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Eine
Fabel |
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Gesellschaftsmagazin |
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Pendo
Verlag 160 S. gebunden € (D) 14,90 im Buchhandel oder Kultur Fibel Verlag RG. + Porto EUR 3,50 |
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Der eine hat sich
auf den Weg gemacht, weil ihm und seiner Sippe die Eiswüste wegschmilzt.
Der andere, weil ihm die Fischfanggründe abhanden kommen. Als sich Eisbär
und Pinguin am Äquator treffen, haben sie eigentlich das gleiche Ziel:
ihren Lebensraum zu retten. Wenn da der verfluchte Egoismus nicht wäre.
Doch zum Glück gibt der mächtige Eisbär seinem ersten Impuls
nicht nach, den Pinguin zu fressen - ganz im Gegenteil, sie schließen
einen Pakt, die Kälte wieder zu finden. Ein Pakt mit Folgen, denn schon
bald merken Eisbär und Pinguin, dass die Menschen die Kälte schlichtweg
gestohlen haben ... Eine fabelhafte Geschichte über die Rettung der Erde, die zugleich auf unterhaltsame und erzählerische Weise zehn grundlegende Prinzipien illustriert. Einfache, aber effektive Schritte, die es uns - wie Stefan Fourier in einer schlüssigen Interpretation seiner Fabel zeigt - ermöglichen, den Egoismus zu überwinden und gemeinsam überraschende Lösungen zu finden. Damit wir die Welt tatsächlich ein Stück besser machen oder auch aus den Angeln heben können - ganz gleich, ob in Politik oder Familie, im Unternehmen oder im nachbarschaftlichen Miteinander. |
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| Auszug; 3 Der Impuls | ||||||||||||||||||||||||||
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»Ach du Schlamm, das hält man ja im Kopf nicht aus!«, krächzte der Geier. Mit eingezogenem Hals saß er auf einem verdorrten Baum, nur einen Steinwurf von der Stelle entfernt, an der sich der Eisbär und der Pinguin begegnet waren. Die Sonne ging gerade auf und ließ den Tau auf den Gräsern glitzern. Aufgeschreckt blickten der Eisbär und der Pinguin an dem toten Baum empor und sahen den grauen, staubigen Aasvogel. Sie hatten gar nicht bemerkt, dass er sie schon eine ganze Weile beobachtete. »Was seid ihr bloß für grauenhafte Jammerlappen!«, regte sich der Geier auf. »Da denkt man, ihr beiden seid das perfekte Frühstück — und dann muss man sich von seinem Essen bevor es abkratzt so ein stundenlanges Genöle anhören. Jetzt ist mir total der Appetit vergangen. Ihr seid ja noch zu blöd, um gefressen zu werden!« Der Eisbär und der Pinguin schauten sich fragend an. Was war das nun wieder für ein komischer Typ? Saß da oben auf seinem Baum und machte dumme Bemerkungen. Als ob sie nicht genug Probleme hätten! Da packte den Eisbären die Wut. Erst
stellte er sich auf die Hinterbeine, dann auf die Vorderbeine, dann erhob
er sich, bis er in seiner ganzen Größe aufrecht stand. Er fauchte
den Geier an und fletschte die Zähne. »Har, har, har«, lachte der Geier hämisch. »Du hast doch viel zu lange nichts gegessen, um hier den großen Macker zu spielen! Tob dich nur aus. Ich habe Zeit. Ich kann warten, bis du keinen Mucks mehr machst.« »Sei still, sei still, sei still«, beschwichtigte der Pinguin den Eisbären, während er zu ihm aufschaute und nervös mit den Flügeln schlug. »Lass mich reden, lass mich reden.« Da ging der Eisbär missmutig auf alle Viere zurück. Unterdessen richtete der Pinguin sich auf und sah den Geier auf dem Baum freundlich an. »Weiser Vogel, weiser Vogel«, sagte der Pinguin zu dem Geier. »Wie gut ist es doch für uns, dich getroffen zu haben. Du sitzt auf deinem Baum und hast einen viel besseren Überblick als wir. Du kennst die Savanne wie kein anderer.« »Ach, ja?«, krächzte der Geier verlegen, reckte den Kopf in die Höhe und plusterte sein Gefieder auf. »Das hat mir noch niemand so gesagt.« »Und was du für einen schönen Hals hast«, fuhr der Pinguin fort. »Warum versteckst du den bloß immer?« »Wirklich?«, fragte der Geier und reckte seinen Kopf noch ein wenig höher. »Bestimmt kannst du uns einen guten Rat geben«, meinte der Pinguin. »Aber sehr gern«, entgegnete der Geier gedehnt, während er wohlgefällig sein Gefieder betrachtete. »Was sollen wir bloß machen, was sollen wir bloß machen?«, fragte der Pinguin. Der Geier musterte von seinem toten Ast
herab abwechselnd den Eisbären und den Pinguin. Nach einer Weile
schüttelte er den Kopf. In einiger Entfernung, aber noch gut in Sichtweite, stand ein riesiger, grüner Affenbrotbaum. Der Baumstamm war umgeben von braunem Gras. Eine kleine Horde Paviane tummelte sich in der Baumkrone. Die Tiere sprangen von Ast zu Ast, bis sie einen angenehmen Sitzplatz gefunden hatten. Dann machten sie sich in aller Ruhe über die gurkenförmigen Früchte des Baumes her. Einige lutschten vergnügt das Fruchtfleisch aus. Andere kauten genussvoll auf den knackigen Kernen, die Augen halb geschlossen. Rund um den Baumstamm war gut ein halbes Dutzend Antilopen versammelt. Sie gehörten zu einer größeren Herde, die sich in der weiten Senke verteilt hatte. Die Antilopen unter dem Affenbrotbaum schienen auf irgendetwas zu warten. immer mal wieder
etwas ab. Selbst der Pascha ganz oben auf dem Baum, der sich von den anderen
Affen immer nur bedienen ließ, warf ab und zu eine Frucht zu den Antilopen
herunter. |
»Schaut euch das ruhig mal etwas genauer an«, sagte der Geier süffisant. »Da könnt ihr nämlich was lernen.« »Was quatscht dieser blöde Vogel da für dummes Zeug?«, grummelte der Eisbär. Doch der Pinguin war neugierig. »Sieh nur, sieh nur«, sagte er zu dem Eisbären. »Die Paviane verschenken ihre Früchte. Warum machen die das? Warum machen die das? Ganz schön dumm. Oder nicht dumm?« »Ihr habt ja da unten gar keinen Überblick, ihr seid echt arm dran«, sagte der Geier. »Aber ich sehe von hier oben schon, was gleich passieren wird. Schaut nur genau hin!« Es vergingen noch einige Augenblicke. Die Paviane ließen
sich die Früchte schmecken und die Antilopen bekamen ihren Anteil. Plötzlich
durchfuhr es die Antilopen. Wie vom Blitz getroffen zuckte das halbe
Dutzend zusammen. Die Tiere hörten sofort auf zu kauen, spannten die
Muskeln und richteten sich auf. Und einen Wimpernschlag später waren
sie auch schon weg. Sie rannten alle in eine Richtung davon, dass Staub und
Gras nur so durch die Luft flogen. Entgeistert schauten der Eisbär und
der Pinguin den Antilopen und Pavianen hinterher. Als der aufgewirbelte Staub sich verzogen
hatte, tat sich einige Augenblicke lang gar nichts. Der große Affenbrotbaum
stand da in der Morgensonne und trug noch viele Früchte für viele
hungrige Mäuler. Doch dann bewegte sich das Steppengras. Und schließlich
schlich ein ausgewachsener Leopard heran. Erst im letzten Moment konnten der
Eisbär und der Pinguin sein Fell von dem braunen Gras unterscheiden.
Griesgrämig trottete der Leopard zum Stamm des Affenbrotbaums und blickte
empor. Da schaute sich der Leopard in alle Richtungen um, ob jemand seine Schmach beobachtet hatte. Aber er sah nur den alten Geier, der ohnehin immer alles mitbekam. So fauchte der Leopard noch einmal vor sich hin, drehte sich um, und schlich sich auf demselben Weg, den er gekommen war, davon. Die Paviane hatten ihn wieder einmal ausgetrickst. Für den Leoparden gab es nun doch kein Affenfleisch zum Frühstück. »Ihr könnt wieder hinter dem Baumstamm hervorkommen«, sagte der Geier von oben zu dem Eisbären und dem Pinguin. »Der Leopard hat sich verzogen.« Da gingen der Eisbär und der Pinguin
einen Schritt weg von dem verdorrten Baum, auf dem der Geier saß, und
betrachteten noch einmal den von der Sonne hell erleuchteten Affenbrotbaum. »Jetzt denkt mal ruhig nach, ihr Trottel«, krächzte der Geier. »Ich kann euer Elend nicht mehr sehen.« Und da breitete der Geier seine riesigen, staubgrauen Flügel aus, schlug erst zwei Mal langsam, dann ein drittes Mal kräftig und dann in gleichmäßigem Takt mit den Flügeln, erhob sich von dem abgestorbenen Ast und flog mit einem lauten knarrenden Flattern davon. Als der Eisbär und der Pinguin sich so ansahen, begann der Pinguin ganz zaghaft zu lächeln. Erst war es nur ein leises Schmunzeln. Dann lächelte er immer mehr. Schließlich grinste er über sein ganzes Gesicht. Und der orangefarbene Fleck auf seinem Bauch schien ein klein wenig zu leuchten. Da lächelte der Eisbär zögerlich zurück, erhob dann seine rechte Tatze und klopfte dem Pinguin ganz vorsichtig auf die Schulter. Und der Pinguin lachte und der Eisbär lachte und ihnen wurde klar, dass sie ihre Lage gemeinsam meistern mussten. |
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Ende der
Teil-Textauszüge. |
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