Opoczynski,Wunderland ist abgebrannt

Sachbuch
Droemer
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Wunderland
ist abgebrannt

(EURO-KRISE)
Da ahnen wir plötzlich: Wunderland ist abgebrannt.

Vorwort
Michael Opoczynski

Deutschland in den letzten sechzig Jahren:
Jahrzehntelang geht es nur aufwärts - schneller, höher, weiter.

In den Nachkriegsjahren wundert man sich noch ein bisschen. Und freut sich an dem Wiederaufstieg.
Doch dann gewöhnen sich die Älteren an das unaufhaltsame Bergauf. Die Jungen kennen es gar nicht anders. Die Autos werden größer und schneller. Das Internet bringt uns in die weite Welt. Die Kleidung ist so billig, dass nichts mehr geflickt werden muss. Wegschmeißen, neu kaufen! Schuhe putzen - wie geht das? Jedes Jahr eine kleine Tariferhöhung. Und wer keinen Job hat, wird irgendwie aufgefangen.

Geht doch!
Wunderbares Wirtschaftswunderland.
Die Menschen in der Dritten Welt liefern uns für billiges Geld ihre Waren. Das Öl fließt. Der Strom kommt aus der Steckdose. Indien und China - naja, tut uns leid, dass die so abgehängt sind.
Dann kommt ein kleiner Knick: Mit der Wiedervereinigung Deutschlands wächst die gesamtdeutsche Familie unvermittelt zusammen. Die Brüder und Schwestern freuen sich aufs Mitmachen im Wunderland. Sie wissen zwar nicht so genau, dass auch hart gearbeitet werden muss, und sie haben auch nichts eingezahlt in die Rente. Aber wir nehmen sie an der Schulter: Wird schon gehen! Blühendes Wunderland - auch für euch!
Dann plötzlich ein heftiger Knick. Jemand hat in die
Kasse geguckt. Oh Schreck: Da ist ja nichts drin. Unvermutet wird uns gesagt, dass es nicht so weitergehen kann: kurze Arbeitswochen, lange, hohe Rentenzahlungen, billige Krankenversicherung, Kündigungsschutz, Sozialhilfe für jeden. Auf einmal ist Schluss.
Und nicht nur das: Die Menschen aus den anderen Ländern überholen uns rechts und links. Diese Inder, diese Chinesen, die sind einfach schneller als wir. Die bauen ihre Autos selbst und billiger als wir. Die haben bessere Schulen und mehr Studenten.

Da ahnen wir plötzlich: Wunderland ist abgebrannt.
Nicht jetzt, völlig unvermittelt, sondern in einem stetigen Schwelbrand während der letzten Jahre. Nicht nur ein bisschen - nein, bis auf die Grundmauern. Und uns beschleicht zunehmende Gewissheit: Es wird ziemlich ungemütlich.
Viele geben auf, weil sie nicht sehen, wie wir wieder aufschließen wollen zu den anderen. Sie ziehen sich zurück auf ihre Finca in Spanien und sehen per Satellit in den Nachrichten, wie Deutschland verkommt. Andere sehen die Stärken unseres Landes, die engagierten Menschen, den kulturellen Reichtum, die landschaftliche Schönheit. Sie wollen nicht zulassen, dass Deutschland auf Dritte-Welt-Niveau sinkt. An diese Menschen richtet sich dieses Buch. Mit einem schonungslosen Blick auf das ehemalige Wunderland und einem skeptischen Blick in die Zukunft zeigt es, welche Schritte zur Rettung unternommen werden müssten, und bietet sich damit als Wegweiser an für alle, die nicht aufgeben wollen.

Auszüge

Wie die Gegenwart die Zukunft bestimmt

Ich gehe aufmerksam durch einen großen Elektronikmarkt in Köln. Kaufen will ich nichts. Nur mal schauen! Neugier gehört zu meinem Beruf ich habe die »Lizenz zum Neugierigsein« und genieße es wie ein Privileg. Ist es nicht fantastisch, wie günstig man heute hochwertige Waren einkaufen kann? Da macht mir dieser Händler, der seit langem behauptet, dass Geiz geil sei, das Angebot, einen wertvollen Vollverstärker für 49 Euro zu bekommen. Und da: ein Stapel mit CD-Playern für 41 Euro. Ich kenne die Marke - nicht schlecht! Ich bin erstaunt und denke: So billig waren diese Geräte noch nie.

Doch halt, das ist ja gar nicht der Preis, den man in der Anzeige lesen kann, sondern nur die Monatsrate. Man kann die Geräte kaufen, ohne Zinsen bezahlen zu müssen. Allerdings läuft dieser zinslose Kredit über 60 Monate, also fünf Jahre. Und dann stellt man plötzlich fest, dass der Vollverstärker 2940 Euro kostet und der CD-Player 2460 Euro.
Das ist viel Geld, wenn man es auf einmal auf den Tisch legen soll. Aber mit monatlichen Raten auf fünf Jahre verteilt sieht es sehr günstig aus. Und genau da ist das Problem.

Wissen wir, was in fünf Jahren sein wird? Halten die teuren Geräte so lange das, was sie heute versprechen? . . . .

Bildung nach unten offen — die PISA-Studien
Die Unternehmer klagen seit langem, dass die Auszubildenden immer schlechter würden. Ich konnte es nicht mehr hören. Also besuchte ich ein mittelständisches Unternehmen an dem Tag, an dem Jungen und Mädchen geladen waren. Abschluss: Hauptschule. Ziel: Ausbildungsplatz. Ich bin dabei - scheinbar als Mitarbeiter -, während sie sich präsentieren. Sie haben fast noch Kindergesichter, angezogen wie Streetfighter; nicht billig die Klamotten. Warum kommst du zu uns? Das hat der Lehrer geplant. Was produzieren wir hier? Keine Ahnung. Was willst du denn? Geld verdienen. Wie heißt der Bundeskanzler? Herr Koch. Wie heißt die Hauptstadt von Italien? Pisa! - Da reicht es mir. Ich verstehe Personalchefs, die hier keine Ausbildung investieren wollen. Ich habe den Zipfel eines großen Problems zu sehen bekommen.

Beim ersten internationalen OECD-Vergleichstest der schulischen Leistung von 15-Jährigen aus 32 Ländern, der im Dezember 2001 veröffentlichten PISA- Studie, schnitt Deutschland katastrophal ab. Sowohl die Fähigkeit zu lesen und zu verstehen als auch die mathematischen und naturwissenschaftlichen Fähigkeiten deutscher Schüler lagen weit unter dem internationalen Durchschnitt.
Beim Anteil der besonders schwachen Schüler lag Deutschland an der Spitze, und auch bei den starken Schülern konnten die Deutschen nicht den interna¬tionalen Durchschnitt erreichen. Weitere Ergeb-nisse
der Studie waren ein großes Auseinanderklaffen der Leistungen der deutschen Schüler, eine starke Koppelung der schulischen Leistung an die soziale Herkunft sowie außerordentlich große Sprachprobleme der Kinder mit Migrationshintergrund.

Daraufhin beschloss die Kultusministerkonferenz eine bessere Förderung sowohl von lernschwachen als auch von besonders begabten Schülern, eine bessere Förderung von Kindern mit Migrationshintergrund sowie eine bessere Aus- und Weiterbildung der Lehrer. Zusätzlich sollte eine Qualitätskontrolle von Schule und Unterricht eingeführt werden, eine ergebnisorientierte Gestaltung des Unterrichts sowie ein altersgemäßes Lernen bereits im Kindergarten. Und schließlich sollte die Lernkultur verbessert werden.

Schöne Beschlüsse!
In der zweiten PISA-Studie, die Ende 2004 veröffentlicht wurde, schnitt Deutschland geringfügig besser ab. Bei der Lesekompetenz und in den Bereichen Mathematik und Naturwissenschaften erreichten die deutschen Schüler Durchschnittswerte, bei der Problemlösungsfähigkeit lagen sie sogar etwas darüber. Dabei zeigte sich, dass gegenüber der vorherigen Studie die schwächeren Schüler ihre Leistungen gesteigert hatten, aber fast ausschließlich nur an Gymnasien und nicht an Hauptschulen.

Unverändert groß blieben die Unterschiede zwischen den besten und den schlechtesten Schülern, und auch der deutliche Zusammenhang zwischen schulischer Leistung und sozialer Herkunft war erhalten geblieben. 22 Prozent der Schüler wurden als so genannte »Risiko-schüler« identifiziert, die später große Probleme am Arbeitsmarkt haben dürften. 22 Prozent der Schüler - das hört sich noch harmlos an. Was aber, wenn daraus in einigen Jahren 22 Prozent der neuen Erwerbstätigen geworden sind? Mehr als ein Fünftel hat von Anbeginn der Berufstätigkeit Probleme, die dann ein Leben lang anhalten. Wie soll der Einzelne damit klarkommen? Und die Gesellschaft? Wo wir doch wissen, dass in Zukunft ungelernte Arbeitskräfte kaum noch gebraucht werden?

Interessant auch, dass die Unzufriedenheit in Deutschland sowohl bei den Lehrkräften als auch bei den Schülern größer war als in anderen Ländern.

Deutsche Lehrer und Lehrerinnen klagten besonders häufig über die schlechte Arbeitshaltung ihrer Schüler. Die deutschen Schüler beschwerten sich besonders häufig über mangelnde Zuwendung der Lehrer. Auch hier also eine Spaltung, die weit von den pädagogischen Idealen entfernt ist.

Die nationale PISA-Studie, die 2005 veröffentlicht wurde, ergab, dass die Schüler in Bayern am besten waren, gefolgt von denen in Sachsen und Baden- Württemberg. Ein weiteres Ergebnis war, dass die Chance, ein Gymnasium zu besuchen, bei gleichen Kenntnissen für ein Kind von Akademikern vier Mal höher war als für ein Kind von Facharbeitern.
Besonders schlechte Chancen hatte das Arbeiterkind in Bayern und Sachsen-Anhalt, vergleichsweise gut waren die Chancen in Niedersachsen und Brandenburg. Jeweils über 27 Prozent »Problemschüler« gab es in Hamburg und Bremen; das waren fast doppelt so viele wie in Bayern und Sachsen. Die Aufteilung der Gesellschaft in Schichten und die Abgrenzung dieser Schichten gegeneinander verläuft also kreuz und quer durch Deutschland.

Bildung gibt es nicht zum Nulltarif
Im internationalen Vergleich gibt Deutschland zu wenig für Bildung aus. 2002 waren es 5,3 Prozent des Bruttosozialproduktes gegenüber 5,8 Prozent im OECD-Durchschnitt. An der Spitze lagen die USA mit 7,3 Prozent des Bruttosozialproduktes, Frankreich mit 6,0 Prozent sowie Österreich und Finnland mit 5,8 Prozent. Die Investitionen, die die Bundesländer in die Hochschulen steckten, wurden von 1995 bis 2001 nur um 7 Prozent erhöht. Der OECD-Durchschnitt: 30 Prozent. Bei den Schulen lag der Ausgabenzuwachs in Deutschland im gleichen Zeitraum bei 6 Prozent gegenüber 21 Prozent OECD-weit.

Der im Jahr 2005 veröffentlichte Bildungsreport sieht erkennbare Fortschritte im deutschen Bildungssystem. Allerdings konnten die seit den achtziger und neunziger Jahren bestehenden Rückstände im internationalen Vergleich nicht aufgeholt werden. Im Jahr 2002 wurden in Deutschland nur 9,8 Prozent der gesamten öffentlichen Ausgaben in Bildung gesteckt, während es im OECD-Durchschnitt 12,9 Prozent waren. Die höchsten Investitionen in Bildung gab es in Mexiko mit 23,9 Prozent der gesamten öffentlichen Ausgaben, in Südkorea mit 17,0 Prozent, in Norwegen mit 16,1 Prozent, in Dänemark mit 15,3 Prozent und in den USA mit 15,2 Prozent.

Und wie steht es mit der Verteilung des Geldes?
In die Grundschule wurde und wird bei uns nur die Hälfte investiert im Vergleich zur gymnasialen Oberstufe. Genau verkehrt, denn in den ersten Schuljahren werden die Weichen für den Bildungserfolg gestellt. Da muss also das Geld hin. Und die Grundschullehrer sind - wenn man so will - mehr »wert« als die Gymnasiallehrer. In der Hierarchie jedoch stehen sie unten, beim Gehalt auch. Verhängnisvoll. Andere machen es besser.

So lag die jährliche Unterrichtszeit eines sieben- bis achtjährigen Schülers in Deutschland mit 625 Stunden um mehr als 160 Stunden unter dem OECD- Durchschnitt. Und nur 35 Prozent eines Jahrgangs erreichten 2003 in Deutschland das Abitur oder die Fachhochschulreife (OECD: 56 Prozent). In Finnland lag die Studienanfängerquote bei 71 Prozent, in Polen bei 70 Prozent und in den USA bei 64 Prozent.
Allerdings wuchs der Anteil der Hochschulabsolventen eines Jahrgangs in Deutschland zwischen 1998 und 2003 von 16 auf 19,5 Prozent (OECD: 32,2 Prozent in 2003). Vernachlässigt wurde aber nach wie vor der naturwissenschaftliche Bereich. Auf 100000 junge Erwachsene im Alter zwischen 25 und 34 Jahren kamen in Deutschland nur 852 mit einem naturwissenschaftlichen Hochschulabschluss. Damit lag Deutschland auf Platz 20 im Ranking der 24 OECD-Staaten.

Selbst wenn es sofort radikale Änderungen im deutschen Bildungssystem gäbe - die Fehler sind gemacht. Sie wirken fort, und zwar noch etwa 30 bis 40 Jahre. Eine erschreckend große Zahl deutscher Arbeitnehmer wird im Durchschnitt weniger können als die Arbeitnehmer in anderen Ländern.

Schon heute sind die Versorgungsprobleme
dieser Städte gewaltig.

Doch deren größtes Problem sind die Müllberge. 400 von 688 chinesischen Städten sind von Müllbergen umgeben. 70 Prozent des Mülls wird nur bis vor die Stadttore transportiert und dort deponiert oder unter offenem Himmel verbrannt. Müllverbrennungsanlagen und ausgetüftelte Entsorgungskonzepte mit Abfalltrennung, wie wir es kennen, sind dort vielleicht nicht unbekannt, aber auf jeden Fall unter den heutigen Bedingungen nicht zu realisieren.

Die großen Weltmetropolen werden die Spaltung zwischen Arm und Reich noch weiter vertiefen. Ländliche Gebiete werden menschenleer und wahrscheinlich noch ärmer werden als heute, während in den großen Städten die Kluft zwischen den im Luxus lebenden Reichen und den vielen Armen, die der Oberschicht zuarbeiten müssen, noch wächst.
Der weltweite Konsum wird weiter steigen, allerdings mit ganz unterschiedlichen Zielsetzungen.

Auf der einen Seite stehen dann extrem hochwertige und teure Produkte und auf der anderen Seite massenhaft Billigwaren, die bis in die letzten Winkel der Welt transportiert werden müssen. Davon profitieren die so genannten Logistikdienstleister, die ebenfalls überproportionales Wachstum aufweisen werden.

Der Klimawandel bedroht die Weltwirtschaft

Im Oktober 2006 legte die britische Regierung einen Bericht über die wirtschaftlichen Auswirkungen des Klimawandels vor. Das Ungewöhn-liche daran war, dass es diesmal kein Klimaforscher war, der sich darum bemühte, seine Zukunftsprognosen plausibel zu begründen, sondern es war der ehemalige Chefvolkswirt der Weltbank Sir Nicholas Stern, der auf 700 Seiten penibel vorrechnete, welche Kosten und Folgekosten auf die Menschen zukommen, wenn sie den Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) nicht stoppen, sondern alles so weiter laufen lassen wie bisher.

Wird der bisherige Weg fortgesetzt, erhöht sich der CO2-Ausstoß bis 2030 gegenüber heute um die Hälfte und verdoppelt sich bis zum Jahr 2050. Die Folgen wären eine Erderwärmung, die durch Dürren und Überflutungen bis zu einer Milliarde Menschen aus ihrer Heimat vertreiben würde. Die dadurch entstehenden Schäden würden die Weltwirtschaft um 7000 Milliarden Dollar schrumpfen lassen. Und das bedeutet, dass auch der persönliche Konsum in den Industrieländern um 5 bis 20 Prozent zurückgehen könnte.

Jede Tonne CO2, die in die Atmosphäre geblasen wird, verursacht Schäden in Höhe von 85 Dollar. Die Kosten für die Vermeidung dieser Emission liegen aber nur bei 25 Dollar je Tonne CO2. Langfristig gesehen, ist es also billiger, nicht so weiterzumachen wie bisher. Der Einstieg in die Niedrig-Kohlendioxid-Wirtschaft würde lediglich 1 Prozent des Welt-sozialproduktes kosten und wäre gleichzeitig ein gigantisches Konjunk-turprogramm. Der weltweite Markt für CO2-arme Techniken könnte bis 2050 einen Wert von 500 Milliarden Dollar erreichen.

Gehen wir einmal davon aus, dass Wirtschaft und Politik vernünftige Wege beschreiten, die Probleme ernst nehmen und Gegenmaßnahmen ergreifen. Alles andere führte zu Horrorszenarien, die so lange niemand würde wahrhaben wollen, bis sie Wirklichkeit geworden sind. Wasser-mangel auf der einen Seite und verheerende Überschwemmungen auf der anderen wären die Folgen für die hoch entwickelten Länder der nördlichen Halbkugel. Verheerende Wirbelstürme würden Schäden ungeahnten Ausmaßes anrichten und Hitzewellen, wie wir sie im Jahr 2003 erlebten, Tausende von Todesopfern fordern und die Landwirtschaft nachhaltig beeinträchtigen.
Aber es gibt ja schon die Planungen, was zu tun sein wird, wenn das kommt, was der Mensch verursacht hat. Das Umweltbundesamt hat in seinem Hintergrundpapier »Anpassung an Klimaänderungen in Deutschland« sehr sachlich und genau aufgelistet, welche möglichen Wirkungen der Klimawandel in Deutschland haben wird. Durch Hitzewellen, Stürme, Überschwemmungen, Lawinen und Erdrutsche ist vermehrt mit Unfällen, Verletzungen und Erkrankungen zu rechnen. Auch werden sich durch die Erwärmung vorhandene und neue Infektions-krankheiten stärker ausbreiten. Die Leistungsfähigkeit des Gesund-heitswesens muss also gestärkt werden, will man diesen neuen Herausforderungen begegnen. Gleichzeitig ist die Bauindustrie gefragt. Da geht es um vorbeugende Schadensbegrenzung an Gebäuden, um bessere Klimatisierungen, um Hochwasserschutz. Straßen und Ortschaften in gefährdeten Gebieten müssen gegen Lawinen und Erdrutsche gesichert werden.
Bei der Landwirtschaft werden in den trockenen Gebieten Ost- und Südwestdeutschlands die Ernteerträge zurückgehen. . . .

Ohne Rücksicht auf Verluste —
die Logistikbranche boomt

Weltweit sind Transport und Verkehr mit 14 Prozent an der globalen CO2-Emission beteiligt. Daran wird sich auch nur schwer etwas ändern lassen, denn der Welthandel ist darauf angewiesen, Güter zu transportieren. Und noch immer wächst der Handel mit Gütern schneller als die Produktion. Im Jahr 2003 wurden weltweit Güter im Wert von 7274 Milliarden Euro gehandelt, 2005 ist die Summe aller Güterexporte bereits auf 10 171 Milliarden Dollar gestiegen. Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht abzusehen. Natürlich würden Klimaschützer es gern sehen, wenn die Zahl der Warentransporte zurückginge. Sie appellieren, nach Möglichkeit regionale Produkte zu kaufen. Ihre Rufe verhallen weitgehend ungehört, denn die Welthandelsströme haben sich in den vergangenen Jahren deutlich gewandelt. Der Handel mit agrarischen und bergbaulichen Rohstoffen wuchs nur halb so stark wie der mit Halb- und Fertigwaren aus der industriellen Produktion.

Dabei spielte die zunehmende Verlagerung von Fertigungsprozessen aus Westeuropa nach Ostasien eine ganz wesentliche Rolle. Auch wenn Deutschland zurzeit noch - wie man so sagt - Exportweltmeister ist, ein Viertel des gesamten Welthandels wird inzwischen schon im pazifisch-asiatischen Raum abgewickelt. Immerhin liegen inzwischen sechs der zehn größten Containerhäfen am Stillen Ozean. Die Schiffe werden immer größer und fahren immer öfter.
Die höchsten Zuwachsraten hat allerdings ein anderes Verkehrsmittel vorzuweisen: das Flugzeug. Die wieder steigen. Ob es sich dabei um einen länger anhaltenden Aufschwung handeln wird, weiß man noch nicht.

Der Wirtschaftsbau profitiert auf jeden Fall davon, dass die deutsche Wirtschaft nach Jahren der Zurückhaltung erstmals wieder in die Erweiterung ihrer Kapazitäten investiert. Diese Entwicklung ist vor allem im Bereich der Logistik zu beobachten, die sich immer mehr zu einer Drehscheibe des Warenumschlags im Zentrum Europas entwickelt. So errichten zum Beispiel die Hafenbetreiber in großem Stil neue Terminals, oder es werden neue Lagerplätze für Container gebaut. In einigen Jahren erwartet der Hauptverband der deutschen Bauindustrie auch eine Belebung im Bereich von Büroneubauten. Im öffentlichen Bau beobachtet man einen Anstieg der Investitionen des Bundes in die Verkehrsinfrastruktur. Beim Wohnungsbau wird sich wohl auch in Zukunft nichts tun.
Vor allem aber: Im Vergleich zu den gigantischen Projekten in Osteuropa und in Asien wirkt das Treiben in Deutschland wie der Ausbau einer Modellbahnlandschaft:
nettes Wunderländchen, aber ohne ökonomische Bedeutung. . . .

Die globalen Kraftzentren der Weltwirtschaft
Die globale Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen wird in Zukunft immer mehr von der Kreativität der Beschäftigen abhängen, wobei Kreativität in erster Linie bedeutet, sein Wissen und die Ergebnisse seiner Arbeit in neue Richtungen lenken zu können. Zur kreativen Klasse gehören also nicht nur Designer, Marketingfachleute und Medien-schaffende, sondern auch Forscher und Entwickler, Professoren, Architekten, Ingenieure, Juristen, Gesundheitsexperten und Finanzdienstleister.

Sie alle werden dort leben wollen, wo sie das finden, was für sie Lebensqualität bedeutet: Gleichgesinnte, Kunst und Kultur, optimale Arbeitsbedingungen und natürlich die Chance, viel Geld zu verdienen, denn das Leben an diesen Orten ist teuer. Wie wichtig diese Kreativen für die Wirtschaft sind, zeigen amerikanische Untersuchungen. Nur 30 Prozent der Beschäftigten sind für 47 Prozent der gesamten US- Wertschöpfung verantwortlich. Weltweit werden bereits 80 Prozent des Bruttoinlandsproduktes allein in den Städten und Ballungsräumen erwirtschaftet. Es sind nicht mehr die Nationen, die sich wirtschaftliche Erfolge zurechnen können, sondern einzelne Regionen
Die beiden wirtschaftsstärksten Megalopolen der Welt sind Tokio als größte Stadt der Welt und die sich über 750 Kilometer erstreckende Region an der Ostküste Amerikas zwischen Boston und Washington, die inzwischen mit dem Begriff »Boswash« versehen worden ist. Auf nur 3 Prozent der US-Staatsfläche leben hier 20 Prozent aller US-Bürger. Das Bruttoinlandsprodukt dieses Ballungsraums liegt bei 2300 Milliarden Dollar; das ist mehr als das Bruttoinlandsprodukt der Volkswirtschaft von Frankreich oder Großbritannien. . . .


Alles wird gut — warten auf bessere Zeiten
Wenn man einen Frosch in einen Topf mit heißem Wasser wirft, wird er sofort wieder herausspringen. Setzt man ihn jedoch in einen Topf mit kaltem Wasser und erhitzt dieses ganz langsam, so bleibt der Frosch sitzen, bis er gekocht ist.

Nach meinem Wissen hat dieses Boiled-Frog-Experiment in Wirklichkeit nie stattgefunden, sondern ist nur eine gut erzählte Geschichte, deren Botschaft sofort einleuchtet.
Auf langsame Veränderungen in kleinsten Schritten reagiert der Frosch nicht, weil er sie nicht als Veränderungen wahrnimmt. Wahrscheinlich findet er es nicht angenehm, was passiert, aber er gewöhnt sich an das unangenehme Gefühl, bis es zu spät ist und er nicht mehr handeln kann.
Genauso wie dem Frosch ergeht es auch unserer Gesellschaft. Wir lernen mit schlechten Nachrichten zu leben. Wir gewöhnen uns daran, immer mehr Nachteile in Kauf nehmen zu müssen, und wir akzeptieren, ohne noch lange darüber nachzudenken, dass die Gesellschaft immer stärker in Gewinner und Verlierer aufgespalten wird.
Einen ganz wesentlichen Anteil an diesem Gewöhnungsprozess hat meine Zunft: der Journalismus, die Welt der Medien, auch das Fernsehen, vor allem aber das Internet und seine journalistische Variante. Früher - so lange ist das gar nicht her - gab es die Tageszeitung, abends eine Nachrichtensendung im Fernsehen (»Tagesschau«) und das wars. Die Nachrichten verbreiteten sich langsamer. Von mancher Naturkatastrophe erfuhren wir nie. Politiker durften noch dick oder hässlich sein. Der Übertragung ihrer Reden hörten wir zu.
Dann veränderte sich die mediale Welt. Nachrichten wanderten schnell um den Erdball, nicht nur Texte, sondern auch Fotos, schließlich sogar bewegte Bilder. Ohne die Fernsehberichterstattung über Danang, Saigon und My Lai wäre der Vietnamkrieg von den USA mit aller Härte bis zu einem Sieg weitergeführt worden. Das Fernsehen, auch das private amerikanische, zermürbte die so genannte Heimatfront. Seit diesen siebziger Jahren hat sich die Live-Berichterstattung perfektioniert. Kameraleute haben Satellitentelefone im Gepäck und so genannte Easy Links. Sie selbst können live übertragen. Technik wird einfach und billig - deshalb gewinnt die Live-Übertragung an Vorrang gegenüber dem Inhalt. Der spektakuläre Unfall wird zum Aufmacher. Die Arbeitslosenquote - na, die kennen wir ja schon. Gestiegen? Der Frosch spürt die steigende Hitze nicht.
Als der Tsunami die asiatischen Küsten heimsuchte, waren Stunden später Fernsehbilder in Europa und den USA zu sehen. Die spannendsten Einblicke lieferten die wackelnden Videokameras der Touristen - und damit öffnete sich das zurzeit letzte Kapitel. Die Menschen machen ihre Bilder selber. Die schauen auch nicht unbedingt bei den großen Sendern, sondern sie schaffen sich eigene Plattformen im Internet.
Da zeigen sie alles, vor allem Privates
und selten Politisches. . . .

Ende der Auszüge


Deutschland Wirtschafts-Wunderland ist abgebrannt, Germany burn out, bessere Zeiten,
Klimawandel bedroht Weltwirtschaft


Mensch werden, Mensch sein und Mensch bleiben, das ist die Frage des 21. Jahrhunderts

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