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Judy Winter |
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im Gespräch
mit Gespräch mit Gabriella Lorenz |
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Persönlichkeiten der Theatergeschichte |
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Gesellschaftsmagazin |
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Ich
möchte nicht vergessen zu leben. Das finde ich sehr entscheidend, dass man nicht nur arbeitet. Klar, Arbeit gehört zum Leben. Aber jeder, der in einem Beruf drinsteckt, den er liebt, und in dem er nicht stehen bleiben will, läuft Gefahr, darüber manchmal Freunde, Freuden und Genüsse zu vergessen. Ich bemühe mich, das nicht zu tun. Das ist mein großes Ziel. Judy Winter |
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Judy
Winter |
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Eine Stern-Journalistin
schrieb einmal: „Judy Winters Ruhm kommt aus der Röhre." Das
ist wahr im Hinblick auf die Popularität der 45jährigen Schauspielerin.
Aber bevor sie in den 70er Jahren zum bekannten Film- und Fernseh-Gesicht
wurde, war sie bereits eine geschätzte Bühnenschauspielerin. In
den 60er Jahren hat sie am Bremer Theater unter den Regisseuren Kurt Hübner,
Peter Palitzsch und Peter Zadek gearbeitet, danach brillierte die gelernte
Tänzerin als einer der wenigen deutschen Musical-Stars. Heute findet
sie den Theater-Ausgleich zu ihren zahlreich Fernsehrollen am Renaissance-Theater
in ihrer Wal Heimat Berlin. Im Gespräch zeigt sich Beate Richard (so
ihr bürgerlicher Name) absolut offen in der Sache aber zurückhaltend
und diskret, wenn es um die eigene Person geht: Frau Winter, Sie haben
nie ein Hehl daraus gemacht, dass Ihr englisch klingender Ich habe ihn mir aus privaten Gründen Mitte der 60er Jahre zugelegt, als ich in Bremen engagiert war. Stimmt es, dass Sie ihn aus den Namen Ihrer Vorbilder Judy Garland und Shelley Winters Ihren Namen Judy Winter gebildet haben? Ja, das stimmt. Bedeutet eine solche Namenswahl nicht ein sehr hochgestecktes Ziel für eine junge Schauspielerin? Man muss sich dadurch ja immer an seinen Idolen messen lassen. Den hohen Anspruch hatte ich immer. Auch heute noch. |
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![]() Judy Winter mit 10 Jahren als Ballettelevin (rechts) |
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Judy Winter
mit 12 Jahren im Weihnachtsmärchen. |
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![]() Judy Winter mit Erwin Wirschaz in Erwin und Elmire von J. W Goethe. Regie: Kurt Hübner. Goethetheater, Bremen, 1963.Foto: Wolle |
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An welchen Vorbildern außer Judy Garland und Shelley Winters haben Sie sich als junge Schauspielerin orientiert? Das ist schwer zu sagen. Ich fand Ingrid Bergman sehr gut und faszinierend, außerdem Liv Ullmann, Ingrid Thulin und Harriet Andersson. Wirklich kopiert habe ich Francoise Dorléac, die 1967 verstorbene Schwerster von Cathérine Deneuve. Sie spielte in „Süße Haut" von Truffaut (der wäre mein Film-Traumregisseur gewesen) und in „Wenn Kattelbach kommt" von Polanski. Von ihr habe ich meinen Haarschnitt her, den ich |
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heute noch trage. Elisabeth Bergner hat mich in ihren Manierismen fasziniert. Ich fand verschiedene Schauspieler toll, aber ich wollte nie sein wie sie. Sie waren ursprünglich Tänzerin. Warum haben Sie zur Schauspielerei gewechselt? Da spielten zwei Gründe zusammen. Einmal: Ich war zu groß. Das ist keine Lüge: Mit 1,75 m Körpergröße findet man als Tänzerin keinen Partner. Zum Zweiten: Ich war besessen vom Tanzen und hatte schon früh den Ehrgeiz, unbedingt die Nummer Eins zu sein. Aber dann habe ich gesehen, ich packe es nicht, es gibt einfach bessere. Was nicht heißen soll, dass ich schlecht gewesen wäre. Ich war sehr gut, aber nicht gut genug. Ich war immer bis zur Generalprobe phänomenal, doch dann fingen die Knie an zu zittern. Als ich wusste, ich werde nie die Nummer Eins sein, entschloss ich mich umzusatteln. Das war nicht einfach. Wollen Sie heute als Schauspielerin immer noch die Nummer Eins sein? Nicht mehr unbedingt. Heute finde ich es entscheidend, dass man nicht austauschbar ist. Ich hab's mal so formuliert, und das gilt für mich nach wie vor: Ich wollte nie die Beste sein, sondern das Beste geben. |
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![]() Judy Winter — Abschluß in der Schauspielschule |
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Hat es Ihre Berufswahl beeinflusst, dass Ihre Mutter Tänzerin war? Meine Mutter hat nie als Tänzerin gearbeitet. Sie hat mit 18 Jahren geheiratet und den Beruf aufgegeben. Natürlich hatte sie eine enge Beziehung zum Ballett und mir auch viel davon vermittelt. Vielleicht war es mein unbewusster Wunsch, die Laufbahn, die sie nicht ausgelebt hat, zu Ende zu führen. Aber meine Mutter war nie eine Eislaufmutter, die ihren Ehrgeiz auf das Kind projiziert. Ich fing überhaupt erst mit zehneinhalb Jahren an zu tanzen, das ist zu spät für ein Kind. Damals hab' ich mir nicht vorgestellt, dass das harte Arbeit ist. Erst war ich sehr enttäuscht, dann aber besessen. Ich kam bald ins Kinderballett des Staatstheaters, aber mit dem Wachstum kamen auch die Zweifel an der möglichen Karriere. Damals wollte ich auf die Pädagogik umsatteln. Und habe dann mit 13 Jahren das Kinderballett in Mannheim geleitet. |
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Wie war das möglich — in dem Alter? Weil ich so hoch aufgeschossen war, konnte man mich als 18 ausgeben. Die Arbeit mit den Kleinen hat mir sehr viel Spaß gemacht. Aber dann bekam ich mit 14 ein Engagement als Elevin in Heidelberg. Wegen meiner Größe habe ich damals auch schon einige Solosachen getanzt. Nur gab es da eben das Problem mit den Partnern. Nach eineinhalb Jahren, im Alter von 15, ging ich dann auf die Schauspielschule nach Stuttgart. Von den zwei Jahren Ausbildungszeit habe ich nur anderthalb absolviert: Ich konnte vorzeitig die Abschlussprüfung machen. Weil Sie so gut waren? Ja. Mein erstes Schauspiel-Engagement trat ich 1961 in Ulm
an, das war ein Stückvertrag für vier Monate. Dann ging ich aus
privaten Gründen nach Trier — ich hatte mich verliebt. Dort war
ich ein Jahr. 1963 ging ich zum Intendanten Kurt Hübner nach Bremen und
blieb dort sieben Jahre. Es war sehr schwer, nach diesen sieben Jahren in Bremen zu sagen, jetzt will ich woanders hin. Ich war versaut — im positiven Sinn versaut, insofern, als ich mir nach Bremen keine durchschnittliche Stadttheater-Arbeit mehr denken konnte. Deshalb wollte ich auch nicht mehr in ein festes Engagement. Warum haben Sie Bremen verlassen? Wieder aus privaten Gründen. Ich hatte mich in meinen jetzigen Mann verliebt und ging mit ihm nach Hamburg. In der Zeit fing ich langsam an, Theater gastweise und Fernsehen zu machen. Ich hatte zwar vorher schon Fernseh-Angebote, aber ich dachte, bevor ich das mache, muss ich erstmal die Kraft haben, ein Theaterpublikum vom Husten abzuhalten. |
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![]() Judy Winter in einer Drehpause 1968. Foto: K. Warwas |
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![]() Judy Winter mit Johannes Schaaf in „Alles im Garten" von Edward Albee. Regie: Rolf Becker. Goethetheater, Bremen, 1963. Foto: F.Wolle |
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![]() Judy Winter als Wendla in „Frühlings Erwachen" von Frank Wedekind Regie: Peter Zadek. Goethetheater, Bremen, 1966.Foto: F.Wolle |
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Wie ging es mit Ihrer Karriere weiter, als Sie sich entschlossen hatten, nur noch frei zu arbeiten? Hauptsächlich mit Film und Fernsehen. In Hamburg habe ich 1970 nichts Wichtiges am Theater gemacht — da hat man mich fallen lassen. Meine erste große Filmrolle hatte ich 1971 in „Und Jimmy ging zum Regenbogen" von Simmel. Aber ich hatte immer Sehnsucht nach dem Theater. |
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1975 spielte ich in München an der Kleinen Komödie die Lady Chiltern in „Ein idealer Gatte" von Oscar Wilde, 1977 am Hamburger Thalia Theater das Killergirl Velma in dem Musical „Chicago" mit Nicole Heesters als Roxie Hart. „Chicago" habe ich dann auch in Wien gespielt. Dann kam bald Berlin. Inzwischen ist das Renaissance-Theater mein Wahlhaus geworden. Dort spiele ich seit fast fünf Jahren und auch in nächster Zeit. |
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![]() Judy Winter als Verena mit Malte Thorsten als Oliver in „Liebe ist nur ein Wort" Deutscher Spielfilm 1971. Foto: SV Judy Winter
in dem Musical „40 Grad im Schatten". Regie: Gene Reed. |
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![]() Judy Winter als Lady Chiltern mit Tilly Lauenstein in „Ein idealer Gatte" von Oscar Wilde. Regie: Dieter Wieland. Kleine Komödie, München 1975. Foto: Anne Kirchbach |
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Welche Rollen haben Sie dort gespielt? Mein Einstieg am Renaissance-Theater war 1987 die Ranjewskaja in Tschechows „Kirschgarten". Regie führte Otomar Kreica. Allerdings war ich mit der Inszenierung nicht einverstanden. Ich bin furchtbar nervös geworden, weil wir von den sechs bis sieben Wochen Probenzeit fünf Wochen nur geredet haben. Statt zu probieren, saßen wir am Tisch und haben Gespräche geführt. Die Ranjewskaja möchte ich gern noch einmal spielen, um die Rolle besser auszuschöpfen. Jetzt spiele ich, obwohl ich theoretisch zu jung dafür bin, die Mutter in „Eines langen Tages Reise in die Nacht" von Eugene O'Neill, unter der Regie von Gerhard Klingenberg. Das ist eine Herausforderung, die mir sehr gefällt. Als nächstes werde ich einen Turgenjew spielen, da bin ich dann wieder jünger als in Wirklichkeit. Dann kam die Laura in „Laura und Lotte" von Peter Shaffer, inszeniert von Barbara Bilabel. Das war mal ganz was anderes, eine Komödie, fantasievoll, geistreich und witzig. |
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Wie bewältigen Sie die Wechsel zwischen solchen —
auch altersmäßig — Ich möchte es so formulieren: Es gibt Darsteller und Schauspieler. Darsteller ist man, wenn man nicht in der Rolle lebt, sondern nur eine Figur, oder sich selbst darstellt. Ich möchte eine Schauspielerin sein. Würden Sie Ihre Definition etwas näher erläutern? Kein Mensch ist austauschbar. Agnes Fink spielt dieselbe Rolle
anders als Maria Wimmer. Wenn ich eine Figur spiele, geht, lacht und trauert
sie eben auf eine ganz bestimmte Art und nicht anders. Diese Art ist natürlich
nicht bei jeder Rolle gleich, denn dann würde ich ja immer Judy Winter
spielen. Sie nennen als Beispiele wie als Vorbilder immer wieder Filmschauspieler. Lässt sich denn die handwerkliche Arbeitsweise eines Schauspielers problemlos von einem Medium aufs andere übertragen? Ich finde heute, dass der Unterschied zwischen der Arbeit auf der Bühne und vor der Kamera nicht so gross ist. Nur hat das Theater für mich eine ungeheure Erotik — da muss man den gleichen Atem haben wie das Publikum, das vor einer Kamera ja nicht da sein kann. Sie machen also im Theater und im Film keinen Unterschied in der Benutzung Ihrer schauspielerischen Mittel? Ich hoffe nicht. Nur die Sprechtechnik muss ich vor der Kamera anders einsetzen, denn auf der Bühne muss ich noch in der 20. Reihe verständlich |
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![]() Judy Winter in dem Simmel-Film „Und Jimmy ging zum Regenbogen", 1971 |
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| sein. Aber vom Denken und Spielen her gibt es für mich keinen Unterschied. Mein Zugang zu einer Rolle ist in beiden Fällen der gleiche. Der einzige Unterschied ist: Wenn man dreht, hat man nicht den Luxus, dass man etwas wiederholen und eine Rolle weiterentwickeln kann. Im Theater macht man sich auch nach der Premiere seine Gedanken zu einer Rolle und arbeitet daran weiter. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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![]() Judy Winter als Velma in dem Musical „Chicago" von Bob Fosse und John Kandler. Regie: Helmut Baumann. Theater an der Wien, Wien, 1981, Foto: V. Mory |
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Und wie gehen Sie an eine Rolle ran? Ich lese erstmal das Stück. Immer wieder — ohne
Übertreibung bestimmt fünfzig Mal, so dass ich das ganze Stück
oder Drehbuch im Ablauf präsent habe, mit der Entwicklung der Rollen
(nicht nur meiner eigenen). Dann lasse ich das in mich
einsacken — in der Zeit arbeitet es ja in einem. Und dann kommen spontan
Ideen, so müsste die und die Szene aussehen — daraus fügt
sich allmählich ein Mosaik zusammen. Dann fang ich mit dem Textlernen
an. Den Text lern ich meist im Auto, wenn ich an den Ampeln stehe. Wenn er
mir besonders schwer fällt, setz ich mich zum Lernen in ein Café,
wo wirklich Trubel ist — das zwingt mich, mich sehr zu konzentrieren.
Zu Hause bin ich zu abgelenkt — da kocht man Kaffee, telefoniere ich,
oder gehe schnell ein mal zum Einkaufen. Und wenn Ihre Vorstellung sich nicht mit der des Regisseurs deckt? Das ist produktiv, da kann man streiten und etwas entwickeln. Meine Vorstellung kann ja auch falsch sein. Aber ich muss erstmal eine haben, sonst würde ich mich in einem Niemandsland bewegen. Das fände ich furchtbar. Ist es Ihnen je passiert, dass Sie eine Rolle nicht in den Griff gekriegt haben? Oh ja, in meiner Anfangszeit in Bremen habe ich die Dorine im „Tartuffe" gespielt — die habe ich einfach nicht gepackt. Ich musste sie aber trotzdem spielen und habe mich jeden Abend dafür geschämt. Ich hatte früher Schwierigkeiten mit aktiven Rollen: Ich wollte lieber passiv sein, lieber zuhören als agieren. |
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![]() Judy Winter als Renjewskaja in der „Kirschgarten" von Anton Tschechow Regie: Otmar Krejca. Renaissance-Theater, Berlin, 1987. |
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Wenn sich heute wirklich einmal bei Ihnen keine Idee von der Rolle einstellte, würden Sie dann die Produktion absagen? Das fände ich unfair. Ich würde den Regisseur um Hilfe bitten. Das Wichtigste ist ja das Vertrauensverhältnis zwischen Regisseur und Schauspieler. Und das Schlimmste ist, wenn man Unsicherheit vertuscht. Nur das seelische Nacktsein ist produktiv. Natürlich gibt es oft Schwierigkeiten zwischen Regisseuren und Schauspielern. Das Vertrauensverhältnis, in dem man sich ungeschützt einander aussetzen kann, ist ja der Traum eines jeden, nicht die Norm. Die Norm ist, dass man sich angleicht, dass beide Seiten Kompromisse eingehen (ich hasse das Wort Kompromiss!), und dass keine Transparenz zustande kommt, weil man gegenseitig kein Vertrauen hat. Wenn das Vertrauen sich aber einstellt, ist das die wunderbare |
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![]() Judy Winter als Cäcilie in „Stella" von J.W. v. Goethe. Fernsehfilm 1982. Foto: Sessner |
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| Ausnahme. Deshalb habe ich ja mal diesen Beruf ergriffen, um so arbeiten zu können. Das hat nichts mit Siegen oder sich Durchsetzen zu tun. Solche guten Erlebnisse hatte ich mit der Regisseurin Barbara Bilabel und mit Gerhard Klingenberg. Da muss man in der Zusammenarbeit nicht erst Basisforschung machen, sondern man weiß, wo man hin will. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Würden Sie gerne an bestimmten Häusern Ich kenne die einzelnen Häuser zu wenig, um zu sagen, ich möchte nur da und da spielen. Es kommt immer auf die Crew und auf den Regisseur an. Und ich lasse mich gerne auch auf junge und unbekannte Regisseure ein, wenn die Vertrauensbasis stimmt. Welche Regisseure waren für Sie als Schauspielerin entscheidend? Am Theater sicher Peter Zadek und daneben Oswald Döpke. Beim Film sind es Peter Beauvais und Cordula Trantow. Was haben Sie unter Zadek gespielt? Unter anderem die Wendla in „Frühlings Erwachen" von Wedekind und die Elise in „Der Geizige" von Molière. Ich habe allerdings in Bremen nur selten unter Zadek gespielt — ich wollte es nicht, da wir damals privat verbunden waren. Aber die gemeinsame Arbeit hinter lässt ja einen Stempel. Haben Sie Lieblingsrollen und bisher offengebliebene Wunschrollen? Es gab Lieblingsrollen, für die ich aber jetzt zu alt bin — von der Kameliendame bis zu Shakespeares Viola. Und es gibt einiges, was ich verpasst habe, oder wofür ich damals nicht weit genug war: Ich habe nie das Gretchen gespielt und nie die Julia. Aber ich glaube, diese Rollen hätten mich damals sehr belastet, weil ich sie nach meinen Vorstellungen nicht gut genug hätte spielen können. In Schülers „Maria Stuart" würde ich gerne beide Hauptrollen spielen: sowohl die Elisabeth wie die Maria. Auch die Lady Macbeth würde reizen. Aber das sind alles Dinge, die nicht sein müssen — und wenn sich's ergibt und auf einen zukommt, ist es schön. Was tun Sie zu Ihrer persönlichen Entspannung? Ich mache ein bisschen Joga und Meditationsübungen, lege Patiencen und versuche einfach, das Hirn frei zu bekommen. Das ist oft schwer genug. Sie sagten, dass Sie viel lesen. Haben Sie Lieblingsautoren? Ich finde immer am spannendsten, was ich gerade lese. Ich bin sehr neugierig. Im Moment entdecke ich neu „Das blutende Herz" von Marilyn French. Dieses Buch hat mich vor zehn Jahren sehr gelangweilt, damals habe ich es wohl nicht verstanden. Jetzt fasziniert es mich. |
![]() Judy Winter als Sybille in dem Fernsehspiel „Der Besuch" von Cordula Trantow. Regie: Cordula Trantow 1989. Foto: set ![]() Judy Winter zu Hause mit Lissi, 1982 Foto Rabanus |
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![]() Judy Winter als Vera und Karl Michael Vogler als Fritz Drexel in dem Fernsehfilm „Ein ungleiches Paar" von Dieter Wellershoff. Regie: Peter Keglevic. 1988. Foto: WDR ![]() Judy Winter mit Rüdiger Bahr in „Alles im Garten" von Edward Albee. Regie: Gerhard Klingenberg. Renaissance-Theater, Berlin, 1990. Foto: Face/Rocholl |
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Und welche Autoren spielen Sie gern auf der Bühne ? Vor allem die Russen. Nach Tschechow zum Beispiel bin ich süchtig, der ist für mich unbeschreiblich wichtig. Wichtig finde ich auch Arthur Schnitzler. Ich bin traurig, dass ich den nie spielen kann, weil ich nicht österreichisch kann. Edward Albee ist auch wichtig — ach, es gibt viele. Sie sind Jahrgang 1944 und Sie nennen sich selbst ganz unbefangen eitel. Macht Ihnen das Älterwerden Probleme? Naja, eine Kameliendame muss jung und schön sein — das geht nun nicht mehr. Aber ich habe mein Alter nie versteckt. Ich habe schon vor zehn Jahren die Mutter Courage gespielt, die ja sonst immer viel älter besetzt wird. Das ist eine schwere Rolle, aber schön — da gibt es viel zu entdecken. Und im Moment spiele ich in Berlin in O'Neills „Eines langen Tages Reise in die Nacht" eine Frau zwischen Fünfzig und Sechzig — damit habe ich kein Problem. Außerdem gibt es so viele faszinirende Rollen für mein Alter. Sie sind mittlerweile sehr häufig im Fernsehen zu sehen. Hat das Fernsehen Vorrang, vor dem Theater? Nein, im Moment mache ich mehr Theater. Theater ist eine Sucht, es lässt einen nicht los. Der Beruf ist schon sehr schön — das heißt, er kann sehr schön sein, aber er ist es nicht immer. Wann ist er für Sie nicht schön? Wenn eine Arbeit vom Schauspieler oder vom Regisseur her,
der den Schauspieler formt, zu onanistisch und zu eitel wird. Wie ist Ihr Verhältnis zur leichten Muse? Sehr stark. Ich liebe die "Klamotte" und möchte
das auch gerne mal spielen. Aber man lässt mich nicht, weil man es mir
nicht zutraut. Es gibt ja auch nichts Schwereres als gutes Boulevardtheater.
Bei uns fehlt die Ausbildung dafür. Boulevard wird einfach nicht ernst
genommen. Wenn ich in London Boulevard ansehe, gehe ich in die Knie —
so ernsthaft, gut und zum Teil ungeheuer böse ist das. Wenn in Deutschland Boulevard gemacht wird, dann weiß
man von vornherein, wie's aussieht — nämlich schlecht. |
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Dame. Ich hab es mir vier oder fünf Mal angesehen, weil ich dachte, es kann nicht wahr sein. Sie war so fantastisch, hat mit ganz kleinen, winzigen Mitteln gearbeitet, wie vor der Kamera, das war alles so leicht und gleichzeitig so ernsthaft und so böse. Davon habe ich viel gelernt — leider habe ich Dame Wendy Miller nie persönlich kennengelernt. In Deutschland geht man beim Boulevard sofort mit Kompromissen an die Sache ran. Wenn man da künstlerische Ansprüche stellt, heißt es gleich, das kommt beim Publikum nicht an. Sie machen sehr viel Fernsehen. Was halten Sie vom Fernsehen als Kulturmedium? Das Fernsehen als Kulturmedium ist ein Witz. Es gibt ein paar gute Alibifilme, die immer wiederholt werden. Aber es werden ja kaum noch qualitätvolle Fernsehspiele gemacht, nur noch Serien. Und durch die Privatsender wird das immer schlimmer. Glauben Sie, dass das ständig wachsende FernsehenAngebot dem Theater das Publikum stiehlt? Ich denke, das Publikum wird oft unterschätzt. Es ist
nicht so genügsam, wie man gerne glaubt. Meines Erachtens wird das Theater
sein Ecke behalten. Einerseits gibt es das Star-Theater für die Zuschauer,
die die Fernsehlieblinge auf der Bühne sehen wollen, zum anderen gibt
es einen elitären Publikumskreis, der sich fürs Theater interessiert,
die Stücke vorher liest, sich damit auseinandersetzt. Gottseidank wird
das denkende Publikum nicht aussterben — ich glaube sogar das Gegenteil. |
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![]() Judy Winter mit Harald Juhnke in „Eines langen Tages Reise in die Nacht" von O'Neill Regie: Gerhard Klingenberg. Renaissance-Theater, Berlin, 1990. Foto: Face/ Rocholl |
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Hat das Theater ihres Erachtens eine gesellschaftspolitische Aufgabe? Ich finde das sehr wichtig, dass sich das
Theater um aktuelle gesellschaftspolitische Probleme kümmert. Man kann
das Politische nicht ausgrenzen, politisches Theater muss sein. Aber ich würde
mich scheuen, auf der Bühne Wahlwerbung zu machen, wie es manche Schauspieler
tun, denn ich finde es gefährlich, mit der eigenen Popularität Wählerstimmen
zu beeinflussen. Unter den für Sie wichtigen Regisseuren nannten Sie auch
Cordula Trantow, Weil Sie nur durch unsere Freundschaft zustande gekommen ist. Es ist |
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noch gar nicht lange her, dass wir uns kennengelernt haben,
aber wir hatten schnell beide das Gefühl, als kannten wir uns schon ewig.
Sozusagen Schwestern im Geiste. . . Wie reagieren Sie auf Kritiken? Unterschiedlich. Es gibt Kritiker, wenn die mich fabelhaft finden, bin ich beleidigt. Weil sie eben auch andere Schauspieler fabelhaft finden, unter die ich nicht eingereiht werden will. Ich finde es oft unverschämt, wie sich Kritiker ellenlang über den Stücktext verbreiten und zum Teil nicht einmal die Schauspieler der Aufführung erwähnen. Aber wenn ich Theater spiele, ist es mir wichtiger als die Kritik, dass das Haus voll ist und ich mein Publikum im Griff habe. Sie sind so viel beschäftigt, dass Sie sich sicher manchmal zwischen Theater und Film entscheiden müssen. Was ziehen Sie vor? Wenn es eine grundsätzliche Entscheidung auf Dauer wäre,
würde ich wahrscheinlich das Theater vorziehen. Für mich ist die
Quintessenz des Theaters der direkte Kontakt zum Publikum. Allerdings ist es eine andere Verantwortung, mit dem Film leben zu müssen. Das ist ja ein Dokument. Wenn ein Theaterstück abgespielt ist, ist es immer ein kleiner Tod, denn dann ist es nicht wieder bringbar, vorbei. Aber mit dem Filmdokument, das bleibt, möchte ich gut leben können, ohne mich später dafür schämen zu müssen. Das ist eine Herausforderung ganz anderer Art, die ich nicht missen möchte. Sie haben bis jetzt sehr viel erreicht. Welche Ziele haben Sie noch? Ich möchte nicht vergessen zu leben. Das finde ich sehr
entscheidend, dass man nicht nur arbeitet. Klar, Arbeit gehört zum Leben.
Aber jeder, der in einem Beruf drinsteckt, den er liebt, und in dem er nicht
stehen bleiben will, läuft Gefahr, darüber manchmal Freunde, Freuden
und Genüsse zu vergessen. Ich bemühe mich, das nicht zu tun. |
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- Copyright Musical-Operette:
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