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Oper - Der Spieler |
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Der Spieler
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Oper in vier Akten |
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Gesellschaftsmagazin
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GENERAL Vladimir Ognovenko,
ALEXEJ Micha Didyk, POLINA Ktistine Opolais - Inszenierung / Bühnenbild
/ Kostüme Dmitri Tscherniakov
Staatsoper unter den Linden, Berlin - Foto: Monika Rittershaus |
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Musik und Sprache, Handlung und Szene THOMAS SCHIPPERGES Der Spieler im Spiegel der
Theaterästhetik Fjodor Dostojewski (1821-1881) hat Geistesgeschichte geschrieben. Seine Werke sind weit mehr als Zeugnisse der Weltliteratur. Dostojewskis Menschenbilder prägen Leser und Denker seit Generationen. Die Musikbilder in diesem Kosmos, die es gibt, sind dabei stets nur am Rande wahrgenommen worden. Eher als Idee und Metapher zu verstehen ist gewiss auch die von Paul Stefan (1913) mitgeteilte Äußerung Gustav Mahlers, die Lektüre Dostojewskis sei für angehende Komponisten wichtiger als Kontrapunktübungen.' Im Vergleich zu Leo Tolstoi (1828-1910), der selbst Klavier spielte, wohl auch komponierte und sich über sein eigenes, allzu intensives Musikerleben später zum rigorosen Musik-Ethiker wandelte, erscheint Dostojewskis Verhältnis zur Musik unkonkret. Vom Dichter selbst sind nur wenig musikbezogene Äußerungen überliefert. Von einer Sprache ist in einem Brief an Iwan Turgenjew die Rede, die »ausspricht, was das Bewusstsein noch nicht überwunden hat«. Und Dostojewski bat den Kollegen um eine Einschätzung der Rolle der Musik zwischen Genuss und Gebot. Diffus erscheint die Rezeption des Dichters in der Musikwelt. Suspekt, über seine Zusammenarbeit mit dem Musikkritiker und russischen Ur-Wagnerianer Alexander Serow, blieb Dostojewski dem »Mächtigen Häuflein« (Mili Balakirew, Alexander Borodin, Cesar Cui, Modest Mussorgski und Nikolai Rimski-Korsakow). 2 Mussorgski freilich muss ihn verehrt haben: Als Dostojewskis starb, stellte er bei einem Auftritt das Bild des Dichters schwarz verhüllt aufs Podium und improvisierte einen Trauermarsch. Das war kurz vor Mussorgskis eigenem Tod. Eine formale Vermittlung suchten die russischen literarischen Symbolisten, indem sie Dostojewskis künstlerische Ideen auf ein musikalisches Fundament stellten. Wjatscheslaw Iwanow verglich 1916 Dostojewskis Dichtung in ihrer »thematischen und kontrapunktischen Entwicklung« mit Sinfonien. Auch Andrei Bely bemerkte die Technik, gegensätzliche Elemente in einen gemeinsam kollidierenden Konflikt einfließen zu lassen, als sinfonische Steigerung.' Der Vergleich zielt auf die dramaturgische Einheit einer »polyphonen« Konzeption, besser: auf das Erleben von Einheit im zentralen Konflikt.
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| Als Vorlage konkreter musikalischer Werke entdeckten die Komponisten Dostojewskis Romane und Erzählungen erst spät. Es mag hierfür viele Gründe geben. Der Musikkritiker Wjatscheslaw Karatygin machte 1921 in einem Aufsatz über Dostojewski und die Musik geltend, dass die Musik in ihrer Entwicklung immer hinter den anderen Künsten zurückbleibe, »zumal hinter der am engsten mit der konkreten Realität verbundenen Literatur«." Das ist ein alter Topos. In der Tat zeigten sich die Komponisten zu Lebzeiten Dostojewskis vor allem noch von Alexander Puschkin (gest. 1837) oder Nikolai Gogol (gest. 1852) inspiriert. Zwar legte bereits 1903 Wladimir Rebikow eine Oper nach der Erzählung Der Christbaum vor und Prokofjew folgte mit dem Spieler. Doch erst seit den 1920er Jahren beschäftigten sich Opernkomponisten aller möglichen Länder intensiver mit Dostojewskis Stoffen: Otakar Jeremias und Daniel Ruyneman mit "Die Brüder Karamasow" oder Henri Charles Marechal und Arrigo Pedrollo mit "Schuld und Sühne", später Leos Janacek, Hans Krasa und Heinrich Sutermeister. Die anfängliche Zurückhaltung gegenüber Dostojewski — und ähnlich Tolstoi — lässt sich sicher auch über die komplexe Ideenführung der großen Romane begründen mit ihren verschiedenen ineinander | ![]() |
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ALEXEJ
Micha Didyk - Staatsopernchor - Komparsen
Inszenierung / Bühnenbild / Kostüme Dmitri Tscherniakov Staatsoper unter den Linden, Berlin - Foto: Monika Rittershaus |
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| verwobenen Handlungssträngen und einer kaum zu straffenden Fülle an Figuren (Prokofjews Tolstoi-Oper Krieg und Frieden sieht in der letzten Fassung 72 Rollen vor).Nach dem Ersten Weltkrieg begann sich das russische Theater für Dostojewski zu interessieren und stellte Schuld und Sühne (Verbrechen und Strafe), Die Brüder Karamasow, Die Dämonen oder Der Idiot auf die Bühne. Besondere Aufmerksamkeit zog Konstantin Stanislawskis und Wladimir Nemirowitsch-Dantschenkos Moskauer Künstlertheater auf sich. Dem jungen Prokofjew mag auch Karatygin die Gedankenwelt Dostojewskis nahe gebracht haben. Seit 1901 war Karatygin Mitorganisator der legendären Petersburger Veranstaltungsreihe Abende zeitgenössischer Musik, die im Umkreis der avantgardistischen Künstlergruppe "Mir Iskusstwa" (Welt der Kunst) stattfand. Man interessierte sich für die Werke der französischen Moderne oder auch Arnold | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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ALEXEJ
Micha Didyk - Staatsopernchor - Komparsen
Inszenierung / Bühnenbild / Kostüme Dmitri Tscherniakov Staatsoper unter den Linden, Berlin - Foto: Monika Rittershaus |
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Schönbergs (es war Prokofjew, der Schönberg zuerst in Russland spielte) und pflegte die zeitgenössische russische Musik. Nikolai Mjaskowski und Igor Strawinsky stellten ihre Kompositionen vor. Ein Ereignis war die (konzertante) erste öffentliche Aufführung von Mussorgskis Opernfragment "Die Heirat". 1908 spielte Prokofjew erstmals eigene Klavierstücke, die mit ihren drängenden Ostinati, perkussiven Akkorden, dissonanten Staccati, dynamischen Spannungen und scharf akzentuierten Rhythmen als Ereignis begriffen wurden. Die Bedeutung dieses Auftretens für die Rezeption des jungen Komponisten ist kaum zu überschätzen. 1910 folgte sein Moskau-Debüt, 1911 die erste Publikation. Prokofjew begann mit der Konzeption größerer Werke in den traditionellen zyklischen Gattungen Sonate, Konzert, Sinfonie und Oper.
1914, noch während des Aufbaustudiums am Konservatorium, sprachen Prokofjew und Nikolai Mjaskowski, der Freund, gemeinsam über Opern nach Dostojewski. Prokofjew nahm sich den Spieler vor, Mjaskowski plante, nie ausgeführt, eine Komposition nach dem Roman Der Idiot. In London, nach Abschluss des Konservatoriums, suchte Prokofjew seine Idee Sergej Djaghilew nahezubringen. Djaghilews Antwort ist Legende: "Die Oper als Form stirbt aus, das Ballett dagegen blüht auf". Während Prokofjew im Auftrag des Impresarios also an Ballettmusik arbeitete — Ala und Lolli und Der Schut — verfolgte er seine Opernpläne alleine weiter, rasch und energisch und gänzlich unbeeindruckt von der ,,geistreichen Bemerkung" Djaghilews,5. |
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BABULEN'KA
Stefanie Toczyska
Inszenierung / Bühnenbild / Kostüme Dmitri Tscherniakov Staatsoper unter den Linden, Berlin - Foto: Monika Rittershaus |
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Im
Herbst 1915 realisierte er die Umsetzung des Textes in vier Akten und sechs
Szenen, am Ende unterstützt durch seinen Freund und Schachpartner Boris
Demchinsky. Ein halbes Jahr später war der Klavierauszug fertig und im
Januar 1917 die Orchestrierung. Der Dirigent Albert Coates, in Absicht einer
Erneuerung der künstlerischen Linie des Mariinski-Theaters in Petrograd
(wie Sankt Petersburg inzwischen hieß), zeigte sich
an Prokofjews Partitur interessiert. Die Realisierung wurde Wsewolod Meyerhold
übertragen, dem innovativen Verfechter einer antirealistischen Bühnenkunst.
Coates Ambitionen gegenüber der musikalischen Moderne und die Theaterästhetik
Meyerholds ergänzten sich geradezu ideal in Prokofjews Oper. Die Sänger
aber protestierten gegen die Neuheit des Werkes. Ungeachtet der Widerstände
fanden noch erste Proben statt. Als dann im Februar 1917 von Petrograd aus die
Russische Revolution begann, kam das Mariinski-Theater in künstlerische
Selbstverwaltung — und setzte Prokofjews Oper ab. Meyerhold hielt dem
Komponisten die Treue, bis zur Schließung seines Theaters, der Verhaftung
und dem gewaltsamen Tod 1940. Prokofjew freilich verließ zunächst einmal das revolutionäre Russland. Er ging nicht ins Exil, sondern reiste mit offiziellem Pass aus und mit der ausdrücklichen Billigung von Anatoli Lunatscharski, Lenins Volkskommissar für Bildung und Kultur. Der Komponist lebte in den Vereinigten Staaten, im bayerischen Ettal und in Paris, ehe er nach fast einem Jahrzehnt den langsamen Prozess der Wiederannäherung an Russland und der Eingliederung in das sowjetische System aufnahm. Seine legendäre erste Reise in die Sowjetunion 1927 hat Prokofjew in einem Sowjetischen Tagebuch beschrieben, oder besser: nachinszeniert.' Überall wurde er gefeiert als der, in eigener Darstellung, sowjetische Komponist Nr. 1. Zurück in Paris, nahm er im Kontakt mit Meyerhold, auch den Spieler wieder vor. Trotz grundlegender Umarbeitung scheiterte die Realisierung erneut. So gab das Theatre de la Monnaie in Brüssel 1929 in französischer Sprache Kontakt mit Meyerhold auch den Spieler wieder die Uraufführung der Oper Le Joueur. Prokofjew gefiel die sorgfältige Einstudierung |
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ALEXEJ
Micha Didyk, ,POLINA Kristine Opolais
Inszenierung / Bühnenbild / Kostüme Dmitri Tscherniakov Staatsoper unter den Linden, Berlin - Foto: Monika Rittershaus |
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BABULEN'KA
Stefanie Toczyska
Inszenierung / Bühnenbild / Kostüme Dmitri Tscherniakov Staatsoper unter den Linden, Berlin - Foto: Monika Rittershaus |
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unter Leitung von Corneil De Thoran und zumindest
zufrieden zeigten sich auch Kritik und Publikum. Zwei Jahre lang hielt sich
die Oper im Spielplan. 1931 erstellte Prokofjew eine sinfonische Suite, indem
er die verstreuten musikalischen Charaktere der Hauptpersonen zu vier Porträts
und Finale op. 49 zusammenfasste. Die Oper selbst wurde zu Lebzeiten des Komponisten
nicht mehr gespielt. Hermann Scherchen dirigierte das Werk in Neapel, Charles
Bruck konzertant in Paris und Helmut Franz leitete die deutsche Erstaufführung
in Darmstadt. Die russische konzertante Erstaufführung fand 1963 in Leningrad
statt und fast zwanzig Jahre nach Prokofjews Tod kam 1970 in Tartu und 1974
in Moskau "Der Spieler" in der Sowjetunion auf die Bühne. Ungeachtet der schwierigen Realisierung eigentlich aller seiner Opern, kreisten Prokofjews künstlerische Vorstellungen zeitlebens um die Bühne. Es faszinierte ihn das Zusammenwirken der Künste — Musik und Sprache, Handlung und Szene — und es reizten die damit verbundenen Wirkungsfaktoren. Prokofjew hatte Vertrauen in die Oper als Kunstform. Von Anfang an. Gounods Faust erlebte er als Achtjähriger in Moskau. In seinen 1941 aufgezeichneten Erinnerungen gibt er eine ironisch distanzierte und doch farbig schillernde Darstellung dieser ersten Begegnung mit der Gattung: 'Mir waren lange vor Öffnung des Vorhangs ins Theater gekommen, und ich empfand vor lauter Warten schon heftige Langeweile. Ich hatte keine klare Vorstellung davon, an welche Art von Ort man mich mitgenommen hatte und warum, und dem, was mir bevorstand, sah ich mit Skepsis entgegen. Plötzlich aber begann sich eine interessante Aussicht abzuzeichnen: "Der Teufel trat in Erscheinung, und sie begannen ein lustiges Leben zu führen".7 Starke Eindrücke hinterließen auch die nachfolgenden Opernbesuche. Sergej Prokofjew begann, neun Jahre alt, selbst Opern zu schreiben: Der Riese (1900), Auf unbewohnten Inseln (1901/02) und, inzwischen unter Anleitung des als Hauslehrer verpflichteten Reinhold Gliere, Das Gelage während der Pest nach Puschkin (1903). Als Prokofjew dreizehnjährig in das Konservatorium in Sankt Petersburg aufgenommen wurde, arbeitete er bereits an seiner vierten Oper: Undine nach Friedrich de la Motte-Fouque (1904-07). Die szenischen und musikalischen Elemente spiegeln seine inzwischen erweiterte Repertoirekenntnis. Von Anfang an zeigen sich Vorlieben für Handlungsmotive des Fantastischen und Märchenhaften ebenso wie für die Distanz ihrer Darstellung. Stilisierung und Verfremdung, Maske und Spiel haben den Komponisten lebenslang begleitet. Nach ein paar Studienjahren — Prokofjew musste zunächst einmal Grundlagen lernen — legte er 1911 wieder eine Oper vor: "Maddalena. Zwar kam die geplante Konservatoriumsproduktion aufgrund der besonderen Aufführungsschwierigkeiten nicht zustande (sie erfolgte erst 1979), doch sah der Komponist in diesem Werk seine erste vollgültige Oper und gab ihr die Opuszahl 13. Prokofjew brachte hier einen eigenen Frauencharakter erstmals auf die Bühne, einen Typus, der Elemente der passiv unschuldsvollen »femme fragile« und der aktiv aufbegehrenden, damals so populären »femme fatale« verbindet: Zwei völlig gegensätzlichen Männern hingegeben, die nicht voneinander wissen und sich bei ihrer Entdeckung gegenseitig töten, erkennt Maddalena, selbst unberührt und geradezu beiläufig, ihren eigenen Weg in die Freiheit.
Auf »Maddalena« und »Der Spieler« ließ Prokofjew, auf dem Höhepunkt seiner kompositorischen Möglichkeiten, zwei gleichermaßen geistvolle, dabei höchst konträre Opern folgen: »Der feurige Engel« (1919-27) nach Waleri Brjussows spirituell gespannter und bilderbeladener Erzählung sowie »Die Liebe zu den drei Orangen« nach Meyerholds russischer Textadaption der Komödie von Carlo Gozzi (1919-21). Meyerhold suchte hier, parallel zu Gozzis Anlehnung an den Geist der Commedia dell'arte, nach neuen Formen des Theaters: Improvisation statt Interpretation, Imagination statt Illusion, Magie statt Moral, buffoneske Brillanz statt ausgearbeitete Bühnenrealistik. Im Theater sollte das Künstlerische stets auch als Künstliches durchsichtig bleiben. Prokofjews Musik unterstreicht durch Tänze und Pantomimen und den Gebrauch |
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