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Eine Welt aus Schablone
und Sensation, »das gute alte Noch-nie- dagewesene» hat Günther
Anders (1961, S. 167) dies einmal genannt. Für die
Sender sind sie darüber hinaus eine Maschine zum Gelddrucken: Kosten von
rund 5.000,— Euro pro Sendeminuten stehen Werbeeinnahmen von über
50.000,— Euro pro Werbeminute gegenüber, hinzu kommen Einnahmen aus
dem Verkauf von CDs, Büchern, Videos, T-Shirts und dergleichen mehr
(Nieland & Göttlich, 1998).
b) Information:
• Dazu zählen vor allem Nachrichten und
• Nachrichten- bzw. Boulevardmagazine.
Was sind deren Inhalte?
Bei der Beantwortung dieser Frage ist ein Blick auf die sogenannten Nachrichtenwertfaktoren
hilfreich.
Diese Faktoren beschreiben die Merkmale, die ein Ereignis haben muß,
damit es im TV zur Nachricht erhoben wird. Je größer dieser Wert
ist, um so größer ist auch die Wahrscheinlichkeit dafür, daß
über das entsprechende Ereignis berichtet wird. Und er ist um so größer,
n je mächtiger, einflußreicher, prominenter die beteiligten Nationen,
Institutionen oder Akteure sind,je mehr offene Konflikte oder Gewalt vorkommen,
• je kontroverser das Ereignis oder Thema ist,
• je stärker allgemein akzeptierte Werte
oder Rechte bedroht sind,
• je ausgeprägter der Erfolg des Ereignisses
ist,
• je größer die Tragweite des Ereignisses
ist,
• je mehr das Ereignis persönliche Lebensumstände
einzelner berührt,
• je näher das Ereignis in geographischer,
politischer oder kultureller Hinsicht ist,
• je stärker Angehörige der eigenen
Nation davon betroffen sind,
• je mehr emotionale Aspekte das Geschehen hat,
• je stärker die Nähe des Ereignisses
zu den wichtigsten Themen der Zeit ist,
• je eindeutiger der Ereignisablauf ist,
• je mehr das Ereignis vorherigen Erwartungen
oder der Erscheinungsperiodik der Medien entspricht,
• je ungewisser der Ereignisablauf ist und
• je überraschender das Ereignis verläuft
(Schulz, 1997, S. 70ff.)
>>> Die
Fernseh Botschaften
<<<
Faßt man die vorliegenden Befunde für das Genre Information
zusammen, so finden sich folgende Tendenzen: Zunächst einmal bläht
die Zuordnung von Infotainment-Sendungen zur Kategorie Information diese
nicht unerheblich auf. Es entsteht der Eindruck, die Zuschauer würden
das Medium in einem durchaus beachtlichen Umfang zur Information nutzen,
obwohl politische Inhalte kaum noch, Verbrechen und Unglücksfälle
dafür um so häufiger gezeigt werden. Wenn aber Politik in den
Nachrichten und den politischen Informationssendungen des Fernsehens dargestellt
wird, so geschieht dies zunehmend personenzentriert, emotionalisiert und
vor allem konfliktbetont. Diese Tendenz findet sich am deutlichsten in
der allgemeinen Zunahme gewalthaltiger Beiträge wieder. Bei den Privaten
gibt es nicht nur mehr Gewalt als bei den Öffentlich-Rechtlichen,
sie wird auch extensiver und grausamer präsentiert. Formal werden
alle Informationen schneller und mit größerer Variation in
den Einstellungen gezeigt, die Redebeiträge in Interviews werden
kürzer, und es kommt zunehmend Musik zum Einsatz
c) Unterhaltung:
Zu dieser Sparte zählen
• Shows,
• Talksendungen und
• Musiksendungen.
Was wird dort gezeigt?
Zunächst zu den Shows. Da gibt es Spielshows, Beziehungsshows und
seit neuem Shows zur Auswahl von zukünftigen Showstars. In den Spiel-Shows
steht die Lösung von Aufgaben oder die Beantwortung von Wissensfragen
im Mittelpunkt. Die Sendungen werden entweder durch ungewöhnliche
Spiele und Aufgaben oder durch bedeutende Gewinne spannend gemacht. In
den Beziehungsshows werden reale Konflikte der Teilnehmer thematisiert,
ihre Spannung erhalten diese Shows aus dem Versuch, die Konflikte im Rahmen
einer Sendung zu lösen. In den letzten Jahren in Mode gekommen sind
Sendungen, in denen Showstars gesucht (und gemacht) werden. Entweder das
Publikum oder eine Jury müssen eine Tanz- und/oder Gesangsdarbietung
einer großen Zahl von Bewerbern bewerten und in einer Abfolge von
Präsentationen und Selektionen einen Besten ermitteln, der dann einen
Plattenvertrag oder dergleichen erhält.
Auch die tägliche Talkshow hat viele Erscheinungsformen: In den Affekt-Talks
stellen immer gleiche Moderatoren meist völlig unbekannte Menschen
vor, die eine ungewöhnliche, ja bizarre Erfahrung gemacht haben oder
eine entsprechende Eigenschaft aufweisen. Die Themen reichen von Partnerschaftsproblemen
über Sexualität, Körper, Schönheit und Mode zu gesellschaftlichen
Problemen, Eltern-Kind-Beziehungen, Familie und Beruf. Aufs ganze gesehen
liegt der Schwerpunkt allerdings bei den persönlichen Beziehungen
— Familie, Ehe, Partnerschaft —, Politik wird immer seltener,
Kultur und Wissenschaft nur bei den öffentlich-rechtlichen Sendern
behandelt (vgl. dazu Krüger, 2002; Paus-Haase et al.,
1999).
Die Sendungen
werden oft mit sehr intimen Geständnissen der eingeladenen Gäste
eingeleitet In den abendlichen Talkshows werden häufig auch politische
und gesellschaftliche Fragen diskutiert. Personality-Shows sind Gespräche
eines Moderators mit einem oder mehreren Prominenten über deren berufliches
und privates Leben. Die Sendungen tragen meistens auch den Namen des Moderators,
dessen Funktion darin besteht, sowohl das Gespräch mit und unter ihren
Gästen wie auch den Dialog zwischen diesen und dem Publikum anzuregen
und zu emotionalisieren. Die so inszenierten Emotionen können —
je nach Zielpublikum — >>>>>>>>>>>>
d) Sport:
Zum Sport zählen alle auf sportliche Aktivitäten bezogenen Informationen
in Nachrichten und Magazinen wie die Übertragungen sportlicher Ereignisse.
Am häufigsten kommen Reportagen vor, gefolgt von Übertragungen und
Magazinen. Rund 10 % der Gesamtsendezeit aller Sender in Deutschland entfallen
auf diese Kategorie, der Löwenanteil entfällt freilich auf die privaten
Sportkanäle (Rühle, 2000). Dabei findet sich
auf allen Kanälen eine Konzentration auf den Hochleistungssport, allen
voran Fußball, Motorsport, Leichtathletik, Wintersport und Tennis.
Die Berichterstattung
ist ereignis- und ergebnisorientiert, vor allem die Akteure der eigenen Nationalität,
ihre Leistungen und Emotionen stehen im Mittelpunkt der Sendungen. Es sind
überwiegend Männer, bei denen Kraft, Technik und Leistungswille
gezeigt wird. Insgesamt ist eine Dramatisierung der Berichterstattung durch
den zunehmenden Einsatz formaler Mittel wie kürzere Einstellungen, Großaufnahmen,
Zeitlupen sowie Konzentration auf emotionsauslösende Situationen (Fouls,
Unfälle) und Hauptpersonen, aber auch durch dramatisierende Kommentierungen
festzustellen. Dies führt häufig dazu, daß in den Kommentierungen
Siege übermäßig euphorisch, Niederlagen (vor-)schnell als
Krisen diskutiert werden. Das Umfeld sportlicher Großereignisse bekommt
mehr und mehr Unterhaltungscharakter (Ohlert, 2001; Gleich,
2000).
Eine Besonderheit
stellen die amerikanischen Wrestlingprogramme dar, bei denen professionelle
Catcher inszenierte Wettkämpfe innerhalb und außerhalb des Rings
austragen. Inhaltsanalysen dieser Programme zeigen nicht nur ein sehr hohes
Maß an Gewalt, die Sendungen bestehen ja eigentlich aus nichts anderem.
Bedenklich ist vielmehr, daß hier alle 36 Sekunden eine Regelübertretung
gezeigt wird, bei der nicht nur der Gegner, sondern auch der Schiedsrichter
oder Zuschauer aggressiv angegangen werden (Woo & Kim,
2003).
e) Werbung:
Zur Werbung zählen Insel- und Blockwerbung, Teleshopping und Gameshows
mit Werbung, ihre Entwicklung kann so zusammengefaßt werden: »Werbung
scheint in den neunziger Jahren durch die Überreizung aller Tendenzen
von schrillem Humor bis lässiger Coolness, von Schockwerbung und Ästhetisierung
bis zum Szenemarketing strategisch, semiotisch und narrativ erschöpft.
Auch wenn (oder gerade weil) heute fast schon jedes
Ereignis — von den Olympischen Spielen bis zum Streetball-Turnier —
als Werbeinszenierung erscheint, müssen die Reize immer drastischer werden,
soll noch Aufmerksamkeit für Produkte, Leistungen, Personen und Botschaften
geweckt werden«
(Schmidt, 1999, S. 533).
Bei aller Unterschiedlichkeit der Genres findet sich doch von der täglichen
Seifenoper über die klassische Nachrichtensendung bis zur Fußballreportage
ein deutlicher Trend, der sich in zwei Worten zusammenfassen läßt:
Fernsehen heute ist Personalisierung und Emotionalisierung.
Personalisierung
heißt, daß, wo immer es möglich ist, Personen und
Einzelschicksale in den Vordergrund einer Sendung gestellt werden. In den
Seifenopern und Serien verfolgt der Zuschauer das alltägliche Leben der
Protagonisten über einen längeren Zeitraum, in den Politik- und
Informationssendungen wird ihm Politik als das Handeln prominenter Akteure
vorgestellt, in den Shows und Musiksendungen agieren vertraute und bekannte
Moderatoren mit anderen vertrauten und bekannten Prominenten und mit alltäglichen
Glückskindern, die den Auftritt vor der Kamera erreicht haben, in den
Sportsendungen werden ihm wieder unter der Anleitung bekannter Moderatoren
erfolgreiche oder tragische Helden vorgeführt, in der Werbung treten
ihm erneut allerlei Prominente oder (scheinbar) alltägliche Durchschnittsfiguren
gegenüber. Personalisierung konkretisiert sich also in drei Personengruppen:
Stars, Moderatoren und Menschen »wie du und ich«.
Emotionalisierung meint, daß das Medium bevorzugt konflikt-,
gewalt- und actionhaltige Sequenzen zeigt, Schockeffekte und Tabubrüche
vorführt, spektakuläre Bilder verwendet, die Emotionen der jeweiligen
Akteure evoziert und sie in Großaufnahme zeigt. Zudem werden in allen
Genres zunehmend kürzere Einstellungen und Redebeiträge, schnelle
Kamerafahrten und subjektive Kamera, ungewöhnliche Perspektiven und Trickeffekte
verwendet, dazu Geräusche und Musik auch in bisher musikfernen Genres
eingesetzt.
So ganz verwunderlich ist das alles eigentlich nicht, hat doch der amerikanische
Fernsehkritiker Jerry Mander die Gesetzmäßigkeiten des TV schon
1978 so beschrieben (Mander 1978, dt. 1979, S. 274f.):
»Krieg ist fernsehgerechter als Frieden ... Gewalt ist fernsehgerechter
als Gewaltlosigkeit ... Oberflächlichkeit ist einfacher als Tiefe ...
Kurze Themen mit einem klaren Anfang und Ende lassen sich leichter übermitteln
als ausgedehnte und vielschichtige Informationen. Das Ergebnis ist einfacher
als der Prozeß ... Gefühle des Konflikts und ihre Verkörperung
in Handlungen eignen sich besser für das Fernsehen als Gefühle der
Übereinstimmung und ihre Verkörperung in Ruhe und Einigkeit ...
Lust ist fernsehgerechter als Zufriedenheit. Aufwallende Leidenschaft und
Angst sind besser als Ruhe und Gelassenheit ... Eifersucht ist besser als
Toleranz ... Konkurrenzverhalten ist seinem Wesen nach fernsehgerechter als
Zusammenarbeit ... Materialismus, Habsucht und Ehrgeiz ... machen sich besser
als Spiritualität, Zufriedenheit mit dem, was man hat, Offenheit und
Nachgiebigkeit ... Handeln ist leichter zu übertragen als Sein. Aktivität
wird der Inaktivität auf jedem Fall vorgezogen ... Das Laute eignet sich
besser ... als das Leise. Das Nahe besser als das Ferne. Das Große besser
als das Kleine ... Das Einfache ist leichter zu handhaben als das Komplexe
... Das Ausgefallene erhält im Fernsehen immer mehr Aufmerksamkeit als
das Gewöhnliche ... Der Gefühlsausdruck ist besser als das Gefühl
selbst, und daher ist Weinen besseres Fernsehen als Traurigkeit ...
Der Tod ist leichter als das Leben.«
>>>
Die
unstillbare Sehnsucht nach Stabilität
•
Etwa 40 bis 50% aller Wähler in Deutschland haben keine Parteienbindung
mehr, sie entscheiden von Wahl zu Wahl neu, ob sie überhaupt zur Wahl
gehen und wen sie wählen. Der Anteil der Wechselwähler steigt
im längerfristigen Trend (Schulz, 1997).
• Nach einer Umfrage des Gallup-Instituts aus
dem Jahr 2003 haben 18% der deutschen Arbeitnehmer keine und 70% nur eine
geringe emotionale Bindung an ihren Arbeitsplatz, diese Tendenz nimmt in
den letzten drei Jahren zu (Pressemeldung des Gallup-Instituts
vom 29. 10. 2003).
• Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes
wurden im Jahr
1991= 136.317 Ehen geschieden, im Jahr 2002 waren es 204.210. Für die
Zukunft ist damit zu rechnen, daß mehr als ein Drittel aller Ehen
wieder getrennt wird (Emmerling, 2003).
Was haben diese
drei Sachverhalte miteinander und mit dem Thema dieses Buches zu tun?
Das Thema dieses Kapitels ist die Frage nach Auswirkungen, die die allmähliche
Diffusion des histrionischen Sozialcharakters in die Gesellschaft für
die Gesellschaft hat. Gesellschaft realisiert sich für den Einzelnen
vor allem in seinen sozialen Beziehungen, seien es reale oder parasoziale.
Also ist zu fragen: Wie verhält sich der Histrio eigentlich gegenüber
seinen Mitmenschen? Die Antwort suchen wir in drei Bereichen, nämlich
• im Wahl-,
• im Arbeits- und
• im Bindungsverhalten.
>>>
Insofern ist die Hypothese, Narzißmus sei das Hauptmotiv für die
Berufswahl von Politikern, schon plausibler als der alleinige Verweis auf
das Machtmotiv. Aber reicht diese Persönlichkeitsstruktur als Erklärung
aus? Die Antwort kann auch hier nur sein: Ein überdurchschnittliches
Maß an Narzißmus ist zwar ganz sicher notwendig, unter den Bedingungen
der Mediengesellschaft ist es, zumindest beim Kampf um Spitzenpositionen,
aber allein nicht hinreichend. Nötig ist vielmehr auch ein überdurchschnittliches
Maß an Begabung zum öffentlichen Auftritt, zur gekonnten Selbstinszenierung.
»Wer Bürgermeister oder Ministerpräsident werden will, der
macht Persönlichkeitsveränderungen durch. Er muß lächeln,
auch wenn ihm nicht danach zumute ist. Er muß freundlich interessiert
schauen, auch wenn er eigentlich explodieren will. Er muß sich bei >Mainz
wie es singt und lacht( einen Hut aufsetzen lassen, und manchmal muß
er auch bei Rudi Carrell in Quizsendungen Fahrrad fahren«, so beschreibt
es der Altpolitiker Peter Glotz (1989, S. 6) anschaulich.
Nein, weder der reine Machtmensch noch der reine Narzißt ist der ideale
Kandidat für politische Spitzenämter in der Mediengesellschaft.
Der Kandidat muß noch mehr aufzuweisen haben: Dramatisierung der eigenen
Person, theatralisches Verhalten, übertriebener Ausdruck von Gefühlen,
andauerndes Verlangen nach Aufregung, Anerkennung durch andere, Aktivitäten,
bei denen die betreffende Person im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht,
oberflächliche und labile Affektivität, übermäßiges
Interesse an körperlicher Attraktivität, eine Tendenz zu aggressivem
Verhalten, Eigensinn und egozentrisches Verhalten — wir treffen auf
einen alten Bekannten. Es ist der Histrio.
Erst die These
vom histrionischen Sozialcharakter vermag eine befriedigende Antwort auf die
eingangs gestellte Frage zu geben: Untersuchungen zeigen, daß insbesondere
bei unpolitischen Wählern ohne Parteibindung das Image eines Kandidaten
einen erheblichen Einfluß auf die Wahlentscheidung hat. Und das Image
besteht aus den drei Aspekten: professionelle Kompetenz, Charaktereigenschaften
und Auftreten. Der Spitzenkandidat muß also zeigen, daß er politische
Situationen richtig einschätzen und Probleme lösen kann. Er muß
persönliche Integrität, Vertrauenswürdigkeit und Glaubwürdigkeit
ausstrahlen. Vor allem aber muß er gut aussehen, telegen sein und Charisma
haben. Das stellt er dadurch her, daß er in Talkshows hauptsächlich
über sich selbst spricht (Bußkamp, 2002).
Starruhm genießen demzufolge Politiker, denen vom Publikum die Eigenschaften
»ist ein Fernsehprofi«, »ist unterhaltsam«,
»ist originell«, eist schlagfertig«, »ist ein Schlitzohr«,
»könnte eine Talk-show leiten«, »ist witzig«,
»ist ein Siegertyp« zugeschrieben werden (Peters,
1996).
Man kann inzwischen
nachgerade von einem medialen Persönlichkeitskult sprechen.
Mindestens aber sind moderne Politstars Paradebeispiele für den histrionischen
Sozialcharakters der Gegenwart.
Leider ist es mit dieser Diagnose nicht getan, denn mindestens eine —
für das Funktionieren der demokratischen Gesellschaft lebenswichtige
Frage ist noch zu beantworten:
Wie kann
es sein, daß die Mehrheit der Bevölkerung mit der Inszenierung
von Politik als theatralischem Spektakel ganz zufrieden ist?
Da gibt es zunächst
eine simple sozialpsychologische Gesetzmäßigkeit, die »fundamental
attribution error« genannt wird (vgl. etwa Aronson et
al., 1999, S. 127f.). Damit ist die allen Menschen eigene Tendenz gemeint,
das beobachtbare Verhalten anderer Menschen auf deren Persönlichkeit
und nicht auf situative Ursachen oder Zwänge zurückzuführen.
Ein Autofahrer, der uns durch Langsamfahren behindert, kann nicht fahren,
ist ein Anfänger oder gar ein Idiot. Daß sein Auto möglicherweise
einen Defekt hat, daß die Straße rutschig ist oder daß vor
ihm ein Radfahrer fährt, ziehen wir nur selten in Erwägung. Dieser
Effekt tritt besonders dann auf, wenn man lediglich Beobachter des Verhaltens
anderer Menschen ist: So wird das von uns ja immer nur beobachtete Verhalten
der anderen eher mit deren Persönlichkeit, das eigene hingegen eher aus
der Situation heraus erklärt. Eine der Ursachen für diese Tendenz
liegt darin, daß man die von einer Situation ausgehenden Einflüsse
nicht so leicht sehen kann. Der fernsehende Mensch ist aber immer in der Position
des Beobachters, insofern neigt er auch bei der Berichterstattung über
politische Fragen zur personenbezogenen Interpretation: Politische Probleme
und Erfolge werden demnach Akteuren und nicht Situationen zugeschrieben (vgl.
dazu Preiser, 1989).
Die Medien fördern
diese Tendenz — wie oben dargelegt — durch eine personenbezogene
politische Berichterstattung.
Personenbezogene Politikdarstellung und eine entsprechende Zuschreibung von
Verantwortung ist eine Sache,
>>> Ende
der Teil-Textauszüge.
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Bevor
Sie sich auf die Reise in das Innere des nachfolgenden Textes begeben,
möchte ich Sie warnen: Dieses Buch will Ihre Haltung zum Fernsehen
verändern!
Erwarten Sie also kein medienwissenschaftliches Buch im herkömmlichen
Sinne. In wissenschaftlichen Texten ist es aus guten Gründen üblich,
die jeweils aktuellen Befunde und Theorien in ihren Schwächen und
Stärken gründlich zu diskutieren und auf ihre begrenzte Geltung
hinzuweisen. Diese chronische Vorläufigkeit drückt sich in der
häufig am Ende wissenschaftlicher Texte zu findenden Formulierung
aus: »Further research is needed«. Mit dieser Haltung sind
allerdings Medienwissenschaftler in der öffentlichen Diskussion über
Medienwirkungen jedem Lobbyisten hoffnungslos unterlegen: Der Interessenvertreter
kann einschließlich der Lüge alle kommunikativen Register ziehen,
der Wissenschaftler muß immer auch den Zweifel mit thematisieren.
Diese Erfahrung kann den Forscher dazu verführen, sich gar nicht
mehr an der öffentlichen Debatte zum Thema Medien zu beteiligen.
Umberto Eco hat in seinen Streichholzbriefen ja geschrieben, die erste
Pflicht der Intellektuellen sei zu schweigen, wenn sie zu nichts nützten.
»Wenn das Haus brennt, kann der Intellektuelle nur versuchen, sich
wie ein normaler, vernünftiger Mensch zu verhalten, wie jeder andere
auch. Wenn er meint, er habe eine besondere Mission, bildet er sich etwas
ein, und wer ihn anruft, ist ein Hysteriker, der die Telefonnummer der
Feuerwehr vergessen hat« (Eco, 2000, S. 165).
Das kann aber nicht die ganze Lösung sein, werden wir Wissenschaftler
doch letztlich dafür bezahlt, »... etwas aus
dem Bereich der Natur oder der Gesellschaft ans Licht zu bringen und
... das Entdeckte offenzulegen« (Bourdieu,
1998, S. 18).
Und so läßt auch Eco eine Ausnahme von der Pflicht zur Zurückhaltung
zu, nämlich dann, »... wenn etwas Schwerwiegendes
geschieht und niemand es bemerkt. Nur in solchen Fällen kann sein
Appell als ein Alarmruf nützen« (Eco,
2000,S. 166).
Und so etwas Schwerwiegendes
geschieht seit einigen Jahren, davon bin ich nach über 20jähriger
Forschungs- und Lehrtätigkeit auf dem Gebiet der Medienpsychologie überzeugt:
Die Medien, allen voran das Fernsehen, verändern schleichend den Sozialcharakter,
also diejenigen psychischen Eigenschaften und Verhaltensweisen, die die Menschen
einer bestimmten Epoche und Kultur gemeinsam haben. Das wäre ja nicht
weiter schlimm, weil sich der Sozialcharakter — ebenso wie die Gesellschaft
selbst — eigentlich immer verändert hat und weiter verändern
wird. Wandel allein erregt keine Besorgnis. Aber welche Eigenschaften und
Verhaltensweisen durch die Medien manipuliert werden, das läßt
schlimme Folgen für den Einzelnen wie für die Gesellschaft befürchten.Es
sind kalte Herzen, die da entstehen.
Aus diesem Grund ist das Ihnen vorliegende Buch also kein wissenschaftlicher
Text, sondern ein Appell. Fernsehen ist ein Psychotonikum fürs Volk,
und es wird höchste Zeit, daß wir dies bemerken.
Klipp und klar formuliert: »A l'arme!«
Saarbrücken, im Herbst 2004 Peter Winterhoff-Spurk
AUSZÜGE
Inhalte -
Die Botschaften des Fernsehens
»Wer
die Welt und jeden Kontinent Und die sieben weiten Meere kennt, Ist ein
Mann mit tausend Träumen, Den man Percy Stuart nennt.
Wenn des Nachts der Mond am Himmel steht Und der Wind um dunkle Ecken weht,
Lauert, wie das immer so war,
Im schönsten Moment die große Gefahr. Und in 99 Prozent gibt
es doch noch ein Happy-End.
Percy Stuart ist unser Mann,
Ein Mann, ein Mann, der alles kann.«
Mit diesem Titelsong
wurde Ende der 1960er Jahre eine Vorabendserie des ZDF zu einem Quotenrenner,
der bis zu 54 % der Zuschauer erreichte (Schindler, 1999b,
S. 91 f.). Schon damals waren es also nicht nur die Jungen, die sich
am liebsten TV- Serien angesehen haben. »Erst Serien machten aus meinem
Fernsehkonsum eine Sucht. Mit den Serien erschafft das Fernsehen fiktionale
Parallelwelten zu unserem Leben, in die wir nach Bedarf eintauchen können.
Bildschirmbekannte erweitern den Kreis der eigenen Freunde. Ihre Wohnungen
sind unser zweiter Wohnsitz; ihre Kneipen unsere Stammkneipen«, schreibt
eine 1960 geborene Dauerseherin, die später aus ihrer Sucht einen Beruf
gemacht hat: Sie wurde Medienwissenschaftlerin
(Bleicher, 1999).
Und heute? Nach den Daten über die TV-Nutzungszeiten aus dem voranstehenden
Kapitel haben Serien an Bedeutung eher noch zugelegt. Insgesamt haben deutsche
TV-Zuschauer folgende Rangreihe der TV-Sparten
(Gerhards & Klingler, 2003):
Fiction,
Information,
Unterhaltung,
Sport und
Werbung.
Ein Argument für die hier vertretene These vom neuen Sozialcharakter
wird daraus aber frühestens nach einem Blick auf die typischen Inhalte
dieser Sendungen. Sie müßten in irgendeiner Beziehung zum Histrio
stehen. Entsprechend soll jetzt gefragt werden: Was wird den Zuschauern gezeigt?
a) Fiction:
Zu dieser Sparte zählen vor allem Serien, Fernsehspiele und -filme sowie
Spiel- und Kurzfilme. Diese allgemeine Einteilung hilft noch nicht viel weiter,
sind doch wenigstens bei den Serien weitere Unterteilungen nach Seifenopern,
Comedy-, Action-, Krimi-, Mystery-, Kinder-, Jugend- und Familien-, Krankenhaus-
und Arzt-, Science-Fiction-, Abenteuer- und Tierserien nötig. Noch einmal
also, und nun spezifischer: Was sehen die Zuschauer in den diversen Serien
des Fernsehens (vgl. zum Folgenden Landbeck, 2002; Theunert
& Gebel, 2000)?
Allgemein unterscheiden sich Serien von Fernsehspielen und -filmen dadurch,
daß sie auf festen Sendeplätzen mit einem weitgehend und lange
Zeit unveränderten Stamm von Figuren agieren. Sie müssen sich mit
immer neuen Problemen und variablen Nebenfiguren auseinandersetzen und die
dadurch entstehenden Herausforderungen erfolgreich lösen. Das kann entweder
in einer Folge geschehen oder sich auch über mehrere Folgen hinziehen.
Ein formales Merkmal der Seifenopern ist daher der sogenannte Cliffhanger
am Ende einer Folge, bei dem einer der Erzählstränge in einem spannenden
Moment abrupt unterbrochen wird, um den Zuschauer zum erneuten Einschalten
am Folgetag zu bewegen. Die nächste Folge beginnt dann mit einer Rekapitulation
des bisherigen Geschehens, Recap genannt.
Zunächst die Seifenopern, als das wichtigste Teilgenre: Hauptthemen der
Seifenopern sind alltägliche Probleme und Konflikte innerhalb von Familien,
Wohn- und Hausgemeinschaften, Freundes- und Kollegenkreisen der oberen Mittelschicht.
In vieler Hinsicht sind sie moderne Märchen: Eine junge, hübsche
Frau und ein jungenhafter schöner Mann leben in trauter Zwei- oder —
mit einer gütigen Vater- oder Großvaterfigur — in entsprechender
Mehrsamkeit. Die Idylle wird durch eine von außen kommende Figur gestört,
überraschend oft ist es die Stiefmutter oder die böse Mutter einer
der Hauptfiguren, die ihre Kinder vor langem im Stich gelassen hat (Livingstone
& Liebes, 1995).
Die Spannbreite der dabei auftretenden Probleme reicht von Generationenkonflikten,
über jede Form von Beziehungsproblemen bis zu dramatischen Schicksalsschlägen
und gesellschaftlichen Problemen. Zwar sind die behandelten Probleme alles
anderes als harmonisch; gezeigt werden in erster Linie emotionale Probleme,
gefolgt von körperlichen, selbstwert-, eigentums- sowie autoritätsbezogenen
Fragen. Zu nennen sind etwa Drogensucht, künstliche Befruchtung, Frigidität,
Impotenz, Inzest, Scheidung, Bigamie, uneheliche Kinder, Familien- und Berufsprobleme
sowie Krankheiten. Die inszenierten Krankheiten entsprechen den in der Bevölkerung
vorkommenden Leiden, die Todesursachen der »Soap-opera«-Helden
sind jedoch dramatischer: Mord, Totschlag, Unfall oder Infarkt stehen hier
an erster Stelle. Berufsprobleme sind überwiegend im medizinischen oder
juristischen Milieu angesiedelt, Fabrikarbeiter kommen so gut wie nicht vor.
Die Akteure aber sind überwiegend attraktiv, fair und smart.
Das bevorzugte Verhalten ist die direkte, nicht aggressive und zielorientierte
Aktion desjenigen, dessen Rechte bedroht sind, gefolgt von sprachlichen Lösungsversuchen.
Erst an dritter Stelle werden aggressive Handlungen gezeigt. So können
nahezu alle Probleme gelöst werden — und sei es unter Hinzuziehen
eines Chirurgen, Rechtsanwalts oder Psychiaters. Die Rollen der Guten und
der Bösen sind klar verteilt und deutlich erkennbar, alle Altersgruppen
sind vertreten.
Unter der hier interessierenden Fragestellung der Charakterbildung ist ein
Befund von Livingstone und Liebes (1995) interessant.
Sie finden in empirischen Inhaltsanalysen von Seifenopern, daß dort
so gut wie keine Mütter von Töchtern vorkommen. Wenn Mütter
überhaupt auftreten, dann als Muttis von Söhnen, als böse Stiefmütter
oder als Störenfriedinnen von außen. Die damit mutterlosen Frauen
orientieren sich an Männern, bei denen sie Zuneigung und Geborgenheit
suchen, aber nicht dauerhaft erhalten. Beziehungen und Ehen scheitern dadurch,
daß andere Frauen ihnen die Männer ausspannen. Folglich wenden
sich die »soap-daughters« neuen Beziehungen zu, letztlich immer
auf der Suche nach der nie (mehr) erreichbaren mütterlichen Zuwendung.
Die Botschaft heißt: Beziehungen zwischen Frauen sind eher unsicher
als unterstützend. In Beziehungen zwischen Männern und Frauen sind
die Frauen altruistisch, die Männer egoistisch, und allen Beziehungen
fehlt es letztlich an Erfüllung.
Präziser kann man Bindungsunsicherheit kaum beschreiben.
Comedies oder Sitcoms (engl. situation comedies)
spielen in Familien, im Arbeitsleben oder in der Welt der Teenager. Hier werden
alle Arten von Alltagssituationen gezeigt, deren normaler und gewohnter Ablauf
durch einen Akteur oder ein Ereignis nachhaltig gestört werden. Die dadurch
entstehenden Konfusionen werden durch Wortwitz und Situationskomik gelöst,
so daß am Ende die Situation gerettet, der gewohnte Ablauf wiederhergestellt
ist. Ein für dieses Genre typisches Merkmal ist das Lachen des unsichtbaren
Publikums aus dem Hintergrund (= Off-Lacher) und die Fokussierung des Geschehens
auf wenige, immer gleiche Handlungsorte wie das Wohnzimmer oder die Küche
der Protagonisten.
Bei Actionserien ist der Kampf der Guten gegen die Bösen das immer wiederkehrende
Thema. Die einzeln oder als Gruppe auftretenden Guten sorgen für Recht
und Ordnung, sie schützen Unschuldige und bringen Kriminelle zur Strecke.
Meist handeln sie im Auftrag einer Organisation oder eines privaten Auftraggebers
und verfügen oft über außergewöhnliche Fähigkeiten
oder Ausrüstungsgegenstände. Die Helden sind überwiegend Männer,
die gelegentlich eine Frau als Assistentin bei sich haben. Zentrales formales
Element dieser Serien sind die Aktionssequenzen, die durch schnelle Kamerafahrten
und Schnitte, durch Verwendung der subjektiven Kamera, durch entsprechende
Musik und/oder Geräusche sowie durch spektakuläre Einzelszenen wie
Stürze oder Explosionen angeheizt werden.
In Krimiserien begehen häufig männliche Angehörige
der Mittel- und Oberschicht planmäßig und voll zurechnungsfähig
vor allem Tötungsdelikte. Deren Aufklärung durch ehrliche, effiziente
und nur gelegentlich am Rande der Legalität agierende Polizeibeamte,
Anwälte, Detektive oder sonstige Personen steht im Mittelpunkt des Geschehens.
Höhepunkt und Ende der einzelnen Sendungen sind die Festsetzung und manchmal
der Tod der Täter. Am Rande werden das Privatleben der zentralen Figuren
und deren Beziehungen zu Kollegen und Vorgesetzten behandelt.
Mystery-Serien haben die Existenz von Außerirdischen,
unerklärliche Phänomene und abnorme Verbrechen zum Thema. Einzelkämpfer
oder Zweierteams ziehen gegen das Böse zu Felde und bedienen sich dabei
ihres herausragenden Scharfsinns, ihrer Intuition oder auch paranormaler Fähigkeiten
wie der Telepathie. Die Opfer kommen häufig auf besonders grausame Art
um ihr Leben. Cliffhanger kommen hier selten vor, formale, spannungsfördernde
Darstellungsmittel dieser Serien sind u. a. technisch verfremdete Bilder und
Schockeffekte.
Familienserien spielen in Familien oder familienähnlichen
Gruppen und haben die Bearbeitung von Problemen und die Lösung von Konflikten
zum Thema. Meistens stehen die Interaktionen zwischen den Ehepaaren im Mittelpunkt,
außer in den Kinder- und Jugendserien, wo es um die Probleme der Heranwachsenden
geht. Die Handlung spielt meist in der oberen Mittelschicht, die oft turbulenten
Probleme werden fast immer in einer Folge mit Humor zu einem harmonischen
Ende geführt. In den Jugendserien erzieht zumeist eine zur Mittel- und
Oberschicht gehörende Familie in einem solide ausgestatteten eigenen
Haus in einer Kleinstadt mittels eines unterstützenden Erziehungsstils
ihre Kinder. Ein von außen herangetragener Konflikt bedroht diese Idylle
und wird im Verlaufe der Sendung — häufig durch befreundete Haustiere
— erfolgreich gelöst. Eine Untergruppe sind die Familien-Western,
bei denen der Ort des Geschehens in den Wilden Westen verlagert ist.
Krankenhaus- und Arztserien haben die meist dramatischen
medizinischen Probleme in Krankenhäusern und Arztpraxen ebenso wie die
privaten Beziehungen und persönlichen Sorgen der handelnden Hauptpersonen
zum Thema. Die vorkommenden Krankheiten entsprechen hinsichtlich ihrer Häufigkeit
weitgehend den in der Bevölkerung vorkommenden Leiden. Es sind akute
Erkrankungen — meistens Herzinfarkt —, die innerhalb einer Sendung
geheilt werden. Der TV-Doktor lebt für seine Patienten, hat große
Autorität beim restlichen medizinischen Personal, gibt vorzugsweise Mitarbeiterinnen
Anweisungen und Ratschläge und hat so gut wie kein eigenes Familienleben.
Er ist ehrlich, mutig, sympathisch, erfolgreich, friedlich, fair und warmherzig.
Wenn doch mal jemand stirbt, so ist die Todesursache meist dramatisch, nämlich
Mord, Unfall oder Infarkt.
Thema der Science-Fiction-Serien ist der immerwährende
Kampf von Raumschiffbesatzungen gegen feindliche Umwelten, Lebensformen oder
technische Probleme. In dieses Hauptthema spielen die persönlichen Beziehungen
der Akteure mit hinein. Die Handlung spielt meist an Bord eines Raumschiffes
oder auf fremden Planeten. Neben den paramilitärischen Raumschiffbesatzungen
treten in jeder Folge seltsam aussehende Lebewesen mit Spezialbegabungen auf.
Cliffhanger sind selten, zu den häufig eingesetzten formalen Merkmalen
zählen aufwendige Trickaufnahmen von Kämpfen zwischen Raumschiffen.
In den Abenteuerserien geraten die zentralen Figuren durch böse Gegenspieler,
wie Verbrecher, Monster oder Tyrannen, oder durch höhere Mächte
in gefährliche Situationen, aus denen sie sich und andere mit Geschick
und Mut retten. Das gute Ende ist immer sicher, auch hier sind Cliffhanger
selten.
In den Tierserien werden die Probleme der Abenteuer- oder
Familienserien durch Tiere gelöst.
Dies alles zusammengenommen,
zeigt sich ein immer gleiches und ziemlich simples Strickmuster: Jede Serie
zeigt zu Beginn einen harmonischen Zustand, der durch Personen oder Ereignisse
gestört und im Verlaufe der Sendung durch allerlei Heldenfiguren wieder
hergestellt wird. Variabel in diesem Schema sind lediglich die Akteure (Alte
oder Junge, Männer oder Frauen, Einheimische oder Fremde, Ober-, Mittel-
oder Unterschichtangehörige), die Probleme (Familien-, Beziehungs-, Berufs-
und Gesundheitsfragen, Kriminalität und andere Bedrohungen), die Orte
(Wohnungen, Büros und Kanzleien, Krankenhäuser, fremde Städte
und Länder, der Weltraum) und die Zeiten der Handlung (Vergangenheit,
Gegenwart oder Zukunft). Daraus kann sich der Zuschauer, je nach Lust, Laune
und Lebenslage, ein ganz persönliches Menü zusammenstellen.
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