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Gesellschaftsmagazin
Romuald Pekny als Cyprian mit Maria Nicklisch in „Der Park" von Botho Strauß Romuald Pekny als Philipp der Zweite, mit Sunnyi Melles (Elisabeth), in „Don Carlos" von F. Schiller
Romuald Pekny als Philipp der Zweite, mit Sunnyi Melles (Elisabeth),
in „Don Carlos" von Friedrich Schiller. Regie: Alexander Lang.
Kammerspiele, München, 1985. Foto: Rabanus
Romuald Pekny als Cyprian mit Maria Nicklisch
in „Der Park" von Botho Strauß. Regie: Dieter Dorn.
Kammerspiele, München, 1984. Foto: Rabanus

Sie haben eben an den Kammerspielen eine Theaterarbeit mit dem amerikanischen Regisseur Bob Wilson abgeschlossen, dessen Bildertheater stark von der mitteleuropäischen Theatertradition abweicht.

Wilson arbeitet ganz unterschiedlich zu anderen Regisseuren. Seine Inszenierungen sind Architektur mit Schauspielern. Der Schauspieler ist ein gleichwertiger Teil des angestrebten Gesamtkunstwerkes. Das Bühnenbild ist wichtig, das Licht ist wichtig, die Requisiten sind wichtig, die Akustik ist wichtig; der Schauspieler ist darin eingebaut. Wilson gibt die Form an, und dann muß man als Darsteller sehen, daß man Inhalte reinbringt, und muß in sich unerhört Kanäle graben, in die dann Blut fließt.

Aber so überrascht war ich nicht von seiner Arbeitsweise. Ich habe in Wien bei „Amadeus" von Peter Shaffer und bei „Travesties" von Tom Stoppard mit dem englischen Regisseur Peter Wood gearbeitet. Aus dieser Arbeit kenne ich das: wenn die großen Textfluten kommen, wird man als Schauspieler vorerst alleingelassen. Das ist so im englischen und amerikanischen Theater: Der Monolog ist die Sache des Schauspielern. Bei Wilson ist das noch gesteigert. Er gibt die Formen und Abläufe vor, aber für die Inhalte muß man selbst sorgen. Ob er sie dann annimmt oder ablehnt, ist eine andere Sache.

Sie haben offenbar keine Berührungsängste vor neuen Stücken, neuen Formen, neuen Regisseuren?

Nein, nein, ich bin schon neugierig. Ich habe eher die Angst, daß ich nicht genügen könnte. Jetzt bei Wilson zum Beispiel habe ich gefragt: Will der mich überhaupt, kennt er mich überhaupt?

Sie haben offenbar keine Berührungsängste vor neuen Stücken, neuen Formen, neuen Regisseuren?

Nein, nein, ich bin schon neugierig. Ich habe eher die Angst, daß ich nicht genügen könnte. Jetzt bei Wilson zum Beispiel habe ich gefragt: Will der mich überhaupt, kennt er mich überhaupt

Romuald Pekny als Valmont mit Doris Schade (Merteuil) in „Quartett" von Heiner Müller
Romuald Pekny als Salieri in „Amadeus" von Peter Shaffer
Romuald Pekny als Salieri
in „Amadeus" von Peter Shaffer.
Regie: Peter Wood.
Burgtheater, Wien, 1984
Romuald Pekny als Valmont mit Doris Schade (Merteuil)
in „Quartett" von Heiner Müller.
Regie: Ulrich Heising. Kammerspiele, München, 1983. Foto: Rabanus

Kollidiert Ihre eher konservativ-bewahrende Treue zum Werk manchmal mit den Vorstellungen eines Regisseurs?

Das gibt es, aber es ist nie zu einem Bruch gekommen. Vielleicht hatte ich Glück, daß ich immer mit qualitätvollen Leuten zu tun hatte. Man kann mich überzeugen, ohne mich überreden zu wollen, und ich sehe dann eine Aufgabe darin. Die Mitsprache der Schauspieler gab's ja schon immer, ob bei Kortner, Schweikart oder Dieter Dorn. Das ist das Markenzeichen eines guten Regisseurs, daß er neugierig ist — aber es muß auch den Kapitän geben. Man muß reden, aber es darf nicht dazu führen, daß alles, was man macht, ständig kommentiert wird, von allen, vom ganzen Ensemble — das ist furchtbar.

Hatten Sie je den Wunsch, selbst Regie zu führen?

Nein, nie. Ich habe auch nie so eigentlich Wunschrollen gehabt. Bis auf eine: Ich würde gerne den Prospero in Shakespeares „Sturm" spielen. Das ist meine Traumrolle.

Leiden Sie unter schlechten Kritiken?

Ich mag es gar nicht sagen, denn es glaubt einem ja eh' keiner, daß man sie nicht liest. Natürlich bekommt man die Pressereaktionen mit, durch Bekannte und Kollegen. Aber irgendwann streift man die Abhängigkeit davon ab. Wer sich öffentlich zur Schau stellt, muß auch mit der Kritik leben können.

Wie entspannen Sie sich von ihren großen Rollen?

Ich lese gern Stifter — den habe ich schon in jungen Jahren geliebt. Im Sommer ruhe ich mich im Salzkammergut aus. Große Reisen gibt es für mich nicht. Während andere sich auf die Malediven schleudern lassen, ist für mich Meran schon ein Traumziel. Die kleine Welt um sich herum im Stifterschen Sinne zu erleben, füllt ja sowieso dieses kleine bißchen Leben aus. Wie man bei Stifter die große Welt im Kleinen erlebt, ist sprachlich so reinigend. Das vermindert das Bedauern, daß man von der großen Welt so wenig aufnehmen kann — man verfügt ja nicht über die Freizeit dazu. Ich lese auch immer wieder Goethe. Dieses Leben als Kunstwerk ist faszinierend — bis auf die beiden Ausbrüche Goethes nach Italien ist ja auch hier Kosmos in der kleinsten Form erlebt. Und dann die Musik. Wir sind oft in Bayreuth gewesen und in der Familienloge der Wagners gesessen — meine Frau und ich hatten das Glück, von der Gunst Winifred Wagners bestrahlt zu sein. Als der geniale Wieland Wagner im Herbst 1966 starb und Karajan bei den Osterfestspielen 1967 in Salzburg als bedrohliche Konkurrenz die „Walküre" herausbrachte, hatten wir Karten. Ein paar Reihen vor uns saß Winifred Wagner. Meine Frau flüsterte noch „Mach Dich klein", aber sie hatte uns schon gesehen. Und Besuche bei der Konkurrenz wurden von den Wagners ja leicht als Untreue empfunden. In der Pause wollten wir uns ihr erklären, aber sie hat abgewunken und gesagt, es sei so großartig, was sie hier erlebe. - Diese Größe hatte sie. - Und Bayreuth und Salzburg gehen ja wunderbar nebeneinander her.

Neben Ihrer intensiven Theaterarbeit haben Sie seit den 60er Jahren auch viel Fernsehen gemacht. Das ist schauspielerisch eine ganz andere Arbeitsweise. Wie verträgt sich das miteinander?

Ich habe das schon gerne gemacht. Da macht man eben eine Szene mit aller Konzentration und die ist dann im Kasten. Das kann man dann auch selber sehen, da kann man lernen. Jetzt hat man mir ein dreißigjähriges Videoband geschenkt von einer Aufzeichnung mit Maria Wimmer, dem jungen Heinz Bennet und mir — das ist sehr interessant. Wenn man sich selber sieht, entsteht unausweichlich der Wunsch, es besser zu machen, und — in diesem Fall — noch einmal so jung zu sein.

Sind Sie ein Perfektionist?

Ich würde gern einer sein wollen. Wie oft habe ich gedacht: „Jetzt habe ich es", und dann war es wieder weg. Das hängt so eng mit dem eigenen Körper zusammen, mit dem man ja keineswegs immer einverstanden ist, mit dem Atem zum Beispiel. Am schlimmsten ist, daß man keine Partnerschaft hat, wie ein Geiger zum Beispiel, der sich das vertraute Stück Holz unters Kinn klemmt. Oder ein Pianist, der sich seinen eigenen Flügel mitbringt. Selbst ein Sänger hat im Vollbesitz seiner Kräfte die Stimme zum Partner. Als Schauspieler ist man föhngeschädigt, hat Arthrose und die Angst: Wann hat man die Rolle? Wie oft hat einen statt dessen die Rolle....

Aber es gibt doch das schauspielerische Handwerk?

Ja, aber was kann man denn wirklich lernen, auf einer Schule zum Beispiel? Fechten, Tanzen — beides kann ich nicht. Sonst kann man nur Anregungen kriegen.

Sehen Sie heute am Theater weniger Handwerk als früher?

Ja. Wir sind doch schon alle von der Sprachverhunzung erfaßt. Wenn die Reinigungskraft der Sprache wirksam werden soll, muß man sich schon um Handwerk bemühen. Dieser Prozeß ist nie abgeschlossen, aber er soll auch nie Selbstzweck werden.

Hatten Sie als junger Schauspieler Vorbilder?

Ja natürlich. Gründgens habe ich nur ein- oder zweimal auf der Bühne gesehen. Das Kino war wichtig in meinem Leben — in den Ufa-Zeiten gab es ja auch große Schauspieler: Caspar, Gründgens, Deltgen. Die Garbo — Sie glauben gar nicht, was die im Leben eines Fünfzehnjährigen bewirken konnte. Nachdem ich sie als „Anna Karenina" gesehen hatte, bin ich nach Hause gegangen und habe alle anderen gesammelten Kinoprogramme verbrannt — es sollte nichts mehr daneben existieren. Und dann natürlich Werner Krauß. Eine seiner größten Rollen war übrigens der Kaiser Rudolf in Gillparzers „Bruderzwist in Habsburg". Wenn man Schallplatten mit alten oder auch nur älteren Aufnahmen von Schauspielern hört, stellt man immer wieder fest, wie schnell das altert. Einer nicht: Werner Krauß. Dann gab es Ernst Deutsch, zum Beispiel als Nathan der Weise. Der Nathan war auch für mich ein großes Rollenerlebnis, als ich ihn im Wien am Theater in der Josefstadt gespielt habe. Erst wollte ich das Rollenangebot gar nicht annehmen, weil es in Wien die Legende so vieler großer Nathan-Darsteller gibt: Raoul Aslan, Ernst Deutsch, Attila Hörbiger, auch Erich Ponto, glaube ich. Aber dann hat mich Häussermann damit gelockt, daß er sagte: „Wäre es nicht eine große Freude für Ihre Frau, wenn sie beim Schlußapplaus einmal Vater und Sohn gemeinsam auf der Bühne sähe?" Mein Sohn ist Bühnenbildner, und in München hat es sich noch nie ergeben, daß wir gemeinsam in einem Stück tätig waren. Deshalb habe ich den „Nathan" in Wien gespielt.

Obwohl Sie immer wieder in Wien und Salzburg spielen, haben Sie den Münchner Kammerspielen seit 1958 die Treue gehalten.

Ich liebe das Haus sehr. Das Haus schützt sich selber. Denken Sie an das noble Zurücktreten von Hans-Reinhard Müller, um den Weg für Dorn und Wendt freizumachen. In was für Hände hätte dieses Haus kommen können — und es ist in den besten.

Romuald Pekny als Philipp der Zweite,mit Peter Lühr (Großinquisator) in „Don Carlos" von F. Schiller
Romuald Pekny als Mephistopheles mit Helmut Griem (Faust) in „Faust" der Tragödie erster Teil von J. W. v. Goethe
Romuald Pekny als Mephistopheles mit Helmut Griem (Faust)
in „Faust" der Tragödie erster Teil von J. W. v. Goethe.
Regie: Dieter Dorn. Kammerspiele, München, 1987. Foto: Rahanus
Romuald Pekny als Philipp der Zweite,mit Peter Lühr (Großinquisator)
in „Don Carlos" von F. Schiller. Regie: Alexander Lang.
Kammerspiele, München, 1985. Foto: Rabanus

Hat das Theater Ihres Erachtens heute eine moralische Aufgabe?

Vor allem gegenüber dem Dichter.
Daß man sein Werk nicht verhunzt, sondern es nach bestem Wissen und Gewissen macht, so ehrlich wie möglich.

Heute (1990) haben wir doch alle Ängste, wir sind tagtäglich mit so Furchtbarem wie der Atombombe, in allen höllischen Spielarten, mit Aids, dem Ozonloch, der drohenden Unbewohnbarkeit dieses Planeten konfrontiert.

Wenn eine Interpretation der Wahrheit verhaftet ist, dann wird sie sowieso durch all das, was wir heute erleben, tagtäglich in den Zeitungen lesen, im Fernsehen sehen, gefiltert sein.

Es geht gar nicht anders.
Dann bedarf es keiner vordergründigen Gags.

Romuald Pekny mit seinem Sohn Thomas Pekny
Romuald Pekny mit seinem Sohn Thomas Pekny (Bühnenbildner)
bei der Kostümprobe zu „Nathan der Weise" von Lessing. Wien,
Theater in der Josefstadt, 1979.
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