Anm.:
Der Staat Israel, den sich Martin Buber nur in Kooperation und Solidarität
mit den Arabern vorstellen konnte, will den UN-Bericht über Kriegsverbrechen
im Gaza-Krieg nicht anerkennen.
Am 1. Dezember 2009 haben rund 570 jüdische Persönlichkeiten
in Großbritannien in einem offenen Brief in der „Times“
Premierminister Gordon Brown aufgefordert, den Report zu billigen
und von der Diffamierung und Verleumdung Richard Goldstone, eines
international anerkannten und geachteten Juristen, der ganz wesentlich
zur Durchsetzung des internationalen, humanitären Völkerrechts
beigetragen hat, Abstand zu nehmen.
Zur Pressekonferenz, am 16. Januar 2010, wird eine Kurzfassung des
UN-Berichts vorliegen
und der ca. 700 Seiten starke Bericht für die Presse reserviert
sein.
Human
Rights Counzil
Bericht der
Untersuchungskommission der Vereinten Nationen
über den Gaza-Konflikt
Menschenrechte
in Palästina
und anderen besetzten arabischen Gebieten
Herausgegeben
von Elise Hendrick & Abraham Melzer
SEMITedition
Vorwort
Für
einen Halbjuden, der das Entstehen eines Landes für die schrecklich
ausgerotteten Juden Europas im Jahre 1948 als eine Notwendigkeit empfand,
ist es besonders schmerzhaft, erkennen zu müssen, wie sich Israel
einundsechzig Jahre nach seiner Gründung seinen palästinensischen
Nachbarn gegenüber in der unwürdigsten, menschenrechtswidrigsten
Weise verhält.
Jede Zeile des Berichtes, der die von Richard Goldstone geleiteten
Kommission im Auftrag des Menschenrechtsrates der Vereinten Nationen
uns heute zu lesen gibt, ist vor allem ein hervorragendes Beispiel
für die Sachlichkeit, die Objektivität, die Gründlichkeit
und daher die absolute Verlässlichkeitdes Verfassers.
Das
deutlich erreichte Ziel, das was in Gaza geschehen ist, genau mit
den Bestimmungen des international akzeptierten Rechts zu bewerten,
wer auch immer die Verantwortung für seine Verletzung trägt,
- ob die israelischen Streitkräfte oder auch Hamas oder Fatah
- gibt dem Bericht den höchsten Wert.
So ausführlich die Kommission jede Einzelheit der mörderischen,
unmenschlichen Verfahren innerhalb, aber auch vor und nach der „Operation
gegossenes Blei“ erforscht hat, so hält sie sich daran,
nur das festzustellen und zu bewerten, was den Artikeln der Verträge
entspricht, die seit der Charta der UNO und der Genfer Verträge
uns alle bindet und das einen Staat wie Israel umso gewaltiger verpflichten
sollte,
als er selbst den Vereinten Nationen seine Existenz verdankt.
Da ich im Juni 2009 drei Tage in Gaza war, kann ich auch das persönliche
Zeugnis von mir und meiner Frau, die mich begleitete, als volle Bestätigung
dafür bringen, dass es sich um schwere Verletzungen seitens der
israelischen Streitkräfte gehandelt hat, die man nicht anders
bezeichnen kann als Kriegsverbrechen und in mehreren
Fällen als ganz willkürlich vollstreckten Verbrechen gegen
die Menschlichkeit.
Natürlich gibt es solch eine Bezeichnung auch für das Raketenbeschießen
der israelischen Dörfer in der Nähe von Gaza durch die Hamas.
Die geringe Anzahl der Opfer dieser Beschießungen ist hier selbstverständlich
keine Entschuldigung. Warum lässt die Regierung Israels einen
so sorgfältig beschaffenen Bericht ohne Antwort und ohne Anerkennung?
Da
ist es, was mich besonders besorgt macht.
Wie lange kann dieser Staat – einst ein Objekt internationaler
Bewunderung für seine Kreativität und Modernität –
den auf ihm lastenden Ruf des Kriegsverbrechens aushalten?
Wann schreitet an die Stelle der heutigen schändlichen Regierung
ein weiser politischer und moralischer Führer, der es versteht
aus seinen palästinensischen Nachbarn Partner und Freunde zu
machen und damit – nur damit ! – seine eigene Sicherheit
und Langlebigkeit begründen?
Auf alle Fälle kann den Goldstone-Bericht kein anständiger
Jude, Christ, Moslem lesen ohne sich so eine Wandlung von Herzen zu
wünschen.
Stéphane
Hessel, Paris
Ambassadeur de France
Einleitung
1.
Am 3. April 2009 gründete der Vorsitzende des Menschenrechtsrates
die Untersuchungskommission der Vereinten Nationen zum Gaza-Konflikt
mit dem Auftrag, „alle möglichen Verletzungen des humanitären
Völkerrechts bzw. internationaler Menschenrechtsvorschriften,
die zu irgendeinem Zeitpunkt im Zusammenhang mit den zwischen dem
27. Dezember 2008 und dem 18. Januar 2009 durchgeführten
Kriegshandlungen, d.h. sowohl während der Kriegshandlungen als
auch davor und danach, zu untersuchen“.
2.
Der Vorsitzende ernannte den Richter Richard Goldstone, ehemals
Richter am südafrikanischen Verfassungsgerichtshof und ehemaliger
Ankläger am Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige
Jugoslawien und Ruanda, zum Leiter der Kommission. Als weitere Mitglieder
wurden ernannt:
Professorin Christine Chinkin, Professorin für Völkerrecht
an der London School of Economics and Political Science, ehemaliges
Mitglied der hochrangig besetzten Untersuchungskommission, 2008 für
Beit Hanoun; Frau Hina Jilani, Verteidigerin am Obersten Gericht Pakistans
und ehemalige Sonderbevollmächtigte des
Generalsekretärs zur Situation von Menschenrechtsverteidigern.
Außerdem
war sie 2004 Mitglied der internationalen Untersuchungskommission
zu Darfur;
Oberst Desmond Travers, ein ehemaliger Offizier der irischen Streitkräfte
und Vorstandsmitglied des Instituts für Internationale Strafrechtliche
Untersuchungen.
3.
Entsprechend der üblichen Praxis richtete das Büro
des Hohen Kommissars für Menschenrechte (OHCHR) ein Sekretariat
zur Unterstützung der Kommission ein.
4.
Die Kommission legte ihren Auftrag dahingehend aus, dass
die Zivilbevölkerung im Mittelpunkt ihrer Ermittlungen über
Völkerrechtsverletzungen zu stehen hatte.
5.
Die Kommission tagte zum ersten Mal vom 4. bis zum 8. Mai
2009 in Genf. Außerdem tagte sie in Genf am 20. Mai, am 4. und
5. Juli und vom 1. bis 4. August 2009. Die Kommission führte
drei Besuche vor Ort durch: zwei im Gaza-Streifen, vom 30. Mai bis
6. Juni sowie zwischen dem 25. Juni und dem 1. Juli 2009; sowie einen
Besuch in Amman am 2. und 3. Juli 2009.
Mehrere Mitarbeiter des Sekretariats waren vom 22. Mai bis 4. Juli
vor Ort in Gaza zwecks Nachforschungen stationiert. 6. Am 7. Mai 2009
wurden Verbalnoten an alle Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen
und die Organe und Körperschaften der Vereinten Nationen gesandt.
Am 8. Juni 2009 rief die Kommission alle interessierten Personen auf,
der Kommission durch die Vorlage von Informationen und Dokumenten
bei der Erfüllung ihres Auftrags zu helfen. 7. Am 28. und 29.
Juni wurden
in Gaza und am 6. und 7. Juli 2009 in Genf öffentliche Anhörungen
durchgeführt.
8.
Die Kommission hat sich wiederholt um Kooperation seitens der Regierung
Israels bemüht. Nachdem unzählige Versuche gescheitert waren,
ersuchte die Kommission mit Erfolg um die Unterstützung der Regierung
Ägyptens zur Einreise in den Gaza-Streifen über den Grenzübergang
Rafah.
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Der
Bericht in der vollständigen Kurzfassung.
Kultur Fibel,
mit dem Vermächtnis ihrer ersten Geschäftsführerin,
"Liebe zur Wahrheit".