Oper - Fidelio

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Kultur Fibel Magazin
Fidelio

Oper in zwei Aufzügen von Ludwig van Beethoven (1770-1827)
Libretto von Joseph Ferdinand von Sonnleithner, Stephan von Breuning und Georg Friedrich Treitschke, nach dem Libretto von Jean-Nicolas Bouilly für die Oper « Leonore ou L'amour conjugal» von Pierre Gaveaux
Uraufführung: 23. Mai 1814, Kärntnertor-Theater, Wien

Gesellschaftsmagazin
Fidelio; Christph Strehl, Jaquino - Lucio Gallo, Don Pizzaro - Statisten Fidelio; Lucio Gallo, Don Pizzaro - Alfred Muff, Rocco
Fidelio, Oper - Jaquino, Christph Streh, - Don Pizzaro, Lucio Gallo - Statisten
Opernhaus Zürich -Foto:© Suzanne Schwiertz
Don Pizzaro, Lucio Gallo, - Rocco, Alfred Muff
Opernhaus Zürich -Foto:© Suzanne Schwiertz
Fidelio; Melanie Diener, Leonore »Fidelio« - Roberto Saccà, Florestan
Fidelio, Oper -Fidelio (Leonore), Melanie Diener - Florestan, Roberto Saccà - Opernhaus Zürich -Foto:© Suzanne Schwiertz
Die Premiere des «Fidelio» ist für den 20. September 1805 angesetzt, aber natürlich haben die Wiener Zeitgenossen den revolutionären Gehalt des Stücks ebenso wenig übersehen wie das Pariser Publikum bei der französischen Urversion von 1798. Im konservativen Österreich hat die Zensur gegen eine «Freiheitsoper» Bedenken. So wird der Premierentermin verschoben — und fällt schliesslich mit dem 20. November 1805 in eine ungünstige Zeit, denn inzwischen sind die napoleonischen Besatzungstruppen in Wien eingezogen. So besteht das Premierenpublikum zum Grossteil aus französischen Offizieren, die mit der Oper wenig anfangen können und sich darüber wundern, wie sich ein vormals erfolgreiches französisches Kolportagestück in ein merkwürdig heterogenes deutsches Singspiel verwandelt hat. Auch für die Wiener ist «Fidelio» in einer politisch so unruhigen Zeit nicht das richtige Werk. So hat einzig die erst neunzehnjährige Sängerin Anna Milder als Leonore Erfolg — im übrigen findet die Oper wenig Beifall und wird nach drei Aufführungen abgesetzt.
Freunde reden Beethoven zu, Umarbeitungen und Kürzungen vorzunehmen. Der Komponist ist erst dagegen, entschliesst sich aber, zusammen mit seinem Freund Stephan von Breuning eine gestraffte, zweiaktige Fassung herzustellen. Ein über 250 Seiten umfassendes Skizzenbuch belegt den mühsamen Arbeitsprozess. Die zweite «Fidelio»-Premiere, der die 3. Leonorenouvertüre vorangeht, findet unter dem Titel «Leonore oder Der Triumph der ehelichen Liebe» am 29. März 1806 wieder im Theater an der Wien statt. Die Publikumsresonanz ist besser, doch nun gerät Beethoven mit dem Intendanten über Tantiemenfragen in Streit und zieht sein Werk zurück. So verschwindet «Fidelio» nach fünf Aufführungen erneut.

Erst 1814 rafft sich Beethoven dazu auf, mit Hilfe des Opernregisseurs Georg Friedrich Treitschke «Fidelio» erneut umzuarbeiten. «Die Oper erwirbt mir die Märtyrerkrone», schreibt Beethoven an Treitschke und dokumentiert damit die Überwindung, die es ihn kostet, sich seine Oper noch einmal vorzunehmen. Jetzt erhält «Fidelio» seine endgültige Gestalt. Sonnleithners Text wird radikal gekürzt, Musiknummern aus der ersten und zweiten Fassung werden umgestellt oder entfallen ganz, wie beispielsweise das Duett Marzelline-Fidelio «Um in der Ehe froh zu leben» und das Terzett Marzelline — Jaquino — Rocco «Ein Mann ist bald genommen». Dafür lässt Beethoven seine Oper nun anstatt im Kerker auf dem Paradeplatz des Schlosses mit einer Melodie aus seiner 1790 komponierten Kantate auf den Tod Joseph II. oratorisch enden: Der Hymnus mit dem ursprünglichen Text «Da stiegen die Menschen ans Licht» wird dem Orchester gegeben, in den sich Leonore und die übrigen mit ihrem «0 Gott! — Welch ein Augenblick» hineinfügen. Noch einmal erhält das Werk eine neue Ouvertüre, die «Fidelio»-Ouvertüre in E-Dur, die aber erst zur zweiten Vorstellung fertig komponiert ist. Wieder mit Anna Milder in der Titelpartie wird die Aufführung des «Fidelio» im Kärntnertor-Theater am 23. Mai 1814 fast ein Jahrzehnt nach der Uraufführung er ersten Fassung, zu einem überwältigenden Publikumserfolg.Der «Fidelio» des Jahres 1814 ist eine grundlegend andere Oper als das ursprüngliche Werk von 1805. Zwar steht nach wie vor das Schicksal Leonores und Florestans im Mittelpunkt des Geschehens, doch die individuelle Charakterisierung wird idealisierter und stereotypischer. In den Fassungen von 1805 und 1806 sangen Leonore und Florestan ihr ekstatisches Duett «0 namenlose Freude» schon, als sie sich noch nicht sicher sein konnten, welches Schicksal ihnen bevorsteht. 1814 lässt Beethoven keinen Zweifel am glücklichen Ausgang. Der menschliche Aspekt wird nun der moralischen Botschaft der Oper untergeordnet, und die Gefangenen, die aus dem Dunkel ins Licht entlassen werden, erscheinen jetzt als Vertreter einer unterdrückten Menschheit, die sie 1805 noch nicht gewesen waren. Wie in einem Brennglas sind universelle Ideen zusammengefassst: Freiheit, mutiges Verhalten im Angesicht der Tyrannei, heroische Entschlossenheit, Brüderlichkeit unter den Menschen.
«Es sucht der Bruder seine Brüder», singt Don Fernando im Finale der Oper, das gedanklich bereits die Neunte Sinfonie ahnen lässt. Im weiteren Verlauf dieses Finales nimmt der Chor dann den Schluss der kommenden Sinfonie noch deutlicher vorweg, wenn es heisst: «Wer ein holdes Weib errungen, stimm' in unsern Jubel ein.»

Die Idee der universalen Harmonie jenseits ethischer oder politischer Realität scheint in geradezu überwältigender Dimension im ekstatischen Zusammenklang von Ensemble, Chor und Orchester auf und wird so zur Herausforderung für jeden Dirigenten.


Mit der Kraft der Liebe, überzeugt die Ehefrau Leonore,
verkleidet als Fidelio - Oper Fidelio - Opera
Ludwig van Beethoven

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FidelioMelanie Diener, Leonore »Fidelio« - Roberto Saccà, Florestan
Fidelio, Oper - Fidelio (Leonore), Melanie Diener - Florestan, Roberto Saccà,
Opernhaus Zürich -Foto:© Suzanne Schwiertz
Fidelio; Roberto Saccà, Florestan - Krêsimir Straanac, Don Fernando - Opernchor
Fidelio, Oper - Florestan, Roberto Saccà - Don Fernando, Krêsimir Straanac - Opernchor
Opernhaus Zürich -Foto:© Suzanne Schwiertz
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