Oper: Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny

Kultur Fibel Magazin

Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny

Oper Musik Kurt Weill
Text Bertolt Brecht
Oper in 3 Akten., Uraufführung am 9. März 1930 in Leipzig, Neues Theater.

ORT und ZEIT:
Gründung der imaginären Stadt Mahagonny in einer fiktiven nordamerikanischen Gegend Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Schacher- >hebr., übles Geschäftemachen< US-Gesellschaft gab, in den 20er Jahren, den Anstoß zu
dem Werk. Ein Aufruf gegen den zügellosen Kapitalismus, das Leben im Wahn des Geldes, des Konsumwahns,
das in der sozialen Entropie, im Verfall der Gesellschaft enden muss. Brecht wollte Denkanstöße zu den zentralen Fragen menschlichen Lebens vermitteln.
»Im 21. Jahrhundert wird die menschliche,
gesellschaftliche Fehlentwicklung eine bedrückende Realität
«.
2007 /Armin H. Eilenberg
Gesellschaftsmagazin
PERSONEN:
Leokadja Begbick Mezzosopran oder Alt
Fatty, der »Prokurist« Tenor
Dreieinigkeitsmoses, Bariton
Jenny, Sopran
Jim Mahoney / Paul Ackermann, Tenor
Jack O'Brien / Jakob Schmidt, Tenor
Bill, »der Sparbüchsenbill«/ Heinrich Merk, Bariton
Joe, »der Alaskawolf-Joe/ Josef Lettner, Baß
Tobby Higgins, Tenor
Sechs Mädchen von Mahagonny und die Männer von Mahagonny.

ORT und ZEIT:
Gründung der imaginären Stadt Mahagonny in einer fiktiven nordamerikanischen Gegend Anfang des 20. Jahrhunderts.

aus. In der ersten Verhandlung des Tages konnte sich ein Mörder durch ein hohes Bußgeld frei kaufen. Danach kam die Verhandlung gegen Jim Mahoney. Die Anklage wirft ihm das größte Verbrechen "Mangel an Geld" vor. Die Beweise sind eindeutig, Jim wird zum Tod verurteilt.

Jim wird auf dem elektrischen Stuhl fest geschnallt, er darf sich noch von der Hure Jenny verabschieden. Im Angesicht des Todes lässt ihm die Begbick das »Spiel vom Gott in Mahagonny« mit Moses, als Gott vorspielen.
Die Männer von Mahagonny verhöhnen Gott, weil er sie in die Hölle jagen will.
»An den Haaren kannst du uns nicht in die Hölle ziehen, weil wir immer in der Hölle waren.«
Jim stirbt.

Der zunehmende Preisanstieg, die Verrohung, die Vereinsamung, der Schacher, die Feindschaften, die in immer kürzeren Schüben, haltlose Befriedigung ihrer Triebe, leitet die letzte Phase des Untergangs der Entarteten, von Mahagonny ein.
Sie resümieren:
»Können uns und euch und niemand helfen«.



1927 verabredeten K. Weill und B. Brecht eine Oper mit dem Titel Mahagonny. Kurt Weill (*1900 † 1950, Sohn eines jüdischen Kantors) erhielt im gleichen Jahr, wie Hindemith, Milhaud und Toch, für das Musikfest in Baden-Baden den Auftrag zu einem Operneinakter. Er stellte es aus den, in den Haus-schriften (1927) von Brechts enthaltenen Mahagonny-Gesängen, als eine Kantate zusammen. Mahagonny, ein Songspiel wurde am 17. 7. 1927 unter großem Beifall aufgeführt. Nach der gelungenen Aufführung erweitern die Autoren, das Singspiel zu einer abend füllenden Oper »Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny« (1930).
Die "Abrechnung" mit dem menschenunwürdigen "Geld-Gott" fällt viel härter, als bei der Dreigroschen-oper (1928) aus. Die humoristisch, satirischen Elemente entfallen vollkommen. In dieser Schaffens-periode fällt auch "Happy End" (1929), "Das Berliner Requiem", "Der Lindberghflug".

Die Lieder von Kurt Weill basieren auf naiven Melodien, seine Musik orientiert sich an modernen zeitgenössischen Formen wie Foxtrott, Blues und Jazz. Seine Musik verdichtet sich im Finale des 1. und 3. Aktes zu kunstvolleren Strukturen, so beim Nahen des Hurrikans. Geschlossene Opernmelodien, Zitate und Parodien (u. a. auf Bach, Mozart, und Weber, das Gebet einer Jungfrau); wurden zu Schlagern »0 moon of Alabama« und »Denn, wie man sich bettet, so liegt man«. Hervorzuheben ist das schöne poetische Duett mit Jim und Jenny
»Sieh, jene Kraniche.«

Bei der Uraufführung 1930 in Leipzig, kam es zu einem der größten Theaterskandale und die Oper erlebte nur sechs Aufführungen. Trotz immer wilderer Demonstrationen gegen die Dekadenz, angeführt von den Nationalsozialisten, fanden noch Aufführungen in Braunschweig, Frankfurt am Main, Kassel, Prag und 1931 in Berlin, mit über 55 Aufführungen einer der größten Erfolge einer zeitgenössischen Oper, statt.
Die amerikanische "freie", zügellose, kapitalistische Gesellschaft inspirierte Brecht, nicht wie teilweise verbreitet, die Kulturmetropole Berlin (Kuckhahn ein Regiemitarbeiter von B. Brecht, später mit seinem eigenen Theater "Kiki" in Berlin, Hermannstraße). In den Jahren 1929 bis 1933 war ein derartiger Verfall von Menschen unglaublich, nicht vorstellbar und der Verdacht, mit der Bühnenfassung "Entartung" Profit zu erzielen, förderte die Demonstrationen.

Wenn im Jahre 2008, in allen gesellschaftlichen Bereichen die Zunahme der soz. Entropie, die Unordnung, der Verfall und die Entartungserscheinungen unübersehbar werden, dann ist die Weitsicht von B. Brecht zu bewundern. A.H.Ellental

1. Akt.
Vor dem Polizeizugriff, auf der Flucht, haben die Gauner Leokadja Begbick, Fatty und Dreieinigkeits-Moses, in einer trostlosen Einöde, eine Autopanne. Die Begbick kommt auf die Idee, genau hier eine Stadt mit dem werbeträchtigen Namen Mahagonny zu gründen. Ein Vorteil, den dieses eintönige Terrain bietet, ist die Nähe der Goldgräberstätten. Die Gold grabenden Abenteurer sind ein Ziel des Gaunertrios, im Sinne des "New Markts", das Geld der Ahnungslosen in ihre Taschen zu transferieren.

Die Stadt, mit dem Gründungsprotokoll, der absoluten Freiheit - hier ist alles erlaubt, wächst schnell. Nach den »Heuschrecken« siedeln sich die »Haie« an. Jenny und ihre sechs Mädchen erregen die Aufmerksamkeit bei ihrem Stadteinzug. Sie ordern Whisky und singen den Alabama-Song
»Oh show us the way to the next whisky bar«.
Neue Einwohner für Mahagonny werben Moses und Fatty erfolgreich bei den Überschuldeten, den Desillusionierten der großen Städte an. Zu den zahlreichen Zugereisten gehören auch Jim, Joe, Jack, Bill und Holzfäller aus Alaska, mit den Taschen voller Geld. Begbick setzt zum Anreiz den Neuankömmlingen die Preise herunter und stellt ihnen ihre Mädchen vor.
Die Begbick, Fatty und Moses klagen:
»Dieses Mahagonny ist kein Geschäft geworden«.

Es bleibt dem Gaunertrio kein Ausweg, sie müssen in Mahagonny bleiben, denn sie werden überall polizeilich gesucht. Und Jim langweilt sich ebenfalls, er plant die Stadt Mahagonny zu verlassen. Die zahlreichen Verbote reizen ihn zum Aufruhr. Plötzlich versagt die Elektrizität, alle Lichter erlöschen in der Stadt. Ein Hurrikan ist angekündigt und wird die Stadt Mahagonny direkt treffen. Die Bewohner sehen verzweifelt den Untergang entgegen, aber Jim findet in der herannahenden Katastrophe
»die Gesetze der menschlichen Glückseligkeit«. Er proklamiert das neue Gesetz und fordert die Bewohner von Mahagonny auf, "zu tun, was verboten ist".
»Denn wie man sich bettet, so liegt man«.

2. Akt.
Der Hurrikan hat vor Mahagonny seine Richtung geändert, aber die von Jim ausgerufene Losung »tu, was verboten ist, ihr seit freie Individuen", hat sich durchgesetzt. Fressen, Huren, Konsumieren, Prahlen, Saufen und Partys bestimmen den Tagesablauf der Bürger von Mahagonny, es wird ihr lärmender Lebensinhalt.
(Fast identisch mit den Lebensabläufen in den Städten der Industriestaaten im 21. Jahrhunderts).

Jims Freund Joe wird von Moses, beim Preisboxen, totgeschlagen. (Der Totschläger ist Moses, der Name wurde von Brecht gewählt und Moses war auch der jüdische Gesetzgeber im A. T.) Die Gier auf das nächste Erlebnis, den angekündigten Boxkampf, der Lärm beherrscht die Szene, niemand nimmt Notiz von dem herausgetragenen Toten.

Jim, der alles auf seinen Freund verwettet hat, lädt die Anwesenden zum Whisky ein. Nach dem Fest präsentiert die Begbick den volltrunkenen Jim die Rechnung, doch er ist total pleite, keiner seiner Zech-Kumpane ist bereit ihm zum Wucherzins ein Darlehn zu geben, Jim kommt hinter Gitter.

3. Akt.
Jim hat Angst vor dem kommenden Verhandlungstag. Die Gerichtsverhandlung artet in eine volkstümliche Gaudi

Spieldauer: ca. 140 Minuten.

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