Wolfgang Spier, Portrait,  Foto Arma Belen Wolfgang Spier
Foto: Arma Belen

Wolfgang Spier

im Gespräch mit Gabriella Lorenz 1989
Persönlichkeiten
der Theatergeschichte

Wolfgang Spier, Maria Sebaldt in "So ein Schlawiner"
Wolfgang Spier, Maria Sebaldt in "So ein Schlawiner"
von Pierre Chesnot, Regie Wolfgang Spier,

Kleine Komödie im Bayerischen Hof 1989, Foto W. Rabanus

In deutschen Fernsehanstalten kursierte zeitweilig der Spruch: „Wer Spaß sagt, muß auch Spier sagen". So sehr ist der Regisseur und Schauspieler Wolfgang Spier ein Markenartikel für qualitätvolle Unterhaltung geworden. Die Wurzeln seines Fernseherfolges aber liegen im Theater, dem Wolfgang Spier auch heute den Löwenanteil seiner Tätigkeit widmet. Er beherrscht die schwere Kunst der leichten Muse und kann dem Boulevard geben, was des Boulevards ist: Esprit, Tempo, Präzision und Selbstironie. Außer Boulevardstücken hat der 68-jährige in seiner über 40-jährigen Bühnenlaufbahn unter anderen Shakespeare, Anouilh, Ionesco, Pinter und Sternheim (1977 am Münchner Residenztheater) inszeniert und gespielt. Vom Fach her Charakterkomiker ist er auf der Boulevardbühne einer der Raren Vertreter des „danseur noble" — um es mit einem Ballettausdruck zu sagen. Sein Engagement als künstlerischer Leiter der Komödie in Berlin (zusammen mit Jürgen und Christian Wölffer) läßt ihm nur noch wenig Zeit, an anderen Häusern zu spielen und zu inszenieren, aber die Münchner können ihn derzeit in der Kleinen Komödie im Bayerischen Hof in dem Lustspiel „So ein Schlawiner" sehen, das er auch inszeniert hat.
Wolfgang Spier am Anfang Karriere, i
Wolfgang Spier am Karriereanfang, in seiner 2. Rolle
in „Der Prozess Mary Dugan" im Rheingau Theater, Berlin
1945 Foto: Kühn
Wolfgang Spier als „Edward" der Roboter mit Heinz Giese Wolfgang Spier als „Edward" der Roboter mit Heinz Giese
in „Ein Tag mit Edward". Regie: Frank Lothar.
Tribüne, Berlin 1953. Foto: Köster
Wolfgang Spier (Jean) mit Brigitte Grothum Wolfgang Spier (Jean) mit Brigitte Grothum
in „Wer die Wahl hat". Regie: Franz-Otto Krüger.
Hebbel-Theater, Berlin 1961. Foto: Croner
Wolfgang Spier in „Amphitryon" von Kleist. Wolfgang Spier in „Amphitryon" von Kleist.
Regie: Ilo von Janko. Berliner Theater,
1960. Foto: Ilse Buhs

Herr Spier, Sie sind gleichzeitig Regisseur und Schauspieler. Was würden Sie vorziehen, wenn Sie sich entscheiden müßten ?

Als Regisseur ist man für alles verantwortlich, als Schauspieler nur für sich selbst. Das kostet weniger Kraft. Vielleicht werde ich deshalb im Alter — rein aus gesundheitlichen Gründen — mehr spielen als Regie führen.

Ist es für Sie nicht problematisch, als Schauspieler mit einem anderen Regisseur zu arbeiten?

Ich mache das oft, und es ist angenehmer für mich, als mich selbst zu insze¬nieren. Denn da kann ich mich erst zehn Tage vor der Premiere um meine Rolle kümmern. Wenn ich mit anderen Regisseuren arbeite, werden neue Seiten in mir aufgemacht, das fordert mich oder bremst mich (im guten Sinn). Aber viele Regisseure haben Scheu, mit Regiekollegen als Schauspieler zu arbeiten, denn das Gefühl, da steht einer auf der Bühne, der weiß vielleicht mehr als ich, hemmt sehr. Ich bin in solchen Fällen als Schauspieler immer sehr zurückhaltend, weil ich weiß, wie einem zumute ist, der mit einem anderen Regisseur arbeiten muß. Ich verstehe die Angst, sich zu blamieren. Aber ich bin dann ganz Schauspieler und vergesse den Regisseur in mir, soweit es geht. Schwierig ist es allerdings, den Partnern das Gefühl zu geben, daß sie während des Spiels nicht dauernd kontrolliert werden.

Und wie halten Sie das, wenn Sie selbst Regie führen?

Regie führen ist die Kunst, seine Kritik richtig zu dosieren. Ich sage einem Schauspieler oft nicht alles gleich, um ihn nicht zu deprimieren. Jeder will ja so gut wie möglich sein. Ich will ihn auch nicht irgendwohin führen, wohin er mir sowieso nicht folgen kann. Ich will ihn so fordern und ihm helfen, daß er nicht verkrampft ist vor Ängsten. Jeder Schauspieler hat Angst. Auch ich hatte als Assistent bei Stroux immer Angst und war deshalb verkrampft und nie gut. Der Vorteil, daß ich Regisseur und Schauspieler zugleich bin, ist der, daß ich genau weiß, wie es in einem Schauspieler aussieht und es ihm sofort anmerke, wenn er sich nicht wohlfühlt.

Was machen Sie dann?

Das hängt ganz von der Situation ab. Das Schöne am Theater ist ja, daß es überhaupt kein Rezept (schon gar kein Patentrezept) gibt, wie man spielen oder inszenieren soll. So erstarrt man nicht in Routine. Alles am Theater ist ein Risiko. Man weiß ja auch nie vorher, ob etwas ein Erfolg wird oder nicht. Aber wenn man beim Theater kein Risiko auf sich nehmen will, hat man da ohnehin nichts zu suchen. Mich fragen oft Schauspieler um Rat: Was soll ich tun? Soll ich in die Provinz gehen oder in Berlin bleiben? Ich weiß es nicht, das muß jeder selbst für sich herausfinden. Da spielt das Glück so stark mit, so wie beispielsweise Stroux für mich der Glücksfall war, daß ich Regisseur wurde. Wenn der Moment da ist, muß man zugreifen. Ich bin ein Mensch, der alles auf sich zukommen läßt, der nie etwas geplant hat. Aber das, was auf mich zukam, habe ich so gut wie möglich gemacht — das war mein einziger Ehrgeiz. Ich habe mit einer einzigen Ausnahme nie in meinem Leben die Initiative ergriffen, aber immer mit voller Konzentration und kompromißlos gearbeitet.

Wolfgang Spier (Antonio) mit Hilde Krahl, Wolfgang Spier (Antonio) mit Hilde Krahl,
in „Der Kaufmann von Venedig" von W. Shakespeare.
Regie: Erwin Piscator. Freie Volksbühne,
Berlin 1962. Fotos: H. Croner
Wolfgang Spier mit Anneliese Römer in „Oh, Vater, armer Vater" von Arthur Kopit. Wolfgang Spier mit Anneliese Römer in „Oh, Vater, armer Vater" von Arthur Kopit.
Regie: Wolfgang Spier. Schiller Theater (Werkstatt) Berlin, 1962

Welches war die Ausnahme?

Das war 1950 beim Theaterclub des British Center in Berlin, wo ein alter Regisseur unsere erste Aufführung „Verlorne Liebesmüh" von Shakespeare inszenieren wollte. Nach acht Tagen Proben guckten Ottokar Runze und ich uns an und sagten: „Das wird ja furchtbar!" Da hatte ich in einer Krisensitzung den Mut zu sagen: „Ich bin eigentlich auch Regisseur", und fühlte mich dabei schon ungeheuer als Intrigant. Ich habe dann die Regie übernommen und der Erfolg wurde für die spätere Arbeit sehr wichtig. Aber das war wirklich das einzige Mal, daß ich sagte, Hallo, da bin ich.

Herr Spier, als Halbjude durften Sie unter dem Hitlerregime keinen künstlerischen Beruf ergreifen. Wie kamen Sie dennoch zum Theater?

Die Neigung zur Bühne lag in der Familie. Mein Vater spielte bei einem Amateurtheater mit und die Linie meiner Mutter war musisch vorbelastet. Der Autor Curt Goetz war ein Vetter meiner Mutter, und von meinem Großonkel Meyer-Förster stammt das Lustspiel „Alt-Heidelberg". Schon als Schüler war ich in Berlin ein begeisterter Theatergänger, aber da der Beruf mir ja verboten war, habe ich nie mit demGedanken gespielt, ihn zu ergreifen. Ich war nur ein Fan, der von Horst Caspar und Viktor de Kowa schwärmte, aber alle Vorstellungen, selbst zum Theater zu gehen, ins Reich der Träume verbannt hatte. Meine ältere

Wolfgang Spier in „Eule und Kätzchen Wolfgang Spier in „Eule und Kätzchen". Regie: Matiasek,
Komödie, Berlin, 1966. Foto: Wolfgang Koch
Wolfgang Spier mit Joost Siedhoff Wolfgang Spier mit Joost Siedhoff
in „Das Testament des Hundes". Regie: Ottokar Runze.
Theater am Elisabethplatz, München, 1965.
Foto: Hilde Zemann
Wolfgang Spier mit Grit Böttcher, Peer Schmid
Wolfgang Spier mit Grit Böttcher, Peer Schmid
in „Party im Dunkeln" von P. Shaffer.
Regie: Harry Meyen. Komödie, Berlin,
1967. Foto: Harry Croner
Wolfgang Spier mit Tracy Schönbach, Herbert Herrmann, Elisabeth Wiedemann (v.l.) in „Party im Dunkeln" Wolfgang Spier mit Tracy Schönbach, Herbert Herrmann, Elisabeth Wiedemann (v.l.) in „Party im Dunkeln" von
Peter Shaffer, Regie: Wolfgang Spier. Kleine Komödie im Bayer. Hof, München, 1984. Foto: W. Rabanus
Wolfgang Spier mit Harald Juhnke Wolfgang Spier mit Harald Juhnke in „Jeden Mittwoch".
Regie: Wolfgang Spier. Komödie, Berlin, 1967. Foto: W. Koch

Schwester dagegen hatte bei Lucie Höflich Schauspielunterricht und bei Maria Ivogün Gesangsunterricht und ist Opernsängerin geworden.

Wie war das möglich?

Nur durch einen Trick. Da meine Schwester weniger als neun Monate nach der Hochzeit meiner Eltern geboren war, hat meine Mutter sie mit dem Einverständnis meines jüdischen Vaters als vorehelichen Fehltritt ausgegeben und behauptet, sie stamme von einem arischen Vater. Somit galt sie als Arierin.

Welches Berufsziel hatten Sie, nachdem die Bühne Ihnen versperrt war?

Ich wollte ursprünglich Medizin studieren, durfte aber nicht. Als getaufter Halbjude wurde
ich zwar bis 1944 nicht verfolgt, konnte aber den Beruf nicht frei wählen — Hochschulstudien und künstlerische Tätigkeiten waren uns nicht erlaubt. Das Einzige, was man den Juden noch eine Weile lang zubilligte, war das Studium der Wirtschaftswissenschaften (vermutlich, weil man dachte, mit Geld können die Juden umgehen). Das habe ich 1939 belegt, wurde aber nach drei Trimestern exmatrikuliert. Ich habe dann eine Banklehre gemacht und war bis Kriegsende bei einer Privatbank angestellt, bei einem Mann, der ungeheuer vielen Juden geholfen hat. Während des Krieges habe ich heimlich an der Uni Vorlesungen in Theaterwissenschaft gehört und auch mal drei Monate heimlich Schauspielunterricht genommen, aber ich habe das nicht ernsthaft, sondern nur halbherzig betrieben, weil es ja unter Hitler keine Chance für mich gab. Dann kam der Zusammenbruch in Berlin. Ich war ausgebombt und wohnte bei der Schwester des Schauspielers Paul Wegener, der von den Russen als Präsident der Kammer der Kulturschaffenden eingesetzt wurde. Ich bekam einen Job in der Anmeldung der Kammer, wo alle Theaterleute sich registrieren ließen. Da habe ich mir alle Schauspiellehrer genau angeguckt und mir Frau Holl-Bierkowski ausgesucht. Bei ihr nahm ich Unterricht. Leiter starb sie nach drei Monaten. Bereits 1945 habe ich meine erste Rolle gespielt in dem Boulevardstück „Götter auf Urlaub". Da war ich aber noch kein Profi, sondern bin nur eingesprungen.

Wie sind Sie von der Schauspielerei zur Regie gekommen?

Auf der Schauspielschule lernte ich meine erste Frau Waltraud Schmahl kennen. Sie sprach bei Karl-Heinz Stroux vor, der 1946 ein Ensemble für Wiesbaden suchte. Sie bekam das Engagement und ich war sozusagen die Knochenbeilage. Stroux war wohl mit mir als Schauspieler nicht sonderlich glücklich, jedenfalls fragte er mich: „Willst Du nicht Regisseur werden?" So war ich von 1946 bis 1950 als Schauspieler und Regieassistent in Wiesbaden. Stroux kriegte damals von den US-Offizieren, die für die Theaterlizenzen zuständig waren, alle berühmten Stücke zur Uraufführung oder deutschen Erstaufführung. Bereits nach drei Assistenzen schmiss er mich ins kalte Wasser und gab mir die erste eigene Regie. Das war „Dangerous Corner" („Gefährliche Kurve”) von J. B. Priestley, ein Stück mit sechs Personen, die immer auf der Bühne sind und nie abgehen. Das ist furchtbar schwer für einen Anfänger und ich habe entsetzlich getüftelt, mir eine richtige Schachbrettstrategie ausgedacht. Stroux hat mir sehr geholfen, das heißt, er kam kurz vor der Premiere auf die Probe und hat alles umgeschmissen und neu arrangiert. In den Kritiken hieß es dann „frischer Wind in Wiesbaden", dabei war die halbe Inszenierung von Stroux. So bin ich Regisseur geworden. Von Stroux habe ich wahnsinnig viel gelernt, vor allem, wie man eine Partitur inszeniert und nicht dem Text etwas aufpfropft.

Wolfgang Spier mit Hilde Krahl Wolfgang Spier mit Hilde Krahl
in „Der Tag, an dem der Papst gekidnappt wurde"
von Joao Bethencourt. Regie: Wolfgang Spier.
Kleine Komödie, München, 1975
Wolfgang Spier in "So ein Schlawiner"
Wolfgang Spier in "So ein Schlawiner"
von Pierre Chesnot, Regie Wolfgang Spier,

Kleeine Komödie im Bayerischen Hof 1989,
Foto W. Rabanus

Warum haben Sie Wiesbaden verlassen?

1950 kam ein neuer Intendant, und wie es in solchen Fällen üblich ist, wurden alle Strouxianer entlassen. Ich ging zurück nach Berlin und war dort erstmal erwerbslos. Damals gab es in Berlin im British Center den Theaterklub. Das war ein Verein, in dem über Theater diskutiert wurde. Ottokar Runze und ich kamen auf die Idee, dort auch mal eine Aufführung zu machen, statt nur über Theater zu reden. Unsere erste Aufführung war „Verlorne Liebesmüh" von Shakespeare. Das wurde ein großer Erfolg und von da an spielten wir regelmäßig. Der Theaterklub wurde ein berühmtes Zentrum, dort haben viele Schauspieler angefangen, die heute große Namen haben, wie Martin Benrath, Horst

Buchholz, Maria Sebaldt. Kurt Meisel, damals schon ein bekannter Schauspieler, hat bei uns inszeniert. Ich war der künstlerische Leiter der Truppe und bekam 1953 den Kunstpreis der Stadt Berlin für Regie; das Ensemble erhielt den Berliner Kritikerpreis. Wir waren ein echtes Kollektiv, jeder bekam 15 Mark am Abend, egal ob Hauptdarsteller oder Vorhangzieher. Der Eintritt kostete 2,50 Mark.
Wolfgang Spier mit Christine Schild in „Wie man sich bettet", Foto, Arma Belen Wolfgang Spier mit Christine Schild in „Wie man sich bettet" von Richard Harris und Leslie Darbon.
Kleine Komödie im Bayer. Hof, München, 1982. Foto: Arma Belen
Ich ging in jenen Jahren als festangestellter Regisseur zum RIAS und hatte dadurch die Möglichkeit, die Schauspieler mit Rollen beim Funk über Wasser zu halten.

Aber irgendwie fehlte mit der Zeit die Weiterentwicklung. Wir galten nach fünf Jahren immer noch als „die junge Truppe", und 1955 zerfiel das Kollektiv.

Was haben Sie danach gemacht? Immerhin hatten Sie ja als Regisseur bereits einen Namen?

Ich bin wieder zu Stroux gegangen, der damals in Düsseldorf war. Aber ich fühlte mich nicht wohl dabei. Man soll nicht nochmal als Assistent zu seinem früheren Chef zurückkehren. Stroux war für mich ein Gott, ich habe immer nur für ihn inszeniert, und das wurde logischerweise verkrampft. Ich habe dann mittendrin gekündigt, und Stroux ließ mich nach einer großen Aussprache gehen. Das war 1957. Ich hatte keine Ahnung, wie es weitergehen solle, hatte keine Aussichten und keine Angebote als Rückhalt, als ich kündigte. Da bekam ich aus heiterem Himmel eine Fernsehregie angeboten, und seitdem habe ich nur noch frei gearbeitet. Ich ging zurück nach Berlin und habe als erstes mit Karin Hübner „Ich denke oft an Piroschka" inszeniert, das war ein großer Erfolg am Hebbeltheater. Dann kam die berühmt gewordene „My Fair Lady" mit Karin Hübner und Paul Hubschmid, es folgten „Vater, armer Vater . . .", ein absurdes Stück von Arthur Kopit, an der Volksbühne „Die Nashörner" von Ionesco, an der Tribüne die deutsche Erstaufführung von Pinters „Geburtstagsfeier". Ich habe zunächst sehr viel mehr inszeniert als gespielt und habe an allen Theatern Berlins gearbeitet. Seitdem lebe ich praktisch in Berlin mit kurzen Abstechern nach München.

In München waren Sie von 1970 bis 1972 künstlerischer Leiter der Kleinen Komödien. Warum sind Sie nicht länger in München geblieben?

Sagen wir mal so: Ich fand die Leitung der Häuser mit einem Intendanten einem künstlerischen Leiter und einem Spielleiter überbesetzt. Deshalb bin ich gegangen. Seit 1972 habe ich denselben Posten bei den Wölffers an de Komödie in Berlin. Das ist jetzt mein Stammhaus, die haben sozusagen eine Option auf mich.

Wie kam es, daß Sie sich fast völlig auf das Genre des Boulevardtheaters, spezialisiert haben?

Ich habe dafür eine leichte Hand, und es gibt nur wenige, die das können. Dazu kommt, daß ich ja selber spiele, und zwar immer en suite an Privattheater, sodaß wenig Zeit für anderes bleibt. Vielleicht bin ich auch des halb so ins Boulevardfach gerutscht, weil ich eben immer nahm, was auf mich zukam. Aber ich bereue das gar nicht. Schließlich muß jeder für sich selbst herausfinden, wie er's am besten macht.

Reizt es Sie nicht, gelegentlich mal was anderes zu machen?

Natürlich. Ich bekomme auch laufend Angebote, vor allem vom Fernsehen. Solange Barlog noch in Berlin war, habe ich ja viel am Schiller- und am Schlossparktheater gemacht, unter anderem einige Stücke von Anouilh inszeniert. Aber ich habe

Wolfgang Spier, - Ricci Hohlt, Hannelore Cremer, Andrea Rau, Maria Sebaldtin Wolfgang Spier - Ricci Hohlt- Hannelore Cremer - Andrea Rau - Maria Sebaldt
in "So ein Schlawiner" von Pierre Chesnot, Regie Wolfgang Spier,
Kleine Komödie im Bayerischen Hof 1989, Foto W. Rabanus
Wolfgang Spier mit Hans Jürgen Bäumler, in " Hände weg von meiner Frau" Wolfgang Spier mit Hans Jürgen Bäumler, Claudia Rieschel,
Cyrus David in " Hände weg von meiner Frau" von Sam Bobrick
und Ron Clark, Regie Wolfgang Spier, Theater an der Kö
einfach keine Zeit mehr dazu. Da ich bei den Wölffers für zwei bis drei Jahre im voraus disponiert bin,

geht nichts anderes mehr. Ich spiele vier Monate in Berlin, dann zwei bis drei Monate in Hamburg und gehe drei Monate auf Tournee — damit ist das Jahr rum.

Angenommen, Sie hätten die Zeit dazu, was würden Sie dann gern spielen oder inszenieren?

Spielen; den Malvolio in Shakespeares „Was ihr wollt". Überhaupt die Shakespeare-Narren. Inszenieren; Das weiß ich nicht so genau. Vielleicht Shakespeares „Sommernachtstraum". Ich würde schon gerne nochmal was an einem Staats- oder Stadttheater machen, einfach weil es toll ist, aus dem Vollen schöpfen zu können. Einen Shakespeare zu sprechen ist doch etwas ganz anderes als die Alltagsdialoge des Boulevards; da hat man doch ein Pfund in der Hand, mit dem man wuchern kann. Aber ich glaube nicht, daß es dazu noch kommen wird.

Würden Sie es begrüßen, wenn an den Staats- und Stadttheatern mehr Boulevard gespielt würde, oder würden Sie das als Konkurrenz betrachten?

Darüber habe ich noch nicht nachgedacht. Jedenfalls hätte ich keine Angst, daß sie uns das Brot wegnähmen. Aber die strikte Trennung zwischen Unterhaltung und sogenannter „seriöser Kunst", die im deutschen Theater durch die Subventionsstruktur begründet ist, finde ich bedauerlich. In England beispielsweise gibt es nur Produktionstheater, da hat ein Laurence Olivier von Boulevard bis Klassik alles gespielt, und zwar exzellent. Früher hat ein Werner Krauss ja auch bei uns heute „Lear" und morgen „Charleys Tante" gespielt. Aber heutzutage werden von den Unterhaltungsautoren an den großen Häusern allenfalls noch Labiche und Feydeau gegeben. Feydeau zum Beispiel wird im Gegensatz zu einem modernen Unterhaltungsautor ernst genommen und hochstilisiert. Dabei war er auch nichts anderes als ein Schwankautor, ein perfekter natürlich. Aber das Stadttheater will sich eben nur einen Schwank im Kostüm leisten.

Wolfgang Spier mit Hans Jürgen Bäumler, in " Hände weg von meiner Frau"
Wolfgang Spier mit Hans Jürgen Bäumler," Hände weg von meiner Frau"
Regie Wolfgang Spier, 2009 Theater an der Kö

Aber ist es nicht leider wirklich so, daß es nur wenige gute Boulevard-Autoren gibt? Und die paar guten wie beispielsweise Alan Ayckborn werden nun auch zunehmend von den großen Häusern entdeckt. Sie selbst haben bereits 1969 Ayckbourns „Frohe Feste" am Münchner Residenztheater inszeniert.

Im Boulevardtheater will das Publikum nur lachen, es will nicht mit Problemen beschäftigt werden. Wir haben an der Komödie viel von Ayckbourn gespielt, aber seine jüngsten Stücke sind schon so böse, daß sie nicht mehr ziehen. Der beste Boulevard-Autor ist meines Erachtens Neil Simon, der stellt wirklich Menschen auf die Bühne. Aber auch er schreibt mit zunehmendem Alter immer böser. Wir wollen demnächst seine Trilogie „Brooklyn Memoirs" herausbringen, das wird in Deutschland ein bißchen schwierig, weil sie im jüdischen Milieu spielt, das den Leuten hier nur wenig vertraut ist.
Natürlich gibt es — gerade aus dem Englischen — sehr viele reine Schwänke nach dem Muster Tür-auf-Tür-zu. Wenn das perfekt gemacht ist, ist das sehr gut, aber im Übermaß langweilt es auch. Die Franzosen wie Barillet & Gredy sind ausgeschrieben, in Deutschland gibt es an guten Schreibern praktisch nur Curth Flatow, von dem ich fast alle Stücke aus der Taufe gehoben habe, und Ursula Noack. Aber die schreiben zu wenig für das Theater, sie sind zu viel beim Fernsehen beschäftigt. Wir haben aus Mangel an neuen Stücken schon auf die alten Sachen von vor 15 Jahren zurückgegriffen wie auf Shaffers „Party im Dunkeln". Aber das geht nur begrenzt, denn Boulevardstücke veralten sehr schnell, weil sie von der Aktualität leben, von Sprachmoden und zeitgeprägten Verhaltensweisen. Das zeitloseste und beste Boulevardstück ist für mich immer noch „Nächstes Jahr, gleiche Zeit" — da weinen und lachen die Zuschauer gleichzeitig. Mehr kann ein Schauspieler glaube ich nicht erreichen. Und das versuche auch ich, wenn ich spiele: in jeder Aufführung einmal so ernst zu werden, daß die Leute eine leichte Gänsehaut kriegen.

Welche Autoren lieben Sie ganz persönlich?

Shakespeare sehe ich mir immer an und würde ich auch immer gern inszenieren. Alles von Alan Ayckbourn. Manches von Botho Strauß gefällt mir. Anouilh, Giraudoux, auch wenn die vielleicht schon ein bißchen angestaubt sind. Woody Allen finde ich interessant, leider schreibt er zu wenig fürs Theater. Ich mag alle Autoren, die ihre Rollen psychologisch aufbauen. Mit den Absurden kann ich nicht soviel anfangen, obwohl ich sie auch inszeniert habe.

Wie halten Sie es mit den deutschen Klassikern?

Von Goethe habe ich mal „Die Mitschuldigen" inszeniert. Lessings „Minna von Barnhelm" oder „Der Zerbrochene Krug" von Kleist, das würde ich gern machen. Hebbel oder Schiller reizen mich nicht. Aber ich würde mich dem heute nicht mehr aussetzen, als abgestempelter Boulevard-Regisseur einen Klassiker zu machen.

Fühlen Sie sich so einseitig abgestempelt?

Aber ja. Als ich in Berlin „Wecken Sie Madame nicht auf" von Anouilh inszenierte, gab es kaum eine Kritik, die nicht — ob positiv oder negativ — darauf anspielte, daß ich doch vom Boulevard käme. Man wird ja in Deutschland sofort in eine Schublade gelegt, besonders wenn man erfolgreich ist. Wenn Sie einmal an die Spitze kommen und das Etikett „King of Boulevard" oder „Altmeister des Boulevard" verpaßt kriegen, kommen Sie nie mehr davon weg. Andererseits, man will ja auch Spitze bleiben. Und wenn ich mir überlege, ich wäre vielleicht in den 50er Jahren als Hausregisseur in Wiesbaden geblieben — da ziehe ich den jetzigen Zustand vor. Immerhin kann in mir aussuchen, was ich machen will.

Wie leben Sie damit, daß das Boulevardtheater in Deutschland generell einen schlechten künstlerischen Ruf genießt?

Was mich daran ärgert, ist, daß seitens der Kritik oft überhaupt nicht mehr zwischen einer schlechten oder guten Aufführung differenziert wird. Wenn ich schlechte Kritiken kriege, die mir sagen, warum die Aufführung schlecht war, finde ich das in Ordnung. Aber häufig merkt man, daß ein Kritiker schon mit dem Vorsatz reingeht, es schlecht zu finden. Der Berliner Kritiker Friedrich Luft, den ich gut kenne und der mich schon oft gräßlich verrissen hat, ist immerhin so fair zuzugeben, daß es zwar nicht ihm, aber dem Pu¬blikum gefallen hat und deshalb eine Daseinsberechtigung hat. Die Schwierigkeit liegt darin, daß der Humor der Leute so verschieden ist. Tragik wird von 98 % der Zuschauer auf gleiche Weise als ergreifend oder spannend empfunden. Komik empfinden höchstens 50 % gleich. Den Humor der Menge zu treffen, ohne billig zu werden, das ist ungeheuer schwer. Der eine lacht, wenn ein Schauspieler die Hosen herunterläßt, der andere findet es gräßlich (ich übrigens auch). Natürlich braucht man Gags, aber sie dürfen nicht aufgesetzt sein. Ich habe auf der Bühne nie einen Gag um des Gags willen gemacht.

Ist das nun Geschmackssache oder Handwerk?

Wenn man von Beruf neugierig ist wie ich, kann man viel lernen. Ich bin beispielsweise nicht unbedingt ein Augenmensch, aber durchs Fernsehen habe ich viel gelernt, was die optische Umsetzung betrifft. Auch beim Theater ist es wichtig zu wissen, daß das Optische immer das Stärkere ist. Wenn Sie eine Pointe bringen wollen und jemand kratzt sich im Bühnenhintergrund am Kopf — schon ist es aus und die Pointe verschenkt. Man muß sich also in seinen optischen Einfällen auf der Bühne auch bremsen.
Absurde Autoren wie Ionesco oder Pinter sind am leichtesten zu inszenieren, denn da kann man mogeln. Aber beim Boulevard kann man überhaupt nicht mogeln. Und schlechtes Boulevard ist das Allerschlimmste.

Welches waren für Sie die wichtigsten Theaterarbeiten?

„Vater, armer Vater" von Kopit. Auf den Erfolg dieses absurden Stückes im Boulevardkleid bin ich stolz. Ich habe ja auch oft Erfolg mit Stücken, auf die ich im Grunde nicht stolz bin. Dann natürlich „My Fair Lady", ferner von Anouilh „Ball der Diebe" und „Wecken Sie Madame nicht auf", beide am Berliner Schlossparktheater. Auch die Regiearbeiten mit den Kabarett „Stachelschweine" und „Wühlmäuse" waren interessant.

Sie übersetzen viele Stücke aus dem Englischen, das erfordert große Kreativität im Umgang mit der Sprache und der Bühnenrealität. Haben Sie bei all Ihrer Erfahrung nie Lust bekommen, selbst für das Theater zu schreiben?

Ich habe tatsächlich vor zwei Jahren zusammen mit dem Bühnenbildner Pit Fischer ein Stück geschrieben, „Frühstück bei Rififi". Es wurde vor einem halben Jahr in Bonn uraufgeführt. Das war wirklich eine gemeinsame Arbeit, bei der man hinterher nicht mehr weiß, was von wem stammt. Jedenfalls hatte Pit so viele und so absurde Einfälle, daß ich oft nur bremsen mußte.

Ist eine Fortsetzung dieser Koproduktion geplant?

Wenn wir Zeit hätten. Aber ich habe ja kaum Zeit, selbst mal ins Theater zu gehen. Nur wenn ich meine Tochter, die seit 15 Jahren in London lebt, besuche, komme ich dazu, mir was anzuschauen. Mir liegt der britische Humor natürlich sehr, weil er trocken und selbstironisch ist. Das ist wohl meine halbe jüdische Seite, denn der jüdische Humor hat die gleichen Komponenten. Es ist überhaupt eine Grundvoraussetzung des Humors, daß man sich über sich selbst lustig machen kann. Auch wenn ich spiele, finde ich es wichtig, den Mut zu haben, die Schwächen einer Figur zu zeigen, immer das Gegenteil ihrer äußeren Erscheinung mitzuspielen und sich selbst in der Rolle auf den Arm zu nehmen, zum Beispiel auch mit seinem Alter zu spielen.

Sie sind 68. Macht Ihnen das Älterwerden Probleme?

So mit 50 oder 55 ist es ein großer Einschnitt, wenn man merkt, daß man körperlich nicht mehr so kann, wie man will. Aber die Arbeit geht pausenlos weiter und man gewöhnt sich dran. Ich bin zwar nach einer Hüftoperation gesundheitlich ein bißchen gebremst, aber ich leide überhaupt nicht unter meinem Alter. Da ich nie ein jugendlicher Liebhaber war und nie jung aussehen mußte auf der Bühne, sondern auch früher, oft ältere Männer gespielt habe, habe ich auch keine Probleme mit den Rollen. Vor Jahren habe ich ein einzigesmal den Versuch unternommen, mich auf der Bühne jünger zu machen. Ich spielte mit Chariklia Baxevanos in Berlin „Eule und Kätzchen" und hatte mit ein Toupet machen lassen, um meine Geheimratsecken zu vertuschen. Am Ende des ersten Aktes mußte ich unter die Bettdecke und prompt verhedderte sich das Toupet und blieb hängen. Ich hatte auch keine Zeit, das wieder in Ordnung zu bringen, weil ich gleich wieder auf die Bühne mußte. Also blieb mir nichts anderes übrig, als die Haare nach vorne zu kämmen und trotz aller Aufregung weiterzuspielen. Die Kollegen haben nichtmal gemerkt, daß ich im ersten Akt überhaupt ein Toupet hatte
Nur ein Kritiker fand, ich sei in den ersten Bildern etwas hektisch gewesen. Nein, das Alter ist kein Problem. Daß ich nach der Hüftoperation ein paar Monate lang Schwierigkeiten mit einem Bein hatte, war vielleicht ein Wink vom lieben Gott, aber ich finde, das hätte er mir auch anders sagen können.

Wie sieht Ihr Statement zum Zustand des deutschen Theaters aus?

Nachdem sich die Regisseure vor fünf, sechs Jahren entschlossen haben, nicht mehr für die „Theater Heute"-Kritiker, sondern fürs Publikum zu inszenieren, sehe ich die Entwicklung eigentlich positiv. Es gab ja eine Zeit, in der Regisseure stolz darauf waren, wenn die Zuschauer ihr Theater verließen. Ich gehöre nicht zu denen, die das Publikum von der Bühne herunter erziehen wollen. Man soll den Leuten ein paar Lehren geben und sie zum Nachdenken anregen, aber ohne daß sie es merken. Inzwischen haben glaube ich die Zuschauerzahlen wieder zugenommen. Die Münchner Kammerspiele beispielsweise sind doch immer ausverkauft. Das ist ein Haus, hinter dessen Linie ich voll stehe.

Sehen Sie das Fernsehen als Konkurrenz des Theaters?

Als der Funk aufkam, sagte man, das Theater geht kaputt. Als das Fernsehen aufkam, sagte man, der Funk geht kaputt. Beide leben noch. Ich glaube, das Theater geht nie kaputt, weil das unmittelbare Erlebnis unschlagbar ist.
Ein Schauspieler wird heute aber nur noch durchs Fernsehen bekannt, nicht durchs Theater.
Ja, das spielt leider eine große Rolle. Kein Mensch würde mich kennen, wenn ich nicht das Fernseh-Quiz „Wer dreimal lügt" gemacht hätte. Es ist bedauerlich, aber man muß es als Tatsache hinnehmen, daß das Theater nicht mehr im Mittelpunkt steht. Nur mit dem Theater ist heute keine Popularität mehr zu erreichen. Damit hängt auch zusammen, daß man im Boulevardtheater landauf landab dieselben Gesichter sieht. Die Boulevardtheater brauchen als reine Geschäftstheater Zugnamen fürs Publikum. Und Zugnamen haben heute nur noch Altstars oder eben Fernsehstars. Das Schwierigste in dem Geschäft ist, gute Schauspieler zu finden, die sich auf Monate hinaus an ein Stück binden, denn ihr Terminspielraum ist durch Tourneen und Fernsehen ungeheuer eingeengt. Ein Schauspieler muß sich heute entscheiden, ob er Fernsehen oder Theater machen will.

Sie selbst bekommen immer noch laufend Fernsehangebote.

Aber ich habe keine Zeit, sie wahrzunehmen. Serien würde ich ohnehin nicht machen, das ist mir zu anstrengend. Da hat man auf Monate hinaus einen Fulltime-Job. Das Theater ist mir doch mehr wert, zumal auch die meisten Serien künstlerisch nicht sonderlich bedeutend sind.

Was sehen Sie selbst gern im Fernsehen?

Sport, vor allem Tennis. Und aktuelle Sachen wie Talkshows. Menschenporträts reizen mich mehr als Spielfilme oder Serien. Wirklich interessant finde ich nur Fernsehen live, wenn ich Menschen sehe, die genau in dem Augenblick zeigen, was sie empfinden und fühlen.

Welche Einstellung haben Sie zur Politik?

Ich interessiere mich sehr dafür und bin hin- und hergerissen. Zwischen den großen Parteien finde ich kaum noch einen Unterschied. Die Sachzwänge, unter denen Politiker stehen, sind so groß, daß fast kein Spielraum mehr bleibt. Zum Beispiel hat man in Berlin doch nach der Rot-Grün-Koalition gedacht, jetzt kommt die Revolution, aber es hat sich eigentlich kaum was geändert. Leider sehe ich in Deutschland weit und breit keine so singuläre Erscheinung wie Gorbatschow das ist (man kann nur hoffen, daß er nicht scheitert) oder wie Kennedy das für mein Gefühl war.

Stoßen Sie als Halbjude in Deutschland auf antijüdische Ressentiments?

Ich bin ein so harmloser Mensch, daß ich nicht auf Ressentiments stoße. Ich glaube auch nicht — denken Sie doch nur an die Begeisterung für den Quizmaster Hänschen Rosenthal —, daß in der Menge Ressentiments vorhanden sind. Bisher habe ich mir da nie Sorgen gemacht. Jetzt beunruhigt mich allerdings sehr, daß so viele Leute auf die Parolen der Republikaner fliegen. Ich fühle mich zwar nicht persönlich bedroht, aber Kollegen wie Michael Degen haben bereits andere, schlimmere Erfahrungen gemacht.

Fühlen Sie sich dadurch an die Nazi-Zeit erinnert?

Natürlich. Als die Nazis an die Macht kamen, war ich dreizehn. Ich war in der Schule der beste Ping-Pong-Spieler und ich durfte immer bei allen Feiern die Gedichte aufsagen. Mit einem Schlag war das alles aus. Man fühlte sich als Jugendlicher, schon sehr reduziert und igelte sich ein; es war schwer, so etwas wie ein Selbstbewußtsein zu entwickeln.
Durch diese Jugend fehlt mir etwas, was ich für sehr wichtig halte: Zivilcourage. Ich bin einfach im Grunde meines Herzens ängstlich, weshalb ich mich auch heute ungern politisch exponiere. Das ist eine unbewußte Angst, die aus jener Zeit stammt. Geblieben ist mir — auch in künstlerischer Hinsicht — eine Angst vor jedem dogmatischen und totalitären Anspruch, denn das habe ich in meiner Jugend leider zu sehr genossen.
Deshalb bin ich ein Mann, der Kompromisse macht,
denn ohne Kompromisse ist ein Zusammenleben nicht möglich.

 

Das Wolfgang Spier Interview ist in der natürlich gewachsenen deutschen Grammatik geschrieben,
ohne der verkrampften Rechtsschreibverordnung, genannt "Reform", der deutschen Kultusminister,
so wie die Bücher großer Literaten heute noch gedruckt werden.


Wichtige Theaterarbeiten von Wolfgang Spier;
Wolfgang Spier in "So ein Schlawiner" von Pierre Chesnot, Wolfgang Spier Regie ; Wolfgang Spier in Amphytrion, von Kleist; Wolfgang Spier in "Wer die Wahrheir hat"; Wolfgang Spier in "Vater, armer Vater", von Kopit, Wolfgang Spier Regie; Wolfgang Spier in "Der Kaufmann von Venedig", von Shakespeare; Wolfgang Spier in »Komödie im Dukeln" von P. Schaffer - Wolfgang Spier Regie; Wolfgang Spier „Wie man sich bettet" von Richard Harris und Leslie Darbon, Wolfgang Spier Regie:; Wolfgang Spier, Regie "My Fair Lady" größter deutscher Erfolg mit Karin Hübner und Paul Hubschmid, Wolfgang Spier Regie, "Ball der Diebe" von Anouilh; Wolfgang Spier Regie, "Wecken Sie Madame nicht auf" von Anouilh

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