Verstand sind, und sich nicht ab und an zu Klapsen oder gar Schlägen hinreißen zu lassen bedarf gehöriger Selbstdisziplin von Vater oder Mutter. Solche Selbstdisziplin wächst mit dem Bildungsgrad der Eltern. Gebildete Eltern wissen, dass Erziehung nicht ohne Konflikte gelingen kann. Sich ihnen zu stellen, nicht gleich nachzugeben und auch die Öffentlichkeit nicht zu scheuen, wenn konsequentes Handeln Ärgernis erregt, braucht Mut zur Erziehung. Supermärkte, Restaurants und Eisenbahnabteile sind beliebte öffentliche Austragungsorte pädagogischer Konflikte. Wer konsequent Unterordnung eines Kindes verlangt, beweist Mut vor Zuschauern, die in Deutschland konsequentes Handeln zu häufig missbilligen. Das gilt auch für die kleinere Öffentlichkeit der weiteren Familie oder der Freunde.
Mut zur Erziehung heißt vor allem Mut zur Disziplin. Disziplin ist das ungeliebte Kind der Pädagogik, sie ist aber das Fundament aller Erziehung. >>>>>>


Freiheit erwirbt man durch Disziplin

Kleine Kinder entwickeln einen Drang zur Selbstständigkeit, der auf den Beobachter einen eigenen Zauber ausübt. »Selbst« oder »allein« heißen die Wörter, die den Willen zur Eigentätigkeit signalisieren. Es tritt in diesem Drang eine genuin menschliche Eigenart in Erscheinung, nämlich der Wille zur Freiheit. Allerdings äußert sich in diesem rudimentären Streben nach Selbstständigkeit nur eine Komponente der Freiheit, nämlich der Drang nach Unabhängigkeit und Selbsttätigkeit. Freiheit ist aber mehr als Unabhängigkeit, sie bezeichnet den Willen und die Fähigkeit, sich selbst ein Ziel zu setzen, dieses Ziel an moralischen Werten auszurichten, mit dem eigenen Leben in Übereinstimmung bringen und konsequent verfolgen zu können. Selbstbestimmung ist der Begriff dafür.
Friedrich Nietzsche hat die Idee der Freiheit als Frage artikuliert: »Frei nennst du dich? Deinen herrschenden Gedanken will ich hören und nicht, dass du einem Joche entronnen bist. (...) Frei wovon? Was schiert das Zarathustra. Hell aber soll mir dein Auge künden: frei wozu?«
Jugendliche - übrigens auch viele Erwachsene neigen zu dem fundamentalen Irrtum, Freiheit mit Unabhängigkeit gleichzusetzen. Sie meinen frei zu sein, wenn sie einer Autorität den Gehorsam verweigern, sich also »frei von« Bevormundung dünken. Diese Gleichsetzung von Freiheit und Unabhängigkeit entspricht jugendlichem Denken. Sie wurde durch den pädagogischen Irrtum vieler Eltern, Lehrer und Erzieher, vor allem auch Erziehungstheoretiker unterstützt, dass junge Menschen Freiheit erwerben, indem man ihnen frühzeitig Freiheit gewährt, Freiheit als Unabhängigkeit von Führung und Autorität. Frei darf sich aber ein Mensch erst nennen, wenn er auf das Wozu eine Antwort geben kann. Die Antwort auf diese Frage entspricht der Antwort auf die Frage: Wer bin ich? Welchen Weg soll ich einschlagen? Was ist Sinn und Zweck meines Lebens?

Freiheit ist kein Zustand, sie ist die späte Frucht einer langen Entwicklung, man erwirbt sie durch unendliche Stadien der Selbstüberwindung, des Wandels von Disziplin zur Selbstdisziplin. »Es gibt manchen, der seinen letzten Wert wegwarf, als er seine Dienstbarkeit wegwarf.« Nietzsche klärt mit diesem Satz, dass man eher weiter dienen sollte, als Unabhängigkeit ohne eine Idee der Selbstbestimmung anzustreben.
Kinder und Jugendliche träumen von der Freiheit, tun und lassen zu dürfen, was sie wollen. Sie sehnen sich nach einem Leben ohne Regeln, Verbote und Anweisungen.

Pippi Langstrumpf, das wunderbare literarische Geschöpf Astrid Lindgrens, verkörpert diese Freiheit. Sie lebt in einer fantasievollen Anarchie, sie befriedigt damit das kindliche Bedürfnis nach Ungebundenheit.
Ihren Mut zum Abenteuer bewundern die Kinder und würden auch gern so mutig sein. Pippi Langstrumpf erfüllt den märchenhaften Traum eines Paradieses der Unabhängigkeit, verbunden mit der Macht, die Störenfriede dieser Unabhängigkeit zu vertreiben.
Astrid Lindgrens »Pippi Langstrumpf« wäre vielleicht in Zeiten des Kaiserreichs nicht verboten, aber mindestens geächtet worden, weil es der Neigung zur Anarchie bei Kindern zu sehr entsprochen hätte.
Der »Struwwelpeter« wirkte zeitgemäßer.

Auch ich bin den Irrweg gegangen und wollte durch scheinbare Gewährung von Selbstbestimmung Jugendliche zu verantwortlichem Handeln erziehen. Als ich als Lehrer und Erzieher im Internat begann, hatte ich mir vorgenommen, mehr Verantwortung auf die von mir betreute Gruppe von Schülern zu übertragen. Ich wollte erreichen, dass sie aus Einsicht ihre Zimmer in Ordnung halten, pünktlich sind, rücksichtsvoll ihre Musik leise drehen, die gemeinsame Küche und Dusche sauber machen und nachts Ruhe halten. Was tut ein Erzieher, wenn er Verantwortung delegieren will? Er zieht sich zurück und gewährt den jungen Menschen die Freiheit, das Vernünftige ohne Gängelung von oben durchzusetzen. >>>>>>

Bernhard Bueb
1938 geboren, studierte Philosophie und katholische Theologie. Von 1974 bis 2005 leitete er die Internatsschule Schloss Salem. Er ist verheiratet und hat zwei Töchter
Auszüge
Vorwort

Mit dieser Streitschrift ziehe ich die Summe meines beruflichen Lebens. Ich möchte einer interessierten Öffentlichkeit die Schlussfolgerungen vortragen, die ich als Vater, Erzieher und Lehrer nach 33 Jahren gezogen habe. Ich werde nicht die Geschichte eines pädagogischen Siegers erzählen. Ich werde von Erkenntnissen berichten, die ich aus meinem Leiden an unserer beschädigten deutschen Erziehungskultur gewonnen habe.
Der Erziehung ist vor Jahrzehnten das Fundament weggebrochen: die vorbehaltlose Anerkennung von Autorität und Disziplin. Wer heute als Erziehender tätig wird, kann einer erziehungsfeindlichen Umwelt, geprägt von einem aggressiven Materialismus, wenig entgegensetzen. Viele irren ziel- und führungslos durchs Land. Denn der Konsens, wie man Kinder und Jugendliche erziehen soll, ist einem beliebigen, individuell geprägten Erziehungsstil gewichen. Es gibt keine Übereinkunft über die Notwendigkeit, die Legitimation und die praktische Ausübung von Autorität und Disziplin.
Unsere pädagogische Kultur in Deutschland wurde durch den Nationalsozialismus in ihren Grundfesten erschüttert. Die Werte und Tugenden, die das Herz der Pädagogik ausmachen, haben sich bis heute nicht vom Missbrauch durch den Nationalsozialismus erholt. Die deutsche Variante der Jugendrevolte nach 1968 war selbst nur eine Folge der deutschen Katastrophe. Wir dürfen nicht hinnehmen, dass der Nationalsozialismus weiterhin unsere pädagogische Kultur beschädigt.
Das zo. Jahrhundert war pädagogisch ein Jahrhundert der Extreme. Die pervertierte Disziplin der kaiserlichen Kadettenanstalten und der nationalsozialistischen Praxis kontrastierte mit dem Laisser-faire der antiautoritären Erziehung der zweiten Hälfte des Jahrhunderts. Maßlosigkeit war das Kennzeichen beider Erziehungsmuster; Maßlosigkeit ist der Feind aller Pädagogik.
Mit dieser Streitschrift will ich einen Beitrag leisten, das rechte Maß zu finden, Autorität und Disziplin in der Erziehung wieder zu Ansehen verhelfen, und dadurch Kindern und Jugendlichen eine neue Zukunft eröffnen.
Für den Weg zum rechten Maß borge ich von Thomas Mann das Bild des Schiffers, der sich nach rechts neigt, wenn das Schifflein sich nach links neigt, um das Gleichgewicht wieder herzustellen. Dieses Bild möge den Leser bei der Lektüre meines Buches begleiten.
Bernhard Bueb Im Herbst zoo6

Wir brauchen wieder Mut
zur Erziehung

Der Bildungsnotstand in Deutschland ist die Folge eines Erziehungsnotstandes. Kinder und Jugendliche werden heute nicht mehr aufgezogen, sondern wachsen einfach auf. Sie sind umgeben von ungewollt aggressiv präsenten Erziehern: vom Fernsehen, vom plakativen Wohlstand unseres Landes, von den Verführern der Konsumgesellschaft, von den Vorbildern eines geistigen und charakterlichen Mittelmaßes, das unsere »Eliten« repräsentieren. Zukunftserwartungen, die Jugendliche zu Taten beflügeln könnten, sind Zukunftsdrohungen gewichen: die strukturbedingte Arbeitslosigkeit, die Sinnentleerung unseres Daseins, auch verursacht durch den Verlust der Religion, die Vergreisung der Gesellschaft, die Ausbeutung der Lebensgrundlagen der Menschen, die Herrschaft des Geldes als letzter sinngebender Instanz - die Aufzählung ließe sich fortsetzen. Wem die Zukunft verloren geht, der wird nicht an sich arbeiten, sich nicht mehr anstrengen und keinen Idealen nachstreben. Den mangelnden Zukunftsaussichten treten wir nicht durch Erziehung entgegen. Die Kunst der Erziehung haben wir verlernt, gemeinsame Maßstäbe sind verloren gegangen, der Glaube hat sich breitgemacht, das Aufwachsen der Kinder werde schon irgendwie gelingen. Alle meinen es gut. Von Gottfried Benn haben wir jedoch gelernt, dass das Gegenteil von Kunst nicht Natur ist, sondern gut gemeint. Wir fahren auf einem Schiff ohne Kompass.
Was heißt Erziehung? Wie können wir durch Erziehung und Bildung Jugendliche zu Zuversicht und Lebensmut führen und wie können wir sie überhaupt erreichen?
Der Trainer führte seine Schüler mit harter Hand durch die hohe Schule des Handballs. Zügig flog der Ball von Mann zu Mann, ein atemberaubendes Tempo ließ auch den Zuschauern das Herz schneller schlagen, präzise und wie nach einem geheimen Plan bewegten sich die Spieler. Intellektuell und körperlich verlangte der Trainer höchste Anstrengung. Handballtraining hieß bei ihm, eine Gruppe durchtrainierter junger Menschen zu strategischem Denken, taktisch wendigem Zusammenspiel und zu einer Haltung des Fair Play zu führen. Was zunächst wie eine Folge schneidender Befehle klang, wurde von den Spielern als fortlaufende Liebeserklärungen erlebt. Die Führung seiner Schüler mit Disziplin und Liebe bildete das Geheimnis seines Erfolges. Mit jedem Handballtraining demonstrierte er, was Erziehung bedeuten kann.
Dieser Trainer war Lehrer und Erzieher am Internat Salem, er war Argentinier, sein Anspruch an sich und die Schüler erinnerte eher an Preußen als an Südamerika. Wie er die Handballmannschaft trainierte, so erzog er seine Schüler im Internat. Die Schüler liebten und verehrten ihn. Wir anderen Lehrer und Erzieher bewunderten, wie er mit Konsequenz und Fürsorge die Jugendlichen erreichte; wir beneideten ihn auch ein wenig, dass er so unbefangen mitten im Deutschland der Jahre nach 1968 Disziplin forderte.

Sein Erziehungsstil fand erstaunlicherweise allgemeine Zustimmung in einem Umfeld, das Erziehung eher als verständnisvolle Begleitung aufwachsender junger Menschen propagierte, weil die Leidenschaft seiner Zuwendung und sein pädagogischer Eros jeden Einwand theoretisch und dürr erscheinen ließen. Es gibt geborene Lehrer und Erzieher, er war so einer.
Zur gleichen Zeit arbeitete an der Schule eine Lehrerin, deren Erziehungsstil gegensätzlicher nicht hätte sein können, die aber denselben Anspruch auf Führung der Schüler erhob, nur tat sie es mit

Ende der Auszüge

Disziplin, Lob der Disziplin, Erziehung, erziehen, Bildung Erziehung
Jugend Erziehung, Unterricht, Erziehungswissen, Erzieher und Autorität.

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