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| Meine
Damen und Herren, die Finanzindustrie hierzulande und weltweit steht vor wichtigen Weichenstellungen. Wir müssen einerseits auf die Herausforderungen der unmittelbaren Zukunft reagieren, andererseits die richtigen strategischen Lehren aus der Krise ziehen und uns auf die fundamental veränderten regulatorischen Rahmenbedingungen einstellen. [1. Der unmittelbare Ausblick] Schaut man zunächst auf den aktuellen Rand gibt es einerseits deutliche Lichtblicke. Positive Marktentwicklungen in fast allen Assetklassen sorgten in den letzten Monaten für eine merkliche Verbesserung der Gesamtstimmung. Hinzu kommt die Tatsache, dass gerade im Investmentbanking die Institutionen, die die Krise überstanden haben, vom Marktaustritt einiger Wettbewerber profitieren. Andererseits muß uns allen bewußt sein: Die guten Zahlen spiegeln eine Sondersituation wider. Märkte und Banken weltweit ziehen derzeit noch Nutzen aus den monetären und fiskalischen Stützungsmaßnahmen. Wie sich die Banken nach einer Normalisierung schlagen werden, also dann, wenn diese Maßnahmen ausgelaufen sein werden, muss sich zeigen. Die Frage, was das „new normal“ nach der Krise ist – wo also die neuen Gleichgewichtspreise und -mengen in den verschiedenen Marktsegmenten liegen – ist noch offen. Dies bedeutet, dass strategische Entscheidungen unter noch größerer Unsicherheit als sonst zu treffen sind. [2. Strategische Lehren der Banken] Dies bringt mich zu meinem zweiten Punkt: Welche strategischen Lehren haben die Banken aus der Krise gezogen? Entgegen dem in der Öffentlichkeit bisweilen vorherrschenden Eindruck sind tatsächlich rasch und grundlegend Konsequenzen gezogen worden. Dies gilt insbesondere für die Verbesserung des Risiko-, Liquiditäts- und Kapitalmanagements. Nicht nur wurden die Risikomodelle überarbeitet, sondern es wurde vor allem die Stellung des Risikomanagements in der Führung von Banken gestärkt. So soll sichergestellt werden, dass künftig auch in Boomzeiten die Risikodisziplin gewahrt bleibt. Dies gilt wohlgemerkt sowohl für das laufende Geschäft als auch für Akquisitionen. Um auch bei Druck und Gegenwind an risikogerechten Preisen festzuhalten, braucht es den Mut, gegebenenfalls auch gänzlich „nein“ zu sagen. Im Kapitalmanagement hat sich der nicht zuletzt von unserem Haus immer wieder betonte Wert einer soliden Eigenkapitalausstattung als von überragender Bedeutung erwiesen. Gleichzeitig hat die Krise die Bedeutung einer soliden und diversifizierten Refinanzierung mit einem großen Anteil stabiler Quellen unterstrichen. Jenseits dieser beiden exemplarisch genannten Punkte ist jedoch eines auffällig: Die Krise gab keinen Hinweis auf die Überlegenheit eines bestimmten Geschäftsmodells. Universalbanken gerieten ebenso in Schieflagen wie Spezial- und Investmentbanken – und innerhalb der jeweiligen Gruppen finden sich Verlierer ebenso wie Gewinner. Dies kommt aus meiner Sicht nicht völlig überraschend. Das Bankgeschäft ist so vielfältig und heterogen, dass es erstaunlich wäre, wenn es ein einziges, „one size fits all“ Erfolgsmodell gäbe. Wichtig ist, dass das Konzept in sich stimmig ist, stringent verfolgt sowie von Mitarbeitern und Investoren verstanden wird. Ultimativ entscheidet also die Qualität des Managements über Erfolg und Misserfolg eines jeden Unternehmens. 4 [3. Die
Konsequenzen veränderter Regulierung: Eigenkapital] [4. Konsequenzen
neuer Regulierung: Gefahr für Marktintegration] Wir müssen
einer Re-Fragmentierung entschieden entgegenwirken, denn ein Verzicht auf
die Vorteile der Integration ist nicht zu verantworten. Mir scheint, in
der gegenwärtigen Diskussion wird teilweise übersehen, welchen Wert
große Banken für unsere Volkswirtschaften haben. Die Vorstellung,
wir könnten moderne, entwickelte und international verflochtene Volkswirtschaften
mit einer Reihe mittelgroßer Banken finanzieren, ist illusorisch. [6. Elemente
eines effizienten Krisenmanagements] • Erstens:
Finanzinstitute, die ein größeres Risiko darstellen, sollten höhere
Eigenkapitalanforderungen erfüllen. Ich betone: “Firmen, die ein
höheres Risiko darstellen” – es ist die Größe
des Risikos, nicht die Größe an sich, die höhere Eigenkapitalanforderungen
rechtfertigt. Solche Pläne
würden logisch an unsere in den letzten Jahren entwickelten Business
Continuity Konzepte anknüpfen. Kritisch sehe ich allerdings das zuletzt
häufig propagierte Konzept sog. „living wills“. Solche Insolvenzpläne
wären eine unangemessen aufwendige Übung von zweifelhaft praktischem
Wert. Noch kritischer bin ich bezüglich der bisweilen erhobenen Forderung,
daß Banken ihr Geschäft in anderen Ländern nur noch mit Tochtergesellschaften,
nicht mehr aus Zweigstellen heraus abwickeln sollen. Dies ist nicht nur ineffizient,
sondern es ist auch fraglich, ob im Ernstfall wirklich eine Isolation ausländischer
Konzernteile erreicht würde. Abgesehen davon bedeutete dies den Abschied
vom europäischen Paß, einem Kern des EU-Binnenmarkts, den es zu
bewahren gilt. [7. Intakte,
langfristige Strukturtrends] • Erstens: Das aktive Management von Bilanzen, Risiko und Kapital wird seinen Platz im Bankgeschäft behalten. Damit bleiben Derivate und Verbriefungen unverzichtbar, wenn auch in stärker standardisierter und transparenterer – Form. Die Diskussion um eine Kreditklemme belegt ja, wie wichtig gerade das Instrument der Verbriefung ist. • Zweitens, der demographische Wandel und seine Auswirkung auf das Wachstumspotential von Volkswirtschaften bleiben auch nach der Krise ebenso relevant wie zuvor. • Drittens wird der Bedarf an Kapitalmarktprodukten für die Altersvorsorge, für Bildung, für die Absicherung von Gesundheitsrisiken weiter zunehmen. Ja, mehr noch: Die Notwendigkeit einer kapitalmarktbasierten Ergänzung staatlicher Versorgungssysteme wird sich angesichts der krisenbedingten Belastung der öffentlichen Budgets a fortiori stellen. • Viertens, die Verschiebung der Wachstumsdynamik von den alten (und alternden!) Industrie- hin zu den Schwellenländern ist durch die Krise noch beschleunigt worden. Dort liegen die zukünftigen Wachstumschancen, dort wachsen die neuen Wettbewerber heran. • Schließlich fünftens: Die globalen Herausforderungen wie Energiesicherheit, Armutsbekämpfung, Klimawandel werden sicher nicht durch Finanzinstrumente gelöst werden. Finanzinstrumente können einen sinnvollen Beitrag dazu leisten, die globalen Herausforderungen zu bewältigen. Die Stichworte „Mikrofinanzierung“ und „Handel mit Emissionszertifikaten“ mögen hier partes pro toto stehen. [Schlußbemerkung]
Auszüge vom 18, Mai 2005: Rede Dr. Josef Ackermann, Deutsche Bank, Rede, Gesellschaftsverantwortung, Raubtier Kapitalismus, Global Winner Strategische
Lehren der Banken
Zukunft des Bankgeschäfts: Zwischen neuen Marktstrukturen und veränderter Regulierung Elemente eines effizienten Krisenmanagements Bank, Banken, Spekulation, Wirtschaftskrise, Krise © - Copyright Dr. Josef Ackermann, Deutsche Bank AG Fotos Texte, Fotos, Layout und Design Kultur Fibel Verlag GmbH, Berlin und JBM-marketing, PF 140315, D-40073 Düsseldorf Musical-Operette:
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